Wirble ins Leben!
Roman von Anna Zink.
Arheber-Rechtsschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau, 6.-QL
5. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Mer ganz in seinem Innern wollte ein leises Gefühl, daß da irgend etwas nicht seine Richtigkeit habe, ihn nicht zur Ruhe kommen lassen. Barbara hatte sich entschieden gut bei ihm eingelebt. Sie bewegte sich in dem Reichtum, der sie umgab so selbstverständlich, mit solch anmutiger Sicherheit, als habe sie niemals etwas anderes kennengelernt. „Was sollte sie wohl nnfangen ohne dies alles", dachte er beruhigt, nein, nein, es war auch für sie das beste so. Lind was ihre Extravaganzen anlange, die manchmal so plötzlich herausbrachen — mit den Jahren würde auch das sich geben. Er wollte Geduld mit ihr haben, sie allmählich erziehen, dann würde schon alles gehen.
Mit einer Bewegung, die wie ein Schlußstrich unter einer fertigen Arbeit aussah, warf Much den Rest seiner Zigarette in die Aschenschale. Ob seine Frau schon schlief? Es war anzunehmen. Auch er wollte sich zur Ruhe begeben. Er ging zur Tür. Plötzlich kam ihm der Gedanke, er tonne noch einen Gang durch den Garten machen. Er pfiff seinem Hunde, einer großen deutschen Dogge, die unter seinem Schreibtisch im Rebenzimmer lag und schlief. Der Hund erhob sich sofort und kam langsam und würdevoll heraus.
„Komm, Roy, wir wollen noch etwas Luft schöpfen", sagte Bernhard Much und lieh seine Hand leicht über den mächtigen Kopf des Tieres streichen. Cs war seltsam, seinem Hunde gegenüber verlor Much seine steife Korrektheit, die er im Verkehr mit Menschen stets zeigte.
Er ging aus dem Zimmer, die Treppe hinunter, gefolgt von dem schönen Tier. Er trat auf die Veranda und schritt die wenigen Stufen hinunter. Es war so dunkel, daß man keine fünf Schritte weit sehen konnte. Trotzdem ging Much weiter. Roy folgte ihm auf den Fuß. Plötzlich fing das Tier zu schnubbern an und stieß ein gedämpftes Klageaeheul aus.
„3a, was hast du denn?" fragte Bernhard Much erstaunt seinen Hund. Der gebärdete sich ganz seltsam^. Er faßte die Kleider seines Hemm vorsichtig mit den Zähnen und versuchte, ihn
zurück zum Haus zu ziehen, dabei ängstlich winselnd.
„Du bist ja ganz närrisch!" schalt Much. „Jetzt laß mich meinen Rudgang machen." Damit gab er dem Hund einen leichten Schlag auf die Schnauze und wanderte weiter.
Roy folgte mit bekümmertem Augenausdruck, der deutlich besagte: „3hr Menschen seid doch manchmal gar zu dämlich und merkt von nichts etwas." Er begnügte sich nun damit, andauernd zu winseln.
Bernhard Much fröstelte auf einmal. Sollte er doch nicht lieber umkehren und ins Haus zurück- gehen? Aber er hatte sich den Spaziergang vorgenommen, und seinen Vorsatz wollte er aus- führen.
Plötzlich krachte ein Schuß. Bernhard Much fühlte einen grauenhaften Schmerz in der rechten Schulter — goldene Funken sprühten vor feinen Augen — mit einem schwachen Stöhnen brach er zusammen, und er blieb bewußtlos liegen.
3n dem Augenblicke, als das geschah, sauste Roy in der Richtung, aus der der Schuh gekommen war, davon und erwischte gerade noch den Mann, der ihn abgegeben hatte.
Das starke Tier warf ihn um und stellte ihm die Pfoten aus den Brustkorb. Der Mann wollte sich befreien und versuchte, dem Tier einen Stich mit dem Messer, das er im Gürtel trug, zu versehen. Darüber geriet der Hund in solche Wut, daß er dem Liegenden mit feinen scharfen Zähnen die Kehle zerbiß. Röchelnd wand sich der Sterbende im Gras und verblutete langsam.
