Der Arbeitsplan -er DT. im Gau Hessen.
-0- Nach dem Abschluß der Wettkämpfe ruft Gauoberturnwart Wilh. Will (Gießen) mit seinem soeben erschienenen Turnplan für 1 9 3 0/31 die Gauturnerschaft bis in den kleinsten Landverein wieder auf zu neuer, stofflich, zeitlich und methodisch geregelter Ausbildungsarbeit.
Schon anfangs Oktober tritt der Gau- Turnausschuß zu Gießen zusammen, um auf breiter Grundlage den Llebungsplan in Gang zu sehen, der dann weiter in mehreren V o r - turnerstunden innerhalb der sechs Bezirke stufenweise an sämtliche Gauvereine herangebracht wird. Neben den allgemeinen Ord- nungs-, Frei- und Geräteübungen werden die verschiedenen Fachwarte für Frauen-, Kinder- und Dolksturnen, Schwimmen, Spielen und Fechten ihre besonderen Gauvorturnerstunden eingliedern. Darüber hinaus findet für Turnwarte und Vorturner im November ein viertägiger Lehrgang in Gießen statt, solche für Frauen, Volksturner und Fechter sind in Aussicht genommen. Diese vielseitige turnerische Ausbildungsarbeit wird im Laufe des nächsten Jahres ihren Abschluß finden, zunächst innerhalb der einzelnen Bezirke, wobei die Wettkämpfe an den Geräten bis zum 6. April, diejenigen im Dolksturnen bis zum 15.2uni erledigt sein müssen. 3m Gau findet das Frauenwetturnen in Butzbach, das Wettschwimmen in Lauterbach statt, während das allgemeine Gauturnfest in Verbindung mit Spielen und Fechten, da Meldungen bislang nicht vorliegen, von der Gießener Turnerschaft übernommen werden wird.
Die Vcrwaltungsarbeit wird anfangs November durch eine Tagung der Vorsitzenden aller Gauvereine zu Gießen eingeleitet, und in dem Versammlungsraum wird gleichzeitig der große Staffellauf, den die Gauturnerschaft zu Ehren ihres langjährigen und verdienten Gau- oberturnwartes Wilhelm Will, Gießen, alle drei Jahre veranstaltet, seine verschiedenen Laufstrecken aus dem Gaugebiet unter Leitung des Gauwartes für das Volksturnen, Kl immer, Kloster Haina, zusammenführen.
Leichtathletik der Sp.-Äg. 1900.
Dereinsmeisterschaften am kommenden Sonntag.
ö. Wie alljährlich, so beschließt auch diesmal die Leichtathletik-Abteilung der Spielvereinigung 1900 die Dahnsaison mit einer internen Veranstaltung, mit den Vereinsmeisterschaften. Diese werden neben dem starken Stamm deb Aktiven auch die ansehnliche Jugend- und Frauenabteilung in Tätigkeit zeigen. Mit besonderem Interesse sieht man den erstmalig eingelegten, über 50, 100 und 200 Meter gehenden Sprinterdreikämpfen in der aktiven und ^-Jugendklasse entgegen. Daneben werden die mit den besten zur Verfügung stehenden Leuten, besetzten Staffeln einen starken Anreiz ausüben.
Schießsport in Gießen.
Am 20., 21. und 22. September hielt die Schützengesellschaft 1926 Gießen ihr diesjähriges Hauptschießen ab. Die Beteiligung und die erzielten Resultate waren zufriedenstellend.
Auf der Festscheibe 175 Meter stehend frei Hand erzielte Herr Biedermann, Alsfeld, den
Helene ChLodwigs
Schuld und Sühne.
Vornan von 3- Schneider-Foerstl.
Urheber-Rechtschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
23. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Hella glaubte, ein übriges tun zu müssen, den Vater als Tyrannen hinzustellen. „Nachts hat :r sie aus dem Schlaf gerissen und ihr Dor- vürfe gemacht, daß sie sich nicht genug um dich orge. Ich habe ihn einmal schreien hören: „Du -erzloses Geschöpf du!" ilni) die Mama ist doch jetoif) nicht herzlos, Bert?"
Er schüttelte den Kopf und hatte die Finger geballt auf der Decke liegen. Durch das entlaubte Äeäst des Baumes warf ihm die Sonne Lichtkringel ins Gesicht. Aus dem äußersten Zweige wippte eine schwarzschopsige Drossel und flötete mit ihrem rotgelben Schnabel in die Stille des Nachmittags. Rastlos schlürften die Dienen letzte Süßigkeit aus den sterbenden Blüten der Dahlien und Astern, die sich buntfarben den Zaun hinab- ichlangen.
Huberts Blick hing jetzt an dem Hause, dessen Malereien über Türe und Fenstern in warmen Farben spielten. War das wirklich einmal gewesen, daß er leichtfüßig über den Kies gelaufen und die Stufen hinaufgesprungen und durch den Garten getollt hatte? — Vor Jahren! Dor Jahrzehnten vielleicht! — Unmöglich, daß erst fünf Wochen seit jenem Unglückstage verstrichen sein sollten.
„Der Dater!" mahnte Sabine, als sie ihn im Gespräch mit der Geheimrätin aus der Türe treten sah.
Helene biß in die roten Lippen und trotzte. „Er wird uns nicht gleich verschlingen, wenn wir Bert einmal Gesellschaft leisten. Ich habe es der Großmama schon gesagt: Wenn er mir's zu bunt macht, gehe ich! — Ich weiß schon wohin!" 3n ihren Augen stand ein sehnsüchtiges Locken, ihr Mund zuckte begehrend. Mohnrot brannten die Wangen in dem schönen Gesicht auf.
„Gehst du zur Mutter?" Die eingetrocknete Zunge des Kranken gab der Stimme einen ungemein spröden Klang.
„Ach!" Die hübsche Schwester hob die Schultern und lächelte über ihn hinweg. „Die Mama hat mit sich selbst genug zu tun! — Vielleicht kommt sie überhaupt nicht mehr!"
„Hella!" mahnte Sabine entsetzt.
Kalkigweiß, mit weitgeöffneten Augen starrte der Knabe ihr auf. Kraftlos lösten sich die Finger voneinander. „Laßt mich schlafen jetzt! — Ich bin so müde. — Sabine, geh in mein Zimmer und nimm den großen Malkasten aus meinem Schrank und gib ihn Iust. Er hat ihn immer so gerne gewollt."
„Der Dater wird zanken!"
Turnen, Sport und Spiel.
1. Preis, Hans S i pi on, Fulda, den 2., Rudolf Weil, Gießen, den 3., Georg Hill, Alsfeld, den 4., Georg G ü m b l e i n, Gießen, den 5., Karl Schneider, Gießen, den 6., Hermann Sauer, Gießen, den 7., Willi Georg, Gießen, den 8., Fritz D e w a l d, Gießen, den 9., Hannes Schmidt, Weilmünster, den 10.
Auf der Festscheibe 100 Meter erzielte Herr Hermann Sauer, Gießen, den 1. Preis, Willi Hahn, Lich, den 2.» Georg G ü m b l e i n, Gießen, den 3.. Willi Georg, Gießen, den 4., Fritz Dewald, Gießen, den 5., Din gelb eh, Als
feld, den 6., Willi Bette. Gießen, den 7., Konrad Becker, Gießen, den 8., Hans Kumme r o w, Gießen, den 9.» Theo Spanier, Nidda, den 10.
Außer diesen Festscheiben wurden noch auf 100 und 175 Meter Meisterscheibcn geschossen, jedoch konnte das Resultat bis zur Stunde noch nicht genau festgestellt werden.
Nach dem Abschiehen nahm der 1. Dorsitzende und Oberschützenmeister, Herr Eduard Gond- n e r, die Preisverteilung vor.
Aach sechs Zahlen wieder gegen stngarn.
9. Zußball-Länderkampf Deutschland-Lingam in Dresden.
Zum neunten Male veranstaltet der Deutsche Fußball-Bund am kommenden Sonntag in Dresden einen Länderkampf gegen Ungarn. Die Veranstaltung dieses Spieles beendet ein wenig erfreuliches Kapitel der in den letzten Iahren vom DFB. betriebenen „Außenpolitik". Es ist das erste Zusammentreffen beider Verbände seit der Zeit, wo der Deutsche Fuhballbund glaubte, seine Amateure mit den Profis jenseits der Donau nicht mehr spielen lassen zu dürfen. Sechs Iahre hat dieser Zustand gedauert, sechs Iahre liefen die toleranteren unter den DFB.-Landesverbänden vergeblich gegen diese Bestimmung Sturm, und endlich hat der DFB. seinen Fehler gutgemacht und die „Grenzen geöffnet".
Die Bilanz der bisherigen Spiele ist nicht sehr erfreulich. Von den acht ausgetragenen Treffen haben die Ungarn vier gewonnen, drei endeten unentschieden und nur einmal kam Deutschland zum Siege. Das war 1920 in Berlin, und das Ergebnis lautete 1:0.
