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Das Märchen vomAuch des Tutanchamon".

Von Geh. Hofrat Prof. Dr. Georg Steindorff, Direktor des Aegyptologifchen Instituts der Universität Leipzig.

Immer wieder tauchen aufregende Mel- düngen über neue Wirkungen jenes sa­genhaften Fluches auf, der angeblich alle mit dem Tode bedroht, die mit der Oeff- nung des berühmten Tutanchamon-Gra- bes etwas zu tun haben. Die nachstehenden Ausführungen Prof. Steindorffs dürften deshalb das besondere Interesse unserer Leser finden namentlich seine Feststel­lung, daß derberühmte" Fluch überhaupt niemals ausgesprochen worden ist.

Durch die Presse des In- und Auslandes wurde unlängst die Nachricht verbreitet, daß vor kurzem in London ein in der englischen Gesell­schaft bekannter Aristokrat, der 78jährige Lord Westbury, durch einen Sturz aus dem Fen­ster Selb st mord begangen habe. Er sei nun­mehr das 2 0.Opfer, das dem Fluche des Pharao Tutanchamon anheimgefallen sei. Seine Vorgänger seien sein Neffe, der junge Lord W e st b u r y . und ein Mr. Carter gewesen. Ersterer habe als Sekretär Howard Car­ters, des glücklichen Entdeckers des Tutan- chamongrabeS, an den Ausgrabungsarbeiten teil­genommen und sei im November 1929 i n einem Londoner Klub tot aufgefun­den worden: letzterer, der Entdecker des Gra­bes selbst, sei in Amerika bei einem Auto­mobilunfall tödlich verunglückt. Die englische Presse gibt sich die MüA, auch noch die Namen aller anderen Persönlichkeiten an­zuführen. die §er Fluch des Pharao erreicht ha­ben soll.

Da solche Ammenmärchen auch bei uns in Deutschland vielfach Glauben gefunden haben und an mich oft die Frage gerichtet worden ist. was es denn mit jenem Fluche für eine Be­wandtnis habe, und ob nicht auch ich in der be­ständigen Furcht lebe, eines schönen Tages von ihm betroffen zu werden, möchte ich einmal kurz die wahren Tatsachen und Ereignisse beleuch­ten. Was zunächst die drei in letzter Zeit ge­nannten Personen betrifft, so sind mir die bei­den Lord Westbury, Onkel und Neffe, unbekannt. Ich weiß nur soviel, dah keiner von beiden unmittelbar irgendetwas mit der Entdeckung des Grabes und der später erfolgten Oeffnung der Mumie des ägyptischen Königs zu tun gehabt hat. Auch der in Amerika verunglückte Herr Carter hat mit dem Entdecker des Grabes nichts als den in England ziemlich häufigen Namen gemein. Howard Carter selb st erfreut sich der besten Gesundheit und ist in diesem Winter damit beschäftigt, die letzten Stücke des großen Grabfundes in Ordnung zu bringen und hur ihre äleberführung in das Museum von Kairo Sorge zu tragen.

Von den etwa zwei Dutzend Gelehrten und Beamten, die an der Ausgrabung beteiligt und bei der Eröffnung des Pharaonengrabes zuge­gen gewesen sind, und die sich später um die Bergung und Erhaltung des wunderbaren Grab­hortes bemüht haben, sind allerdings zwei dem Tode anheimgefallen: der englische Kunstliebha­ber Lord Carnarvon und der englische Aegyptologe M a c e. Carnarvon hatte seit Jah­ren reiche Geldmittel für archäologische Forschun­gen in Theben hergegeben: er war auch außer Carter der erste Sterbliche, der nach Tausenden von Jahren am 26. November 1922 die unterirdische Gruft wieder betrat. Schon damals war er ein körperlich schwer leidender Mann: wenige Monate später, im März 1923, wurde er (ein unglückseliger Zufall) von einem giftigen Mos­kito gestochen; Blutvergiftung trat ein und nach wochenlangem Leiden starb er in den ersten Apriltagen. Auch M a c e erfreute sich keiner kernfesten Gesundheit: er war mir seit mehr als zwei Jahrzehnten befreundet, und ich wußte immer, daß der zarte, etwas nervöse Mann sehr

