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verstand gestoßen. Besonders in der Deutschen D.lkspartei hat da 3 Projekt schärfste Kritik erfahren. Ein solches Rotopfer würde, wie dieDeutsche Allgemeine Zeitung" hervor­hebt, nichts anderes darstellen als eine Son« derbe st euerung der Beamten und Qlngefl eilten, die sich eine Belastung von etwa 10 d. S> der Einkommensteuer, also eine Abgabe etwa in Hohe der Kirchensteuer gefallen lassen mühten. Das Blatt erklärt, dah das Rot- Opfer, um die angeforderte Summe von etwa 180 Millionen zu erreichen, so straff durchgeführt werden mühte, dah es zu einer schweren Belastung werden würde, während man doch gerade für die mittleren Einkom­men st euertlasscnen? Steuersenkung als notwendig anerkannt hatte. Der Gedanke des Rot" pfers werde dadurch nicht besser, dah von verschiedenen Seiten versucht werde, ihn nicht aus die Arbeitslosenversicherung, sondern auf das eigentliche Etatsdefizit anzuwenden. Der ideale Grundgedanke, dah dieFestangestellten' ihren arbeitslosen Volksgenossen zur Seite stehen sollen, würde dadurch vollkommen beiseite ge­lassen werden. Eine Pflicht der Allgemeinheit, die Sorge für den Ausgleich des Etats zu tragen, würde in eine Sonderbelastung be­stimmter Schichten umgewandelt wer­den. Da die von dem Reichsfinanzminister Dr. M o l d e n h a u e r zur Sanierung der Ar­beitslosenversicherung in erster Linie verfolgte Möglichkeit der Kreditaufnahme aus den Rach- barversicherungen al em Anscheine nach verwirk­licht werden kann, wäre es möglich, den Zankapfel des Rotopfers aus dem Sanierungsproblem aus' zufcheiden, was ohne Zweifel ein großer Gewinn für die Stabilität der Regierungskoalition sein würde.

Oie Forderungen der Sozialdemokratie.

Die Arbeit^loscnvrrsichcrunft

Berlin, 24. Febr. ($11.) Die soz'aldemokra« tische Reichstags!raktion befchloh am Montag, dem Republikschuhge^eh zuzustimmen. Rach einem Bericht über den Stand der interfraktionellen Verhandlungen über den Haushalt für 1930 und die Beschlüsse des Kabinetts zur Bestreitung der Aus­gaben im kommenden Haushaltsjahr fand eine Aussprache statt, an der sich auch der Reichskanzler beteiligte. Desch.üsse wurden nicht gefaßt Die Aussprache ergab jedoch, dah die Kürzung der sozialen Ausgaben, die das Reichskabinett gegen d.e sozialdemokratischen Minister beschlossen hatte, auf einen ebenso erheb­lichen Wider st and der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion flohen werde, wie die Er­höhung der Wehrausgaben. 3m Vor­dergrund der Aussprache stand ferner die be­kannte Forderung einesR o t o p f e r s" durch einen Zuschlag zur Einkommensteuer. Die Frak­tion billigte hierbei die Auffassung ihrer Unterhändler, die alle Absichten auf direkten oder indirekten Abbau der Lei stungen derArbeitslosenversiche- rung ablehnt und die Aufrechterhal­tung der Darlehenspflicht des Rei­ches für die Arbeitslosenversicherung verlangt haben, falls die Sanierung nicht durch Er­höhung der Beiträge erfolge.

Eine Kreugeranleihe für Danzig

Gegen Gewährung des Zündholzmonopols.

Stockholm, 24. Febr. Die Svenska Tänd« stiks Aktiebolagst, Stockholm, teilt mit, daß zwischen der Gesellschaft und der Freien Stadt Danzig heute ein Abkommen abgeschlossen wurde, durch das die Gesellschaft das Alleinrecht auf Her­stellung und Verkauf von Zündhölzern für eine Zeit von 35 Jahren erhält. Nach dem Ab­kommen zahlt die Gesellschaft an die Freie Stadt Danzig eine einmalige Summe von einer Million Danziger Gulden und gewisse jährliche Abgaben. Die ftreie Stadt Danzig erhält außerdem eine Anleihe von einer Million Dollar zu einem Zinssatz von 6 v. $). und einem Uebernahrnekurs von 93 v. S).

