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Naturkatastrophe aber noch weit übertroffen durch bas Grdbeben im September des Jahre« 1923 in 2 apan, das Tokio und Votoharna fast ganz zerstörte und dem Hunderttausende zum Opfer fielen. Diese gewaltige Naturkatastrophe steht in der Geschichte überhaupt einzig da, eine Parallele läßt sich nur noch mit dem Jahre 1703 ziehen, in dem ebenfalls in Ja­pan 200 000 Tote gezählt wurden. In der Katastrophengeschichte der neueren Zeit ist auch der Ausbruch des Mont Pel 6 e auf Martinique bemerkenswert. Ihm fiel im Jahre 1902 die Stadt St. Pierre zum Opfer und durch die gleichzeitigen vulkanischen Aus­brüche auf St. Vincent, Jamaica und Dominika wurden 40 000 Menschen getötet. Im Jahre 1908 vernichtete ein gewaltiges Erd- und Seebeben Messina und forderte 75 000 Tote. Im glei­chen Jahre wurden auch in Kalabrien zahlreiche Orte durch Erdbeben zerstört, wobei 30 000 Men­schen den Tod fanden. In frischer Erinnerung ist schließlich noch die Aeberschwemrnungs- katastrophe am Mississippi vom April 1927, durch die Hunderttausende von Menschen obdachlos wurden und die enorme wirtschaftliche Schäden verursachte. Endlich ist noch die Natur­katastrophe von 1929 zu erwähnen, bei der in­folge eines Erdbebens auf Neuseeland ein Ort mit 20 000 Einwohnern völlig vom Erd­boden verschwand.

Das Arbeitsbeschaffungs- Programm.

Die Verpflichtungen bei zusätzlichen Auf­trägen der öffentlichem Hand.

Berlin, 23.Juli. Das Reichskabinett hat be­schlossen, den Firmen, die durch das Arbeits­beschaffungsprogramm der Reichsregierung zusätzliche Aufträge erhalten, folgende Verpflichtungen aufzu­erlegen.

1. Die Firmen müssen sich verpflichten, die frag­lichen Aufträge ohne Ueberstunden auszu- führen. Es soll Sorge dafür getragen werden, daß ausreichende Lieferfristen gestellt wer­den.

2. Die Firmen müssen sich ferner verpflichten, sich die Arbeitskräfte, die sie zur Erlediaung der zusätzlichen Aufträge einstellen, von den Ar- beitsämtern nachweisen zu lassen.

3. Die Firmen müssen sich schließlich verpflichten, für die zusätzlichen Aufträge nur inländisches Material zu verwenden, falls der Verwendung nicht aus technischen Gründen oder aus Gründen der Preisgestaltung unüberwindliche Hindernisse ent­gegenstehen.

Reichsbahn und Reichspost haben sich bereit erklärt, ihren Lieferfirmen die vorstehenden Verpflichtungen aufzuerlegen. Auch für dos zusätz- liche Wohnungsbauprogramm sind ent­sprechende Anordnungen an die Länderregierungen ergangen.

Auslandsgeld für den Saumarkt

Berlin, 23.Juli. (Priv.-Tel.) Die schon seit längerer Zeit laufenden Verhandlungen mit einem englischen Konsortium um eine deutsche 100- Millioncn-Anleihe, die die neu zu grün­dende Bank für öffentliche Arbeiten übernehmen wird, sollen in den allernächsten Tagen abgeschlossen werden. Rach den vorliegenden Dis­positionen werden die Gelder im wesentlichen dem Boumarkt zugeführt werden. Da die be­teiligten Stellen annehmen, daß der Nothausholt die ursprünglich vorgesehenen 100 Millionen für den Baumarkt aus dem alten Etat übernehmen wird, und die Landesversicherungsanstalten 150 Millionen Leben, wird Stegerwald in der Loge sein, sein ur- Iprünglich 250-Millionen-Ankurbelungsprogramm durchzuführen. Mit der Auszahlung der Gel- der wird jetzt schon begonnen. Gewisse Schwierig­keiten für den Ankurbelungsversuch auf dem Bau- morkt droht aber neuerdings der Artikel 48 zu bereiten, da die Hypothekenbanken, die für Reichsgarantien in Frage kommen, Zurückhaltung zeigen, weil sie befürchten, daß auf gericht- l ich em Wege Maßnahmen auf Grund des Ar­tikels 48 angefochten werden könnten. Verhand­lungen zur Klärung dieser hemmenden Bedenken sind im Gange.

