Aus der provinzialhauptfiadt.
Gießen, den 24. Januar 1930.
Oer Adamsapfel.
Der Adamsapfel des Mannes ist feine Achillesferse.
Dieser etwas kühne Vergleich ist nicht so unberechtigt: Der Hals einer Frau kann unschön sein; aber der mit dem Kehlkopfvorbau gezierte Hals eines Mannes ist immer häßlich.
Menn Eva im Paradies schon den Apfel der Erkenntnis als Erste nahm, so muß es Adam aber doch auch ziemlich eilig gehabt haben, denn sonst wäre ihm nicht, — uralte Sage kündet es, — der Apfelbuhen im Halse steckengeblieben und hätte dort jene organische Verzierung hervor- gerufen, die den Mann zu ewiger Marter verdammte:
Denn dem mehr als bürgerlichen Adamsapfel setzte der Herrenmensch den steifen Leinen- kraaen entgegen! , „
Mit einem Folterwerkzeug bedeckte er eine ästhetische Unebenheit und zog den Vorhang absoluter Würde vor einen kleinen Schönheitsfehler der Natur.
Wenn wir Frauen den Mann zum ersten Male ohne Kragen sehen, so haben wir den erschrecken- den Eindruck eines entthronten Halbgottes. Die Romantik schwindet.
Wir denken voller Wehmut zurück an die Dack- fischzeit, in der ein Neun-Zentimeterkragen des Leutnants als hehres Symbol edler Männlichkeit unsere Herzen in schnellere Dewegung setzte. Hätte man sich einen solchen Leutnant ohne Kragen denken können? Vielleicht dergestalt, daß aus dem Uniformausschnitt plötzlich und unvermittelt ein langer, dünner Hals herausgewachsen wäre?
Man sagt immer, daß die Liebe in unserm Feit- alter an Wert und Inhalt verloren habe. Sollten hier vielleicht nicht geheimnisvolle Beziehungen zu dem weichen, niederen Kragen der heutigen Herrenmode am Wirken sein?
Ragt nicht der Hals eines Mannes aus diesem niederen Kragen heraus, wie ein einsamer Blumenstengel aus einer viel zu großen Vase?
Und reizt nicht der sichtbare Adamsapfel, der beim Sprechen und Schlucken sich noch in anatomischen Figuren bewegt, zum Widerspruch?
Man kann einen Mann lieben wegen seines kindlichen Gemütes, seiner Güte, die an Leichtsinn grenzt, seiner Selbstsucht, seiner Fehler, — ja, seiner Brutalität; aber man muß ihn lieben trotz seines nun einmal vorhandenen Adamsapfels.
Wir sehen, rückblickend auf die Entwicklung der Mode, daß die Einführung halsfreier Kleidung für den Mann immer nur eine Episode war.
Selbst die meisten Volkstrachten zeigen den Mann in der Würde eines umkleideten Halses.
Sollten die Anbänger des weiten, weichen Kragens, die sich bemühen, wie Schiller auszusehen, jemals mit ihren Forderungen durchdringen, dann müßten wahrscheinlich Heirats- Zwcmgsgesehe eingeführt werden, um die notwendige Neigung des schwachen Geschlechts zu erzielen.
Daher wird der steife, hohe Äragen unerschütterlich wie ein Fels im Meer der Meinungen ragen. M. A.
Bornotizen.
— Tagestalender für Freitag. Stadttheatcr: „Walzertraum", 19l/2 bis 22 Uhr. — Bund „Haus und Schule": Familienabend. 20 Uhr, in der Iohanneskirche. — Vortrag „Die Wunderkuren in Gollspach", 20 Uhr, in der „Stadt Lich". — Iungdeutscher Orden: Öffentlicher Vortrag „Parlament und Iungdeutscher Orden". 20 Uhr, im Cafä Leib. — V. f. D.: Iugendversammlung, 19 Uhr; V. f. D. (Leichtathletik-Abt.) : Kampfrichterbelehrungsabend,
20.30 Uhr, im Dereinsheim. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Aulruhr im Iunggcsellenheim". 23 Uhr: Nachtvorstellung „Bunter Abend"; 16 Uhr: „Schneewittchen". — Astoria-Lichtspiele: „Das Galeerenschiff".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Beginn der Opcrettenvor- stellung „Ein Walzertraum", heute 19.30 Uhr.— Sonntag 18.30 Uhr „Kyrih-Pyrih". — Dienstag, 28. Januar: „Die andere Seite" (Spielleitung Intendant Dr. Prasch). — Mittwoch, 29. Ian.: Lustspielpremiere „Du wirst mich heiraten!" von Verneuil. — Donnerstag, 30. Ian.: Einmaliges Gastspiel Paul Wegener „Der Gedanke".