schonungsbedürftig sei. 1922 gehörte er zum Stabe der Expedition des Neuyorker Metropolitan- Museums, das auf dem Weftufer von Theben Ausgrabungen veranstaltete, und wurde sofort nach der Entdeckung des Tutanchamon-Grabes zu dessen wissenschaftlicher Erforschung hinzu­gezogen. Er hat auch später, zusammen mit Carter, den ersten Band der Veröffentlichung des Grabfundes herausgegeben. Auf die Dauer hielt sein schwacher Körper die Strapazen auf dem Grabungsfelde nicht aus: er übernahm in Neuyork den ruhigeren Museumsdienst und ist dort 1928 gestorben: sechs Jahre, nachdem die Königsgruft erschlossen war, sechs Jahre hatte der angebliche Fluch des Pharao geruht, ehe er sich an Mace erfüllte.

Alle übrigen Mitarbeiter Carters und dieser selbst sind noch am Leben, auch alle die­jenigen, die im Winter 1925/26 die Königssärge geöffnet und im November 1926 die Mumie untersucht haben. Freilich ist es nicht ausge­schlossen, daß auch einer von ihnen dem mensch­lichen Schicksal anheimfällt, vom Tode dahin- gerafft wird, und derFluch des Pharao" auch ihn erreicht!

Dieser Fluch soll sich aber nicht nur auf die Manner erstrecken, die unmittelbar an der Ent­deckung des Grabes und der Bergung seiner Schätze beteiligt gewesen sind: nein, auch alle diejenigen sollen von ihm betroffen werden, die irgendwie mit der Königsgruft und ihrem In­halt in Berührung gekommen sind. Viele zehn­tausende Besucher haben während der letzten Jahre Einlaß in das Felsengrab gefunden und haben ehrfurchtsvoll die Stätte betreten, an der noch heute der königliche Leichnam ruht. Hundert­tausende sind in das Museum von Kairo ge­pilgert und haben die köstlichen Schätze, mit denen Tutanchamon beigeseht war, bewundert. Gewiß mag auch von diesen Besuchern, Männern und Frauen, Gelehrten und Laien, mancher bereits gestorben sein. Aber hat das irgend etwas mit einem Fluche des Pharao zu tun? Wer mag wohl glauben, daß nach Tausenden von Jahren geheimnisvolle Kräfte am Werke sind, die dem­jenigen Verderben bringen, den einstmals der ägyptische König verflucht hat?

Nun ist aber vor allen Dingen festzustellen, daß ein solcher Fluch des Pharao überhaupt nicht existiert. Das Grab enthält keine In­schrift, durch die derjenige mit dem Tode bedroht wird, der etwa die Grabesruhe des toten Königs stören oder sich an seinen Schätzen vergreifen sollte. Auch sonst wissen wir von derartigen Ver­fluchungen nichts. In Inschriften aus der Pyra­midenzeit heißt es wohl gelegentlich, daß mit demjenigen, der unbefugt das Grab betreten oder einen Stein oder einen Ziegel von ihm weg­nehmen sollte, dergroße Gott", d. h. der Toten­gott Osiris im Jenseits Gericht halten werde. Aber weiter geht kein ägyptischer Text, kein Fluch der angedeuteten Art ist je von einem Aegypten ausgesprochen worden. Wohl werden die Hinter­bliebenen aufgefordert, dem Toten Opfer darzu­bringen, oder es wird gesagt, dah, wer am Grabe vorübergeht, ein Gebet für das Seelenheil des Toten sprechen möge: aber niemals werden Geister beschworen, die einen Grabschänder dem Tode überantworten sollen. All das, was neuer­dings darüber gesagt wird, ist leeres Geschwätz und hat weder in dem ägyptischen Totenglauben, noch in den Ereignissen, die der Entdeckung der Tutanchamongräber folgten, irgendwelche Be­gründung: hoffentlich hört man auf, solchen okkultistischen" Nedereien Glauben beizumessen, und wenn einmal wieder einer der Entdecker und Bearbeiter des Tutanchamoügrabes sterben sollte, diesen Tod dem Wirken des königlichen Fluches zuzuschreiben.

