Ausgabe 
22.8.1930
 
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Polen mit großem Patriotismus er- kämpft morden seien. Der Oberst schloß seine Rede mit einem Hoch auf Polen, den polnischen Staatspräsidenten und den Marschall Pilsudski.

Deutschfeindliche Kundgebungen

Demonstrationen vor dem deutschen Konsulat in Posen.

Posen. 21. 2lug. (CRB.) 3n Posen fand eine große nationaldemokratische Kundgebung gegen die Rede des Reichsministers Treviranus statt. Die Säle waren überfüllt. Rach den ver­schiedenen Ansprachen, die mit stürmischer B^ geisterung begrüßt wurden, sang man am Schluß der Versammlung das deutschfeindliche Rota-Lied. Hierauf zog die Menschenmenge vor das deutsche Konsulat, wo gleich­falls das Rota-Lied gesungen wurde und Pfui- rufe ertönten. Zu Ausschreitungen ernsterer Ra- tur ist es nicht gekommen. Die Polizei zerstreute dann die Menge, wobei einige Personen, die besonders widerspenstig waren, leicht verletzt wor­den sind. .

Die Legionäre, die Großmachtliga und einige andere verwandte Verbände veranstalteten auch in Krakau eine Kundgebung gegen die Rede von Treviranus, an der sich etwa 10 000 Personen beteiligt haben sollen. Es wurde eine von einem Abgeordneten verlesene Entschließung angenom­men die feststellt, daß das ganze polnische Volk bereit sei, seine Grenzen zu verteidigen. Dann sang die Menge das Lied von der Ersten Brigade und das deutschfeindliche Rota-Lied. Anschließend wollte die Menge vor das deutsche Konsulat ziehen, wurde daran aber von der Polizei gehindert.

Oie Deutschen auf dem Internationalen Studentenkongreß in Brüssel.

Brüssel, 21. Aug. (WTB.) Der mit der Prü- ung der deutschen Frage beauftragte Unteraus- ch u ß des Internationalen Studentenkongresses »cgann heute seine Arbeiten. Da die Deutschen erklären, sie hätten in der Sitzung am Dienstag noch einmal sprechen wollen, da die Worte des tschechoslowakischen Redners, der die deutsche Studentenschaft als einen nationalistischen Verband bezeichnet habe, sie verletzt hätten, suchten englische und schweizerische Mitglieder des Unterausschusses zwischen den deutschen und tschechoslowakischen Ver­tretern zu vermitteln. Sie hoffen, daß die Deutschen an den Arbeiten wieder teil­nehmen werden und daß der teschechoslowakische Delegierte erklären werde, er habe die Deutschen nicht kränken wollen. Rach Mitteilungen von Kongreßteilnehmern haben die polnischen und tsche­choslowakischen Delegierten in der deutschen Frage große Zugeständnisse gemacht.

Ein flämischer Sieg.

Berlin, 22.Aug. (ERB.) Der belgische Soldat Leeuw, der vom Kriegsgericht in Lüttich in erster Instanz zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden war, weil er auf einen in französischer Sprache erteilten De- fehl den Gehorsam verweigert hat, ist jetzt vom Berufungsgericht freigesprochen worden. Das freisprechende Erkenntnis sagt, daß Leeuw sich nicht geweigert habe, den Befehl an sich auszusühren, sondern nurdie französische Sprache als B e f e h l s s p ra ch e anzuer­kennen. Für die Flamen bedeutet die Freispre­chung Leeuws eine große Genugtuung.

Oie Kandidatenliste der Oeutschnationalen in Hessen.

WSR. Darmstadt, 21. Aug. Der Landes­verband Hessen-Darmstadt der Deutschnationalen Volkspartei hat für die Reichstagswahl folgende Kandidatenliste aufgestellt: Studienrat Dr. Adam Ruppel, Friedberg; Lothar Steuer, Kassel; Frau Emma Schindel, geb. Pfleger, in Worms, Pfarrer D. Johannes Fritsch, Rup­pertsburg; Landwirt Georg Knecht in Mittel- Gründau; