Lugend und Hochschule.
(Eltern und heranreifende Kinder.
Don Paula Messer-Platz, Gießen.
Trotz aller Klagen über den Eigenwillen und daS Nichthörenwollen der Jugend gibt es doch noch manche Eltern, die es verstanden haben, in der richtigen Mitte zwilchen Erziehen und Dehenlassen ein Vertrauensverhältnis selbst zu ihren erwachsenen Kindern sestzuhalten. Wie schwierig daS gerade in unserer Zeit ist, zeigt sich daran, daß man dieses wirkliche Freundschaftsverhältnis zwischen Eltern und Kindern so selten sindet. Oester schon ein« gegenseitige Achtung und Liebe, aber fast nie jene- seelische SinSsein, dem eS Bedürfnis ist. auch über innerste Erlebnisse und Gefühle sich auS- »usprechen und beraten zu lassen. WaS man vielleicht^ einem ganz fremden Menschen anvertraut, wenn etwa Stimmung und Umstände dazu Helsen, da- würde man nie seinen Nächsten sagen. Oft hemmt nicht fo sehr Mangel an Vertrauen als eine Art Scham, seine Gefühle und seelischen Konflikte denen zu zeigen, mit denen man nachher doch die Alltäglichkeiten des Alltags durchlebt. Denn selbst, wenn eine vertraute Stunde unS zu letzter Ossenheit brachte, so empfindet es ein zartes — in den Entwicklungsjahren oft übersensiliveS — Gemüt vielleicht nachträglich doch peinlich, sich so ohne Hülle und Vorbehalt gegeben zu haben. Es gehört ein unendlich feiner Takt der Eltern dazu, dieses Schamgesühl nicht zu verletzen, selbst wo es ihnen übertrieben vorkommt und sie bemüht sind, eS abzuschwächen. Aus jeden Fall erreicht man dies nicht, wenn man aus das Gespräch einer vertrauten Stunde im Alltag zurückkommt oder auch nur es andeutungsweise heranzieht. Wan vergesse nie, das; zur Berührung dieser feinsten Dinge auch eine besondere Stimmung der Seele da sein soll und dah diese Stimmung auf b e i- den Seiten walten muh. Die Ausgabe der Eltern ist dabei am ehesten die: au spüren, wann das Kind nach vertrauter Zwiesprache verlangt, diese Zwiesprache scheinbar zufällig herbeizuführen und so dem Kinde über die Schwierigkeit des ersten Wortes hinweg zu Helsen.
Lind sür die A r t solcher Aussprachen ist das jugendliche Gemüt äuherst empfindlich. Vielleicht gibt es hier überhaupt keine allgemein gültgie Regel, wie das Richtige getroffen werden kann. Wenn man z. D. immer wieder von der rich- gibt eS hier überhaupt keine allgemein gilltgie Ligen Weise der sexuellen Aufklärung liest, so muh man zuerst doch einmal bedacht werden, ob es überhaupt für alle Kinder eine, und;nur eine richtige Aufklärungswcise gibt. Se> wird etwa von bet Schriftstellerin Gertrud Prellwitz empfohlen, wenn die richtige Zeit gekommen, eine vornehm gehaltene, kurze Aufklärungsschrift in daS Zimmer seines Heranwachsenden Kinde- zu legen, stillschweigend, aber mit einem blühenden Zweig oder einer Blume daraus. Das entspricht gewih tiesem und seinem Empfinden und mag auch sür die Eigenart mancher Kinder das Richtige fein. Aber wäre eS nicht denkbar, dah gerade dieses — wenn auch noch so zarte und poetische — Betonen und HerauSheben peinvoll empsuuden wird, wo doch ohnehin seelische und körperliche Entwicklung des Kindes übermähig aus die sexuelle Sphäre hindrängen. Darum ist ja gerade die langsame, schrittweise und scheinbar von selbst sich ergebende Art der „Aufklärung" die beste, weil sie dem Heranwachsenden nicht plötzlich ein einzige- Wissensgebiet ganz anders aufschließt wie alle anderen, wie etwa Gehen und Sprechen, Rechnen oder Schreiben, Geographie oder Physik. Alles geht langsam, sozusagen natürlich, man läht dos Kind in jedes Gebiet hineinwgchsen. Rur in das seruelle Gebiet wird es hineinge- stohen. Ein zarter Stoß ist natürlich besser als ein grober, aber muh es denn ein Stotz sein? Warum soll das Kind nicht in einem so frühen Alter schon ganz ungezwungen von den sexuellen Tatsachen zu wissen bekommen, in einem so frühen Alter, datz ihm diese Dinge persönlich
