Ausgabe 
24.11.1930
 
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folonle Rettelnburg ist vom Wasser schwer bedroht. Die 40 Hektar große Fläche mit über 100 Häusern liegt zwei Meter tief unter Wasser. Die Einwohner sind zum Teil geflüchtet, an­dere wieder haben ihr Hab und Gut in die obe- ren Stockwerke gerettet. Da dos Wasser von Stunde zu Stunde stieg, war die Rettung des Viebs nur unter größten Schwierigkeiten möglich. Einige Züge der Hamburger und Bergedorfer Feuerwehr, sowie etwa 100 Reichsbannerleute von Bergedorf waren in Anwesenheit der Hamburaer Baupolizei tätig, um die größte Gefahr zu besei­tigen. In den D i e r l a n d e n sind die Brücken über- schwemmt worden.

Orkan über Oesterreich.

Wien, 23.*2lot>. (*25203.) Der Sonntag ge­staltete sich infolge des orkanartigen Sturmes, der in den Dormittagsstunden einsehte und mit einer Stundengeschwindigkeit von etwa 130 Kilo­meter mehrere Stunden hindurch wü­tete, in Wien und Umgebung zu einem wahren Katastrophentag. Schon in den frühen Morgen­stunden ging unter Blitz und Donner ein heftiger Regenschauer nieder. Um 12 Uhr setzte dann plötzlich der Sturm ein, der in der ganzen Stadt an vielen Häusern und, in den Gartenanlagen schweren Schaden verursachte. Das Dach der F l u g h a l l e des Flugplatzes Aspern wurde durch den Sturm teilweise äbgedeckt und die in der Halle befindlichen Flugzeuge durch die herabstürzenden Trümmern des Daches be­schädigt. Die Zahl der durch herabgerissene Dach­ziegeln, Rauchfänge und Firmenschilder ver­letzten Personen und durch den Sturm umgeworfenen Personen ist sehr groß: zwei Ver­letzte befinden sich in Lebensgefahr. Auch ein Todesopfer forderte der Sturm.

Schneesturm in den amerikanischen Südoststaaien.

Denver (Colorado), 23. Rov. (WTD.) 3n den Staaten Reu-Mexiko, Colorado, Arizona, Kalifornien, Revada, Texas und Oregon wüten Schnee stürm e von ungeheurer Hef­tigkeit. Rach den bisherigen Meldungen sind 15 Personen ums Leben gekommen, sieben werden noch vermißt. 3n Kalifornien wur­den bei den Trümmern eines während deS Schneesturmes abgestürzten Verkehrsflug­zeuges drei Leichen gefunden. Der im Süden des Staates mit besonderer Heftigkeit wütende Sturm hat den gesamten Verkehr lahm­gelegt. Fensterscheiben eingedrückt, zahlreiche Schuppen umgerissen und Tausende von Bäu­men entwurzelt. Vier Personen wurden ge­tötet, zahlreiche verletzt.

Aus oder Welt.

Do X in La Loruna.

A n Bord des Do X, 23. Rov. (Copyright Wolffbureau.) Do X ist am Sonntag um 11.29 Uhr deutscher Zeit von Santander gestar­tet. Sieben Passagiere an Bord; es sind 12 000 Liter Dentin mitgenommen, Wasserspiegel glatt, Wetter gut; an Bord alle- in bester Ordnung. Do X startete 100 Meter seitlich von der Kai­mauer, die dicht von Menschen beseht war! große Begeisterung. Rach wundervollem zweieinhalbstündigem Flug entlang romantischer, wilder Küste Spaniens 13.10 Uhr im Hafen von (Jorun a, 300 Meter vom Kai entfernt, glatt gelandet. Do X flog sicher und ruhig wie gewohnt. An Bord alles wohl. Torpedoboote begrüßen uns. Flug. Landung und Empfang wie im Märchen. Weiterslug nach Lissabon nicht vor übermorgen.

Studentischer Ordnungsdienst in Berlin.

3n einer Besprechung, die der Rektor der Berliner Universität, Prof. Dr. De mann, mit den Führern der einzelnen Studentengruppen haben wird, wird voraussichtlich ein studen­tischer Ordnungsdienst beschlossen wer­den, den nach den Zusammenstößen in der Ber­liner Universität der Rektor selbst an­geregt hatte. Von besonderer akademischer Seite erfährt dieMonvagspost" dazu noch folgendes: Der Gedanke eines studentischen Ordnungsdienstes ist allgemein von der Studentenschaft mit großer Sympathie auf genommen worden. Der Ordnungs­dienst wird etwa 70 bis 80 Studenten umfassen müssen. Es sind bereits Richtlinien ausgearbeitet worden, in denen u. a. gesagt wird, daß der Ordnungsdienst berechtigt ist, sich die Stu­dentenkarten vorweisen zu lassen, um zu prüfen, ob es sich in jedem einzelnen Fall um einen Angehörigen der Berliner Universität handelt.

