Nr. 144 Erstes BI aff
180. Jahrgang
Montag, 23. Jun! (930
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Sietzenn Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantworllich sür Politist Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr H.Tdynot; für den übrigen leil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
Aus Der Suche nach einem Reichsfinanzminister.
Höpker-Afchosf beim Kanzler.
Berlin, 21. 3uni. (ERB. Eigene Meldung.) Der preußische Finanzminisler Dr. höpker- Aschoff ist Samstagvormittag wieder in Berlin cingetroffen und hat sich um 11 Uhr ; u m Reichs- f a n $ 1 e r begeben. Wie verlautet, durfte die Aussprache zwischen dem Reichskanzler und Dr. hopker- Aschoss keine großen sachlichen Differenzen ergeben haben, zumal Dr. höpker-Afchoff natürlich sehr stark an dem preußischen kornprornißvorfchlag zum Rot- opser beteiligt ist, das sich in wesentlichen Punkten mit den Gedankengängen der Reichsregierung deckt. Trotzdem rechnet man in politischen Kreisen nicht mehr damit, daß Dr. hopker-Aschosf die Rachsolge Dr. Moldenhauers antreten wird. Seine Kandidatur wird vielmehr als erledigt angesehen. Der Reichskanzler hat seine Entscheidung, wen er als Rachsolger des zurückgetretenen Reichsfinanzministers Dr. Moldenhauer dem Herrn Reichspräsidenten Vorschlägen wird, noch nicht getroffen.
3n einigen Zeitungen ist der Gedanke ausgetaucht, Brüning selbst möge das Reichssinanzrnini- fterium übernehmen. Wie die „Germania" mitteilt, kommt eine Uebernahme des ReichsfinanzminiNe- riums durch den Reichskanzler nicht in Frage. Ls scheine jedoch, als ob die Bemühungen Dr. Brünings, soweit die parteipolitische Seite berührt wird, nicht völlig negativ zu verlausen versprechen. Vielleicht dürfe man die Hoffnung haben, daß es nach Auffindung einer geeigneten sachlichen Basis gelinge, die Frage der Besetzung des Finanzministeriums von demokratischer Seite h e r zu lösen. Mehrere Blätter nennen als Kandidaten für den Finanzministerposten wieder den demokratischen Reichswirlschaftsminister Dietrich.
Nie höheren Beamten Preuhens zum Rotopfer.
Köln, 21.3uni. ($d^iln.) Der Verbands- ausschuß der höheren Beamten Preußens nahm in Köln zu den dringenden Tagesfragen (Stellung. Die Ergebnisse wurden in zwei ^Entschließungen feftgelegt, deren eine sich mit dem geplanten Rvtopfer befaßt, und in der es u. a. heißt, daß die höheren Beamten Preußens von der Notwendigkeit einer (Sanierung der Reichs-, Staats- und Gemeindefinanzen überzeugt seien. Sie dürfe sich aber nicht auf die Behebung des augenblicklichen Defizits beschränken. Vor adern sei dazu die Uebeitoinbung der Wirtschaftskrisis und mit ihr die Minderung der Arbeitslosigkeit notwendig, sowie eine Senkung der öffentlichen Ausgaben durch eine allgemeine Reichs- und Verwaltungsreform. Die Sanierung der Wirtschaft werde außer durch eine Revision der Arbeitslosen- und Krankenversicherung auch auf dem Wege einer allgemeinen Preissenkung erfolgen müssen. Dazu bedürfe es der Verminderung der Produktionskosten, der Verminderung der Preisspanne zwischen Erzeugung und Verbrauch sowie der Beseitigung der Auswüchse im Kartellwesen. Zur Behebung der gegenwärtigen Rotlage fei auch die höhere Beamtenschaft Preußens zu Opfern bereit, Sie wende sich jedoch dagegen, daß ein solches Opfer ausschließlich den Fe st besoldeten auferlegt werden solle. Eine Sonderbelastung der teilweise weit unter den Friedensrealeinkommen besoldeten Beamten könne unmöglich hingenommen werden, wenn gleichzeitig viele Tausende von Vielverdienern zum Reichs- notvpfer mit keinem Pfennig herangezogen werden sollten. Das Dolksopfer müsse alle Sch ichten nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit treffen. Am gerechtesten werde feine Ausgestaltung nach den sozialen Grundsätzen der Einkommensteuergesetzgebung erfolgen. — Die zweite Entschließung wendet sich gegen den beabsichtigten Abbau der Sonderzulagen.