Nach dem bisherigen Abschneiden unserer Ländermannschaft muß man die Aussichten
gegen die Magyaren als nicht rosig bezeichnen. Deutschland hat zwar eine wesentlich stärkere Mannschaft gestellt, als gegen Dänemark. Das wird aber dadurch ausgeglichen, daß auch der Gegner weit stärker ist, als der von Kopenhagen. Wir sind nicht so vermessen, einen Sieg zu erwarten, hoffen aber, daß die deutsche Mannschaft den Ungarn das Siegen so schwer als möglich machen wird. Im übrigen hoffen wir auf ein klein wenig Fuhballglück, und damit sollte es uns gelingen können, die Bilanz der Ungarnspiele um zwei Punkte zu verbessern.
Die beiden Mannschaften
stehen sich wie folgt gegenüber: Deutschland: Kreß (Frankfurt): Schütz (Frankfurt), Burkhardt (Brötzingen): Hergert (Pirmasens), Leinberger (Fürth), Heidkamp (München): Albrecht (Düsseldorf), Lachner (München), Ludwig (Kiel), R. Hofmann (Dresden), L. Hofmann (München). Ungarn: Amsel (FTC): Mandl (Hungaria), Kronenberger (3. Bezirk): Lhka (FTC.), Kleber (Hungaria), Berkessi (FTC.): Etröck, Auer (beide Ujpest), Turay (FTC.), Hirzer, Ticzka (beide Hungaria).
KunfituM'Weitkampf in Darmstadt
Um -en Wanderpreis des hessischen Staatspräsidenten.
= Wie schon kurz mitgeteilt, findet am nächsten Sonntag in Darmstadt erstmals ein Kunstturn-Weltkampf der drei
hessischen Turngaue Hessen, Rhein-Main und Rheinhessen statt. Wie sehr man die Arbeit der D. T. einzuschätzen weiß, geht daraus hervor, daß der hessische Staatspräsident für den Wettkampf, der als turnerische Großveranstaltung alljährlich im Wechsel zwischen den drei Provinzialhauptstädten Darmstadt, Mainz und Gießen zum Austrag kommen soll, einen wertvollen Wanderpreis gestiftet hat. Um diesen Wanderpreis soll bis 1935 gekämpft werden: dann soll er derjenigen Mannschaft zufallen, die ihn am erfolgreichsten verteidigt hat.
Iede Mannschaft der drei Gaue besteht aus je acht der besten Geräteturner, unter denen man namhafte Sieger bei deutschen Turnfesten, Kreisturnfesten und deutschen Kampfspielen findet. Durch besondere Ausscheidungsturnen haben die drei Hessengaue ihre Besten ermittelt. Die Mannschaften sehen sich wie folgt zusammen:
Gau Hessen.
Karl Reuter und Karl Schick (Tv. 1846 Gießen), W. Sinn well (Tv. 1860 Dad-Nau-
heim), Richard Seth (Tv. Großen-Linden), Adolf Fink und Paul G ö t s ch (T.- u. Spv. Marburg). August Ebersbächer und Adolf Ahrens (Tgm. Marburg). Ersatzmann ist Walter Fink (T. u. Spv. Marburg). Das Durchschnittsalter der Mannschaft beträgt 23 bis 24 Iahre. Aeltester Teilnehmer ist S i n n - well (27 Iahre), die Jüngsten der Riege sind Schick und Ahrens mit 19 Jahren. Geführt wird die heimische Mannschaft von Gauoberturn- wart W. W i l l.
Gau Rheinhessen.
Otto D ü r o l f, Tv. Mainz-Amöneburg: N. K r i m m e l, Tv. Mainz-Kostheim; Hugo Neumann, T. u. Spv. 1860 Mainz: Adolf Müller, Tgs. Mainz-Mombach: Hch. S tad t ler, Tv. 1817 Mainz: Jakob Genh, Tgs. Mainz-Kaftel: Peter Kretz, Tv. 1846 Mainz-Kastel: Peter Rath, Tv. 1846 Mainz-Kastel. Das Durchschnittsalter beträgt 25 bis 26 Jahre. Aeltester Teilnehmer ist Stadler mit 40 Jahren.
Gau Rhein-Main.
Fiedler, Dlumenschein und Schwinn (Tgm. Darmstadt), Benz und Kramer (Tv.