Der Prophet Weißenberg.

Vor dem Einzelrichter beim Amtsgericht Berlin- Mitte ging am Samstag ein Privatbeleidigungs- prvzeß zu Ende, den der Herlmagnetiseur 3osef Weißenberg gegen den Redakteur Preuß an­gestrengt hatte, weil er in der , Zeitschrift für Volksaufllärung" toe gen Kurpfuschertum und Heilmittelschwindel das Verhalten Weißenbergs als gemeingefährlich und schwindelhaft gebrandmarkt hatte. Redakteur Preuß wurde auf Kosten des Privatklägers f r e i- gesprochen. 3n der Urteilsbegründung wird ausgeführt, daß der Weißenberg gemachte Vor­wurf der Gemeingefährlichkeit fach­lich begründet sei. Was den Vorwurf der Echwindelhaftigkeit anlange, so fei dem Angeklag­ten die Wahrung berechtigter 3ntereffen zuzu- btlhgen gewesen. Die Vorwürfe seien von dem Angeklagten in rechtlich-zulässiger Kri- 111 hinreichend begründet worden.

Matthes dementiert seinen Tod.

3n einem Deleidigungsprozeß, der dieser Tage in München verhandelt wurde, war mitgeteilt worden, daß der berüchtigte Separatist Peppi Matthes in seinem Exil in Paris gestorben fei. DerBeobachter am Main", der daraufhin dem aus Aschaffenburg ftam- menben Matthes einenRachruf" widmete, er­hielt nun aus Paris eine Karte von Matthes, auf der erfür die erwiesene Teilnahme herz­lichen Dank" ausspricht.

Ein Personenauto raff in eine Sänger gruppe.

Das Privatauto eines Heilkundigen aus Gab- lenberg fuhr in der Stuttgarter Vor- stadt Ost heim in eine Gruppe Sänger, die ein Ständchen brachten. 28 Personen wurden teils schwer, teils leichter verletzt ins Krankenhaus eingeliefert Der 42 3ahre alte Tischlermeister Sprosser ist feinen Verletzungen erle­gen. Ein weiterer Schwerverletzter schwebt noch in Lebensgefahr.

I 2fue Der prvvinzialbaupistadt.

Gießen, den 24. November 1930.

November-Llnwetter.

Nachdem die anhaltenden Regenfälle der letzten Tage auch im Verlaufe des ^ünstagnachmittag und -abend sich fortgesetzt hatten, brach in der Rächt zum Sonntag über Gießen und Umgegend ein gewaltiges Unwetter los, bei dein ein außerordentlich starker Sturm harschte und heftige Regenfälle nieder­gingen, wobei es auch an Blitz und Donner nicht fehlte. Der Sturm war von so großer Ge­walt, daß ihm an den Landstraßen nach Reis­kirchen und nach Steinbach zu eine Anzahl Bäume 3um Opfer fielen, in Gärten und Anlagen des Stadlbereiches ebenfalls Bäume, Siräucher und teilweise Zäune umgelegt wurden, an manchen Dächern mehr oder minder großer Schaden ent­stand,^ u. a. besonders an einem Fabrikgebäude im Südviertel, so daß die Feuerwache als Mäd­chen für alles beim Räumen der Straßen aller­lei Arbeit vorfand. Die starken Regengüsse liehen die Lahn und die W i e s e ck noch mehr an­schwellen, so daß beide ganz erheblich über ihre Ufer traten. 3m Stadtoereich der Lahn wurde die Kalamität des Hochwassers gestern früh so stark, daß in der Schützen st rahs Stege erbaut werden mußten, um den dor­tigen Anwohnern die' Passiermöglichkeit zwischen ihren Häusern und der Stadt zu schaffen. Da sich die Wassernot für die Schützenstraße im Ver­laufe der letzten 3ahre schon wiederholt bemerk­bar gemacht hat, dürfte es sich vielleicht emp­fehlen, dem Uebel durch Höherlegen der Straßen­fläche gegenüber den angrenzenden Dleichwiesen ein für allemal abzuhelfen. Trotz des starken Hochwassers versuchten gestern mittag zwei junge Leute in einem Doot auf der Lahn spazi eren zu fahren und dabei das Wehr bei den Mühlen zu überqueren. Die leicht­sinnigen Menschen hatten aber die Gewalt der Strömung des Wassers unterschätzt, und so er­lebten sie, daß das Wasser dicht unterhalb des Wehres den Kahn umwarf und beide in die hochgehenden Fluten fielen. Mit äußerster Kraftanstrengung konnten sie sich bis an die Büsche an den Bleichwiesen heranarbeiten und sich dort an dem Strauchwerk festhalten, bis ihnen zwei beherzte Männer mit einem Doot Hilfe brachten und sie dem nassen Element entrissen. Mit dem Sanitätsauto der Feuer­wache wurden die Verunglückten nach Hause gebracht. 3m Verlaufe des gestrigen Tages und der letzten Rächt erfuhr die Wetterlage erfreu­licherweise eine weitgehende Verbesserung, die Regenfälle hörten auf, und heute früh haben wir sonniges, wenn auch etwas dunstiges Früh- tointertoetter zu verzeichnen. Die Wasserfl ut ist unter der Einwirkung dieses Witterungs- umschlags bereits etwas zurückgegangen

