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sie mir spontan den Rücken zu und machten das Maß ihrer Verachtung voll, indem sie sich vor meinen Augen verewigten.

Da habe ich schnell Biskuit gekauft. Man soll in Äußerlichkeiten nicht kleinlich sein und keinem Vogel mehr Benehmen zumuten als seinen Rächsten.

Fahrt durch Holland.

Don Kurt Kersten.

Wie in eine Riesenfestung fährt man von Ant­werpen aus nach Holland hinein, endlos und endlos währt die Fahrt über die kilometcrlange Brücke, die man kurz vor Rotterdam passieren muß. Eine Sturmflut wälzte sich vor 530 Jah­ren ins Land, riß weite Strecken fruchtbarsten Geländes ein, begrub Dörfer, Wälder, Felder. And eine fast drei Kilometer lange Brücke muhte gebaut werden, um den Sund zu überschreiten. Die Sturmfluten waren immer Hollands ärgste Feinde, sie haben dem Lande sein Gesicht ge­geben und zugleich seine Bewohner zum äußer­sten Widerstand herausgefordert, haben sie ge­zwungen, sich einzurichten. Aegypten ist ein Ge­schenk des Rils, hieß es im Altertum. Holland ist gegen die Flut entstanden: was blieb, ist eine künstliche Schöpfung.

Seltsam muß dies Gebiet vom Flugzeug aus aussehen. Wahrscheinlich stellt man dann fest, wie tief sich das Meer trotz aller Dämme ins Land hineingefressen hat, wie es seine Send- linge hineinjagt, wie Kanäle und Ströme das ganze Gebiet zerfetzen und tarieren, wie müh­sam die Menschen sich auf ihren Inseln behaup­ten. Zur Ruhe kommt diese Erde fast erst an der deutschen und belgischen Grenze. Immer liegen abwehrbereit selbst noch Gutshöse auf In­seln, von Wassergräben durchzogen: die dichten Baumreihen, die die Gehöfte umrahmen, be­schatten, beschützen, gleichen immer Wachtposten. Man kennt diese Gehöfte von den Werken der holländischen Malerei her es hat sich in Jahrhunderten nichts geändert.

Das Meer wirft Menschen aus allen Ländern ans Land: die Ozeandampfer in den Häfen von Rotterdam, Vlissingen, Hoek van Holland, Am­sterdam bringen die Angehörigen aller Rassen aus allen Erdteilen mit; wieder ist es seltsam, wie man sich vor diesen Menschen, diesen Abenteurern, fast furchtsam verschließt, sie in ihre Distrikte

weist, und wie sie die Grenzen fast nicht über­schreiten, die man ihnen zugewiesen hat die Hafengassen von Rotterdam und Amsterdam sind fast ghettoartig isoliert, in Rotterdam ist die Grenze noch am augenfälligsten, die Gasse der Matrosen heißt Schiedamsche Dijk die gehört ihnen, mit Kneipen, Kinos, Schänken, Tanz­sälen, mit elenden Duden, mit lärmenden rasseln­den Orchestrions, mit Gestank und Dreck und Hoffnungslosigkeit. Schlimmer noch Zeedijk in Amsterdam, wo die Häuser scheu zusammenkrie­chen, die Gasse oft nur meterbreit ist, die Kanäle keine Gitter haben und man jemandem im Dun­keln nur einen Stoß zu geben braucht, damit er für immer verschwindet. Die alten Buden ver­fallen, fie verlieren ihren Stuck, der abblättert wie Aussatz, es ist ein grauenvolles Viertel. Ja, so ist das angeblich romantische Seemannsleben an Bord im Rumpf der Schiffe untergebracht, in stinkenden engen Kojen, wie Heringe in der Tonne, an Land überläßt man ihnen die dreckig­sten Stadtteile.

