Ausgabe 
25.6.1930
 
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Heber 6V- Milliarden Besahungskosten

Berlin, 25.3unL (TU.) Aus einer amtlichen Zusammenstellung ergibt sich, daß die Kosten der Rheinlandbesetzung vom Inkrafttreten des Waffen- stillstandes bis zum 30. Juni 1930 auf rund 6,6 Mil­liarden Mark belaufen. In diese Summe sind n i ch t eingerechnet die persönlichen und sachlichen Auf­wendungen des Reiches für die durch die Besatzung bedingten Reichsbehörden und sonstigen Zuwendun- gen des Reichs für das besetzte Gebiet, wie sie tn den Haushaltsplänen des laufenden und der oer- gangenen Jahre für kulturelle Fürsorge, Saar- gängerunterstützung, Westprogramm usw. vorgesehen sind.

Oie Regierungsbil-ung in Sachsen.

Die Nationalsozialisten scheinen keine Lust zu haben.

Dresden, 24.Juni. (WTD.) Die deutsch- nationale und die Landvolkfraktion des neuen Landtages haben an alle Fraktionen mit Ausnahme der Sozialdemokraten und Kom­munisten ein Schreiben gerichtet, in dem sie er- klären, bei der letzten Wahl zum Landtag habe das sächsische Volk den Willen nach einer marxistenfreien Regierung klar bekundet. Die Fraktionen wurden für nächsten Samstag zu einer Besprechung über die Regierungsbildung eingeladen. Bei der Besprechung der Ergebnisse der sächsischen Land­tagswahlen weist der »Rationale Sozialist" dar­auf hin, daß rein rechnerisch eine antimarxi­stische Regierung unter nationalsozia­listischer Leitung möglich sei, da sie mit 51 Sitzen von insgesamt 96 eine sichere Mehrheit hätte. Aber diese rechnerische Möglichkeit lasse wesenhafte politische Gesichtspunkte außer Acht. Denn gerade diedreiDemokraten bildeten das Zünglein an der Waage. Ohne sie hätte die antimarxistische Regierung mit 48 Stim­men nicht die notwendige Mehrheit, wobei noch immer Voraussetzung wäre, daß die beiden Mahraun-Leute vorbehaltlos mitmachen. Da Der alte Landtag gerade wegen der demokra­tischen Forderungen aufgelost worden sei, erscheine es ausgeschlossen, daß heute die Demo­kraten sich dem nationalsozialistischen Diktat beu­gen würden. Aus diesem Grunde dürste die »Große Koalition" die größere inner« Wahrscheinlichkeit für sich haben, die auch für ?,anz Deutschland die richtige Regierungsgrund- age bilde. Denn die Boung-Parteien, denen das deutsche Volk all seine Rot, seine Arbeitslosigkeit und seine Ausbeutung verdanke, sollen auch offen die Folgen ihrer Poung-Politik tragen, auf daß das deutsche Volk seine Feinde erkenne und mit ihnen abrechne.

Generalstreik in Sevilla.

Paris, 25. Juni. (WT2. Funkspruch.) In Sevilla ist ein Generalstreik ausgebrochen, der revolutionären Charakter anzunehmen droht. Äleich nach dem Bekanntwerden des Streites - versuchten die Behörden von den in der näheren Umgebung der Stadt gelegenen Bäckereien die für -die Sicher st ellung der Ernährung not­wendigen Brote heranzuschaffen. Die Streiken­den zogen jedoch in großen Trupps den Bäckern entgegen und zwangen sie zur Rückkehr. Die ersten am Morgen ausgefahrenen Straßen­bahnwagen wurden von der Menge im Sturm genommen und mußten in ihre Depots zurück­kehren. Um auch den Automobilderkehr unmög­lich zu machen, hatten die Arbeiter große Steine und Rägel auf die Straßen gelegt. 2m Laufe des Rachmittags spitzte sich dann die Lage immer mehr zu, so daß sämtliche Cafes und Ge­schäfte geschlossen werden mußten. Starke Polizeiaufgebote patrouillierten durch die Stra­ßen der Stadt und verhinderten Zusammenrot­tungen. Auf Befehl des Stadtgouverneurs muh­ten die Straßenbahnen am Abend den Verkehr wieder aufnehmen. Die Streikleitung hatte sich vor der polizeilichen Liebermacht in Sicherheit ge­bracht und fluchtartig die Stadt verlassen.