„Du mußt es ihm ja nicht sagen", bat er. „Geh jetzt! — Bitte, Hella, geh! Der Dater macht solch ernstes Gesicht."
Sabine beugte sich hastig herab und kühle ihn auf die Stirne. Die Aeltere rückte ihm mit absichtlicher Langsamkeit die Decke über den Knien zurecht. Fünf Schritte war Franke noch von dem Liegestuhl entfernt, da blitzten ihm Hellas Augen kampfbereit entgegen. Dann machte sie eine Wendung und ging mit lässig wiegenden Hüften der Schwester nach, die bereits hinter den Bäumen ^verschwunden war.
„Warum bleiben sie nicht?" fragte Franke verärgert. „Sie haben wohl dummes Zeug geschwätzt ?"
Huberts Augen ruhten verschleiert in den seinen. „Ich habe sie gebeten zu gehen, weil ich so müde bin."
„Dann sollst du schlafen, mein Guter! Die Mama hat mir tausend Grüße für dich aufgetragen. Sie ist zur Zeit in Rom.
„Wann kommt sie wieder?" Franke fühlte etwas wie Beklemmung unter diesem Blick seines Aeltesten.
„Das weiß sie noch nicht gewiß, mein Junge." „Kommt sie überhaupt wieder, Dater?"
Die Frage kam dem Doktor so überraschend, daß er in ratloser Bestürzung auf den Sohn herabsah. Schon die nächste halbe Minute brachte ihm die Fassung wieder. Er lächelte und strich über Huberts leichtgewelltes Haar. „Warum soll sie nicht wiederkommen, mein Bub? So ist die Mama doch nicht, daß sie uns kurzerhand im Stiche läßt. Ich mußte ihr ausführlich berichten, wie es dir geht! — Lind damit du siehst, daß ihr ganzes Denken nur dir gehört, will ich dir auch verraten, weshalb sie fortgereist ist. Sie macht eine Wallfahrt um dein Genesen."
„ilm mein Genesen", sagte Hubert versonnen, schob seine Hand in die des Vaters und ließ die tränenbeschwerten Lider herabfallen.
Als Franke, der von Bödlinaer gerufen wurde, wieder ^urückkam, war er eingeschlafen. Er streifte eine Biene, die ihm lüstern über den Aermel kroch mit behutsamen Fingern ab und blickte nach der Sonne, deren Strahlen nun ganz schräge durch das Astwerk fielen. Ein stummer Dank traf die Amsel, die hoch oben in der Krone des Baumes ihr Lied in den Abend schmetterte. Es schien ihm, als tue sie das eigens für den Sohn. Er hätte jedem, der seinem armen Kinde Freude bereitete, umhalsen können.
Als er ein Stück nach den Büschen zuging, sah er Klein-Just vom Walde herüber gegen die Straße schleichen. Etwas wie ein Mahnen regte sich in ihm: War es nicht feine Schuld, daß der Junge sich scheu, wie ein Tier, an ihm vorüberdrückte? Er wollte ihn anrufen, unterließ es aber, als er merkte, wie er auf den Liegestuhl zuging.
Mit betrachtenden Augen stand der Kleine vor dem schlafenden Bruder, wischte sich dann mit dem Aermel über das Gesicht und drückte die Hände auf den Mund, daß er von seinem Weinen nicht geweckt würde. Dann fielen die
Finger wieder herab und begannen in den Taschen zu suchen, schienen nicht zu finden, was sie wollten, und nestelten nun an der kurzen blauen Hose, welche die Knie' frei ließ.
Franke starrte angestrengt, um zu erkennen, was er ihm jetzt behutsam auf die Decke legte. Klein-Just schien sich plötzlich anders zu besinnen. nahm die länglichen Dinger, die goldbraune Haselnüsse waren, wieder weg, steckte eine nach der anderen in den Mund und knackte sie auf. Vorsichtig begann er sie abzuschälen und legte die weißen Kerne wiederum auf die Decke.
Gin rührendes Lächeln der Freude machte dabei das schmale Gesichtchen erglänzen. Sich herabneigend, berührte er mit seinem Munde den Aermel des Bruders. Dann flüchtete er mit geräuschlosen Sprüngen den Stallungen zu.
Franke griff mit tauben Fingern in das Blattwerk des Strauches. Mit rauher Faust pochte das Gewissen an seine Brust. Was hatte er getan? Aus übergroßer Liebe zu seinem Aeltesten hatte er gegen seine anderen Kinder gesündigt. Waren sie nicht auch seines Blutes, wie Bert? Hatten sie nicht auch ein Anrecht auf seine Zuneigung? War es nicht sündhaft, sie büßen zu lassen, um des Unglücks willen, das keines von ihnen verschuldet hatte, das lediglich ein Schicksalsschlag und eine Fügung des Himmels war?