Ur - ein Venedig des Orients vor 400V Jahren.

Die Ausgrabungen des alten Ur der Chaldäer im heutigen Irak, die von dem englischen Archäo­logen Leonard W o o l l e h geleitet werden, haben bereits eine Fülle überraschender Ergebnisse ge­bracht und uns eine gaiu neue Urkultur offen­bart. Die jüngste Neuheit, die von dieser ur­alten Kulturstätte bekannt wird, ist die, daß der Ort zu Abrahams Zeiten eine Wasser st adt war, von Kanälen durchzogen, also eine Art Venedig der ältesten Zeit, und das in einem Gebiet, in dem sich heute die trockenste Wüste ausdehnt. Die Ruinenstätten von Ur erheben sich auf der flachen Wüste. Während die Grabungen zunächst dem Mittelpunkt dieser Hügel galten, in dem die Haupttempel und Königsgräber aufge­deckt wurden, so beschäftigt man sich jetzt mit dem äußeren Umkreis, an dem die Hügel allmählich in die Wüste übergehen. Hier hat man die Mauern und Verteidigungsanlagen der Stadt festgestellt. König Ur-Cngur erbaute rund um feine Hauptstadt etwa ums Jahr 2300 v. Ehr. die -große Mauer" von Ur, die aus mächtigen, im Ofen gebrannten Ziegeln bestand und von der keine Spur mehr übrig ist. Die Mauer erhob sich über einem Wall von Schlammziegeln, dessen Linien noch deutlich zu verfolgen find. Die ganze Maueranlage war mehr als 4 Kilometer lang, wenigstens 9 Meter hoch und schwankte in der Breite zwischen 20 und 30 Metern. Erstaunlich erscheint der Wagemut des Baumeisters, der eine so gewaltige Aufgabe übernahm. Viele Tausende von Arbeitern, darunter gewiß viele K^egsgesangene, müssen jahrelang daran ge­arbeitet haben um die Ziegel zu gewinnen und bann die Millionen von Ziegeln aufzuschichten. Jedenfalls ist der groß« Turmbau des Tempels die Ziggurat, verhältnismäßig unbedeutend im Vergleich mit der Anlage dieser Stadtumwal. lung. Noch nicht 200 Jahre waren vergangen, da wurde Ur von den Männern von Elam erobert und sie haben wahrscheinlich die Ziegelmauer Ur-Engur- niedergerissen.

In den Tagen Abrahams war dieser Wall noch von einer Reihe von Häusern bekrönt, deren untere, fest zusammenhängende Mauern zur Ver-

Oer Aufmarsch zum Wahlkampf beginnt.

Oer Wahlauftuf der Landvolkpartei.

Für ruhige stete Aufbauarbeit gegen den zersetzenden Radikalismus.

