sonders tn dieser Notzeit angebracht bezeichnen. Sin hervorragender Herr des Saft* wirisgewerbes, der in 1 ruberen Jahren immer fegen die Biersteuer auftrat, weil er sie damals ür entbehrlich hielt, erklärte uns — obwohl er sein Geschäft heute noch betreibt — vor etwa zwei Wochen, daß er angesichts der gegenwärtigen Notlage der städtischen Finanzen die Sin- führung der Biersteuer al» richtig ansehe, allerdings unter Einschluß de» Flaschenbicrhan- del», bannt nicht der Bierausschank in den Gast- Häusern durch steuerliche Freilassung bzw. Bevorzugung de» Flaschenbicrhandel» benachteiligt werde Die Erhebung der Steuer könne am einfachsten und wirksamsten bei den Brauereien erfolgen. Wir müssen gestehen, daß die großzügige und einsicht»vol!e Deur- tcüung der Sachlage durch diesen Fachmann starken Eindruck auf unS machte. Wer könnte auch überzeugend bestreiten, daß er Necht hat ? Die Stadtverwaltung hatte im Finanzaus- schuh solgende Steuersätze vorgeschlagcn: bei Stnsachbier 2,50 Blk., Schonkb er 3.75 Mk. Bolt- hier 5 Mk. und Starkbter 7,50 Mk. je Hektoliter, d h. also 2,5 Pf., bzw. 3,75 Pf., bzw. 5 Pf., bzw. 7,5 Pf. je Liter Auf ein l a » umgerechnet würde also die Biersteuer je G l a S betragen habens bei Sinkachbier noch nicht l.Ps., Schankbier Pf., Dollbier 1,7 Pf. und Stark* hier 23 Ps Würde ein Gast an einem Abend fünf Gla- Schankbier trinken, so hätte er dafür insgesamt 6*,'s Pf. Steuer zu zahlen. Wer konnte ernstlich behaupten, dah ihm damit eine unerträgliche Last zugemutet würde? Allerdings wird der Sinwand erhoben werden, dah ja bei einer solchen Steuer von dem letzten Lieferer nicht nur nach den Steuerpfennigen umgelegt, sondern auf 5 Pf. aufgerundet werde und dadurch die start fühlbare Belastung für den Konsum ent- stünde. Hierzu wäre zu bemerfen, dah eS nun wohl an der Zett wäre, endlich auch in unserer Gegend im Daslwirlsgewerbe wieder zur Pf en- ntgrechnuna zurückzukehren, wie da» in den anderen Branchen schon längst üblich ist und im Gastwirtsgewerbe zahlreicher anderer Gegenden Deutschlands ebenfalls angewandt wird. Bei der Psenniarechnung hätte die geringe Diersteuer sicherlich leicht auf den Konsum umgelegt werden formen, ohne dadurch den Prei» allzu stark zu erhöhen. Wenn man die Diersteuersrage derart betrachtet, wird man zugeben müssen, daß sie der ernstlichen Beachtung des StadtratS wert ist. Unb man wird e» der Fraktion der Arbeitsgemeinschaft der Mitte als ein Verdienst an rechnen müssen, daß sie mit aller Entschiedenheit bi» zuletzt, wenn auch erfolglos infolge der ablehnenden Haltung der Wirtschaft-Partei, für diese Steuer eingetreten ist. um durch sie breitere Schichten zum Tragen der Lasten heranzuzieben, als eS durch eine Gewerbesteuererhöhung der Fall gewesen wäre.
