Nr. 222 Erstes Blatt
180. Jahrgang
Dienstag, 25. September 1950
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.Tyyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dießen.
Große Minderheiienrede des deutschen Außenministers in Gens.
Eurtius aniworiei auf ironische Einwendungen des Polen Zaleski. — Briand erneut an der Spitze der Minderheitenfeinde. Ergebnisloser Ausgang der Aussprache.
Eine ausgewehte Scharte.
Der Gang der Aussprache über das Minder- heitenprvblem in der politischen Kommission des Völkerbundes in Genf bat Rcichsaußenministcr Dr. Curtius ersreulicherweife die Gelegenheit gegeben, die Scharte des letzten Mals wieder auSzuwehcn. Damals hatte der Führer aller Minderheitenfeinde Briand es leicht gehabt, einen großen rednerischen Sieg davon zu tragen. Koch» TDefcr aber nahm schon am nächsten -Sage Gelegenheit, die Debatte wieder in Gang zu bringen, und Dr. Curtius konnte am Montag tatsächlich den rnindgrheilenseindlichen Vertretern eine große Niederlage beibringen.
Man sollte es wohl kaum für möglich halten, daß heute noch auf der offenen Bühne des Völkerbundes jemand cs wagt, jene Assimilati» onStheorien vorzubringen, die den Minderheiten einen langsamen und schmerzlosen Tod bereiten möchten, und daß dieser Jemand ausgerechnet 'der griechische Außenmini st er war, also der Vertreter eines Dolles, das s e l b st im jahrhundertelangen Kamps gegen die türkische Gewaltherrschaft fein nationales Dasein und feine staatliche Selbständigkeit wieder erkämpft hat. Diese Assimilationstheorie, gegen die sich Dr. Curtius mit vollem Recht in äußerster Schärfe wandte, ist ihrem Wesen nach in nichts unterschieden von jenen barbarischen Methoden der V ö l - kcrausrottung, wie sie heute noch im nahen Osten üblich find. Wenn man diese Theorie als richtig anerkennen wollte, dann hätten Mussolini und die polnische Rationalitätenpolitik hundertprozentig Recht, dann dürfte man den Minderheiten ihre Schulen wegnchmen und sie daran hindern, ihren Kindern in der Muttersprache die religiöse Unterweisung zu geben, dann dürfte man da- Sprechen der Minderheitenfprache an öffentlichen Orten verbieten und was dergleichen Menschlichkeiten mehr find. Die Assimilations» theoric unterscheidet sich von der Ausrottungstheorie etwa ebenso wie eine schwierige Operation mit Narkose von einer solchen ohne Betäubung. DaS Ziel, die Ausrottung der Minderheiten, die Vernichtung ihres kulturellen Charakters bleibt das gleiche.
Der Pole Zaleski, der mit großer Geste gleichfalls wieder feinen minderheitenfcindlichen Standpunkt zum Ausdruck brachte, forderte von ter deutschen Politik, sie solle voran gehen und neue Minderheitenverpflichtungen auf sich nehmen. Curtius konnte ihn darauf Hinweisen, daß es sich jetzt um nichts weiter handele, als um die Erfüllung derjenigen Pflichten des Min- tcrheitenschuhcs, die gewisse Staaten, auch Polen, übernommen hätten, als man ihnen im Friedensvertrag die Herrschaft Über große Minderheiten anvertraut hat. Cs ist doch nun einmal eine Tatsache, daß diese Staaten samt und sonders nicht im entfemteften daran denken, diese Verpflichtungen zu erfüllen. Dabei bleibt es besonders erstaunlich, daß ausgerechnet diejenigen Staaten heute den wüstesten Terror gegen die Minderheiten erheben, deren Völker früher einmal wirklich oder vermeintlich in der Entwicklung ihrer nationalen Eigentümlichkeiten durch andere Staaten bedrückt worden find.