Berlin, 23. Juli. (ERB.) Die Christlich- Nationale Dauern- und Landvolk­partei erläßt einen Wahlaufruf, in dem es heißt:

Die Landvolkpartei war nicht an die letzte Reichsregierung gebunden, sie hatte sie aber gestützt, weil sie in ihr d ie zur Zeit ein­zig mögliche bürgerliche Regierung sah, die bei der unfruchtbaren Opposition der Hugenberg-Gruppe die Loslösung von marxisti­schen Ideen bringen konnte. Di« Landvolkpartei ist zum nationalen Sammelbecken aller mit Besitz verwurzelten Kräfte des Landes geworden und hat ihre Unabhängigkeit nach allen Seiten hin gewahrt. Das wird sie auch in Zukunft tun. Sie lehnt jede Katastrophenpolitik ab, weil sie in ruhiger, st «ter Aufbau­arbeit die gesicherte Zukunft der deutschen Nation erblickt. In hohem vaterländischem Idea­lismus, der aus Bodenständigkeit und Liebe zur Scholle erwächst, lehnt sie jede einseitige Be­vorzugung einer einzelnen wirtschaftlichen Gruppe ab, weil sie nur in der Zusammenfassung wei­tester staatspolitischer Kräfte die Abkehr vom zersetzenden Radikalismus erblickt. So arbeitet sie im Sinne des Reichspräsi­denten von Hindenburg, mit dem wir in den bodenständigen, konservativen Kräften des Landvolkes die Quelle der nationalen Erneue­rung suchen.

Nie Demokraten beginnen den Wahlkampf. Tie erste Wahlversammlung in Berlin.

B e r I i n , 23. Juli. (ERB.) Bei einer Wahlkund­gebung der Demokratischen Partei erklärte Reichs- Minister a. D. Koch- Weser: Wenn man eine Zu­sammenfassung wolle, so könne man das nicht durch Addierung von Verschiedenartigen tun. sondern man müsse sich auf ein positives Arbeits- Programm einigen, das sich auf weitere Ziele erstrecke. Wir brauchten eine Finanz- reform, welche das schwindende Verant­wortlichkeitsgefühl in Ländern und Gemeinden für Einnahmen und Ausgaben wieder hebe. Wir brauchten eine Wirtschafts- r e f o r m , die dem Kartellwesen zu Leibe gehe, eine Parlamentsreform, welche das Parlament schlagfertig mache und es aus seiner bureaukratischen Kleinarbeit heraus- hebe. Weder Parteien, die von Gewerkschaften, noch solche, die von Unternehmerverbänden abhangen, vermögen Rettung zu bringen. Es komme darauf an, daß eine Volksbewegung hervorgerufen werde, für die Stärkung des Staatsgedankens oberstes Gebot fei.

Vizekanzler und Reichsminifter der Jinanjen Dr. Dietrich

wies darauf hin, daß di« Sorgen nicht aus dem eigentlichen Reichsetat kommen, sondern aus der Tatsache, daß das Reich 685 Millionen Mark zur Arbeitslosenversicheruna zuschießen müsse. Die Möglichkeiten, den Bedarf des Reiches und di« Zuschüsse zur Arbeitslosenversicherung auf- zubringen, seien angesichts der gemaltigen Steuer- anspannung, die wir schon haben, außerordentlich beschränkt. Heber die 100 Millionen, die am Etat a b g e s e tz t werden sollen, sei unter den Ressorts nahezu eine Verständigung erzielt. Die Erhöhung der indirekten Steuern sei außerordentlich umstritten: das viel gerühmte Ta­bakmonopol ist nicht zu verantworten. Auf alle Fälle aber müsse den G e m e i n d e n die Möglichkeit einer indirekten Steuer voll gegeben werden. Wir stehen in einer Linie mit Hindenburg. Der Kampf geht um drei Dinge: Erstens um Spar­samkeit, zweitens um soziale Reform und drittens um Bekämpfung der Arbeits­losigkeit. Wie der neue Reichstag aussehen wird, ist eine offene Frage: aber das eine steht fest, daß

es sich darum handelt, die staatsbürgerliche Mitte stärker als bisher in die Politik einzu- schalten. Das auf liberalem Boden gewachsene Bür­gertum muß um di e Macht im Staate und um seinen Einfluß kämpfen. Kämpft es statt dessen um die Interessen der einzelnen Gruppen, dann verpaßt es einen historischen Moment, und feine Zeit wird endgültig vorüber fein.

