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Abstimmung wird zurückgestellt.

im

tisten müsse den.

Die

worden sind. Bei der jetzt beantragten Amnestie handelt es sich nicht in erster Linie um die be­kannten Fememorde, sondern vor allem um solche Leute, die im besetzten Gebiet im Kampf gegen S e p a r a t i st e n die deutsche Sache ver­teidigt und sich dabei gegen das Gesetz vergangen haben. Aus diesen Gründen kann die Regierung dem Ausschußantrag zustimmen.

Abg. Dr. Sch etter (Zentr.) erkennt an, daß die

Kem Austausch der Nofretete.

Berlin, 21. Juni. (ERB.) Der preußische Kul­tusminister Grimme hat in der Angelegenheit der Nofretete-Büste an den Generaldirektor der Staatlichen Museen, Geh. Rat Waetzold, ein Schreiben gerichtet, in dem er dem Bericht des Ge­neraldirektors vom 16. Juni zustimmt, der erklärt, daß vorläufig davon abgesehen werden möge, die staatsministerielle Genehmigung zu dem

Der Reichstag dankt dem bereiten Rheinland

Zum letzten Mal Ei..t des Reichsminifleriums für die besetzten Gebiete.

Hepp aus: Der Reichslandbund begrüßt, daß entscheidenden Augenblick der Reichspräsident die Initiative ergriff und das Kabinett Brüning mit der Verabschiedung gesetzgeberischer Maßnahmen zum Schutz der Landwirtschaft, der Rettung des Ostens und der Sanierung der Finanzen beauf­tragte. Es war für den Reichslandbund eine selbstverständliche Pflicht, insbesondere, nachdem der Vertrauensmann der Landwirtschaft, Minister Schiele, in diesem Kabinett das Ernäh­rungsministerium übernommen hatte, dem Kabinett die Möglichkeit der Einleitung der von ihm beab­sichtigten Maßnahmen zu geben, insbesondere, da die Absichten des Reichskabinetts sich mit den grund­sätzlichen Auffassungen des Reichslandbundes deckten. Es kam das Schutzgesetz für die Land-

Reichslandbund, Agrar- und Osthilfe Oie Landbundorganisationen hinter Schiele. - Kür Aufgabenabbau und Lastensentung.

B e r l i n, 20. Juni. (VDZ.) Auf der Tagesordnung der Freitagssitzung des Reichstags stand die zweite Beratung des Haushalts des R e i ch s m i n i st e - riums für die besetzten Gebiete.

Abg. Ulrich (Soz.) führt aus, die Rechtsverhält­nisse hinsichtlich der reichseigenen Gebäude im ehemals besetzten Gebiet seien recht unklar. Zur Verwaltung dieser Gebäude sei eine besondere Ge­sellschaft gebildet worden, die v i e l z u h o h e M i e- ten verlange. Hier sollte die Reichsvermögensver­waltung im Benehmen mit den Mieterparteien eine gerechtere Regelung finden.

Abg. Dr. v. Dryander (Dntl.) weist darauf hin, daß die diesjährige Etatsberatung im H e i ch e n der Räumung stehe, die gewiß ein großer Fort­schritt sei gemessen an der Geschlossenheit, mit der Frankreich 1918 die dauernde Lösung des linken Rheinufers vom Reich gefordert habe. Rach der Rheinlandräumung müsse man sich um so mehr der Saarbevölkerung annehmen. Die Saarfrage müsse Volkssache werden. Der Räumung müsse auch eine bewußte Grenzmarkenpolitik in den bedrohten Gebieten folgen.