Wenn irgendwo etwas Minderheitenfeindliches im Werden ist, dann kann Briand nicht fehlen. Die französische Mentalität hat zu dem mitteleuropäischen Problem des Minderheitenschutzes, das zu unserem politischen Schicksal werden kann, überhaupt kein Verhältnis. Briand ist überdies politisch der Schirmherr aller der Staaten, die heute am meisten gegen die Verpflichtungen aus den Minderheitenschuhverträgen sündigen. Er konnte zwar die Verlegenheit nicht ganz verbergen, die aus dem völligen Mangel an fachlichen Gegengründen gegen die Rede des deutschen Außenministers entspringt, aber er, der wohl als der gefährlichste Feind der Minderheitenbewegung anzusehen ist, tat wiederum alles, um eine sachliche Forderung der Debatte zu verhindern.
Durch die Rede von Curtius ist der Weltöffentlichkeit wieder einmal klar geworden, daß Deutschland aus zwingenden Gründen seiner politischen Lage immer der Vorkämpfer einer vernünf tiaen Minderhciten- politiksein muß, sobald eS seine Aufgabe in Europa begriffen hat.
Das Duell Zaleski-Eurtius.
Genf, 22. Sept. (TU.) Die Verhandlungen im politischen Ausschuß des Völkerbundes in der Minderheitenfrage nahmen heute unerwartet eine Wendung, die stark an den bekannten Lugano er Zusammenstoß zwischen Dr. Stresemann und Z a l e f k i erinnerte.
Oer polnische Außenminister Zaleski betonte in ironisch und höhnisch gehaltenen Ausführungen. es sei ihm völlig unverständlich, warum die deutsche Abordnung als ständige Traglast die Minderheitenfrage vor die Völkerbundsversammlung bringe. Für diese Frage bestehe die ausschließliche Zuständigkeit des Dölkerbundsrates. Zu den Erklärungen des Abgeordneten Koch- Weser. die Mehrheit des Ausschusses trete für die Gedankengänge der Deutschen ein, müsse er
feststellen, daß die Mehrheit des Ausschusses den deutschen Standpunkt a b l c h n e. Früher habe das Dölkerbundssekretariat jährlich 300 Minderheitenbeschwerden als unzulässig erklärt. Es sei unverständlich, warum die deutsche Abordnung heute, wo nur 26 Minderheitenbeschwerden für unzulässig erklärt wurden, Protest erhebe. Er freue sich jedoch über gewisse Wandlungen, die in dieser Frage in letzter Zeit in Deutschland eingetreten seien. Er selbst sei ein aufrichtiger Freund der Minderheiten und fei in feiner Fugend in Polen als Angehöriger einer Minderheit erzogen worden, in der jedes polnische Wort bereits als Staatsverbrechen angesehen und bestraft worden sei. Zaleski richtete weiter an die deutsche Abordnung die offizielle Aufforderung, fich unumwunden zum sofortigen Abschluß eines Minderheitenschutz- vertrages bereit zu finden und sich selbst dem bestehenden Minderheitenverfahren des Völkerbundes zu unterwerfen. — Die Erklärungen des polnischen Außenministers wurden in einer stark nervösen Atmosphäre mit einer außerordentlichen Spannung ausgenommen.
ReichSaußenminister Ör. Curtius
ergriff sofort das Wort in deutscher Sprache zu einer mit großer Ruhe Dorgetragenen Erklärung. Curtius begründete zunächst eingehend den deutschen Cntschließungsantrag. Die deutsche Abordnung habe keineswegs eine Aenderung der Madrider Ratsbeschlüsse beantragt, deren Revision sich jedoch bereits am Horizonte abzeichne. Er müsse sich jedoch auf das entschiedenste gegen die Auffassung wenden, als ob der Dvlkerbundsrat kein Recht habe, ohne Zustimmung der beteiligten Mächte das Minderheit svers ah ren abzuändern. Die Minderheiten- schuhverträge ergäven einwandfrei die Garantiepflicht des Völkerbundes gegenüber den Minderheiten. Die gleiche Bestimmung finde sich in dem Minderheitenschutzvertrag Polens. Er zweifle nicht daran, daß sich in der Praxis ein weiterer Ausbau des Besch Werdeverfahrens vollziehen könne. Es liege im allgemeinen Interesse des Völkerbundes, daß die Ocssentlichkeit weitgehend über die Tätigkeit des Völkerbundes in der Minderheitenfrage unterrichtet würde.