Herbst in Apulien.

Don Albert H. tausch.

x.

Lecce.

Bon Monopoli nach Lecce ohne Aufenthalt in Drindist Bei der Durchfahrt wehmütiges Erinnern an einen unvergeßlichen FrÄhlings- morgen. Vorspiel des Aufbruchs nach Athen. Entzücken damals vor den Toren von S. Giovanni Rotondo. Richt minderes Entzücken in dem verwilderten Kreuzgang von S. Denedetto und vor der römischen Säule im Hafen, von der man sagt, daß sie das Ende der Dia Appia be­zeichnet habe. Auch ein Leuchtfeuer soll sie ge­tragen haben. Wir müssen Lecce vor der Dunkel­heit erreichen. Der Himmel überzieht sich langsam von Süden her, das Licht wird distelblau und läßt alles Grün in doppelter Dichte erscheinen. Grün der Oliven, der Pfeffer- und Iohannis- brotbäume. Rur über dem Meere sind noch hell­gelbe, klare Aetherstreifen, und im Westen, gegen die Ducht von Tarent zu, kämpft kupfernes Gold mit drohenden Wolkenwänden. Die Luft wird schwül, Samt, der sich greifen läßt Wir verlassen das Meer. Lecce ist Dinnenstadt, zehn Meilen von der Küste entfernt. Bei unserer Ankunft zündet man eben die ersten Laternen an.

Wer weiß etwas von Lecce? Es gibt Italiener, die kaum seinen Ramen kennen. Und doch ist es die vornehmste Stadt Apuliens. Man sagt, es sei messapischer Herkunft. Die Hellenen nannten es Sybaris, die Römer Lupiae, die Rormannen Lhcea, die Staufer Litium. Aus messapischer, griechischer, römischer und normännischer Zeit find Andenken vorhanden: aber sein eigentliches Gesicht hat ihm das Barock gegeben. Unvorstell­bar: eine barocke Stadt im südlichsten Apulien I Und dennoch ist es so. Barock als maßvolle Fülle und daneben, besonders in den Kirchen, Barock als Uferloses, vor dem uns ein Entsetzen anfaht Die Uebertreibung des schon Hebertriebenen. Der Sandstein, der sich hier findet und im ganzen Lande verarbeitet wird, diePietra di Lecce, hat der ungezügelten Phantasie erlaubt, ihre unwahrscheinlichsten Launen zu verwirklichen: er ist so weich, daß sich die Ornamente fast in ihn einschnitzen lassen, er fordert durch feine unnatür­liche Gefügigkeit den Weisel geradezu heraus.

Verlängerung des Mieterschutzes.

Wohnungsdebatte im Reichstag.

Berlin, 25. Febr. (DDZ.) Auf der Tages- ordnung steht die erste Beratung der Gesetz­entwürfe, durch die die Geltungsdauer des Mieterschutz- und des Reichs- mietengesehes bis zum 3 0. Juni 1932 verlängert werden felL In Verbindung da­mit stehen zur Beratung der von der Deutschen Dolkspartei eingebrachte Gesetzentwurf zur Reu­regelung des Mietwesen 3, Anträge der Kommu­nisten und der Wirifchastspartei auf Aushebung der Hauszinssteuer und ein Antrag der Wirt- fchaftspartei auf Aufstellung eines Reichsbau­programms.

