Ausgabe 
25.11.1930
 
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Mission in Indien. Der Vortrag, sowie die damit verbundene Ausstellung indischer Haush al- tungs- und kultischer Gegenstände sanden allsei­tiges Interesse.

Kreis Alsfeld.

± Nieder-Gemünden23. Nov. Der türa- lich in- Leben gerufene Geflügel- und Dogeizuchtverein hielt seine erste Haupt- Versammlung ab, in der als erster Dor- fityenoer Schmiedemeister Wittich (Rieder-Ge- münden), als zweiter Vorsitzender Ernst Lutz (Hainbach), als Schriftführer Ludwig Otter- b e i n und als Rechner Lehrer Loh (beide aus Rieder-Gemünden) gewählt wurden. Die Sat» zungen, die denen der im Geflügel^üchterverband zusammengeschlossenen Vereine entsprechen, wur­den in der vorgelegten Fassung angenommen. Die Anfang Dezember in Rieder-Ohmen statt­findende Geflügelschau wird auch von den hiesigen Züchtern beschickt.

Preußen.

Kreis Biedenkopf.

T Aodheim a. d. Bieber, 24. Rov. Der hie­sige Frouenverein hat unter der Leitung von Frau Pfarrer P ö n s e l seine Winterarbei­

ten wieder ausgenommen. Wir alljährlich, wird die Zeit vor Weihnachten wieder dazu benutzt, Puppensachen zu nähen, um damit der Klein» kinderschule eine Weihnachtsbescherung zu veran­stalten. Rach Weihnachten werden Handarbeiten angefertigt, die im Frühjahr verlost werden. Der Erlös dieser Verlosung, der in den vergangenen fahren immer 500 bis 600 Alk. ergab, wird der hiesigen Echwesternstation des Kirchspiels über- wiesen. Im verflossenen Kirchenjahre star­ben im Kirchspiel 32 Personen, und zwar 15 in Rvdhcim a. d. B., 9 in Fellingshausen, 3 in Vetzberg und 5 in Bieber mit Hof Haina.

Kreis Wetzlar.

J Groß.Rechtenbach, 23. Roo. Bei einer im EtadtwaldStoppelberg" abgehalterren Treibjagd wurden 16 Hasen, 2 Füchse und 2 Schnepfen erlegt.

00 Hörnsheim, 23. Roo. Die diesjährigen Holzfällungsarbeiten im Gemeindewald wurden dem älnternehmer Heinrich Dolck I. übertragen. Seine Vergütung wurde auf zwei Prozent der Fällungstosten festgesetzt. Es besteht für ihn die Verpflichtung, Wohlfahrtserwerbs- lose zu beschäftigen.

Die hessischen Sällermeisicr zur Vroipreissrage.

Eine von rund 30 Däckerinnungen be­schickte Obermeistertagung des Zweig­verbandes Hessen des Zentralver­bandes deutscher Däckerinnungen Germania", die in Darmstadt stattfand und an der auch die oberhessischen Innungsvertreter (darunter auch Vertreter aus Gießen) teil­nahmen, beschäftigte sich in eingehender Aus­sprache mit der DrotpreiSfrage. Es wurde schließlich eine

Entschließung

angenommen, in der u. a. gesagt wird:Es ist unglaublich, daß man z. D. in Bezirken, wie in Hessen, Vorwürfe erhebt, trotzdem hier schon vor etwa vier Wochen die Drotpreise um 2 Pf. je Pfund, also um 8 Pf. bei 4 Pfund, gesenkt worden sind. Man berücksichtigt gar nicht, daß in erster Linie die Mehlpreise maß­gebend sind. Warum sorgt man seitens der Reichsregierung nicht dafür, daß der Preis bei allen Berufen und Erzeugnissen gesenkt wird? Warum sorgt man nicht in erster Linie dafür beim Rohmaterial? Der Bäcker backt sein Brot aus Mehl. Das Mehl steigt in letzter Zeit im Preis fortwährend, und der Herr Reichs­ernährungsminister erklärt noch ausdrücklich, daß noch mit einem weiteren erheblichen Steigen der Mehlpreise zu rechnen sei. Versteht man unter diesen Llmständen, daß man den Schrei nach der Preissenkung verallgemeinert? Muh man nicht erst die Grundlage dafür schaffen?