— Volkshochschule. Wie schon mitgeterlt. findet der dritte (musikalische) Dolkskunstabend, diesmal „Marsch und Tanz", am kommenden Sonntag, 26. Januar, 20 Uhr im Großen Hörsaal der Universität statt. Zu dieser Veranstaltung haben die Abonnementskarten (blau) Gültigkeit. (Siehe heutige Anzeige.)
— Evangelische Volksgemeinschaft. Am morgigen Samstagabend Vortrag im Saale der Herberge zur Heimat über das Thema: „Was will der christlich-soziale Aolksdienst?" (Siehe heutige Anzeige.)
** Das Erdbeben i m Lahngebiet, über das in Meldungen aus Frankfurt a. M. berichtet wird, ist, wie man uns aus dem Leserkreise mitteilt, auch in Gießen bemerkt worden. Eine Dame, die in der angegebenen Zeit die Straße passierte, hörte ein donnerähnliches Geräusch, das an eine Sprengung oder Explosion erinnerte.
**■ Fremd en Vorstellung im Gießener Stadttheater. Man schreibt uns: Am Sonntag, 26. Ianuar, 18.30 Uhr, geht als Fremdenvorstellung „Kh ri tz - P y r i h" in Szene. Das Publikum kommt bei dieser entzückenden Posse nicht aus dem Lachen. Viel Musik, Tänze, und ein sprudelnder Humor bringen ein temperamentvolles, launiges Stück auf die Bretter. Spielleitung: Heinrich Hub.
** E i n schwerer Verkehrs Unfall ereignete sich gestern gegen 18.30 Uhr an der Straßenkreuzung Nordanlage/Wcstanlage/Neu- stadt beim Neustädter Tor. Dort kam ein Auto- besiher von hier mit seinem Kraftwagen von der Lahnbrücke her in Richtung Neustadt gefahren. Im gleichen Augenblick nahte der Arbeiter Iohann Höhn, an den Kläranlagen wohnhaft, auf seinem Fahrrad von der Nordanlage her, um anscheinend geradeaus in Richtung Westanlage zu fahren. Mitten auf der Straßenkreuzung fuhr Höhn mit seinem Rade gegen den hinteren Teil des Autos, wobei der 2lnprall so heftig war, daß der Radler in das Wagenfenster hineinflog und dann wieder auf die Straße zurückfiel. Durch den Sturz in dre Fensterscheibe zog sich der bedauernswerte Mann einen Bruch des Nasenbeins und schwere
Oberheffen und die Hekoga.
Das Vertragswerk der Hekoga über die Gasfernversorgung Hessens und der benachbarten Gebiete wird am heutigen Freitagnachmittag den Gießener Stadtrat und am morgigen Samstag den Provinzialtag der Provinz Oberhessen beschäftigen. Beide Körperschaften stehen dabei vor Entscheidungen, die von weitreichender, für unser künftiges Wirtschaftsleben im engeren Heimatgebiet tief einschneidender Bedeutung sind. Daraus erwächst den Mitgliedern dieser Körperschaften, die als Wortführer der Bevölkerung zur Entscheidung berufen sind, eine große Verantwortung, die es vor allem erforderlich macht, etwaige Stimmungsmomente oder parteipolitische Gesichtspunkte völlig auszuschalten und alles nur auf rein sachliche und wirtschaftliche Lleberlegungen zu gründen.