dem Trieb und beim Schützenhaus mit ihrem Besuch aus der an der Strecke GießenFulda gelegenen Umgegend bis Grünberg für die Halte­stelle Gicßcn-Ost von Bedeutung sein. Nimmt man noch hinzu, daß eine Entlastung unseres Bahnhofs in der Zeit des stoßweise auftretenden starken Arbeitervcrkehrs um d e n Teil von Mit­reisenden. der im östlichen Stadtteil beschäftigt ist oder dort wohnt und die Strecke Gießen Fulda benutzt, für die Dahn und für das Pu­blikum in gleichem Maße erwünscht erscheint, so dürfte wohl die Wichtigkeit dieses Haltepunktes der Reichsbahn schon für die jetzigen Verhältnisse genügend betont sein. Aber nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft unserer Stadtentwicklung, an der wiederum die Reichs­bahn als Mitbeteiligte finanziell stark interessiert ist, kommt dem jetzigen Haltepunkt und künftigen Bahnhof Giehen-Ost große Bedeutung zu. Als Parallele denke man nur an Marburg-Süd, Lauterbach-Nord und mit entsprechender Be­schränkung auch an die Außenbahnhöfe Frank­furt-West, Frankfurt-Süd usw. Hier wie dort ist die gleiche Entwicklungslinie erkennbar und gibt der Reichsbahnverwaltung auch für unsere Stadt Anlaß zu entsprechenden verkehrsfördern­den Maßnahmen.

Diese Maßnahmen der Reichsbahn können nur darin bestehen, daß die Haltestelle dem allge­meinen Verkehr zugänglich gemacht wird. Gegenwärtig hält dort nur der Frühzug aus Rich­tung Grünberg, der um 6.13 Uhr an der Halte­stelle und um 6.20 Uhr im Gießener Bahnhof ein» trifft. Alle übrigen Züge in beiden Richtungen durchfahren die Haltestelle ohne Aufenthalt. Um zu­nächst einmal zu erproben, wie die Frequenz an diesem Haltepunkt sich entwickeln wird, dürfte es vorläufig wohl ausreichend sein, wenn wenigstens einige Hauptzüge in beiden Richtungen in Gießen-Ost halten würden, neben dem jetzigen Früh­zug insbesondere der um 7.53 Uhr in Gießen an­kommende Zug, ferner der Mittagszug in Richtung Fulda und der für den Arbeiteroerkehr zur Heim­fahrt wichtige Abendzug in Richtung Grünberg. Zur Bedienung des Publikums würde u. E. von dem Bau eines Stationsgebäudes bis auf weiteres noch Abstand genommen werden können. Es könnte zunächst genügen, wenn an den beiden Enden des jetzt schon vorhandenen Bahnsteigs die erforderliche Absperrung geschaffen würde, den Fahrkartenver­kauf könnte vielleicht das Zugpersonal nach dem bei der Reichsbahn allgemein auf Nebenstrecken ge­bräuchlichen Verfahren durchführen (womit natür­lich nicht gesagt sein soll, daß die Strecke Gießen Fulda als Nebenstrecke zu bewerten ist), während die Entgegennahme der Fahrkarten von aussteigen­den Reisenden aus der Richtung Grünberg fürs erste wohl von dem jetzt an der Haltestelle Dienst tuenden Bahnbeamten übernommen werden könnte. Man muß bei der vorgeschlagenen Regelung immer im Auge behalten, daß es sich dabei nur um ein Provisorium für eine gewisse lieber» gangszeit handelt, nicht aber um einen Dauer­zustand, für den bei dem wahrscheinlich schnell ansteigenden Verkehr natürlich auch dauerhaftere Einrichtungen zu treffen wären. Selbst wenn die Reichsbahnverwaltung im Interesse des Publikums jetzt schon bei der Schaffung eines Provisoriums eine kleine Wellblechhalle zum Schutze der Reisen­den gegen Witterungsunbilden aufstellen würde, wären die Unkosten nicht allzu hoch.