Graf Zeppelin" in Berlin.

Oben:Graf Zeppelin" auf dem Flugplatz in Staaken. Darüber der winzige Bruder desGraf Zeppelin" das Kleinluftschiff D. P. N. 28. Unten: Die Führer desGraf Zeppelin : Kapitan Flemming, Kapltan Lehmann und Dr. Eckener.

I Nister Korells Etatsrede im Landtag.

Darmstadt, 24.Juni. (WHP.) Vizepräsident Blank eröffnete die Sitzung um 10.20 Uhr zur Be­ratung der 7. Hauptabteilung des Etats: Ministe­rium für Arbeit und Wirtschaft.

Minister Korell

führt in seiner Etatsrede u. a. aus: Der Etat des Arbeits- und Wirtschaftsministeriums für 1930 oer- sucht, die für den ganzen Staatshaushalt not- wendige Forderung der Sparsamkeit in eigener Initiative zu erfüllen. Ich habe in der Zentrale zwei Referenten und zwei Stellen in der Registratur auf Inhaber gesetzt. Der neuernannte Ministerialdirektor versieht im Nebenamt die Stelle des Vorstandes der Landwirtschaftlichen Versuchs­station mit. Insgesamt sind die Stellen von 15 Akademikern und 47 Nichtakademi- kern auf den Inhaber gesetzt worden. Auch bei sachlichen Einrichtungen habe ich die Re­organisation und Vereinfachung begonnen. Das Gewerbemuseum soll aufgelöst und an das Landesmuseum und die Landesoibliothek angeglie­dert werden. Das Landesgestüt wird zu­nächst versuchsweise in die Hand von Privaten und Genossenschaften überführt werden. Ein Ge­werbeaufsichtsamt soll aufgelöst werden. Die Selbstverwaltungskörper der Wirtschaft habe ich ersucht, ihre Budgets zu prüfen, ob Sparmaßnah, men möglich seien. Das Jahr 1930 ist ein aus­gesprochenes Krisenjahr. Sein Charakter drückt sich am deutlichsten in der Zahl von 214 Millionen Er­werbslosen, die wir mitten im Sommer haben, aus. Am 30. April 1930 entfielen im Bereich des Lan­desarbeitsamts Hessen auf 1000 Einwohner 28,6 Personen in Arbeitslosenunterstützung, in der Stadt Mainz 27,5, in Worms 27,6, in Gießen 13,6, in Offenbach 39,7, in Neu-Isenburg 47,1.

Die Gründe für die überaus hohe Zahl der dauernd Arbeitslosen im Lande Hessen erklären sich,

abgesehen von dem Ruhrkampf und der Besatzung, aus der besonderen volkswirtschaftlichen Konstruktur Hessens. Der Prozentsatz der Klein- und Mit­telbetriebe ist in Hessen hoher als der Durch­schnittssatz im Reich. Diese Betriebe leiden besonders in Zeiten finanzieller und wirtschaftlicher Schwierig­keiten. Die K a p i t a l b e s ch a f f u n g ist bei ihnen noch schwieriger als bet Groß- und Konzernbe­trieben. Es kommt als wesentlich hinzu, daß in Hessen Industrien besonders stark vertreten sind, bei denen der Einkauf ihrer Erzeugnisse in Krisenzeiten als zuerst entbehrlich eingeschränkt wird. Eine Volks­wirtschaft, die im wesentlichen aus Spezial- und Ver­feinerungsindustrie und intensiver Landwirtschaft be­steht, wird in Krisenzeiten besonders schwer be­troffen. Die Rekonstruktion und der Wiederaufstieg der Wirtschaft in unserem Lande ist abhängig von Maßnahmen, die das Reich ergreift.