Auch aus der ilmgegenö von Gießen liegen eine Anzahl Meldungen über Wasser- und Sturmschäden vor. il. a. sind die Wetter in der Gegend von Lich und die Horloff in der Gegend von Hungen und weiter abwärts über die Ufer getreten und haben große Strecken des Landes unter Wasser gesetzt. Aus Treis a. d. Lumda wird uns heute früh berichtet, daß der Wirbelsturm in der Rächt zum Sonntag das Dach der dortigen Kirche abgehoben und auf den Kirchhof geworfen hat. Aus dem Vogelsberg und aus dem Taunus, dem Odenwald und dem Spessart wer­den erhebliche Schäden durch Windbruch be­richtet.

Wechsel im Kommando unseres Bataillons.

Der Kommandeur unseres 1. Batl. Inf. Rgt. 15 und Landeskommandant in Hessen Oberstleutnant L ü« t e r s wurde mit Wirkung vom 1. Dezember ab in den Stab der 5. Division nach Stuttgart versetzt. Zum Kommandeur unseres Bataillons wurde Major Klepke ernannt, der bis zum 1.Oktober bei der Infanterieschule in Dresden war und seitdem beim hiesigen Bataillon stand.

Totensonntag-Feier.

Der gestrige Totensonntag nahm auch in unserer Stadt den gewohnten würdigen Verlauf. Die Kir­chen waren in den Gottesdiensten stark besucht, und auch am Abend bei der kirchenmusikalischen Feier in der Stadtkirche (vgl. besonderen Bericht) waren Hunderte zugegen. Rach den Friedhöfen pilgerten trotz des rauhen Wetters vom Vormittag an bis jum späten Rachmittag große Scharen von Mit­bürgern, um dort die Gräber ihrer verewigten Angehörigen zu schmücken und dabei in stillem Gedenken zu verweilen. Der Zentralveröand deut­scher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebe­nen. Ortsgruppe Gießen, ließ durch eine Abord­nung unter Führung des 2. Vorsitzenden Schuh- madjer zum Gedenken an die gefallenen Kame­raden auf dem Ehrenfriedhvf einen Kranz nieder­legen. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen und das Reichsbanner Schwarz-Rvt-Gvld veranstalte­ten am Rachmittag, ebenfalls auf dem Ehren­friedhof, gemeinsam eine Gedenkfeier, bei der die Kapelle zu Beginn einen Choral spielte und an­schließend der Arbeitergesangverein fang. Die Ge­denkrede hielt Lehrer Weih, Vilbel. Don den Vertretern beider Organisationen wurden Kränze mit Schleifen in den Reichsfarben niedergelegt, der Arbeitergesangderein und die Musikkapelle be- schlossen mit ihren Darbietungen die Feierstunde. Dieser Feier voraus ging in der Mittagsstunde eine vorn Reichsbund der Kriegsbeschädigten im Lichtspielhaus Bahnhofstraße veranstaltete Vor­führung eines Films unter dem TitelMahnruf der Kriegsopfer".