Der Arbeiteroerkehr in beiden Richtungen, aber auch der allgemeine Reiseverkehr aus dem östlichen Stadtteil und seiner angrenzenden Bezirke in der Richtung nach und von Fulda würde durch den all­mählichen Ausbau der jetzigen Haltestelle zu einem Dorortbahnhof sicherlich nur gefördert werden, nicht zuletzt auch zum Nutzen der Reichsbahn, da bekannt­lich Verkehrserschließung günstig ist für die bau» liche Entwicklung in dem in Betracht kommenden 'Gelände und mithin bei einer regeren Bautätigkeit in chen nächsten Jahren am Ostende unserer Stadt auch der Interessentenkreis für den dort zu schaffenden Bahnhof immer größer werden dürfte. Hoffentlich prüft die Reichsbahnverwaltung den hier unterbrei­teten Vorschlag mit Weitherzigkeit und Wohlwollen und auch möglichst rasch, zu­mal ja vorläufig bei einem Provisorium das finan­zielle Engagement der Reichsbahn bei dieser Neu­einrichtung nicht so groß ist, um einer beschleunigten Verwirklichung dieses Projektes ernstliche Hinder­nisse zu bereiten.

Aus der provinzialhaupistadt.

Gießen, den 26. Juli 1930.

Oie Feier des Verfassungsiages in Hessen.

Die Hessische amtliche Presse st eile teilt mit:

Der Derfassungstag wird in diesem Jahre zum ersten Male in Hessen als gesetzlicher Feiertag in Erscheinung treten. Im Vorjahre war der 11. August auf einen Sonntag gefallen, in diesem Jahre wird der 11. August, ein Mon­tag, wie gesetzliche Sonn- und Festtage zu be­handeln sein.

Nach deM hessischen Gesetz vom 20. Juni 1929 sind am Versassungstag alle öffentlichen Gebäude in den Reichsfarben z u be­flaggen. Wenn staatliche Behörden Gebäude, die nicht staatseigen find, innehaben, so ist für deren Beflaggung au sorgen.

Ein Ausschreiben des Gesamtministeriums macht darauf aufmerksam, daß die diesjährigen Ver­fassungsfeiern im Zeichen der Befreiung der besetzten Gebiete von schwerem Besatzungs­druck stehen. Dieses Ereignisses, das für unser Land von besonderer Bedeutung ist, wird bei den Feiern unter voller Wahrung ihres Charakters als Ver­fassungsfeier zu gedenken fein. Im übrigen werden für die äußere Gestaltung der Feiern, ohne den örtlichen Wünschen vorgreifen zu wollen, folgende Hinweise gegeben: Feftzug, kurze An­sprache, sportliche Wettkämpfe, gesangliche und musikalische Darbietungen, Kinderspiele. Die Feiern sollten möglich st im Freien stattfinden.

In einem Ausschreiben an die Provinzial- und Kreisdirektoren weist der hessische Innenminister darauf hin, daß es in diesem Jahre möglich sein werde, in sämtlichen Gemeinden des Landes wür­dige, den örtlichen Verhältnissen angepaßte Ver­fassungsfeiern zu veranstalten. Die Prooinzialdirek- toren und die Kreisdirektoren möchten mit den Bürgermeistern der Gemeinden persönlich Fühlung uehmen und diesen bei der Vorbereitung und Aus­gestaltung der Feier mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Durch Reichsverordnung sind Veranstaltun- gen, die am 11. August aus Anlaß und zu Ehren des Derfassungstags unternommen werden, von d e r Vergnügung st euer befreit Der Innenminister weist darauf hin, daß jede Engher-

ziykeit bei der Handhabung dieser Bestimmung ver­mieden werden soll. Abgesehen von den laufenden Darbietungen der Theater, Lichtspielhäuser, Varie­tes usw. wird demnach bei den am Verfassungstag stattfindenden Veranstaltungen eine bestimmte Steuerbefreiung nur dann zu verneinen sein, wenn bestimmte Tat,achen vorliegen, aus denen sich er­gibt, daß die Veranstaltungen nichtaus Anlaß und zu Ehren des Verfafsungstages unternommen werden".

Im gleichen Umfange, wie diese Freistellung von der Vergnügungssteuer eintritt, werden durch Ver­fügung des hessischen Innenministers vom 24. Juli 1929 gewisse Veranstaltungen für ft empelfrei erklärt. Es handelt sich dabei um musikalische Dar­bietungen, Tanzveranstaltungen, sowie sonstige Be­lustigungen und öffentliche Darstellungen. Die Er­laubnisscheine zu solchen Veranstaltungen sind dem­gemäß stempelfrei auszustellen.

