am 14. August 1914 die Kriegsformatton Land- Wehr-Insanterie-Regiment Ar. 116 ausrückte.
Die Wiedersehensfeier im schön geschmückten Saale des Cafe Leib eröffnete die Kapelle K r e n g e l mit dem historischen Parademarsch des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Regiments Ar. 116. Der Vorsitzende der Landwehr-Vereinigung 116er Gießen, Kamerad Wilhelm 2 o p f, begrüßte die Erschienenen mit herzlichen Worten. Er gedachte des begeisterten Ausmarsches des Regiments. der schweren Kämpfe in der Champagne und im Argonnerwald und der treuen Kameradschaft, die im Felde geschlossen worden war. Weiter sprach er die Hoffnung aus, daß diese Kriegskameradschaft sich auch fernerhin bewähren möge. Dann schloß sich eine Totenehrung an, wobei der Vorsitzende die Treue der Gefallenen und die Vaterlandsliebe als höchste Tugenden des Soldaten feierte. Die Versammlung sang stehend das Lied „Ich batt' einen Kameraden". Eine Abordnung begab sich dann zum 116er°Denkmal auf dem Landgraf-Philipp-Platz und legte einen Kranz nieder.
Der ehemalige Stabsarzt des Regiments, Kam. Professor Dr. Grosser. Frankfurt, hielt einen interessanten Vortrag über das Thema „Aus den Krieasabschnitten der Landwehr 116 und der heutige Zustand der Gegend in den Argonnen". Die Kameraden folgten mit Spannung den Ausführungen des Redners. Den Dank der Versammlung sprach Kam. D o p f aus. Kam. V o - den schätz, Vorsitzender des 116er-Dereins Offenbach, feierte anschließend die Kameradschaft in begeisterten Worten und schloß mit dem Hoch auf das Vaterland, worauf das Deutschlandlied gesungen wurde. Für den Verband ehemaliger 116er-Vereine sprach Kam. Stork und gab feiner Freude über das gute Gelingen des 1. Landwehrtages in Gießen Ausdruck. Sodann entwickelte sich ein frohes Wiedersehen der Kameraden, die sich zum Teil seit dem Kriege nicht wieder begegnet waren. Alte Freundschaften wurden erneuert und bei den schönen alten Alilitärmärschen gefeiert. Vielen kam die Scheidestunde viel zu früh. Eine Familienfeier im Cafe Krämer vereinigte abends noch eine Anzahl Kameraden mit ihren Familien auf mehrere Stunden.
Flaggenregelung für die Evangelische Landeskirche Hessens.
WSA. Die vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß beschlossene Kirchenflagge (violettes Kreuz auf weißem Grunde) wird jetzt amtlich für die Evangelische Landeskirche in Hessen eingeführt. Ahn eine gleichmäßige Beflaggung herbeizuführen, hat die hessische Kirchenregierung angeordnet, daß die Kirchenflagge von der Kirche und ihren Unter- verbänden und Gemeinden bei kirchlichen Anlässen zur Beflaggung der kirchlichen Gebäude zu verwenden ist. Zur Verwendung der Kirchenflagge sind auch evangelische Anstalten und Vereine berechtigt, sowohl bei kirchlichen Anlässen, als auch bei solchen Anlässen, die für den Verein oder die Anstalt eine entsprechende Bedeutung haben. Bei nichtttrchlichen Anlässen ist die Verwendung der Kirchenflagge in der Regel auf Fälle zu beschränken, in denen ein Festgottesdienst stattfindet. Im Rahmen dieser Bestimmung wird die Verwendung der kirchlichen Flagge auch Privaten empfohlen.
Steuererleichterung bei bewilligten Kapitalabfindungen.
Der Verband der Kriegsbeschädigten und Krie- gerhinterbliebenen der Kriegerkameradschaft „Has- sia" teilt mit:
Äie Organisation der Kriegsbeschädigten der Kri^gerkameradschaft „Hassia" ist beim Reichs- sinanzministerium vorstellig geworden, um die Befreiung von der Grunderwerbsteuer in solchen Fällen zu erwirken, in denen Kapitalabfindungen aus Mangel an Mitteln nicht bewillig t werden konnten, im übrigen aber die Voraussetzungen für Bewilligung der Kapitalabfindung vorlagen. Der Reichsminister der Finanzen hat daraufhin
Der preisgekrönte Entwurf von Professor A. Poelzig für den Umbau der Berliner Neuen Wache zu einem Gefallenen-Ehrenmol.
