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Stelle, da diese Arbeiten durch einen jüngeren Schreibgehilfen, der in Stenographie und Ma- schinenschrift bewandert sei, miterledigt werden könnten und dadurch der städtische Haushalt um 2700 bis 3000 Mark entlastet würde. Demgegen­über wurde von einer Seite das Eingehen dieser Stelle bezweifelt und weiterhin darauf hingewie­sen. daß die Frage der benötigten Arbeitskräfte auf der (Bürgermeisterei erst nach Regelung der Dürgermeisterfrage durch den amtierenden Bür­germeister, dessen Meinung da auch gehört wer­den müsse, erledigt werden könne. Die Abstim­mung ergab mit allen gegen 3 Stimmen die Ge­nehmigung der Kündigung des Stadtdieners Kceudcr zum 31. März 1930, die Frage der Ein­sparung dieser Stelle wurde zurückgestellt. Rach einem Bericht des Deterinäramts an das Kreisamt ist es nicht statthaft, daß die Gemeinde keinen eigenen Eber besitzt. Die Angelegen­heit wurde an die Kommission für Faselvieh zur weiteren Behandlung überwiesen. Hierbei wurde der Wunsch geäußert, derartige Sachen stets zu- erst durch die zuständige Kommission vorzuberei­ten und möglichst spruchreif dem Gemeinderat vorzulcgen. Die Feuerwehrkapelle bat in einer Eingabe um Herrichtung eines Llebungslokales in dem neu zu errichten­den Spritzenhaus, das Gesuch wurde gleichzeitig vom Borstand der Freiwilligen Feuerwehr unter­stützt. Man steht dem Gesuch sympathisch gegen- über, will aber vor der Genehmigung genauen Kostenvoranschlag vorgelegt wissen. Bier Ge­meinderäte (Schellhaas, Kröhle, Repp, Heinrich |

Schmidt IV.) hatten den Antrag eingeLrachl. eine erneute Abstimmung in der Sache deS Verkaufs des FärbgrabengeländeS an die Firma H. Schmidt I. herbeizuführen. Sie Aussprache darüber war zum Teil sehr erregt, von einer Seite wurde der Verkauf als übereilt geschehen hingestellt und als Ungerechtigkeit ge­genüber dem andern Bewerber, Schlosscrmeister Schäfer, bezeichnet: außerdem wurde betont, es hätte eine öffentliche Versteigerung stattfinden müssen, da ein Rachgebot von beinahe 500 Mark vorgelegen habe. Demgegenüber berief sich Bei­geordneter Keller auf den einstimmigen Be­schluß des alten Gemeinderats, der den Verkauf in dieser Weise gebilligt habe und auf die hierzu erteilte kreisamtliche Genehmigung des Verkaufs. Außerdem sei vor fünf wahren der Verkauf des Eckplatzes im Färbgraben an Schäfer in der gleichen Weise erfolgt, und dann habe dieser in den fünf Jahren kein Interesse für das Rest­gelände gezeigt, sondern sei erst nach dem Ver­kauf als Liebhaber dafür aufgetreten. Die Bür­germeisterei werde die ganze Angelegenheit jetzt dem Kreisamt vorlegen. Sn der vorigen Sitzung war von Gcmeinderat Schellhaas die Anwesenheit der Pressevertreter bei geheimen Sitzungen bemängelt worden, weil diese dadurch ein Vorrecht gegenüber andern Bürgern genössen. Mit Mehrheit beschloß der Gemeinderat die Zulassung der Presse­vertreter bei den geheimen Sitzun­gen, die nur in besonderen Fällen davon aus­geschlossen bleiben sollen.

Darmstadt lehnt bfc MrgaSverträge ab.

Darmstadl, 24. Jan. (WTB. Drahtbericht des Gieß. An;.") Die Stadtratsversammlung beschäftigte sich gestern abend in einer Dauersitzung, die bis 11 Ahr dauerte, in der Hauptsache mit der Frage des Abschlusses der von der hekoga vor- vorgeleglen Vertragsentwürfe mit der Ruhr- und Saargas -A.-G. über die Fern­gasversorgung. Oberbürgermeister Müller machte gegen die derzeitigen Vertragsentwürfe schwere Bedenken k o m m u n a l p o l i t i s ch e r Art gellend. Die Preisfrage sei ungenügend geklarl. und auch für die Verbraucherfchast sei kaum mit einer Preisverbilligung zu rechnen, da er den Optimismus über die Ausdehnung des Gasvertrages für die Raumheizung nicht zu teilen vermöge. Auch die Stadt Darmstadt erleide erhebliche Rachleile, da das hiesige Gaswerk leistungsfähig fei und der Stadtkasfe einen ganz erheblichen Betrag abwerfe. Bürgermeister Rihert, der Vorsitzende des Vorstandes der hekoga, versuchte diese Bedenken zu widerlegen. Mit ihm setzte sich der Oberlandes- gerichlsrat Allendorf (D. vp.) für den Ver­tragsabschluß ein, während die Redner des Zen­trums, der Sozialdemokratie, des Handels und Ge­werbes, der Kommunisten und der Deutfdjnationalen sich dagegen aussprachen. Jn der Abstimmung ge­langte der Antrag der Verwaltung auf Ableh­nung der hekogaverträge zur Annahme, während die Anträge der Volksparlei der Ablehnung verfielen. Die Zusammenarbeit mit der S ü d d e u t - schenGasgesellschastzur Erreichung besserer Bedingungen wurde als durchaus möglich und wün­schenswert bezeichnet, und man brauche, wie Ober­bürgermeister Müller sagte, davor keine Angst zu haben.

Lokales Einsturzbeben im Lahngbiei?

WER. Frankfurt a. M., 23. Ian. Das Meteorologisch-Physikalische Institut in Frank­furt a. M. teilt uns mit: Das in der Gegend von C a u b gespürte Erdbeben ist im Taunus- Observatorium um 9 ilßr 44 Min. 44 Sek. schwach registriert worden. Es handelt sich offen­bar um ein ganz lokales Einsturzbeben.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

C Lollar, 23. Ian. Am Samstagabend hielt der Turnverein Lollar im SaaleZur Linde" sein diesjähriges Wintervergnügen ab, das mit Brgrühungsworten des 2. Vorsitzenden eröffnet wurde. Alle Abteilungen des Turn­vereins (aktive Turner, Zöglinge und Schüler­riege) erfreuten mit ihren turnerischen Vorfüh­rungen und legten Zeugnis davon ab, daß in dem Verein mit viel Liebe und Sorgfalt gearbeitet wird. Die vorzüglichen Darbietungen wurden in hohem Maße bereichert durch die Mitwirkung der Frauenmusterturnschule S i n n w e l l (Dad- Rauheim), deren Leistungen als Höhepunkte tur­nerischen Könnens anzusprechen sind. Der musi­kalische Teil der Veranstaltung wurde in gewohnt guter Weise bestritten. Bei gutem Besuch fand am Sonntag die Iahreshauptversamm- lung des Turnvereins unter der Leitung Des 1. Vorsitzenden statt. Aus dem von dem l.Turnwart Heinrich Do des erstatteten Turn­bericht war zu entnehmen, daß die turnerische Betätigung im abgelaufenen Iahre, das als ein arbeite- aber auch erfolgreiches zu bezeichnen ist, auf allen Gebieten gut war. 75 Preise konnten

