Nr. 196 Zweiter Blatt
Siebener Anzeiger sGeneral-Anzriger für Gberheffen)
Samstag, 25. August 1950
Die Wellwirtschafiskrisis.
AußenpoUttsche Umschau.
Don Or. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Äeriin.
Völlig überraschend haben Kommunisten di« Stobt Tfchnag'cha im mittleren China eingenommen. und japanische Cxtiltc
sind in Bewegung gesetzt worden. AuS IDafbinfl- ton hat man sehr ernst der Regierung von Ran- fing die unbedingte Sicherheit deS amerikanischen Besitze« ans Herz gelegt. So ist die chinesisch« Unruhe wieder ausgetaucht und die Frage warum und worum in China nun zwanzig Jahre lang gekämpft werde. (88 ist eine fürchterliche schleich^rde Krisis, in der ivirflich grundsätzliche Gegensätze zwilchen den Parteien nicht erkennbar srnd. 3n Moskau macht man sich die Mannten Hoffnungen und schließlich: Wenn das jahrelang so axitergeht, bann ist es zuletzt gleichgültig. ob eS sich um wirkliche unb orchodore Kommunisten handelt oder nicht. Dann entsteht eben einmal etwa- wie ein« sozialistische Kleinbauernrepublik. Man sieht nicht und wagt kein Urteil, ob eS möglich ist. das Riesengebiet so wieder zusammenzusalsen. wie eS jahrhundertelang der Fall gewesen ist. allerdings als Werk einer stammesfremden Dynastie. Was man aber sieht, ist einmal, dah diese Marschallskämpfe zugleich eine Art Arbeitslosenproblem sind. WaS wird mit diesen Soldaten, die vielfach nur Räubergesindel sind, wenn tatsächlich Frieden und Ordnung wieder hergestellt werden, diese sogenannten Armeen entlassen werden könnten?
Unb dann: jahrelang ist der Handel mit Thina und von Thina leidlich ungestört neben den ununterbrochenen Unruhen weitergegangen. Rach dein Kriege hat auch Deutschland versucht, seinen Ostasienyandel wieder auszubauen. Aber allmählich mutz ja der Wirrwarr, die Derwüstung vieler Werte und die Unsicherheit auch auf die Wirtschaftsbeziehungen wirken. Die chinesische Währung ist im Gleiten und in jedem Falle das ungeheure Gebiet immer weniger fähig, fremde Waren aufzunehmen. Für die Weltwirtschaftskrise von heute ist selbstverständlich die wichtigste Seite der chinesischen Wirren, daß ein Gebiet von Hunderten von Millionen für den Absatz der gewaltigen ProduktionSüberfchüsse immer weniger aufnahmefähig wird, ja allmählich ganz auszufallen droht. Aber dagegen ist die Wcltpolitik noch machtloser, als sie es gegenüber der Weltwirtschaftskrise überhaupt ist. Gegen eine Intervention, die hier noch aussichtsloser wäre als in Rußland, haben begreiflicherweise die Hauptinteressenten Rord- ainerika, England und Japan die größte Abneigung.
An einer anderen entlegenen Stelle ist eine Reuordnung gelungen. Die Verhandlungen über die merikanischen Schulden find in Reuyork mit einem neuen Abkommen abgeschlossen worden. Zum Schmerz aller Gläubiger hat der Zinsen- und Amortisationsdienst der mexikanischen Anleihen zweieinhalb Jahre geruht. Zweimal, 1922 und 1925, sind Abkommen aetroffen worden, deney jetzt daS dritte folgte. Äm ganzen handelt es sich schon um beinahe zwanzig Jahre der Unsicherheit und der Stockung im Schuldendienste Mexikos. Das neue Abkommen sucht Grund zu gewinnen durch Herabsetzung der Schulden, der Zinsrückstände und der Eisenbahnschuld. Die Ordnung geht also a u f K o st e n d e r G l ä u b i g e r. Ob tiefe nun hoffen können, längere Zeit gesichert zu sein, wird abhängen von der Wirtschaftsentwicklung des Landes überhaupt, in der die Agrarfrage die wichtigste ist. Es sind Riesensummen, um die es sich handelt, beträgt doch die äußere und innere Schuld Mexikos im ganzen nicht weniger als zehn Milliarden
Goldmark bei 16 Millionen Einwohnern deS Landes! In der Hauptfach« sind diele Schuldscheine in nordamerikanischer Hand. Und Rordamerika hindert durch seinen neuen Zolltarif gerade die Ausfuhr MexikoS. die wirtlchast- liche Gesundung, die vor allem abhängt von einer gründlichen Lösung der Agrarfrage, der Rationalisierung des Grundbesitzes, der Wiederherstellung deS Privateigentums am Acker. SS sind verwickelte Fragen, die unmittelbar Europa toenig interessieren. Aber schon dieser flüchtige Blick lehrt, auch dieses reiche und große Gebiet ist in einer Wirtschaftskrise, die zu ihrem Teil auch die Weltwirtschaftskrise verstärkt.