Aber kommt man in die City, leuchten in der Abendstunde die Lichtreklamen, breiten sich ver­führerisch prächtige Schaufenster aus, winkt eine gleißende Pracht überraschend, freudig und prun­kend, selbstbewußt. Elegante Restaurants, ele­gante Dars: betritt man von der Straße aus das Lokal, kommt man zuvor in ein halbdunkles Cafe, eine hohe Barriere trennt den hintem Speiseraum ab, alles atmet Zufriedenheit. Man ist nie laut, nie gesprächig: etwas schwerfällig kommen behäbige Bürger, die immer noch etwas Bäurisches in ihren Gesichtszügen haben, zum Essen herein: dunkelrot sind Tische, Stühle, die Wandtäfelung; es gibt schwere Getränke, fette, üppige Speisen, ein solches Diner nimmt und nimmt kein Ende. And so lärmend es draußen in den Hafenvierteln bei der unruhigen Masse war so still ist es hier drinnen in den ab­geschlossenen Speisefälen. Roch eine solche Stadt wie Rotterdam hat zwei ganz verschiedene Ge­sichter die alte, enge, würdige Stadt für die Festlandbewohner, für die Männer, die ihre Geschäfte besorgen und das Hafenviertel mit Docks, Hochhäusern, Kais, Verladerampen, riesi­gen Kränen, mit Schleppern, ankernden Ozean­riesen, Hinten Wachtbooten, Kränen, Trajekten.

Kommt man nach der Hauptstadt, dem Haag, ist man aufs neue überrascht, hier gerät man scheinbar in ein Dorf mit langen, langen Alleen, niedrigen Backsteinbauten, Grachten. Ka­nälen, stillen Gassen, verlassenen Winkeln; kommt

man ins Regierungsviertel, scheint es immer Festtag zu fein, die Stille wirkt feierlich und wird fast nur durch das Glockenspiel der Kirchen­uhren unterbrochen, es schwingt zuweilen fast zart durch die heitere Luft eines leuchtenden Sommertags, selbst die Menschen sprechen nicht laut und bewegen sich unhörbar.

Große Parkanlagen ziehen sich mitten durch die Stadt. Im Zentrum taucht plötzlich ein See mit leuchtenden Schwänen auf, das ist der Vijner, am Südufer trotzt das rote Gemäuer des Binnenhofes, jenes mittelalterlichen Schlosses, es ist kein einzelnes Gebäude, sondern ein Komplex von verschiedenen Bauten, die im Laufe von Jahrhunderten entstanden sind. Die Statthalter der Riederlande haben hier resi­diert, die Generalstaaten hielten hier ihre Sitzungen ab; später bis zum heutigen Tage sitzen hier die Zivilgerichte. Das Kerngebäude des Binnenhofes ist der Rittersaal, er stammt aus dem 13. Jahrhundert, erinnert an niederdeutsche Kirchenbauten mit Giebeln und Türmen, ruhig, verhalten in der Architektur, fast ganz schmucklos, aber voller Wucht.

Der Hof vor dem alten Bau sah in den Bür­gerkriegen der niederländischen Republik viel Blut fließen, nicht weit vom Binnenhof liegt ein düsterer dunkelroter Ziegelbau derGe- vangenenpoor t, in dem man Politiker ge­fangenhielt, Cornelis de Witt und sein Bru­der wurden hier von der aufgehehten Masse gelyncht; und in den Räumen werden alte Mar­terwerkzeuge einem schaudernden Publikum ge­zeigt.

Es dauert keine halbe Stunde, bis einen die elektrische Bahn hinaus nach Scheveningen zu dem Strand gebracht hat, mit breiten Pro­menaden, großen Hotels, Strandbädern, Liege­plätzen, Dünen und Dillen. Fern am Horizont tauchen die riesigen Silhouetten von Ozean- dampsern auf, kleine Segelboote klimmen müh­sam die Meereshöhe hinauf. Weit ab vom Dadc- strand liegt das Fischerdorf mit seinen Hütten, seinem Hafen, und nur einmal taucht für den Desucher des Strandes rasch eine Vision auf: wenn die elektrische Eisenbahn Scheveningen ver­läßt, hocken plötzlich in den Dünen schwarz­gekleidete Fischerfrauen im weiten Kreis um Fischernehe, die sie mühselig flicken; ein stummes, aber beredtes Dild. Rasch gleitet der Zug an der Schar der Retzflickerinnen vorüber zurück in den Haag.