Als besonders wichtig sieht im Vordergrund die neue Kapitalbildung und die Senkung des Zinsfußes, was den Zinsfuß anlängt, fo haben bisher im wesentlichen nur die Großbanken ihre Soll- und habenzinsen dem gesenkten Reichs- bankdiskont angepaht. Die anderen Geldinstitute, besonders die öffentlichen Sparkassen, vergüten heute noch für Rormalspareinlagen 6,5 Pro­zent, für Termingelder 7,5 Prozent, bereits be­stehende Einlagen können sogar mit 8 Prozent verzinst werden. Entsprechend sind die Sollfähe, die auch heute noch zwischen 10 und 12 Prozent liegen. Die Sparkassen befürchten bei Senkung der Habenzinsen eine Abwanderung in die acht­prozentigen Pfandbriefe. In einer Konferenz ijabe ich versucht, eine Vereinbarung über Sen­kung des Zinses herbeizuführen. Es ist damit zu rechnen, daß in Kürze eine Senkung der Hypothekenzinsen erfolgt. Auch der landwirt­

schaftlichen Genossenschaftskasse ist von der Zen- tralkasse eine Senkung des Zinsfußes nahege­legt worden.

Wie neues Kapital zu bilden ist, darüber besteht unter Theoretikern und Praktikern Mei­nungsverschiedenheit. Die Kapitalbildung durch die Spareinlagen der breiten Masse der Bevölkerung wird oft als nicht ausschlaggebend bezeichnet. Die andere Meinung schiebt das Prinzip der Selbstfinanzierung der Wirt­schaft in den Vordergrund. Hier kämen ganz andere Summen heraus, wenn man durch Sen­kung der Löhne und Soziallasten, verbunden mit einer Preissenkung, die Selbstkosten der Betriebe herabsetze und so den Jnlandkonsum und den Export steigerte. Es steht fest, daß die Selbst­finanzierung in den vergangenen Jahren viele Betriebe zu übergroßen JnveskititiLiren in ©e bäuden und überstürzter Rationalisie-Vng ver­führt hat. Hier liegt ein Teilgrund für die hohe Ziffer der Dauerarbeitslosigkeit. Es steht ferner fest, daß eine Summe von etwa 8 bis 9 Milliar­den Mari in Deutschland verdienten Geldes nach dem Ausland gebracht worden ist, um sich der höheren Besteuerung in Deutschland zu entziehen. Während man Steuererhöhungen aller Art, indirekter und direkter, für die in Deutsch­land gebundene Art der verschiedensten Berufe für national notwendig erklärt, rührt man an die Kapitalflucht nicht einmal mit einem mora­lischen Urteil an. Könnte man jetzt nicht die Auflegung der Steuerlisten anordnen? Eine Senkung der Löhne und Gehälter mühte d e n R e a l l o h n. der in Deutschland nicht über­höht ist, und dessen Bedeutung für den 3nlanD- konsum nicht unterschätzt werden darf, erhal­ten. Ob das bei der Konstruktion der deutschen Warenverteilung möglich ist, d. h. ob eine Sen­kung der Preise nicht nur für die Kartell- und Markenartikelprodukte, sondern auch für den gesamten Lebensbedarf der breiten Masse möglich ist, unterliegt starkem Zweifel.

Als weitere Teilursache der Erwerbslosigkeit wird ost die übertriebene Sozialpolitik in Deutschland angesprochen.

Der Gießener Professor horneffer, von dem neulich hier schon einmal die Rede war. spricht von der deutschen Sozialpolitik als einem »Frevel am deutschen Volk". Er hat in seiner Schrift in der unwissenschaftlichsten Weise einzelne Begleiterscheinungen unserer Sozialgesetzgebung verallgemeinert und daraus den Schluß gezogen, daß »der sittliche Geist unseres Volkes unter dem Einfluß dieser Gesetzgebung schwere Einbuße er­litten hat".Diese Sozialgesetzgebung ist ^offen­barer Kommunismus." Don der Beschränkung der Arbeitszeit sagt er:Diel verheerender noch ist ihrö Wirkung in sittlicher Hinsicht. Dadurch ist die Arbeit als solche in Verruf geraten", und daß der Arbeitswille in unserem Volke bedenk­lich Abbruch erlitten hat."