Abg. Dr. Bockius (Zentr.) erklärt: Eine Be­freiungsfeier können wir nur mit der Ein­

schränkung begehen, daß wir zwar von der Be­satzung befreit werden, aber mit dem Abzug der Besatzungstruppen noch nicht die volle Frei­heit im Westen wiedergewinnen. Die Befrei- ungsfeier muß sich darum der schweren Lage des Vaterlandes in würdiger Weise anpassen. Das ehe­mals besetzte Gebiet befindet sich in schwerer wirt­schaftlicher Notlage. Dem rheinischen Volke sind wir es schuldig, daß hier der Plan für die Westhilfe jetzt schon wenigstens im Prinzip gesetzlich verankert wird. Wenn Briands Plan eines vertrauensvollen Verhältnisses zwischen Deutschland und Frankreich verwirklicht werden soll, dann müssen die Rechts­verletzungen wieder gutgemacht wer­den, die sich Frankreich gegen die deutsche Bevölke­rung im besetzten Gebiet erlaubt hat. Unser Dank gebührt den Deutschen, die in der Zeit dieser fran­zösischen Kulturschande für das Vaterland gelitten haben. Die Schmach der im Versailler Vertrag ent­haltenen Kriegsschuldlüge muß endlich be­seitigt werden. Die Regierung sollte auch alle Kräfte anspannen, um die wirtschaftlichen Der- sklavungsbestimmungen des Versailler Vertrages revidieren zu lassen.

2lbg. Dr. Calle (D. V. P.): 3m Reichsinnen-

Südeu bestehl kein Recht davon zu reden, daß man auf dem Wege zur deutschen Einheit sei. Ich bin daher als Freund des dezentralisierten Einheitsstaates im gesamtdeutschen Interesse nicht in der Lage, den gefaßten Beschlüssen zu- zustimmen. Ich möchte keiner Scheinlösung zu- stimmen, die zudem für wesentliche Telle des Reiches der als notwendig erkannten Entwick­lung entgegenläufl.

Ich lehne die bisherigen Ergebnisse der Beratungen aber auch vom Standpunkte meines Landes ab. Die Beschlüsse zur Organisation wie zur Zuständigkeit beziehen sich nur auf die vier sog. Länder alter Prt" und die preußischen Provinzen. Im übrigen hat man alles offen gelassen und für Länder wie Hessen und Thüringen nur ganz allgemein gewisse Möglichkeiten theoretisch an° gedeutet. Die Beschlüsse sind also insoweit n ich t vollständia und ermöglichen es mir daher nicht, mich an der Schlußabstimmung zu beteiligen.

Oie Amnestieanträge.

Noch keine Entscheidung des Reichstags.

Berlin, 23.3unt. (VDZ.) Auf der Tages­ordnung der Samstagssitzung des Reichstages standen die Amnestieanträge der Deutsch­nationalen, der Christlich-Rationalen und der Kommunisten. Der Rechtsausschuß hat un­ter Ablehnung der übrigen Anträge einen An­trag vorgelegt, der das Amnestiegeseh für polittsche Straftaten vom 14. 3uli 1928 aus- dehnen will auf solche politischen Tötungs­delikte, die vor dem 1. September 1924 begangen sind, wenn sie sich nicht gegen ein Mitgtted oder früheres Mitglied der Reichs­regierung gerichtet haben. Es falten darunter auch die sogenannten Fememorde. 3n der Einleitung wird ausgesprochen, daß der Antrag verfassungsändernden Cha­rakter hat.

Abg. Dr. Leutheußer (DV.) gibt für die hinter der Regierung stehenden Parteien eine Erklärung ab, in der die großen grundsätz­lichen Bedenken gegen Amnestten hervor­gehoben werden. Dem vorliegenden Ausschuß- antrag hätten die Parteien nur zugestimmt, um die allgemeine Rech ts g leichhei t her- zustellen. Aus Verlangen der Besatzungsmächte hätten die Verbrecher, deren Taten sich gegen Deutschland richteten, amnesttert werden müssen. Da würde es ungerecht sein, von der Amnestie diejenigen Deutschen auszunehmen, die Verräter getötet haben.

Abg. Dr. E v e r I i n g (Dnt.) führt aus, die so- genanten Fememörder hätten den Abwehrkampf gegen Verräter geführt und dem Vaterland große Dienste geleistet. Die Republik habe die Taten die- fer Männer mit Undank belohnt. Die Amnestierung sei eine Forderung der Gerechtigkeit. Der Ausschuß­antrag bedeute auch keine Verfassungsänderung. Der Redner empfiehlt eine Entschließung, in der die Ausdehnung der Amnestie verlangt wird auf alle im besetzten Gebiet begangenen Steuer- und ähnlichen Delikte.