Nr. 71 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Dienstag, 25. März 1936

MMnis Selreidezug fährt durch das Land.

Fortsetzung der Getreideschlacht.

Don unseren v. O.-Derichterstatter.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Rom, März 1930.

Mit einem Fähnchen aus blauer Seide, das in der Mitte ein goldenes Liktorenzeichen aufwies, gab Mussolini dem sogenannten Getreide- zu g das Startzeichen, der bis Ende Juni alle Provinzen Italiens, einschließlich Siziliens und Sardiniens, bereisen wird, um die Bevölkerung auf d i e Bedeutung der Landwirt­schaft hinzuweisen. Diese Autokolonne besteht aus acht großen, hellblau gestrichenen Auto­bussen mit Anschauungsmaterial, statistischen Daten und Aufrufen aller Art, die auf die ver­schiedensten Gebiete der Landwirtschaft Bezug haben. Weitere Kraftwagen enthalten Traktoren mit Zubehör, eine Dynamomaschine, die die Be­leuchtung der Kolonne besorgt, wenn sie ihren jeweiligen Standort erreicht hat und Arbeits­räume für das Begleitpersonal. Die großen Auto­busse haben seitlich hochklappbare Wände, die die beiden Ausstellungseiten des Kraftwagens freigeben und gleichzeitig als Schutzdach dienen, unter dem das Publikum die fahrende Schau besichtigen kann. Reben Saatproben aller Art sieht man sämtliche in Italien verwandte künst­lichen Düngemittel, Modelle landwirtschaftlicher Maschinen, Vorschriften für Vieh-, Geflügel- und Bienenzucht. Anleitungen für rationelle Füt­terung, Feldbestellung usw. Photographische Auf­nahmen, Filmstreifen und Werbeplakate ergän­zen die interessante Zusammenstellung.

Die von dem Duce gewollte Ge­treideschlacht befreit Italien von dem Dklavenjoch des ausländischen Brotes," das soll sich der italienische Land­wirt zu Herzen nehmen. Er wird es um so sreudiger tun, als er dem Inhalt eines weiteren Anschlags zustimmen kann, wonachdie faszi- stische Regierung für die italienische Landwirt­schaft getan hat, was von anderen Re­gierungen in 50 Jahrennicht ein­mal versucht wurde." Der italienische Land­wirt weih, daß seine lebenswichtigen Bedürfnisse in Rom verstanden werden, und daß die Regierung ihn gegen den Wettbewerb des Aus­landes durch eine entsprechende Zollpolitik schütz t. Zollwaffenstillstand ist hier unpopulär. Auf einem Plakat des Propagandazuges sieht man ein ausländisches Getreideschiff sich einem italienischen Hafen nähern. Schon aber steht ein Sohn des Jnselreiches bereit, der dem Kapitän einH a I t" zuruft:D a s ausländische Getreide zahlt Zol l!"

Die Zollpolitik Mussolinis hat ihre Ergebnisse gezeitigt. 2m Februar 1929 wurden noch 1 547 311 Doppelzentner Getreide eingesührt, im Februar 1930 nur noch 593 328. Das bedeutet eine Ver­ringerung um 953 983 Doppelzentner. Vom 1, Juli 1928 bis zum 28. Februar 1929 wurden 14 579 553 Doppelzentner vom Auslande geliefert. In dem entsprechenden Zeitabschnitt 29/30 sank dieEin- fuhr um 10 259 004 Doppelzentner! Es bedarf wohl kaum eines Kommentars, die Tragweite dieses Unterschiedes für die italienische Land­wirtschaft zu verdeutlichen, der Brotpreis ist dabei nicht übertrieben.

