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Eßt mehr Roggenbrot!

15 831 914 Mk. Gesamteinnahmen

1929.

Der Fehlbetrag im Wormser Etat

WER. W o r m s, 24. Marz. Der dem Stadt-

führt ab, es wirkt sehr , * milde, versuch es, und

arm Du bist im Bild3

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Mittwoch, den 26. März 1930.

Johanneskirche. 18 Uhr: Passionsandacht. Pfarrer Ausfeld.

©wolkenlos ö netter. 3 nan> oedecict. ® wolkig. Gedecktnegei^ * Schnee ä Graupeln e Nebel K<>ewit,er^)Windsliiie.O» xW leichte- Os» £nassige» SOdsudwest Q stürmische- Nordwesl 6ie Piene fliegen mit dem wrnot. Die beiden Stationen Menenden Zah­len geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte rn-t gielcheofc <ui Meeresniveau umoerechneten Luftdruck

. Dscttcrvocaussagc.

Das Hochdruckgebiet über den britischen Inseln verlagert sich südöstlich nach dem Festlande. Wei­terer Luftdruckanslieg in ihm hat einen Kern mit Barometerständen von über 770 Millimeter entwickelt, der sich heute morgen bis nach dem westlichen Deutschland ausdehnte. Die Vorherr­schaft des hohen Druckes wird sich zunächst durchsetzen, so daß ruhiges und trockenes Wetter zu erwarten ift.. Dabei verschärfen sich vorläufig infolge Ein- und Ausstrahlung die Temperatur­gegensätze. Rachts erfolgt Temperaturrückgang bis zu leichtem Rachtfrost und ein Sinken der Tenrperaturen bis um Bull und etwas darunter, und tagsüber findet Erwärmung statt, welche von Tag zu Tag mehr zunimmt.

Wettervoraussage für Mittwoch: Teilweise leicht bewölkt, sonst heiter, trocken': nachts Abkühlung bis zum Gefrierpunkt und etwas darunter, tagsüber milder.

Mark Gesamtausgaben, also mit einer Mehr- ausgabe von 539 000 M k. Hiervon stam­men 293 495 Mk. aus dem Jahre 1929.

rat zur Beschlußfassung vorgelegte Haus­haltsvoranschlag für 1930 schließt ab mit - - und 16 309 695

Stadt. Holzversteigerung. Bei der

gestrigen Laub- und Vadelnuhho^versteigerung

aus den Waldungen der Stadt Gießen auf der

Liebigshöhe wurden im Durchschnitt folgende

Preise erzielt: Cichenstammholz A Fm. 43,50 bis

115; Eichenstammholz N 25,50 bis 57; Kie- ern-Abschnitte A u. N 25 bis 50; Kiefern-Lang-

holz N 18 bis 20; Fichten-»Abschnitte A u. N

47,50; Fichten-Langholz N 21,50 bis 43,50; Eichen-

nuhscheiter 2. Kl. Am. 16 bis 20,50; Eichennuh-

knüppel, 4 Mir. lang, 18; Cichenderbstangen.