3n diesem Hause hat sich der Abgeordnete Pro­fessor Werner, der doch jetzt Mitglied der Rationalsozialistifchen Arbeiterpartei ist, vor Hor­neffer gestellt und hat ähnlich wie der Professor in einer Erklärung gegen mich es so dargestellt, als ob ich an die Lehrfreiheit des Herrn Horneffer rühren wolle. Richts liegt mir ferner als dies, der ich in meiner Vergangenheit selbst unter der Einengung der politischen Redefreiheit zu leiden gehabt habe. Doch kann mich das nicht hindern, zu wiederholen, daß ich es bedauere, daß ein Professor der Gießener Llniversitat in der Öffentlichkeit solche Kränkungen der deutschen Arbeiterschaft ausspricht, wie ich dies ebenso beim Abgeordneten Werner bedauere, daß er sich vor Horneffer stellt.

Fraglos sind in der Sozialpolitik M i ß st ä n d e vorhanden, die in einem fo großen Apparat nie­mals fehlen werden. Die Freunde der Sozialpolitik haben alle Ursache, tatsächlich vorhandene Miß­stände, soweit es sich nicht nur um aufgebaufchte Einzelfälle handelt, zu beseitigen.

Das zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung vorgeschlagene Rotopfer der Feslbesoldeten

ist überwiegend leidenschaftlichem Widerspruch be­gegnet. Es ist meine persönliche Meinung, daß eine Leistung der Festbesoldeten, allerdings sozial ge­staffelt, im Interesse der furchtbaren Not von An­gestellten und Arbeitern sich verantworten läßt, so­lange andere Wege nicht gangbar sind. Der An­sturm gewisser Kreise und die Finanznot der Städte

Zur Geschichte

-er -rutschen Bienenzucht.

Von Albin Michel.

Ob die alten deutschen Völker schon gewiße An­fänge der Bienenzucht kannten oder ob sie den Ho­nig, den sie zur Zubereitung ihres Rationalgeträn- kes, des Mets, brauchten, nur von den wilden Die­nen nahmen, mag dahingestellt bleiben. Da die Bie­nenzucht bei allen Völkern, deren Kulturgeschichte wir genauer kennen, schon betrieben wurde, ist es durchaus nicht unmöglich, daß auch die alten Deut­schen bereits etwas von Bienenzucht verstanden Mit einiger Sicherheit ist aber doch anzunehmen, daß belfere Kenntnisse über die Bienen und ihre Behand­lung erst von den Römern übernommen wurden. Um die Zeit, da die germanischen Völker mit den Rö­mern zusammenstießen, war die Hausbienenzucht in Italien allgemein bekannt. In der römischen Haupt­stadt selbst wie.in den Gärten der Großen und Rei­chen draußen in den Provinzen waren überall Bie­nenstöcke in großer Zahl anzutreffen. Römische Le­gionssoldaten, die ja Diele Bräuche und Einrichtun­gen in fremde Länder brachten, mögen dann auch in Deutschland Bienenzucht betrieben haben.

Freilich, die Bienenzucht, so wie sie bei den Rö­mern bekannt war, paßte für ein fo waldreiches Land, wie es Deutschland damals noch war, nicht recht, und die Deutschen waren zu dieser Zeit auch noch nicht für eine solche Tätigkeit geeignet. So verwan­delte sich die Hausbienenzucht bei uns in eine Wcüd- bienenzucht. Rur in den Klöstern wurde häusig auch noch Hausbienenzucht betrieben. Da man in der mit­telalterlichen Zeit den Zucker noch nicht kannte, wuchs der Bedarf an Bienenhonig besonders mit dem Auf­blühen der Städte und mit der Entstehung eines wohl­habenden Bürgertums immer mehr an, auch wurde von der Kirche in stündig steigendem Maße Wachs gebraucht, und ebenso waren Wachskerzen zur Be­leuchtung bei den Vornehmen sehr beliebt. So ent­stand überall in Deutschland ein besonderer Beruf der Bienenzüchter oder dec Zeidler. Zeidlerstrahen, Zeidlergaffen und Zeidlerplätze erinnern in manchen alten deutschen Städten noch heute an diese alten Imker. 3n größeren Städten und auch in vielen Land­gebieten waren die Zeidler zu besonderen Zünften zusammengeschloffen. Angehörige dieses Berufes wa­ren privilegierte Leute, hatten das Recht, Waffen zu tragen, unterstanden einem Zeidelmeister und einem

besonderen Zunftgericht, dem Zeidelgericht, das auch Strafen festsetzen konnte.