Die Propagandafahrt des Getreidezuges soll der weiteren Aufregung aller mittelbar oder unmittelbar an der Landwirtschaft beteiligten Kreise dienen. In Italien gilt dies fast für das ganze Volk. Die kurze Ausstel­lung, die die blauen Autos den Römern auf der Piazza Venezia zeigten, war bereits ein Erfolg, wenn man in Betracht zieht, daß sich von früh bis spät Abertausende um die Wagen drängten. Vom König bis zum Straßenkehrer lonnte man alle Schichten der Bevölke­rung auf dem Parkplatz der blauen Riesen­wagen beobachten. And vor ihrem Start schritten

Priester und Chorknaben in langem Zuge um ihren Stand und weihten die Kolonne für ihre lange Fahrt. Die Propaganda zur Hebung der Landwirtschaft wird in Italien mit allen Mitteln geführt, und da dank des zur Zeit hier herrschen­den Systems fast alle Hemmungen ausgeschaltet sind, die in anderen Staaten etwa die Fach­ministerien an der Durchführung ihrer Pläne hindern, so ist der Erfolg greifbar. Mit dieser Voraussetzung, die freilich auch auf den ausschlag­gebenden Willen zurückzuführen ist, der über allem schwebt, ist eines der bezeichnendsten Merk­male für das heutige Italien angedeutet.

Das Fingerspitzengefühl, das der Italiener für Landwirtschaft (nicht für Forstwirtschaft) ohne Zweifel besitzt, erleichtert neben dem unerbitt­lichen Druck von oben die Einführung rationeller Methoden auch dort, wo der Bauer sich ungern von überlieferter Eigenbrödelei trennt. Zudem werden ständig neue Mittel ersonnen, von denen man sich einen Einsluß auf die Gedankenwelt der Bauern verspricht. Jrn nächsten Frühling sollen zum Beispiel neben den Preisausschreiben, Brotfeiern, Vortragszyklen und ähnlichen Anter- nehmungen, die schon zu dem eisernen Bestände der Propaganda gehören, Flugzeuge zur Be­arbeitung der Landwirte herangezogen werden. 25 mittelitalienische Provinzen sind zu diesem Zweck unter Berücksichtigung der wichtigsten land­wirtschaftlichen Mittelpunkte in Fluggebiete ein­geteilt worden, denen eine bestimmte Anzahl von Flugzeugen zugewiesen wird. Zu gegebener Zeit werden dann Rundflüge für die Landbevölke­rung veranstaltet und bei dieser Gelegenheit Millionen von Werbezetteln abgeworfen werden.

Ob nun aber Autokolonnen das Land durch­ziehen oder ob ein Regen bunter Zettel mit hochtrabenden Losungen vom Himmel niederflat­tert, diese gelegentliche Propaganda würde nicht haften, wenn nicht die Landwirtschafts­stellen und deren Sektionen für eine fortgesetzte Beeinflussung der Landwirte sorgten. Es ist ent­schieden ein Verdienst der faschistischen Regie­rung, das Reh der Landwirtschaftsstellen stark erweitert und sie zur Anterstühung derbattaglia del grano mit den nötigen Mitteln ausgerüstet zu haben. Jede der 92 italienischen Provinzen verfügt jetzt über eine solche Landwirtschaftsstelle (die im Italienischen nicht sehr treffend als cattcdre ambulanti di agricoltura bezeichnet wer­den) und an Sektionen werden im ganzen gegen 520 gezählt, während deren Zahl im Jahre 1919 erst 107 betrug. Eine fruchtbringende Arbeit dieser Stellen wurde überdies erst möglich, seit (im Jahre 1928) der Staat, die Provinzen und Kommunen gesetzlich zu ihrer Finan­zierung verpflichtet wurden. Dadurch stieg das Gesamtbudget der Landwirtschaftsstel­len um ein Beträchtliches. Im Budgetjahr 1928/29 betrugen die staatlichen Zuschüsse rund 17,5 Millionen Lire, während sich das Gesamt­budget der Landwirtschaftsstellen auf etwa 24,7 Millionen belief.