Die Reichsbahn, die Reichspost, die staatlichen und städtischen Betriebe, Gaswerk, Wasserwerk und Elektrizitätswerk denken an keine Sen­kung ihrer Preise. Die Steuer la st en und sozialen Abgaben werden immer höher und man verlangt hier ohne Rücksicht aus die wirtschaftliche Lage einen Abschlag auf Gedeih und Verderb.

Mit solchen Zwangsmaßnahmen ist gar nichts zu erreichen, zumal wenn sie so einseitig sind. Das Däckcrhandwerk war sich seiner Verant­wortung gegenüber der Derbraucherschaft stets bewußt und hat diejenigen Preise genommen, die es nehmen muht, um im Wirtschaftskampf nicht zu unterliegen. Im übrigen sorgt schon der Konkurrenzkampf dafür, daß nur der­artige Preise genommen werden, die angemessen sind. Ratürlich regeln sich die Preise nach Quali­tät und Herstellungskosten.

Sanieren heiht nicht etwa Preise be­stimmen, sondern die Arbeitslosen an die Arbeitsstellen zu führen, damit diese wieder beschäftigt werden können, ihre Löhne selbst verdienen, nicht die Steuerkraft belasten unb ihre Löhne dem darniederliegenden Wirtschafts­leben einen Aufschwung geben können."

In der Tagung wurde u. a. auch eine

Statistik über den Brotpreis

vorgelegt, die nachstehenden ziffernmäßigen Aufschluß brachte:

Brot 4 Pfund

Weizen-

Roggen-

Roggen-

Innungen

Mischbrot

brot

Mischbrot

Gießen

80

70

Alsfeld

65

Lauterbach

65

Schotten

75

65

Büdingen

85

75

Friedberg

88

70

80

Bad-Nauheim

90

80

Butzbach

85

70

80

Vilbel

90

80

Wetterau

90

80

Darmstadt

92

80

Arheilgen

85

75

Cberstadt

90

80

-

Pfungstadt

90

80

Roßdorf

90

80

Ober-Ramstadt

92

80

Mittleres Ried

85

75

Bensheim

90

80

Heppenheim

95

80

Wefchnitztal

80

70

Ueberwald

80

Wimpfen

85

Erbach

85

7560

Vorderer Odenwald 90

80

Dieburg

90

75

Offenbach Main-Rodgau

88

90

78

75

-

Neu-Isenburg

90

80

Dreieich

88

80

Langen

92

80

Gernsheim

85

75

In Bad-Nauh

e i m ist

der Preis

für den

4.Pfund-Laib Roggenbrot neuerdings auf 70 Pf. festgesetzt worden.

Oer Dreizehnte.

Vornan von Anny von panhuyü.

Copyright 1929 by Verlag Bechthold. Braunschweig

11. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Die Alte lieh sich breit und ausführlich berich­ten von den dreizehn Clowns, aber von dem Finden des dreizehnten Anzuges konnte sie nicht erzählen, davon hatte ihr Primos Duero nichts mitgctcilt Weil ihn die Polizei damals ersucht hatte, zu niemand darüber zu sprechen, da Rach- forschungen dadurch erschwert werden können.

Manchmal kaufte sich Eva Hirtberg eine spa­nische Zeitung, und da las sie eines Tages, dah der Mord in der Calle Fernando In Barcelona an dem Juwelier Duero anscheinend ungesühnt bleiben müsse. Von den vielen, bisher von der Polizei aufgenommenen Spuren habe keine zu einem Ergebnis geführt.

Da gingen chre Gedanken noch einmal lebhaft zu Primo Duero zurück, der Rosenmontag stieg noch einmal warm und lebendig vor ihr auf und auch die erregenden folgenden Tage.

Lind sie dachte schaudernd, wie wohl' alles ge­kommen. wenn Primo Dueros Alibi nicht von so vielen einwandfrei erwiesen worden wäre?

Eva Hirtberg schüttelte den Gedanken ab und die vielen anderen dazu, die mit kräftigem Flü­gelschlag immer wieder über die Pyrenäen flogen, wie Vögel mit starken Schwingen.

Eie hatte sich in ihr kleines Heimatstädtchen eingewöhnt, den Verkehr mit ein paar ehemaligen Freundinnen aufgenommen und ein paar junge Leute machten ihr sehr den Hof. Eie war nun fast dreiundzwanzig Jahre, aber ihre lichte Blondheit toirtte viel jünger.