Soweit in dieser Angelegenheit die Stadt Gießen in Betracht kommt, haben wir den klaren und überzeugenden Darlegungen des Beigeordneten Dr. Hamm in seinem Aufsatz „Gießen und die Gasfernversorgung" („Gießener Anzeiger" Nr. 15 vom 18. Ianuar) nur wenig hinzuzufügen. Daß unsere Stadt durch den Anschluß an die Gasfernversorgung den bedeutsamen Vorteil hätte, ihre Gaswerkssorgen endlich loszuwerden, liegt auf der Hand. Die Partie steht jedoch nicht so, daß Gießen nun einfach jeden Vertrag annehmen mühte, der ihm vorgelegt wird. Es werden vielmehr an dem Vertragswert der Hekoga unter Gießener Gesichtspunkten noch gewisse Aenderungen vorzunehmen bzw. eine einwandfreie Klärung einiger offenstehender Fragen herbeizuführen sein, bevor der Stadtrat seine endgültige Zustimmung zu den Verträgen gibt. Der Betriebsausschuh des Stadtrates hat seine dahinzielende Stellungnahme im Laufe der letzten Tage präzisiert, und es ist Wohl kein Zweifel, daß der Stadtrat in seiner heutigen Plenarsitzung sich den Vorschlägen des Betriebsausschusses anschliehen wird. Einzelheiten nach dieser Richtung hin werden die heutigen Verhandlungen zur Kenntnis der Oeffentlichkeit bringen. Grundsätzlich wird man es aber in Gießen begrüßen, wenn der Abschluß mit der Ruhr und Saar zu einem möglichst nahen Zeitpunkt zustande gebracht wird und die Gaszufuhr aus dem Fernversorgungsgebiet dann auch nicht mehr allzulange auf sich warten läßt. Für die Gasversorgung unserer Haushaltungen, aber auch für manchen industriellen Betrieb wird diese Neuordnung der Gaszufuhr zweifellos von Dortell fein.
Auch vom Interefsenstandpunkt der Provinz Oberheffen aus erscheint uns das Zustandekommen der Verträge der Hekoga mit der Ruhr und Saar wünschenswert. Natürlich werden die zur Entscheidung berufenen Stellen der Provinz darauf sehen müssen, daß in den Verträgen den berechtigten Erfordernissen Oberhessens ausreichend Rechnung getragen wird. Aber auch hier gilt die Grundforderung, daß die Provinz- Körperschaften sich von Stimmungsmomenten, vor allem von politischen Motiven freihalten sollten. Einzig und allein wirtschaftliche und streng sachliche Gesichtspunkte dürfen den Ausschlag geben. Ferner sollte man sich im oberhessischen Provinzialtag davor hüten, die Angelegenheit nur daraufhin anzusehen, ob diese oder jene Stadt mit eigenem Gaswerk ihre besonderen Wünsche erfüllt bekommt, oder ob etwaige Bezirksinteressen genügend Geltung finden. Man muh vielmehr den Blick auf das große Ganze richten und sich dabei vergegenwärtigen, daß das Parlament der Provinz neben der gebührenden Rücksichtnahme auf die Städte auch die Entwicklungsmöglichkeiten der kleinen Landorte und des flachen Landes nicht außer acht lassen darf. Wenn schon die Gasfernversorgung für Gießen beachtenswerte Vorteile bietet, so gilt das nicht minder auch für die an der jetzt, vorgesehenen Haupt-Leitungsstrecke gelegenen Städte Butzbach, Bad-Nauheim und Friedberg; auch wenn das Friedberger Gaswerk zur Zeit noch eine ausreichende Betriebskapazität besitzt, so ist doch ernstlich zu überlegen, mit welcher Wahrscheinlichkeits-Entwicklung in der Zukunft jju rechnen sein wird. Don großer Bedeutung dürfte im Laufe der Jahre der Anschluß an die Gasfernversorgung z. B. auch für die Städte Grünberg, Lich, Hungen, Laubach, Schotten, Nidda, Ortenberg un& Büdingen werden; das jetzige kleine Büdinger Gaswerk wird wohl kein Hindernis darstellen bei einer großzügigen, weitsichtigen wirtschaftlichen
Neuorientierung der Brennstoff.'Dersorgungs- wirtschaft, die außerordentlich große Entfaltungsmöglichkeiten in sich birgt. Aber auch für die Bewohner der Dörfer, insbesondere zuerst für die Wetterau und die Orte des Flachlandes, versprechen wir uns von einer leistungssähigen und möglichst wohlseilen Zufuhr des Gases bedeutsame wirtschaftliche Vorteile. Schon feit einer Reihe von Jahren kann man in zahlreichen Dörfern die Beobachtung machen, daß der Verbrauch von Holz zu Hausbrandzwecken immer mehr zurückgeht und dort die Kohle immer stärker benutzt wird. Diese Umstellung in der Hauswirtschaft, die vor allem auch mit der größeren Billigkeit der Kohle gegenüber dem Holz begründet wird, könnte noch viel rationeller durchgeführt werden, toerm man an Stelle der Kohle das im Ruhrgebiet und an der Saar in den Kokereien als Nebenprodukt anfallende Gas, das natürlich billiger ist als die Kohle, verwenden würde. Der ganze Sinn der Gasfernversorgung ist doch nur der, ein in den genannten Industriegebieten wegen Lleberproduktlon nicht genügenb ausnuhbares Nebenprodukt, nämlich das Gas, vollkommen und in möglichst wirtschaftlicher Weise zu verbrauchen und Dabei auch den entfernter liegenden Gebieten einen Brennstoff an die Hand zu geben, der billiger und wirtschaftlicher ist, als der feste Brennstoff Kohle oder Koks. Diese Gedanken werden sich die Provinzialtagsmit- glieder auch im Hinblick auf die große wirtschaftliche Bedrängnis der Landbevölkerung ernstlich überlegen müssen. Natürlich sind für die Ausdehnung des Rohrnetzes von der Hauptleitung auL (die von Siegen an Gießen vorbei über Bad-Nauheim, Friedberg usw. führen soll) sog. Stichleitungen erforderlich, deren Schaffung eine gewisse Kapitalinvestierung notwendig machen wird. Dieser Teil der jetzt im G r u n d s a tz zur Entscheidung stehenden Frage ist ja noch nicht von aktueller Bedeutung; er wird vielleicht erst in etlichen Iahren zur Entscheidung auf der Tagesordnung stehen. Heute handelt es sich nur Darum, daß die Legung desGrund st eines zu dem Dau der großen und zukunftsreichen Gasfernversorgung durch alle maßgebenden Stellen unserer Provinz erfolgt und daß man nicht etwa eine verpaßte Gelegenheit schafft, Die man in Zukunft schwer bereuen müßte.
Die Mitglieder des Provinzialtages dürfen sich bei ihrer Entscheidung nicht etwa kopfscheu machen lassen durch gewisse Beeinflussungsversuche, Die aus der Richtung Frankfurt kommen. Man hat in der Mainstadt bisher immer nur das Bestreben gehabt, Die Frage der Gasfernversorgung s o zu lösen, daß Frankfurt Dabei Die Führung erhalten sollte, während alle anderen Städte ooer Bezirke gewissermaßen nur als Anhängsel Frankfurts anzusehen wären. Don einer in dieser Frage gut unterrichteten Seite konnte man kürzlich sogar hören, daß Frankfurt in Der Frage Der Gasfernversorgung bisher nicht selten diktatorische Gelüste gezeigt habe und zeitweise sogar mit einer gewissen Brutalität vorgegangen sei. Wenn nun jetzt in den Tagen Der Entscheidung wiederum gewisse Vernebelungsversuche von interessierter Frankfurter Seite aus vorgenommen werden, so sollte man sich dadurch in Oberhessen Den klaren Blick für die realen Erfordernisse unserer Provinz und für die wirtschaftlichen Notwendigkeiten der oberhessischen Zukunft nicht trüben lassen. Man wird auch gut tun, sich vor Dem von einer anDeren Seite aus politischen GrünDen mit grellen Farben an Die WanD gemalten Schreckgespenst Des „machtgierigen Ruhrkapitals", Diesen Popanz für politische und wirtschaftliche Kinder, zu hüten Wenn in itgenDemer Angelegenheit Die Politik, und gar Die Parteipolitik, nicht am Platze ist, so trifft Das ganz besonders auf Die Gasfernversorgung zu. Man mag an Den- Verträgen noch gewisse QlenDerungen zur Verbesserung für notwendig halten, man sollte aber Die Parteipolitik, Die aus gar manchen Kundgebun» gen zu den Vertragsentwürfen Der Hekoga bisher nur allzu deutlich heraussah, wenigstens in Oberhessen völlig beiseite lassen und sich lediglich rein sachlich unD wirtschaftlich orientieren unter Dem Gesichtspunkt, unser Gebiet so wohlfeil wie möglich mit Dem zukunftsreichen Brennstoff Gas zu versorgen. Das Vorbild Der moDemen Elektrizitätsversorgung weiter Gebiete Westdeutschlands, z. B. durch Die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke, lärm in der Ferngasfrage wegweisend sein
Schnittwunden am Kopfe und am Halse zu. In besinnungslosen Zustande wurde er, nachdem Mannschaften Der Feuerwache ihm erste Hilfe geleistet hatten, von Der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz mit Dem städtischen Sanitätsauto nach der Chirurgischen Klinik verbracht. Sein Befinden ist heute früh Den Um» stänDen entsprechend gut.