noch gleichgültig sind und in all dem Reuen, das etn Kind stündlich erlebt und erfährt, unbemerkt mit ausgenommen werden. Damit ist nicht gesagt, dah nicht durch ein geeignetes Buch in mehr zusammenhängenderer und vertiefter Art da- Wissen von sexuellen Dingen schliehlich geklärt werden sollte. Aber nicht dem außergewöhnlichen Apparat von aufrührender Feierlichkeit und Poesie, sondern so, dah etwa die Mutter bei passender Gelegenheit au Sohn oder Tochter sagt: „Mir scheint, du hast hier noch falsche Begriffe. Da, schlietze dir einmal meinen Bücherschrank auf und hole dir dieS bestimmte Buch." Freilich mutz es dann ein Buch fein, das nicht nur die naturhafte Seite der sexuellen Dinge klar und fachlich behandelt, sondern auch ihre hohe moralische Bedeutung.
Schon darum wird ein Buch oft besser imstande sein, die obschlietzenden sexuellen Kenntnisse zu vermitteln als die Eltern, weil diesen häufig selber die Gabe fehlt, gerade mit ihren Kindern ruhig und unbefangen über diese Fragen zu sprechen. In der älteren Generation war ja die sexuelle Erziehung noch unfreier al- heute. Oberste- Gesetz hietz damals: vor den Kindern spricht man nicht über „solche Dinge"! Heute ist man sich schon eher klar darüber, dah dieses Gebiet auch vor den Kindern weder gemieden noch betont werden soll, sondern dah es nur daS eine nötig hat: mit vornehmer und reiner Gesinnung behandelt zu werden, wenn es im Kreislauf des Tages herantritt und Beachtung verlangt. Solch vornehme Gesinnung sollte aber nicht eine eigens für das sexuelle Gebiet aufgesparte Denkart
sein — vermag die- ja auch gar nicht zu sein. Jede Frage kann auf eine feine und auf eine gemeine Weise besprochen werden. Gerade der Lehrer hat oft Gelegenheit. dieS zu fühlen. Er wird z. B. sehr bald merken, mit welcher Gesinnung zu Haufe vor den Kindern von der Schule gesprochen wird. Selbst Fehler und Mängel der Schule können vor den Kindern beredet werden, wenn eS nur nicht mit Gehässigkeit, Verdächtigung und Unverständnis geschieht. Die Kinder selber werden eS später dankbar empfinden. dah chnen die Schule nicht durch lieblose- Gerede verekelt wurde, wie sie eS sicher alS Erwachsene würdigen werden, wenn das sexuelle Gebiet ihnen rechtzeitig fo natürlich, langfam und ihrer Entwicklung gemäß aufgeschlossen wurde, wie jedes andere Wissen auch.
Bei einer solch „unwissend" wissend gemachten Jugend entfällt von selbst die Schwierigkeit mancher Situation, der die Eltern sonst oft mit Beklemmung entgegenfehen. Die schwere Kunst, das Vertrauen des erwachsenen Sohnes oder der Tochter sich erhalten zu haben, ihrem AuS- sprachebedürfniS die Eltern als die besten Freunde erscheinen zu lallen, lohnt sich überreich besonders dann, wenn Erziehung, Beruf und Leben die Kinder räumlich auS dem Eltern- Hause wegnimmt. Es heiht dann nicht: „Die Kinder hergeben", sondern sie oft noch tiefer gewinnen. Denn der seelische Zusammenhalt mti dem Elternhaus und das Glück solcher Gemeinschaft wird den Kindern in der Fremde und in der äußeren Unabhängigkeit oft viel deutlicher sein, als es ihnen früher zum Dewutztfein kam.