gebucht werden, darunter viele erste Preise. Der Besuch der Turnstunden war unter Berücksich­tigung der bestehenden Verhältnisse gleichfalls be­friedigend. Besondere Erwähnung verdient die gute Entwickelung der Schülerriegen. Turner Wilhelm Hofmann konnte bei den Derbands- meisterschaften in Rüsselsheim im Neunkampf den 2 Preis, beim Turnen am Pferd die Meisterschaft des Südwestdeutschen Turnverbandes im Allge­meinen Deutschen Turnerbund erringen. Die Sportabteilung (Fußball) umfaßt eine 1. und 2. Mannschaft und eine Iuzendmannschaft. D.e von dem 1.Rechner Heinrich Rohrbach vorgetra­gene Rechnung schließt mit einem Darvermogen von 2582 Mark ab. Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Bu^ermeister Schmidt, 2.Vorsitzender Ludwig Wagner, 1 Schriftführer Hermann Schwalm, 2. Schrift­führer Otto Schmidt, 1. Rechner Heinrich Rohrbach, 2. Rechner Philipp Brusius, 1.Turnwart Heinrich Bodes 2 TurnwartHein­rich Z e ch e r, Schülerturnwart Karl L o h r, Zeug- Wart Heinrich Bier au, Obmann der Sport­abteilung Dr.Limberger, Schriftfuhr^ der Sportabteilung Karl Zimmermann, Obmann für Leichtathletik Otto Dietz, Iugendleiter der Sportabteilung Balthasar Reich. UnterVer­schiedenes" befaßte sich die Versammlung ma. in längerer Aussprache mit der weiteren Be­tätigung der einzelnen Abteilungen um das bis­her erreichte noch mehr zu vervollkommnen und auszubauen. Der 2. Vorsitzende Ludwig Wag­ner sprach in ermunternden Worten für die Aufnahme des Frauenturnens im Verein.

: Cßeuern, 21. Ian. Dieser Tage fand die erste Sitzung unseres neugewählt enGe- meinderats statt. Zunächst wurde die Ver­pflichtung der neugewählten Gemelnderatsmit- alieder Ludwig Muhl, Wilhelm Fuhr und Otto S ommerlad durch Bürgermeister Lin­de n st r u t h vorgenommen. Hierauf wurden die Kommissionen gebildet. Als Kontrolleur bleibt Ioh. K. Dell off im Amt. Begünstigt durch das überaus milde Wetter haben die Holzhauerarbeiten in unseren Gemeinre- waldungen so rasche Fortschritte gemacht, daß sie jetzt schon abgeschlossen werden konnten. Das frühe Ende des Holzhauens, bei dem 46 Mann | Beschäftigung fanden, bringt eine erhebliche Zu­nahme der Zahl der Arbeitslosen in unserm Dorf. Der hiesige TurnvereinGut Heil" hielt im Saale derGermania" sein diesjähriges Wintervergnügen ab. Der lang­jährige 1. Vorsitzende, Schreinermeister L. Wilh. Arnold, eröffnete die Feier mit einer Degru- ßungsansprache, in der er die idealen Ziele des Vereins zur körperlichen und geistigen Ertüchti­gung unserer Iugend kennzeichnete. Die turneri­schen Darbietungen der Schülerriege (Turnwart Hch. Lindenstcuth), sowie die außerordent­lichen Leistungen der aktiven Turner zeigten den zahlreich erschienenen Gästen ein Stück hervor­ragenden turnerischen Könnens. Zwei gut ge­spielte Theaterstücke ernteten reichen Deifall und trugen wesentlich zur Verschönerung des Abends bei. Besonders zu erwähnen sind die beiden Violinsolis des Mitgliedes Wremer, die den Zuhörern in vollendeter Weise zu Gehör ge­bracht wurden und wohlverdienten Deifall fan­den. Die Musik stellte die bewährte Kapelle Sommerlad dahier unter Leitung des be­kannten Chor- und Kapellmeisters Sommerlad.

-J- Grünberg, 21. Ian. Auch zu seiner zweiten Sitzung unter dem Vorsitz des Beigeord­neten Keller war der G e m e i n d e r a t voll­zählig erschienen, ebenso war der Zuhörerraum gut beseht. Der Beigeordnete teilte mit, dah dem Stadtdiener (Ratsschreiber) Kreu- der, der mit 67 Iahren die Altersgrenze be­reits überschritten habe, zum 31. März 1930 ge­kündigt worden sei. Mit der Genehmigung dieser Kündigung seitens der Stadtverwaltung durch den Gemeinderat erbat er auch die Zustimmung zu dem von ihm vorgesehenen Eingehen dieser

Stirnen, Sport und Spiel.

schusses voraus.

V. f. B.

herumkommen.

Die beiden Schülermannschaften haben den Vor­teil des eigenen Platzes. Die erste empfängt die gleiche von Niedergirmes, während die

Voraussetzung hierfür ist natürlich auch, dah die Vorlagen der Läuferreihe präziser und besser zu verwerten sind. Wenn die Mannschaft sich zu­sammennimmt, kann sie gewinnen. Unterschätzen darf sie den Gegner auf keinen Fall. Im Vor­spiel auf dortigem Platz mußte sie in einem 2:2- Resultat einen Punkt an ihn abtreten.