Tagung des Reichsbundcs der Zivildienstberechtigten.
Stuttgart, 22. Juni. (211) Der Reichsbund der 3h)ilbienftbercd)tigten hält in Stuttgart seinen 33. Bundestag ab. auf dem sodann Reich s- minifter a. D. Dr. Gehler einen Vortrag über „'Die Bedeutung der Zivilversorgung" hielt. Es fei heute unendlich viel schwieriger, sich eine Existenz zu schaffen, als vor etwa fünfzig Jahren. Der Dienst in der Wehrmacht und in der Polizei könne aus besonderen Gründen nicht ein Dienst für das ganze Leben fein. Der Staat habe deshalb die Pflicht, die Angehörigen der Wehr- und Polizeimacht nach zwölf Jahren Dienstzeit in das normale Beamtenverhältnis z u überführen. Es müsse gefordert werden, daß die Behörde, die dieses Recht der Zivil- dienstanwärter verletze, den Geschädigten schadlos zu halten habe. — Bundesdirektor Krüger wandte sich den allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Fragen zu, namentlich dem Rotopfer und dem Lastensenkungsgeseh. Eine Entschließung besagt u. a. folgendes: Die Hauptversammlung des Reichsbundes der Zivildienstberechtigten stellt mit Besorgnis fest, daß die Zivil- dienstverforgung noch immer nicht ordnungsmäßig durchgeführt ist. Die Zivil-
Rationalsozialistischer Wahlsieg in Sachsen.
Das Ergebnis der sächsischen Landtagswahl: starkes Anwachsen der Rationalsozialisten aus Kosten der bürgerlichen Rechten und Mitte. Auch die Volksnationale Reichsvereinigung und der Christlich-soziale Volksdienst erobern je zwei Sitze.
Ruhiger Verlauf des Wahlsonntags.
75 Prozent Wahlbeteiligung.
Dresden, 22. Juni. (WTB.) Der heutige Wahl- sonntag ist in Dresden, abgesehen von einigen harmlosen Anrempeleien, ruhig verlaufen. Die Wahlbeteiligung scheint trotz des schönen Wet« tcrs nicht so gering gewesen zu fein, wie man zuerst befürchtet hatte Der erste Zustrom zu den Wahllokalen setzte kurz nach 8 Uhr ein, um dann um 11 Uhr wieder abzuslauen. Sehr rege war die Wahlbeteiligung in den letzten Stunden. Insgesamt sind 75 Prozent der Wähler ihrer Pflicht nachgekommen. — Auch in Leipzig verlief der Wahlsonntag ruhig. Von Propagandatätigkeit auf den Straßen war nach den bewegten letzten Tagen kaum noch etwas zu merken. Lediglich in den Außenbezirken war man noch an der Arbeit. Trotz des sommerlich schonen Wetters setzte die Wahlbeieiligung bereits am frühen Morgen mit einem saft ununterbrochenen gleichmäßigen Strom ein, so daß mit einer verhältnismäßig guten Beteiligung gerechnet wird.
Nas Ergebnis
Dresden, 23.3uni. (Xel.-Un.) Rach der vorläufigen amtlichen Lrgebniszählung ergibt sich folgendes Gesamtergebnis für Sachfen:
12.5.29 Sitze bi»h.
Sozialdemokraten
871 327
922 932
32
33
Deulsche volk»parlei
227 319
363 382
8
13
Kommunisten
355 552
345 530
13
12
Wlrtschaftspartei
276 702
304 884
10
11
Deutschnationale Volks-
parlei
124 300
218 309
5
8
Landvolk
120 497
140 611
5
5
Nationalsozialisten
379 724
133 958
14
5
Demokraten
83 671
105 289
3
4
volksrechtparlei
44142
70131
2
3
Altfozialislen
19 197
39 568
0
2
volksnationale Reichs-
vercinigung
39 153
—
2
0
Kommunistische Oppo
sition
14 827
22129
0
0
Lhristlich-sozialer Volks
dienst
57 408
—
2
0
Das Ergebnis der Wahl zum Sächsischen Landtag steht ganz im Zeichen des riesigen Anwachsens der nationalsozialistischen Stimmen. Man hat zwar nationalsozialistische Erfolge bei den Sachsenwahlen erwartet, daß sie aber ein derartiges Ausmaß annehmen würden, hat man selbst in den politischen Kreisen Dresdens, wo man am besten mit den besonders gelagerten sächsischen Verhältnissen vertraut war. nicht vorausgesehen. Die Rechnung des ungeheuren nationalsozialistischen Stimmenzuwachses hat wohl in erster Linie die Deutschnatio- nale Volkspartei zu begleichen, deren Stimmen trotz der regen Agitation ihres Parteiführers von 218 309 auf 124 300 zurückgegangen sind. Aber auch die Deutsche Dolkspartei wird, wenn auch nicht in dem gleichen Maße, ihr Teil zu dem nationalsozialistischen Siege beigetragen haben. Die Demokraten und die Wirtschastspartei haben wohl auch Der- lüfte aufzuweifen, jedoch find ihre Einbußen
nicht so erheblich, daß man von einer Meßet- raschung sprechen könnte. Ein gut' Teil der Verluste der eben genannten vier Parteien geht aber auch auf Kosten derjenigen 25 Prozent der Wählerschaft, die nicht den Weg zur Wahlurne gefunden haben. Die Kommunisten haben nicht die Erfolge errungen, die im Hinblick auf ihre rege Wahlagitation von ihren politischen Gegnern befürchtet wurden. Die Abwanderung von der Sozialdemokratischen Partei zur KPD. ist in bescheidenen Grenzen geblieben. Das Gesamtbild des neuen Sächsischen Landtages ist nicht dazu angetan, die Frage der Regierungsbildung, die im alten Landtag schon ein Problem dar stellte, in rosigerem Licht erscheinen zu lassen. Wie eine arbeitsfähige Regierungsmehrheit zustandekommen soll, kann heule noch niemand sagen. Ob man wenigstens vorläufig seine Zuflucht zu einem Geschäfts- Ministerium nehmen wird? Der Ausgang
der Wahlen in Sachsen kann nicht gerade als ermunternd für eine Reubildung des Reichsparlaments gelten.
Der erste Eindruck in Dresden.
Dresden, 23. Juni. (TU.) In den Straßen Dresdens herrsch! sei! Eingang der er st en Wahlergebnisse ein lebhaftes Treiben. 9 tu- mentlich die R a t i o n a l s o z i a l i st c n, die an einen derartigen Wahlerfolg wohl selbst nicht geglaubt haben, durchziehen singend die Straßen und bilden vor den Zeitungsgebäuden große Gruppen, immer und immer wieder begeisterte Heilrufe auf Hitler ausbringend. Demgegenüber verhalten sich die Anhänger der SPD. zurückhaltend. Die Deutsche Dolkspartei hat namentlich in Dresden Verluste erlitten, an die in diesem Umfange niemand gedacht hat. Die Demokraten und Deutschnationalen haben unter dem Aufschwung zu leiden, den die Nationalsozialisten erreicht haben.
Der Stand der Reichsreform.
Eine Entschließung im Hauptausschuß der Länderkonferenz - Scharfe ‘rifif des hessischen Gtaalspräsidenten Or. Adelung.
Der Beschluß des Haupt- ausschuffes.
Beseitigung des Dualismus. — Neue Länder.