Er ging ins Haus. Die Geheimrätin glaubte, nicht recht gehört zu haben, als er ihr den Bescheid gab: „Ich möchte, daß du mit den Kindern für die letzte Woche der Ferien nach München gehst. Sabine ist so gedrückt und Hella wird etwas Vergnügen haben wollen. Sie wird sechzehn! Mit Just gehst du in den Zirkus und in Märchenvorstellungen. Averson kannst du inzwischen die Mädchen anvertrauen. Er tut es sicher gerne, wenn ich ihn darum bitte."
„Und du selbst, Just? — Willst du nicht auch einmal für einen Tag weg? — Ich verspreche dir, daß ich immer um unseren Kranken sein werde."
„Ich weih es, Mutter!" Sein Mund verschob sich in gewaltsam zurückgedämmtem Weinen. Seine Brust spannte sich unter der Schwere des Ertragenmüsfens. „Mir ist, als wäre noch nicht alles zu Ende! Als käme noch etwas nach! Etwas Fürchterliches. Unabwendbares!"
„Just!" mahnte sie angstvoll.
„Etwas, das mich noch vollständig zu Boden wirft, daß ich nnch nie wieder aus den Knien heben werde und genesen kann."
„Das ist nur die ungeheure Depression, in welcher du seit Wochen lebst", tröstete sie zuversichtlich. „Dann sieht man alles so schwarz. Wenn Helene zurück ist, mußt du auf einige Wochen fort." —
„Glaubst du, daß sie überhaupt wieder zurückkommt?" wiederholte er Huberts Frage.
Es war dasselbe fassungslose Erstarren, wie es auch ihn ergriffen hatte, das sich jetzt in ihrem Gesicht ausprägte. „Um Gott!" war alles.
Rüsselsheim), Brücher (Arheilgen), Dunz (Nieder-Ramstadt), S e l i g m a n n (Groß-Gerau). Das Durchschnittsalter liegt ähnlich wie beim Gau Hessen.
Der Kampf besteht aus je einer freigewählten Uebung an Reck, Darren und Querpferd. Außerdem haben von jeder Mannschaft vier Mann je einen Sprung über das Längspferd und vier Mann je eine Kürfreiübung zu turnen (unser Heimatgau He s- sen läßt die Freiübung von Götsch, Sinn- Well, Fink und Ebersbächer ausführen).
Als Kampfrichter sind bestellt die Turner Gebhardt (Frankfurt a. M.), G e r st u n g (Koblenz) und Söllner (Offenbach a.QU.).
, Die En ts chei düng wird man aller Voraus- stcht nach zwischen den Gauen Hessen und Rheinhessen zu suchen haben.
V. f. B.
Der Derbandsspiel-Terminkalender sieht für kommenden Sonntag das Spiel VfB. Liga Zegen FV. Ockershausen Liga auf dem Waldsportplah vor. Damit stehen'slch zwei alte Rivalen gegenüber, die sich in den letzten Jahren manchen harten Kampf geliefert haben. Die VfB.- Elf hat zwar den Vorteil des eigenen Platzes, damit aber das Spiel noch nicht gewonnen. Sie muß vielmehr mit Energie darangehen, die in den beiden letzten Treffen gezeigten Mängel zu beheben, wenn sie sich die wertvollen Punkte sichern will. Vor allem ist es nötig, daß der Sturm mehr Durchschlagskraft und Wucht aufbringt und sich schuhfreudiger zeigt als bisher. Dazu ist Vorbedingung, daß auch die Läuferreihe offensiver spielt und nicht fast nur auf Deckung eingestellt ist. Es wird auch diesmal wieder zwischen den beiden alten Kontrahenten einen scharfen Kampf geben, dessen Ausgang ungewiß ist. Jedenfalls sollte das Torergebnis nur ein sehr knappes sein.
Ebenfalls auf eigenem Platz hat die Ligareserve die 1.Mannschaft Steinbachs im fälligen Pflichtspiel zum Gegner. VfB. wird gut tun, sich vor Ueberraschungen zu schützen und von vornherein auf Sieg zu spielen.