Während die zweite Mannschaft vergeblich be­müht war, einen Gegner zu einem Gesellschafts­spiel nach hier zu verpflichten, tragen die dritte und vierte Verbandsspiele aus. Ein sehr schwe­rer Kampf steht der dritten bevor. Sie mutz nach Steinberg und wird auf dortigem Platz alle Mühe haben, zu gewinnen. Das Vorspiel konnte sie nur knapp mit 3:2 für sich entscheiden. Die vierte steht in Steinbach der dor­tigen zweiten gegenüber. V. f. B. gewann wohl das Vorspiel hoch mit 9:0, sollte diesmal aber im besten Falle nur einen knappen Sieg erringen können, es sei denn, daß sich ihre Spielstärke in letzter Zeit wesentlich wieder gehoben hat.

Am nächsten Sonntag greift die Iugend- und Schülerabteilung mit sämtlichen Mannschaften wieder in die Pflichtspiele ein. Die erste Iugendelf steht der gleichen Lollars auf dortigem Platz gegenüber. Im Vorspiel trennten sich die Gegner mit 2:2. Lieber den Ausgang des kommenden Spiels kann nichts vor­ausgesagt werden, da die Spielstärke der beiden Mannschaften auch jetzt noch ziemlich ausgeglichen sein dürfte.

Auf eigenem Platz hat die zweite Leih­gesterns erste zum Gegner und sollte, wenn sie sich anstrengt, das Spiel knapp für sich ent­scheiden können.

Wenig Aussicht auf Erfolg hat die dritte. Sie ist in G r o h e n - B u s e ck Gegner der dorti­gen ersten und wird um eine Niederlage kaum

Gauiurniag in Gießen.

= Der Gauvorstand des Turngaues Hes­sen (D.T.) hat beschlossen, daß der d'.esjahnge Gauturntag, der 98. seit Bestehen des Gaues, am 16. März in Gießen in der Turnhalle des Turnvereins 1846 stattfindet. Zu der Tagung wer­den aus 160 Vereinen über 200 Abgeordnete er­wartet. Am Samstag gehen Sitzungen des Gauoor- standes. des Gauausschusses und des Gauturnaus-

Am kommenden Sonntag trägt die Liga- Mannschaft ihr letztes Verbandsspiel auf eige­nem Platz aus. Ihr Gegner ist die Liga des SportvereinsWetzlar. Durch die Nieder­lage der V. f. B.-Elf und den Punktgewinn der Gießener Spielvereinigung, sowie der Marburger Germania" haben diese drei Vereine die gleiche Punktzahl. Allerdings hat Marburg ein Spiel mehr als die beiden erstgenannten. Der T a - bellen st and der Spitzenvereine ist fol­gender: 1. Ockershausen (13 Spiele, 8 gewonnen, 2 unentschieden, 3 verloren, 26:15 Tore, 18:8 Punkte). 2. Spielvereinigung 1900 (12 Sp., 8 gew., 1 unentsch., 3 verl., 44:26 T., 17: 7 P.). 3. V. fD (12 Sp., 8 gew., 1 unentsch., 3 verl., 26:18 T., 17:7 P.). 4.Germania" Marburg (13 Sp., 8 gew., 1 unentsch., 4 verl., 41:22 T., 17:9 P.). Welchen von diesen vier Vereinen es gelingen wird, sich einen der beiden ersten Plätze und da­mit den Aufstieg zu erringen, ist nicht vorauszu­sagen. Die Spiele des nächsten Sonntags sollten jedoch aller Voraussicht nach die Klärung bringen. Für V. f.B. ist der Ausgang seines Treffens gegen Wetzlar von größter Bedeutung. Gewinnt die Plahelf, so hat sie Chance, die Serie glücklich zu beenden. Verliert sie dagegen die Punkte, so ist ihr Verbleib in der jetzigen Klasse ziemlich feststehend. Die Erfahrung vom vergangenen Sonntag sich zu Nutze machend, muh sie alles o» - .

daran sehen, sich den Sieg zu sichern. Dor allem zweite ihre Kräfte mit der gleichen der Spiel- sollte der Sturm darauf bedacht sein, seinen Vereinigung messen wird. Der Ausgang Aktionen mehr Durchschlagskraft zu verleihen: I beider Treffen ist offen.