Auch in einer Reihe von Orten in der Provinz Oberhessen wurden nach den uns heute früh vor­liegenden Berichten würdige und eindrucksvolle Totengedenkfeiern veranstaltet, bei denen die Geistlichen auf den Friedhöfen bzw. in den Kir­chen die Gedenkreden hielten, Gesang- und Musik­vereine mit ihren Darbietungen die Feierstunde bereicherten, Kriegervereine usw. Kränke an den Denkmälern niederlegten. Da diese Feiern in allen Orten in der Hauptsache gleichartig verliefen, müssen totr in Anbetracht des stark in Anspruch genommenen Raumes von dem Einzelabdruck der Berichte Abstand nehmen, können aber hier feft- ftellen, daß alle Feiern dem tiefen Ernst des Tages in vollem Umfange entsprachen.

Kirchenmusikalische Feierstunde.

Welchen Wert die kirchenmusikalischen Feierstunden haben, bewies der überaus starke Besuch der Veranstaltung des E v a n g. Kirchengesangvereins am gestrigen To­tensonntag. Die Stadtkirche war bis auf den letzten Platz besetzt.

Die Vortragsfolge wies Werke von Dach und Tundec auf, war der Bedeutung des Tages Totensonntag angemessen und in vornehmer Weise zusammengestellt.

Mit 3. Seb. Dachs Orgrlphantasie in OWoll, die sich zur Einleitung eines solchen Abends be­sonders eignet, begann die Veranstaltung. Stadt­organist H. Simon baute das Werk in stil­voller Weise und zwingender Konsequenz auf. Darauf folgte ein Rezitativ und eine Arie für Tenor aus Bachs KantateKomm du süße Todes­stunde". Pfarrer Lia La u n schöpfte sie mit ein­leuchtender Sicherheit, unterstützt durch ein klang­reines und modulationssLH:ges Organ, musikalisch aus. Di« Gröhe seiner Gestaltungskraft kam spä er, es fei hier vorweggenommen, noch in schönster Weise bei der Wiedergabe von 3. S. Bachs Komm süßer Tod" zur Geltung und verschaffte gerade diesem letzteren Werk einen tiefen Eindruck.

Frl. Christ lene Partenheimer (Sopran) vermittelte mit bemerkenswerten stimmlichen Mit­teln ein Werk von Tundec und vermochte in der Kantate DachsWachet auf" bei zwei Duetten mit Baß von der Klangkultur ihres Organs zu Überzügen. Frl. 3da Stammler fang eine Arie aus Bachs KantateKomm du süße Todesstunde" undSo wünsch' ich mir zu guterletzt". 3hr trag- sähiges Alt verhilft ihr stets zu einem Erfolg, ter aber nicht zum wenigsten auch in ihrem reifen Vortrag begründet liegt.

Zum Schluß folgte Dann die Kantate Bachs: Wachet auf ruft uns die Stimme". Der Chor des Evangel. Kirchengesangvereins klang sehr voll und ausgeglichen. Die einzelnen Stimmen scheinen durchweg gut beseht, und der Chor folgt dem Dirigenten in sicherer Weise. Man konnte feststellen, daß er ein sicheres Instrument in der Hand seines Führers ist. Lehrer 2 i n - denstruth, der den Verein feit einiger Zeit leitet, hat mit dieser Veranstaltung bewiesen, daß seine Arbeit wertvolle Frucht getragen hat. 3n der Kantate fang Organist Simon die Baß- partie mit weicher, warmer 3ntonation und siche­rer Gestaltung. 3n den Duetten für Sopran und Daß paßte er sich seiner Partnerin in bester Weise an. An sonstigen Mitwirkenden sind zu nennen: Frau Dr. Spohr, die die oblig. Violine in einer 2lrie der Kantate in der von ihr bekannten vollen­deten Weise spielte, Herr W ä h r u m, der die Oboe-Partie einer Arie übernommen hatte, und Frau Elfriede Fischer, die am Flügel (Cem­balo) nicht nur einen sicheren Continuo, sondern auch eine stützende, feinsinnige Begleitung der Arien und Rezitativs gab. Das Orchester, das dezent und ausgeglichen begleitete, bestand aus Herren des Gießener Orchestervereins.

Der Evang. Kirchengesangverein hat mit seiner Ausführung den zahlreichen Hörem eine Stunde schönsten und tiefsten Erlebens gebracht. B.

Berufskundlicher Vortragsabend.

Man berichtet uns: Der berufskundliche Vor­tragsabend am Donnerstag brachte drei Refe­rate über die Berufe der Verkäuferin, der Mo­distin und der Hausgehilfin.