Die Antwort

der Demokraten an Scholz.

Abwartende Haltung.

Berlin, 23. Juli. (TA.) Der parteiamtlich« Demokratische Zeitungsdienst" beschäftigt sich mit dem Aufruf des Führers der D. V. P., Dr. Scholz, an die Parteien der Rechten und der Mitte. Er schreibt u. a.: Die Reichsregie­

rung hat verlauten lassen, daß sie ein Pro­gramm vorlegen wird, das für den Wahl­kampf und die kommende politisch« Arbeit von Bedeutung sein soll. Man muh erst einmal diesesProgramm kennen, ehe man über­haupt zu weiteren Maßnahmen Stellung neh­men kann. Die Umbildung innerhalb der Rechts­parteien ist noch keineswegs abgeschlossen. Aus dem Charakter der vollzogenen älmbildung aber ergibt sich erst die Stellungnahme für die Mittel­parteien. Wenn die Absicht bestehen sollte, jetzt eine Art Burgfrieden oder eine Dämp­fung des Wahlkampfes zu verabreden, so werden sich voraussichtlich die Demokraten dem nicht verschließen. Eine Fusion derartig verschiedener Parteien, wie die es sind, an die Dr. Scholz seinen Brief gerichtet hat, ist nicht vorstellbar.

Gründung einer Konservativen Volkspartei

B« rlin , 23. Juli. (TA.) Die Verhandlungen zwischen der Dolkskonservativen Ver­einigung und der Gruppe W e sta r p ha­ben zu einer völligen Einigung und zur Gründung der KonservativenDolks- Partei geführt. Die vorläustge Leitung der Partei hat ein Ausschuß übernommen, der aus den Herren Habermann, von Kamecke, v. Lettow- Vorbeck, von Lindeiner-Wildau, Dr. Rademacher und Treviranus besteht. Daneben wurde ein CBel rat gewählt, dem 13 Mitglieder angehören, dar­unter Dr. von Dryander, Fräulein von Gierke, Dr. Hoehsch, Lambach, Dr. Lejeune-Jung, Graf Schulenburg und Graf Westarp. Geschäftsfüh­rende Mitglieder des Beirates sind die Herren Dr. von Dryander und Lambach.

Die neue Partei hat gleichzeitig einen

GründungSaufruf.

erlassen, in dem es heißt:

Das 1918 zur Herrschaft gelangte Parteishstem hat versagt. Die Deutschnationale Volkspartei wurde in schwerster Zeit ge­gründet, um die nationalen Kräfte auf der Grundlage einer gemeinsamen Weltanschauung ?>u sammeln und dem Aufbau neuen taatlichen Lebens dienstbar zu machen. Die Entwicklung hat den wirksamen Ein­satz konservativer Kräfte verhin­dert und droht die Herrschaft der Linken zu einer dauernden au machen.

Das deutsche Volk braucht mehr als andere Zusammenfassung in einer starken Staatsgewalt. Nur aus Sammlung und Einsatz aller konservativen Kräfte kann sie er­wachsen.

Der konservative Staatsgedanke sieht im Staat den lebendigen Ausdruck der Volkspersönlichkeit. Ehre, Freiheit, Gesundheit und Kraft der Nation stehen über den Interessen des einzelnen. Dies Bekenntnis zum Volkstum lehrt Ehrfurcht vor der geschichtlichen Aeberlieferung, die nicht straf­los verleugnet werden kann. Es verpflichtet zur Arbeit an der Gegenwart für Freiheit undZukunft der Nation.

Am unseren Staat stark zu machen für diesen Kampf, müssen wir das System regelloser Massen­herrschaft durch einen der geschichtlichen Entwick­lung und natürlichen Gliederung unseres Volkes entsprechenden Staatsaufbau überwinden.