2. u. 3. Kl., per Stück 1,50; Fichtenderbstangen,

1. Kl., 1,90; Fichtenderbstangen, 2. Kl., 1,50; Fichtenderbstangen, 3. Kl., 0,65; Fichtenreis­stangen, 4. Kl., 0,20.

** Die Nationalsozialistische deut­sche Arbeiterpartei, Ortsgruppe Gießen, hielt am Mittwochabend imPostkeller" eine gutbesuchte öffentliche Versammlung ab. Dor Be­ginn der Versammlung kam es zu einem Zwischen­fall, als einige Versammlungsteilnehmer einen anderen Dersammlungsbesucher tätlich angriffen. Die Polizei entfernte die Auhestörer aus dem Lokal. Die Versammlung selbst verlief ruhig. Aach einigen Cinführungsworten des Versamm­lungsleiters, Studienrat Dr.Blank, sprach Pg. Stäbe (Wiesbaden) in etwa zweistündigen Aus­führungen. Er behandelte zunächst die Frage: Was ist an unseren heutigen Verhältnissen schuld?" Er erwähnte in diesem Zusammenhang, daß durch die Mitte vorigen Jahrhunderts ein­sehende Industrialisierung, sowie durch die Ab­wanderung der Massen vom Land in die Stadt die soziale Frage in den Vordergrund getreten sei, ohne daß man diesen Verhältnissen genügend Rechnung getragen habe. Der damals einsetzende Klassenkampf, das Anwachsen der Sozialdemo­kratie und auch die Revolution 1918 seien eine Folge des Verhaltens des deutschen Bürgertums. Man könne die soziale Frage nicht mit sozialen Pflastern lösen. Das gesamte deutsche Volk (nicht nur der Arbeiterstand) brauche Arbeit und Brot. In seinen weiteren Ausführungen setzte sich der Redner mit der Sozialdemokratie und den übrigen Linksparteien auseinander, um dann die heutige Rechtsprechung, die Verteilung der Steuerlasten, sowie das Republikschutzgesetz einer eingehenden Kritik zu unterziehen. Er kam dann auf die Revolutton zu sprechen und erwähnte in diesem Zusammenhang, daß eine Besserung der Verhält­nisse durch den älmstnrz in 1918 nicht eingetreten sei. In bezug üuf die Außenpolitik wies er darauf hin, daß die Türkei bis jetzt noch keinen Pfennig Kriegsschulden bezahlt habe, während Deutschland auf mehrere Generationen hinaus finanziell schwer belastet fei. Weiter besprach der-Redner die Haltung des Reichspräsidenten zum Poungplan, forderte den Abschluß von Bündnissen mit allen Staaten, die heute gegen Frankreich seien, insbesondere mit Italien, dessen Verhalten bei Kriegsbeginn er zu mildern ver­suchte. Deutschland habe es in der Hand, Süd­tirol zu befreien, allerdings bestehe keine Aus­sicht, solange die Verhältnisse in Deutschland nicht anders seien. In seinen weiteren Ausfüh­rungen beschäftigte sich der Redner noch mit dem parlamentarischen System, dessen Ablösung durch andere, den derzeitigen Verhältnissen Rechnung tragende Einrichtungen er für dringend erforder­lich hält. Zum Schluß zeichnete der Redner noch kurz den in Zukunft einzuschlagenden Weg. Auf einige Anfragen ging der Redner im Schluß­wort ein.

* Der V. H. C., Zweigv erein Gießen, feierte am Samstagabend im Cafe Leib sein 22. Stiftungs- und Auszeichnungssest. Der mit den Farben des V.H.C. und den hessischen Far­ben festlich dekorierte Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Vorsitzende, Steuer­inspektor K l e m m r a t h , begrüßte die Erschie­nenen, wies auf die Bedeutung des Tages hin, um sich dann mit den Zielen der V.H.C.-Bewe­gung und den Schönheiten des Vogelsbergs zu beschäftigen. Der Vorsitzende des Gesamt-V.H.C.. Dr. med. Bruchhauser, Ulrichstein, wies auf die Ideale des V.H.C.Wanderlust und Heimatliebe" hin, sprach von den wunderbaren Waldungen um Gießen, die er, ein Gießener, in seiner Jugendzeit oft durchwanderte, und lobte die rege Tätigkeit des Zweigvereins Gießen. SeinFrisch auf galt dem hiesigen Zweigverein. Der Vorsitzende des V.H.C. Butzbach überbrachte die Grüße seines Vereins. Das Programm des Abends war sehr reichhaltig und feinsinnig zu­sammengestellt. Die Kapelle Weller-Ein- b r o d wartete mit guten musikalischen Darbie­tungen auf, während Mitglieder des Dauer- schen Gesangvereins durch den Vortrag mehrerer* Lieder besonders erfreuten. V.H.C.- Bruder K. Währ um bot einen beifällig auf­genommenen Oboe-Solo. Recht nett waren auch ein humoristisches Kostüm-Duett (Frl. Schlier­bach und Frl. Heimes», ein Kostüm-Couplet (Frl. Heimes), sowie die Tanzvorführungen (Frl. Elsbeth Jäger). Auch die von vier Da­men und vier Herren ausgesührten Riederdeut- scheu Volkstänze, sowie ein flottgespieltes Dolks- stück in Vogelsberger Mundart:Off die Kirmes" von Fuchs, verdienen Anerkennug. Im übrigen trugen gemeinschaftliche Lieder wesentlich zur D^.C.-Stimmung bei. Bei der Verteilung von Wanderauszeichnungen für 1929 wurden fol­gende Personen bedacht: Mit der Radel 2 5: Ludwig Kinzenbach mit 25 Wanderungen, Ma­thilde Staudt mit 26, Jany Weller mit 31, Rud. Wadenpsuhl mit 26. Mit der Radel 50: Alfred Betz mit 67 Wanderungen, Helene Dreher mit 52, Hugo Elsoffer mit 51, Lina Grüger mit 50, Wilh. Jullmanu mit 52, Emma Kraft mit 50,