Abg. Landsberg (Soz.) erklärt, es handele sich hier nicht um eine allgemeine Amnestie, son­dern ausschließlich um die Amnestierung der Feme­mörder. Die Sozialdemokraten haben nichts gegen eine Milderung der Strafen für die genannten ^Delikte; aber das muß im Gnadenwege ge­schehen. Gerade jetzt, wo im politischen Kampf das -geistige Argument immer mehr durch gefährliche ,Waffen ersetzt wird, können wir nicht durch An- 'nahme eines solchen Antrags diese bedenkliche Ent­wicklung begünstigen. Heute früh ist auf dem Gefängnishof in Stuttgart eine Hinrichtun g an einem Mörder vollzogen worden gegen den aus­gesprochenen Willen des Reichstagsausschusses. Mit­glieder derselben Parteien, die die Hinrichtung für unbedingt notwendig hielten, wollen hier die Feme­mörder von jeder Schuld los und ledig sprechen.

Reichsjustizminister Dr. Bredt: Der in Stuttgart Hingerichtete Mörder ist nicht zu ver­gleichen mit den sog. Fememördern. Er hat aus Geldgier hinterrücks seinen Vater er­schossen, während es sich bei den sog. Feme­morden um Taten handelt, die unter ganz außergewöhnlichen Umständen begangen

Ministerium muß eine Stelle geschaffen werden, die nach der Aufhebung des Ministeriums für die besetzten Gebiete dafür sorgt, daß der durch die Besetzung entstandene wirtschaftliche Schaden wieder ausgeglichen wird. Wir stimmen der in einer Ausschußentschließung aufgestellten For­derung zu, daß alle Grundstücke, Gebäude und alles Mobiliar im bisher besetzten Gebiet, die dem Reich aus Anlaß der Besetzung überlassen werden mutzten, den früheren Besitzern nach Frei­werden zu dem Preise überlassen werden, den das Reich bei dem Erwerb bezahlt hat. Wir ge­denken in der Befreiungsstunde dankbar des deutschen Staatsministers, der durch die Politik des großen Europäers die Befreiung des deut­schen Rheins mit allen Kräften beschleunigt hat. Das Auftreten der französischen Besatzung im deutschen Rheinland bleibt das schändlichste Blatt in der Entwicklungsgeschichte zu einem besseren Europa. (Lebhafte Zustimmung.) ~ --

Reichsminister Treviranns

gedachte zunächst anläßlich der in zehn Tagen stattfindenden Beendigung der 111/3 jährigen Be­setzung mit Worten dankbarer Anerkennung der mustergültigen Haltung der rheini­schen Bevölkerung in allen Schichten, die zum Enderfolg entscheidend beigetragen habe. Der Reichsminister wandte sich dann der West - Hilfe zu. Ein eingehendes Westprogramm mit einem erstmaligen Aufwand von 20 Millionen Reichsmark sei weitgehend vorbereitet. Es han­dele sich um ein organisches Hilfswerk, das auf Jahre berechnet sei. Deshalb sei in dem Ergänzungs­haushalt zum Ausdruck gebracht, daß die 20 Mil­lionen Mark lediglich eine erste Rate seien. Das Westprogramm bezwecke die Belebung der Wirtschaft durch allgemeine produktionsför­dernde Maßnahmen. Unterstützung einzelner not­leidender Betriebe und überhaupt Unterstützungen auch im Sinne der Vertreter der rheinischen Wirt­schaft seien ausgeschlossen. Zum Schluß wies der Reichsminister auf die Saarverhandlungen hin, betonte die organische Zusammengehörigkeit des Saaargebietes mit der rheinischen Wirtschaft und unterstrich, daß die Abschnürung der Saarwirtschaft auch die Westhilfe beeinträchtig^.

