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fcn dennoch eine rechte Lücke reißen, da er sich in der Landwirtschaft bis zur letzten Stunde recht nütz­lich gemacht yat.

z Göbelnrod, 21. Ian. Eine gemeinsame Sitzung des G e m e i n d e r a t e s und des Schulvorstandes sand heute hier statt: als Vertreter der Baubehörde nahm Oberbaumspek- tor KimP el daran teil. Die Pläne zum Nebau des Schulsaales sind vom Kreis- schulamt und Kreisgesundheitsamt genehmigt, so daß der Bau zu dem vorgeschrie>enen Zeitpunkt 15 März begonnen werden kann. Das Kreisgesundhcitsamt hatte den Einbau einer Babeeinrichtung in das Kellerge choß des Neubaues vorgeschlagen. Die e Frage stand rn der Sitzung zur Entscheidung. Allgemein wurde dre Nützlichkeit und Notwendigkeit einer solchen An­lage anerkannt. Da aber die Gemeinde finanziell schon durch den Neubau stark belastet wird, scheute man vor einer neuen Belastung zuruck. Die Anlage wurde jedoch nicht abgelehnt, fontern nur zurückgestellt, bis eine Finanzierung möglich erscheint. Weiter wurde beschlossen, daß bet dem Ausbau des Kellergeschosses bereits alle bau­lichen Vorkehrungen getroffen werden, um die Anlage später leicht einrichten zu können. Für die Einrichtung der Badeeinrichtung, die nicht nur der Schuljugend, sondern auch den übrigen Ge­meindegliedern zugänglich sein soll, lag cm Kostenvoranschlag der Firma Appel, Gießen vor. Die Anlage ist als Brausebad geplant und hätte sich nach der Berechnung des Bau- sachverständigen auf 2000 Mark gestellt. Im Interesse unserer Gemeinde wäre es zu be­grüßen, wenn das Projekt bald ausgeführt wer­den konnte.

* Queckborn, 21 Ian. Bei Drainagearbei­ten in der Flur Hegrich wurden hier von Herrn Heinrich Hehlervorgeschichtliche Scher- b e n f u n d e gemacht. Sie lagen in einer hori­zontalen Schicht üreiviertel Meter tief. Darunter befand sich eine 15 Zentimeter starke schwarze Erdschicht ohne weitere Einschlüsse. Die Scherben find von sehr großen Gesäßen, fast fingerdick, schwarz mit einer äußeren rötlichen Ninde und ohne Zeichnung, innen glatt. Sie gleichen den vor einigen Iahren etwas weiter oberhalb auf Grünberger Gemarkungin der Höll" ausgegra­benen Stücken. Wie diese sind sie offenbar die Deckung eines Brandgrabes. Das Grab scheint nur ein einzelnes zu sein, denn die zahl­reichen langen Drainagegräben in der Flur haben keine weitere Fundstelle angeschnitten. Die Fund­stelle, dicht am Wie engrund gelegen, zeichnet sich durch nichts als höchstens den Namen Hegrich aus. Es ist dies die fünfte Stelle, wo in der Nähe von Queckborn vorgeschichtliche Funde nach­gewiesen sind. Es kann nur gebeten werden, bei Erdarbeiten auf schwarze Stellan im Hellen Lehm besonders zu achten und Scherben- oder der­gleichen Funde zu bergen bzw. zu melden.

Lich, 20.Ian. Einem seit Iahren geübten Brauche zufolge gestaltete der hiesige Krieger- verein fein diesjähriges Winterfest wieder zu einem großen Militär-Konzert, das am gestrigen Sonntagnachmittag in Steins Saalbau stattsand und einen starken Besuch auswies. Aus­geführt wurde das Konzert vom Musikkorps des Grenadier-Bataillons 15 aus Gießen unter persönlicher Leitung von Obermusikmeister L ö - her. Eine außerordentlich reichhaltige Vortrags­folge füllte den genußreichen Nachmittag. Im ersten und zweiten Teil herrschte die Streich­musik, im dritten Teile kamen die Blasinstru­mente zur Geltung. Neben Werken großer Mei­ster fehlte auch volkstümliche Musik nicht. Das Publikum nahm die künstlerischen Darbietungen der sehr beliebten Gießener Kapelle mit lebhaftem Beifall auf. Der Vorsitzende des Kriegervereins, Stadtrechner Louis Häuser, nahm Gelegenheit, dem Musikkorps in herzlicher Ansprache für die künstlerisch-vollendeten Leistungen $u danken. Das gemeinsam gesungene Deutschlandlied beschloß das

eindrucksvoll verlaufene Konzert, dessen Nein­ertrag wohltätigen Zwecken dienen soll. '

Kreis Friedberg.