Cs gab Zeidlerzünste, wie die in der Umgebung von Rürnberg, die ihre Privilegien unmittelbar vorn Kaiser hallen, die meisten Privilegien jedoch flamm­ten von den Landesfürsten, von Bischöfen und von Klöstern mit großem Landbesitz. Für das Recht, die Wälder als Bienenweide zu benutzen, hatten die Zeidler an den kaiserlichen Hof, an die Höfe der Landesfürsten, an Bischöfe und Klöster eine bestimmte Menge von Honig und Wachs abzuliefern.Außerdem waren ihnen öfter Hilfsdienste im Krieg auferlegt. Eigene Zeidlerordnungen fchühten die Bienenzüchter vorLlbergriffen der Waldausseher und anderer Ange­stellten. Schon im 13. Jahrhundert war die Zeidlerei in Deutschland ein weit verbreiteter Berufszweig. Besonders stark waren die Zeidler außer um Rürn- berg im nördlichen Teil von Sachsen und in der Mark Brandenburg vertreten. 3n Berlin, im heutigenReu- kolln, in Zeuthen, Schmöckwitz, Rüdersdorf und vielen anderen Orten, überall wohnten große Scharen von Leuten, die im Frühjahr hinaus in die Wälder zogen, um ihre Bienenvölker zu betreuen.

Damals erschien dieser Beruf sehr nützlich, jedoch der Schaden, den die Zeidler in den Wäldern an- richteten, war weit großer als der Ruhen. Aus der deutschen Wirtschaftsgeschichte wißen wir, daß nach dem Ausgang des Mittelalters überall große Sor­gen über die verschwindenden Holzvorräte begannen. Diese immer wieder beklagte Verarmung der deut» schen Wälder war zu einem großen Teil durch die Zeidler verursacht worden, weil sie nach der ganzen Art ihres Betriebes jedes Jahr große Waldverwü­stungen anrichten mußten. Die Wohnungen für die Bienen wurden nämlich in dieBaumstämme gehauen, und um den Dienen genügenden Sonnenfchein zu geben, muhten auch die Däume entwipfelt werden. Dot die Entfernung einer Daumspihe noch nicht ge­nügend Sonne, so verloren auch die benachbarten Däume ihre Wipfel. So standen überall Baumstümpfe in den Wäldern, die abfterben und nach und nach verfaulen mußten. Häusig wurden von den Bienen» züchtern auch große Waldbrände verursacht. Beson­ders dort, wo die Zeidler in großen Maßen auftra­ten, waren die Schäden in den Wäldern groß. Ein­sichtige Regierungen sahen das auch ein, und so wur­den den Zeidlern mehr und mehr die Privilegien entzogen.

|3n der Mark Brandenburg scheint es zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts schon keine beruf­lichen Zeidler mehr gegeben zu haben. Wenigstens

geht aus einer vom Jahre 1702 stammenden mär­kischenFlecken-, Dorff- und Ackerordnung" hervor, daß nun jeder Bauersmann Bienen halten muhte. In dieser Verordnung hieß es:Weilen das Bie­nenhalten ein nützlich Ding und hierzu diese Lande bequem sehend, so soll ein jeder Dauer zum wenig­sten vier Stocke, ein halber Dauer zwei und ein Cos- säte einen Stock zu halten und derselben fleißig zu warten schuldig sehn." Alle Schulzen und Schoppen wurden aufgefordert, streng darauf zu sehen, daß diese Verordnung befolgt wird und dah Bauersleute zu bestrafen seien, die sich nicht an diese Bestimmun­gen halten. Mit der stärkeren Einfuhr von Rohr­zucker hatte man Denn auch an den Hofen keinen fo großen Bedarf an Honig mehr, und die Bienenzucht ging sehr stark zurück. Erst leit der Mitte des ver­gangenen Jahrhunderts nahm die deutsche Bienen­zucht wieder einen kräftigen Aufschwung, wobei oft üandpastoren und Landlehrer mit einem guten Bei­spiel vorangegangen sind. Heute gibt es in Der Land- wirtfchaftlichen Hochschule in Berlin eine besondere Professur für Bienenkunde und auch ein Institut für Vienenkunde, das für die gesamte deutsche Im­kerei von Wichtigkeit ist.

Unbefannfe Adressaten.