Reichsarbeitsminister Wissel! be­gründet die Regierungsvor.agen. .Die Mictcr- schuhgesetzgebung muh b,st-h:n bl.iben, bis das Angebot vor allem an mittleren und kleineren Wohnungen der Rach'rage entspricht Bon diesem Zustand sind wir leider noch sehr weit entfernt. Die Zahlen der Wohnungösta^istik beweisen das deutlich. Wenn hingewicsen wird auf die Einzel­personen, die über eine eigene Wohnung ver­fügen, so spricht das keineswegs gegen das Bestehen der Wohnungsnot. Diese Einzelper­sonen sind in der Mehrzahl ältere Menschen, die Zimmer vermieten. Als Ursache der Woh­nungsnot kann man diesen Zustand keineswegs ar.f ßen. Bei einer Auch bung d.r Wohnungs- zwa gswir scha.t.den Kündigungen in großer Zahl erfolgen. Der pl tzl'ch verstär.tm Rachfrage auf dem Wohnungsmarkt toürbe ein ausreichen­des Angebot nicht geg.'nübrrsteh n. Die dadurch bewirk en Mictstcig^rungen würden zu w s nt» lichen Lohnsteigerungen und zu starken wirtschaft­lichen Störungen führen. Aus wirtschaitlichen and sozialen Gründen läßt sich die Verlängerung der Mieterschutzgesetzgebung, vor allem des Reichsrnietengcsetzes, nicht vermeiden. Die An­träge der Wirischaftspartei und der Deutschen Volkspartei, die eine HebergangSrege- l ung Vorschlägen, sind für die Regierung nicht tragbar.

Abg. Lipinski (Soz.) spricht sich für An- nähme der Regierungsvorlagen ohne Ausschuh- beratung aus. Sollten die Vorlagen dem Aus­schuß überwiesen werden, dann würden die So­zialdemokraten sich Aenderungsanträge Vorbe­

halten. Die Sozialdemokratie verlange nament­liche Abstimmung, um festzustellen, wer die 3n- tereffen der Mieterschaft vertritt. Bei der Volks­zählung im nächsten Jahre müßten auch die Ver­hältnisse auf dem Wohnungsmarkt geklärt werden.

Abg. Dr. Steiniger (Dn.) bestreitet, dah heute noch ein Bedürfnis für eine Verlängerung ter Wohnungszwangswictschaft bis 1932 bestehe. Der Begriff des Wohnungselends und der Woh­nungsnot wird vielfach falsch angewandt auf die Erscheinung der allgemeinen sozialen Rot. Es ist gar nicht so, daß die Wohnungssuchenden die ärgste Rot leiden. Wir beantragen die lleber- weisung der vorliegenden Anträge und Geseh- enttoütfe an den Ausschuß. Die Geltungsdauer der bestehenden Gesetze sollte jetzt nur um ein halbes Jahr verlängert werden.

Abg. Winnefeld (D. V.) verneint die Rot- toentigteit einer Fortsetzung der Wohnungs­zwangswirtschaft in dem bisherigen Umfange. Die von der Deutschen Volkspartei beantragte Hebergangsvorlage würde den Mietern den not­wendigen Schuh gewähren und doch für die Hausbesitzer erträglich sein. Wenn der Berliner Mieterbund behauptet, unsere Vorlage würde zu einer Steigerung der Mieten um 50 Prozent führen, so verwechselt er unseren Antrag offen­bar mit dem der Wirtschastspartei. Eine Heber- spannung der Mieten wollen wir nicht. Daran hat auch der solide Hausbesih kein Interesse. Wohnungen über 80 Quadratmeter und gewerb­liche Räume sollen nach unserem Antrag von der Zwangswirtschaft freibleiben.

Abg. Dr. Iörissen (Wirtsch.) weist auf frühere Erklärungen aus dem Lager der Regie­rungsparteien hin, in denen der baldige Abbau der Wohnungszwangswirtschaft und der Haus­zinssteuer verlangt wurde. Die Regierung habe aus dieser Erkenntnis leider nochimmer nicht die Konsequenz gezogen. Die bisherigen Lockerungen der Wohnungszwangswirtschaft hät­ten sich durchaus bewährt. Wenn der Arbeits- Minister jetzt die Wöchnerinnenfürsorge einschrän­ken wolle, so steigere er damit die Wohnungsnot.