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an den Verband der „Hassia" ein Schreiben folgenden Wortlauts gesandt:
„Ich habe mich damit einverstanden erklärt, daß Kriegsbeschädigten oder Hinterbliebenen von Kriegsteilnehmern in allen Fällen, in denen zwar die Voraussetzungen für die Gewährung einer Kapitalabsindung zum Erwerbe eines Grundstücks vorliegen, in denen die Kapitalabfindung aber nicht gezahlt werden kann, weil zur Zeit genügende Mittel nicht zur Verfügung stehen, die Grunderwerbssteuer nebst Zuschlägen vorläufig zinslos gestundet und die Bescheinigung aus § 24 GrStG. erteilt wird."
In Ausführung dieses Erlasses muß dem Finanzamt durch eine Bescheinigung des Versorgungsamtes nachgewiesen werden, daß die Voraussetzungen für die Gewährung einer Kapitalabfindung gegeben sind. Die Bescheinigung aus § 24 des GrStG., die vom Finanzamt zu erteilen ist, betrifft die Eintragung des Erwerbers in das Grundbuch. Diese Eintragung darf erst dann stattfinden, wenn dem Grundbuchamt eine Bescheinigung der Steuerstelle beigebracht ist, daß die Steuer für den Cigentumsübergang gestundet wurde. Durch die vorstehende Verfügung des Reichsministers der Finanzen dürfte eine wesentliche Steuererleichterung erreicht worden sein.
Daten für Freitag, 25. Juli.
Sonnenaufgang 4.13 Uhr, Sonnenuntergang 19.59 Uhr. — Mondaufgang 2.42 Uhr, Monduntergang 20.28 Uhr.
1655: der Dichter Friedrich v. Logau in Lieg- nitz gestorben: — 1818: der Naturforscher Iakob v. Tschudi in Glarus geboren.
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“ DasStudium des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens an der Universität Gießen. Das Seminar für ländliches Genossenschaftswesen beim Landwirtschaftlichen Institut der Universität Gießen hielt im Rahmen des feit Wintersemester 1928/29 eingerichteten Studiengangs über landwirtschaftliches Genossenschaftswesen im vergangenen Wintersemester folgende Vorlesungen und Uebungen ab: Grundlagen des Genossenschaftswesens (Prof. Günther), Genossenschaftsrecht (Prof. Eger), Einrichtung und Geschäftsführung von landwirt- schafllichen Genossenschaften (Derbandsdirektor Berg), Ausgewählte Kapitel aus der genossenschaftlichen Praxis (Verbandsdirektor Berg), Genossenschaftliche Finanzierungsfragen (Prof. A u l e r), Absatzproblem, Standardisierung und Qualitätsverbesserung in der Landwirtschaft (Dr. I
Pfaff), Genossenschaften in Tierzucht und Molkereiwesen (Prof. K r a e m e r), Die echi- schen, sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen des Genossenschaftswesens (Dekan Vogel), Landw. Samenkunde (Prof. S e s s o u s), Dünger- und Futtermittelkunde (Prof. Kleber- g e r), Geld und Kredit (Prof. M o m b e r t), Agrarwesen und Agrarpolitik (Dr. Mayer), Genossenschaftsseminar (Prof. Günther, Verbandsdirektor Berg, Dr. Pfaff), Uebungen in Warenkunde (Prof. S e s s o u s , Prof. K lebe r g e r). Im Seminar erstatteten im Verlaufe des Semesters eine Reihe hervorragender Fachvertreter der Wissenschaft und Praxis wertvolle Referate. Mit Unterstützung der Genossenschaftsverbände wurden mehrere Exkursionen zur Besichtigung genossenschaftlicher Einrichtungen der verschiedensten Art unternommen. Die Vorlesungen und Uebungen wurden nicht nur von Studierenden, sondern auch von Genossenschaftsbeamten als Hörer besucht. Der neu eingerichteten Zusahprüfung im Genossenschaftswesen unterzogen sich im Sommersemester 1930 fünf Kandidaten mit gutem Erfolg.