Frida Kraft mit 52, ©g. Kreuder mit 50, Ed. Langloh mit 51, Minna Rühl mit 50, Hch. Stein­häuser mit 50, Hch. Schneider mit 55, A. Wagner mit 50. Mit der Radel 75: Marie Weber mit 84 Wanderungen. Mit der Radel 100: Fritz Schwab mit 118 Wanderungen. Mit der Radel 125: Rud. Richter mit 126 Wanderungen, Alb. Schneidmüller mit 132. Mit der Radel 150: Hch. Klemmrath mit 156 Wanderungen, Karl Plank mit 153, Ed. Rademaker mit 160. Mit der Radel 175: Karl Weber mit 175 Wan­derungen. Mit der Radel 2 2 5: Karl Hai­bach mit 234 Wanderungen. Mit der Radel 2 5 0: Karl Faber mit 262 Wanderungen.

** Das Werk eines Gießener Kompo- niften im Rundfunk. Man schreibt uns: Di« volkstümliche Orchester-SuiteBunte Reihe" des Gie- jener Komponisten Willi v. Moellendorff, die am 25. Dezember im Leipziger Rundfunk und acht anderen großen Sendern ihre Uraufführung er­lebte, wird dort am 28. März wiederholt und bald danach auch vom Breslauer Sender noch einmal ge­ändert gespielt werden.

** Der Kranken st and im Monat Fe­bruar. Rach den vom Hauptverband deutscher Krankenkaffen, Sih Berlin, fcftgefteUten Ziffern be­trug die Zahl der erwerbsunfähig Erkrankten am 1. März bei einer Mitgliederzahl von 5 700 725 (3 026 555 männlich, 2 674170 weiblich) 4,25 v. H. (4,32 o. H. männlich, 4,16 o. H. weiblich). Das be­deutet gegen den Stand am 1. Februar eine Sen­kung von 0,03 o. H. Die Allgemeine Ortskrankenkaffe Gießen (Stadt) weist folgende Zahlen aus: Mitglle« derzahl 9576 (4881 männlich, 4695 weiblich), davon waren erwerbsunfähig krank 4,84 v. H. (4,79 v. H. männlich, 4,88 v. H. weiblich); hier ist gegen den Stand am 1. Februar eine Zunahme von 0,20 v. H. - zu verzeichnen. Bei der Allgemeinen Ortskranken­kasse Gießen (Land) sind die Ziffern wesentlich gün- tiger. Es wurden am 1. März gezählt: 8546 Mit­glieder (6000 männlich, 2546 weiblich), davon waren krank 3,45 v. H. (2,77 männlich, 5,07 v. H. weiblich): gegen den Stand am 1. Februar trat eine Besserung von 0,35 o. H. ein.

** D i e Kranken- und Sterbekasse ür das Deutsche Reich, Verwaltungsstelle Gießen, hielt am vorigen Freitag imPfälzer Hof" ihre diesjährige Mitgliederversammlung, $üe sich in der Hauptsache mit der Reuwahl des Vorstandes zu befassen hatte. Als 1. Vor­sitzender wurde Herr Karl Reh, als Schrift­führer Herr Fritz Decher gewählt.

** Der Hessische Kaffeehausbesiher- Verband wird feinen diesjährigen Berbandstag am 2. April In Gießen abhalten. Den Hauptvortrag der Tagung wird Verbandsdirektor Gei st Hardt (Berlin) halten über das Thema:Das gastronomische Gewerbe im Spiegel der Reichsfinanzreform und des Gaststättengefehes". Weiter soll über die Ion« setzersrage beraten werden und eine freie Aussprache stattfinden.