Weiterberatung: Donnerstag.

Oie Krisis -er Flottenkonferenz.

Mit der Londoner Flottenkonferenz steht es offenbar böse. Die französische Presse tut so, als ob auch das neue französische Kabinett in London nicht die geringsten Zugeständnisse mache und das von Tardieu aufgeftel.te Flottenbau- programm aufrechterhalten wolle. In einem Lon­doner Sonntagsblatt wird die Lage folgender- rnahen gekennzeichnet:Die Konferenz ist toL Es hat keinen Wert mehr, es zu verheim­lichen. Man kann sie nur noch zu Grabe tragen und ihr ein Denkmal richten." Als Ursache des Scheiterns wird die mangelhafte Vor­bereitung angegeben, es wird sogar mit der Möglichkeit gerechnet, daß der italienische Außen­minister Grandi erst' gar nicht wieder nach London zurückkehrt. Auch der amerikanische Ad­miral Jones steht Im Begriff, London zu verlassen, um nicht wiederzukehren. Die Fran­zosen, so fährt das Blatt bissig fort, stünden vor einer Reihe zeitraubender Regierungskrisen, wobei man übrigens das Gefühl nicht ganz los wird, als ob diese französischen Regierungskrisen auch einen außenpolitischen Hinter­grund haben, nämlich dem Ziele bienen, die Konferenz verschleppen und versanden zu lassen. Den Japanern ist das Verhandeln in London schon lange etwas langweilig gewor­den, und so kommt das englische Blatt zu dem Schluß, daß der Vorhang fallen könne.

Die aus Italien kommenden Stimmen sind nicht viel freundlicher. Die maßgebende saszistische Presse stellt fest, daß Italien jetzt in London ebenso wie seinerzeit in Versailles von Frank­reich nur d i e bitterste und eifersüch­

tigste Feindschaft erfahre. Die Italiener beschweren sich heftig darüber, daß diegroß­mütige Solidarität während des Krieges" und die Garantierung der Rheingrenze durch Italien im Locarnovertrag keine weiteren Folgen gehabt und keine Früchte getragen habe. Man kann den Aerger der Italiener schon verstehen, vor allem im Hinblick darauf, daß Frankreichs macht- politisches Ziel auf die Stärkung seiner Flotten- vorherrfchaft im Mittelmeer gerichtet fet

Möglich, daß diese pessimistischen Aeußerungen einstweilen nur dazu dienen sollen, der Kon­ferenz einen neuen Auftrieb zu geben. Die englische Opposition hat ja auch ein Interesse daran, die Forderungen ihres Landes möglichst hochzulr:ibon. damit Mac Donald durch das Schei­tern der Verhandlungen in eine schwierige innen­politische Lage gerate. Eine andere Frage ist allerdings, wie die Amerikaner rea­gieren werden, wenn die Londoner Verhand­lungen ergebnislos bleiben. Hoover hat schon vor Tagen seinem Befremden darüber Ausdruck gegeben, daß es in London nicht vorwärts gehr. Die amerikanische Politik wird aus dem Schei­tern der Londoner Seeabrüstungskonferenz zwei­fellos weittragende Folgerungen ziehen. 3n wel­ches Richts zerfallen angesichts dieser weltpo'iti- schen Gegensätze die törichten französischen Ver­suche, das deutsche Panzerschiff und seine etwai­gen Rachfolger als den Grund eines neuen weitgehenden französischen Flottenprogramms zu bezeichnen, das übrigens zum größten Teile mit den Mitteln der deutschen Tributzahlungen fi­nanziert wird.

