Ausgabe 
25.1.1930
 
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Höhungspläne aber erst dann die letzte Entscheidung treffen, wenn d i e Ausgabenseite endgültig feststeht. Der neue Haushaltsplan soll unmittelbar nach der Youngdebatte im Reichsrat zur Beratung kommen, so daß er spätestens Ende Februar dem Reichstage vorgelegt werden kann.

Das Renlnerversorgungsgefeh.

Vorstellungen dcsTeutschcn icninerbundes

Berlin, 24.Jan. (Tel.-Un.) Anläßlich des Wie- dcrzusammentrittes des Reichstags hat sich der Deut­sche Rentnerbund erneut an alle Parteien mit der Bitte gewandt, nunmehr endlich das Rcntnerproblem einer Lösung entgegenzuführen. Er weist darauf hin, daß die Lage der Rentner durch die zunehmende Uebermittlung von Zahlungsbefehlen, durch harte Pfändungsmaßnahmen und dergleichen täglich mehr sich verschlimmert, sowie daraus, daß sich bei Reichs­tag und Reichsregierung allmählich im Laufe der Jahre ein System für die Behandlung dieser Frage herausgebildet habe. Im November würden regelmäßig schöne Worte für die Rentner im Reichs­tag gefunden. Im Dezember bewilligte man früher Winter- und Weihnachtsbeihilfen, die neuerdings abgelehnt würden. Im Januar komme der sozial­politische Ausschuß zu dem Schluß, daß die Rege­lung der Nentnerfrage mit den Haushaltsfragen Zu­sammenhänge und infolgedessen vom Houshaltsaus- schuß beraten werden müssen. Im März erklären dann Haushaltsausschuß und Plenum den Haus­halt fiir endgültig erledigt und bedauern, daß die Einbeziehung der Rentnerfrage nicht mehr möglich fei. Früher bewilligte man wenigstens noch hier und da Mittel zu Sonderverteilungen. Neuerdings wür­den auch diese abgelehnt mit der Begrün­dung, daß man statt der einmaligen Hilfe eine brauchbare Dauerregelung plane.

tlm die große Koalition in Preußen.

Zentrum und Temokratcn zur Negierungs­umbildung.

Berlin, 24. Jan. (VDZ.) Bach dem jetzigen Stande der Koalitionsverhandlungen in Preußen liegt das Schwergewicht bei den Demokra­ten. In ihrer heutigen längeren Fraktionssihung sind die Demokraten nocy zu keinem Be­schluß gekommen. Aber die Sitzung, über die offiziell strengstes Stillschweigen bewahrt wird, soll außerordentlich erregt verlaufen sein. Namentlich glaubt man die Zurücknah,ne gleich zweier Vertrauensmänner aus dem Kabinett, nämlich des Handelsministers Dr. Schreiber und des Kultusministers Dr. Becker, während die anderen Koalitionsparteien keinA Opfer brin­gen, nicht ertragen zu können. Die Entscheidung wurde vertagt bis nach einer Rücksprache, die der demokratische Fraktionsführer Falck wahr­scheinlich morgen mit dem Ministerpräsidenten Braun haben wird.

Am Freitag hat sich auch die Zentrums­fraktion dcs Preußischen Landtages mit der erneuten Inangriffnahme der Wiederherstellung der großen Koalition in Preußen eingehend be­faßt. Eie hat den Gedanken auf das lebhaf­te st e begrüßt und den einmütigen Wunsch ausgesprochen, daß die Erweiterung der preußi­schen Regierungsbasis mit größter Be­schleunigung durch den Herrn Ministerpräsi­denten herbeigeführt werden möge. DieGer­mania" bemerkt dazu: Wir sind der Meinung, daß die unverbindlichen Besprechungen, die seit einigen Tagen im Gange sind, die Sachlage genügend geklärt haben und keine neuen Gesichtspunkte mehr einbringen werden. Es scheint uns deshalb geboten zu sein, daß der preuhischeMinisterpräsident als die maßgebende Persönlichkeit die weiteren Verhandlungen über die Regierungsbildung i n seine Hand nimmt und mit möglichster Be­schleunigung zum Abschluß bringt.

Ostpreußens Not.

Die Katastrophe der ostdeutschen Landwirtschaft.

