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men und halten einen kurzen Dorirag über Bauart und Bedeutung dieser Kirche. — Weiter geht es zu der Kapelle S. Giovanni, welchem fünf nackte Steinkuppeln ohne jeglichen Schmuck ein echt arientalisches Gepräge verleihen. Sehr sehenswert ist ferner der Palazzo Reale mit der Capella Palatina, deren prachtvoller Mosaik- schmuck sie zu einem Schmu.Ikästchen Palermos macht. In ihr haben sizilianische Künstler des. Mittelalters es meisterhaft verstanden, die Kunst des Morgenlandes mit der des Abendlandes zu verschmelzen. —
Auf steilem Weg kommen wir nun aus der Stadt hinaus AU einem Ort, der viel gerühmt wird, nach M o n r e a l e. Berühmt ist es durch seine Kathedrale, die beredtes Zeugnis von ter Baukunst der Normannen auf Sizilien ablegt. An ihren Seitenwänden und an der Decke erwecken unzählige Mosaikbilder aus dem Alten Testament, aus dem Leben Jesu oder der Apostel unsere Aufmerksamkeit. Heber dem Altar befindet sich ein großes Bild Christi, der als Weltenherrscher dargestellt wird. Hinter der Kathedrale gelangt man in einen wohlgepflegten Klostergarten, von dem man einen wunderbaren Ausblick über die zu Füßen liegende Concadoro genießt. Aber noch etwas Sehenswertes bietet uns Monreale; die Heberreste eines ehemaligen Benediktinerklosters. Von diesem ist nur noch der Kreuzgang übrig, welcher sich quadratisch von 216 paarweis geordneten Säulen, von denen jede anders verziert ist, zusammenseht. In einer Ecke befindet sich noch der alte Klosterbrunnen.
Von Palermo sind die Katakomben sehr bekannt. Diese mußte der Seemann natürlich auch gesehen haben, und so stiegen wir nicht ganz ohne Scheu in die unterirdischen ehemaligen Begräbnisstätten der Palermitaner hinab. Bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts war es hier noch Sitte, sich einbalsamieren und in den Katakomben beisehen zu lassen. Vach einer Spanne von Iahren wurden dann die nunmehr vertrockneten Mumien aufgestellt, und so schreitet man heute durch dunkle Gänge zwischen einer langen Reihe von Toten durch dumpfe, vom Hauch des Todes umgebene Grabgewölbe.
Wenn man mit dieser Rundfahrt auch einen Heberblick über die Hauptsehenswürdigkeiten Palermos bekommen hatte, so blieb noch genügend übrig, um die restlichen Tage unseres Hierseins mit Spaziergängen und Besichtigungen im Innern der Stadt auszufüllen. Der wunderbar gepflegte botanische Garten. Platzkonzert unserer Musik auf einer breiten Strandpromenade und der Bummel in der Abendzeit auf Der Via Marqueda wird sowohl unseren blauen Iungens wie auch den dunklen sizilianischen Schönheiten eine Erinnerung sein. Theatervorführungen zu Ehren der Deutschen, gesellige Veranstaltungen an Land und zwei Bordfeste für die genossene Gastfreundschaft füllten die nächsten Tage aus.
Eine Reihe von kleinen Booten begleiten uns, als wir den gastlichen Hafen verlassen. Die Besatzungen stehen angetreten und durch das Spielen der Nationalhymnen verabschieden sich die Schiffe von dem gastfreundlichen Hafen. Durch die Straße von Messina.
Westlich führt uns unser Kurs auf die Straße von Messina zu, durch die wir zu uyserm nächsten Hafen, Syrakus, gelangen wollen. Morgens um 4 Hhr stehen wir an der engsten stelle von Sizilien und dem Festland. Die alten Romer und Griechen nannten diese Stelle Cylla pnd Charybdis, weil stellenweise die Strömung hier so stark ist, daß kleinere Fahrzeuge von ihr erfaßt und an den Strand geworfen wurden. Mit unserem dicken Schiff konnten wir hiervon heute nichts mehr merken. Ein wunderbarer Anblick war es an Steuerbord das Lichtmeer der Stadt Messina und an Backbord das der Stadt Reggio zu beobachten. Dies Schauspiel war so schön, daß sich viele wecken ließen, um diesen Anblick einmal zu genießen.