das schöne Maß zu vergessen, sich in Arabesken­schwelgerei auszutoben. Was zwingt uns, bei dem uns Peinlichen zu verweilen? Roch ist unsere Seele ganz gefüllt vom Rachgesang der apulisch- romanischen Form und wir sind nicht ge­sonnen, Wirrwarr von feindlichem Getön in diesen Einklang einbrechen zu lassen. Es gibt hier eine Stufe barocken Ausdrucks, die wir lieben und bewundern können: sie mag uns genügen: und über sie hinaus winkt ja, am Rande der Stadt, ein Kleinod, das die uns heilige Musik der mittelalterlichen Höhe in überirdischem Auf­klang neu ertönen lassen wird. So lassen wir Santa Eroce, Santa Teresa, Santa Irene, Santa Chiara, San Matteo, heute und morgen und gehen an diesem Abend unserer Ankunft noch nach dem Platz der Kathedrale, der von bläulichen Kugellampen hoher Kandelaber erleuchtet wird. Fürstlich und feierlich ist dieser unvergleichliche Platz, den der Dom und das bischöfliche Seminar umranden: er ist das Sinnbild reicher Vornehm­heit, die diese ganze Stadt kennzeichnet. Reich und vornehm sind die vielen verschwiegenen Pa­läste mit ihren hellgetünchten Wänden, schönen Gittern, königlichen Portalen, thronenden Log­gien, lebendig und dennoch zurückhaltend das Leben, das unter diesen Palästen vorbeiflutet. Lecce, die Stadt des apulischen Landadels, lebt. Sie lebt bewußt und mit sich selbst zufrieden, sie drängt nicht aus sich selber fort in ein ihr fremdes Daseinsgeseh. Sie ist ganz, was sie ist: und eben deshalb liebt man sie, wenn man die ersten Schritte in ihren wunderschönen Straßen tut. Sie hat die Gabe, das Herz des Fremden fröhlich zu machen. Kaum hat er sie betreten und schon lebt er ihr Leben mit. Beglückt, be­schwingt verlassen wir den Domplah und wenden uns, den Sammelpunkt des städtischen Lebens überquerend er heißt Piazza Oronzo und trägt, neben dem römischen Amphitheater, die Schwestersäule der Säule von Brindisi einer Keinen Trattoria zu, die ich vor Jahren hier kennen und lieben lernte. Sie liegt versteckt und wird nur gefunden von einem, der zu suchen weiß. Wie uns der Wirt begrüßt I Wie er meine Hände hält und nicht losläht. Wie schon sein Auge im ersten Blinzeln verrät, daß ich ihn hqben werde, nach dem mein ganzes Wesen verlangt: ihn, den alten, göttlichen, den olym­pischen Wein, den braungoldnen, der keinen Ramen hat und bei Squinzano wächst! Und zum Essen: junge Broccoli, Scalvppe al mabera.

dünn wie ein Messerrücken, undcreppa leccese, wie er sagt, in Maraschino gewaschen. O, be­zaubernder Heimweg, nach diesem Abendmahl, dem ein unnachahmlicher espresso an der Piazza folgte. Lecce, du Liebliche! Ein leichter Regen fällt, ganz leicht, aber ich sehe dernüxh Sterne im schwebenden Gefieder des Pfefferbaumes übet matt erleuchteter Straßenkreuzung.