Friedberg. 20. Ian. Der Obst- und Gartenbauverein für den Kreis Friedberg hielt hier seine diesjährige or­dentliche Hauptversammlung ab. Der stellver­tretende Vorsitzende, Direktor Dr. S chad , konnte eine größere Zahl von Gästen begrüßen, u. a. Oekonomierat Breidenbach vom Landwirt- scha'tskammeraiulfchuß, Land.sin p?cker Pfeif- f e r (Darmstadt), Kre>sobstbau.n peltor M a z a - r i n (Worms). Der Geschäftsbericht von Garten­bauinspektor Neutsch hob besonders die ge- markungsweise vorgenommene älrnp^ropfung her­vor. Nach Dem geschäftlichen Teil sprach Kreis­obstbauinspektor M a z a r i n (Worms) über das Thema:Sind Ob st Märkte in Ober- Hessen geeignet, einen besseren Ab - s a h h e r b e i z u f ü h r e n ?" Er kam zur Be­jahung der Frage. Für Oberhessen fei das Wirt- fchaftsobst die gangbarste Ware auf dem Markte. Allgemein müsse die Forderung erhoben werden, daß die deutschen Obstzüchter auch im Winter gutes Obst liefern tonnten. Dr. Schad stellte in der Aussprache eine eingehende Prüfung des Friedberger Obstmarktes in Aussicht, ferner die Einrichtung eines Obstmarktes in Buh-

^Steinfurth, 20. Ian. Unser zum Gau Hessen gehörender Turnverein kann in die­sem Iahre auf fein 2 5 jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diefem Anlaß soll im Mai eine lokale Iubiläumsfeier stattfinden. Die gestrige Generalversammlung sprach sich über die Gestaltung derselben bereits eingehend aus.

Kreis Alsfeld.

T Ober-Ohmen, 21. Jan. Unsere Schule hatte dieser Tage zu einem Lichtbildervor­trag eingeladen, dessen Reingewinn zur Anschaf­fung eines Lichtbilderapparates dienen sollte. Ju­gendpfleger Engels zeigte in schönen Originäl- aufnahmen Bilder van der Entstehung und dem Bau des LuftschiffesZ R IIP und seiner Abliefe- rungsfahrt nach Amerika. Im zweiten Teil des Abends führte der Redner die Zuhörer an den alten Vater Rhein. Mit launigen Worten begleitet, ließ er alle die herrlichen Flecken und Orte von Mainz bis Koblenz im Bild an unseren Augen vorübergleiten.

Oer Diebstahl

im hessischen Ministerauto.

WSN. Rüsselsheim, 22. Ian. Gelegentlich einer Haussuchung im benachbarten Flörs­heim bei einem angeblich bekannten Autodieb wurden auch die aus dem Auto des hessischen Innenministers Le u sch ne r am Samstag ge­stohlenen Mäntel vorgefunden. Der in Frage kommende Mann, ein 34jähriger Kriegs- ftwalide, leugnet, die Tat selbst ausgeführt zu haben, sondern will die Mäntel von zwei ihm unbekannten Rüsselsheimer jungen Burschen ge­kauft haben. Der Mann ist vorläufig noch in Haft, da noch Untersuchungen wegen mehrerer anderer Autodiebstähle laufen. Durch die Auf­klärung des Falles steht nun wohl unzweifelhaft fest, daß kein politischer Nacheakt gegen­über dem hessischen Innenminister vorliegt.

Marburger Festspiele 1930.