DaS gilt nun ferner in recht interessanter Weise für ein sehr viel näher liegendes Land ebensalls. In Italien wird die Wirtschaft zunehmend von der Krise ergriffen. Die Arbeitslosigleit ist sehr groß. Besonder- die Textilindustrie, die Seidenweberei leibet; auch die Eisen- und Stahlproduktion ist erheblich zurückgegangen, und unverbürgte Meldungen haben sogar von Arbeit e r u n r u he n bei der größten Automobilfabrik d«S Lande-, bei den Fiat -Werken in Turin gesprochen. Das ist nicht zu kon- trvllieren, weil die italienische Regierung eine strenge Kontrolle der Rachrichten auSübt. Aber kein italienische- Blatt beftrciL't. dah auch d ie P l a n w i r t f ch a f t M o u s s o l i n i s von der Weltwirtschaftskrise betroffen ist. Die unbestreitbar großen Erfolge, die Landwirtschaft au entwickeln und die Industrie unabhängig vom AuSlande zu machen, haben den Zusammenhang mit der Weltwirtschaft nicht zerreißen können. Hier, wo man wie in Amerika unbedingt baran glaubte, bic Prosperität ginge ungehindert tociter, weil die faschistische Organisation der Wirtschaft daS garantiere, ist die Bestürzung und natürlich die Unzufriedenheit dopest groß. Eine Unzufriedenheit, die sich, genau wie in Rußland. bei dem engen Zusammenhang zwischen Staat und Wirtschaft und Partei und Diktator auch hier gegen den Staat. diePartei. d e n D i k t a t o r selbst richten muß. Und auch hier zeigt sich schli ßlich daß Arbeitsbeschaffungsprogramme. wie sie in Angriff genommen worden sind (Wohnungsbauten, Ter'.ehrsbmiten u. dgl. m.) nicht ausreichen. Die Krise ist zu groß, die größten Opfer deS einzelnen Staates mildem sie nur, beseitigen sie nicht. Der stärkste Arbeitsrhythmus, der im faschistischen Italien unzweifelhaft vor- Händen war. kann eine Krise nicht beenden, die zum großen Teil außerhalb deS eigenen Wirtschaftsgebiete- ihre Ursachen hat. Und den Zusammenhang mit ihr kann das kapitalistische Italien nicht bestreiten.
Daraus ergab sich die merkwürdige Folge, dah nun auch ein Wirtschaftsvertrag zwischen Italien und Sowjet- r u h l a n d zustande kam. ES handelt sich um einen erheblichen italienischen Kredit (25 Millionen Dollar), der Rußland eingeräumt wird. Dementsprechend legt Rußland seine Bestellungen sehr stark nach Italien. Kein Zweifel, daß der Entschluß dazu in Moskau wie in Rom beschleunigt wurde durch den amerikanischen Z o> 111 a r i f, ber bic jetzige Weltwirtschaftskrise fo sehr verschärft, und in Moskau noch besonders durch den sonderbaren Vorstoß Amernas, der freilich fe£r schnell zurückgenonnnen wurde, den Versuch nämlich, die Einfuhr aller aus Rußland kommenden Waren einfach zu sperren. So stark ist die Krise in den Vereinigten Staaten schon, daß der Druck der Fabrikanten und der Gewerkschaftler zu einer solchen Maßnahme führen konnte, bic dann mit allgemeinen Angriffen gegen den Kommunismus maskiert wurde, aber zurückgenommen werden mußte, weil damit eigene Interessen unb Industrien verletzt wurden.