** Hapag-Runds unkreisen. Wie das Hapag-Reisebüro (S.Loeb) im heutigen Anzeigen­teil bekanntgibt, finden auch in diesem Jahre wieder drei Hapag-Rundfunkreisen statt. Die erste Fahrt vom 18. bis 29. April soll nach Paris gehen, die zweite vom 5. bis 17. Juni an den Thuner-See und In das Jungfrau-Gebiet führen, die dritte vom vom 6. bis 12. Juli über Hamburg nach Helgoland und Westerland. Interessenten seien auf die Anzeige besonders hingewiesen.

weitere Lokalnachrichlen im zweiten Blatt.

Hand. Er schoß noch ein zweites Mal, ohne zu zielen und stürzte dann aus den Dankräumen hinaus. Bankangestellte eiltendemRäuber nach. Zwei setzten über die Tische hinweg, als erster der 20 Jahre alte Franz Backhaus. Sie waren dem Flüchtigen schon im Eingang dicht auf den Fersen, als dieser sich umdrehte und abermals mehrere Schüsse abgab. Dor dem Bankausgang stand wartend mit laufendem Motor eine dunkelblaue Limousine. Der Räuber sprang in die offen gehaltene Tür hinein und der Wagen setzte sich sofort in Be­wegung. Backhaus sprang auf das Tritt­brett und riß die Tür auf. 2m Fond sah er zwei Leute sitzen, die die Tasche hatten. Er griff zu und packte fie. Auf den Zuruf des Chauffeurs: Schießt doch!", erhielt der junge Mann einen Schuß direkt ins Gesicht. Er taumelte geblendet zurück, hat aber anscheinend die Geld­tasche doch nicht herausgerissen. Sie wurde später gefunden. Ein Schupobeamter hatte etwa 80 Meter von dem Wagen entfernt gestanden. Er sprang in eine Taxe. Die Jagd ging zum Rordhasen. Dann versagte die Taxe, well es ein Wagen älteren Typs war. So entkam die Limousine. Auf der Flucht zum Auto verlor der Räuber einen größeren Teil des Geldes, anderes ging bei dem Eingreifen des jungen Backhaus verloren. Trotzdem haben die Räuber noch etwa 1 400 Mark mit» nehmen können. Die Derlehungen des Fräu­lein Billerbeck und des Bankangestellten sind anscheinend nicht sehr schwer. Rach den Aus- sagen von Zeugen trug der Wagen der Räuber die Rümmer IA 57127. Dieser Wagen gehört der preußischen Zentralkreditbank Hinter dem Gießhaus und ist, wie dort festgestellt wurde, zur Zeit gar nicht in Berlin, sondern fährt für eine Filiale in Breslau. Es ist möglich, daß der Wagen dort gestohlen worden ist, mög­lich auch, daß die Rümmer gefälscht war, oder daß die Zeugen sich geirrt haben. Die Be­schreibung der an dem Lieberfall Beteiligten ist bei der allgemeinen Verwirrung nur ober­flächlich.

Das Fahrtenprogramm desGraf Zeppelin" für 1930.

In den ersten Tagen des April wird eine Werk­st ä 11 e n f a h r t desGraf Zeppelin" durchgeführt, nn die sich kleinere Probefahrten onschließen. Es folgen kleinere Fahrten ähnlich der Süddeutschland- Fahrt. Vor Ostern wird dann Spanien besucht mit einer Zwischenlandung in Sevilla. Nach Ostern werden die Nordsee gebiete aufgesucht. Dann kommt im Mai eine Südamerikafahrt. Im Sommer wird zunächst eine Boralpen- und Alpen fahrt durchgeführt. Daneben stehen im Sommersahrplan noch verschiedene größere Fahrten: Nordlandfahrt nach Skandinavien, eine Fahrt nach den Azoren, ferner verschiedene Mittel- meerfahrten. Für den Herbst ist eine Bal­ta n f a h r t mit eventuellem BesuchRuhlands vorgesehen. Daneben werden die Schweizer­fahrten wieder ausgenommen werden. DerGraf Zeppelin" wird startbereit sein, sobald die Kraft­zentrale eingebaut ist, was für die nächste Woche erwartet werden kann. An dem neuen Luftschiff L. Z. 128" gehen die Arbeiten planmäßig weiter, so daß mit der Fertigstellung des Luftschiffes im Sommer 1931 gerechnet werden kann.