Man habe sich in Madrid nicht vorgestellt, daß die dort beschlossene Statistik so mager dünn und nichtssagend ausgefallen wäre, wie dies jetzt geschehen fei. Ls fei durchaus verständlich, daß die Minderheiten über die bisherige Bekanntgabe der Minderheitenstatistik aufs tiefste enttäuscht seien.
Die deutsche Abordnung halte es daher für dringend notwendig, daß die Oeffentlichkcit in breitester Weise übet die Tätigkeit des Völkerbundes in der Minderheitenfrage unterrichtet werde.
Der Reichsaußenminister wandte sich sodann gegen die vom griechischen Außenminister vor- getragenc These ^r Aufsaugung derMinder h e i t e n. Er habe sich außerordentlich ge- wunlert, Laß diese längst abgetane Aufsaugungstheorie letzt von neuem auflebc. Der Vergleich der in Amerika auftauchenden Aufsaugung müsse aufs schärfste abgelehnt werden.
3n (Europa handele es sich um große, geschlossene und bodenständige nationale Gruppen, die mit allen Fasern ihres Herzens an ihrer Religion, Sprache und Kultur hängen, die sie in jahrhun- berflangcm Kampf verteidigt haben. Die 21uf- saugungstheorie sei ausdrücklich vom englischen Außenminister Chamberlain im Jahre 1929 zurückgewiesen worden. Lr müsse auf das entschiedenste und schärfste gegen diese Theorie protestieren, die Aufsaugungstheorie müsse ein für allemal als abgeschlossen und erledigt angesehen werden.
Die Ausgabe könne heute nur sein, im Völkerbund die bestehenden Spannungen auszugleichen und die Ventile zu öffnen, um größeren Gefahren zu entgehen, wobei es niemals die Absicht gewesen sei, die souveränen Staaten durch den Minderheitenschutz zu schwächen.
Dr. Curtius wandte sich sodann zu dem polnischen Außenminister. Er stelle fest, es sei gelungen. in einer offenen Aussprache, vor der gesamten Ocssentlichkeit im Völkerbund die Minderheitenfrage zur Sprache zu bringen. Dies sei bereits ein großer Gewinn. Die an ihn vom polnischen Außenminister gerichtete Frage, ob Deutschland zur Ausdehnung der Min- derheitenschutzverträge über die gegenwärtig gebundenen Staaten hinaus bereit sei, denke er in keiner Weise zu verneinen, er glaube jedoch daß eine solche Ausdehnung nur im Kreise der europäischen Machte ftatt- sinden könne.
Er müsse jedoch ausdrücklich feststellen, daß die Minderheitenschuhoerträge in den Friedensverträgen den neugegründeten Staaten Ost- und Südosteuropas als ein Servitut aufertegt wären, ohne daß sie überhaupt nicht ins Leben getreten wären. Denn man jedoch zu einer allgemeinen Mindert,eitenregclung kommen sollte, so werde
auch Deutschland keineswegs gezwungen sein, irgendetwas an den bestehenden Zuständen in
Deutschland zu ändern.
Nach Dr. Curtius wiederholte der jugoslawische Außenminister Marinkowitsch, daß die neuen Staaten einer Erweiterung ihrer Minder- heitenpflichten nur zustimmcn konnten, wenn diese Verpflichtungen auf alle Staaten ausgedehnt würden. Graf Apponyi (Ungarn) schloß sich im vollem Umfange den Worten des deutschen Vertreters an. Die Ironie, mit der Zaleski und andere Redner die allgemeine Ausdehnung der Minderhcitenverträge verlangt hatten, beantwortete der ungarische Delegierte im gleichen Ton. Die Vertreter der Staaten mit Minderheitenverpflichtungen haben sich darüber beklagt, daß sie unter einer Art Aus- nafjmergime stehen. Ich erkenne die Berechtigung dieser Klagen an und glaube, daß sie aufrichtig gemeint sind. Dann werden die Vertreter dieser Staaten aber auch Verständnis dafür haben, daß Ungarn in der Frage der Abrüstung und auf anderen Gebie-
fortschreitende Heranziehung der Minderheiten zu allen staatsbürgerlichen Aufgaben, auch zur Teilnahme an der Regierung und an den höchsten Aemtcrn des Landes.