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An Stelle der Biersteuer hat der Gtadtrat die Bürgersteuer beschlossen, die die Verwaltung für den Fall der Not im Zähre 1931 zu- rückstellen wollte. Dah dieser Stcuerbeschluh Äur Zeit noch ein gewisse- Experiment ist, haben wir oben angebeutet. Die Stadtverwaltung steht dieser Steuer mit wenig Sympathie gegenüber, wie au» den Worten des Oberbürqct- meister» vom Donnerstag deutlich hervorging. Don einem ansehnlichen Teil der Bürgerschaft wird diele Antipathie geteilt. Dagegen dürfte aber wohl nicht mit älnrccht einzuwenden sein, dcch für unsere praktische Finanzpolitik der . wana zum „alleräuhersten Notbehelf", von dem der Oberbürgermeister bei derDürgersteuer ja auch sprach, jetzt wohl als gegeben anzusehen ist. Die Stadtverwaltung hat einstweilen mit den Min
destsätzen dieser Steuer gerechnet. Diese betragen bei Einkommen bi» zu 8000 Mk. 6 Mk.. von 8000 bi» 25 000 Mk. 12 Mk. 25 OCX) bis 50 000 Mk. 50 Mk., 50 000 bi» 100 000 Mk. 100 Mark. 100 000 bi» 200 000 Mk. 200 Mk . 200 000 bis 500000 Mk. 500 Mk . mehr als 500 000 Mk 1000 Mk. Abgesehen von dem finanziellen Ergebnis, dos die Verwaltung auf 78 000 Mk. schätzt, dürfte diese Steuer von weiten Kreisen der Bürgerschaft Wohl auch um deswillen gut- geheißen werden, weil sie der jahrelang erhobenen Forderung nach Heranziehung aller Bürger zu den Lasten der Wohn'ivgemeinde gerecht wird. Don einer Seite wird aller ding» in» Feld geführt, diese Steuer sei ein schlimmes Hebel, denn sie nehme sogar den ErwerbSlo'en als Steuerpflichtigen in Anspruch ES wird nicht zu leugnen sein, dah die arbeitslosen Mitbürger von dieser Steuer empfindlich berührt werden. Die andere Seite dürfte aber wohl sagen, dah sie ja ungleich schärfer von allerlei Steuern angepackt wird und die Dürgerfteuer für den tog. kleinen Mann monatlich sa nur 50 Pf. je steuerpflichtige Person ausmacht. Wenn man es
recht betrachtet, find die Klagen beider Seiten nicht unbegründet. Tatsache ist ober doch auch, daß neben dem versöhnenden Moment der steuerlichen Lei- stungsoerpslichtung aller Bürger mit dieser Steuer vor allem eine neue Einnahmequelle für die Stadt- koste erschloßen wird, die wir namentlich im kommenden Winter mit seinen erhöhten Anforderungen gut werden gebrauchen können Einigkeit dürste wohl nur in dem Wunsche bestehen, daß wir diese Steuer möglichst bald wieder los werden möchten. Dazu möge uns eine baldige Besserung der Wirtschaftslage verhelfen.
Ein kurzes Wort noch zu der erneuten stärkeren Heranziehung der städtischen Betriebe für die Deckung des Haushalts. Die Werktarife sollen nicht erhöht, die neu bewilligten Mehr- betrage von 28 000 Mark beim Elektrizitätswerk, 500<f Mark beim Gaswerk und 7706 Mark beim Wasserwerk aus dem Ueberschuh bzw. von den Rücklagen genommen werden. In Uebcrcinftimmung mit anderen Warnern erscheint es auch uns onge- zeigt, dem Wunsche Ausdruck zu geben, künftig diesen Weg nicht mehr zu gehen.
Geschichten aus alter Wett.
Kiebitze sehen und klagen dich an!
(s) Prag.