]l Marburg, 22. Ian. Die heutige Stadt­verordnetensitzung beschäftigte sich mit der Frage, ob im Iahre 1930 die Marburger Fe st - spiele im Freilichttheater auf dem Schloß­berg a^ehalten werden sollen oder nicht. Die Tell"-Festspiele 1929 waren von 32 000 Personen besucht und bedeuteten einen großen Erfolg. Zur Deckung der Unkosten für die diesjährigen Fest­spiele sind 40 000 Mark vorgesehen. Nach ein­gehender Aussprach?, in der einerseits auf die Wichtigkeit der Festspiele im Interesse der Mar­burger Vcrkehrswerbung, anderseits aber auch

auf die allgemeine schwierige Wirtschaftslage hingewiefen wurde, erklärten sich die Stadtver­ordneten mit großer Mehrheit für die Fortführung der Festspiele. In Aus­sicht genommen sind Aufführungen vonGötz von Berlichingen",Ieberrnann" undDer Kauf­mann von Venedig".

Um hie Erhaltung

des Mainzer Siadttheaiers.

WSN. Mainz. 22. Ian. Das Personal des Mainzer Stadttheaters hat durch seinen Betriebsrat Vorschläge zum Etat ausackbeiten lassen, wie in Zukunft Erspar- nisse im Betrieb erzielt werden können. Die Kommission ist bei ihren Vorschlägen von dem Standpunkt ausgegangen, daß der selb­ständige Betrieb des Mainzer Stadttheaters unter allen älmftänben auf­rechterhalten werden müsse. Die Kommission hat sich trotz schwerster Bedenken in sozialer Hinsicht entschließen müssen, nicht nur den Abbau von künstlerischen und technischen Kräften in Vor­schlag zu bringen, sondern auch einzelne Spihen- gehälter entsprechend herabzusetzen. Die hier ge­machten Ersparnisse ergeben eine Summe von 130 641 Mk. Vorgeschlagen wird ferner unter Verzicht auf einen Teil der Ferien von feiten des Personals die Einführung einer Svmmer- spielzeit. Ein Sondervorschlag für diesen Sommer stellt den Plan einer Festspielwoche anläß­lich der Nheinlandbefreiung dar. Es wird ferner der Vorschlag gemacht, die Arbeiterschaft durch Veranstaltungen von Gewerkschafts- und Belegschafts-Vorstellungen bei bil­ligen Eintrittspreisen für das Theater zu in­teressieren. Die Befolgung der Vorschläge könne nach Meinung der Kommission mit Sicherheit zu einer Gesundung des Theaters führen. Eine Fu­sion, wie immer sie sich auch gestalten möge, sei ein Wirtschafts-Experiment gefähr­lichster Art.

Neue Krastposttiuieu im Westerwald.

Herborn, 22. Ian. Zwei neue Kraft- postlinien sind gestern eröffnet worden. Die eine fährt von Marienberg über Bach, Hof, Stein, Neukirch. Bretthausen, Willingen, Nister, Heisterbcrg, Gusternhain, Breitscheid, Medenbach, älckerSdorf, Burg nach Herborn und stellt damit eine Querverbindung zwischen dem oberen Westerwald und der Bahnlinie FrankfurtGie­ßenKöln her. In Neukirch erhält sie Anschluß an die Verbindung mit dem Siegerland. Die zweite Kraftpostlinie führt von Burg über Herborn, Merkenbach, Hörbach, Hirschberg nach Guntersdors. Alm das Zustandekommen dieser Linien haben sich besonders der Herborner Ver­kehrsverein, sowie die Stadtverwaltung verdient gemacht.

Mit diesen Kraftpostlinien ist für den Wester­wald eine Verkehrseinrichtung geschaffen, die zum Wohle der gesamten Gemeinden ist. Während früher z. B. die Gemeinden an der Kraftpoststrecke Herborn Marienberg nur sehr schwer zu erreichen waren, ist jetzt die Möglichkeit ge­geben, in fast V/t Stunde von Herborn nach Marienberg zu kommen, verkehren doch täg­lich zweimal die Kraftwagen von Herborn nach Marienberg und umgekehrt. Auch find die Anschlüsse nach Rennerod und Bürbach berück­sichtigt.

4/6 Millionen Fehlbetrag im Frankfurter Etat.

WSN. Frankfurt a. M., 22. Ian. Die Fi- nanzkommission des Magistrats hat auf Grund der Wirtschaftsberichte der einzelnen Aemter fest- gestellt, daß der Fehlbetrag für das zu Ende gehende Ctatsjahr 4,6 Millionen Mk. betragen wird. Frühere Schätzungen rechneten bekanntlich mit einem voraussichtlichen Fehlbetrag von 6,9 Millionen Mk. Zur Deckung des Defi­

9er Traum Dom Mk.