Königsberg, 24. Jan. (WB.) Auf der Vollversammlung der ostpreußischen Landwirt­schaftskammer führte Präsident Dr. Brandes aus, daß das vergangene Jahr wieder im Zeichen der Unrentabilität mit allen ihren Folge­erscheinungen gestanden habe. Die Gesamt- verschuldung habe um 10,6 v. H. zuge­nommen. Die durchschnittliche Zinsbelastung sei auf 48,6 Mark je Hektar gestiegen. Die Zwangsversteigerungen landwirtschaft­licher Betriebe hätten bezüglich der Zahl der Betriebe um 28, bezüglich der Fläche um 23 v. H. gegen das Vorjahr zugenommen. Die gesun­kene Kaufkraft der Landwirtschaft mache sich natürlich auch in den städtischen Industrien geltend. Oberpräsident Siehr wies darauf hin, daß die landwirtschaftliche Krise im Laufe der Zeit an alle Kulturländer herantrete. In Er­kenntnis dieser Lage sei von den zuständigen Stellen in den letzten Wochen ein weitgehender landwirtschaftlicher Schutzzoll durch, geführt und damit die Frage, ob die Erhal­tung der deutschen Landwirtschaft für unser deutsches Volk notwendig ist, in vollem Sinne bejaht worden.

Oer Untergang der Monte Cervantes.

Kapitän Drcycr vermißt.

Hamburg, 24. Ian. (TU.) Die Hamburq-Süd- amerikanische Dampfschiffahrtsgescllschaft hat folgen­des Telegramm erhalten:Monte Cervantes" gestern 21 Uhr schnell nach Steuerbord gekentert. Kaum Zeit, daß sich noch an Bord befindliche Offiziere retten konnten. Kapitän Dreier, welcher beim Unter­gang auf Kommandobrücke, leider vermiß t." Nach einem weiteren Telegramm vom argentinischen Marinepiinisterium ragt das Schiff nur noch mit dem Backbordschraubenflügel aus dem Wasser hervor. Mit dem Eintreffen des nach Ushuaia unterwegs befindlichen Schwcsterschiffcs, derMonte Sar­miento" ist am 27. Januar zu rechnen. Die gesamten Lebensmittel konnten von Bord der'Monte Cervantes" noch rechtzeitig geborgen und nach Ushuaia geschasst werden, so daß für die Ver­pflegung der Schiffbrüchigen ausreichend gesorgt ist. Auch konnte der größte Teil des Gepäcks gerettet werden. Im Heimathafen Hamburg ist die Trauer über das tragische Ende des stolzen und beim Reisepublikum beliebten Schiffes allge­mein. Die Nachricht, daß sämtliche Passagiere und

Die MelmeennMe aus der Nottenkonferenz.

Oer italienisch-französische Gegensatz. - Tardieu droht die Konferenz zu sprengen. Was tut Macdonald?

Paris, 24. Ian. (KB.) Die französische Presse ist einmütig in ihrem Urteil, daß kein Land so offen und eindrucksvoll wie Frankreich durch den Wund des französischen TNinisterpräsidenten seine Bedürfnisse auf maritimen Gebiet präzisiert habe. Die Gegensätzlichkeit des italieni­schen und des französischen Stand­punktes wird besonders von dem zweifellos in überaus enger Fühlungnahme mit der französischen Delegation stehenden und beeinflußten Außenpoli­tiker des211 a t i n hervorgehoben. Die von Grandi vertretene These, so schreibt er, sei klar. Wenn Ita­lien beispielsweise die absolute Parität mit der französischen Flotte fordere, laufe das darauf hinaus, eine sehr beträchtliche U e b er­leg e n h e i t zu fordern, da ja Italien praktisch von seiner Flotte nur im INi11elmeer Gebrauch mache, während Frankreich sich auf drei Meeren verteidigen und seine Besitzungen in der ganzen Welt schützen müsse. Allerdings dürfe man sich nicht verheimlichen, daß die Argumente Grandis, daß man unmöglich existieren könne, wenn die Freiheit der Seeverbindungen nicht gewährleistet sei, frappieren. Es handle sich darum, wie die in der Welt bestehenden Sicherheitsbedingun­gen, der Wert des Völkerbundsstatuts, der Lo­carno-Abkommen und des Kellogg-Pakls abgeschäht und festgelegt würden. Danach werde es sich darum handeln, ob nicht durch präzise Verpflich­tungen unter den fünf Seemächten diese Sicher­heiten erhöht werden könnten. Von der Beant­wortung dieser Frage würden Frankreichs definitive Forderungen abhängen.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­graph" will erfahren haben, daß Tardieu und die französische Delegation Vorbereitungen träfen, um die ganze Grundlage der Flottenkonferen; in Frage zu stellen. Es handele sich um den Grundsatz, daß jeder Macht ein gewisses Stärke­