Deutschland als Gastgeber der ausländischen Studenten.
Zweckvotte Kulturpropoganda. — Studentenhäuser in aller Welt. — Oie Weih geltun; der deutschen Wissenschaft.
Don Dr. Walther Dötting.
Dor kurzem übergab Staatssekretär Dr. L e w a l d das von amtlichen und privaten Stellen geschallene „Humboldt- hau-" in Berlin seiner Bestimmung', den ausländischen Studenten in Berlin als Heim zu dienen.
Deutschland hat die Erkenntnis, datz ein Staat nicht nur Macht, sondern auch Sympathien besitzen muß, mit schweren Opfern erkauft. Auf der Höhe seiner Entwicklung vor dem Krieg, lag ihm der Gedanke an Propaganda völlig fern; damals genügte ihm das Bewußtsein, von den Völkern des Erdenrunds respektiert zu sein, über eine starke und schlagkräftig« Armee und Flotte zu verfügen und sich eines dauernd steigenden Wohlstandes zu erfreuen. 3m Krieg hat sich dann gezeigt, wie schwer internationale Sympathien wiegen. Frankreich durfte der Unterstützung der ganzen Welt sicher fein, weil es von jeher verstanden hatte, sich in aller Welt Freunde zu sichern. Erfreulicherweise ist im neuen Deutschland auf diesem Gebiet gründlich Wandel geschaffen worden, und die Einweihung eines neuen Heims für d i e a u s- ländischen Studierenden in derReichs- hauptstadt ist deshalb mehr als ein bloßer gesellschaftlicher Akt; sie mag die Kundgebung eines Willens zu zweckvoller Kulturpropaganda und ein gutes Vorzeichen für die Zukunft sein. Denn wo könnte sich ein Staat mehr Freunde werben als unter Studenten, jungen Menschen, die, neuen Eindrücken aufgeschlossen, im entscheidenden Stadium ihres Lebens stehen, die bestimmenden Eindrücke für ihre Zukunft empfangen und, je nach der An dieser Eindrücke, für oder gegen ein Land optieren, das sie zum Gegenstand chrer Studien gemacht haben? Die Studenten, di« aus dem
Ausland zu uns tommen, sind zwar nicht mehr so zahlreich wie in den Zeiten der Inflation! aber dieses Manko wird reichlich ausgeglichen, denn diese Fremden stammen aus einflußreichen und wohlhabenden Kreisen chrer Heimat und werden selbst einmal berufen fein, die Kenntnisse, die sie in Deutschland erworben, bad Wissen um Menschen und Dinge, die sie sich bei uns angeeignet haben, in führender Stellung zu Hause zu verwerten. Wenn Deutschland daher alles tut, um ihnen ihren Aufenthall so angenehm wie möglich zu machen, chnen chr Studium nach Kräften zu erleichtern und sie mit den Vertretern des deutschen öffentlichen Lebens bekannt zu machen, so ist daS nur zu begrüßen, und die Mittel, die dafür aufgewandt werden, werden sich in naher oder ferner Zukunft reichlich lohnen. Das neue Heim für die ausländischen Studierenden, daS nun im Berliner Tiergartenviertel seiner Bestimmung übergeben wurde, ist nicht die erste Gründung dieser Art; in den letzten Jahren diente das Alexander-von- H umb old t-Haus in der Fasanenstraße, unmittelbar am Kurfürstendamm, demselben Zweck. DaS jetzt cingeweihte Humboldthaus in der Klopft ockstraße, ehedem daS Heim des bekannten Orientmalers Körner, ist großer, weitläufiger als fein Vorgänger. Es wird daher feine Bestimmung noch besser erfüllen können.