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Oben (von links nach rechts): Geheimrat o. K r e h I, der Direktor der Heidelberger Medizinischen Klinik; Exzellenz v. Harnack, der Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft; Professor Kuhn, Direktor des Instituts für Chemie; Professor Meyerhof, Direktor des Instituts für Physiologie. — Unten: das neue Forschungsinstitut für innere Medizin, das auf der Hauptversammlung der Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften seiner Bestimmung übergeben wird.
Aber noch etwas anderes sollte sich uns auf dieser kurzen Seefahrt darbieten; das war der A e t n a I Die ersten Strahlen der ausgehenden Sonne beleuchteten ein schneebedecktes Haupt, das die vielen anderen Berge des ganzen Horizontes um mehr als das Doppelte überragt. In vielen wird der Wunsch laut, ihn einmal zu besteigen; leider lieh sich dies infolge der Kür>e der Zeit in Syrakus nicht durchführen. Bis halber Höhe können wir Ansiedlungen erkennen. Dann beginnt jedoch die Schneegrenze und es hort damit die bisher spärliche Vegetation ganz auf. Auf einer Seite sieht man einen dunkelbraunen, erkalteten Lavastrom, der noch vom letzten Ausbruch vor wenigen Iahren herrührt. —
Syrakus.
Am Vormittag laufen wir in einen sehr schönen natürlichen Hafen ein. Von dem mächtigen und vielgerühmten Syrakus des Altertums ist nicht mehr viel übriggeblieben. Die alten Bauten sind zum größten Teil nur sehr spärlich noch erhalten. Die heutige Stadt zählt ungefähr 50 000 Einwohner und liegt auf einer Insel, die durch eine große Brücke mit dem Festland verbunden ist. Divisionsweise werden hier Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten gemacht. Meine Division ist eine der ersten, die in der Stadt, in welcher man von einem großstädtischen Verkehr wirklich nicht reden kann, erscheint und durch ihre flotten Marschlieder berechtigtes Aufsehen erregt. Wir marschieren hinaus zu den Latomien des Paradieses, einem alten Steinbruch, in den früher die Gefangenen zur Zwangsarbeit hineingesteckt wurden. Eine tiefe Felsspalte, Orecchio di Dio- nisio (Ohr des Dionys) genannt, diente den Spionen des Tyrannen zum Belauschen der Gespräche politischer Gefangener. Ein wunderbares Echo gibt es hier; jedes Zerreißen oder Zerknfttem von Papier ist deutlich zu hören. Oben in ungefähr 30 Meter Höhe befindet sich ein kleines Loch, an
welchem der Lauscher früher sah. Landschaftlich weit schöner als diese sind die Latomien d i Capuccini, in denen früher Gefangene eingemauert wurden und elend umkamen. Heute herrscht hier üppigste Vegetation; herrliche Blumen und Palmengewächse nehmen einem den Gedanken, daß man sich aus dem Boden solch grauenhafter Vergangenheit befindet. Aus der Zeit der Christenverfolgung ist noch das römische Amphietheater in seinen Grundrissen erhalten. Dicht neben ihm befindet sich der Altar Hie- ronsll., welcher in seinen Riesenausmaßen von 200 Meter Länge und 22 Meter Breite einen Begriff von dem Kult des Altertums gibt. Hier wurden jährlich 450 Stiere geopfert, die geschlachtet wurden zu Ehren der Vertreibung des Tyrannen Thrasybuls. Auch hier in Syrakus gibt es Katakomben, die jedoch an Alter bei weitem die Palermos, ja sogar die Roms übertreffen. Hnter der Erde befinden sich kreuz und quer große Gänge, von denen seitlich kleine Nebenzweige abgehen. Die Hauptschnittpunkte der Gänge sind zu kleinen Kapelle ausgearbeitet. Stundenlang könnte man hier' laufen und gar leicht sich verlaufen, wenn einen nicht ein Mönch mit einer Karbidlaterne wieder ans Tageslicht brächte.
Während unseres Aufenthalts hier sollte uns noch ein ganz besonderer Genuß bevorstehen. Alle drei Iahre finden in dem noch recht gut erhaltenen griechischen Theater Festspiele statt. Wir hatten Gelegenheit, die „Iphigenie in,Aulis" von Eurypedes und den „Agamemnon" von Aischylos zu sehen. Die wunderbare Hmgebung des Jahrtausende alten Theaters und das ausgezeichnete Spiel der Darsteller in den alten griechischen Gewändern, das Auftreten des Chores und der Tänzerinnengruppen, die die Stimmung der handelnden Personen durch Körper- Ausdruck zur Darstellung bringen, wird allen deutschen Teilnehmern in steter Erinnerung blei-"
Ben. An beiden Nachmittagen war ein großer Teil der deutschen Besatzungen bei den Spielen anwesend. Das Erscheinen des deutschen Admirals unter den Zuschauern auf den Steinstufen des alten Theaters riß die Einheimischen zu spontanen Beifallskundgebungen hin. Als endlich bei Schluß Der Spiele ein deutscher Offizier den Hauptdarstellern kostbare Blumenkörbe überreichte, wollte der Beifall kein Ende nehmen.