** Vereinigung der Freunde des Seminars für ländliches Genossenschaftswesen beim Landw. Institut der Landesuniversität Gießen. Bei der Wahl des Vorstandes der Vereinigung wurden gewählt: Derbandsdirektor Berg, Darmstadt, zum 1. Vorsitzenden, Derbandsdirektor Dr. A o l d e n , Frankfurt a. M., zum 2. Dorsihenden, Oberrevisor Hartmann, Gießen, zum Schriftführer, Derbandsgeschäftsführer Beck, Frankfurt a. M., zum Schatzmeister. Lehrer Gaß, Dutenhofen und Generalsekretär Dr. Rohr, Ludwigshafen a. Rh., zu Beisitzern, Professor Dr. S e s s o u s , Gießen, als Dertreter des Genossenschaftsseminars. Dem Ausschuß gehören außer den vorstehend genannten Vorstandsmitgliedern an: Verbandspräsident Dill, Ostheim, Direktor Steinhäuser, Butzbach, Direktor S t r as - b u r g e r , Darmstadt, Direktor Dr. Winckler- Krämer, Darmstadt, Direktor Beiser, St. Iohann, Rechner G ö t t m a n n , Höchst i. O., Direktor Scheuermann, Ober-Ingelheim, Rechner Becker, Kesselbach, Direktor K u h n - Frankfurt a. M., Dekan Bogel, Bruchenbrücken, Genosfenschaftsvorsteher Reitz, Hochelheim, Genossenschaftsvorsteher Hildebrand, Aieoer- Weifel, Bürgermeister Loos, Hergenroth, Direktor Diefenbach, Frankfurt a. M.
"DieAltersvereinigung 1 8 7 0/1 920 beging am Samstagabend und am Sonntag gemeinsam die Feier des 60. Geburtstages ihrer Mitglieder. Am Samstagabend wurde die Der»
anstaltung durch einen schön verlaufenen Herrenabend im Schützenhaus eingeleitet. Die Hauptfeier mit den Familienangehörigen fand am Sonntagnachmittag im Philosophenwaldrestaurant statt. Hier begrüßte der Dorsitzende dey Dereinigung, Stadtratsmitglied S ch w i e d e r, die zahlreich erschienenen Alterskameraden und deren Angehörige, die in bester Harmonie einige schöne Stunden verlebten. Mehrere Damen und Herren trugen durch mancherlei Darbietungen zur Der- schönerung des Festes wesentlich bei. Alterskamerad E. H o r st schilderte u. a. den Werdegang der Dereinigung, die Kapelle Weller erfreute mit ausgezeichneten instrumentalen Darbietungen, und auch die Iugend kam durch Spiel und Tanz auf ihre Rechnung.
Preußen.
Preußens Trauer wegen des Koblenzer Unglückes.
Wie der Amtliche Preußische Pressedienst rnit- teilt, hat das preußische Sta.atsmini- sterium angeordnet, daß sämtliche staatlichen und kommunalen Dienstgebäude, die Gebäude der Körperschaften des öffentlichen Rechts, sowie die Gebäude der öffentlichen Schulen, die bereits am 23. Iuli in Berlin Halbmast flaggten, am Tage der Beisetzung der Opfer des Brückenein st urzesinKoblenz in ganz Preußen nach den Bestimmungen der Verordnung vom 19. Ium 1929 halbmast zu beflaggen sind.
Kreis Wetzlar.