Wenn sich amtliche und private Stellen für dieses Werk eingesetzt und zu finanziellen Opfern bercitgefunben haben, so geschieht dies nicht zuletzt deshalb, weil in den wichtigsten Universitätsstädten des Auslandes ähnliche Einrichtungen geschaffen worden sind. Der junge Rocke feiler hat für diesen Zweck große Stiftungen gemacht, dank denen in Deuhork, Ehikago und San Francisco große Klubhäuser für die internationale Studentenschaft entstan-
Oer Morgen des Schulkindes.
Richtige Jeitorqanisativn einer nervösen Angelegenheit.
Don Or. W. SchweiSheimer.
Die Verven der Mutter sind die Glockenstränge. an denen die Kinder zu ihrem Vergnügen ziehen und hängen und schaukeln. Sie sind großer Beanspruchung gewachsen. Zuweilen ist «S aber doch geraten, die Belastung etwas zu vermindern, zum Vuyen von Mutter und Kind.
Es läßt sich nicht leugnen: die Morgenstunde vor Schulbeginn hat nicht nur Gold im Munde. Die Mutter tut. was sie kann, um sie ruhig zu gestalten, aber die kleinen Frösche mit ihren unverbrauchten Verven sind die stärkeren, sie bringen bewegtes Gequirle in die Ruhe des Tages- beginncS. Es geht ganz munter an. freundliche Begrüßung, aber siehe da! plötzlich ist man fünf Minuten zu spät aufaestanden. schon beginnt der Trubel, die Zeit soll eingeholt werden, das Hemdchen hat sich unter einem Killen verkrochen, der eine Knopf geht nicht zu. wo ist der Schulranzen? Er gehört doch auf den Stuhl, gestern abend hat ihn das Kind selbst hingelegt, vor drei Minuten war er noch dort, sicher hat ihn die Mutter weggelegt, oder der B^ter bat den Stuhl gebraucht, nein. nein?, bann haben ibn Diebe geholt, denn sicher war er auf dem Stuhl, — da ist er! 3m Eßzimmer, ganz richtig, das Kind hat ihn doch gestern dort hingelegt, wo ist das Frühstück? Aber ein solches Taschentuch ist doch unmöglich! Endlich stürzt das Kind fort, jetzt hat es den Schulranzen vergessen, nochmal zurück, schon ist es zwei Minuten über die allerletzte Zeit, jetzt, natürlich, muß es unbedingt noch .hinaus".
Und wenn auch das nicht gerade einem und demselben Kind an einem und demselben Tag zustotzen muß, so läßt sich doch die Möglichkeit theoretisch nicht ausschließen.
Organisation! Organisation der Zeit ist nötig, wenn Vervenkraft gespart werden soll. Und zur richtigen Zeitorganisation gehört vor allem auch die Bildung von Reservezeit.
Die wichtigste Vorarbeit ist schon am Abend zu leisten. Vur Kinder, die rechtzeitig zu Bett gehen und genügend Schlaf haben, können auch richtig aufstehen. .Rechtzeitig", d.h. daß sie bei einiger Gewöhnung von selbst zur nötigen Mor
genstunde aufwachen. Wecken sollten darum im allgemeinen nicht nötig sein; wo es aber unvermeidbar ist, sollte diese zweifellos nervös machende Prozedur sanft und mit Freundlichkeit vorgenommen werden. 10 bis 11 Stunden Schlaf brauchen Kinder in den früheren Schuljahren noch. 3m einzelnen ist es frellich verschieden und wie in allen Beziehungen ist auch hier daS Verhalten des VachbarkindeS nicht maßgebend.
3m Schlaf entfaltet sich auch die Seele des KindeS. Das Einschlafen mit lieben Gedanken ist darum wichtig, sie bereiten den Boden, auf dem Schlaf und Traum sich freundlich entfalten. VichtS darum von Zank und Drohungen, nichts von unangenehmen Schulerwartungen unmittelbar vor dem Einschlafen. Was hier zu besprechen ist. das kann vorher geschehen, die letzten Minuten vor dem Schlaf müssen aber auf alle Fälle von Freud«, Liebe und Zärtlichkeit umdämmert sein.