Cs war an einem Herbstabend, aber in der Luft war noch sommerliche Weiche, obwohl die Blätter des wilden Weins, am Staketenzaun des nachbarlichen Besitztums, schon in gelben und roten Farben leuchteten und die Spätäpfel hinter dem HauS schon in strammer, reifer Frische an den Bäumen hingen.

Am Rand der schmalen Schwärze, deren Wasser unweit von Evas kleinem Hause hinzog, sahen die unsichtbaren Rebelspinnerinnen am Werk und arbeiteten eifrig an den geheimnis­vollsten von allen Tüchern, deren Feinheit für Menschen unnachahmbar ist.

Eva wanderte durch den Garten, und Im Rach- bargarten schritt Hans Felsen auf und ab. Er war nur wenige Jahre älter als sie und kannte sie von Kind an. Er war Ingenieur und in guter Stellung.

Am trennenden Zaune ftanben sie sich bann gegenüber und streckten sich die Hände entgegen.

Er sagte warm:Eva, du weichst mir in letzter Zeit aus, das tut mir bitterleid. Mutter meint auch, du machst dich rar. Komm doch ein wenig zu uns, du weiht, die Eltern mögen dich gern. Lah dich nicht so sehr bitten.

Sie wußte genau, Hans Felsen liebte sie und er war ihr sympathisch, sie mochte ihn gern. Aber sie war einem Zusammentreffen mit ihm in letzter Zeit wirklich ausgewichen, weil sie fühlte, er wollte ihr von seiner Liebe sprechen. Sein Vater, Baurat Felsen, war sehr wohl­habend, er selbst verdiente reichlich, um eine Frau gut ernähren zu formen, und manchmal hatte sie schon gedacht, sie sollte ihm ruhig die Ge­legenheit zur Aussprache geben, die er suchte.

Auf was wartete sie eigentlich noch? Sie war fast dreiundzwanzig Jahre, und die große heiße Liebe, von der die Dichter fangen, die würde sie wohl nie kennen lernen. Die wundervolle Liebe, die es vermochte, die größten Opfer mit Freudigkeit zu bringen.

Hans Felsen hielt ihre Hand durch den Latten­zaun hindurch fest.

Komm heute zu uns und bleibe ein Stündchen bei uns. Mutter unterhält sich des Abends auch gern ein wenig und Vater sowie ich freuen uns, wenn du uns von Spanien erzählst."

Er lieh nicht nach, und sie willigte schließlich ein, nachdem sie der alten Stütze Bescheid gesagt.

Hans Felsen hatte vor der Tür ihres Vorgärt­chens auf sie gewartet, und er schob seinen Arm unter den ihren.

Evalein, wie glücklich bin ich, dah du meinen Wunsch erfüllst." Leiser setzte er hinzu:Du hast wieder zurückgefunden in die enge Heimat von so ganz weit draußen, und es ist doch auch schön daheim. Ich habe zuweilen auch Fernenweh, aber nicht wahr, Heimat bleibt doch Heimat."

Sie lächelte wehmütig, aber er sah es nicht und sie wiederholte seine Worte:Heimat bleibt doch Heimat!" Fast war es, als klänge eine leichte Frage nach.

Ja, sie befand sich in der Heimat, aber nie­mand war um sie herum in dem kleinen Hause, und die Heimat ist wärmer, wenn man einen Menschen dort besitzt, der zu einem gehört, durch Bande des Blutes oder der Liebe.

Hans Felsen sagte:Erinnerst du dich noch, Eva, daß ich dir <üs Sechzehnjähriger versprach, ein berühmter Ingenieur zu werden und dich dann zu heiraten. Berühmt zu werden, dazu habe ich wohl wenig Aussicht, aber ich habe keinen Grund, mich über meine Lebensverhält- nisse zu beklagen, gar keinen Grund. Wie denkst du über das Heiraten? Einmal muh das endlich vom Herzen herunter, und wir dürfen doch« als Kindheitsfreunde offen miteinander sprechen."

Sie muhte denken, sie würde gut geborgen sein als Hans Felsens Frau. Ihre Freundinnen waren verheiratet, nur sie war einsam. Lind weshalb?

SJ.-fporl

Gießener SD. schlägtPoseidon" Koblenz im Klubkamps.