Die Polizei st unde in Gast- und Schank­wirtschaften wird abweichend von der allgemeinen Regelung für die Nacht vom 11. auf 12. August für alle Gemeinden des Landes einheitlich auf 5 Uhr festgesetzt.

115. Stiftungsfest des Korps Hassia.

In den Tagen vom 12. bis 14. Juli beging wie uns erst am 25. Juli berichtet wird das Korps Hassia das 115. S t i f t u n g s f e ft. Dem Ernste der Zeit entsprechend, war es eine einfache Feier im engsten Kreise. Groß war die Zahl der alten und jungen Hessen, die sich eingefunden hatten, um den Geburtstag ihres Korps gemeinsam zu begehen.

Das Korps Hassia ist die älteste Korporation an der hessischen Ludwigsuniversität zu Gießen. Schon vor dem Jahre 1800 bestand in Gießen der Hessen- orden. Das Gepräge als Korps in der heutigen Be­deutung des Wortes erhielten die Hessen mit der Stiftung der Hassia am 3. August 1815. Die Stürme von 115 Jahren, besonders die Studentenverfolgun- gen in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, hat das Korps allen Widersachern zum Trotz über­standen. Auch die alten Familien stehen noch in den Reihen des Korps, manche schon in der vierten Generation. Die Freude und die Dankbarkeit der Körpsangehörigen angesichts dieser Tradition kamen bei der Feier des 115. Stiftungsfestes recht zum Aus­druck.

In dem Rahmen der Veranstaltungen bildeten der feierliche Korps-Konvent mit der Gedächt­nisfeier für die Gefallenen des Weltkriegs und der gr v ß e Kommers den Höhepunkt. Der Alte Herr des Korps Stadtpfarrer Franz B e r n b e ck (Worms) gedachte der 32 treuen Hessen, die den Heldentod für das Vaterland gestorben sind in selbst­verständlicher Pflichterfüllung und in begeisterter Hin- I gäbe ihres Lebens für Deutschlands gerechte Sache.

An feine Korpsbrüder richtete er den Appell, diesen Helden nachzueifern, und alles daranzusetzen, daß das Sterben der Besten aus den Reihen des Korps nicht vergebens gewesen ist, daß jenes große Ziel erreicht wird, ein einiges, stolzes, freies, starkes Vaterland. Auf dem Kommers sprach A. H. Provinzialdirektor Dr. Wehner (Mainz) für die Alten Herren des Korps. Er schilderte die Entwicklung der Hassia, erinnerte an die Aufgaben des deutschen Korps- studententums und an die Ziele insbesondere, die das Korps Hassia immer verfolgt hat und verfolgen wird, die Erziehung von tüchtigen Deutschen. Die Rede auf das Vaterland hielt A. H. Unioersitäts- profeffor Dr. Reinmö11er (Erlangen). Unter dem Jubel feiner Korpsbrüder wünschte er dem deut­schen Vaterlande wahrhafte Freiheit und gelobte, daß alle Hessen an diesem großen Werke Mitarbeiten werden, jeder an seinem Platze, selbstverständlich und mit all der Kraft und unter Einsetzung alles dessen, was ein Deutscher seinem Vaterlande zu geben vermag.

Zahlreiche Glückwünsche wurden dem Korps zu seinem Stiftungsfeste dargebracht, von der Landes­universität durch Professor Dr. Bürker, von zahl­reichen Gästen und Vertretern von Behörden, durch General Mohr und den Vertreter des Landes­kommandanten. Für die Kartellkorps sprach Ge­richtsassessor Georgi, für den Bezirksverband alter Korpsstudenten Beigeordneter Dr. Hamm, für den Gießener S. C. ein Vertreter des Korps Starkenburgia. Der Kommers fand seinen Abschluß mit dem feierlichen Landesvater.

Zum 115. Stiftungsfest hat das Korps ein Ge­denkbuch für feine Gefallenen herausgegeben, das den treuen Toten gewidmet ist und ihr vorbildliches Leben und Sterben für alle Zeiten festhalten wird.