Manche Dinge lassen sich am Abend lchon vorbereiten. am Morgen wird dadurch Zeit gewonnen. Die Kleider werden schon abends her- gerichtet. Die Kinder werden es sobald als möglich lernen, sich selbst anzukleiben. 3m Notfall kann man ihnen aber ruhig helfen, die Mutter schafft sich damit selbst den besten Trost, sie wird denken: in einigen 3ahren können sie es ja doch, und fo rasch tote jeder, von selbst.
Die große Waschung ober das Baden wird zweckmäßig am Abend vorgenommen. Morgens kann man sich bann auf bie nottoenbigen Handgriffe beschränken. Sie sind zusammen mit dem Reinigen der Zähne rasch durchgeführt.
Der Schulbeginn um 8 Uhr ist richtig. Nur für Kinder der beiden untersten Volksfchulklallen ist das etwas früh. — nicht wegen des Aufstehens. das sich durch entsprechendes Schlafengehen ausgleichen läßt, aber wenn es in der kalten 3ahreszeit am frühen Morgen noch dunkel und rauh ist, wird dielen kleinen Kindern bei so frühem Fortgehen nichts Gutes getan.
Das Frühstück sollte keinesfalls eine Quelle dauernder Verdrießlichkeit werden. Viele Kinder frühstücken gern und ausgiebig. Andere tun das nicht. Die Besorgnisse, die viele Mütter daran knüpfen, sind unbegründet. Was die Kinder am Morgen nicht essen, das holen sie beim zweiten Frühstück ober sonst im Laufe des Tages nach. Wie es bei Erwachsenen und Kindern Morgen- und Abendschläser gibt, d. h. Menschen, deren Schlaf am tiefsten und am besten gegen
Morgen ober alsbalb nach bem Einschlafen ist, fo ist auch der Rhythmus beS Rahrungsbebürs- nisfes verschieden. Ein Teil der Erwachsenen frühstückt reichlich am Morgen, andere können morgens kaum etwas berühren, wieder andere betrachten das Mittagessen als ihre Hauptmahlzeit und nehmen abends nur wenig zu sich, andere dagegen wollen gerade am Abend ihren Hunger tüch'.ia ft Ilen. Und alle fühlen sich wohl dabei, wenn sie erst herausgefunden haben, was für sie am zuträglichsten ist.
Bei den Kindern ist es nicht anders. Wenn bie meisten auch morgens gern ihre Milch, Milchkakao. Milchkaffee trin’en. so wollen doch viele noch nichts bazu elfen. Sie holen das in der Frühstückspause um 10 oder 11 Uhr nach, am besten mit einem Butterbrot, mit ober ohne Zutaten, mit Obst, unter Umständen auch einem Stück Kuchen. Sehr geeignet sind Milchausschankstellen in der Schale selbst, wo die Kinder um 10 Uhr frische Milch, kalt ober warm, erhalten können.
Es gibt aber auch Kinder, die morgens gar nichts zu sich nehmen wollen. Ein Kind in der ersten Dolksschulklalle brach sich jeden Morgen auf bem Schulweg. Wir wollen hier nicht bie ganzen psychoanalytischen Möglichkeiten erörtern, bie solchem Vorfall zugrunde liegen könnten. Das Kinb war völlig gesund, nicht nervös (im üblichen Sinn), nicht gehetzt, genügenb Schlaf, keine Angst vor ber Schule, — jedmcglicher Einwanb kann abgelehnt werden. Aber es hatte absolut keine Lust, zu frühstücken. Man überredete es. doch wenigstens ein« Tasse Kakao zu trinken. Das lat es. aber bann brach es sich auf bem Weg ober kurz nach Eintritt in das SchulHaus, — so ganz nebenbei und leicht, wie sich kleine Kirrder eben brechen. Der Rat des Arztes, bem Kinb kein Frühstück zu geben, würbe lange nicht befolgt: bie Mutter wollte es nicht freiwillig bem Hungertod ausliefern, auch befürchtete man. bie .anstrengende" Schule würde bas Kinb nervös machen. Schließlich entzog man dem Kind doch das Morgenfrühstück. Es brach sich nun nicht mehr, seinen Kakao trank eS mit Heißhunger um 1 fll Uhr, nach Rückkehr aus der Schule, es gedieh vortrefflich.