Der Traum vom Glück.

Vornan von E. Lovett und M. v. Weißenlhurn.

Copyright by Marie Brügmann, München.

19 Fortsetzung. Raddruck verboten.

Mit Dlihesschnelle erwog Doris jetzt, ob es nicht doch ihre Pflicht sei, die Tante vor der Abenteurerin zu warnen: doch wiederum kam ihr der Gedanke, daß ihres Detters Glück auf dem Spiele stand und daß ein einziger un­kluger Schritt ihn für immer elend machen konnte. Wie machtlos fühlte sie sich in diesem Augen­blick, die verwirrten Fäden seines Geschicks lösen und glätten zu helfen.

Sit siehst also", begann Frau von Wilhdofen von neuem, ..daß ich darauf vorbereitet sein muß, die liebe Sabine als Kurts Gattin bald immer in meiner Nähe zu haben, und deshalb des­halb ..."

Deshalb wünschest du mich dann nicht mehr um dich zu sehen." Doris brach in ein bitteres Lochen aus.

Deshalb hoffen wir, dah du Konrad Hagenau ermutigen und nicht so kurzsichtig sein wirst, die vorteilhafte Aussicht von der Hand zu weisen, die dir von der Vorsehung geboten wird."

Ich kann nicht den geringsten Zusammen­hang zwischen diesen beiden gänzlich verschie­denen Umständen finden, Tante Hanna."

Sei nicht so halsstarrig, Doris! Man möchte wirklich alle Geduld verlieren! Wie kannst du dich so unzugänglich zeigen, jetzt, wo ich dir alles auseinandergeseht habe, was übrigens nur im tiefsten Vertrauen geschah. Auf den dringen­den Wunsch von Sabines Mutter soll nämlich in den nächsten zwei Togen nichts beschlossen oder abgemacht werden, da sie ihre Tochter in keiner Weise zu einem letzten Entschluß zu drän­gen wünscht wirklich eine sehr weise Mutter! Ich rechne also auf deine Verschwiegenheit: im übrigen Kind, sei vernünftig und bedenke, wie wichtig es ist, deine eigene Zukunft zu sichern. Hier bietet sich eine Partie für dich, so glänzend, dah sie unsere kühnsten Erwar­tungen übertrifft. Ein Mann mit vorzüglicher Karriere, großartigem Einkommen, hoch ange­sehen und mit hervorragenden Eigenschaften."

Oh, Tante, du hast nicht nötig, alle seine Vor­züge aufzuzählen I" unterbrach sie Doris hastig, ich sehne mich so unbeschreiblich nach ihm!" könnte sich aber ein Mädchen in den Kopf setzen, einen Mann heiraten zu wollen, der sie kaum kennt!"

Wenn du den Rechtsanwalt nur ein klein wenig ermutigen wolltest, bin ich überzeugt, dah er dir feinen Antrag macht, bevor er uns verläßt!" sagte Frau von Wildhofen lächelnd, ohne den Einwurf zu beachten.

,gel an Rücksicht ge- .0 Zeit zu ruhiger

nenden Wangen mußte sie sich sagen, daß ihre Verwandten sich alle Mühe gaben, sie ihrer zu­künftigen Schwiegertochter aus dem Wege zu räumen.