Der italienische und der englische Vertreter beantragten sodann den Abschluß derGe- neralaussprache mit dem Hinweis, die Gegensätze in der Minderheitensrage seien so groß, daß ein Ausgleich nicht zu erwarten fei, und die Aussprache sonst einen uferlosen Verlaus nehmen werde.
0er Eindruck in Genf.
WeitcrcBchandlung der Minderheitenfrage
Genf, 22. Sept. (TU.) Nach dem Abschluß der großen Aussprache über die Minderheitenfrage im politischen Ausschuß ist jetzt die weitere Behandlung dieser Frage in die Hände des Schweizer Bundesrats Motta als Berichterstatter gelegt worden. Auf deutscher Seite hofft man, daß der Berichterstatter bei seinen Vorschlägen den deutschen EntschließungS
Auch im Abrüstungsausschuß starke Gegensätze.
Ein deutscher Antrag zum Abkommen über Kriegsverhütungsmaßnahmen stößt auf heftigen Widerstand Frankreichs.
Gens, 22. Sept. (TU.) Im Abrüstungsausschuß der Dolkerbundsversammlung wurde am Montag das Abkommen über Kriegs- verhütungsmaßnahmen erörtert. Die deutsche Abordnung hat einen Abänderungsantrag eingebracht, wonach der Völkerbund bei drohender Kriegsgefahr auf Grund des Artikels 11 des Völkerbundspaktes eine Zurückziehung der bereits in das feindliche Gebiet oder in die entmilitarisierten Zonen eingedrun- genen Truppen fordern könne, die auf eine bestimmteEntfernung vonderGrenze gebracht werden müßten, um Zwischenfälle zu vermeiden. Die vertragschließenden Staaten sollten sich verpflichten, derartigen Anordnungen des Völkerbundsrates Folge zu leisten, ohne jedoch die Befestigungen aufzugeben, die in normaler Zeit von ihnen beseht sind. Rach einem weiteren deutschen Abänderungsantrag kann der VölkerbundSrat von den vertragschließenden Staaten verlangen, daß sie ihren Truppen die Anweisung geben, weder Feindseligkeiten zu begehen, noch zu provozieren.
Dr. B r e i t s ch e i d gab zur Begründung dieser deutschen Anträge eine Erklärung in französischer Sprache ab, daß Der deutsche Vorschlag die bisherigen Gegensätze in dieser Frage beseitigen und den Abschluß eines Abkommens auf dieser Vollversammlung des Völkerbundes ermöglichen solle. Der deutsche Vor
schlag habe den Zweck, zu verhindern, daß d i e Gewehre von selbst losgehen. Wenn die Regierungen vom guten Willen beseelt seien, einen Konflikt in friedlicher Weife zu regeln, so könnten fte nicht wünschen, daß die Militärs diesen guten Willen sabotiertem Die deutsche Abordnung wisse aus der Erfahrung des Weltkrieges, mit welcher großen Leichtigkeit Militärs zu Maßnahmen greifen, die folgenschwere Gegenmaßnahmen zur Folge haben könnten. Falls eine Einigung nicht zustandekäme, so müsse der Abschluß des Abkommens dem Völkerbundsrat selbst übertragen werden.
Der Vertreter Frankreichs, Marcel Heraud, betonte dagegen, daß Frankreich nur einer Konvention zustimmen könne, die einen Ausbau des Äontroll- und Sanktionsapparates enthalte. Die Festsetzung einer Demarkationslinie müsse auch auf den See- und Luftkrieg ausgedehnt werden.
Der ehemalige kanadische Ministerpräsident Borden erklärte, daß Kanada auf keinen Fall eine Vermehrung der Sanktion-- und Kontrollmaßnahmen zulasscn werde. — Die Weiterberatung wurde auf morgen vertagt. Inzwischen soll ein Prüfungsausschuß, dem u. a. Dr. Breitscheid, Lord Cecil und Marcel Heraud an» gehören, versuchen, eine einigende Formel zu finden.