Die gesamte Wettkampfmannschaft des Gieße­ner SD. war am vergangenen Sonntag bei tem SchwimmclubPoseidon" in Koblenz zu Gast, um in einem Vereins Vergleichswettkampf das Kräftverhäktnis der beiden Delfine festzustellen. Die Wettkämpfe wurden im Residenzbad (Dahn- länge 14 Meter) ausgetragen und zeitigten für die Gießener Schwimmer beachtenswerte Erfolge.

Rachstehend die Ergebnisse der einzelnen Kämpfe:

Große Kraulftaffel, 10x4 Dahnen: 1. Gießen in 6:28,2 Mur. (Hechler, Schomber, W. Zimmer, Schönfeld, Pascoe, Grünberg, D. Zimmer, Weih, Schaum, Herbert): 2.Poseidon" Koblenz 6:34,7 Min.

Lagen st affe l, 3x7 Dahnen: 1. Giehen in 4:03 Min. (Schaum, Pascoe, D. Zimmer): 2. Poseidon" Koblenz 4:14,2 Min.

Jugend-Lagen st affe l, 3x7 Dahnen: 1. Giehen in 4:12,8 Min. (D. Zimmer, Mewes. Herbert): 2.Poseidon" Koblenz 4:13 (Hand­schlagsieg).

Drust st af fel, 3x7 Dahnen: 1. Giehen in

4:11,4 Min. (Rottmarm. W. Zimmer, PaScoejr 2.Poseidon" Koblenz 4:20,8 Win.

Große Brust st a s f c l, 10x4 Dahnen: L Gießen in 7:49 Min. (W. Zimmer, Rottmann, Weves, Schüler, Mohner, Hechler, Grünberg. Kirschbaum, Schaum, Pascoe): 2.Poseidon" Ko­blenz in 7:57 Mim

Kraulstaffel, 3x7 Dahnen: 1.Poseidon* in 3:35,8 Min.: 2. Gießen 3:37,8 Min.

Wasserball- Fünserspiel: SD. Dießen Poseidon" Koblenz 11:8 (4:6).

Ges am tergebnis: SB. Gießen 10 Punktel Poseidon" 4 Punkte.

Die Staatsplakette für Robert Braun.

Der bekannte Turnerführer Robert Draun in Frankfurt a. M., der kürzlich seinen 60. Geburts­tag feierte, hat neben der höchsten Auszeichnung der Deutschen Turnerschaft, der Ehrenurkunde, die nur in ganz seltenen Fällen verliehen wird, auch die Staatsplakette des Preußischen Wohl­fahrtsministeriums für Verdienste auf dem Ge­biete der Leibesübungen erhalten. Lange Jahr­zehnte hindurch hat er in unermüdlicher Arbeit in verschiedenen turnerischen Aemtern, zuletzt als Schwimmwart der DT., an verantwortlicher Stelle mit bestem Erfolge gewirkt.

Ranglisten...

Ranglisten" waren vor wenigen Jahren noch ein Begriff, der m"t dem Tennissport unlösbar verbunden und nur in dieser Sportart bekannt war. Ranglisten wurden für das internationale Tennis von dem bekannten englischen Fachmann Wallis Myers nufgeftellt Der Deutsche Tennisbund ernannte zur Lösung dieser schwie­rigen Frage eine besondere Kommission, um die Rangliste" im deutschen Tennis mit aller Sorg­falt aufstellen zu können. Privatleute folgten allenthalben und es gab nicht nur im deutschen, sondern auch im internationalen Tennis Rang­listen von verschiedenen Verfassern, die sich auch in der Reihenfolge der Spielerinnen und Spieler oft wesentlich unterschieden. Die Aufstellung einer Rangliste ist eine sehr schwere und für den damit Belasteten auch eine undankbare Arbeit. 2m Tennis, dem ersten Sport, in dem es eine Rangliste gab, haben sich die Schwierigkeiten der richtigen Klassierung unter Zugrundelegung der während eines Jahres erzielten Ergebnisse keineswegs gemindert.

Inzwischen hat die Rangliste Schule gemacht. Die von der Deutschen Sportbehörde für Leicht­athletik vor einigen Jahren eingeführteListe der zehn Besten", inzwischen auf eineLifte der dreißig Besten" erweitert, ist nichts anderes denn eine Rangliste. Reuerdings wartet man auch in Kreisen der Schwimmer mit einer solchen Liste auf. Die Verfasser dieser Liften können es sich leichter tun als im Tennis. In der Leichtathletik und im Schwimmen gibt es tatsäch­lich oder mechanisch meßbare Leistungen.