Berlin, 21. 3uni. (DTR.) Der hauplous- schuß der Länderkonferenz für ver- faffungs- und Uerroaltungsreform trat heule 10 Uhr unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning in der Reichskanzlei zu einer Sitzung zusammen. Zur Beratung standen die Beschlüsse des Unterausschusses II für Zuständigkeit und Organisation über das von den Gutachtern Reichs- Minister a. D. koch - Weser , Ministerialdirektor Dr. Brecht, Slaatsminister Dr. RemmeIe und Landeshauptmann Dr. H or i o n erstattete Gemein- schastsreferat über die Abgrenzung der Zuständigkeit zwischen Reich und Ländern sowie über das Referat, betreffend die Organisation der Länder und den Einfluß der Länder auf das Reich (Verfasser: Ministerialdirektoren Dr. Brecht und Dr. Poehsch- heffter, Staatspräsident Dr. Bolz, Bürgermeister Dr. Petersen). Der Ausschuß stimmte zumeist mit großer Mehrheit den Vorschlägen feines Unterausschusses zu. Die Schlußabstimmung selbst erfolgte mit 15 gegen 3 Stimmen bei zwei Enthaltungen. Rach diesen Beschlüssen soll das R e b e n e i n a n b e r von Reich und preußischer Zenlralgewalt beseitigt und leistungsfähige Verwaltungskörper zwischen dem Reich und den unteren Behörden in der Gestalt von neu zu gliedernden Ländern geschaffen werden. Wenn es auch nicht gelingen konnte, diesen Ländern ein völlig einheitliches Gepräge zu geben, so ist doch eine Grundlage für eine gleichmäßigere und bessere Gestaltung des Reiches geschaffen, lleber die |
gesetzgeberische 3nangrisfnahme de» Reformwerks felbst wird die Reichsregierung nunmehr Beschluß fassen.
Hessen enthält sich der Stimme
Die Auffassung des Staatspräsidenten Dr. Adelung: Es bleibt alles beim alten.
Darmstadt, 22.3uni. Der DersassungsauS- schuß der Landerkonferenz hat, wie gemeldet, gestern die Beschlüsse des .Unterausschusses über Zuständigkeit und Organisation der Länder verabschiedet. Der hessische Staatspräsident hat fi<^> dabei der Stimme enthalten und seine Stellungnahme mit folgender Erklärung begründet:
Ich kann die Beschlüsse des Verfassungsausschusses als eine geeignete Grundlage für eine Aeichsresorm, die auf dem Weg zur Einheit und Dezentralisation liegt, nicht ansehen. Die sogenannten „Länder alter Art" bleiben Staaten im bisherigen Sinne. Ihre Zuständigkeiten, die — von unwesentlichen Aen- derungen abgesehen — die alten bleiben, und ihre Organisation werden noch stärker als seither verfassungsmäßig gesichert. Mitglieder deS Ausschusses, die den vorliegenden: Beschlüssen zustimmen, haben darüber hinaus noch Anträge gestellt, die — wenn sie angenommen worden wären — praktisch jede Veränderung der Zuständigkeiten ihrer Länder und damit jede k ünf tigeDe re i n he i t l i chung im Reich unmöglich gemacht hätten. Daneben ist eS nicht uninteressant, festzustellen, daß ihre Annahme ein Zurückgehen hinter den verfassungsrechtlichen Zustand von 18 7 1 bedeutet hätte.
Auch im preußischen Gebiet, das alle feitherigen Länder mit Ausnahme von Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden irgendwie in sich aufnehmen soll, bleibt In allem Wesentlichen alles beim alten. Bei einer Differenzierung fo hohen Ausmaße» zwischen dem Rorden und dem
Versorgung der Wehrmacht und der Schutzpollzei- angehörigen ist in Deutschland mit dem Bern ssbeamtentum unlösbar verbunden. Der Bundestag beauftragt die Leitung, sich für die Beseitigung der Härten, die in diesem Gesetz auftreten, einzusetzen. Gr protestiert gegen die Einführung eines besonderen Spargesetzes, das im Widerspruch zu den garantierten ‘Beamten* rechten stehe.
Kordei ungen des Handwerks.
Abgeordneter Francois auf dem mittel, deutschen Handwerkcrtag.