Wir verbinden diese Aufgabe mit den Pflichten des Staates. Wir lassen deutsche Dolkskraft nicht verkümmern und damit die Voraussetzung innerer und äußerer Befreiung zerstören. Im Bewußtsein der Gefährdung von Staat und Wirtschaft sind wir entschlossen, in staatspoliti­scher Gemeinschaftsarbeit und Aufgabenteilung mit wesensverwandten Parteien und Gruppen in Stadt und Land zus ammenzuwirken. Wir sind überzeugt, daß sich Parteien nicht nur zu bekämpfen, sondern im Blick auf das Ganze zu ergänzen haben. Die Lösung der großen und gestellten Aufgaben setzt innere Erneue­rung voraus. Aus den lebendigen Quellen des Christentums wollen wir sie im friedlichen Wett­streit der Bekenntnisse gewinnen.

Soziale Klass ensonderung von oben und unten wollen wir überwinden. Das notwendige Streben des einzelnen nach wirt­schaftlichem Erfolge darf Nation und Staat nicht schwächen. Eigentum soll uns Verpflichtung zum Dienst am Ganzen fein. Selbverwaltung durch den Nächstberufenen soll den Staat üort täglicher Einmischung in Rechte und Pflichten des Staatsbürgers fern halten. So wollen wir die Autorität des Staates und der Staatsdiener wieder Herstellen.

Anser Staat soll wieder ein wehrhafter Staat werden. Hierzu müssen in der Staats­führung konservative Kräfte so zur Geltung kom­men, daß der Staat fähig wird, im Kampf um die deutsche Freiheit in der Welt den ge­sammelten Freiheitswillen einer geeinten Nation einzusehen. Deshalb rufen wir auf zur Grün­dung der Konservativen Volkspartei.

Die Führer der neuen Rechten.

B e rlin , 23. Juli. (TA.) Vor einem geladenen Kreise sprachen am Mittwoch Graf Westarp, Schiele und Treviranus über die Aufgaben der neuen Parteien der Rechten.

Graf Westarp

führte aus, daß er die Bildung einer be­ruf s st ä n d i s ch e n Landvolkpartei zwar nicht für richtig halt«, daß er aber angesichts der gegebenen Tatsachen und im Interesse der Staatspolitik diese Entwicklung für nottoen- d i g halt« und sie voll und ganz billige. Wenn er den schweren Entschluß gefaßt habe, dieNeu - grünöung der k o n s e r v a t i v e n Volks- Partei mitzumachen, so geschehe dies im Inter­esse der Zusammenfassung der konser­vativen Bevölkerung. Er hoffe, daß die neue Partei in engster Fühlung mit der Landvolkpartei bleiben werde. Bezüglich einer Zusammenarbeit mit der Volkspartei, zu der Dr. Scholz bekanntlich aufgefordert hat, erklärte er, daß er ein praktisches Zusammen­gehen mit der Volkspartei und anderen Par­teien für unmöglich halte, da auch die neue konservative Partei eine ausgesprochene Rechtsp artei fein müsse. Er halte aber Ver­einbarungen, die einen Kampf der Par­teien gegeneinander unmöglich mach­ten, besonders wenn auch politische Abmachun­gen für den neuen Reichstag getroffen würden, für wünschenswert und möglich. Im üb­rigen gelte es, die politischen Gedanken Hin­denburgs durchzusetzen und der Landwirt- schäft und dem Osten die notwendige Hilfe zukommen zu lassen.