ch Aus dem Kreise Wetzlar, 23. Iuli. Die Genossenschaftsbank für Hessen- Ra f s a u, der auch eine große Anzahl ländlicher Genossenschaftskasfen des Kreises Wetzlar angegliedert sind, hielt dieser Tage in Frankfurt ihre 3 6. ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem Bericht des Vorstandes ging hervor, daß die Bank und die ihr angeschlossenen Kreditgenossenschaften trotz verschärfter Wirtschaftskrise verhältnismäßig gut gearbeitet haben und daß der weiteren Entwicklung hoffnungsvoll entgegengesehen werden kann. Der Gesamtumsatz hielt sich auf der Hohe des Vorjahres. Die Bilanz weist in Aktiva und Passiva 3 201 212,39 Ml. aus, ohne die Giroverbindlichkeiten. Der Reingewinn betrug 58 870,59 Mk. Er ermöglicht neben den vorgeschriebenen Rücklagen eine Dividende von 6 Proz. Die Wahlen zum Aufsichtsrat geschahen vom Gesichtspunkt der drei natürlichen Wirtschaftsgebiete des Verbandes aus, die sich um die vorhandenen Zweigstellen Frankfurt, Limburg und Wetzlar gruppieren und fast gleich stark sind. So entfallen von den 15 Aufsichtsratsmitgliedern auf jedes Gebiet 5. Rach Erledigung verschiedener Anfragen konnte der Leiter die mehrstündige Sitzung schließen.
Z Dutenhofen, 21. Juli. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung stand die Errichtung einer zweiten Transfor- m a toren Ration für das elektrische Ortsnetz wieder auf der Tagesordnung. Wegen der Aufbringung der Kosten für die dringend notwendige zweite Station steht die Gemeinde mit dem Stromlieferanten, der Firma Buderus. Wetzlar, in Verhandlungen. Rach eingehender Aussprache lehnte die Gemeindevertretung das neueste Angebot von Buderus ab. Der Gemeinderat verbleibt auf dem Standpunkt, daß die Lieferfirma, entsprechend der vertraglichen Abmachung, die zweite Station auf ihre Kosten zu bauen hat. — Auch der Dau der Wasserleitung stand wieder zur Beratung. Die Geldzeichnungen innerhalb der Einwohnerschaft haben nur geringen Erfolg gehabt. Runmehr will die Gemeinde mit allen Mitteln versuchen, ein ausreichendes Darlehn bei einem Geldinstitut aufzunehmen. Das Kreisbauamt in Wetzlar soll einstweilen die Ausschreibung des Projektes vornehmen. — Bezüglich der Gemeindenutzungsrechte der evangelischen Kirchengemeinde bestehen sachliche Differenzen. Ein Schreiben des Presbyteriums wurde dem Gemeinderat bekanntgegeben, der die darin erwähnten vermeintlichen
Wirble ins Leben!
Vornan von Anna Fink.
Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau, S.-A.
3 Forttetzung Nachdruck verboten
„Dann werde ich aus deinem Gesichtskreis wieder verschwinden", meinte er.
„Hör mal", rief sie lebhaft. „Ich nehme dich einfach mit nach Hause."
„Ree — nee, Bärbel, das laß lieber bleiben", wehrte er ab. „So, wie die Dinge bei dir au liegen scheinen, ist's schon besser, ich verziehe mich."
„Das will ich schon auf mich nehmen", rief sie ganz fröhlich.
„Run gut, aber unter der Bedingung, daß ich dir die geraubten Sachen zurückerstatte." Er griff in die Tasche und legte alle Kleinodien wieder in ihren Schoß. „Sieh nach, ob nichts fehlt. Und hier noch den Inhalt des Danknotentäschchens."
„Rein, das darfst du nicht tun, bitte, bitte nicht. Du hast nichts, und ich habe so viel. Ich freue mich so, dir helfen zu können", sagte sie fast flehentlich.
Er schüttelte bestimmt den Kopf. „Wenn rch deine Einladung annehmen soll, dann mußt du diese Wertgegenstände wieder an dich nehmen. Bdas sagt dein Mann, wenn er bemerkt, daß sie fehlen? Er muh es doch merken."
„Dann sag' ich, ich hab's verloren", sagte sie mit ttndlichem Trotz.
„Um eine Ausrede bist du, wie's scheint, nicht verlegen" meinte er lächelnd. „Aber ich will es nicht.
Ganz gehorsam nahm sie nun die Sachen an sich.
»Aber die Tasche mit dem Geld nimmst du wenn du mich nicht kränken willst." Sie steckte ihm die Tasche zu. „Du brauchst es doch."
„Ich mag mir kein Geld von einer Frau schenken lassen", brummte Reginald.
„Aber dafür lieber eine Frau anfallen", sagte Darabara schelmisch.