Kaufmann Karl Röhr jun. (Gießen) gelang e«, die mannigfachen, z. T. falschen Meinungen über den Beruf der Verkäuferin zu klären. Es sei falsch, führte der Redner u. a. aus, anzunehmen, daß dieser Beruf leicht sei und von jedem jungen Mädchen ergriffen werden könne, der Beruf stelle vielmehr nicht nur hohe Anforderungen an die Körperkraft, an tadellose Gesundheit und beste älmgangssormen. Die Haupt- auf gäbe der Verkäuferin sei, zu dienen, einmal dem Kunden, zum * andern aber auch dem Ge­schäft, indem sie zwischen Kunden und Geschäft vermittele. Mit eindringlichen Worten warnte Herr Röhr vor einer Unterschätzung dieses Be­rufes.

Frau Prüfungsmeifterin L. Dock (Gießen) hatte die Aufgabe übernommen, über den Be­ruf der M o d i st i n zu sprechen, der im Gegen­satz zur ileberfüflung in anderen Berufen tüch­tigen talentierten Mädchen gute Erwerbsmöglich- feiten biete. Als Grundbedingung für die Er­lernung dieses Berufes forderte sie ebenso ein­dringlich wie ihr Vorredner vor allem gesunden Nachwuchs, da, wie sie an der Hand einiger Lichtbilder zeigen konnte, die Modistin meist sitzend und in gebeugter Haltung arbeitet. Weiter­hin ist Vorbedingung ein gewisses Maß künst­lerische Phantasie und guter Geschmack, zumal Die Modistin sich stets nach der Individualität ihrer Kundschaft richten müsse.

Heber die hauswirtschaftliche Lehre (geprüfte Hausgehilfin), die in unsrer Gegend noch nicht sehr bekannt ist, sprach Frau Rektorin Weitzel (Gießen). Sie trat der üblichen, auch bei den Hausfrauen selbst weithin verbreiteten Meinung entgegen, daß der Beruf dec Haus­gehilfin zweitrangig und im Grunde nur für weniger intelligente Mädchen sei, und forderte die zahlreich erschienenen Mädchen auf, in die hauswirtschaftliche Lehre einzutreten, da tüch­tige Hausgehilfinnen immer gesucht seien. Die Lehrzeit dauere zwei 3ahre und werde durch eine Prüfung abgeschlossen. Unter Zuhilfenahme von sehr instruktiven Lichtbildern zeigte die Red- nerin die Notwendigkeit einer durchgreifenden Reform der Haushaltführung.

Vornotizen.

Tageskalender für Montag. Goethe-Bund: 1. Dich ter abend, 3ofef Ponten lieft aus eigenen Werken; 20 Uhr, Reue Aula. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Dec Korvetten­kapitän". Astocia-Lichtspiele:Das Schwei­zerland".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Ein Weck Gerhart Haupt- manns, der zur Zeit des Naturalismus zum Künder der tiefsten Nöte seiner Mitmenschen wurde, gelangt morgen unter der Spielleitung von Peter Fassott zur ErstaufführungRofe Bernd". Die Rolle der Rose Bernd spielt Hilde Schwend.

Von der Volkshochschule wird uns geschrieben: 3m Rahmen derUnterhaltungs­stunden für jedermann", die jeden Dienstag und Freitag 16 Uhr im Singsaal des Realghm- nasiums (Ludwigstrahe) stattfinden, spricht morgen (Dienstag) Stadtschulrat Fischer über das Thema:Was muh jeder Staatsbürger von der Reichsverfassung wissen?" (Näheres siehe heutige Anzeige.)

Aktuelle Lebensfragen." Man schreibt uns: Nachdem Lic. Robert Goebel am Freitag, 14. November, über einzelne Seelen- kcankheiten, die m der heutigen Zeit besonders Vorkommen, und über Wege zu deren Heilung gesprochen hat, wird in dieser Woche Wilhelm Keiber (Nürnberg) das Thema behandeln: Krankheit, Vererbung. Erbsünde". Der Vortrag findet morgen Dienstag, 25. November, statt. (Siehe heuttge Anzeige.)

3n den Astoria-Lichtfpielen läuft heute, Montag, morgen, Dienstag, und am Mitt­woch der KulturfilmDie Schweiz", der von dem Ingenieur Voglsang, einem gründlichen Ken­ner des Landes, ausgenommen wurde.

' Forstperfonalie. Der Förster Heinrich Trupp zu Eichelsachsen wurde in gleicher Eigen­schaft an die Försterei Homberg, Forstamt Hom­berg, verseht.