t e n einem Ausnahmeregime unterworfen ist, und daß es das Streben hat, die starken Unterschiede, die zwischen seiner Rechtslage und derjenigen seiner Nachbarn bestehen, zu beseitigen. Zum Schluß ergriff nochmals der französische Außenminister Briand das Wort zu einer fast einstündigen Rede, in der er offensichtlich versuchte, die gespannte Atmosphäre zu mildern. Er erklärte, es sei eine ernste Gefahr, daß von verschiedenen Seiten versucht werde, die Minderheiten dem Völkerbunde zu entfremden unter dem Vorwand, daß der Völkerbund ihnen nicht helfen könne oder wolle. Man müsse aber den Minderheiten klar machen, daß der Völkerbund und das Sekretariat seine Ausgabe voll und uneingeschränkt erfüllt haben. Der deutsche Antrag fei nur als eine Anregung, nicht als ein formeller Cntschliehungsentwurf cinge- bracht worden. Da jedoch keine anderen Vorschläge vorlägen, so habe der Berichterstatter die deutschen Vorschläge zur Grundlage seines Berichtes nehmen müssen. Der deutsche Antrag konnte aber in der Oesfentlichkeit dahin ausgelegt werden, als ob der Völkerbund erst jetzt nach elf Jahren feststelle, daß es überhaupt Minderheiten gebe und daß in diesen elf Jahren für die Minderheiten nichts geschchen sei. Das fei völlig unzutreffend. Der Völkerbund habe „im Rahmen der bestehenden Verträge" feine Ausgaben voll erfüllt. Dieser deutsche Vorwurf sei daher ungerecht. Er erwarte, daß der Berichterstatter in seiner der Vollversammlung vorzulegenden Entschließung hervorheben werde, daß weder der Dvlkerbundsrat noch das Sekretariat, noch die Dreierausschüsse jemals ihre Pflichten in der Minderheitenfrage verletzt hätten. Niemand werde zu behaupten wagen, daß die Urheber der Friederrsverträge durch die Bestimmungen über den Minderheitenschutz innerhalb der Staaten kleine, ständig revolutionierende Staaten schaffen wollten. Im Gegenteil müsse immer mehr auf eine Befriedung und ileberbrüdung der Gegensätze hingearbeitet werden. Man brauche nicht den etwas brutalen Ausdruck Assimilierung anzuwenden. Aber das Ziel der Minderheitenpolitik sei doch die
antrag als Grundlage berücksichtigen wird. Das positive Ergebnis der Aussprache und die verschiedenen Hinweise auf die Notwendigkeit eines verstärkten Minderheitenschutzes sind jedoch durch die französische Taktik zum großen Teil wieder zunichte gemacht worden. Der Abschluß der Aussprache durch die große Rede Briands, der auch die Aussprache über die Minderheitenfrage einleitete, hat in weiten Kreisen den Eindruck erweckt, als ob tatsächlich die bisherige Regelung des Minderheitenverfahrens beim Völkerbund ausreiche und gerecht sei und kein Anlaß zur Abänderung vorliege. Die Rede Briands wird in Minderheitenkreisen als ein außerordentlich scharfer und geschickt geführter Angriff gegen den deutschen Versuch angesehen, für die Minderheitenbehandlung im Völkerbund eine neue bessere L a g e zu schaffen. Die geschickten Aus» füljrungen Briands bezweckten offenbar, bei den Regierungen und in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, als ob die Minderheiten von» gewissen Kreisen als Mittel der Propaganda und Unruhe st iftung verwen- d e t würden, während tatsächlich die Minderheiten keinerlei Veranlassung hätten, sich über das Klageversahren beim Völkerbund zu beschweren. Es hat sich damit jedenfalls gezeigt, daß eine befriedigende Behandlung der Minderheitenfrage im Völkerbund zur Zeit noch nicht möglich ist, und daß auf deutscher Seite der Kampf um die Rechte und den Schuh der Minderheiten mit allen Mitteln weiter fort- geführt werden muß.
0ie Einberufung der Abrüstungskonferenz.
Keine Aussicht auf Einigung über einen gemeinsamen Konventionscntwurf.
Gens, 22. Sept. (Xel.-Un.) In den maßgebenden Abordnungen ist jetzt Heber ei nffimmung dahin erzielt worden, daß die volloersammlung des Völkerbundes die Deltabrüstungskonferen; zum 1. November 1931 einberufen soll. Ein dahingehender Lnkfchlietzungsantrag wird im