verhältnis gegenüber den anderen Mächten gegeben werden soll. Es sei damit zu rechnen, daß die französische Delegation den an­deren Delegationen sagen werde, sie könnte a u f dieser Grundlage nicht verhandeln, und das Bedürfnis jeder Macht müsse den Aus­gangspunkt der Erörterungen bilden. Dieser Schach­zug richte sich gegen Italien. Außerdem be­mühten sich die Franzosen, das englisch-fran­zösische M a r i n e k o m p r o m i ß von 19 2 8 wieder zu beleben, das Frankreich das Recht gegeben hätte, ungefähr ebensoviel Kreuzer wie Groß­britannien und eine unbegrenzte Zahl von kleineren U-Booten zu bauen. Der Korrespondent fürchtet, daß Macdonald aus Uebereifer nachgeben werde, um die Konferenz zu retten. Symptome zeigten, daß er eine gefährliche Neigung zu Zugeständnissen an Frankreich habe.

Ein pariser Versuchsballon.

Rückkehr zum britisch-französischen Marinekompromitz.

Paris, 25. Ian. (WTB. Funkspruch.) Der Londoner Berichterstatter des nationalen Blattes L'Ordre" will von einem englischen Minister die Aeuherung gehört haben, daß Englands! maritime Lage in Beziehung zu Frank­reich viel wichtiger sei als in Beziehung zu Amerika, da Frankreich und England zu­sammen Europa vollkommen beherrschen. Diese Aeußerung findet ihren Reflex in dem von einer ernst zu nehmenden Persönlichkeit ver­breiteten Gerücht, falls eine englisch-ameri­kanische Einigung nicht zustandekommen sollte, werde die künftige englische Regierung das französisch-englische Flotten- k o m p r o m i ß von 1928 wieder aufleben lassen und zu der alten Formel von der Fntent e co r di a l e zurückkehren, eventuell unter Hin­zuziehung Italiens.

Oer Siegeslauf der Technik.

Man würde von der Prosperität der Wirtschaft ein falsches Bild bekommen, wenn man nicht auch den Faktor der Leistungssteigerung durch die technischeVervollkommnung in Rechnung stellen würde. Da die Frage der Prosperität der Wirtschaft gegenwärtig zu einem elementaren Problem geworden ist, insofern, als Deutschland seinen Reparationsverpflichtungen nur nachkommen kann, wenn seine Wirtschaft auch ergiebig ist. ist ein Rückblick auf die Entwicklung der Technik nicht ohne Interesse, denn nur da­durch wird es möglich sein, diejenigen Schlüsse ziehen zu können, die notwendig sind, um der erforderlichen Prosperität die feste Basis zu ge­ben. Rur eine leistungsfähige Wirtschaft,' deren technisches Rüstzeug auf der Höhe der Zeit steht, kann auch den Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt bestehen. Von dem Stande der Technik im Jnlande hängt also nicht zuletzt die Entwick­lung der deutschen Ausfuhr ab.

Die M a s ch i n e ist hier der erste Schrittmacher gewesen. Während Deutschland im Jahre 1907 nur Antriebsmaschinen mit 6,22 Millionen PS in der Gesamtsumme hatte, dagegen Elektro­motoren von insgesamt 1,52 Millionen PS, sind jetzt 11,86 Millionen PS Elektromotoren vor­handen, während die Wind-, Wasser- und Wärmekraftmaschinen ungefähr auf dem gleichen Stand blieben. Die Bedeutung der elektri­schen Kraft wird aber von Tag zu Tag größer. Die elektrische Energie ist über ganz Deutschland verbreitet und während int Jahre 1925 nur 20,3 Milliarden Kilowatt an elektri­scher Kraft erzeugt wurden, ist die Zahl im Jahre 1928 bereits auf 27,9 Milliarden gestiegen. Eine andere Zahl ist hier von Interesse, näm­lich die des L o k o m o t i v b a u e s, der im letzten Jahre das hundertjährige Jubiläum feiern konnte. Im Jahre 1829 betrug die Leistung der ersten Lokomotive, die eine Länge von 4 Meter hatte,

20 PS und 45 Kilometerstunden. Die moderne deutsche Lokomotive hat eine Länge von 23,05 Meter und weist in ihrem Einheitsthp eine Leistung von 3000 PS und 120 Kilometerstunden auf.