Wo wir also Hinblicken: China unb Mexiko, Italien. Rußland, Amerika, das Drachliegen
Skeeter Gmallfox bewirbt sich.
Don Harry Schreck.
Sechzehn Briefe, die auf die Zeitungsanzeige antworteten, lagen bereit- im Papierkorb; al- Lord Lyril Darlington jedoch den stebzehnten geöffnet hatte, stutzte er einen Augenblick. .Das ist aus- gezeichnef, sagte er, indem er feine wasterblauen Augen nachdcnllich auf den Tifch richtete.
.WaS ist ausgezeichnet?' fragte Lady Darlington hochblickend.
.Der Brief, erwiderte Lord Ehril, .ich möchte ihn vorlesen.'
....unb dah Sie einen zuverlässigen Fahrer für Ihren Wagen suchen. Zu meinem Bedauern muh ich Ihnen allerdings erklären, dah ich fo gut wie nichts vom Lenken verstehe. Ich mühte Sie also sozusagen und gewissermaßen warnen, mich am Lenkrad zu beschäftigen. Indessen, die Bedingungen, die Sie bieten, sind vorteilhaft genug, um mich gleichwohl zu einem Bewerbungsschreiben zu bewegen- Vielleicht greisen Sie doch auf mich zurück; und übrigen- fahre ich gern .. ."
.Sin ausgezeichneter Brief!' wiederholte Lord Tyril heiter.
.Was ist da ausgezeichnet?'' fragte Lady Darlington aufblidenb von neuem.
.Aber fo begreife doch, meine Liebel Sin Mann, der so schreibt, ist ein anschlägiger Kops; er ist un- erschrockcn genug, seine Dienste mit einem Witz an- zubieten. Solche Menschen sind brauchbar. Sie wissen, dah niemand mehr auf alltägliche Briefe achtet. Er heißt Skeeter Smallfox; wir werden ihn nehmen.'
•
Rls Skeeter Smallfox nach sieben Tagen eintraf. ging er zunächst mit Lord Cyril um den neuen CSJagen herum, der spiegelnd in Dlaulack und GlaS in der Halle stand. .Ein vorzüglicher Wagen', bemerkte Lord Darlington, .ich sage nur das eine: l-ebernlage außerhalb des Rahmens und stumpfwinklige Kühlerhaube...!'
.Außerhalb des Rahmen-—?' fragte Smallfox hochachtungsvoll.
. Der Knopf am Lenkrad bedient Hupe und Lampe und Anlasser.'
Skeeter Smallfox nickte beifällig und ging noch einmal um das blaufchimmemde Ungetüm herum. ®r vergaß dabei keineswegs, eine offenstehende Tür kundigen Griffs ins Schloß zu werfen. .Ein hübscher Wagen', äußerte er bedachtsam, .wirklich, ein hübscher Wagen. Es tut mir geradezu leib, daß...' Sr zögerte und sah Lord Darlington bekümmert und mit fünfter Traurigkeit an.
-Was tut Ihnen leid?* erkundigte 2ctb Darlington sich nebenbei.
.... daß ich vom Lenken so gar nichts verstehe', sagte Emallsox.
.Sie sind ein Spaßvogel, Smallfoxl' lächelte Lord Darlington wohlwollend zurück, .aber Eie müffen nicht vergeffen. daß ein Scherz kaum bester wird, wenn man ihn zweimal anzubringen sucht. Im übrigen. halten Sie sich morgen nachmittag bereit Wir werden nach Brighton fahren.' — .Jawohl...!' fprach Smallfox.