Am nächsten Vormittag stehen wir draußen, auf dem Friedhof, vor Tankreds ewig schönet Kirche SS. Nicola e Cataldo, die er 1180 erbauen lieh, er, der letzte notmännische König, der letzte Hauteville, der eine Krone trüg. Hm seine Er­scheinung webt der Glanz glaubhaften Ritter­tums: er wat tapfer, gütig, ein vollendeter Edel­mann, teilhaftig eines reinen und freudigen Le­bensgefühles. Der Geist, der ihn belebte, strahlt aus dem Raum, den er in Wand und Dogen spannen lieh: es kann kein Zweifel fein, daß er diese Kirche so jubelndfeierlich, so Irdischnah und doch von adliger Würde haben wollte, wie sie noch heute unsere Seele anspricht. Dah sich auch an ihrer Fassade barocker Freskenunfug vergriff, ist schlimm genug: doch rasch vergessen über der beglückenden Erkeyntnis, daß das traumhafte Hauptportal das schönste, das Ich in Apulien kenne: blühender Eingang in das Paradies ganz unversehrt geblieben ist. Auch hier wieder, wie an dem Rebentor von S. Giovanni Rotondo in Brindisi, arabisch-byzantische Süße, öst­licher Traum, dem die normannische Seele so sehr ergeben und doch nie erlegen war. Tritt man ins Innere, fühlt man sich schon beim ersten Schritte wie hinaufgehoben in duftende Helle, die um hufeisenähnliche Spitzbogen frühester franzö­sischer Gotik wallt: aus schmaler Kuppel über schmaler Vierung bricht das Gold des Donnittags und durchlichtet das steile Mittelschiff mit seinen vielen hohen Säulen. Geist und Sinne sind hier in einem Hohen Lied verbunden: alle Schauer von ®lana und Gröhe, Traum und Wunder, welche die Welt des Mittelmeeres um die Wende des zwölften Jahrhunderts in ihrer vielfältigen Seele barg, wehen im Aufschwung dieses engen Raumes, wehen uns lange noch nach, als wir schweigend, an spätblühenden Oleanderbüschen vorbei, dem Ausgang zuschreiten. Geruch von ferne niedergehenden Regen kommt über das flache Land, weihe Wolken fliegen an ausge­waschenen Himmeln. Der Sommer neigt sich. Es wird Herbst auch über Südapulien.

Chautemps geht selber nach London.

DaS neue französische Kabinett auf der Flottcnkonferenz.

Paris, 24. Febr. (WB.) Im heutigen Kabi- nettsrat wurden die Delegationen für die Ver­handlungen in London und Genf bestimmt. Mi­nisterpräsident Chautemps wird die Dele­gation auf der Londoner Seeabrüstungskonserenz selber führen. Ihr gehören weiter an Außen­minister Briand, Marineminister S a r r a u t, Kolonialminister Lamoureux und der fran­zösische Botschafter in London Driand und Sar- raut werden Paris am Mittwoch verlassen wäh­rend Ministerpräsident Chautemps sich erst in der nächsten Woche für einige Tage nach Lon­don begeben teilt Auf der Zo ll f r ie d e n s * konferenz in Gens wird Fran'.rllch vertrcien durch Handelsminister Bonnet und den Unter- staatssekretär im Landwirtschaftsminlsterium de Chappedelaine. Rach Schluß des Kabinettsrates erklärte der Ministerpräsident Chautemps: Die Regierung tritt morgen vor das Parlament. Sie wird an eine republikanische Mehrheit appellieren. Sie hegt größtes Ver­trauen in den Ausgang des Kampfes, der an­heben wird.

Bemühungen um ein Kompromiß

London, 25. Febr. (WTB. Funkspruch.)Ti­mes schreibt: Amtliche britische und amerikanische Wortführer bestreiten, daß die Konferenz ge- sehe.tert ist, oder im Begriffe ist, zu scheitern. Mac- donald und Stimson sprechen beide ihr Bedauern darüber aus, daß von einem Zusammenbruch in einem Augenblick gesprochen wird, wo die aller- heikel st en Verhandlungen zwischen den Delegationen begonnen haben. DerDaily Chro- nicle" will von zuverlässiger Seite erfahren hoben, daß britischerseits ein Kompromiß vorgeschlagen werde, wonach Frankreich seine Flottenbaupläne einschränken soll, während Großbritannien seine Berechnung des Stärkeverhältniffes der Rüstun­gen zu Lande in der Frage derausgebildeten Reserven die französische Auffassung unterstützen würde, wozu sich schon die Regierung Baldwin im Jahre 1928 bereiterklärt hatte, während später die Arbeiterregierung der französischen Auffassung wi­dersprochen hätte.

Aus aller Wett.

Beerdigung des ungarischen Zigeunerprimas.

