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drückt den Wunsch aus, daß alle zuständigen Organe des Völkerbundes sich bemühen werden, alle Mög­lichkeiten zu erschöpfen, welche die Entschließungen von Madrid enthalten, namentlich bezüglich der Zusammensetzung der Minderheiten- komitees, der Häufigkeit ihrer Sitzüngen, der Mitteilung über das Schicksal der Petitionen im Schoße der Minderheitenkomitees und die öffent­liche Bekanntgabe des Ergebnisses der Prüfung einer Frage durch die Dreierkomitees.

Die Mmelbeschwerden in Genf

Die Beschwerden des Memelgebietes sind jetzt, wenn auch etwas spät, von Deuttchland offiziell aufgegriffen worden. Unsere Delegation in Genf hat den Antrag gestellt, die Beschwerde als dringlich zu behandeln und noch auf die Tagesordnung der gegenwärtigen Ratstagung zu setzen. Gegenstand der Beschwerde ist die Forde- rung nach Bildung des Memeldirekto­riums auf parlamentarischer Grund­lage und Enthaltung jeder Beeinflussung der bevorstehenden Wahlen zum Memeler Landtag durch die Litauische Regierung. Wir glauben nicht, daß die Forderung Deutschlands abgelehnt wird, wir werden aber gut daran tun, unsere Erwar­tungen nicht allzu hoch zu schrauben. Mit dem Bölkerbund haben wir bisher die denkbar schlech­testen Erfahrungen gemacht, es sollte uns also reicht wundern, wenn die Herrschaften in Genf wieder Mittel und Wege finden, um die Memel­beschwerde abzuwürgen. Damit würde sich aber der Völkerbund selbst einen neuen sehr schlech­ten Dienst leisten, weil er dazu berufen ist, die Rechte der Minderheiten zu wahren. Wir hätten es allerdings lieber gesehen, wenn es zu einer direkten Verständigung zwischen Berlin und Kowno gekommen wäre, daraus wurde aber nichts, weil offenbar unser Kownoer Vertreter nicht geschickt genug operiert hat.

Go sieht die Befriedung Europas aus.

Eine scharfe amerikanische Kritik.

London, 21. Sept. (WTD.) Der Vorsitzende des Flottenausschusses des Repräsentantenhauses, Dritten, der gestern aus Europa zurückgekehrt ist, erklärte:Europa will nicht ab­rüsten, es will kämpfen. Kriegsvorbereitungen kosteten Europa täglich 6 Millionen Dollar. Der Korridor ist ein Pfahl im Fleische jedes Deutschen. Rußland wartet auf eine Gelegenheit, um seine Seehäfen in Estland, Lettland und Litauen wiederzunehmen und Bessarabien zurückzuerobern. Drei Millio­nen Deutsche in der Tschechoslowa­kei sind bereit, für Selbstbestimmung einzu- stehen. Jugoslawien und Italien stehen sich seit drei Jahren mit gezogenem Degen gegen­über. Die Dölkerbundsabrüstungskommission tagt seit fünf Jahren, ohne das gering st e er­reicht zu haben."

Kriegsschulden und Reparationen

Amerika erwartet Revisionsforderunqen.

Washington, 21. Sept. (Funkspruch. Reuter.) Wie verlautet, sollen im Staatsdepartement Berichte oorliegen, nach denen der britische Schatzkanzler Snowden nicht den Wunsch hege, die Frage der Kriegsschulden gegenwärtig wieder aufzu- rollen, weil dann auch eine Revision der Re­

parationszahlungen akut werden müßte, was wiederum eine Unsicherheit der wirtschaft­lichen Lage zur Folge haben würde. Hier vor­liegende inoffizielle Rachrichten aus Europa spre­chen hingegen von erneuten Bemühun­

gen, eine Herabsetzung der Kriegsschulden der Alliierten an die Ve«inigten Staaten zu errei­chen, und geben der Meinung Ausdruck, daß die außerordentliche Zunahme der Ra - tionalsvzialisten einen starken An­stoß zur Wiederaufrollung der Schuldenfrage geben wird. Weiter wird darauf hingewiesen, daß, während eine Herab­setzung der Schulden vielleicht eine Beslerung der Wirtschaftslage, wenigstens soweit England in Betracht kommt, nach sich ziehen würde, eine Verschlechterung der englisch-amerikanischen Be­ziehungen eintreten könnte infolge der heftjgen Debatten im Kongreß über die Schuldenfrage.