Der Aufgabenkreis dieser Stellen ist sehr viel­seitig, denn er umfaßt so ziemlich alles, was unter landwirtschastlicher Fachberatung zu ver­stehen ist, dazu tritt die Förderung des Genos­senschaftswesens, die Leitung von kleinen Ver­suchsstationen und dergleichen mehr. Reben dieser kostenlosen Anterstühung der Landwirtschaft wer­den den Landwirtschaftsstellen vom Staat oder von den Provinzialwirtschaftsräten gewisse Kon­trollfunktionen erteilt, wodurch sie zu direkten Organen der zuständigen Ministerien werden. Im übrigen hat man klugerweise die Tätigkeit der Landwirtschaftsstellen und' vor allem ihrer Sektionen nicht uniformiert, da sie sich natürlich in erster Linie den Bedürfnissen ihrer Gebiete und ihrer besonderen Aufgaben anpassen müssen.

Zur landwirtschaftlichen Propaganda sind in letz­ter Zeit auch die Messen ausgebaut worden. So veranstaltet Verona neüerdings jährlich im März seine Pferdemesse im Rahmen einer all­gemeinen landwirtschaftlichen Ausstellung. Auch die Mailänder Mustermesse hat dem Rechnung getragen, daß von der Regierung der Vieh- und Pferdezucht ein besonderes Augen­merk gewidmet wird, sie hat für dieses Jahr zum ersten Mal eine Tierschau ausgeschrieben, die neben der Mustermesse vom 11. bis 18. April in Mailand stattfindet. Es soll beabsichtigt sein, diese Tierschau später als bleibende Institution nach Rom zu verlegen. Diese Tierschau ist zwar entsprechend der Landespolitik auf italienisches Vieh und italienische Pferde beschränkt, verdient aber entschieden die Beachtung der deutschen Viehzüchter, die dort die durchaus vorhandenen Absatzmöglichkeiten für schwarzbuntes Vieh und eventuell auch Simmentaler Vieh finden könnten.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 25. März 1930.

Warnung vor übereiltem Baubeginn.

Das Kreisamt Gießen teilt uns mit, daß mehr als 600 000 Mark Staatsdarlehen von den 'Bau- luftigen im Streife Gießen angefordert find, daß aber nach einer Verfügung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft auf den Kreis Gießen im Rj. 1930 nur ein Wohnungsbauanteil von 140 000 Mark ent­fällt, aus dem die allgemeinen Baudarlehen, ohne Zusatzdarlehen, bestritten werden sollen. Die Gegen­überstellung dieser beiden Zahlen beweist, daß ein sehr erheblicher Teil der Baulustigen nicht auf Beleihung rechnen kann. Es muß daher entschieden gewarnt werden, einen Woh­nungsneubau zu beginnen, solange nicht die Finan­zierung zweifelsfrei sichergestellt ist.

Probefahrt der Kreismotorsprihe.

Das Kreisamt Gießen teilt uns mit: Die für Freitag, 2 8. März, geplante Probefahrt der Kreismotorspritze findet bereits am Donnerstag, 2 7. März, statt.

Gieftcncr Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 140 bis 160 Pfennig, Matte 30 bis 35, Wirsing 20 bis 35, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10 bis 15, Spinat 30 bis 35, Anter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 35 bis 40, Feldsalat 150 bis 180, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 10 bis 15, Meer­rettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4>j, bis 5, Aepfel 10 bis 15, Birnen 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Rüsse 50 bis 80 Pfennig das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pfennig, Tauben, das Stück 70 bis 80, Eier 9 bis 10, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 25 bis 30, Endivien 20 bis 60, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pfennig das Stück; Radieschen 15 bis 20 Pfennig das Bündel; Kartoffeln 3,80 bis 4 Mark der Zentner.