Abg. Sparrer (Dem.): Wir erwarten, daß auch hinsichtlich des Saargebietes mit größter Beschleunigung das Rotwendige veranlaßt wird. .Unser erster Dank gebührt den Volksgenossen am Rhein. Wir gedenken in dieser Stunde aber auch der Männer, die sich an die Spitze der Be- freiungspvlitik gestellt haben. Wir Demokraten schließen uns vorbehaltslos dem Dank an Stresemann an. Aber wir denken auch dank­bar an seinen Vorgänger Rathenau, der seine Arbeit für Frieden und Freiheit mit dem Leben bezahlt hat.

Abg. Pallmann (Wirtschaftspartei): Die schwergeprüfte rheinische Bevölkerung würde es als eine wirksame Hilfe begrüßen, wenn die Bewohner der übrigen Reichsgebiete ihre Ferien möglichst am deutschen Rhein verbringen würden.

Abg. Dorsch-Hessen (Chr.-Aatl. Bp.) führt aus, die aUgemeine Rotlage im besetzten Gebiet wie im ganzen Reich rechtfertige ein b e s 0 n - dereS Rvtopfer der Beamten. Auf an­deren Wege könnten nicht die Mittel beschafft werden, die zur Hilfe für die ehemals besetzten Gebiete erforderlich sind. Die Landwirtschaft sittde besonders unter der Abtrennung des Saar­gebietes.

Abg. Dr. Best (VRP.) begründet eine von den meisten Parteien unterstützte Entschliehung, wo­nach bei dem Verkauf der reichseigenen Wohn­gebäude dem Erwerber die Bedingung auferlegt werden soll, eine bestimmte Höchstmiete nicht zu überschreiten.

Königsberg, 21. 3uni. (ERB. Eigene Meldung.) Die Vertreter des Reichsland­bundes traten heute hier zu einer Tagung zu­sammen, auf der Präsident Be thge u. a. er­klärte: Mit Dank empfanden wir es, daß der Herr Reichspräsident in der letzten Stunde den Hebel herumzureihen versuchte, daß er durch die gefordert« Osthilfe und das Agrarprogramm die deutsche Politik wieder in Bahnen lenken wollte, die durch Jahrhunderte verfolgt uns groß gemacht haben, und dah er sich unseren Führer, Minister Schiele, zum treuen Mit­helfer bei diesem großen Werk erkoren hatte. Wir erwarten, daß der Staatswagen wieder in das rechte Gleis lenkt, denn auf die Dauer läßt sich eine Urproduktion wie die Landwirtschaft nicht vergewaltigen.

Der Vorsitzende des Landwirtschaftsverbandes Ostpreußen, ©trübt), führte aus: Wir wollen nicht vergessen, daß gewaltige Summen nach Ostpreußen geworfen wurden, die aufzubringen dem deutschen Volke sicher nicht leicht geworden ist. aber es liegt eine unge­heuerliche Tragik für Deutschland und Ostpreußen darin, daß ein großer Aufwand nutzlos vertan ist. Einen Bauern- und Sied­lerwall gegen den Osten braucht Ost­preußen, braucht ebenso die deutsche Politik. Ihn zu schaffen, bevor nicht seine Lebens­bedingungen vorhanden sind, heißt die Geschichte vom Sieb verewigen. Wir glauben nach unseren Erfahrungen grundsätzlich nicht indivi­dueller, sondern der generellen Hilfe, und zwar durch Lastensenkung das Wort reden zu müssen. Wenn überhaupt eine Forderung gerecht- ferttgt ist, dann die, daß Steuern nicht mehr von jemandem verlangt werden, der kein Einkommen hat. Ueber die Hilfe für die Kranken soll man die Gesunden nicht erst krank werden lassen.

Als dritter Redner führte Reichslandbundpräsident

wirtschaft zustande, das in seinem Inhalt weit über das hinausging, was im Interesse der Land­wirtschaft von früheren Mehrheiten des Reichs­tags beschlossen worden war. Bei aller Bedeutung innerpolitischer Maßnahmen gehört zum Kernpunkt jeglicher Agrarpolitik in Deutschland der Zoll und eine entsprechende Handelspolitik. Darauf werden wir niemals verzichten, und die Erledigung dieser Frage zum entscheidungsoollen Maßstab der Beurteilung für jede andere Organisation der Wirtschaft, für jede Partei, für jede Regierung machen. Der bisher in der deutschen Handelspolitik geltende Grundsatz der Meistbegünstigung mit Tarifabreden hat sich als abträglich er­wiesen. Wir fordern darum, daß die allgemeine Meistbegünstigung nicht mehr gewährt wird, solange ausländische Handelsverträae mit Tarif­abreden laufen. Die Voraussetzung für den Erfolg der jetzt geplanten O st h i l f e ist grundsätzlich die Herstellung der Rentabilität in der Land­wirtschaft. Unsere Forderung lautet: Nicht Steuer­aufbau sondern Aufgabenabbau unb damit Lastensenkung.

Amnestie auch manche Fememörder treffen werde, die mit besonderer Roheit Dorgegangen sind. Diese wenigen Falle müsse man mit in Kauf nehmen mit Rücksicht auf die viel größere Zahl der Fälle, .in denen es sich um den Abwehrkampf gegen Separa- und Vaterlandsveräter gehandelt hat. Jetzt endlich reiner Tisch gemacht wer-

Abendgang im Juni.

Don Peter Bauer.

Tief in das Tlau des Himmels lodern die Feuer der untergehenden Sonne. Dis zum Zenith hinauf züngeln sie in verästeltem Flammengeäder. Ein war- mer Glanz greift über Dächer und Gärten und steigert noch einmal alle Farben zu jauchzenden Ekstasen. Glü­hend prangen die duftschweren Rosen aus kühlen Laubverstecken. Ein sehnsüchtiges Cello schluchzt hin­ter verhangenen Fenstern die dunkle Wirrnis eines jungen Herzens.

3n lautloser Versunkenheit zieht eine Akazienallee am Rande der Stadt zum Wold. Der süße Ruch ihrer weißen Blütentrauben, die wie sanfte, blaffe Frauen­hände im niederperlenden Licht schimmern, weht die wartende Schwermut einsam verklingender Sommer­abende. Solveig, die Holde, Innige, hat viele Schwe­stern. Eine leise fallende Fontäne hinter efeuumspon­nenen Gartengittern ist die einzige Stimme dieser abgeschiedenen Traumsttaße. Wie ein taumelndes Blütenblatt segelt vor mir ein müder Weißling. Kein Vogel möchte die Stille stören; er trägt lieber seinen Jubel in die nahe Wildnis des freien, hohen Waldes.

Mit hereinbrechendem, grünlichem Däinmerschein tut er sich vor mir auf. Mächtige Ulmen schwingen breit ihr rauschend Geäst über den Weg. Heckenrosen und Holunder umblühen in rot und weih die Schritte.

Inniger locken die Vogelrufe, je weiter ich wandre. D:reinzelte Stimmen finden sich zu inbrünsttg ein­ander antwortenden Zwiegesängen. Doch kein Herz kündet schwärmerischer seine verzauberte Stunde als das der kleinen Nachtigall, die mich plötzlich aus einem Rotdorndickicht mit dem entzückenden Wohl­laut ihres Schlages überschüttet. Die hohen Wipfel wiegen sich flüsternd. Laub, Blüten, Moos, regen­gelockerte Krumen, sickernde Harze und Seime mengen ihren Atem in das sanfte Wehen abendseliger Lüste. Sie erquicken wie balsamische Essenzen Gesicht und Hände.

Erfrischt an Leib und Seele steure ich auf schmalem Wiesenpfad heimwärts. Der kniehohe Wuchs, der nach Honigklee und Salbei duftet, ist bereits stellen­weise niedergemäht. In langen Zeilen liegen die Schwaden, damit die Sonne sie röste und bräune. Bald werden sie dürr und verschrumpft die heim­holenden Fuhren mit hoher Fracht füllen, und die fürsorglich spendende Erde wird die saugenden Stop­peln zu neuen Halmen emporschiehen lassen. Tanz- tolle Insektenschwärme führen um Schläfen un d Ohren schwirrend wirbelnde Schwebereigen aus. Als ob sie eine magische Kraft in einen Punkt reihe, wimmeln sie zueinander und stürzen und steigen in Klumpen wie geworfene Bälle.