Paris wirbt um Italien.

Paris, 21. Sept. (TU.) Der Genfer Bericht­erstatter desParis Midi" behauptet, der Miß­erfolg der französisch - italienischen Flottenverhandlungen sei auf tendenziöse Nachrichten zurückzuführen, die von englischer Seite über gewisse politische Ziele der italienischen Regie­rung verbreitet worden seien. Die französisch-italieni­schen Verhandlungen, so meint der Berichterstatter, hätten jedoch an Bedeutung verloren, nachdem hin­ter den Kulissen eine französisch-englisch- deutsche Verständigung über die Einbe­rufung der allgemeinen Abrüstungskonfe- r e n z für den November nächsten Jahres zustande- gekommen sei.

Als besonders bezeichnend verdient in diesem Zusammenhang die Behauptung der französischen katholischen ZeitungLa Croix" hervorgehoben zu werden, daß Mussolini jetzt mehr denn je eine Verständigung wünsche und daß der Pa­riser Widerstand gegen ein Abkommen im S ch w i n- d e n sei. Italien braucheGeldundFrank- reich habe Geld und könne es verleihen. Jetzt, wo das deutsche Volk in verstärktem Maße die Revision des Friedensvertrages fordere, so fährt das Blatt fort, sei die Gelegenheit zu einer engeren Zusammenarb eit der la­teinischen Rasse gekommen.

Oie Auffassung Mussolinis.

Das Auseinanderfallen in die Extreme.

Rom, 19. Sept. (Tel.-lln.) Die Stellungnahme Mussolinis im Defehlsblatt der faschisttschen Par­tei zum Ergebnis vom 14. September lautet u. a : Wenn die Wahlen den Zweck hatten, Deutschland eine feste, homogene, lebensfähige Regierung zu geben, so ist der Zweck verfehlt. Die Wahlen waren, wie das immer der Fall ist, völlig unnütz. Als Anzeichen aber war ihre Bedeutung außer­ordentlich. Das Merkmal der Wahlen vom 14. September ist der Triumph Hitlers, der bewiesen hat, daß er ein Werber und großer Organisator ist. Sein Motto:Deutschland er­wache" gehört zu denen, die die Seelen erschüt­tern. Außer dem Siege Hitlers bedarf der Be­achtung derVormarschderKommunisten 'trotz der Kritiken und Zerwürfnisse in ihrer Partei, während die Sozialdemokraten

nicht einmal ihre Stellung zu halten vermochten, sondern sogar Gebiet verloren haben. In der Mitte ist eine Gruppe von Parteien ohne Macht und ohne Zukunft. Die Radikalisie­rung der Geister zeigt sich deutlich. DieMitte verschwindet. Die neue Generatton legt, um mit Kahserling zu sprechen, den Akzent auf die äußerste Rechte oder äußerste Linke. Die Mittelstellungen sind schon an sich mittel­mäßig und möglich nur zu Zeiten guten Wetters, aber nicht in Zeiten großer Stürme wie jetzt. Die Jungen haben nichts mehr übrig für die Grundsätze des vergangenen Jahrhunderts, die sich Liberalismus, Demokratie und Sozialismus nannten. Sie haben alles gegeben, was sie geben konnten. Ideen, die lebendig und fruchtbar waren in einem bestimmten Abschnitt der mensch­lichen Geschichte, haben ihre Mission erschöpft.

Ein historischer Feiertag.

Die Einnahme Noms zum letzten '.'-rat festlich begangen.

Rom, 20. Sept. (£11.) Zum letztenmal ist am Samstag der Jahrestag der Einnahme Roms durch die italienischen Trup­pen im Jahre 1870 festlich begangen worden. Der Gouverneur von Rom legte an der berühm­ten Bresche in der Stadtmauer, durch die die italienischen Truppen damals eindrangen, einen Kranz nieder. Die öffentlichen Gebäude hatten geflaggt. Wie bereits angekündigt, wird Mussolini dem nächsten Ministerrat ein Gesetz vorlegen, das an Stelle des 20. Sept, den 11. Fe­bruar, den Jahrestag der Unterzeichnung des L a t e r a n f r ie de n s zwischen Ita­lien und dem Vatikan, zum Feiertag er­heben wird. In gewissen italienischen Kreisen wird die angekündigte Aenderung mit geteilten Gefühlen ausgenommen, weil mit der Abschaffung des 20. September als Feiertag ein Stück der stolzen Tradition des Risorgimento verloren gehe. An sich ist die Abschaffung des 20. September als Feiertag aber eine logische Folge des Lateranfriedens. Der Papst nahm in seiner An­sprache an Vertreter der italienischen katholischen Aktion gelegentlich einer Audienz am Freitag auf denschmerzlichen Vorabend" des 20. Sep­tember Bezug. Der Papst fügte aber hinzu, daß dieser Tag zum letzten Male festlich be­gangen werde, wie ihm von maßgebender Seite versichert- und versprochen worden sei und diesem Wort wolle er glauben.

Oie Beamten im neuen Reichstag.

Berlin, 22. Sept. Während der Wahl­kampagne war verschiedentlich der Vorschlag auf­getaucht, die Beamten sollten ihre Stellung ihn Reichstag durch die Bildung einer besonderen Deamtenpartei stärken. Die führenden Be­amtenverbände gaben aber die Gegenparole aus, und nach dem jetzt vorliegenden Ergebnis scheint es, daß ihre Machtposition auf dem Umwege über die einzelnen Parteien und unter Verzicht auf eine rein ständische Gliederung nichts

zu wünschen übrig läßt. Die größte und wichtigste deutsche Beamtenorganisatton, der Deutsche Beamtenbund, mit mehr als einer Million Mitglieder, zählt nämlich im neuen Reichstag 23 Abgeordnete, die seiner Organisation angehören. Der Beamtenbund ist damit im Parlament stärker vertreten als etwa die Land­volkpartei, die Bayerische Volkspartei oder die Staatspartei! Von den Abgeordneten der Sozial­demokratischen Partei gehören dem Deutschen De- amtenbund fünf Abgeordnete an. Die Deutsch­nationale Volkspartei zählt in ihren Reihen den Reichsminister a. D. Koch, Düsseldorf. Stark ist der DBB. im Zentrum vertreten, wo ihm fünf Abgeordnete angehören. Auch der kommunistische Abgeordnete Schneller ist als Lehrer dem DBB. angeschlossen. Bei der Volkspartei ist Morath, bei der Staatspartei Adolph, bei der Wirt­schaftspartei Lucke und bei der Konservativen Volkspartei Hartmann Mitglied des DBB. Im Christlich-sozialen Volksdienst sitzen drei Mit­glieder des DBB., der seinen Ginfluh sogar auf die Rationalsozialisten erstreckt, wo ihm vier Abgeordnete zugerechnet werden müssen. Die unmittelbaren Einwirkungsmöglichkeiten des Deut­schen Beamtenbundes aüf den Reichstag erstrecken fich also auf alle Parteien von den Kommunisten bis zu den Rationalsozialisten.

politische Zusammenstöße.

Berlin, 20. Sept. (CRV) Im Anschluß an eine nationalsozialistische Versammlung im Kriegervereinshaus in der Chaussee­straße kam es zu Zusammenstößen zwischen Ver- fammlungsteilnehmern und Polizei. Da von eini­gen Trupps der Rationaksozialisten die Rufe Deutschland erwache!" usw. ausgestoßen wurden, ging die Polizei gegen sie vor, wobei insgesamt zehn Rationalsozialisten fest genommen wur­den. Bei dieser Gelegenheit soll der Reichstags- abgeordnete Göbbels Schläge mit dem Gummi­knüppel erhalten haben. Die Polizei bestreitet dies jedoch.