Vornan von E. Lovett und M. v. Weißenthurn.

Copyright by Marie Brügmann, München.

18 Fortsetzung. Raddruck verboten.

Doris verhielt sich erst schweigend, dann aber rief sie in munterem Ton:Ach, Tante Hanna, du bist jahrelang nicht mehr hier oben gewesen feit meiner Ankunft nicht mehr, das weiß ich genau. Ich war gar nicht auf die Freude deines Besuches vorbereitet."

Frau von Wildhofen gelangte nach und nach wieder zu Atem. Sie trug noch immer ihre Gesell- schafistoilette von rostbraunem Atlas, nur hatte sie darüber einen warmen dunklen Schal ge­schlungen, zu dem die funkelnden Diamanten an Hals und Ohren nicht recht passen wollten.

Ich komme nur, um dir zu sagen, daß du morgen früh recht pünktlich am Frühstückstisch erscheinen mutzt, liebe Doris. Dein Onkel hat das Frühstück schon um halb acht älhr angeordnet für mich viel zu zeitig. Wirst du auch pünktlich da fein? Es kommen morgen noch zwei andere Herren aus der Kreisstadt, die aied) schon beim Frühstück sein werden: Bankier Bertram und sein Sohn Albert- dein Onkel hat sie einge­laden, weil sie ihm schon manche Gefälligkeit erwiesen haben."

Ich werde pünktlich fein, Tante, gewiß! Mat­thias hat mir bereits gesagt, daß morgen zeitiger gefrühstückt werden soll. Sei ohne Sorge, ich werde die Zeit nicht verschlafen."

Bei sich aber dachte sie: Das ist doch gewiß nicht der Grund, weshalb die gute Tante so spät noch mühselig die steile Treppe hinaufklimmt. Cs muß noch etwas anderes im Werke fein.

And noch eins, Doris!" fuhr die Dame dann auch fort.Möchtest du morgen nicht dein neues Kleid anziehen?"

Doris riß verwundert die Augen auf.Mein neues Kleid? Warum denn das in aller Welt? Meinst du wegen der beiden Herren Bertram?"

Letztere waren gutfituierts Leute, die gelegent­lich zu den Iagden der Großgrundbesitzer ein» geladen wurden recht achtbare Menschen, die man in diesen Gesellschaftskreisen aber doch nur als Spießbürger betrachtete.

. Sei nicht so vorlaut mit deinen Vermutungen, liebe Doris!" ermahnte Tante Hanna mit einiger Schärfe.Du weißt ja längst, wie wenig die beiden Herren in Betracht kommen."

Verzeih, liebe Tante! Aber warum denn dann mein bestes Kleid?"

Nun, möchtest du dich vielleicht erinnern, daß morgen der letzte Tag ist, wo der Rechtsanwalt Hagenau bei uns wellt?"

Was hat denn das mit meinem Anzug zu tun?" wiederholte Doris, und rümpfte ganz

hochmütig ihre kleine Nase, trotzdem ihr flüch­tiges Erröten erkennen lieh, daß sie den Zu- ammenhang vollkommen begriff.

Doris, stelle dich nicht so leichtfertig! Wir laben alle bemerkt, daß Hagenau dir vom ersten Augenblick eurer Bekanntschaft an große Auf­merksamkeit bewiesen hat."

Nun, ich selbst habe nichts Derartiges be­merkt!" erwiderte Doris in abweisendem Ton; denn fein junges Mädchen liebt es, wenn die kaum entstandenen, zarten Hoffnungen feines Herzens, von denen es sich selbst noch kaum Rechenschaft zu geben toagt, an das Licht ge­zogen werden, sei es auch in der besten Absicht. Als Tatsache weih ich nur anzuführen, daß der Rechtsanwalt und ich uns fortwährend bei Tisch gestritten haben."

Tlnd ist das vielleicht der Grund, weshalb du gleich nach Tisch davongelaufen und nicht wieder zum Vorschein gekommen bist? Du tö­richtes Mädchen!" rief Tante Hanna in heller Aufregung.Hättest Du nur gesehen, wie der arme Mann ruhelos hin und her gewandert ist und immer wieder im Salon nach dir Ilm» schau gehalten hat. Du kleines, dummes Ding! Da würden dir wohl die Augen aufgegangen fein.