Straßenausbau des vorderen Rieaelpfades. Nachdem zwischen Stadt und Eifenbahnverwaltung eine Verständigung über die Verbreiterung des vorderen Riegelpfades Strecke zwischen Ludwig- und Liebigstraße dem jenseitigen Bahndamm entlang herbeigeführt war, hat man im Laufe dieses Herbstes den hauptsächlich für Fußgängerverkehr in Frage kommenden Straßenteil ausgebaut. Längs deS Bahndammes ist eine Böschungsmauer aus Beton aufgeführt und mit einem Eisengelünder ver­sehen worden. Entlang dieser Böschungsmauer und den gegenüberliegenden Wohnhäusern wurde je ein ein Meter breitet Bürgersteig angelegt Die Fahrbahn wurde neu aufgeschottert, ge­walzt und mit Teermakadam versehen. Da auch ausreichende Beleuchtung vorhanden ist, kann die Verbindungsstraße, die den Hauptveröehr zwischen Bahnhof und Ostviertel vermittelt, nun­mehr bei jeder Tag- und Nachtzeit gefahrlos benutzt werden.

** Vortragskursus über landwirt­schaftliches Genossenschaftswesen. Das Landwirtschaftliche Institut der Landesunioersttät Gießen veranstaltet in Gemeinschaft mit dem Ver­band hessischer landwirtschaftlicher Genossenschaften in Darmstadt, dem Ländlichen Genossenschaftsverband Raiffeisen in Frankfurt und dem Naiffeisenverband Ludwigshafen in den Tagen vom 4. bis 6. Dezember in Mainz und in ließen am 12. und 13. Dezember in der Neuen Aula der Landesuniversität je einen Dortragskursus über landwirtschaftliches Genossen­schaftswesen.

O-Zug fährt in eine Schafherde.

WSR. Frankfurt a. M., 23. Rov. Am Samstagnachmittag wurde zwischen den Stationen Langenselbold und Rieder-Mittlau auf freier Strct*''ine Schafherde von einem Schnellz.u g überfahren, wobei 25 Schaie getötet wurden. Die Schafe waren von einer angrenzenden Wiese auf den Bahn­körper gekommen.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

M. D. 1870. Beim Abschluß aller Arten von Versicherungsverträgen ist große Vorsicht ge­boten. Sie enthalten vielfach die Bestimmung, daß der Vertrag im Falle nicht rechtzeitiger Kündigung für eine bestimmte Reihe von 3afjren weiterläuft. Auch in 3Hrem Falle besteht diese Möglichkeit; der alte Vertrag ist daraufhin zu prüfen. Wie Sie schreiben, wurde die Jahres- Prämie für 1929 vorbehaltlos entrichtet. 3n der Zahlung kann eventuell eine neue Bindung er­blickt werden.

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Wettervoraussage.

Nach dem Abzug der gestern über Skandinavien gelegenen Störung ist der Luftdruck über dem Fest- lande infolge der zugeströmten Kaltluft weiter an. gestiegen, und über Süddeutschland hat sich ein Hoch, druckkern gebildet, der zu etwas ruhigerem Wetter ührte. Die Temperaturen haben einen allgemeinen Rückgang erfahren und lagen besonders in Süd- deutschland um den Gefrierpunkt. Die Besserung wird edoch nur vorübergehend sein, denn über Irland ist ein neuer Sturmwirbel mit starkem Barometergefälle erschienen, er hat in der letzten Nacht dort Nieder- chläge von über 20 mm auftreten lassen. Auch ist die Luftbewegung in ihm ziemlich lebhaft, so daß sein Weiterzug schnell vor sich geht und bei uns morgen wieder schlechteres Wetter zu erwarten ist.

Aussichten für Dienstag: Erneute Wet- terverschlechterung, Eintrübung und Erwärmung dabei zeitweise Niederschlag, zunehmende Luftbewe-' gung.

AussichtenfürMittwoch: Wechselnde Be- wölkung mit Aufklaren, Temperaturen schwankend.

Lufttemperaturen am 23. November: mittags 6 Grad Celsius, am 23. November: abends 5,8 Grad; am 24. November: morgens 3,3 Grad. Maximum 11,7 Grad, Minimum 3,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. November: abends 5,8 Grad; am 24. November: morgens 4,8 Grad. Nieder- fchläge 1,1 nun; Sonnenscheindauer 1K Stunde.

(panflavin'

T/ PASTILLEN

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