Zum Befremden Lord Cyrils futr Skeeter Smallfox keineswegs um die be'ohlene Zeil an der Freitreppe vor. Der Diener John, den man zu ihm ent- fanöte, kam verzagt unb kopfschüttelnb mit der Mel- düng zurück, dah der neue Fahrer unschlüssig neben feinem Wagen stehe und versichere, dah er mit Steuer wie Motor abfolut nichts anzufangen wrste.
.Ich glaube...', bemerkte Lady Darlington, »ich glaube beinah.. .*
.Ganz recht, meine Liebe, auch Scherze kennen ihre Grenzen.'
Richt ohne eine gewiße erzürnte Empfindung fchritt man zur Halle, um ein ernstes Wort zu fprechen. Skeeter Smallfox. im Braun unb Golb der prachtvollen neugeliefertcn Livree stattlich anzufehen, hörte sich diefes Wort mit beflissener Aufmerksamkeit an. Gleichwohl dachte er nicht daran, daraufhin etwas Entsprechendes zu unternehmen. Er seufzte bloß und wiegte trostlos den Hals.
Lord Darlingtons Geduld zog allmählich einem End« entgegen.
-Zum Teufel, wenn Sie jetzt nicht... ich entlaste Sie sofort — T
Cfecter Emallsox ging achselzuckend dazu über, das Hallentor langsam auszumachen. .Es ist wahrhaftig ein Jammer um den hübschen Wagen', wandte er sich noch einmal an Lord Cyril. Leider vernahm der Angesprochene das nicht mehr; er war mittlerweile wieder zur Freitreppe gegangen, um das Vor- fahren zu sehen.
Weder Lord noch Lady Darlington sahen allerdings ein Vorfahren. Was sie im nächsten Augenblick gewahrten, war ein krachendes Dröhnen, ein wüstes Knallen — und schon taumelte etwas blaues Mächtiges splitternd unb torkelnd unb heulend an ihnen vorüber... ein platter unförmiger Klumpen schlug mit hartem Ruck über das gepflegte Gras des Rasens und setzte mit einem gewaltigen Prell- stoß mitten in das nächste Treibhaus hinein. Dann wurde es still, merkwürdig still.
Langsam zurückgestülpt gab das Etwas (das einmal ein Luxuswagen in spiegelndem Dlaulack gewesen war und nun zwischen Resten von Glas unb Gemäuer auf sein Abschleppen wartete) den Fahrer Ekeeter Smallsox frei. Als er aus Schutt unb Trümmern hervorlroch, murmelte et; .Schade! Sin fo
einer vollen Million Tonnage in der Schiffahrt, der Preissturz der Rohstoffe — eine wirtschaft- liche Krise von einer Ausdehnung, wie he die Welt wohl noch nicht gesehen hat und wie sie sicher wohl auch noch niemals vor sich gegangen ist in Völkern, die schon vorher wirtschastl.ch schwer zu kämpfen hatten und in denen schon vorher fo starke soziale Spannungen vorhanden waren, wie wenigsten- im RachkriegSeuropa. Dabei sieht man nirgend-, daß die De- mühunyen der Staatsmänner im eigenen Lande ber Wirtschaftskrise Herr zu werden, sich International zusammenfänden. Sw gut unb richtig eS selbstverständlich ist, daß etwa die Rotlage auf dem Gummimarkt bekämpft wird durch eine regelnde Ordnung, eine zwang-mäßige Produktion-Wirtschaft von feiten der betreffenden großen Konzerne, etwa England- und Hollands. ebenso gut liegt nahe, daß auch die Staaten sich zur Erörterung über die Wirtschaftskrise Aurammenfinben. DaS ist doch die Hauptsache bei den Paneuropa-Srörterungen, die rein politisch ja auf dem toten Gleise laufen. Aber offenbar ist bic R o t noch nicht groß genug, um die Staaten zu veranlassen, sich dazu zusammenzufinden, unb bic Wirtschaft, bie Wirtschaftsgruppen zu unterstützen, baß |ic, ba wo eS nötig unb möglich ist, in gemeinsamer überstaatlicher Arbeit bic Krise überwinden. Wie soll z.D. bic große Krise in ber ganzen We lisch i s f a h r t, die ja verschiedenartige Gründe hat, und bie äleberproduktion in ihr überwunden werden, ohne daß man sich darüber zwischen den Schiffahrtsgesellschaften der verschiedenen Staaten verständigt. Es ist vollständig richtig: Die einzelne Ration unb Volkswirtschaft kann gar nicht allein bie Arbeit leisten, bie burch den Krieg auSeinanbergerissenc unb aus bem Gleichgewicht gebrachte Weltwirtschaft wie
der zu ordnen, zu organisieren und zu rational!* fieren. Unb die Zeit zu solcher Zusammenarbeit drängt wegen der bedrohlichen sozialen Spannungen. die heute stärker al- je in einer derartigen Wirtschaftskrise vorhanden sind.