Trichinose fordert in Stuttgart sieben Todesopfer.

In Stuttgart sind nach dem Genuß von Bärenschinken mehrere Personen an Tri­chinose erkrankt. Bisher sind sieben Todesopfer gemeldet.

vier junge Leute bei einer Vootfahrt ertrunken.

Vier junge Leute hatten in einem Boot eine Spazierfahrt a u f dem Memeler Tief unter­nommen. Hierbei wurde das kleine Boot von einer entgegenkommenden Welle vollgeschlagen und kenterte. Zwei der Insassen hielten sich am Boot fest, während die beiden anderen sofort von der Brandung fortgeriffen wurden. Einem der jungen Leute war es noch gelungen, bis fast an die Mole heranzuschwimmen. Etwa fünf Meter von ihr ent­fernt ging er jedoch unter. Auch der vierte Insasse ertrank. Eine Leiche ist bereits angeschwemmt worden.

Line ganze Familie bei einem Brande umgekommen.

In Reuhork fiel einem Brande in einem Hause der Dorstadt Dayside eine ganze Familie von sechs Personen und ein Schlafbur sche zum Opfer. Das Feuer ist vermutlich durch einen überheizten Ofen im ersten Stockwerk verursacht worden und hat den übrigen Hauseinwohnern den Ausgang abgeschnitten. Unter den Toten be­finden sich vier Kinder.

Schweres Automobilunglück in U. S. A.

In Auburn (Reuhork) ereignete sich ein furcht­bares Unglück dadurch, daß ein Automobil von einem Schne llzug erfaßt und gegen eine Hauswand geschleudert wurde. Sämtliche Insassen, vier junge Leute und ebensoviel junge Mädchen, wurden entsetzlich verstüm­melt. Erst nach Stunden gelang es, eine einzige Person zu identifizieren.

Fünf Geldschrankknacker auf frischer Tat feslgenommen.

In Berlin versuchten Einbrecher in einem Hause an der Lindenpassage die Panzer- schränke aufzubrechen. Die Geldschrankknacker, die unter der Maske harmloser Gäste durch ein im Hause befindliches Weinlokal sich ein­geschlichen hatten, wurden von dem Heizer des Hauses, einem 71 Jahre alten Mann über­rascht. Sie fesselten den Heizer und setzten ihn auf einen Stuhl, ohne ihm sonst etwas zu­leide zu tun. Als der Rachtwächter auf seinem Kontrollgang den Heizer vermißte, benachrich­tigte er einen auf der Straße patrouillierenden Polizeiposten,, der dann gemeinsam mit dem Aebersallkommando das Haus durchsuchte. Inzwischen hatten die Einbrecher einen Geld­schrank aufgebrochen. Da dieser aber nur 50 Mk. Bargeld enthielt, versuchten sie ihr Heil an einem zweiten; hier tarnen sie aber nicht bis an die Tresore heran, so daß sie die Arbeit c i n ft e 11 e n mußten. Sie versuchten durch das Gewirr der Höfe den nach ihnen suchenden Poli­zeibeamten zu entkommen und versteckten sich im Keller und in ToilAtcnräumen. Rach und nach fan­den die Polizeibeamten alle fünf Mann und nahmen sie fest.

________Oie Wetterlaae.

.. Montaä.

24. März. 1930.7* * * * * * * * * * * 1, abds.

Aus der provinzialbauptfiadt.

Gießen, den 25. März 1930. cht drängeln!