Am tollsten loben sie in der Rähe des Flußes, wo wühlende Grundwasser Tümpel und Teiche bil­den. Hier hat Weiden- und Binsengebüsch mit den struppigen Strünken von Beinwell und Resseln und den schlingenden Ranken von wilden Beeren und Klebkraut wahre Dschungeln emporgewuchert, damit kein Fuß in die schwarzfarbene Wasserhöhle ein­dringe. Seltsame Wälder aus schwimmenden Sten­geln, Fäden und Laub grünen in ihnen, und eine Unzahl von Larven, Gewürm, Käfern und Molchen bevölkern sie. Es ist die Heimat der Frösche und Un­ken, die mit eintönigem Rumoren und Quarren ihre abendliche Zusammenkünfte verschönen.

Als mich schon die Lichter der Stadt großen, sur- ten die ersten Junikäfer in meinen Weg. Es sind die kleineren und zierlicheren Brüder der Maikäfer, die zur Zeit der Sonnenwende schwärmen. Einer von ihnen landet auf meiner ausgestreckten Hand und leistet mir Gesellschaft, bis ihn die Strahlen der näch­sten Laterne in ihr lockendes Licht reißen.

Der gebräunte Mensch.

Don Harry Schreck.

3n den schlichteren Zonen der Literatur hat der gebräunte Mensch von jeher ein vielseittges Dasein geführt.

Er hatte eine begreifliche Vorliebe dafür, mit Schätzen beladen aus fremden Erdteilen heimzukehren. Gerne betrat er dann bei solcher Ankunft eine Kirche, um dort ungeachtet seiner gebräunten Gesichts­farbe schmerzlich erblassend der Trauung seiner Iugendgeliebten mit einem anderen beizuwohnen. Oder er schritt unerkannt durch Tore und Straßen seiner Heimatstadt, bis das Mutterauge diesem In­kognito ein Ziel setzte. Abenteuerlichkeiten witterten um ihn; und alle vorteilhaften Eigenschaften ließen sich ihm auf das zwangloseste zuweisen.

Der gebräunte Mensch war lange Zeit nützlich und brauchbar. Wie gesagt: in den schlichteren Zo­nen der Literatur.

Leider ist der gebräunte Mensch nicht dort ge­blieben, wo er hingehört. ®r ist aus seinem Gebiet ausgebrochen, um uns zum Vorbild zu werden und uns zu bevormunden. Man kommt nicht mehr an gegen den Zwang, den er uns auflegt.

Gin Urlaub, aus dem man nicht gebräunt sich zurückfindet, ist kein Urlaub gewesen. Iedermann ist berechtigt, auf Antwort und Rechtfertigung zu dringen, wie sich solche Widersetzlichkeit gegen das Herkommen erkläre. Denn der erholte Mensch hat

braun zu sein; er muß mit unverwüstlicher Ausdauer die Haut dem sengendsten Strahl der Sonne dar- geboten haben. Vielleicht hätte er weit lieber etwas anderes getan; aber er muß seinen Ruf konservie­ren. Und sein guter Ruf verpflichtet ihn, dieser ern­sten Forderung unserer Sommermonate zu gehorchen, um die Achtung zu finden, deren er bedarf: braun sei der Mensch, der etwas auf sich hält und nicht auf die Proskriptionsliste gesetzt zu werden wünscht.

Schwer lastet ein hundertpfündiger Imperativ auf uns. Zu all den anderen Imperativen, die an unserem bißchen Leben herumschikanieren, kommt er nun auch noch dazu: der gebräunte Mensch sei da- Maß aller Dinge.

Als wir noch Knaben waren, stürzten wir uns auf Bücher, in denen derweiße Mann eine beachtliche Rolle spielte. Einst war das Bleichgesicht dort der Überlegene. Und die handfesten Leute, die bekannt­lich in ein sanftes braunes Mexiko einbrachen, hie­ßen sogar weiße Götter. Aber das ist eben schon lange her. Und mit der weißen Göttlichkeit hat es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht viel auf sich ge­habt. Auch die Mexikaner kamen dahinter.