Es ist das nur ein Beispiel, wie bei aller Einordnung ins soziale Gefüge doch ein wenig Großzügigkeit nötig ist. Sonst wirb bie Essens- frage beim Kind zu einer Quelle ständiger Reibungen, — wozu überhaupt grundsätzlich die
den sind. ScrfeEb« Rockeseller hat erst kürzlich 14 Millionen Mark für ein P a r i s e r Klubhaus gestiftet, in dem sich die Studenten aller Nationen zulammenfinden Iollen. In der Gte Univcrsitairc der französischen Hauptstadt sollen einzelne nationale Häuser entstehen, in denen rund 4000 Studierende Wohnungen finden können. Die meisten anderen französischen Hochschulen wollen diesem Beispiele folgen. Aehnlich« Einrichtungen finden sich in Madrid, und da» große Studentenhau- in Warschau enthält sogar 1200 Wohnzimmer, die ausländischen Studierenden zur Verfügung stehen. Den Aufwand für solche Bauten, so groß ihr ideeller Nutzen auch sein würde, kann sich da- verarmte Deutschland natürlich nicht leisten. WaS heute auf diesem Gebiet geschehen kann, steht im Zeichen notgedrungener finanzieller Beschränkung. Doch der Anfang ist gemacht, und man darf hoffen, daß der Gedanke, der hier verwirklicht worden ist. in hoffentlich nicht mehr fernen beffeteit Zeiten weiter entwickelt werden wird. Schon heute wird bei aller Not den studierenden Ausländern in Deutschland tätige- Interesse entgegengebracht Eine vor fünf Jahren gegründete Alexander - von - Humboldt- S t i f u n g verteilt jährlich an 120 ausländische Studierende Stipendien. Reich und Wirtschaft, beide gleicherweise an diesem Kulturexport interessiert, bringen die dafür erforderlichen Mittel auf. Aber nicht nur diese Stipendiaten, sondern auch die anderen Studenten, die aus der Fremde kommen, werden betreut; man sorgt für ihre gute Unterbringung, überläßt sie nicht ihrem Schicksal, sondern führt sie in die Kreise ein, in die sie ihre geistigen Interessen weisen.
Seit Kriegsende ist in allen Teilen ber Welt eine bemerkenswerte Erscheinung feftuiftcUcn. Die Zahl ber Ötublercnbcn, bie inS Ausland gehen, wächst immer mehr, so baß man geradezu von einer studentischen Völkerwanderung sprechen kann. 3m Universitätsjahr 1928 29 besuchten 5917 Ausländer die Universitäten und Technischen Hochschulen Deutschland-, 5168 studierten in Großbritannien, 8932 in den Vereinigten Staaten, 11 159 an französischen Universitäten. Es ist hoch erfreulich, daß Deutsch- land wieder zu den meist besuchten Ländern gehört, und wenn auch Frankreich fast die doppelte Zahl von studierenden Ausländern aufnimmt, so bars nicht vergessen werben, daß der alte Anspruch von PanS, ein geistige- Weltzentrum zu fein, noch immer forttoirft, und daß ber billigere Lebensunterhalt in Frankreich naturgemäß einen sehr starken Anreiz auSübt. Wenn man die Dinge unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, so darf man hosien, baß bie Zahl ber ausländischen Studenten in Deutschland in den nächsten 3ahren mehr und mehr ansteigen wird. In ber ganzen Welt werben immer wieder Stimmen von Beobachtern laut, die Deutschland da- Land d e r wis senscha f 11ichen Le i stu n - gen, der unermüdlichen, von keinem wirtschaftlichen Rückschlag zu beirrenden Arbeit nennen, und die schon heute zugestehen, daß auf seinem Boden die großen, unblutigen Schlachten ber Zukunft geschlagen unb von ihm die entscheidenden geistigen unb wirtschaftlichen Entwicklungen auS- gehen werden. Ein Vergleich d«S Leben- in den verschiedenen europäischen Großstädten macht dies jebem Beobachter deutlich unb diese Erkenntnis wird sich auch in einem wachsenden Zustrom fremder Studenten auswirken. Es ist daher nur zu begrüßen, wenn im Rahmen des Mögsichen alles geschieht, um den Fremden den Weg nach Deutschland zu ebnen.