Roy kehrte zu seinem Herrn zurück, der immer noch bewußtlos dalag, stieß ihn ein paarmal aufmunternd mit der Rase an, beroch ihn von allen Seiten und jagte dann zum Hause zurück. Dabei bellte und winselte er abwechselnd. Schauerlich klang es durch die Rächt. Die Ve- randatür war noch offen. Roy rannte hindurch, sauste die Treppe hinauf bis zu Barbaras Tür. Dort drückte er mit der Pfote heftig auf die Klinke, die indessen abgeriegelt worden war. Aber Roy gab nicht nach. Er kratzte mit aller Kraft und bellte dazu.
Barbara hatte tief und fest geschlafen. Sie hatte vor dem Einschlafen noch über Reginalds Schicksal nachgedacht und beschlossen, ihm durch ihren Mann zu helfen. Wie, das war ihr selbst noch nicht ganz klar.
Sie schreckte in die Höhe, denn sie hörte das Kratzen und Bellen des Hundes. Mit einem Sprung war sie aus dem Bett, machte Licht und öffnete.
Da schoß der Hund auf sie zu, zog sie zur Tür hinaus, sprang die Treppe hinunter, kam wieder herauf, kurzum: Er versuchte, Barbara auf jede Weise klarzumachen, daß sie mit kommen müsse.
Barbara verstand. Hastig zog sie sich etwas an, warf einen Mantel um und folgte dem Hund. Vorher ging sie an die Tür des Dieners und weckte ihn.
„Karl, es ist etwas passiert! Kommen Sie rasch!"
Der Diener war in fünf Minuten angezogen und draußen. Sie folgten, so schnell es ging, dem Hund, der sie in den Garten führte.
„Rasch, rasch — eine Laterne!"
Der Diener brachte zwei Laternen und sie eilten in den Garten. Roy stand schon neben Much, als sie kamen.
„Am Gottes willen, gnädige Frau, dem Herrn ist etwas zugestoßen. Da fließt Blut über seinen Aermel. Man hat auf ihn geschossen!"
Barbara war blaß bis in die Lippen geworden. Sie befahl dem Diener, bei ihrem Manne zu bleiben. Sie selbst lief nach dem Hause zurück. Was tun?
„Reginald muh helfen", war ihr erster Gedanke. Sie lief bis zu seiner Zimmertür und klopfte. Richts rührte sich. Sie klopfte stärker, aber niemand antwortete. Da drückte sie leise die unverriegelte Tür auf, schaltete das Licht ein und sah zu Reginalds Bett hinüber. Der lag da wie ein großer Zunge und schlief, als gäbe es sonst nichts auf der Welt.
Sie rief ihn beim Ramen. Er öffnete die Augen, sah Barbara stehen und machte ein so verblüfftes Gesicht, daß Barbara beinahe gelacht hätte.
„Ich bitte dich, Reginald, hilf mir! Mein Mann liegt im Garten und ist angeschossen worden."
Wie der Wind war Reginald in seinen Kleidern. Barbara stand schon längst wieder draußen auf der Treppe und wartete auf ihn. Er kam sofort und beide eilten, so schnell es ging, in den Garten.
„Kommen Sie", sagte Reginald, nachdem er einen kurzen Blick auf den Ohnmächtigen geworfen hatte, „helfen Sie mit, ihn ins Haus zu tragen. And dann sofort zum Arzt."