Leider waren auch hier für uns die Tage nur zu kurz. Schon nach zwei Tagen hieß es scheiden, Kurs aufnehmen in die Adria, nach Venedig, wo wir morgen einzutreffen gedenken.
Die Gießener Voranschlagsberaiung
Im Gegensatz zu den bisherigen Iahren ist der Gießener Stadtrat bei dec Beratung des Voranschlags für 19 30 einen neuen Weg gegangen. Während er früher von einer Generalaussprache absah und eine Einzelberatung bei den verschiedenen Kapiteln vornahm, hat er sich diesmal gegen diese Einzelberatung ausgesprochen und eine Generalaussprache durchgeführt. Wenn man sich der wochenlangen sehr eingehenden Beratungen im Finanzausschuß erinnert, an denen die Vertreter sämtlicher Fraktionen beteiligt waren, und wobei man sich mit sämtlichen Einzelheiten des Voranschlagsentwur- ses gründlichst beschäftigte, wird man es gutheißen können, daß im Plenum des Stadtrats von einer Beratung der einzelnen Titel abgesehen wurde. Denn eine solche Einzelberatung wäre schließlich nichts anderes gewesen, als eine Wiederholung dessen, was schon mehrfach im Fi- nanzausschuh7 verhandelt wurde, ohne ein an- bered Resultat zu bringen, als das im Voranschlag festgelegte Ergebnis. Angesichts dieser Sachlage glaubte die Mehrheit des Stadtrates nicht mit Hnrecht, dem Hause eine Beratung ersparen zu sollen, die nichts anderes gewesen wäre als eine Zeitverschwendung.
Wenn man heute das Ergebnis der General-« aussprache betrachtet, so ist festzustellen, daß sowohl die Stadtverwaltung, wie auch die großem Stadtratsgruppen der Arbeitsgemeinschaft der Mitte, der Wirtschaftlichen Vereinigung und der Sozialdemokratie sich in ernster Verantwortlichkeit mit den Problemen dieses Voranschlages be- schästigten. Die Ausführungen der verschiedenem Redner — abgesehen von den nur auf Auhen- wirkung abzielenden beiden Kommunisten — legten Zeugnis dafür ab, daß den drei Fraktionen die ernste Sorge um das Wohlergehen unseres Gemeinwesens ebenso am Herzen liegt, wie der Stadtverwaltung. Wenn trotzdem die sozialdemokratische Fraktion zur Ablehnung des Voranschlags kam und damit zum erstenmal sich frei machte von -der Mitverantwortung für den Haushaltsplan, so ist das nur zu bedauern.
Bürgermeister Dr. Seid als Stellvertreter des Oberbürgermeisters konnte in seiner Einführungsrede zum Voranschlag die Lage, in der sich unsere Stadtwirtschaft gegenwärtig befindet und die für sie voraussichtlich auch im ganzem Etatsjahr mindestens mit der gleichen Schärfe fortbestehen wird, gar nicht eindrucksvoller kennzeichnen, als er es getan hat. Seine Darlegungen entrollten ein Bild von unserer Etatslage, das leider wenig erfreulich ist. Zwar konnte er darauf Hinweisen, daß der Voranschlag ausgeglichen ist, aber er mußte auch das Fehlen innerer Reserven im Haushalt bestätigen und betonen, wie sehr die Steuernot sowohl für die Stadt, wie auch für die Steuerzahler angewachsen ist. Hnter diesen Hmständen wäre es besonders zu begrüßen gewesen, wenn der Haushalt für 1930 nicht nur von der Zustimmung der beiden großen bürgerlichen Fraktionen getragen würde, sondern auch die sozialdemokratische Fraktton sich posittv zu dem Etat bekannt hätte.
Konstanze.
Vornan von Rod Heinz Voigt.
Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister Werdau.
20< Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Felix sah sie erschrocken an. „Josephine und ich werden nach Schnepfental ziehen. Ich habe dort eine Anstellung in den Fahrradwerken von Reudenau & Laix. Wir wollen uns da ein kleines Häuschen bauen ... Ich wollte nur sagen ... ich bitte dich ... es würde uns herzlich freuen, wenn du uns dann mal besuchen wolltest."
Konstanze schüttelte den Kopf und lächelte mit verzerrten Lippen. „Nein, nein, Felix, du darfst mich nicht einladen. Ich Darf fortan für dich gar nicht mehr existieren. Du mußt auch niemantem sagen, daß Du mich hier aufgesucht hast. — Du kennst doch Papas Ansichten", sagte sie bitter.
„Kannst du Denn das nicht vergessen, Konst anze?"
„Ich will mir Mühe geben. Vielleicht gelingt es mir. Wir Frauen sind im Grunde immer versöhnlich."
».Aber wenn du irgendwie in Not bist —" seine Dlicke schweiften durch Den Raum, der ohne Sonne war, dann bitte ich, dich meiner zu erinnern.“
»Du bist sehr liebenswürdig, Felix. Ich danke dir Dafür.“
Dann schwiegen sie eine Weile.
„Wie geht es Den Deinen?“ fragte Kon- stanze schließlich.
„Mama geht es leidlich. Papa hatte vor einigen Wochen einen kleinen Schlaganfall. Es ist aber gottlob nichts zurückgeblieben. Werner ist momentan mit Agathe in Venedig und Ohlsens fthen auf Eulenhorst. Hans hat übrigens große Plane. Er will auf Eulenhorst ein Mustergestüt anlegen unb sich wieder einen Rennstall anschaffen."
Konstanz ehörte nur mit halbem Ohr zu. Sie musterte Felix, während er erzählte und muhte sich lagen, daß zwischen ihrem Lieblingsbruder und ihr doch eine tiefe Kluft klaffe. Eine einzige schwache Brücke lag über diesem Abgrund und diese bestand aus Worten, Worten, nichts als Worten. Diese Brücke brach zusammen Sie empfand beunruhigt: Felix kam hierher, ihr zu helfen und in nichtssagenden Worten versandeten ihre Gespräche.
„Hnd Manfred?" fragte sie gedankenlos
Er antwortete nicht gleich. Sein Blick war ausweichend.
„Ich weiß nicht. Ich komme mit Manfred nicht zusammen Er wartet auf seine Ernennung zum Geheimen Rat, wie du weißt."
„Warum weicht er mir aus?" fragte sich Konstanze. Hnd laut: „Du sahst ihn lange nicht?"
-2iein Eine Meinungsverschiedenheit — —«
Da wußte Konstanze, ihretwegen waren die Brüder zu Feinden geworden.
Nun erhob sich Felix.
„Cs hat mich gefreut, zu sehen, daß es dir einigermaßen gut geht, Konstanze."
„Ich habe mein Auskommen"
Er reichte ihr die Hand, die sie ergriff.
„Ihr werdet Da unten in Schnepfental ein zufriedenes Leben führen. Einen besonderen Rat möchte ich dir noch geben, Felix, wenn ich das darf: Versuche, Die Seele Deiner Frau zu ergründen und zu verstehen. Nur aus diesem Zusammenstimmen erwächst Die höchste Harmonie. Wir Frauen sind zart und das Gebäude unserer Seele ist zerbrechlich. Das sollte ein Mann nie vergessen."
Als Konstanze in ihr Zimmer zurückkehrte, überfiel sie eine seltsame Wehmut. Ein Stück ihrer Kindheit hatte soeben hier gesessen. Ein Abglanz früherer Jugendzeit umschwebte sie noch und spann seine Erinnerungsfäten. Aber Die Fäden zerrissen bald und zergingen in nichts. -
Ms Kurt Helbing am Nachmittag Konstanze bat, mit ihm eine Ausstellung zu besuchen schlug sie ab. Sie fühlte sich zerschlagen und abgespannt. Aus sein Drängen uno Bitten kam sie schließlich in sein Atelier, seine neuesten Arbeiten zu besichtigen.
Nun. da Konstanze wußte, daß Helbing im Klaren über sie war, war ein gewisses Gefühl der Scheu, das sie meist in seiner Gegenwart empfunden, gewichen. - Zuweilen merkte sie, wie er sie mit seinen Blicken verbrannte. Das Feuer seiner scheinbar täglich tiefer in die Höhlen zurückfinkenden Augen hatte etwas Flackerndes bekommen. Seine Haut schien in letzter Zeit blasser geworden zu fein und feine Hände noch durchsichtiger.