„Du hast auch recht", entgegnete er betroffen.
Sie fuhren letzt durch K., eine mittelgroße Stadt. Es war mittlerweile spät geworden: kaum ein paar Menschen sah man noch in den Straßen.
„Du mußt rechts herumfahren, dann links abbiegen. Wir kommen dann aus der Stadt
mich mit deinen
Als meine Frau nicht nötig, uftd geradezu krank- wärest in diesem
ihre Gesichtszüge einen recht kühlen und abwehrenden Ausdruck an. Ihr Gatte merkte es sofort, und um einzulenken, fragte er: „Du hattest einen Unfall unterwegs mit dem Wagen?" „Iawohl", erwiderte sie. „Die Panne war sehr unangenehm und hielt mich lange auf. Sonst hätte ich mich nicht so sehr verspätet."
hast du das auch tatsächlich wenn du nicht von einer so haften Eigensinnigkeit befallen Punkte ..."
„Du o lieft wirklich einen LH ufseur mitnehmen. Es ist für mich eine Angst ohne Ende, dich allein auf der Landstraße zu wissen.
„Wenn es geht, verschone altertümlichen Ansichten. Die einzige Freiheit, die du mir läßt, solltest du mir wenigstens nicht auch noch einengen", brach Barbara bitter los.
heraus, und nach zehn Minuten Fahrt sind wir da", erklärte Barbara.
Reginald fuhr den beschriebenen Weg.
Da tauchte rechts eine große Billa aus der Dunkelheit auf. Zwei hohe Fenster im ersten Stock waren erleuchtet, alles andere lag im Dunkel. Das hohe Portal war fest verschlossen.
Reginald fuhr vor. Barbara sprang heraus und drückte auf die Klingel, daß sie schrillend die Stille der Rächt zerriß. Eine Gestalt kam eilig herausgelaufen.
„Ra, Karl, ist heute ein bißchen späte geworden. tut mir leid", begrüßte Barbara den Diener. „Der Herr ist wohl ärgerlich gewesen?"
„Ra, und ob", gab der Gefragte zur Antwort. Barbara zuckte die Achseln.
„Wie willst du mich einführen?" fragte Reginald halblaut. „Ist es nicht besser, wenn ich verschwinde?"
„Rein, nein", entgegnete sie, und es klang beinahe angstvoll.
„Bitte, lege ab und warte hier in diesem Zimmer, bis ich dich hole."
Damit öffnete sie die Tür zu einem kleinen Raum, der sehr ruhig in den Farben gehalten war.
Reginald trat mit dem raschen, bestimmten Schritt ein, der ihm eigen war.
Barbara lief in ihr Schlafzimmer, um sich umzukleiden. Hoffentlich machte ihr Mann keine allzugrohen Schwierigkeiten wegen ihres Iu- gendkameraden. Tief atemholend ging sie, als das Umkleiden beendet war, zum Arbeitszimmer ihres Mannes, lauschte einen Augenblick, drückte die Klinke auf und trat ein. Das Zimmer war nur erhellt vom Licht der Arbeitslampe, die auf dem Schreibtisch rechts in der Ecke stand. Davor saß Bernhard Much. Er erhob sich langsam bei Barbaras Eintritt, um ihr entgegenzugehen.
,,©u bist spät heirngekommen, Barbara", begrüßte er seine Frau und streckte ihr seine Hand entgegen. Barbara berührte sie flüchtig und sah ihren Mann an. Er war bedeutend älter als sie, sah aber noch recht gut aus. Rur die Augen machten einen ermüdeten Eindruck, sie blickten etwas resigniert. Seine betont aufrechte Haltung war nicht der Ausdruck einer besonderen Kraftfülle, sondern erschien geboten von dem uBiUen, jugendlich elastisch wirken zu wollen. Roch nie zuvor hatte Barbara das so sehr empfunden. Es wurde ihr stets schwer, sich anders -u geben, als ihr ums Herz war, und so nahmen
„Barbara!" bat er freundlich und einlenkend. „Du bist müde, komm, iß etwas und geh zur Ruhe!"