Karl zeigte sich geschickter, als man vermuten konnte. Barbara leuchtete, und so brachten sie Herrn Bernhard Much ins Haus. Behutsam legten sie ihn in sein Bett. Barbara holte- Binden, Gaze und Watte. Reginald schnitt den
Aermel auf, und beide versuchten, einen Rok-e verband anzulegen. |
Unten hupte ein Auto. Der Arzt kam. ।
Fünf Minuten später trat er ins Zimmer undf war tief erschüttert, Much so wiederzusehen, nachdem er ihn gerade gestern frisch und vergnügt auf der Straße getroffen hatte. Der Arzt, ein älterer Herr, wurde immer bei Krankheitsfällen ins Haus gerufen. Er lobte die Umsicht, mlh welcher Reginald und Barbara zu Werke ge* gangen waren, untersuchte die Wunde, erklärt^ sie sei wohl ernst, aber nicht lebensgefährlich. Er verband sie sorgfältig, versprach, am anderes Tage eine Pflegerin zu schicken und bat, man mochte ihn rufen, wenn das Fieber anfttege« 3m übrigen käme er am anderen Tage wieder. Dann empfahl er sich. (
Barbara und Reginald blieben bei dem Kran-, ken, nachdem sie Karl zur Ruhe geschickt hatten.
„Wer mag das gewesen sein? Und weshalb hat es dieser Mensch getan?“ fragte Barbara. ..3ch verstehe das nicht."
„3ch verstehe das sehr gut“, sagte Reginald ruhig und sachlich. „Er hat es eben nicht an* ders machen können, mußte es tun.“ .
Barbara sah ihn ganz entsetzt von der Seite an.
„Vielleicht hat er deinen MaM gehaßt, toeiÜ er reich ist und er selbst ein armer Teufel. Da dreht sich's dann manchem, und er schießt zu. Obgleich 's eigentlich ein schlechtes Geschäft ist ..."
„Was wird mit ihm?“ fragte Barbara ängstlich.
„3a, erst müssen sie ihn einmal haben, und dann — eingesperrt wird er halt. Kann noch lachen, daß es nicht schlimmer abgegangen ist."
Und für sich murmelte Reginald: „Hätf mit selbst auch so gehen können." i.
Barbaras feine Ohren hatten diese Worte ge* hört. „Reginald", bat sie, „laß es doch fein« Das war doch etwas ganz anderes."
„Rein", sagte er, und ein finsterer Zug grufif sich zwischen seine Augenbrauen. „Es war das* selbe."
Barbara wagte nichts weiter zu sagen. / „Laß mich hier wachen", sagte er nach etntgent
Schweigen. „Du bist ja müde."
Mer davon wollte sie nichts wissen. „3chs bleibe auch hier." ।
Wieder versanken sie in Schweigen, bis Dar^ bara sagte: „Du bleibst noch etwas bei uns, und mein Mann kann dir vielleicht beim Suchen einer Stellung behilflich fein.“
(Fortsetzung folgt.)
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Vergleichsverfahren.
lieber das Vermögen der Georg Appel Witwe, Johannette Marie geb. Moll, alleiniger Inhaberin der Firma Georg Appel in Gießen, ist am 25. Juli 1930, 10 Uhr, das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses eröffnet worden.
Gleichzeitig ist an die Schuldnerin ein allgemeines Verüuherungsverbot erlassen worden. 5287V
Der beeidigte Bücherrevisor Th. vaubel in Gießen, Schillerstraße 11, ist zur Vertrauensperson ernannt.
Termin zur Verhandlung über den Vergleichsvorschlag ist auf
Donnerstag, den 14. August 1930
15 Uhr
vor dem Hessischen Amtsgericht in Gießen, Saal 204, 2. Obergeschoß, anberaumt.
Der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens nebst seinen Anlagen und das Ergebnis der weiteren Ermittlungen sind auf der Geschäftsstelle zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt.
Gießen, den 25. Juli 1930.
Die Geschäftsstelle des Amtsgerichts.
Bekanntmachung.
Dienstag, den 29. 3uli 1930, findet Rind- vieh- (Nutzvieh-) Markt statt: sämtliches Vieh wird gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. Auftriebszeit am Markttage von 7 bis 8% Uhr vormitags. Der nächste Schweinemarkt findet am 13. August 1930 statt. 5101C
Gießen, den 26. Juli 1930.
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