3n .Zlata Praha", d. h. in .goldenem Prag", gibt es ein kleines Kasseehau» .Zlata Angela", d. h. »Goldener Engel" genannt. 3n diesem Loial hat sich in den letzten zwanzig Zähren nicht- geändert. Da nahmen die Stammgäste weder die Kriegserklärung, noch den Weltkrieg, weder den Zusammenbruch, noch die Geburt der Tschechoslowakei tragilch. 3m .Goldenen Engel" kennt man weder Nationalitäten-, noch Minoritätenprobleme: hier wird seit Menschengedenken dem in Oesterreich beheimateten Tarockspicl gehuldigt. Jedermann, ohne Rücksicht auf Stand, Nationalität und Konsestion, wird hier gern gesehen und geschätzt, der leidenschaftlich, umsichtig und sachverständlich „tarodieren" kann, und mindestens drei Nachmittage der Woche dieser edlen Beschästigung widmet. 3m Cafe zum .Goldenen Engel" werden Tag für Tag, jahrein jahraus die wildesten Tarockschlachten ausgesochten, die jedoch bislang stets mit dem FriedenSfchluh der interessierten Kriegsparteien endeten. Nun platzte aber die Bombe: Die alteingesessenen .Kiebitze" des KartenzimmerS, eine Kaste für sich, liefen in corpore zum Kadi, um den Dollblutschechen 3aromir Warawetz und den Deutschböhmen Stephan Lichtner anzuklagen. Wegen Falschspiels zuungunsten der Kiebitze. Darüber hinaus hatte sich Lichtner wegen Beleidigung des Staatspräsidenten zu verantworten. Weil er im entscheidenden Moment mit der Bemerkung .Ma- saryk-Koniral" zum entscheidenden Schlage ausholte. Woraus der tschechische Teil der übervorteilten Kiebitz-Desellschast die Schlußfolgerung zog, er sei ein Gegner des heutigen Regimes. Dor Gericht stellte sich dann heraus, daß die Kiebitze die beiden Spieler verdächtigten, absichtlich so gespielt zu haben, daß die Zuseher und gleichzeitigen Mitwetter auf alle Fälle verlieren mußten. Sobald die Herren auf die Karten von Warawetz setzten, gewann Lichtner: wurde hingegen auf Lichtners Blatt gewettet, steckte Warawetz das Geld des Gegenspielers und der Kiebitze ein. Einer der Kiebitze wollte nun beobachtet haben, daß die beiden nach Beendigung der Partie sich in eine Ecke verzogen, um den Gewinn friedlich zu teilen. Die Angeklagten stritten dies
ab, und den im Tarvckspiel weniger geübten Richtern gelang eS nicht, die kiebttzfeindlichen Spieler zu überführen. Sie mußten sogar Lichtner freisprechen, denn nach .Subkvntra' kommt immer eine Steigerung. Früher einmal sagte man in solchen Fällen .Kaiser-Kontra", und diesen Spielerausdruck ersetzte der zeitgemäß denkende Mann durch .Masarvk-Kontra". Woraus hervorging, dah er ein in höchstem Grade loyaler Untertan fei. der die Oberherrschaft von Masaryk als .rechtsgültig" anerkennt. Soweit kam also alles in beste Ordnung. Allerdings wurde die himmlische Ruhe bei Tarockdorados zu:n .Goldenen Engel" durch den Prozeß empfindlich gestört. Schade! Es gab in der Tschechoslowakei wenigsten- eine Heine, vereinsamte 3nsel ohne zeitgemäße Nebengeräusche und ohne Minoritätenprozesse. Nun gibt es die auch nicht mehr...
Hirten bevorzugt!
— Pari-.
Dor etwa 3ahreSsrist wurde von einem Pariser Musiklehrer ein kleiner Schwyzer Kuhhirt als Heldentenor entdeckt. Der Aerrnste fluchtete zweimal zurück in seine Berge, wurde jedoch stets wieder geholt und zuguterletzt förmlich gezwungen, ein gutbezahlter Sänger der Großen Oper zu werden. Auf diese Weise tarnen .Naturkinder" in Mode, und in dem DirektionSbureau des Opernhauses herrschte keine kleine Ausregung, als eines Tages folgender anonymer Bries einlief: .3m Dörfchen Bouyival fällt den vorbeifahrenden Autlern eine jugendliche Gänsehirtin allgemein auf, die über eine trotz der Ungeschicktheit prächtige Sopranstimme verfügt. Der Schreiber dieser Zeilen, selbst eifriger Opernbesucher, besuchte vor kurzem in Begleitung eines bekannten Musikkritikers die kleine Sängerin, die sich jedoch weigerte, ihren Namen zu nennen. Lassen Sie dieses Urtalent nicht verloren! Sie finden die Kleine jeden Nachmittag auf der Weide neben dem Bahndamm. Ein Opernfreund." Einige Tage später trat der Direktor mit dem Chormeister die Entdeckung-reife nach dem Nest Bougival an. Man suchte und fand die menschenscheue kleine Hirtin, die kaum dazu zu bewegen war, den fremden Herren etwas vorzusingen. Als aber endlich ihre Stimme ertönte, blieb den Musikgewaltigen der Atem im Halse stecken.