Mit Recht hat Reichskanzler Dr. Brüning in seiner Kölner Rede in bezug auf den Paneuropaplan die wirtschaftliche Ordnung in Europa in den Vordergrund gestellt. Aber ebenso richtig hat er gesagt, daß zu einer dauernden wirtschaftlichen Stabilisierung die politische Stabilisierung unbedingt notwendig sei. WaS er meint, ist klar. 3n Frankreich erregte da- 2lusmerksamk.it. Mißtrauen, Verstinnnung. Aber Driand hat selbst, unabftchtlich. durch sein Paneuropa-Memvrandum der Erörterung über bic Revision der Pariser Verträge e.ncn starken Stoß vorwärts gegeben. Run ist sie im nicht- auszuhaltenden Fluß.
ES gibt sicher eine Reihe von Staaten, die unter keinen Umständen von einer RevisionS- möglichkeit für bic Pariser Verträge etwa- wissen wollen. ES gibt auch manche sog. neutrale Staaten, bic diese Frage lieber ruhen lassen wollen. Aber auch ber größte Feind ber Re- visionSerörtcrung kann nicht bestreiten, bah d i • Diskussion im Gange ist. Die Aufgaben also, bic trotz ber Inanspruchnahme Ser Reichstag oahz in der Außenpolitik bearbeitet werden muffen, find nicht gering. Unb ber Druck ber Weltwirtschaftskrise, der untere deutsche besondere Krise so fürchterlich verschärft, muh daS Kabinett veranlassen, über die Frage ber inneren Wirtschaftspolitik hinauSzublicken in bie weltwirtschaftlichen Zusammenhänge unb Krisenzeichen, unb von diesem Standpunkte auS auch den Kamps mit einer Wirtschaftskrise auf» nehmen, der Deutschland allein zu erliegen droht!
Sind Politiker oder Wirtschaftler die rechten Führer?
Ein Gespräch mit dem ehemaligen ReichSbanlpräsidenten Or. Hjalmar Schacht.
Dr. Schacht empfing mich in einem großen, rechtwinkeligen, mit Büchern ungefüllten Raum. Er hatte sich in seinem Acußeren kaum verändert. Der hohe Kragen, daS Pinccnez unb bas bekannte Lächeln — alles war wie früher. Seine Sätze waren tura unb präzise, seine Art sich auszubrücken eindeutig und bestimmt. Im Wesen Dr. Schachts liegt eine Ungezwungenheit und Aufrichtigkeit, bie einen nachhaltigeren Eindruck hinterläßt als auserlesene Höflichkeit.
»Die Welt kann nur gefunden, wenn an Stelle von Diplomaten, Wirtschaftler die Geschicke leiten... wenn Wirts cha s 11 i ch e Gedankengänge an die Stelle der politischen treten“, begann Dr. Schacht. .Heutzutage ist die allgemeine Reorganisation Europas durch Politiker und eine allzu politische geistige Einstellung bedroht. Man kann zu einer neuen und ersprießlichen Derständigungsbasis nur durch Dei- seitewerfen aller Vorurteile, durch eine völlig objektive, rein analytische und wirtschaftliche Betrachtung der gegenwärtigen Situation und einen daraus resultierenden, absolut leidenschaftslosen, wirtschaftstechnischen Versuch zur Lösung gelangen. Das Problem der Zukunft Europas — das toir alle zu lösen versuchen — kann niemals richtig angefaßt werden, bis man eine Ausstellung der blanken wirtschaftlichen Daten vor sich hat. Rur an Hand dieses Tatsachenmaterials kann man Dauerndes schaffen. Rur wirtschaftliche Daten können eine Waffe gegen politische Anti- pathien, Aassengegensätze und unberechtigten nationalen Stolz liefern.