In Brandenburg kam es zu schweren Zu­sammenstößen zwischen Rativnalsozia- listen und Kommunisten, bei denen es zahlreiche Verwundete gab. Vor einem Licht­spieltheater, in dem eine kommunistische Ver­sammlung stattfinden sollte, stießen mehrere hun­dert Kommunisten auf einen Trupp von sieben Rationalsozialisten, rissen ihnen die Ab­zeichen ab und verprügelten sie. Einer von ihnen wurde durch Fußtritte und Schläge mit einer Stahlrute so zugerichtet, daß er besinnungslos in einen Hausflur gebracht wer­den mußte. Ein Polizeibeamter, der einen Kom­munisten festgenommen und in einen Laden ge­bracht hatte, konnte eine Viertelstunde lang mit vorgehaltenem Revolver den gröhlenden Mob, deren Gefangenen gefreien wollte, in Schach halten, bis das lleberfallkommando eintraf und Ordnung schaffte. An einer anderen Stelle der Stadt gaben mehrere Kommunisten Schüsse auf die erleuchteten Fenster eines Lokals, in dem Rationalsozialisten tagten, ab. Dabei wurde ein Melker durch eine Kugel in den Oberkörper schwer verletzt.

Aus aller Welt.

Hessenkinder beim Reichspräsidenten.

Der Herr Reichspräsident nahm am Sams- tag im Garten seines Hauses die Begrüßung durch etwa 8 0 0 Kinder aus dem besetzt gewe­senen Rheinland und dem Saargebiet entgegen, die auf gemeinsame Kosten des Reiches, Preußens und Hessens zu sechswöchigem Er­holungsaufenthalt in verschiedene Heime an der Seelüfte entsandt werden und auf der Reise an ihre Bestimmungsorte die Reichshauptstadt passieren. Nach einer Ansprache des Führers des Transportes Landesrat G e r l a ch von der ReichszentraleLand­aufenthalt für Stadtkinder", in deren Händen die Durchführung des Transportes liegt, dankte der Herr Reichspräsident den Kindern für die Be­grüßung und sprach ihnen mit herzlichen Worten seine besten Wünsche für den Aufenthalt an der See sowie für ihr ferneres Leben aus.

General von Gebsattel f.

Der frühere Kommandierende General des 3. baye­rischen Armeekorps, General der Kavallerie Freiherr Ludwig v o n G e b s a 11 e l, ist in der Sonntagnacht nach einer Operation in einer Münchener Klinik im 74. Lebensjahre gestorben.

Die Beisetzung dez Todesopfer der Döblinger Ilugkalaslrophe. Unter überaus großer Beteiligung wurden die ums Leben gekommenen vier Flieger Hauptmann Engwer, Kunstslieger Spengler, Flugzeugführer Hagenmeyer und Luftakrobat Schindler in einem gemeinsamen Grab in Böblingen beigesetzt. Als letzter. Gruß der Flieger kreisten mehrere Flugzeuge der Fliegerschule Böblingen und der Deutschen Ver­kehrsfliegerschule München und Braunschweig über dem Friedhof, lieber 100 Kränze, die den Verstor­benen aus dem ganzen Reich gewidmet worden waren, bedeckten die vier Särge, bei denen An­gehörige der Böblinger Fliegerschule die Ehren­wache hielten. Unter Musikklängen wurden die Särge nacheinander in das gemeinsame Grab gesenkt.

Schwerer Sturm an den atlantischen Küsten.

Seit der letzten Rächt herrscht an der englischen Küste schweres Sturmwetter, das die Schiffahrt gefährdet. Im Kanal erreichte der Sturm eine Geschwindigkeit von 125 Stunden­kilometern. Die Schiffe suchen Schuh in den Hä­fen. Der französische SeglerLeone" wurde bei Weymouth von seiner Verankerung losgerissen und droht an den Klippen zu zerschellen. Die Besatzung konnte von einem Boot der Rettungs­station an Bord genommen werden. Im Inland wurden zahlreiche Bäume entwurzelt. Der Ernte­schaden ist beträchtlich. Der Sturm, der im Laufe des Vormittags noch an Heftigkeit zunahm, ist der schwerste, der England seit Jahren heim- gesucht hat. Bei Reading stießen infolge strö­menden Regens, der die Sicht erschwerte, zwei Güterzüge zusammen: Menschen kamen nicht zu Schaden, der Verkehr war lange lahmgelegt. Auch an der französischen Küste hat der Sturm ernstlichen Schaden angerichtet. Bei Douarnez sind zwei Fischkutter gestrandet. Fünf Leichter gelten als verloren. Die Thun-Fischer­flotte von Concarneau hat im Sturm einen Dampfer verloren, aus einem anderen sind zwei Mann der Besatzung überBordge- spült worden. An der spanischen Küste mußten zwei Jachten von ihren Besatzungen verlassen werden, sie treiben als Wrack auf See. Auch an

der Mittelmeerküste herrschte Sturm. Ein französischer Küstendampfer hat in der Rordsee einen Deutschen namens Julius Scheuder und einen Holländer geborgen, die zur Besatzung des untergegangenen holländischen SchiffesFoux- h o d" gehörten. Der Kapitän derFvuxhvd", seine Frau und sein zweijähriges Kind sind er­trunken.