Magdeburg, 22. Juni. (TU.) Auf dem zehnten mitteldeutschen Handwerkertag sprach Reichs togsabgeordneter Francois über das Thema: „Der Stampf des Handwerks um feiste Existenz". Dos Handwerk kämpfe einmal für die Freiheit zur Arbeit und zum W i r t f ch a f t s a u f b a u, und zum anderen um die Gerechtigkeit bei der Lastenverteilung. Die gesamten Lasten der deutschen Wirtschaft seien heute unter Berücksichtigung der Belastungen aus dem Poungplan auf über 53 Milliarden angeftiegen, so baß, wenn Hoffnung bestehen sollte, daß wir den Youngplan erfüllen könnten, die in der Nachkriegszeit so stark mißachtete Sparsamkeit im Staatshaus- haltmitaller Gewaltdurchgeführt werden müsse. Dieselbe Forderung sei zu stellen für den Haushalt der Länder und der Gemeinden. Wir erhebens |o führte der Redner weiter aus, die Forderung nach einer restlosen Vereinheitlichung
unserer unübersichtlichen Steuergesetzgebung und der gesamten Verwaltung, fordern eine Besteuerung aller Betriebe der öffentlichen Hand und fordern insbesondere eine Kontrolle der Ausgaben- wirtschaft der Gemeinden evtl, durch den Rechnungshof des Deutschen Reiches. Die sozialpoli- tische Gesetzgebung hat sich derartig zugespitzt, daß die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung sich allmählich zu einer Fürsorgeeinrichtung für alle Nichtarbeitenden ausgewirkt hat. Die Sanierung dieser Anstalt ist eine Schicksalsfrage für das Reich. Der einzige Ausweg aus dem Dilemma der Er- werbslosenfraae ist die Schaffung eines A r - b e i t s d i e n st p f l i ch t a e s e tz e s. In diesem Zusammenhänge weist der Redner auf die Auswüchse der Lohnpolitik, der zwangsweisen Bestimmung der Löhne durch den Staat hin und verlangt zur Sanierung der Wirtschaft wieder die Einführung des Leistungsprinzips.
Der Deutsche Metallarbeiterverband gegen den Oeynhausener Schiedsspruch.
Essen. 22. 3uni. (TTl.) Der Deutsche Metall- arbeiterverband hielt am Sonntagvormittag im Rathaus eine von über 1000 Betriebsräten und Funktionären besuchte Versammlung des Tarifgebietes Rordwest ab. Lieber die Lohnabbau- bewegung sprach das Vorstandsmitglied des Verbandes Reichest, Stuttgart. 3n einer Entschließung wurde entschieden gegen die Ver-
bindlichkeitserklärung des »sozial und wirtschaftlich gleich verderblichen" Schiedsspruches von Oeynhausen protestiert. Mit der Beseitigung der sog. Severing-Klausel sei der willkürlichen Festsetzung der Akkord- und Prämiensätze Tür und Tor geöffnet. Die Beseitigung der Akkordsicherungsklausel sei zugleich ein unzulässiger Eingriff in de innere Struktur der Tarifverträge der Metallindustrie überhaupt. Der Reichsarbeitsminister irre, wenn er annehme, daß fein Lohnabbau-Diktat dem sozialen Frieden diene. Das Gegenteil werde und müsse der Fall sein. Die Versammlung empfiehlt den vom Schiedsspruch betroffenen Arbeitern die entschiedenste Ablehnung der neu angesehten Akkord- und Prämiensätze. Es sei alles auszubieten, um einen Lohnabbau abzuwehren, der kein geeignetes Mittel zur Behebung der gegenwärttgen Wirtschaftskrise sei. Von der Eisenindustrie wird mit Rücksicht auf die Senkung der Gestehungskosten durch Rückgang der Roh- stoffpreife eine stärkere Herabsetzung der Eifenpreise zur Erleichterung des Wettbewerbes der Eisen verarbeitenden Industrie auf dem Weltmarkt gefördert. Der für die deutsche Eisenwirtschast immer wichtiger Werdende Rohstoffschrott müsse der Allgemeinbewirtschaftung mit dem Ziele stabiler und mäßiger Preise unterstellt werden. Zum Schluß wird die Schaffung eines Eisenwirtschaftsbundes gefordert, in dem Erzeuger und Verbraucher in angemessener Werse zur Entwicklung der Eisenwirtschaft auf gemeinwirtschaftlicher Grundlage zusammenwirken müßten.