Ruch Deutschland ist nicht unfehlbar. Europas
Angelegenheiten sind in den letzten 20 Jahren schlecht geführt worden. Unb sicher sind auch in Deutschland in dieser Zeit auf dem Gebiete der Politik wie überall Fehler begangen worden. Darum — um die Fehler seiner gekbäf- tigen Kollegen, der Politiker, wiedergutzumachen — ist der Wirtschaftler notiger al« je. Nirgends in der ganzen Welt gibt e- einen Staat, der nicht feine schweren Finanzproblemc hat. Die Vereinigten Staaten unb Frankreich — vielleicht — ausgenommen, hat ber Krieg jede- Land, baS in ihn verwickelt war. in feiner Entwicklung zurückgebracht. RirgendS in Europa gibt es wirkliche .Prosperität“, nirgends wirkliche Erfolge.
Die Welt ist schließlich in einen derartigen Zustand der Unordnung geraten, daß eS keinen Ausweg mehr zu geben scheint — sicherlich nicht mit den Mitteln der alten, in Mißkredit gekommenen Diplomatie und ber Waffen.
Rach dem Kriege, nach BcrfaiUe», nach den Rhein- und Ruhrbesehungen war es notwendig, sich von den Diplomaten an die Wirtschaftler zu wenden. Da» Resullat waren der Dawe»- plan und der Zoungplan. 3n ihrer ursprünglichen Jorm bedeuteten sie immerhin Ber- befferungen. Berfagcr wurden sie, al» die Politiker da» Spiel in die Hand bekamen. Der erste Entwurf de» tzoungplane» war vielleicht durchführbar. Aber schon bald nach Pari» wußte ich, der ich doch selbst an der Jalung de» plane» mitgearbeitet hatte, dah da» Werk nicht
reizender WagenI Es ist doch eigentlich geradeswegs eine Sünde gegen so ein Prachtstück, einen Rlann ans Steuer zu sehen, der nichts vom Lenken versteht. Aber hört denn hier jemand?!'
.DaS ist doch...!' brüllte Lord Cyril. .Eie können wirklich...?!'
.Ich habe es Ihnen zehnmal gesagt!' schrie Smallsox beleidigt.
•
RlS man spät abends am Kamin sah. konnte sich Lord Darlington nicht enthalten, der Meinung Ausdruck zu geben: .Man sollte nie und nirgends eine Ironie finden wollen, meine Liebe. Die Leute sind schauerlich stur und ernsthaft.'
.Ich fürchte, du hast recht', bemerkte Lady Darlington zart.
Wer hat das Kraulen erfunden?