Er schritt mit seinem eleganten Gang In die hinterste Ecke des Ateliers und deutete auf ein mit grauer Leinwand verhülltes hohes Gestell.
„Hier habe ich etwas ganz Besonderes. Ich habe es kürzlich fertiggeftellt. — Ditte, erf(breiten Sie nichtI"
Er zog das verdeckende Tuch fort Konstanze wich betreten einen Schritt zurück.
Ein gewaltiger, menschengroßer Gorilla aus Stein gehauen kam mit geöffnetem Rachen auf sie zu. Die zottigen Arme prägten eine ungeheure Kraft aus Der Affe hatte eine Kampfstellung angenommen und es hatte Den Anschein, als wollte er die beiden Menschen augenblicklich angreifen
„Das ist ja furchtbarI" rief Konstanze.
„3d) gestehe Ihnen offen, hierauf bin ich stolz. Dieses Bildwerk habe ich auf Bestellung des Lord Aberdy angefertigt. Morgen wird es ab= geholt. Lange Studien im Zoologischen Garten waren nötig. Eigentlich ist dieses Tier abschrek- kend häßlich Aber nicht nur das Schöne liefert
unbedingt künstlerischen Stoff, alles, was Die Ratur hervorbringt, ist schön, auch wenn es uns abstoßend erscheint."
Sie stand vor Dem Bildwerk und lieh die Empfindungen von schön und häßlich, die aus diesem Kunstwerk ausströmten, auf sich wirken.
Kurt Helbing ließ den Gorilla wieder verschwinden und zeigte Konstanze ein paar andere Plastiken. Da gewahrte sie plötzlich, daß sein Blick sich an ihrem Handgelenk festsaugte. Sie schrak zusammen. Sie hatte heute ohne jede Absicht seinen Armring, jenes Geburtstagsgeschenk, umgelegt.
Er sagte nichts und als sie ihm Die Hand reichte und Dantte, daß er sie so in feine Kunst hatte einblicken lassen, fühlte sie, wie diese Hand sich nur schwer aus der ihrigen löste. — Wollte er noch etwas sprechen? — Wie? — Er rang nach Worten. Er schwieg. —
Konstanze hatte eine Beschäftigung gefunden, Die ihr zwar nicht viel einbrachte, aber es war doch eine Beschäftigung. Sie beaufsichtigte die Schularbeiten zweier Geschwister. Es waren die Töchter des Kommerzienrats Markenbrook.
Außer Sonntags war Konstanze jeden Nachmittag ein paar Stunden dort. Manchmal bat Frau Kommerzienrat Markenbrook, wenn sie allein war, Konstanze, ihr während des Abends Gesellschaft zu leisten, und Konstanze blieb gern
Diese Beschäftigung mußte sie unterbrechen. Der alte Neuhaus, Der schon die letzte Zeit nicht wohl gewesen, erlitt einen schweren Schlagan-s fall. Don diesem Tage an wich Konstanze nicht von seinem Lager. — Mochte man sich in der Pension Darüber ereifern I Schenkten all diese Menschen Dem todkranken Manne seine Gesundheit wieder? Nein, sie taten es nicht. Ihr aber war es ein inneres, zwingendes Bedürfnis, Die letzten Tage diesem Greise, Der ihr mehr geworden, als ein guter Bekannter, zu erleichtern.
Sie las ihm Die Wünsche von Den Lippen, Die Die Worte nicht mehr formen konnten. Er bezahlte mit dankbarem Lächeln und gebulDerbit- tenden Blicken. Seine Sprache war ausgelöscht. Er konnte nur noch mühselig ein paar Sätze mit dem Bleistift auf Papier kritzeln. Ec reichte ihr das Blatt, das feinen schwachen Fingern entfiel.
Konstanze las.
„OleinI" rief sie. „Wer hat Ihnen gesagt, daß Sie ins Hospital sollen?"
Er schrieb wieder.
„Frau Bürger?"
Er nickte.
„Sie bleiben natürlich hier, Herr Neuhaus. Solange ich hier bin, haben die anderen gar nichts zu sagen"
Da lächelte er mit schlaffen Zügen glücklich und dankbar.