An der Beerdigung des Zigeunerprimas D e l a Raditsch in Budapest nahmen etwa 150 000 Menschen teil, eine Mensch nmenge, wie sie feit der Beerdigung Ludwig Kossuths In Budapest nicht gesehen wurde. Die Polizei erwies sich vollständig machtlos und wurde von der Menge einfach mitgerissen. Das Mikrophon, das die Feierlichleiten für den Rundfunk übermitteln sollte, wurde abgerissen. Kandelaber wurden um* geworfen und selbst der Sarg wurde be­droht. so daß vier Polizisten ihn mit größter Mühe in die Halle schaffen konnten, wo der Geistliche eine kurze Trauerrede hielt. Danach wurde der Sarg zu Grabe getragen. Richt einmal die Familienmitglieder konnten in die Rähe d.s Grabes gelangen und von den 500 Zigeunern gelangten nur 30 an daS Grab, während den übrigen in dem Gedränge ihre Instru­mente zerdrückt wurden. Die letzten Spu­ren jeglicher Ordnung verschwanden nach De n* digung der Trauerfeierlich'e'ten. Die Rettungs­gesellschaft muhte zu 30 Hilfeleistungen heran- gezogen werden. 14 Personen wurden bei dem riesigen Gedränge schwer verletzt und muhten ins Krankenhaus geschafft werden. Die Zahl der Leichtverletzten kann nicht einmal an­nähernd bezeichnet werden.

Dreifacher Mord eines wahnsinnigen.

Ein plötzlich wahnfinnig gewordener Arbeiter hat in seiner Wohnung seine Frau, feine Toch­ter und seinen 25'ährigen Sohn durch Re­volverschüsse getötet, während sie noch im Schlafe lagen. Als Hausbewohner herbei­eilten, gab der Rasende auf diese mehrere Schüsse ab und tötete s i ch schließlich selbst.

Amerikanisches Potpourri.

Das Ideal des Amerikaners ist prosperjty. Dazu gehört Dad, Rundfunk und Kino. Auch das eigene Auto, und wenn es auch auf Ab­zahlung gekauft werden muh. Das ist eben so, und niemand findet etwas dabei, dah die In­sassen eines Armenhauses auf ihren eigenen Wa­gen Wochenendausflüge unternehmen. Wie steht es jedoch mit den Reparaturen? Ein Armen­häusler schickte eine Reparaturrechnung an die Leitung des Asyls. Das wurde ihm aber sehr verübelt.

Niemals weiß man genau, wohin ein Golf­ball rollt, es kommt vor, dah er sich im Ge­lände verkriecht und unsichtbar wird. Diesem Mißstand hat ein amerikanische Erfinder jetzt endlich abgeholfen. Es gibt Golfbälle, die nach dem Auftreffen auf der Erde summen und so lange ihr Geräusch fortsehen, bis sie der Spieler gefunden hat. Auch der Sport verlangt in Amerika seinen Komfort.

Die Stadt Durlington in Wisconsin hat die Gewohnheit, alljähriuch Konkurrenzen im Aus­schneiden also im Lügen zu veranstalten, um die prominentesten Decwand'.en Münchhausens zu prämiieren. Die Kandidaten müssen siebzig Jahre alt fein und ihren Mitbürgern drei tüch­tige Lügen vorgesetzt haben. Das Ehrendiplom für 1930 erhielt der Kapitän Delano. Denn er erzählte, er habe auf seinen Fahrten junge Walfische von übermäßiger Gröhe getroffen, der längste maß über drei Meilen. Um 8 Uhr befand sich sein Schiff am Schweif dieses Tieres, nach drei Stunden fuhr es noch immer an ihm entlang...

Ein anderer amerikanischer Wettbewerb. Die Frauen von Cushing prämiieren den besten Ehemann, der einen silbernen Kelch erhielt. Gr ist mäßig, flucht nicht, wenigstens nicht in An­wesenheit von Frauen, er raucht Atoar, hat aber dafür einen neuen guten Ford. Richt die Douglas-Fairbanks-Romantik wird in Amerika ausgezeichnet» sondern der platte Durchschnitt.