•• Von seinemPferd schwer geschlagen wurde gestern der etwa 30 Iahre alte Landwirt Otto Bernhard aus Illnhausen (Kreis Büdingen), als er sich unterwegs auf der Landstraße in Der Nähe von Ober-Seemen befand. Während der Fahrt war das Geschirr des einen Pferdes in Unordnung geraten, so daß der Mann vom Wagen stieg, um es wieder zu ordnen. Als er damit beschäftigt war, schlug das Pferd plötzlich aus und traf den Bedauernswerten so schwer an den Kopf, daß er bewußtlos zusammenbrach. Ein Mitfahrer schaffte den Verunglückten zunächst nach Hause, von wo er Dann auf telephonische Anforderung Durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen der hiesigen Chirurgischen Klinik zugeführt wurde. An einem Schädelbruch liegt er zur Zeit ernstlich darnieder.
** Wer kennt Die Rohlinge? Der Poli- bericht teilt mit: In der Nacht zum 13. Januar wurde ein Teil der Einfriedigung der Deterinär- kliniken in der Frankfurter Straße gewaltsam abgerissen. Personen, die Wahrnehmungen gemacht haben, die zur Ermittlung der Täier von Bedeutung sind, werden gebeten, der Kriminalpolizei, Zimmer 64, Mitteilung zu machen.
** W o i ft bie erschwindelte Nähmaschine? Der Polizeibericht meldet: Am 17. Dezember 1929 hat ein mehrfach vorbestrafter Mann in einem hiesigen Geschäft eine Singer-Nähmaschine, Kl. 15. D. 26 K. Kl. 7 b. 3, erschwindelt und diese sofort wieder abgesetzt. Diejenige Person, die die fragliche Nähmaschine käuflich erworben oder über deren Verbleib Kenntnis hat, wird im eigenen Interesse ersucht, umgehend die hiesige Kriminalpolizei, Zimmer 27, zu verständigen,
•• Wem gehört die Geldbörse? Der Polizeibericht meldet: Im Verkaufsraum der Pilgermission, Plockstrahe 4, wurde eine Geldbörse mit etwa 30 Mark Inhalt gefunden und dem Fundbureau des Polizeiamts abgeliefert. Der Eigentümer wird um Abholung ersucht.
** Der Hubertus, Verein weidgerechter Iäger, Sih Gießen hielt am Mittwoch im „Hessischen Hos" seine Iahreshaupt- versammlung ab. Dem von Dem ersten Vorsitzenden, August Pascoe, erstatteten Jahresbericht des Vorstandes war zu entnehmen, daß der Verein ein erfolgreiches Iahr hinter sich hat. Die Mitgliederzahl stieg auf 155, in regelmäßigen Monatsversammlungen wurden jagdliche Fragen behandelt, verschiedene Vorträge aus Dem Gebiet der Iagdzoologie, Der Iagdausübung, Der Weidmannssprache und des Naturschutzes dienten Der WeiterbilDung Der Mitglieder. Der Zustand Der Reviere hat sich sichtlich gehoben, die Iahresstrecke war sehr erfreulich, wie auch Die Ausstellung am Hubertustag, Dem Höhepunkt im Dereinsleben, Dartat Don besonderer Bedeutung war, daß Der langgehegte Wunsch nach Anlage brauchbarer, eigener Schießstände in Erfüllung ging, während auch das wichtige Gebiet der Hundezucht und -führung gebührend beachtet wurde. In materieller Hinsicht konnten ferner Die Mitglieder durch Neuabschluß und Erweiterung preiswerter Haftpflichtversicherungen, sowie durch vorteilhafte Derwertung des Rauch- Werks unterstützt werden. Im Verkehr mit Behörden und anderen jagdlichen Organisationen war Arbeit zum Wohle des Weidwerks möglich. Im Interesse des Iagdschutzes konnten Belohnungen an Personen vergeben werden, bie sich um Die Bekämpfung tierischer Iagdfeinde, oder durch Die Namhaftmachung von Wilderern verdient gemacht hatten Mit Befriedigung konnte Der Vorstand am Ende des Iah res auf das Ergebnis seiner Arbeit zurückblicken, das zu neuen Taten im kommenden Iahre ermutigt Für diese wurde ein eingehendes Arbeitsprogramm aufgestellt und in Der Hauptversammlung Durchberaten und genehmigt Don größeren Deran-
ft al hingen sind eine Prüfung für Iagdhunde und eine Gebrauchsprüfung vorgesehen Den Abschluß regelmäßiger Schießtage wird ein Hauptjagd- schiehen im August bilden Eine Aussprache über Iagdschuhfragen beendete Die anregende Versammlung.
Preußen.
Kreis Biedenkopf.