Die Maschine hat fernerhin auch die Land­wirtschaft erobert. Im Jahre 1907 gab es in Deutschland nur 304 Dampf- und Motor­pflüge, 205 079 Sämaschinen, 307 454 Mähmaschi­nen und 732 772 Dreschmaschinen. Im Jahre 1925 gab es 8552 Dampf- und Motorpflüge, 509 176 Sämaschinen, 1 023 381 Mähmaschinen und 1 055 151 Dreschmaschinen. Die deutsche Textil- Industrie verfügt jetzt über 1 297 000 PS Kraft­maschinen, die Kraftmaschinenleistung im Berg - bau beläuft sich zur Zeit auf insgesamt 4 Mil­lionen PS und die gleiche Zahl hat auch die Eisen- und Metallindustrie aufzu­weisen. Die Leistungssteigerung der H o ch ö s e n verdient in diesem Zusammenhang ebenfalls Be­achtung. Im Jahre 1925 gab es zwar 211 Hoch­öfen, während es 1928 nur noch 184 gab, da­gegen konnte die Leistungsfähigkeit dieser Hoch­öfen für einen Zeitraum von 24 Stunden von 47 820 Tonnen auf 53 990 Tonnen erhöht werden.

Daß diese Entwicklung eine aufsteigende ist, bedarf wohl keines besonderen Hinweises. Und gerade hier liegt die Wurzel der Steigerung der deutschen Ausfuhr, bei der im Jahre 1928 von dem Gesamtbeträge der Ausfuhr in Höhe von 12,3 Milliarden allein 8,7 Milliarden auf deutsche Fertigwaren entfielen, die Erzeug­nisse technischen Könnens in Deutschland dar­stellen. Es wurden in diesem Jahre für rund 1 Milliarde Maschinen aller Art und für rund 400 Millionen elektrotechnische Erzeugnisse, sowie für 1,6 Milliarden Eisenwaren ausgesührt. Ilm den Anforderungen des TZoung-Planes gerecht zu werden, muß diese Entwicklung in allererster Linie fortgeführt werden.

die Besatzung gerettet werden konnten, wurde mit größter Befriedigung aufgenommen, wenn auch wahrscheinlich nach den letzten Mitteilungen mit dem Tode des Kapitäns Dreyer zu rechnen ist. Kapi­tän Dreyer ist gebürtiger Blankeneser und stand im 56. Lebensjahr. Er war ein bewährter, erfahrener und beliebter Kapitän und bereits seit dem Jahre 1899 in den Diensten der Hamburg-Südamerikani­schen Dampfschiffahrtsgesellschaft. Das Kommando derMonte Cervantes" hatte er feit dem März vorigen Jahres inne.

Aus aller Weli.

Auch in Amerika möglich.

Rach englischen Blättermeldungen steht Chi­cago (mit 3 Millionen Einwohnern die zweit­größte Stadt der LI. S. A.) vor dem Ban­kerott. Die Städtischen Kassen sind vollkommen leer. Die Besoldung der Polizei und der Feuer­wehr ist gefährdet. In zahlreichen Schulen sind die Lehrer seit einem Monat ohne Gehälter geblieben. Die Schulden der Stadt sollen rie­senhafte Ausmaße haben. Dies ist vor allem auf die rücksichtslose Finanzpolitik der letzten Jahre zurückzuführen. Die Lage wird als so ernst bezeichnet, daß ohne finanzielle Hilfsmaß­nahmen in der allernächsten Zeit mit einer SchließungderKrankenan st alten und Pflegeheime zu rechnen ist, wodurch Tau­sende von Kranken, Blinden, Lahmen, Tauben und Stummen auf die Straße geworfen würden. Die städtische Behörde, für die Unterhaltung der Schulen sah sich nunmehr gezwungen, eine Anleihe von 1,5 Millionen Dollar aufzuneh­men. Die Anleihe wurde aufgelegt, es wurde aber kein einziger Cent gezeichnet. Tau­sende von städtischen Beamten und Angestellten haben gestern kein Gehalt empfangen.