* Familienabend der Lukas- ge mein de. Man berichtet uns: Der Fami­lienabend, den die Lukasgemeinde am vorigen Sonntag veranstaltete, war wie immer stark besucht. Alle Darbietenden waren Glieder der Lukasgemeinde. Frau Hertha Meyer und Frau Gertrud Weyl fangen zum Beginn zwei Duette von Brahms für Sopran und Alt. Zum Schluß fang Frau Gertrud Weyl Lieder von Schumann und Schubert. Alle diese Lieder wur­den mit klangvollen, gut geschulten Stimmen vorgetragen und von Frau Rechtsanwalt L u l e y auf dem Klavier begleitet. Die Versammelten nahmen diese Darbietungen mit herzlichem Danke und ungeteilter Aufmerksamkeit entgegen. Amts­gerichtsrat Gros lasErnste und heitere Er­zählungen aus Oberhessen". Der Vortragende . schöpfte aus dem reichen Schatze seiner Kenntnis

des oberhessischen Volkslebens. Die Bewohner des größten Teiles der Provinz Oberhessen be­sonders des Vogelsberges, sitzen seit Jahrhun­derten auf ihrer Scholle, Zuwanderung Fremder hat hier kaum stattgefunden, während durch so manchen anderen deutschen Landstrich, so durch die Rheinlande, die großen Handels- und Heer­straßen hindurchgingen, so daß dort fortwährend fremder Einfluß einströmte. Die Vogelsberger haben ihre Eigenart von den Tagen der Ar- Väter her treu bewahrt. Deshalb versteht Amts­gerichtsrat Gros in seinen Erzählungen das oberhessische Volksleben so tresfend zu schildern, weil er das oberhessische Dock liebt und nament­lich durch seine berufliche Tätigkeit tief in feine Eigenart eingedrungen ist. Dabei eignet ihm eine große Kraft und Kunst der Darstellung. Er las verschiedene Erzählungen, soDer Daum im Ohmtal",Kanasterpeters Ende",Drei Dür- germeistergdschichten",Die alten Leute von Ay- hausen" undGroßherzogs Dompsasf". Plastisch traten hier die einzelnen Gestalten, die altem schlauen Großväter, die Dorfbürgermeister, der Waldläufer und der Baumfrevler hervor. Hof­fentlich vereinigt der Dortragende feine Erzäh­lungen bald in einem Buche, das eine wertvolle Bereicherung der deutschen Dolksliteratur bilden wird. Der Familienabend wurde von dem Dor- sitzenden des Gemeindevereins der Lukasgemeinde, Juwelier Roll, eingeleitet. Pfarrer Bechtols- heimer sprach am Schlüsse einige Worte des Dankes an die Mitwirkenden, und Kirchenvor­steher Oberpoftsekretär Bock machte Mitteilungen über die Mitgliederzahl und über die Bestre­bungen des Gemeindevereins.

** D i e Frei w. Gailsche Feuerwehr hielt am Samstag ihre ordentliche Hauptver­sammlung. Aus dem vom Schriftführer Kam. Bouffier vorgetragenem Jahresbericht war zu ersehen, daß die Wehr mit 110 Mitgliedern (70 aktiven, 36 passiven und 4 unterstützenden Mitgliedern) in das neue Jahr eingetreten ist. Außer den vorgeschriebenen Gesamtübungen fan­den monatliche, meist mit Dorträgen verbundene: Versammlungen und neun Dorstandssihungen statt. Die verstorbenen zwei Mitglieder wurden in üblicher Weise geehrt, den zahlreichen Ein­ladungen zu den Veranstaltungen auswärtiger Wehren so weit wie möglich Folge geleistet. Der vom Rechner Kam. Müller erstattete Kassenbericht fand nach eingehender Prüfung die Genehmigung der Dersammlung. Der erste Hauptmann K. W e n z e l nahm hierauf die Der- teilung der Ehrenzeichen für langjährige Dienst­zeit vor, und zwar an die Mitglieder I. Ar­no l d (50 Jahre), E n d e r s (40 Jahre), Münch, Fischer (30 Jahre), Reuter, Hof, Linden­struth (25 Jahre), Müller, Balser (20 Jahre), Laub (10 Jahre) Schmück. Alt, Fiedler, Lehr, Fießler und Schuch (5 Jahre). Kamerad K. Franz erhielt für 25- jährige Dienstzeit die Ehrenurkunde. Zum Schluß wies der erste Hauptmann auf die in die Zeit vom 27. April bis 4. Mai vorgesehene Feuer­schuhwoche und das im Herbst stattfindende ?5. Stiftungsfest hin, daran den Wunsch knüpfend, daß die Mitglieder auch im neuen Jahre sich rege an den Aebungen beteiligen und neue Mit­glieder der Wehr zuführen mochten, damit die Schlagfertigkeit der Wehr erhalten bleibe.