Die Stimme entpuppte sich al» ein starker, warmer und eigentümticherweife sogar geschult klingender Sopran. Die UeberredungSkunst der Panier Besucher wurde auf eine starke Probe gestellt. bi» sich .Mariechen" bereit erflärte, sich am nächsten Tage in der Oper zu melden, um da» weitere zu besprechen. Sie sollte auf Staatskosten ausgebildet und zunächst im Chor beschäftigt werden. Eie hielt Wort und kam. ANerdingO nicht al» Unschuld vom Lande, sondern al» eine überaus mondäne junge Dame, die eingestand, dah sie die .Hirtenszene" nur arrangiert hatte, um die Aufmerksamkeit der Herren auf sich zu lenken. Die schlaue Sängerin bat um nochmalige Prüfung im nunmehr normalen Milieu und bestand auch diese so samoS, daß sie fofort en-
Um so mehr, als man Beinen Grund hatte, an ihrer schauspielerischen Begabung zu zweifeln...
kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Sonntag, den 24. August. 10. noch Trinitatis.
Stablfirdx. 8 Uhr: Pfarrer Becker: zugleich Christenlehre für btt 'Jleuronhrmkrlcn der Marku»- gemeinde: 9.30: Psarrer Mahr: feierliche (Eröffnung des Konfirmandenunterrichts der Tlatthäu»gemelnbe; 11: Kinderkirche für die Malthausgemeinde, Pfarrer Mahr. — 3ohanne»kirchc. «: Pfarrer Ausseid: stier- licht (Eröffnung des fionfirmanbenunterrid)!» der Johannen gemcirde; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierttn der Iohanncsgcmeinde; 9.30: Pfarrer Bcchtolsheimer: feierliche (Eröffnung de» Konfirinandenuntcrrichls der ',ura«gcmeinbe; 11: Kinderkirche für die Luka-gemeinde, Pfarrer BechtolcHeimer: 20: Bibelbesprechung im Johan« nesfaal, Pfarrer Müller. — Kapelle de» liltrn Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz: zugleich Christen« lehre für die 'Jleutonfinnierten der Lulhergcrneinde; 11: Äinbcrfirdie für die Luthergemeinbe, Pfarrer Lenz. — Elisabeth stleinkinderfchule. 9.30: Pfarrer Becker. — ftlein-Cinbrn. 9: Hauptgottevdienft: anschließend Christenlehre für männliche Jugend: 10: Kindcrgottesdienst — wiescck. 9.30: Kirchwcihgotte». bienst: Opfer für Innere Mission; 10.45: Christenlehre. — rilten-vuseck. 10; 13. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: Christenlehre für die männliche Jugend; 13.30: Saubringen. — Watzenborn Steinberg. 13.30: Pfarrer Steiner, Hausen — Hausen Garben- tcich. 10: ©arbenteid); 11: Hausen — £ldj. 9.30: Gottesdienst, Pfarrvikar Draudt; Kinder- und Nach- mittogsgottesbienst fallt aus. — Jltcber-Befflngen. 13.30; Gottesdienst, Pfarrvikar Draudt.
Katholische Gemeinden.
Samstag, den 23. August. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte.
Sonntam den 24. August.
Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht. — Echzell. 11: Hochamt mit Predigt. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30 Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — £id>. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre und Andacht. — Collar. 8 45: Messe mit Predigt. — Nidda. 8.30: Messe, Hochamt mit Predigt.
Montag, den 25. August.
C au bad). 7.30 Uhr: Messe.
Sonntagsdienst b.Stcrxfc u.Avotdeken am 24 H 30 Dr. Geyer. J)r. S. Klein. Pestkannpotheke.
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