Gicsxcner Wochenmarktpreise

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 160 bis 180; Matte 30 bis 35: Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 10 bis 15; Weißkraut 10 bis 15; Rotkraut 15 bis 20; Spinat 25 bis 30; Römischkohl 8 bis 10; grüne Bohnen 20 bis 25: gelbe Bohnen 25 bis 30; Unter-Kohl­rabi 10 bis 12; Erbsen 20 bis 25; Tomaten 30 bis 60, Zwiebeln 10 bis 15; Pilze 30 bis 35; neue Kartoffeln 6 bis 7; Frühäpfel 25 bis 30; Birnen 20 bis 30; Dörrobst 30 bis 35; Sauer­kirschen 40 bis 45; Heidelbeeren 30 bis 35; Stachelbeeren 15 bis 20; Johannisbeeren 20 bis 25: Pflaumen 30 bis 35; Mirabellen 40 bis 45; Reineklauden 50 bis 60; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Nüsse 60 bis 70; Himbeeren 40 bis 45; Aprikosen 50 bis 55; Pfirsiche 60 bis 80; Brom­beeren 60 bis 70; das Stück: Tauben 70 bis 80; Gier 11 bis 12; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 10 bis 20; Salatgurken 20 bis 40; Einmachgurken

2 bis 5; Ober-Kohlrabi 8 bis 10; Rettich 10 bis 15: das Bund: gelbe Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bis 10; Radieschen 10 bis 15 P.; der Zentner: neue Kartoffeln 5,50 bis 6 Mark.

*

Militärkonzert. Am Donnerstag­abend fand im Saale der Liebigshöhe ein Mili­tär-Streichkonzert, ausgeführt vom Musikkorps des I.Batl. 15. Inf.-Regts. unter Leitung von Obermusikmeister Löber statt. Das Programm brachte nach Fr. von Blons MarschFrüh­lings-Einzug" die Ouvertüre zur OperDie diebische Elster" (Rossini). Hierauf folgte eine große Fantasie aus der OperRigoletto", die dem Musikkorps Gelegenheit gab, gutes techni­sches Können und exaktes Zusammenspiel zu zeigen. Sodann wurde ein Charakterstück von H. ManfredBei den Zwergen" wirkungsvoll zu Gehör gebracht. Den Abschluß des ersten Teiles bildete ein PotpourriEine Sängerfahrt nach Wien", das eine Fülle von geschmackvoll zusammengestellten Wiener Liedern und Walzern enthielt. Der zweite Teil wurde mit der bekann- tenn Ouvertüre zur OperDas Glöckchen des Eremiten" (Maillart) eröffnet, an die sich die große Fantasie ausDie Walküre" anfchloß. Beide Werke wurden in einwandfreier Weise aufgeführt. Weiter hörte manSiamesische Wachtparade". Charakterstück von Paul Linke, einen WalzerIn der Venusgrotte" (Richurdy) und als Abschluß des ProgrammsReife Früchte". Potpourri (C. Morena), das in bun­tem Wechsel Opernbruchstücke, Marsche, Walzer, Lieder und anderes brachte. Das Publikum folgte den Darbietungen mit sichtlichem Interesse und spendete reicheni Beifall, so dah sich Ober- inusikmeister Löber wiederholt zu Zugaben ent­schließen mußte.

'* Die Zimmermeister-Zwangs- innung Gießen Stadt- und Land­kreis hielt dieser Tage auf dem Schiffenberg eine Innungsversammlung ab. Nach Begrüßung der Erschienenen durch Obermeister Rinker, Nonnenroth, der ein Bild von der ungünstigen Lage im Zimmererhandwerk gab, erstattete Ge­schäftsführer Kirchner, Gießen Bericht über die Tätigkeit der Innung im letzten Jahre. Aus dem Bericht ging hervor, daß die Innung auch im abgelaufenen Jahre eine vorteilhafte Tätigkeit entfaltet hat. Im weiteren Verlauf der Ver­handlungen wurde die Frage der Lieferung von Bauholz nach Listen eingehend besprochen. Es kam dabei zum Ausdruck, ^dah die Beschaffung von Arbeit für die Innungsmitglieder augen­blicklich eine der wichtigsten Aufgaben der Innung sei. Bezüglich des Anschlusses der Innung an den Hessischen Zimmermeister-Derband oder Nord- westdeutschen Verein für Holzhandel usw. wurde dem Vorstand die weitere Beschlußfassung über­lassen. Anschließend an die Innungsverfamm- lung fand ein in allen Teilen schön verlaufener Familientag statt.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