70. Geburtstag der Lindenwirttn.

Die bekannte Lindenwirtin von Godesberg, Aennchen Schumacher, feierte am Freitag ihren 70. Geburtstag. Die Feier gestaltete sich zu einem großen Ereignis für Godesberg und darüber hinaus für alle, die der Lindenwirtin die Treue be­

wahrt haben. Im Laufe des Tages liefen unzählige Telegramme ein, darunter vom Kölner Regierungs­präsidenten, von zahlreichen Professoren, Studenten, Dichtern und Persönlichkeiten des öffentlichen Le­bens. Den Höhepunkt bildete am Abend eine Feier in der Wohnung der Lindenwirtin. Die Feier wurde eingeleitet mit einem musikalischen Hoch des Männer- gefantzvereinsCäcilia". Zum Schluß der Feier fang die vieltausendköpfige Menge vor dem Hause be­geistert das Lied von der Lindenwirtin. Es folgte dann im Aennchen-Saal der Lindenwirtin ein Bür­gerkommers, an dem die Bürgerschaft und die Stu­dentenschaft regen Anteil nahmen.

Ein gutes Beispiel.

Das preußische Staatsministerium hat be­schlossen, angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen weite Bevölke- rungslreise zu kämpfen haben, den alljährlich veranstalteten großen parlamentarischen Empfangsabend der Staatsregierung in diesem Jahre nicht stattsinden zu lassen. Das Staatsministerium wird statt dessen einen Betrag für Speisungen bedürftiger Schulkinder zur Ver­fügung stellen.

Die Hindenburg-Spende.

Unter dem Vorsitz des Herrn Reichspräsi­denten trat das Kuratorium der Hinden­burg-Spende zu seiner vierten Sitzung zusammen. Die Stiftung Hindenburg-Spende ist bekanntlich vom Reichspräsidenten aus den ihm zu seinem 80. Geburtstag dargebrachten freiwilligen Beiträgen errichtet. Zugunsten von Kriegs­beschädigten, Kriegshinterbliebenen usw. hat sie im Jahre 1929 rund 1 Million Mark aufgewandt. In den reichlich zwei Jahren ihres Bestehens hat die Stiftung in rund 17 000 Fällen ins­gesamt über 3 Millionen Mark an Kriegs­beschädigte, Hinterbliebene, Veteranen usw. aus­gezahlt.

krebsforschungsinstilul in Kopenhagen.

Das Rockefeller-Jnstitut hat beschlos­sen, dem dänischen Carlsbergsfond eine Million Kronen zum Betriebe eines Krebsfor- schungsinstitutS unter Leitung des zur Zeit in

Berlin weilenden dänischen Krebsspezialisten Dr. Albert Fischer zu schenken. Der Dau und die Einrichtung dieses Instituts erfolgt auf Kosten des Carlsbergsfond. Man rechnet mit der Fertig­stellung des Instituts im Laufe von IVg Jahren. Bis dahin soll Dr. Fischer weiter in Berlin bleiben.

Byrd verlangt dringend Hilfe.

Das amerikanische Staatsdepartement hat sich an die norwegische und an die englische Regierung ge­wandt mit der Bitte, alle verfügbaren Walfisch­fänger zur Hilfeleistung für die in der Antarktis befindliche Byrd-Expedi­tion einzufetzen. Diese Bitte ist auf Grund einer Mitteilung des Admirals Byrd ausgesprochen wor­den. Darin heißt es, daß die Hilfsschiffe späte­stens bis zum 5. Februar in der Nähe des Expeditionslagers eintreffen müssen. Innerhalb von 14 Tagen müßten alle Expeditionsteilnehmer a b - geholt sein, da sonst keine Gewähr für freie Durchfahrt mehr bestehe. Die Vorräte sind bereits recht knapp geworden und es stehe au befürchten, daß bei einer Ueberminterung Nah- run gemittet mangel eintreten würde. Wegen der starken Eismauern könne das HilfsfchiffCity of Newyork" nur mit Hilfe größerer Schiffe durchkommen. Die britischen und die norwegischen amtlichen Stellen haben versprochen, alles zu tun, was in ihren Kräften steht.