Reichsminister Schiele

erklärte sodann, die Arsache der Trennung des Landvolkes von Hugenberg fei, daß sich zwei Welten gegenübergestanden hätten. Es handele sich darum, ob man das zum Leben Notwendige sichern oder Idealen nachja- aen wolle. Hugenberg wolle Abstand von den Problemen nehmen und ihnen nicht auf den Leib rücken. Durch diese Enthaltung liefere er aber dem Marxismus die billigsten Waffen. So

teidigung eingerichtet waren, hier und da von einem Schutzturm unterbrochen: in den Ruinen dieser Türme hat man noch die Schleuderbolzen und Katapultkugeln gefunden, die hier für einen überraschenden Aeberfall aufgehäuft waren. An einer Stelle unterschied sich eine Mauer von den übrigen durch schmückend« Nischen im Ziegel- Werk. Hier wurde kaum einen Fuß unter der Sandoberfläche im Herzen der Mauer eine kleine Kiste gefunden, In der die Kupferfigur eines Königs stand, gekleidet als Sklave und auf seinem Kopf einen Korb mit Mörtel tragend: vor ihm lag ein kleiner Modellziegel, der die Weih« inschrift eines Baues enthielt. Es war ein Tempel, dem Wassergott Enki gewidmet und errichtet vom König Rim-Sin von Larsa im Jahre 1990 v. Ehr., dem 8. Jahr seiner Regierung. Die Schutz­wehr der Mauer mit ihren Tempeln und an­deren Gebäuden wurde nun noch durch groß­artige Wasseranlagen verstärkt, die aus Ar ein Venedig des Orients" machten. An dem Fuß der Amwallung fand man den Schlamm eine« Kanalbettes, dessen Verlauf noch genau fest- gestellt werden tarnt Auf einer Seite der Stadt strömte der Euphrat, der jetzt seinen Lauf ver­ändert hat und etwa 15 Kilometer weiter ent­fernt liegt: an der Ostseite war ein breiter Kanal geschaffen, und jenseits von ihm breitete sich eine große Vorstadt mit öffentlichen Bauten und einer Festung aus, die nach der Angabe einer Zlegel- Inschrlftder Wachtturm von Ar" hieß. Im Norden scheint ein engerer Wasserweg 6en Kanal mit dem Fluß verbunden zu haben. An der Süd- Westseite lag innerhalb der Stadtbefestigungen ein rechteckiger Hafen, der mit dem Euphrat in Verbindung stand. In der Nordecke war ein anderer großer Hafen, von langen gemauerten Molen umflossen, der sich vor dem großen Tem­pel des Mondgottes erstreckte: von dort führte ein Kanal mitten durch die Stadt, der den Tempelbezirk von dem Stufenturm^ von Nanna trennte. Der religiöse und der politische Mittel­punkt war also streng geschieden. Ar war tat­sächlich in den Tagen AbrahamS eine Art Venedig, eine Wasserstadt. Wenn ein Keil­schrift-Täfelchen unS die Rechnung von der Aus- ladung eines Schiffes überliefert hat, daS vom Persischen Golf kam, um seine Ladung an den Kais von Ar abzuliefern, so können wir unS erst eine rechte Vorstellung davon machen. Wir

können uns den riesigen Wall vorstellen, wie er sich in den ruhigen Wassern des Kanals spie­gelt, während die meerhefahrenden Schiffe fast oiS an das Tempeltor heranfahren und die weihen Segel zwischen den Stämmen der Pal­menhaine leuchten, die sich am Afer des Flusses entlangzogen."

Oer kluge pongo.