Bei uns ist man noch ganz anders dahinter ge­kommen. Der Sah von den Wilden, die doch bes­sere Menschen sind, hat sich mehr und mehr in den Gehirnen und Herzen eingenistet: wir wollen braun sein, wie die Väter waren. Es ist unser letzter Ver­such, die Zivilisation ein bißchen abzuwerfen und uns ein wenig prächtige Ursprünglichkeit vorzureden. Auf daß auch wir reif werden für die schlichteren Zonen der Literatur.

Oer Gargantna von Tours.

In der schönen Hauptstadt derTouraine", wo nach BalzacsTolldreisten Geschichten" schon stets die größten Prasser und Schlemmer gelebt haben, ist soeben der frühere Stadtsergant, d. h. also Polizeibeamte Georges Meumier gestorben, weit über das Weichbild der Stadt hinaus be­kannt als der leistungsfähigste Rekord-Esser (um nicht zu sagen: Fresser), den man dort feit Men­schengedenken kennengelernt hat.

Derartige Leute gibt es ja nun wohl überall; aber Georges Meumier, der trotz der Strapazen, die er seinem Magen zugemutet hat, das schöne Alter von 74 Jahren erreicht hat, besaß eine per­sönliche Rote, Die in vielen Fällen mit der Aestthetik allerdings nichts gemein hatte. So hat er vor zehn Jahren einmal auf Grund einer Mette drei Dutzend roher Eier (mit bet Schale I)

und zu jedem Ci fünf Zigaretten der bekannten Marke .,Caporal" auf einen Sitz verspeist. Wer jemals französische Zigaretten geraucht hat, wird sich ein Bild davon machen können, wie sie erst dem Gaumen munden mögenI Einen in kleine Stücke zerschnittenen Autoreifen sozwischen­durch" gegen einen Einsatz von 25 Franks ratze­kahl sich einverleibt zu haben, ist eine weitere Heldentat", deren sich derdicke Georges' rüh­men durfte. Daß er einmal bei einer Festlichkeit auf Kosten des Dereinsvorstandes in einer Gast­wirtschaft die elf verschiedene Gerichte zählende Speisekarte von oben nach unten und wieder hinauf abgegessen hat, ist ihm seinerzeit von dem Dereinsvorstand schriftlich beglaubigt worden. Und erst an seinem siebenzigsten Geburtstag gab er den ihn beglückwünschenden Freunden und Be«- kannten eine erfreulicheExtra-Benefiz-Dorstel­lung", indem er einen riesigen Geraniumtops mit Blättern, Blüten, Stiel und Erde vor ihren Augen in wenigen Minuten verschlang, so daß nur noch der leere Tops übrigblieb.

Georges Meumier, der nie Weib und Kind sein eigen nannte, wird wie ein Volksheld beerdigt werden. Alle Vereine, vor denen er Zeit seines Lebens Proben seiner unersättlichen Begabung abgelegt hat, werden Deputationen an sein Grab entsenden. Wie eine Ironie des Schicksals mutet es übrigens an, daß dieser Gargantua, der einen wahren Straußenmagen besessen haben muß, aus­gerechnet an einer Fischvergiftung gestorben ist!

Hochschulnachrichien.

Der nichtbeamtete a. 0. Professor an . der Frankfurter Universität Dr. B. Guten­berg hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für Geophysik am Institut of Technology in Pa sa - dena (Kalifornien) angenommen. Die Ernen­nung des Ministerialdirektors im Auswärtigen Amt, Honorarprofessor an der Universität Ber­lin, Dr. Oswald Schneider zum ordent­lichen Professor der Staatswissenschaften an der Universität Königsberg i. Pr. als Rachfolger von Professor H. Teschemacher ist erfolgt.

Der Konservator am Badischen Landesmuseum in Karlsruhe Professor Dr. Otto Hombur­ger ist zum Honorarprofessor für Kunstgeschichte an der Universität Marburg ernannt worden. Der Vorstand der Innsbrucker Univer­sitäts-Frauenklinik Professor Heinrich Eymer hat eine Berufung auf den Lehrstuhl für Ge­burtshilfe und Gynäkologie an der Universität Heidelberg erhalten.