Die in Deutschland studierenden Ausländer rekrutieren sich hauptsächlich aus den Nachbarländern mit deutschsprachiger Bevölkerung, aber auch aus allen Dalkanländern und dem ostlich-n Europa. Man yißlt allein ungefähr 400 Rumänen und fast 500 Bulgaren. Das wissenschaftliche Ansehen des Reichs ist auch in Asien sehr stark; es gibt viele chinesische, japanische, indisch«, persische syrisch«, türkifche und palästinensische Studenten. Wenn nur 23 Franzosen an deutschen Hochschulen studieren, während ungefähr 700
Voraussetzungen gegeben sind, weil alle Mütter meinen und Tn allen Generationen gemeint haben. ihre Kinder äßen zu wenig. In den traurigen Fällen, in denen bie Kinder aus sozialen Gründen tatsächlich von den Eltern nicht hinreichend ernährt werken können, werden Dchul- 1Peilungen einen Ausgleich bringen. Auch ist «S ben Kindern, die bas machen töimen, eine große Befriedigung, wenn sie einem weniger wohlhabenden Äameraben täglich ein Butterbrot mit* bringen dürfen.
Der Schulranzen ist der einseitig belastenden Mappe weit vorzuziehen. Nicht selten ist er, mit Büchern gefüllt, für kleine Kinder aber zu schwer. Gieße sich da in den Schulen nicht eine Gelegenheit schaffen, um einen Teil ber Bücher, soweit sie nicht zu Hause gebraucht werben, in ber Schule unterzubringen.
Der Schulweg gestaltet sich anregender, wenn Schulkameraden gemeinsam ben Weg au- rüdlegen. Die vielen Trambahnfahrer müssen besonders pünktlich ihre Abmarschzeit einhalten. In manchen Stäbten sammeln eigene Autobusie bie Kinber eines Stabtviertels, unb bringen sie in eine bestimmte Schul«, eine sehr emsehlenS- toerte Einrichtung.
Von größer Bebeutung ist regelmäßige Darmtätigkeit schon beim kleinen Kinb. Man kann hier den Darm zur Orbnung erziehen. so baß er immer zur gleichen Stunde tn Tätigkeit tritt Es ist gleichgültig, wann batst. die Natur beS einzelnen läßt sich hier nicht immer lommanbieren. Am erwünschtesten ist natürlich regelmäßige Darmtätigkeit am Morgen, schon vor Schulbeginn, unb bie Reservezeit muß unbedingt so bemessen sein, baß barauf genügenb Rücksicht genommen werken kann. 3n Wirklichkeit ist das viel wichtiger als ein regelmäßiges Frühstück, das zu jeder beliebigen Zeit tagsüber nachgeholt werden fann. Bon allen Tätigkeiten am Morgen, einschließlich Waschen unb Frühstück, ist diese regelmäßige Entgiftung des Körpers am wichtigsten, ihr kann keine Zeit abgezogen werden.
Es ist kein schlechter Trick, zur Erzielung einer Reservezeit, die Uhr um 5 Minuten vorzustellen. — das nützte selbst wenn alle es tDiffen, 3m übrigen wird man aus Gründen ber seelischen Hygiene die Kinder mit einem freundlichen ober scherzhaften Wort entlassen, — und kluge Lehrer werden sie in derselben Art begrüßen. .