Man braucht sich nur einmal anzusehen, wie rück­sichtslos die Menschen auf dem Bahnhof oorgehen, wenn es heißt, im Zuge einen Sitzplatz zu erlangen. Natürlich sind die Züge oft Jo voll, daß manchmal sogar die Herren stehen müssen, aber das ist kein Grund zum unsinnigen Drängeln. Dadurch wird nämlich in fast allen Fällen das Gegenteil dessen er­reicht, was man eigentlich haben will. Schon am Fahrkartenschalter macht man diese Beobachtung. Leute, die hinter sich eine Menschenschlange fühlen, die ewig drängt und stoßt, werden nervös und fin­den das bereitzuhaltende Kleingeld, das natürlich keiner bereit hält, noch langsamer als sonst, und verzögern die Abfertigung. Dann an der Sperre! Dieser Tumult! Da läuft ein Zug ein, irgendwoher, schon öffnen sich die Türen und heraus stürzen die Leute in rasendem Lauf, bilden an der Sperre einen wüsten Haufen und kommen langsamer durch, als wenn sie nicht so schnell gerannt wären. Gleich­zeitig behindern sie aber all die andern, die gern durch die Sperre zum Zuge möchten. Rücksicht­nahme gegen die Mitreisenden i st er st e Pflicht jedes, der die Bahn benutzt! Da sieht man Leute ankommen, in jeder Hand zwei Koffer, die Fahrkarte im Mund oder auf dem Hut. Der Beamte an der Sperre muß sich mit ihnen abquälen, während sie langsam ihre vier Koffer durch die Sperre schieben. Wer so viel Gepäck mit­nimmt, leiste sich für eine halbe Mark auch einen Träger. Das Schlimmste aber ist der Platzwechsel auf den Durchgangsstationen, zu denen natürlich auch die größten Bahnhöfe rechnen. Der Zug läuft ein. 200 Personen wollen aussteigen, 50 wollen hinein. Jeder, der Augen hat zu sehen, erkennt so­fort, das alle, die einfteigen wollen, auch einen Platz bekommen werden. Aber was hilft alle Vernunft? Im Moment, wo der Zug hält, ist jede Tür von außen umlagert, so daß die Leute, die heraus wol­len, die größte Mühe haben, den Zug verlassen zu können. Manche stürzen die Treppe hinunter, weil sie von hinten gestoßen werden, denn auch in den Gängen stehen Leute, die es darauf anlegen, den Bahnhof ausgerechnet eine halbe Minute früher zu verlassen. Sind die Türen frei, dann geht die wilde Hetzjagd nach den Plätzen los. Dagegen kann man beobachten, daß an einem Waggon, wo auf beiden Seiten eingeftiegen wird, die ruhigen Passa­giere viel eher einen Platz haben, als die wilden. Das unvernünftige Drängeln ist aber nicht nur eine Unklugheit, weil man selber in den meisten Fällen langsamer fortkommt, es ist auch eine Rück­sichtslosigkeit gegen die Mitreisenden, die sich später einmal rächt. Denn jeder, der in der Jugend ge­rannt ist, weil er rennen konnte, wird im Alter schimpfen, über die jungen Leute, die keine Rück­sicht auf ihn nehmen und durch ihre Unvernunft den ganzen Betrieb aufhalten. Deshalb: Nicht drängeln, es kommt jeder voran, vorausgesetzt, daß er nicht zu spät kommt!

Bornotizen.

TageskalenderfürDienstag. Stadt­theater:Der letzte Lord", 20 bis 22.30 Uhr. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße:Der Gefangene der Bernina" undDas letzte Souper" Astoria-Licht- spiele:Die Goldmine von Santa Pari" undVa- riets-Sterne"

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend ist die erste Wiederholung des LustspielsDer letzte Lord" von Ugo Falena (deutsch von Otto Eisenschitz) mit Marianne Mewes in der HauptroUe unter der Spielleitung von Peter F a s s o 11. Am mor­gigen Mittwoch wird die KomödieDie Sache, die sich Liebe nennt" von Edwin Burke gegeben.

Der Goethebund veranstaltet zusam­men mit dem Stadttheater am Donnerstag, 27. März, im Kunstwissenschaftlichen Institut, Ludwigstrahe 34, einen dramaturgischen Dortrag. Tlniversitätsprofessor Dr. Dietor spricht über Georg Büchner, dessen StückeLeonce und Lena" undWoyzeck" am 28. März im Stadttheater erstmalig zur Aufführung gelangen. (Siehe heu­tige Anzeige.)