„Ich bin nicht müde und habe dir die Haupt- jache noch gar nicht berichtet. Wenn ich nicht zufälligerweise im Wald bei meiner Panne einen Herrn getroffen hätte, in dem ich einem ehemaligen Iugendkameraden begegnete, wäre ich wahrscheinlich noch nicht hier, ja, wer weiß, was dann mit mir geschehen wäre. Ich habe ihn mitgebracht und möchte, daß wir ihn einige Tage als unseren Gast hierbehalten. Ich denke, es wird dir recht sein, Bernhard."
„Run, sehr passend finde ich es allerdings nicht, wenn du mir bei Rächt und Rebel einen fremden Mann ins Haus bringst. Du hast Überhaupt merkwürdige Gewohnheiten, und ich möchte dich doch dringend bitten, diese Extravaganzen endlich einmal zu lassen", sagte er in gereiztem Tone.
Barbara wollte auffahren, doch er lenkte sofort ein und sagte in begütigendem Tone: „Kind, rege dich nicht auf. Du bist fertig — komm, ich will deinen Retter aus der Rot begrüßen."
Barbara ging mit einem Seufzer zur Tür. So war es immer: Ihr Mann pflegte sie stets als verwöhntes, eigensinniges Kind zu behandeln, und der väterliche Ton, mit dem er immer solche Auseinandersetzungen, wie die eben statt- gefundene zu beenden liebte, war nicht dazu angetan, ihr erregtes Gemüt zu besänftigen. Sie hatte schon direkt versucht, ernsthafte Szenen und Zwistigkeiten heraufzubeschwören. Aber gerade dann, wenn ihr die Sache tiefer Ernst wurde, prallte alles an diesem ruhigen, väterlich über
legenen Tone ab, den Bernhard anschlug. Der lähmte sie, zog ihr gleichsam den Boden unter den Füßen weg.
Barbara Much und ihr Mann gingen die Treppe hinunter zu dem Raum, in dem Reginald Contius wartete. Der hatte sich in einen tiefen Ledersessel gedrückt und träumte vor sich hin.
Plötzlich wurde die Tür geöffnet, und Barbara stand auf der Schwelle. Sie trug ein fliederfarbenes Kleid, das nur durch einen Gürtel lose zusammengehalten wurde. War's die Farbe des Kleides, die ihr Gesicht so blaß machte? Reginald erschrak vor diesem leidenden Ausdruck, den Barbaras Gesicht hatte; tiefe bläuliche Ringe umgaben ihre Augen.
Er war aufgesprungen. Barbara stellte vor: „Mein alter Iugend- und Kinderfreund Reginald Contius — mein Mann Bernhard Much." Die beiden Herren reichten sich mit einer leichten Derbeugung die Hand.
„Ich habe Ihnen meinen aufrichtigsten Dank zu sagen dafür, daß Sie meiner Frau beigestanden haben. Ditte, betrachten Sie sich als meinen Gast", sagte Bernhard mit reservierter Freundlichkeit und fuhr fort: „Meine kleine Frau ist von geradezu sträflichem Leichtsinn. Meine Schuld ist es gewiß nicht, wenn sie in solch unangenehme Situationen gerät, denn es steht ihr alles zur Verfügung."
Reginald berührten diese Worte etwas unangenehm. Er murmelte etwas von „modernen Frauen heutzutage" und sah zu Barbara hinüber, die um noch einen Ton blasser wurde.
Die drehte sich kurz herum und sagte von oben herab. „Wollen wir nicht noch eine Kleinigkeit genießen und dann zur Ruhe gehen?" Damit ging sie voran über die große Diele zu dem Speisezimmer. Die beiden Männer folgten ihr. Man setzte sich um den sorgfältig gedeckten Tisch. Der Diener Karl, der das Tor geöffnet hatte, servierte den Tee.
Reginald sah sich flüchtig in dem Raume um. Es fehlte nichts darin, was man in dem Speisezimmer eines guten Hauses erwartet, alles paßte zueinander: Tisch, Stühle, Büfett, in der Ecke ein Tischchen mit einer großen Blattpflanze. 2a, es konnte den Anschein erwecken, als sei man bemüht gewesen, nichts zur Dervollständi- gung und Abrundung zu vergessen; aber gerade das war es, was Reginald unangenehm berührte.
(Fortsetzung folgt.)