Rundfunkprogramm.

Mittwoch. 26. März.

11.15 bis 11.45: Schulfunk. 13.30: Schallplatten­konzert: Liebesszenen. 16: Aus dem Kurhaus Wiesbaden: Konzert. 17.30 bis 17.45:Wem Gott will rechte Gunst erweisen", Dortrag von Rektor Jaspert, Frankfurt a. M. 18.05: Paral­lelen I E. Th. Hoffmann und Oscar Paniza, Dortrag von Dr. Walter Benjamin. 18.35: Espe­rantounterricht. 19.05: Bon Stuttgart:Wand­lung der Jugend 1900 bis 1930 11, Dortrag von Dr. H.Roeseler. 19.30: Don Stuttgart: Lowe- Balladen. 20: Don Stuttgart: Solistenkonzert. 21.15 bis 22: Aus dem Kurhaus Wiesbaden: Konzert des städtischen Kurorchesters.

OieDögel aufmeinem Balkon.

Von Bruno Manuel.

Anter den Dögeln im Park hat es sich all­mählich herumgesprochen, daß ich Biskuits einer guten Mittelsorte extra ihretwegen auf meinen Balkon streue. Darum haben sie mich in ihr Herz geschlossen, kommen wie verrückt ange­flogen und schlagen sich bei mir den Leib voll.

Meine Aufgabe besteht darin, hinter einem Fenster ihrem Tun und Lassen zuzusehen. Ganz deutlich stelle ich dann fest, wie sie sich über mich unterhalten. Die kleinen mädchenhaften Meisen finden, daß ich ein ganz reizender Mensch sei. Aber die Drosseln, die von Kapita­lismus keinen Schimmer haben, behaupten steif und fest, ich sei unbedingt vermögend.

Run ist die Sache so, daß ich _ allenfalls reizend, aber bestimmt nicht vermögend bin, und daraus geht hervor, wie wenig Derlah auf Drosseln ist.

Reulich besaß ich keinen Pfennig und konnte folglich keine Biskuits kaufen. Da habe ich den Dögeln einfach etwas vorgemacht: nahm eine Scheibe von meinem Dollkornbrot dem mit Vitaminen reich gesegneten und streute sie auf eine Weise hin, daß es von weitem aussah wie Biskuits einer guten Mittelsorte.

Da hätten Sie mal sehen sollen, was die Vögel gemacht haben. Vogel sind nicht so dumm wie sie aussehen. Sie ließen das Vollkornbrot links liegen und hatten einfach keinen Appetit. Den ganzen Tag hockten sie aus den Bäumen und nahmen zu der Frage, weshalb ich heute keinen Biskuit gestreut habe, Stellung. Die meisten gaben ihrer flammenden Empörung Aus­druck. Auch die Drosseln sträubten wie wild ihr Gefieder. Wahrscheinlich halten sie mich nun für einen Schuft. Mache einer Drosseln etwas Har.

Ratürlich waren es die kleinen mädchenhaften Meisen, die sich für mich ins Zeug legten. Ganz deutlich horte ich sie folgern, daß ich wohl infolge momentaner Verlegenheit kein Biskuit gestreut habe.

Ich streute aber auch am folgenden Tage keines.

Dies hatte zur Folge, daß alle Vögel des Parks der Reihe nach auf meinen Balkon kamen und heftige Verwünschungen ausstiehen. Als sie mich aber hinter dem Fenster erblickten, drehten