Er verlor bald das Bewußtsein Es wurde plötzlich ganz leise im Zimmer. ES schien Kon
stanze, als sei vorher ein ganz lautes Rauschen in der Stube gewesen, so auffallend war Die Stille. Nur Die Hhr sang Dünn unD zart. Konstanze blickte auf und sah das Gesicht des Toten — Konstanze wußte, daß ein Mensch weniger war, Der ihr seine Seele geschenkt hatte. —
In seiner Hinterlqssenschaft fand man ein Tagebuch. Auf Dem Hmschlag stand in großen deutlichen Buchstaben: „Dieses Buch gehört nach meinem Tode Frau Konstanze Ernrnerstorsf."
Sie vertiefte sich in Die Aufzeichnungen, und je weiter sie las, desto ergriffener wurde sie. Xiefe, philosophische Betrachtungen waren mit Den Schilderungen seines Lebensschicksales verknüpft. Viele Seiten handelten von Konstanze.
Er schilderte seine Bekanntschaft mit ihr. Aus der Bekanntschaft wurde Freundschaft, aus Der FreunDschaft wurde Verstehen, aus Dem Verstehen wurde Zuneigung, aus Der Zuneigung wurDe Liebe und aus Liebe wurde Harmonie.
Ja, da stand es alsol Darunter war ein Nachsatz: ..Mehr als Liebe noch ist Harmonie, Liebe kann immer noch eine Spur von Aeußer- lichkeit haben, aber Harmonie streift alles Irdische ab. Keine Leidenschaft regiert mehr. Das Höchste scheint erreichbar."
Die nächsten Seiten waren voll tiefer Gedanken Dann sprang wieder ihr Vorname in die Augen Da steht es! Er war mit dem festen Vorsatz umgegangen, sie um ihre Hand zu bitten Er hatte es immer noch verschoben Dielleicht hatte er gefühlt, daß der richtige Augenblick noch nicht gekommen Nun hatte ihm der Tod den Mund verschlossen.
Konstanze klappte nachdenklich das Büchlein zu. „Meine Seele gehört dir, auch wenn du nicht mein Gatte warst. Sie gehört dir noch. — Du hast mich verstanden Ob du mich auch verstanden hättest, wenn ich trotzdem „nein" gesagt hätte?! — Ja, ja — ganz gewiß! Du warst ein großer Philosoph.“
In diesen Tagen bemächttgte sich Konstanzes ein starkes Verlangen, Peter wiederzusehen Vielleicht war der Schmerz schuld, der feit Dem Tode Neuhaus' in ihr tobte. Vielleicht hatte sie das Bedürfnis, diesen Schmerz zu beschwich- ttgen Iedenfalls war das Verlangen, Peter auch nur zu sehen, so maßlos, daß sie die Einladung Kurt Helbings, einmal mit in das ®af£ Musarion zu kommen, annahm. Eine heimliche Hoffnung glimmte in ihr, vielleicht dort, wo der Bildhauer verkehrte, auch Peter Hhl- städt zu treffen.
„®iefe Kaffee kneipe müssen Sie kennenlernen, Frau Konstanze", sagte Helbing scherzhaft, indem sie durch Die belebten Straßen schritten „Man kann da Die amüsantesten Studien machen Es verkehren nur Stammgäste dort- Die fange Künstlerwelt Münchens trifft sich in diesen vortrefflichen Hallen — Sie werden sehen!“
(Fortsetzung folgt) j
waren, J h s$e. hgung der iu‘ s/hrMtes nid flänmg ironb konnte derAb werden Aber dost bei einer to schastslage die- ausreichen dur^ Grund dafür, t geschlossenen W chenden Ainanzi dem Etat zu ver dm Dohllahrti vollen, sobald gebraucht sind, > fung hin die ® lassen Dann la den, was gegei boten erscheint trachtet, wäre n ozialdemkratlsc Mhlsahrtsetat
Zuzugeben ist. gen Micterhvh: Steigerung der Linkspartei uns plizierter Var. feien ist es unp Hangern eine r vorliegenden F nicht onbauem' schäft immer tt während die a der Inanspru auch bei der 6 Stabtratsfrakti Heraufsetzung i nehm ift. And N) heute viels * Derhäl bei'M steht un ren in zunehm lasten achebürk eines geordneten allen Mgers zugute, so dch wenn sich die F der Mitte und auf den'Stands AHmg bet Ausgleich in fr einerseits unb d stellen. Ltadw Hause vor, b< ein Betrag vi den Doranschl spruch genvm besitz ein Test hreissteigerun wies Stadtrat E>err Mann a muh die offen, berücksichtigt | als Nietobjekt M-prozentige Ae der richti Art, sondern » mithin Ä keine d'dersprach bi
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Sie I Fobr, ren z alsdlt arbeitl h^de, be^le ।