Beide Jugendmannschaften tragen auf eigenem Platz Pflichtspiele aus. Die erste hat die gleiche Nieder-Weisels zum Gegner. Die Gäste dürften auch diesmal wieder um eine Niederlage nicht herumkommen. — Die zweite Iugendelf empfängt die erste Großen-Dusecks. Wer hier Sieger bleiben wird, ist nicht vorauszusagen.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
ö. Am kommenden Sonntag bestreitet die Ligamannschaft den ersten Meisterschaftskampf der Saison 1930/31. Gleich im ersten Spiel treffen die Gießener auf einen der härtesten Konkurrenten der letzten Jahre, auf den Wetzlarer Sportverein. Die Begegnung findet in Wetzlar statt. Die Spielvereinigung wird voraussichtlich das Spiel mit drei Ersatzleuten bestreiten müssen. 2n technischer Beziehung gibt man den Gießenern ein Plus, in kämpferischer dem Gastgeber Wetzlar. Wetzlar hat in seinen bis jetzt ausgetragenen Verbandsspielen zwei Niederlagen (2:3 und 1:2) erlitten, und es wird deshalb alles daransetzen, diesmal Sieger zu bleiben. Jede der Parteien sollte in der Lage sein, das Spiel für sich zu entscheiden. Der Vorteil des eigenen Platzes spricht für einen knappen Sieg des Platzvereins.
1900s Ligareserve steht vor einer gleich schweren Aufgabe im Spiel gegen Lollars
was sie hervorbrachte. Stützesuchend griffen ihre Finger nach der Kante des ovalen Tisches und gruben sich in die befranste Decke.
Die Augen voll unausgesprochener Angst ineinander versenkend, blickten sie sich an. Ließen fast zu gleicher Zeit die Lider herabsinken und gingen, ohne noch ein weiteres Wort gewechselt zu haben, auseinander.'
* * *
Franke schlief in dieser Nacht den Schlaf eines Toten. Dor dem Zubettgehen hatte er Hubert noch das obligate Pulver reichen wollen, aber der Knabe hatte abgelehnt. „Danke, Vater! Ich fühle mich besser heute. Ich will mich auch nicht so daran gewöhnen. Vielleicht träume ich dann ruhiger."
Nun kamen Frankes tiefe Atemzüge aus dem Zimmer nebenan, dessen Türe offenstand. Der Gelähmte wußte: Sin einziger leiser Ruf und der Vater würde an seinem Dette stehen und eine Linderung für ihn bereit haben. Die Fenster waren nur angelehnt. Durch den breiten Spalt kam die Kühle der Nachtluft und trug den herben Geruch von Erde herauf, der dem herbstlichen Boden entströmte.
Bleischwer lagen die gelähmten Deine auf dem weißen Laken, welches die Geheimrätin tagtäglich mit eigener Hand zurechtstrich, damit keine Falte dem armen Leib zur Qual wurde.
„Ich muh es tun!" ermahnte sich der Knabe zu wiederholtem Male. „Heute noch muß ich es tun. Vielleicht habe ich sonst nie wieder den Mut dazu. Jetzt ist alles noch ganz frisch, jedes Wort, das Just und die Schwestern zu mir gesagt haben. Ich muß gehen! Nur mein Tod tann wieder Frieden und häusliches Zusammenleben bringen. — Dann mußte auch die Mutter wieder zurückkehren, denn bei seinem Begräbnis durfte sie doch nicht fehlen. Auch Hella würde nicht mehr davonlaufen wollen, und wenn der Dater nur mehr den kleinen Just hatte, kam er wohl zur Besinnung, daß er nicht auch diesen einen Sohn noch verlieren durfte."
Die Arme schoben mühsam die Last des Körpers hoch. Er lauschte nach dem Zimmer nebenan und rief leise: „Vater!" Dann noch einmal: „Vater!"
Es blieb alles ruhig. Mit verbissener Kraft zogen seine Hände die beiden Kissen unter dem Kopfe weg und beförderten sie zu Boden. Dann folgte das Oberbett nach und zuletzt die Decke.
Schweißtriefend krallte er die Finger in die Matratze und ließ sich über den Rand des Lagers rollen. Es gab nicht den geringsten Lärm. Die Fülle des Bettes hatte iyn barmherzig ausgenommen. Mit vorgestreckten Armen zog er sich nach der Türe. Sie war eingeklinkt. — Ratlos sah er nach dem Schlüssel empor. Ihn zu erreichen, war unmöglich Die Füße und Schenkel versagten jeden Dienst des Ausrichtens. — Also mußte er den Weg durchs das Zimmer des Vaters nehmen.
(Fortsetzung folgt.)