Das Kraulen, die neue Art des Schwimmens im Wechselzug mit Deinschlag, hat seinen Siegeszug durch Europa schnell vollendet. Als schnellste aller Schwimmarten ist ber Deinschlag bas Ideal aller künftigen Rennschwimmer unb Rennschwimmerinnen. In Wirklichkeit handelt cs sich um eine uralte Fertigkeit, worauf Prof. Dr. Erwin Mehl ün Septemberhest von Vclh age n & Klasings Monatsheften, im Rahmen eines farbig illustrierten Aussatzes hinweist. Auf dem ältesten Schwimmbilde der Welt, einem Ton- fiegelzylinberabdrucke aus der in die jüngere Steinzeit fallenden Ragabzeit in Aegypten, sind Beinschlagschwimmer dargestellt. Die Aegypter des Alten Reiches drückten schon um 3000 vor Christus den Begriff „Schwimmen“ durch das Abbild eine- DeinlchlagschwimmerS aus. .Schwimmen" war also damals Beinschlagschwimmen schlechthin. Dasselbe Bild ergab die Durchforschung der bildlichen unb schriftlichen Ueber- lieferung des klastischen Altertums. Rach einer Beschreibung eines Wettschwimmens im .Beo- Wulf“, bei dem bie Helden das Wasser mit ben Händen .schlagen“, unb nach einer Wikingerzeichnung bes 10. Jahrhunderts schwammen auch die alten Germanen Deinschlag. Erst in dem ersten Schwimmbuche ber Reuzeit, bem 1538 in lateinischer Sprache erschienenen .Colhmbetes" (.Schwimmer") von Prof. Wynmann taucht bas Brustschwimmen als Hauptschwimmart auf, demgegenüber das »Hunde chwimmen“ (more canum natarel als minderwertig abgelehnt wird. Diefe Schätzung blieb vielfach bis auf unsere Tage. Wieso und wann diese Umwertung eingetreten ist. toi ff en wir nicht. Jedenfalls haben wir jetzt die rückläufige Dewegung zu beobachten, und es ift anzunehmen, daß der Deinschlag als bie
natürlichste Schwimmart einen gewissen Abschluß in der fachlichen Entwicklung des Schwimmen- barstellt.
Ein vorsichtiger Ehemann.
Ein vorsichtiger Mann ist ein reicher Holzhänblcr zu Rorsolk in Virginia, Carl Moore Jordan, der jetzt al- 50jähriger mit einer 29jährigen Lehrerin, Mary Louise Baker, in den Stand der Ehe getreten ist. Er suchte sich vorher gegen alle Gefahren diese- mutigen Schrittes durch einen Heiratsvertrag zu sichern, der mehr als 2000 Worte enthält. Die junge Frau erkennt darin Jordan als .das unbedingte Oberhaupt des Hauses' an, dessen Wünschen und Anordnungen sie gehorsam sein will. Eie verpflichtet sich, mit ihrer Schwiegermutter zusammen zu leben und ihr „eine Tochter zu fein.' Jede Rechnung, die Frau Jordan sich ausstellen läßt, hat nur Gültigkeit, wenn sie die schriftliche Einwilligung deS Gatten trägt. Alles Eigentum, daS sie vor der Ehe befaß, verbleibt ihr auch weiter. „Die endeSunter- -eichnele Mary Louise Baker', heißt es weiter in dem Vertrag, .ist sich bewußt und erklärt sich damit einverstanden, dah sie ihre Jugend einem Manne von 50 Jahren übergibt und wird alle Folgerungen daraus ziehen; sie lut dies freiwillig und bereitwillig und in vollem Verständnis für die Verpflichtungen und Anforderungen, die sie dabei auf sich nimmt. Der endesunterzeichnete Carl Moore Jordan ist sich deS bestehenden Altersunterschiede- voll bewußt und erklärt sich seinerseits nur dazu bereit, die Verpflichtungen und Anforderungen eines Mannes von 50 Jahren auf sich zu nehmen. Keine Mihverständ- niste können aus die'en Tatsachen von Mary Louise Baker jemals hergeleitet werden.' Während vieler Vertrag von dem Geistlichen bei der Trauung als ein .ergreifender Beweis wahrer Liebe' bezeichnet wurde, ist die amerikanische Damenwelt anderer Ansicht, die Sache wird in der Presse eifrig besprochen, und die Frauen erklären, Frl. Daker müste entweder sehr dumm fein oder sonst keinen Mann betommen haben.
Qockschulnachrichten.
~ In ber Frankfurter philosophifchen Fakultät ist ber Lehrbeauftragte für jüdische ReligionS lehre unb jüdische Ethik, der bekannte Schriftsteller Dr. Martin 2 über zum Hono- rarprofefsor ernannt worden. — Ernannt wurde ber außerordentliche Professor Dr. mcd. Hans Th Schrcus an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf zum ordentlichen Professor für Haut- und Geschlechtskrankheiten daselost als Rachfolger von Professor K. Stern. Schrcus' Arbeiten betreffen das Gesamtgebiet bee Dermatologie sowie Röntgenologie. —