Wenn im Laufe des Jahres die Leistungen von hundert Sprintern, ebensovielen Mittel- und Langstrecklern, Werfern und Stößern und schließlich Staffelmannschaften fein säuberlich no­tiert werden, dann ist es am Ende nicht so schwer, eineRangliste" aufzustellen. Es gehört nicht viel dazu festzustellen, daß der Sprinter, der in der Saison die 100 Meter in der kür­zesten Zeit bewältigt hat, die Rangliste anführt. Mag man in anderen Sportarten noch mit einer Rangliste folgen, fo wird sie überall leichter aufzustellen fein, als gerade im Tennis, wo es nicht mit rechnerischen Exernpeln zu machen ist.

Trugen nicht ein paar dunkle Männeraugen die Schuld daran, fern im fernen Lande, ein paar dunkle Männeraugen, die sicher nicht daran dach­ten, sich ihretwegen zu trüben. Ihr Bruder hatte sich völlig eingelebt in Rio de Janeiro, wer weih, ob und wann er jemals wiederkehrte. Jahre wurden vergehen, sie wurde älter, und die Ein­samkeit wurde fühlbarer werden. Wäre es nicht gut, die Gelegenheit, die sich ihr bot, zu be­nützen?

Er zog ihren Arm fester an sich.

Evalein, ich habe dich damals als Sechzehn­jähriger lieb gehabt und habe dich lieb behalten, wollen wir es miteinander wagen? Meine Eltern sind bestimmt einverstanden."

Ihre Gedanken arbeiteten angestrengt.

Laß mir ein paar Tage Zeit, über deine Frage nachzudenken", bat sie.

Er blieb stehen und legte die Arme um ihre Schultern.

Wenn du darüber nachdenken willst, so ist schon alles entschieden, sonst hättest du gleich nein ge­sagt. Wozu Nachdenken, Eva, wozu kostbare Tage vergeuden? Gib mir das Glück gleich, Mä­del du.

Er neigte sich blitzschnell und küßte sie, ehe sie sich zu wehren vermochte.

Lind wozu sollte sie sich auch wehren? Sie kannte den Iugendgespielen als ehrenwerten, an­ständigen Menschen und hatte ihn gern, sehr gern.

Vielleicht hatte sie ihn auch lieb, sie wußte es nicht genau.

Sie duldete die Küsse des Mannes wie in einer Art von Betäubung.

Cs war so still an den Herbstabenden in dieser Dillenstrahe, fein Fußtritt klang auf, es hatte auch, kein Späherauge durch die Dünnen und doch alles verkleidenden Vorhänge der Rebelfrauen lu­gen können.

Als sie Hans Felsen endlich freigab aus feinen Armen, dachte sie, es war gut so, daß sie jetzt feste Llmrisse für den Bau ihrer Zukunft sah, jetzt brauchte sie nicht mehr bange sein vor der großen Einsamkeit des Alters.

Daurat Felsen lachte ein dröhnendes Lachen aus breitem Brustkorb, als er von seinem Sohne das Reueste hörte.

Ra, also, Kinder, habt ihr euch gefunden! Lange genug habt ihr allerdings dazu gebraucht!" Er schlug Eva aus die Schulter.Blondchen, ich freue mich über Den Geschmack von dem Jungen. Bist mir als Töchterchen willkommen." Lind seine Frau strich ihr die Wangen.Hast keinen Puder und keine Schminke im Gesicht, das gefällt mir an dir am besten. Bei den zu sehr Anaestrichenen muß ich immer denken, sie streichen auch ihre Her­zen an und man weih nicht, was Darunter verbor­gen ist."

In Der Leichtathletik und im Schwimmen werden Die Ranglisten nichts anDeres alsIahres- RekorDlisten" bleiben. Mit Der Tennislifte zu vergleichen wäre höchstens Die Rangliste im Hockey, mit Der auch ein Versuch unternommen tourDe

Die Aufstellung von Ranglisten für alle Sport­arten ist ein Zeichen unserer Zeit, Die genaue Klassierung verlangt und sich mit Meisterschaften von Der untersten Organisation bis zurDeut­schen" nicht genügen läßt.

Schmeling wieder in Berlin.