Der arme Mann, wie du ihn zu nennen beliebst, hat wahrscheinlich nicht im entferntesten an mich gedacht, Tante Hanna. Er hat doch höchstens Mitleid mit mir.

Durch den Widerspruch suchte sie ihr Herz zu stählen; sie wollte sich nicht selbst betrügen.

Ich komme als Gesellschafterin doch nicht für einen solchen Herrn in Betracht", setzte sie noch hinzu.

Du bist ein kleines Gänschen", erklärte Frau von Wildhofen.So erfahre Denn, daß dein Onkel et* vor einer Stunde eine Unterredung mit dem Rechtsanwalt gehabt hat, und zwar über dich, du kleine Einfalt!"

Doris schlug von neuem die Augen auf, wäh­rend ihr das Blut in die Wangen schoß.

Heber mich?" stammelte sie erschrocken.

Meinst du, daß der Onkel...

Ich meine, daß dein Onkel, der übrigens der Inbegriff von Takt und Zartgefühl ist, bei dem Rechtsanwalt in betreff seiner Absichten ein wenig sondiert hat. Wie es scheint, wurde dein Name erwähnt und dein Onkel ergriff die Gelegenheit...

Doris sprang, wie von einer Schlange ge­bissen, in die Höhe.

Wie darf mein Onkel sich erlauben, mit diesem Herrn über mich zu reden?" fuhr ihr's zom- sprühend heraus.Mit einem Manne, der mich erst feit zwei Tagen kennt! welche Herabwür­digung, welche Kränkung für mich..

Mein liebes Kind, sei nicht so albern! unter­brach sie Frau von Wildhofen gereizt.Es ist

wirklich fein Grund vorhanden, so außer sich zu geraten vor allem laß mich meinen Satz erst einmal beenden. Des Rechtsanwalts Aeuherun- gen waren sehr befriedigend und ließen wirk­lich auf ehrbare Absichten schließen; mit einem Wort es ist sehr leicht möglich, daß er dir binnen kurzem einen Heiratsantrag macht. Na­türlich hat ihm dein Onkel mltgeleilt, daß du ganz pcrmögenslos bist und erst nach unserem Tode auf eine bescheidene kleine Erbschaft rech­nen kannst."

Ich habe niemals etwas erwartet! Ich kann arbeiten und verlange nichts!" rief Doris mit fast erschreckter Stimme.Nie war ich so herz­los, so undankbar, an euren Tod zu denken."

Es ist nicht herzlos, wenn man feine Zu­kunft im Auge hat. Sei vernünftig, Doris, und bedenke, daß es sich hier um einen Mann han­delt, der ein Mädchen glücklich machen kann. Wenn er Dir seinen Antrag stellt, ist es doch deine Pflicht, ihn anzunehmen, nicht allein deinet-, sondern auch unsertwegen."

Die letzten Worte gaben Doris einen Stich durchs Herz.

Ihr wollt mich also loswerden", sagte sie gepreßt.Ich verstehe! Darum hat der Onkel mit Dem Rechtsanwalt gesprochen! Doch was willst Du so allein beginnen, Tante Hanna? Wer wirb all Die kleinen Dinge besorgen, Die du nach und nach meiner Obhut anvertraut hast?"

Liebes Kind, ich will ganz offen gegen dich sein. Natürlich ist keine Rede davon, daß wir dich los sein wollen wie kommst Du auf diesen Gedanken'« Aber es ist nicht weise gehan­delt, wenn man Die Zukunft ganz außer acht läßt.

Nach eurer Heimkehr aus Dem WalDe hatte ich eine längere Üntcrr.Dung mit Der lieben Frau von Rechten, unD wenn ich auch gestehen muß, daß ich sehr überrascht war von dem, was sie mir mitgeteilt hat, kann ich mich doch der Mög­lichkeit nicht ganz verschließen, Daß Sabine viel­leicht schon binnen kurzem unseres lieben Sohnes Gattin wird."

Doris war sprachlos vor Ueberraschung.

Aber sie hat ihn Doch auZgeschlagen, so viel ich weiß!" brachte sie enDlich heraus.

Wo^rr hast Du das bereits erfahren, du kleine Weisheit? Nun ja, das liebe Mädchen hat in Der Sorge, für falt und berechnend ge­halten zu werden, unseres Sohnes Antrag quasi abgelehnt, wie ich höre; doch waö will das sagen in einem Falle, wo das Herz im Spiel ist wie hier. Nicht das geringste, mein Kind. Als Beweis Dafür sagte mir auch Frau von Rechten, daß sich Sabine nach ihrer Unterredung mit Kurt am Nachmittag die Augen fast ausgeweint I hätte, und dies ist auch Der Grund, warum I sie sich später von der Gesellschaft femgehalten

zits foll u. a. eine Erhöhung der G e - werbest euer von 400 auf 460 Mk. und eine Erhöhung des W a f s e r g e 1 d e s um 5 Pf. vor­genommen werden, und zwar soll die Steuer­erhöhung rückwirkend beschlossen werden. Die Beschlußfassung des Magistrats über diese Vorschläge wird in Den nächsten Tagen erfolgen.

Schwurgericht Gießen.

* Gießen, 22. Jan. Unter Dem Vorsitz Des LandgerichtsDlrektors S ch m a h l wurde heute gegen den Kaufmann Hans Mayer von Gießen wegen Meineids verhandelt.

Die Vernehmung des Angeklagten und die Be­weisaufnahme ergaben folgenden Sachverhalt: Mayer, Dessen Frau und Kinder auswärts woh­nen, lernte hier vor Jahren eine geschiedene Frau R. kennen und zog zu Deren Eltern. Da er meist ohne VerDienst war, verrichtete er als Entgelt für Kost und Logis Arbeiten in Haus, Garten und Feld der Eheleute B.. der Eltern der R., später zahlte er wöchentlich 10 Mark, als er Arbeit hatte. Gegen Frau R. wurde Ende 1928 ein Strafverfahren wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrugs an­hängig; sie sollte drei Bestellscheine für Staub­sauger gefälscht und an Die Firma, für Die sie arbeitete, gesandt haben. Sie bestritt vor der Polizei jede Schuld und behauptete insbesondere, ihr fet­ter B., auf dessen Namen ein Bestellschein lautete, habe sie ermächtigt, zu unterschreiben. B. bestritt dies und nun gab Die R. Den Mayer als Zeugen an. Mayer wurde polizeilich vernommen und gab an, er hätte von einer Bestellung des B. nichts gehört, auch nichts Davon, daß dieser Die R. be­auftragt habe. Den Bestellschein für ihn zu unter­schreiben; er habe während der Unterredung des B. mit Der R. auch Diese nicht vom Nebenzimmer aus belauscht. Frau R. versuchte aber, ihn zu einer falschen Aussage zu bestimmen. Einige Zeit später erschien er nochmals bet dem betr. Polizeibeamten, sprach mit Diesem über Die Sache und äußerte, er lasse sich nicht beeinflussen; was er gesagt habe, sei wahr. Es rourbe nun Anklage gegen Frau R. erhoben. In Dem Termin vom 12. Juni 1929 er­schien Mayer nicht als Zeuge, so Daß er in Strafe genommen wurde; ein von dem Anwalt der Frau R. vorgelegtes ärztliches Attest bez. Mayer konnte seine Abwesenheit nicht entschuldigen, da er hiernach ousgehen konnte. In Der Sitzung vom 28. August 1929 sagte nun Mayer unter Eid aus, er habe von seinem Zimmer aus gehört, wie B. bei Der R. im sog. grünen Zimmer einen Staubsauger bestellt habe. Er verwickelte sich in weitere Widersprüche; seine Aussage wurde protokolliert. Das Gericht verurteilte Frau R. aber auch in dem Falle B., da dieser unter Eid jegliche Bestellung bestritt. Diese eidliche Angabe des Mayer soll nach Der Anklage salsch sein. Auch heute behauptete er, diese seine eidliche Angabe sei richtig; vor der Polizei habe er Die Unwahrheit gesagt, um sich an Frau R. zu rächen auch sei er Damals betrunken gewesen. Letzteres war nach Den Angaben Des Polizei- btumten nicht Der Fall. Die Eheleute B., Die den Staubsauger bestellt haben sollten, bestritten dies heute in der glaubhaftesten Weise. Frau R. und ihre Mutter setzten sich in Widerspruch mit Dein Angeklagten und Den Zeugen B., sie wurden, als Der Anstiftung Des Mayer zum MeinetD verDächtig, nicht beeiDigt

Staatsanwalt Fischer beantragte ein Jahr Zuchthaus abzüglich Der Hast und Den Neben­strafen aus § 161 StGB.; Rechtsanwalt Sn- gif cf) II. plädierte auf Freisprechung.