14 Iahre für halry.

Der englische Finanz mann Hatry, dessen riesige Unternehmungen vor einiger Zeit unter aufsehenerregenden Umständen zusammen- bra ehe n und dem zum Vorwurf gemacht wurde, zwei Millionen Pfund sich betrügerischerweise an­geeignet zu haben, wurde zu einer Freiheits- ft r a f e von 14 Jahren verurteilt.

Fährschiffunglück auf dem Viktoriasee.

In der Rähe von Kigale in Ruanda ist ein Fährschiff auf dem Viktoriasee gesunken. Die Passagiere wurden ins Wasser geschleudert und sind, ohne wieder auf,zutauchen, verschwun­den. Wie man befürchtet, ist die Gegend von Krokodilen verseucht, die oft in ganzen Schwärmen in der Rähe der Unglücksstelle auf­tauchen. Die Unglücksstelle stellt die Hauptver­bindungslinie der Fährboote zwischen Uganda und Ruanda dar. Bei dem Unglück sind drei­zehn Personen, darunter ein Europäer, ums Leben gekommen.

Eine Augsburgerkonfessions"-kirehe.

Augsburg begeht in diesem Jahre die 400. Jahrfeier derConfessio Augustana. Als Auf­takt zu den kirchlichen Feierlichkeiten wird die neuerbaute St. Johanneskirchc in Augs- burg-Nord-Oberhausen am Pfingstmontag a I s K o n f e s s i o n s" - K i r ch e eingeweiht werden. Die Kirche ist in modernem Stil mit sechs seit­lichen Emporen auf verhältnismäßig kleinem Grundriß erbaut. Die Ausführung läßt besonders das Handwerkliche in Erscheinung treten.

Jan Mayen.

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Freitaa, 24. Januar, 1930,7"

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Wettervoraussage.

Die Warmluftwelle und das Niederschlagsgebiet der neuen Störung, welche gestern über England zu erkennen waren, sind südöstlich nach Frankreich vorgedrungen. Dabei streicht auch Warmluft nach Norden, entsprechend dem Lauf der Isobaren. Diese beeinflußt das westliche Deutschland und bildet im Grenzbereich des östlichen Hochgebietes Bewölkung und stellenweise Sprühregen. Entsprechend gestaltet sich auch die Temperaturverteilung über Deutschland. Im Westen 7 Grad Wärme, die nach Mitteldeutsch- land hin abnimmt bis um null Grad, und der Osten mit Frosttemperaturen bis minus 7 Grad. Für un­seren Bezirk werden die Temperaturen noch etwas ansteigen, aber mit dem alsbaldigen Vorbringen kühler ozeanischer Luft wieder sinken. Bewölkung wechselt mit Aufheiterung, jedoch sind verbreitete und stärkere Niederschläge nicht zu erwarten, son­dern nur ganz vereinzelte und geringe.

Voraussage für Sonntag. Bewölkung mit Aufheiterung, anfänglich leichter Temperatur­anstieg, dann aber kühler, keine oder nur ganz vereinzelt geringe Niederschläge.

Aussichten für Montag. Weitere Ab­kühlung mit leichtem Nachtfrost und teils wol­kiges. teils aufheiterndes Wetter.

Lufttemperaturen am 24. Januar: mittags 2,8 Grad Celsius, abends 0,5 Grad: am 25. Januar: morgens0,1 Grad. Maximum 0,8 Grad, Mini­mum 0,3 Grad. Erdtemoeraturen in 10 cm liefe am 24. Januar: abends 0,8 Grad: am 25. Ja­nuar: morgens 0,6 Grad Celsius. Sonnenschein­dauer 2,4 Stunden.

Amtliche Mnkersportnachrichken.

Alpen. Berchtesgaden: Klar, 0Grad, 6 Zentimeter Schnee, vereist, Sportmöglichkeit nur stellenweise.

Harz. Schierke: Klar, minus 0 Grad, Schnee­decke lückenhaft, nur Eisbahn mögliche