Weltmeister May Schmeling hat seine AuS- lanbreife beendet und ist nach Berlin zurück- gekehrt, um seine Vorbereitungen sür die Mitte Dezember geplante Lieberfahrt nach Amerika zu treffen. In Hollywood gedenkt Schmeling einen Filmvortrag abzuschließen und wird erst im Sommer nächsten Jahres wieder ein gründ­liches Training aufnebmen können. Madison Square-Garden hat als nächsten Gegner für Schmeling den früheren Mittelgewichtsweltmeister Mickey Walker in Aussicht genommen, bei diesem Kampf wird jedoch der Deutsche seinen Titel nicht aufs Spiel setzen.

Radländerkampf Deutschland - Frankreich.

Der Radländerkampf FrankreichDeutschland auf der Pariser Winterbahn brachte einen über­legenen Sieg der Franzosen mit 3:0 im Gesamb- ergebnis. Im Fliegertreffen schlug Faucheux den deutschen Meister Stesses, Stübecke-Frankenstein unterlagen im Mannschafts-Omnium gegen Ray­naud-Dayen, und bei den Stehern mußten Möl- ler-Dederichs gegen Paillard-Grassin ebenfalls klein beigeben.

Hauptversammlung des WSV. verlegt

Arn Samstag hielt Der Derbandsausschuß des Westdeutschen Spiel-Verbandes in Duisburg eine Sitzung ab, auf der beschlossen wurde, die außer­ordentliche Hauptversammlung am 7. Dezember auf Januar zu verlegen. Der WSV. will erst noch die Sitzung des erweiterten Bundesvorstan-'

Man faß beisammen in dem heimeligen Wohn­zimmer und Der Daurat hatte Wein aus Dem Keller geholt. Er war sehr für eine kleine in­offizielle Vorfeier.

Die offizielle Verlobung wirb folgen", erklärte er,heute ist Der Dreizehnte, unD Die Dreizehn Paßt nicht für Tage Der Freude."

Man fließ miteinander an und er erzählte ein Paar Episoden, die mit Der als Llnheil bringend verschrienen Zahl zusammenhingen. Er erzählte gern dergleichen. Seine Frau wußte auch etwas zu Dem Thema beizutragen und schließlich auch Hans.

Eine drollige Geschichte war es, aus seiner Stu- Diumszeit, eigentlich eine Verulkung der omi­nösen Zahl. Man lachte und Hans Felsen sagte: Run bist Du an Der Reihe, Evalein. Rücke her­aus mit Deinem Erleben, falls Die Dreizehn ein­mal eine Rolle in Deinem Dasein gespielt bat.

Eva, Die eben noch gelacht hatte, würbe plötzlich sehr ernst, unb sie mußte an Den Rosenmontag vor zwei Jahren benten.

Ratürlich weiß sie auch etwas von Der ver­hängnisvollen Zahl", lächelte Der Daurat und brängte:Erzähle, Mäbelchen, ich höre berglei- chen zu gerne."

Eva wollte ertoibem, sie wüßte nichts zu er­zählen, aber ber Baurat trank ihr zu:Los, Eva, los, ich bin gespannt."

Da erzählte Eva Hirtberg von bem Rosenmon­tag in Barcelona, von bem Morb unb bem bvei- zehnten Clown.

Alle hörten aufmerksam zu, unb als Eva ge- enbet, meinte Hans Felsen:Das ist wirllich ein eigentümlicher Fall. Sicher ist ber Morb von bleiern Dreizehnten verübt worden."

Ich las erst kürzlich in einem spanischen Blatte, ber Mord hätte bisher keine Sühne gefunden", erwiderte Eva, und durch ihre lebhafte Wieder­gabe des Geschehnisses hatte sie sich deutlich zu­rückversetzt gefühlt in Den Tag, Da sie auf dem geschmückten Wagen unter Dem blauen Himmel dahingefahren. Ihr xur Seite der schlanke Primo Duero im gleichen Clownsgewand wie sie und Die andern.

Zwölf sollten sie alle auf Dem Wagen sein und Dreizehn waren sie. Dreizehn! LlnD später wie­der zwölf. Rachdern Der Dreizehnte verschwun­den war, tourDe Der MorD begangen.

3n der Erinnerung noch fröstelte es Eva. Ihr war es. als sähe sie Primo Duero vor sich uiÄ sie dachte an ihn mit einem so eigentümlichen Gefühl, gemischt aus Sehnen und Bangen, daß sie in diesen Augenblicken begriff, sie liebte Primo Duero, liebte ihn so stark, toie sie es nie geahnt- Liebte ihn anders als Hans Felsen.

(Fortsetzung folgt.)