Das Gericht erkannte wegen Meineids auf ein Jahr Zuchthaus abzüglich vier Monaten Drei Wochen Untersuchungshaft, zwei Jahre Ehrverlust unD die Dauernde Unfähigkeit, als Zeuge oder Sach­verständiger eidlich vernommen zu werden. Es hielt auf Grund Der Beweisaufnahme, insbesonDere Der durchaus glaubhaften Aussage Der Eheleute für zweifelsfrei erwiesen, daß Mayer auf Veranlassung Der R. unD ihrer Mutter unter EiD wissentlich Die Unwahrheit gesagt habe.

hat. Ihre Mutter wollte nun am liebsten sofort zur Abreise rüsten; wir haben sie aber ge­beten, Das nicht zu tun, sonDern noch ruhig hierzubleiben unD unserem armen Iungen Die Gelegenheit zu einer erneuten . Anfrage nicht zu entziehen. Ich bin froh, Daß sie unseren vereinten Bitten nachgegeben unD sich auch in Diesem Fälle als edeldenkende Frau erwiesen hat."

Sie ist eine äußerst kluge Fxau", verbessert» Doris mechanisch.

IeDer weitere Schritt in Dem gefährlichen Spiel, Das sie trieb, schien neue Verwirrungen unD Gefahren für sie heraufzubeschwören.

Aber Tante Hanna", fuhr sie Dann fort,Du hast mir vorgestern gesagt, Daß Du vor Dem Gedanken an eine solche Heirat Deines Sohnes förmlich zurückschreckst und Daß Du ihn in Ge­sellschaft einer so vorzüglichen Mutter wie Frau von Rechten vor jeDem Heiratsgedanken sicher glaubtest."

Nun ja, mein Kind, ich gebe zu, daß ich in selbstsüchtiger mütterlicher Liebe nicht an eine Heirat meines Sohnes Denken mochte; Doch ich habe meinen Sinn geänDert unD glaube jetzt, Daß Kurts Heirat mein Glück vermehren, statt verminDern würbe. Er bliebe Dann immer bei uns und würbe sich ausschließlich der Verwal­tung unserer Güter widmen. Es ist ja Raum genug vorhanden für uns und für ihn, auch wenn er sich eine eigene Familie gründet. Dein Onkel und ich haben vorhin, als wir allein waren, mit Frau von Rechten noch alles erwogen und ihr mitgeteilt,- daß, falls Sabine doch noch ihr Iawort geben würde, wir auch Das unsrige nicht vorenthalten wollen, obwohl wir wissen, daß sie kein Vermögen besitzt.

Sabine aber stammt aus guter Familie und hat Beziehungen zu Den vornehmsten Häusern, dazu ist sie schön und von sehr distinguierter Er­scheinung; vor allem aber hegt sie eine tiefe Neigung für unseren Sohn, so baß er wohl eine viel glänzendere, aber kaum eine glücklichere Heirat schließen könnte."

Doris hörte die langen Auseinandersetzungen ihrer Tante stillschweigend an und blickte mit ernst zusammcngezogenen Brauen Dufter vor sich hin. Die kühnen Erdichtungen über Den ver­storbenen Herrn von Rechten unD sein vornehmes Herkommen vermochten ihr nicht einmal ein Lächeln abzulocken, wenn sie an jenen armseligen Vagabunden. Den entlassen en Zuchthäusler, Dachte, Den sie mit eigenen Augen gesehen hatte. Diese Frau von Rechten mußte ebenso tollkühn wie geschickt sein, um am Rande eines Der­artigen Abgrundes das Spiel um einen aller­dings hohen Einsatz noch weiterzutreiben.

(Fortsetzung filgt)