Sie sollen mich loswerden!" sagte Doris jetzt mit bitterem Lachen.Aber nicht in- der Art, wie sie denken." Damit ergriff sie die mit In­seraten gefüllten Beilagen der Zeitung, die sie oft noch in ihrem Zimmer zu Ende los, und durchsuchte eifrig die Spalten. Sie sand darin mehrere Anzeigen, in denen Gesellschafterinnen für ältere Damen gesucht wurden. Sofort ergriff sie Papier und Bleistift und entwarf Ant­worten auf jene Gesuche. Doch plötzlich in einen Tränenstrom ausbrechend, warf sie Papier und Bleistift hin und schluchzte:

Oh, hätten sie ihn in Ruhe gelassen! Vielleicht würde er mich mit der Zeit lieben gelernt haben! Setzt aber kann ich ihm nur verächtlich sein und

Nun, ein wenig Ermutigung ist gerade das, was ich einem Manne gegenüber nie in Anwen­dung bringen würde, Tante Hanna! Dank Onkel Georgs Vorgehen kann mich der Rechtsanwalt jetzt nur noch verachten und und es ist über­haupt alles, was du mir da gesagt hast, ganz entsetzlich, abscheulich", fuhr es ihr in höchster Aufregung heraus, während ihr die Tränen heiß in die Augen stiegen und sie nicht mehr imstande war, ihre mühsam behauptete Fassung zu bewahren.

Frau von Wildhofen erhob sich mit so viel Würde, als es ihr von neuem erwachter Aerger zuließ.

Gut, so will ich nur das eine sagen, daß ich mich in dir sehr getäuscht habe, meine Liebel Dein Onkel und ich haben dir gegenüber jetzt unsere Pflicht getan; wenn du es aber ablehnst, unserer besseren Einsicht zu folgen, so trifft uns keine Verantwortung mehr. Gute Nacht!"

Gute Nacht, Tante Hanna!"

Frau von Wildhofen verließ Doris, ohne sie, wie sonst allabendlich, zu küssen: doch kaum hatte sie die Schwelle überschritten, als sie den Kopf auch schon wieder zur Tür hereinsteckte und ganz freundlich fragte:

Willst du morgen früh dann wenigstens dein neues Kleid anziehen?"

Nein, Tante, das will ich nicht!" antwortete Doris bestimmt, worauf die Tür ziemlich unsanft ins Schloß fiel.

Doris konnte trotz ihrer verzweifelten Stim­mung nicht umhin, zu lächeln, denn dieser plötz­liche Umschlag in der Laune der gnädigen Tante war wirklich komisch.

Obwohl ihre Worte eine zornige Erregung in Doris hervorgerufen hatten, waren sie doch nicht ohne Nachhall geblieben.

Was hätte sie darum gegeben, zu wissen, was Hagenau auf ihres Onkels taktlose Bemerkungen erwidert hatte! Mit klopfendem Herzen und bren-

schön entfalten!"

Konrad Hagenau war in der Hauptsache, mehr als durch den äußeren Liebreiz des jungen Mäd­chens, durch ihren Scharfsinn und Edelmut an­gezogen worden.

Trotzdem war er nach allen Andeutungen des Schloßherrn nicht gesonnen, sich mit seinen Ent­schlüssen zu beeilen oder Doris zu einer Ent­scheidung zu drängen. Shr nach einer zweitägi­gen Bekanntschaft eine Liebeserklärung zu machen, hätte sich nicht mit seinem Charakter vereinbaren lassen. Er hätte das dem jungen Mädchen gegen­über für einen großen Mangel an Rücksicht ge­halten . Sie sollte genügend Zeit zu ruhiger Heberlegung haben und auch er selbst wollte sich nicht drängen lassen.

Doris wurde von den beiden neu hinzuge- kommenen Herren Bankier Bertram und

Am frühen Morgen des andern Tages faß Doris ernst und gelassen hinter der Kaffee­maschine am Frühstückstisch. Sie hatte ihr bestes Kleid nicht angezogen: der, für den sie es tun sollte, bcktte es wohl auch kaum bemerkt. Lind wahrschMlich hätte sie darin kaum reizender ausgcsehen als in dem einfachen, dunkelgrauen Hauskleid mit der scharlachroten Halsgarnitur, das sie vorzüglich kleidete.