T Rodheim a. d. Bieber, 20. Ian Der Kriegerverein Rodheim a. d. Bieber feierte am Samstagabend im Saale des Gastwirts Wilhelm Dender sein 5 5. Stiftungsfest. Wie alljährlich, war auch diesmal der Saal wieder bis auf den letzten Platz gefüllt Deine Ansprache knüpfte Der 1. Vorsitzende, Kaufmann Emil Höhn, an das Datum des Tages, das gleichzeitig das des Tages der R-ichsgründung war. Zur Unterhaltung war ein umfangreiches Programm auSgcarbcitct mit zwei Theaterstücken Nach Ueberwindung der verschiedensten Schwierigkeiten ist es, dank der Mitspielenden, welche sich in ihre Rollen vollkommen eingelebt hatten, gelungen, Den Anwesenden etwas zu bieten, was die Enge und das Behelfsmäßige der ländlichen Bühne vollkommen vergessen ließ. Mit großem Deisall wurde ein lebendes Bild „Vollsopser 1813" nach Dem GernälDe von Artur Kampf aufgenommen. In Der Darstellung lag insofern etwas neuartiges, als vor Stellung Der Gruppe jede einzelne Person redend und handelnd auftrat, so daß jeder, Der auch das oben erwähnte Bild noch nicht gesehen hatte, ohne weiteres Die BeDcutung der Gruppe in ihren Einzelheiten verstand. Bei den Klängen Der guten Musik Der Kapelle Des 1. 23atL Inf.-Rgts. 15 Gießen verlebten Die Besucher noch einige schöne Stunden echt kameradschaftlichen Beisammenseins, bei Denen auch das Tanzbedürfnis Der Iugend erfüllt wurde.
Dillkreis.
WSN. Dillenburg, 23. Ian. Ein auf Dem hiesigen Postamt beschäftigter Postschaffner ist Der Brief Unterschlagung überführt worDen Der Beamte, Der geständig ist, wurde einstweilen seines Dienstes enthoben Schon seit einiger Zeit sind Briefberaubungen vorgekommen, Die Dem Beamten zur Last zu legen sinD. Die Ermittlungen sinD noch nicht abgeschlossen.
Das hessische Hebammengesetz
Darmstadt, 23. Ian. Der Gesehgebungs- ausschuh kam heute mit der ersten Lesung des Gesetzentwurfs über das Hebammenwesen zu Ende. In «Der Abstimmung wurde Artikel 23a, der das Mindesteinkommen der Hebammen regelt, unter Ablehnung der Erhöhungscmträge in der Fassung der Vorlage angenommen. Cs bleibt also bei den Sähen von 600, 800, 1000 und 1200 Mk. in Den vier Ortsklassen. Artikel 23b, der das Dersorgungswesen behandelt, wurde zurückgestellt, bis die von der Regierung gewünschten Unterlagen vorhanden sind, ob nicht zweckmäßiger die Hebammen in die Reichs- angestelltenversicherung eingegliedert werden als in Die Versicherung für hessische gemeindliche Beamte. Bei Artikel 24 wurde auf volksparteilichen Antrag Der Sah „im übrigen ist es unzulässig^ Die Uebernahme oder Zurückerstattung der A u s - bildungskosten (Der gemeinDIidjen Hebammenschülerinnen nämlich) vertraglich zu vereinbaren" gestrichen Artikel 27, der Den Zusammenschluß der Hebammen in eine Derufs- vertretung gesetzlich vorschreiben wollte, wird gestrichen. Artikel 29, der den Lastenaus- g le ich unter Den Gemeinden durch Schaffung eines Ausgleichsstocks vornehmen wollte, wird auf Antrag der Volkspartei und des Bauernbundes gestrichen Artikel 32 erhält folgende Fassung: „Hebammen, Die keiner Versicherung angehören und a) wegen eines körperlichen Gebrechens oder wegen Schwäche ihrer körperlichen oder geistigen Kräfte zur Ausübung ihres Berufs bereits dauernd unfähig sind und sich in Not befinden, b) bei Inkrafttreten dieses Gesetzes innerhalb dreier Monate nach Vollendung ihres 6 5. Lebensjahres ihren Berus aufgeben und sich in Not befinden, ist von der Gemeinde, in Der sie zuletzt ihre Hebammentätigkeit ausgeübt haben, eine Ren te zu gewähren ..." — Der Ausschuß will die zweite Lesung und Die Beratung Der zurückgestellten Artikel in etwa vierzehn Tagen vornehmen.
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