Dor Jahren wurde mal jemand gefragt:Waren Sie schon in der neuen Rembrandt- Ausstellung?" Worauf er erwiderte: Ranu? Malt Denn der immer noch?" Diese Geschichte tonnte passiert sein, sie ist in anDerer Fassung sogar vorgekommen. 3m Jahre 1902 toutDe auf Der DüßelDorfer Kunstausstellung Das be­rühmte BildMadonna im Rofenhag" von Stephan Lochner gezeigt, Der bekanntlich zwischen 1426 und 1451 in Köln gelebt hat. Einige Tage nach Eröffnung der Ausstellung traf ein Bries in Düsseldorf ein mit Der Aufschrift:Herrn Stephan Lochner, DüffelDorf, Kunstpalast. Sehr geehrter Herr 13n Der Anlage über­senden wir Ihnen eine Rümmer unserer Zeitung, in welcher Sie einen Artikel über 3hr Bild finden,sder Sie bestimmt interessieren wird." Der Brief konnte ebenfotoenig bestellt werden, wie ein Schreiben, das soeben in Rürnberg eingegangen ist. Es kam aus Reu- horkund lautete:Herrn Albrecht Dürer, Rürnberg. Sehr geehrter Herr l Würden Sie die Güte haben und uns ein Exemplar 3hres Reiseskizzenbuches zusenden. Wir danken 3hnen und empfehlen uns 3hnen mit vorzüglicher Hochachtung .. .**

'6 ist gerne geschehen.

Die volksmähige Formel, mit der man einen Dank ablehnt, und die landschaftlich (Elsaß) auch scherzhaft gebraucht wird: ich kann nix dervor, 's ist gerne ge­schehen, d. h. bedauernd: nicht mit Willen, spöttisch aber: absichtlich, bewahrt wie die Zusammensetzung Gemegroh das e des Umstandswortes, das auf alt­hochdeutsch gemo mit Verlangen, mit Freude zurück- geht. Das Wort ist gleichen Stammes mit dem Zeit­wort (be)gehcen; im Alt- und Mittelhochdeutschen gab es auch ein Beiwort gern begierig, z. B. mhd. niugem neugierig. Heute ist der Einsilber gern nicht nur schrift- Deutsch, auch im Sprichwort heißt es: wer am Freitag lacht, weint gern (= leicht) am Sonntag, Die guten Schwimmer ertrinken gern, junge Leute werden gern betrogen, so auch in der Koppelung gut und gern: In Der Zeit konnte ich gut unD gern hundert andere Bogen schreiben (Lessing), und in Der MunDart: ich krieg gern Halsweh, das Holz wird gern wurmig. Die Bedeutung lieb liegt vor in der oft fpöttisch ge­brauchten Redensart einen gern haben: du kannst mich gern haben, verfchieden von: das habe, hätte ich (für mein Leben) gern. Heute ersetzt man Durch lieber, am liebsten" die Steigerungsformen, die noch im 18. Jahrhundert üblich find. 3n Schillers Räu­bern 4, 3 heißt es: Hab' euch immer am gernften ge­habt: Goethe schrieb 1779 (Briefe, 4, 58) ich schied ungerner: auch sagt man noch mundartlich', je un- gerner man was tut, desto mehr geschieht's einem. Aber noch bei Sudermann, Lit.-Gesch. 192, lieft man: Sie hat den Rachbar gern, um so gerner, feit ich weiß, dah er an ihr hängt- C. M.

Rückwärts, rückwärts, Oon Rodrigo!

Ein in Paris lebender Spanier ist auf denaus­gezeichneten" Ginfall gekommen, einen neuen Welt­rekord aufzustellen. Angeblich um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen, wollte er von Paris nach Lyon mit seinem Automobil rückwärts fahren, und hatte auch schon eine recht beträchtliche Strecke zurückgelegt, als sich die Pariser Polizei auf die Beine machte. Da diese mit ihrem Wagen vorwärts fuhr, konnte sie den Weltrekordler bald einholen und die Fahrt wegen dringenden Verdachtes der Verkehrsgefähr­dung unterbinden. So sind wir alsoleider" um einen neuen Weltrekord gekommen, doch man darf hoffen, dah der Spanier irgendwo anders eine Strecke ausfindig machen wird, wo man ihm kein Hindernis in den Weg legt!