Einen interessanten Beitrag zu der oft be­handelten Frage, inwieweit Tiere imstande sind, zweckvoll zu denken, berichtet der englische Zoo­loge Ashley Montagu. Anläßlich eines Besuches in Neuhork besichtigte er mit befreundeten Kol­legen den Bronx Zoo. In einem Käfig fand er drei Orang-Utan«, die soeben ihr Frühstück hinter sich hatten, aber nicht viel Appetit zu haben schienen, da einige angebissene Bananen unbe­achtet Herumlagen. Zwei saßen in beschaulichem Dösen hoch auf einem Brett, ein dritter, Pongo mit Namen, ein etwa 6 Jahre altes Tier, streifte unruhig im Käfig umher. Die vordere Seite des Käfigs war mit acht je 8 Fuß langen Gisenstäben im Abstand von 4 Zoll geschlossen, davor befand sich, die Seiten hinaufgehend, noch Maschen­draht, der nur in der Mitte einen zwei Fuß breiten Raum offen ließ. Anten am Gitter lies eine schmale Rinne entlang. Trotz der üblichen AufschriftFüttern verboten" warf jemand dem Orang ein Biskuit hin, das in die Rinne fiel, aus der es der Affe ohne Schwierigkeit heraus­langte. Ein zweites Stück fiel unten links vor das Drahtgitter: Pongo legte sich mit der rechten Schulter an den Rand des Netzes, konnte aber doch das Stück nicht erreichen. Er suchte nunmehr einen möglichst langen Strohhalm heraus, bog ihn zu einer Schlinge und zog damit das Biskuit soweit heran, daß er es mit der Hand erreichen konnte. Ein drittes Stück endlich wurde an das äußerste End« der Rinne geworfen: nun wandte Pongo eine andere Methode an, indem er einen starken Strohhalm zwischen die Lippen nahm, und, die linke Backe fest an den Boden gedrückt, den Halm durch den schmalen Zwischenraum unter dem Netz schob, um dann den Brocken bis an die offene Stelle zu bewegen. Dann entfernte sich der Spender, und das wohl ganz unbeabsich­tigte Experiment war zu Ende. Die ruhige Sicherheit, mit der der Orang zu Werke ging,

konnte leicht den Eindruck wohl überlegten Han­delns erwecken. indessen wird man erwägen müssen, daß ähnliche Situationen sich häufig er­geben muhten, es sich somit um eine Gewohn­heit handelt, die auf Grund langer, vielleicht mühselig erworbener Erfahrung zustande gekom­men ist. Immerhin gehört auch dazu ein ge­wisses Maß von Intelligenz, zumal jede Art Dressur ausgeschlossen war. A. K. H.

Oie flinkeZungeein Vorrecht der$rau

Daß die größere Zungenfertigkeit des weiblichen Geschlechts auf einem Anterschied der männ­lichen und weiblichen Stimmwerkzeuge beruht, betonte der Neuyorker Halsspezialist Dr. Paul Winslow, wobei er sich auf die Forschungen zweier Berliner Gelehrter stützte.Merkwürdiger­weise haben die Frauen niemals versucht, ihre größere Redegewandtheit als einen Vorteil ihres Geschlechtes hinzustellen", führte er aus.3m Gegenteil, sie behaupten immer, sie sprächen: nicht schneller als die Männer, obwohl man doch nur den Verhandlungen eines Frauenklubs oder einem Streit zwischen einem Mann und einer Frau zuzuhören braucht, um die Aeberlegenheit des Weibes aus diesem Gebiet rückhaltlos aner­kennen zu müssen. Die Frauen brauchen sich dieser Gabe wahrlich nicht zu schämen, denn sie ist ein nützliches Geschenk, das die Natur ihnen gemacht hat. Die Muskeln des Mannes sind zwar stärker als die der Frau, und er hat des­halb eine lautere und tiefere Stimme. Abev wenn der Mann infolge dieser Muskelüberlegen- heit glaubt, et könne schneller und leichter sprechen als die Frau, so täuscht er sich. Es ist allgemein bekannt, daß die weibliche Stimme biegsamer ist als die des Mannes. Sogar junge Mädchen mit unentwickelten Stimmen können Koloratur­stellen fingen, die selbst der geschulteste Sänger nicht auszuführen vermag. Die Stimmbänder der Frau sind kürzer und geraten leichter in Schwingungen. Daher kommt sie beim Reden schneller in Schwung, kann viel schneller sprechen und ist durch ihr feineres Nervensystem in der Lage, ihrer Sprache einen stärkeren Ausdruck zu verleihen. Daher kommt es, daß sie im Streit mit einem Manne immer das letzte Wort behält."