Vi r t e r (musikalischer) Volks- kun st abend der Volkshochschule. Man schreibt uns: Der musikalische Volkskunstabend am Donnerstag, 27. März, wird vom Kammerorchester der Volkshochschule Oberhessen bestritten. Den Dar­bietungen geht ein kurzer Vortrag des Musiklehrers Franz Bauer jun. voraus. Die Vortragsfolge um­faßt Jnftrumentalwerke von Schein, Hasse und Bach. Die Auswahl der Werke wurde durch die Absicht be­stimmt, Werke gleicher Zweckbestimmung (Eröff­nungsstücke und Suiten), aber verschiedener Epochen zu demonstrieren, um so dem Hörer die Möglichkeit des Vergleiches zu geben. Zwischen den Jnstrumen- talwerken ist außerdem der weltliche Sologesang des siebzehnten Jahrunderts mit drei Arien von Krieger, die Frl. Käte Gärtner fingen wird, vertreten. Siehe heutige Anzeige.

Lichtbildervortrag über d i e Bremen". Der Kaufmännische Derein und Ortsgewerbeverein veranstaltet am 29. März seinen 6. Dortrag und hat hierzu Kapitän von Senden gewonnen, der über den neuen Schnell­dampferBremen" sprechen und Lichtbilder zei­gen wird. Cs dürfte von großem Interesse sein, zu sehen und hören, was hier deutsche Technik und Wissenschaft geschaffen haben. Man beachte die heutige Anzeige.

* Eine öffentliche Sitzung des S t a d t r a t e s findet am kommenden Donners­tag, 17 Uhr beginnend, im Sitzungssaal im Stadt­haus, Bergstraße, statt. Don den Tagesordnungs­punkten seien als besonders bemerkenswert her­vorgehoben: Gesuch des Derkehrs-Dereins um Bewilligung eines weiteren Zuschusses von 1000 Mark; Gesuch der Dolkshochschule Gießen .um Gewährung weiterer städtischer Zuschüsse; An­legung eines Parkplatzes für Diehtransportwagen auf dem Diehmarktplatz am Güterbahnhof; Er­höhung der Müllabfuhrgebühren; Bebauungs­plan für das Schwarzlachgebiet; Wasserversor­gung der Gemeinden Lindenstruth und Heuchel­heim; BereitsteUung von Arbeit für die aus­gesteuerten Erwerbslosen. Außerdem stehen noch eine Anzahl Arbeitsvergebungen und Kredit­bewilligungen zur Entscheidung.

** Exemplarische Strafe für Feuer­melder-Unfug. Ein junger Mann von hier, der seine Neigung zu Schabernack nicht bezähmen konnte und sie ausgerechnet an einem Feuermelder be­tätigte, hatte sich dieser Tage vor dem hiesigen Amtsgericht zu verantworten. Er erhielt, wie aus dem an anderer Stelle dieser Ausgabe abgedruckten 1 Gerichtsbericht zu ersehen ist, alsBelohnung" einen ' Monat Gefängnis. Diese exemplarische, aber durch- aus gerechtfertigte Strafe mag anderen zur War­nung ö Leu.cn.

Falsche Zehnmarknoten im Dec­ke h r. Leit einiger Zeit tauchen wieder in ver­mehrtem Umfange falsche Reichsbanknoten zu 10 Mk. auf. In Berlin ist bisher zwar eine Anzahl dieser Fälschungen bemerkt worden, doch cheint das Hauptabsahgebiet der Dertreiber sich über Westfalen, das Rheinland, Hannover und Sachsen zu erstrecken. Auf der Dorderseite der Falfchnole ist der Männerkopf im Gegensatz zu den echten Stücken nachlässig und schlecht aus­geführt. Don noch größerer Wichtigkeit ist aber das zweite Kennzeichen, ebenfalls auf der Dor­derseite. Dort steht das WortReichsbank­direktorium". Dieses Wort hat der Fälscher ' alsch gesetzt, und zwar so, daß dasu umgekehrt erscheint. Die bisher zur Ausgabe gelangten Fälschungen tragen alle die gleiche Rümmer, nämlich D. 1 528 394. Bisher ist es noch nicht gelungen, festzusteNen, wo der Ausgangspunkt, resp. die Werkstatt der Fälschungen zu suchen ist.