Eine Erklärung des Fliegers Raab.

Der Rechtsbeistand des Fliegers Raab teilt folgendes mit: Durch die deutsche Presse läuft eine Meldung derB. Z. am Mittag", wonach Raab nach erheblichen Unterschla­gungen unter Mitnahme wichtiger Konstruk­tionszeichnungen und zahlreichen Aktenmaterials nach Amerika geflüchtet sei. Diese In­formierung der deutschen Oeffentlichkeit ist in allen Punkten unrichtig.

1. Herr Raab befindet sich wegen Ab­schlusses wichtiger Geschäfte in Ame­rika.

2. Bei diesen Verhandlungen sind natürlich Blaupausen gewisser Konstruktionszeichnungen notwendig und aus diesem Grunde auch mit­genommen. Aktenmaterial hat Herr Raab nur insoweit anderweit sichergestellt, als er es für Klarstellung seiner Rechtsansprüche benötigt.

3. Don Unterschlagungen irgendwelcher Art kann überhaupt keine Rede fein. Die Reise wird aus privaten, Raab von dritter Seite zur Verfügung gestellten Mitteln bestritten.

Der Schah des letzten Inka gefunden?

In den Anden von Ekuador soll der Schatz des letzten Jnkakönigs Atahualpa von einer Expedition ineinerBergfestungentdeckt worden sein. Die Expedition ersuchte das Schatzamt um Entsen­dung von Truppen, um die Ausgrabungen vor An­griffen durch Indianer schützen zu können.

Tagungen

Abschluß des Deutschen Gastwirtstages.

Am Donnerstag hat der 55. Deutsche Gast- Wirtstag in Leipzig seinen Abschluß gefunden. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der gegen die steuerliche Auflage der Reichs­regierung protestiert wird, nach der Länder und Gemeinden verpflichtet sein sollen, alle in der Rotverordnung enthaltenen Steuern voll aus­zuschöpfen. Der Rückgang des Umsatzes allein, Der durch jede Steuererhöhung bedingt werde, verhindere einen Erfolg dieser Art von Steuer­politik für das Reich. In einer längeren Aus­sprache wurde die vielerorts erhobene Dergnü- gungs- und Hockersteuer als zu hoch bezeichnet und ihre völlige Abschaffung wurde gefordert. Wenigstens sollten bei der Vergnügungssteuer die vom Reichsrat festgelegten Sätze als Höchst­sätze gelten. Die Hauszinssteuer für gewerb­liche Räume soll beseitigt werden. Die Steuer­freiheit der sogenannten gemeinnützigen Aus- schankstätten, Sportkantinen usw. müsse einge­schränkt werden. Gemeinnützig sei nur eine Ein­richtung, die lediglich den notwendigsten Be­darf decke. Strafen wegen Ucbertretung der Polizeistunde unter dem Reichsgesetz sollen aus dem Strafregister gestrichelt werden. Der Dolks- trauertag soll mit dem Totensonntag ober einem

anderen stillen Sonntag oder Feiertag zusammen«, gelegt werden.

Bundestagung

des Allgemeinen Deutschen Beamtenbunde».

Aus der dritten CBunbegtagung des Allgemei­nen Deutschen Beamtenbundes m München er­stattete der erste Bundesvorsitzende, Ministerial­rat a. D. Albert Falkenberg, den Geschäfts­bericht. Die Zahl der angeschlossenen Verbände hat sich von 22 auf 29 erhöht. Dem Bund waren nach dem Stande vom 31. Dezember 1929 24 Verbände mit zusammen rund 177 000 Mit­gliedern angeschlossen. Der Redner verteidigte das Einsetzen der Bundesleitung für die L i st e der SPD. bei den Reichstagswahlen. Der Redner des sächsischen StaatsbeamtenbundeS kritisierte dagegen heftig die Verletzung der fatzungsgemähfestgelegtenpar- teipolitischen Reutralität und er­klärte, daß durch dieses Abweichen von Lern bis­herigen Standpunkt der Bund schwer geschädigt worden sei. Vertreter des Bundesvorstandes er­klärten, daß bei den letzten Wahlen für die Be­amtenschaft eine andere Stellung als für das Eintreten für die Liste der SPD. gar nicht möglich gewesen sei.