)( Grotzen-Linden, 25. Juli. Die hiesige Gemeinde ist an das UeberlandwerkOber- Hessen angeschlossen. Die Voltstärke betrug an­fangs 125, da aber Störungen allzuoft vorkamen, wurde diese vor l1/- Jahren auf 220 erhöht. Die Umbaukosten für die Provinz waren recht beträchtlich, änderte sie doch alle Geräte, wie Staubsauger, Bügeleisen usw. unentgeltlich um. Die Stromabnehmer aber muhten sich andere Birnen taufen Und im ganzen hierfür 4000 Mk., ohne Reparaturen an den Leitungen, ausgeben. Trotz 220 Volt fehlte nun Mittwochabend bis 23.30 Uhr das elektrische Licht, Unsere preußi schen Nachbardörfer sind an Buderus-Wetzlar und Allendorf (Lahn), Klein-Linden und die Rabenau an Gießen angeschlossen und sind da­mit weit besser daran, als wir.

is. S t e i n b a ch, 24. Juli. In Verbindung mit dem 3. Verbandsfest des Südwestdeutschen Turn- verbandes (ADT.), über das bereits in sport­licher Hinsicht berichtet wurde, beging der T v. Steinbach am vorigen Sonntag die Feier seines 25jährigen Bestehens. Den Turnern zu Ehren waren die Straßen unseres Dorfes mit Fahnen reich geschmückt. Etwa 700 Turnerinnen und Turner fanden bei unserer Ein­wohnerschaft bereitwilligst Quartier. Am Sams­tagabend, an dem auch schon sportliche Wett­kämpfe durchgeführt wurden, bewegte sich ein prächtiger Fackelzug durch unsere Straßen, an dem sich sämtliche Vereine und die auswärtigen Turner beteiligten. Auf dem Festplatze begrüßte Bürgermeister Krämer namens der Gemeinde Steinbach die Festteilnehmer und der Vorsitzende unseres Turnvereins, Glasermeister Haas, übergab mit einer markigen Ansprache dem Der- bandsvorsitzenden, Lehrer Zöller, Hausen, das Fest. Prächtige Chöre der beiden Gesangvereine Steinbachs, turnerische Vorführungen und musi­kalische Darbietungen verschönten den Abend. Die Gründer des Vereins wurden mit Ehrendiplo- men ausgezeichnet. Der Sohntag stand ganz im Zeichen der turnerischen Wettkämpfe, die am Vormittag abgewickelt wurden. Am frühen Nach­mittag fand ein großer Festzug durch unsere Ortsstrahen statt, wobei an dem Ehrenhain auch unserer toten Helden würdig gedacht wurde. Auf dem Festplatze begrüßte der Bundespräsident des ADT. mit einer Ansprache die Festteilneh­mer, hierauf überreichte Frl. L. Walb dem Turnverein eine von den Frauen und Jung­frauen Steinbachs zum 25. Jubiläum gestiftete neue Standarte. Die Massenfreiübungen und die übrigen sportlichen Wettkämpfe nahmen dann das Interesse der Besucher rege in Anspruch. Frohe Geselligkeit bildete den Ausklang des schönen Tages. Am Montag gab ein abwechslungsreiches Volksfesttreiben der Veranstaltung einen allge­mein befriedigenden Abschluß.

Kreis Schotten.

§ Ulrichstein, 25. Juli. Von Montag bis Mittwoch wurde hier der Iakobimarkt. das Hauptfest unseres Städtchens, abgehalten. Der Rindermarkt am ersten Tage war nur schwach beschickt, der Auftrieb zum Schweinemarkt am Dienstag war dagegen erheblich stärker als in den letzten Jahren; über 400 Borstentiere wurden zum Verkauf angeboten, das Geschäft ging recht flott. Der Hauptmarkttag, der Mitt­woch, an dem der Krämermarkt abgehalten wird, brachte dem Ort, wie alljährlich, einen großen Zustrom von Besuchern aus der näheren Umgebung, zum Teil aber auch aus weiter Ferne. Das festliche Treiben auf der Hauptstraße, das in früheren Jahren so oft schon unter dep Ungunst der Witterung zu leiden hatte, daß es beinahe sprichwörtlich geworden ist, konnte sich diesmal bei schönstem Wetter von den frühen