Konrad Hagenau sah sie mehrmals lange, wie prüfend, an: seit dem kurzen Morgengruß hatte er aber das Wort nicht mehr an sie gerichtet. Da sie ihm nur flüchtig gedankt hatte, ohne den Blick zu erheben, fragte er sich tm stillen, welche Gedanken sie wohl so in Anspruch nehmen mochten. Er glaubte es zu erraten, doch wie konnte er ahnen, daß ihr weib­liches Zartgefühl durch die Handlungsweise ihrer Verwandten aufs tiefste verletzt worden war. Er selbst war zwar auch nicht angenehm berührt gewesen von den zum mindesten sehr voreiligen Andeutungen seines Gastgebers: doch vermochten sie ihn, den Mann von gerechtem Sinn und gefestigtem Charakter, nicht gegen das junge Mädchen einzunehmen.

Arme kleine Gesellschafterin!" hatte er am verflossenen Abend vor dem Einschlafen ge­dacht. Trotzdem sie ein behaglichesZuhause und reiche Deschützer hat, ist ihr wohl kaum wahre Liebe zuteil geworden. Sie nützen sie aus, so viel sie können, sehen in ihr immer nur die Abhängige und sind eifrig bemüht, sie an Den ersten besten, der sich ihr nähert, loszuwerden. Wie würden sich Geist und Gemüt dieses ver­ständigen und warmherzigen Mädchens in einer für sie passenden Umgebung, in einem Heim, in dem Liebe und Sorgfalt sie umgeben, frei und

sicherlich habe ich ihn für ewig verloren! Aber ach es hätte so schön sein können ich sehne mich so unbeschreiblich na chihm!"

Sohn stark in Anspruch genommen. Diese neuen Iagdgäste hatten bald erfahren, daß die am Frühstückstisch waltende junge Dame nur die Gesellschafterin der Hausfrau sei, und hielten es demnach für unnötig, ihr mehr als die un­bedingt erforderliche Höflichkeit zu erweisen.

Ditte, schneiden Sie mir noch ein Stück Wurst ab, Fräulein", sagte (Bertram Vater in einem Ton, der wohl nach seiner Ansicht für eine Untergebene paßte.Nur nicht zu sparsam", setzte er hinzu,schneiden Sie nur etwas dicker!"

Doris blickte ihn höchst verwundert an, ent­hielt sich aber jeder (Bemerkung und erfüllte schweigend seine Wünsche.

Ieht erlaubte sich Herr Albert Bertram Sohn, der Doris am nächsten faß und sofort bemerkt hatte, daß die Gesellschafterin ein hübsches, junges Mädchen war, dieser einen mehr als freundlichen Seitenblick zuzuwerfen.

Doris errötete nur und gab sich den An­schein, als hätte sie nichts gesehen: doch als der junge Mann Miene machte, seinen Sessel etwas näher an den ihrigen zu schieben, rückte sie bei­seite und warf ihm einen verächtlichen Blick zu.

Nun, nun, murmelte Herr Albert, sich zu ihr binübemeigenb,sehen Sie mich nur nicht gar so strafend an. Hübsche junge Damen sind dazu auf der Welt, um sich bewundern zu lassen."

Es entzieht sich meiner (Beurteilung, an welche Klasse von Damen Sie gewöhnt sind", erwiderte Doris ruhig, aber mit zornsprühenden Augen. Doch mache ich Sie daraus aufmerksam, daß ich genötigt bin, Herrn von Wildhofen um seinen Schutz zu bitten, falls ich hier zudringliche Be­merkungen ausgesetzt sein sollte."

Na, na, wer wird denn gleich so empfindlich sein?!"

Doris hielt es für ratsamer, kein Wort mehr zu erwidern. Sie dachte: Besser ist es, ich er­trage die Gegenwart dieser ungebildeten Men­schen noch ein Weilchen, als daß ich eine Szene heraufbeschwöre und allgemeines Aufsehen er­rege.

Konrad Hagenau, der am entgegengesetzten Ende des Tisches saß. fühlte sich unbehaglich. Er konnte sehen, daß Doris mißmutig und auf­geregt aussah und hielt das ganz richtig für eine Folge des kurzen Gesprächs mit ihrem Nachbar. Es ärgerte ihn, daß er sich nicht ins Mittel legen konnte. Liebrigens beruhigte ihn auch der Gedanke, daß das kluge, energische Mädchen ganz danach veranlagt war, sich selbst zu helfen und einen Unbescheidenen in die ge­hörigen Grenzen zurückzuweisen.

(Fortsetzung folgt.)