25. (Eröffnung der Internationslev^Lederschau.

Auf dem mit den Farben von 16 Ländern be­flaggten Ausstellungsgelände am Kaiserdamm in Berlin wurde am Donnerstag dieLederschau Ber­lin 1930" und die Modische JahresschauLeder und Mode" in Anwesenheit von nahezu 2000 Vertretern der Fachwelt, der Behörden des Reiches und Preu­ßens, des diplomatischen Korps der Stadtverwal­tung, der Kunst und Wissenschaft eröffnet. Bürger­meister Scholz gab der Genugtuung über die Veranstqltuna dieser großen internationalen Aus- stellung im Rahmen der Berliner Fachausstellung und Fachmessen Ausdruck. Die internationale Leder­schau zeuge von einem festen Vertrauen in die Be­deutung Berlins als Wirtschaftszentrum. Die Grüße der Reichsregierung überbrachte Reichsver­kehrsminister v. G u 6 r a r b, der darauf hin wies, daß der Ausstellung eine besondere Bedeutung des­halb zukomme, weil sie die erste Veranstaltung der deutschen Lederwirtschaft von internationalem Cha­rakter sei und ein übersichtliches und anschauliches Bild von der Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges gebe.

Tagung des Hilfsbundes für die Elsaß-Lothringer im Reiche.

Die Tagung des Hilfsbundes für dis Elsaß-Lothringer im Reiche, auf deren Tages­ordnung die Erhaltung der elsaß-lothringischen Kultur und wirtschaftliche Tagesfragen stehen, hat in Koblenz begonnen. Lutz, Freiburg, sprach über elsaß-lothringische Kulturaufgaben unter Berücksichtigung der Heimatlande und der Or­ganisationen. Unter den aus Elsaß-Lothringen Vertriebenen sei eine tiefe Sehnsucht wach «ge­blieben und ein festes Band binde alle Elsaß- Lothringer an die alte alemannische Heimaterde. Mit Sorgfalt müßte der Kampf verfolgt werden, den der Franzose mit der Verwischung von, Elsah-Lothringen betreibe. Mehr denn je müsse man in Deutschland Gewicht darauf legen, Die elsaß-lothringischen Autoren auf sämtlichen Ge­bieten des Kulturlebens einzuführen. Ministerial­rat Dr. Donnevert betonte, daß man Dazu übergehen müßte, die Jugend der alten Elsaß- Lothringer für die Sache des Bundes zu ge­winnen.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Unter stärkerer Abflachung ist der Tiefdruck­wirbel bis zur Ostsee weitergewandert. Sein« Rücheite hat uns im Laufe des gestrigen Tages und der letzten Rächt erhebliche Riederschläge ge­bracht. Wohl ist durch die Zufuhr der Kaltluft der Luftdruck über dem Festlande von Südwesten her ziemlich angestiegen, wodurch vorübergehend besseres Wetter eintreten kann. Jedoch naht vom Atlantischen Ozean eine neue Störung heran, die in ihrer Vorderseite ein ausgedehntes Regen­gebiet mit sich führt, das heute morgen über den britischen Inseln verbreitete Riederschläge ver­ursachte. Somit dürfte auch bei uns das Wetter veränderlich bleiben und wieder Riederschlags- tätigkeit einsetzen.

Aussichten für Dienstag: Rach vor­übergehender Besserung wieder Bewölkung mit vereinzelten Riederschlägen.

Aussichten für Mittwoch: Weiterhin unbeständiges Wetter.

Lufttemperaturen afn 21. September: mittags 12,0 Grad Celsius, abends 12,2 Grad: am 22. Sep­tember: morgens 12,0 Grad. Maximum 13,5 Grad, Minimum 10,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 21. September: abends 13,2 Grad; am 22. September: morgens 12,6 Grad Celsius. Niederschlag 15,2 mm. Sonnenscheindauer Yi Stunde.

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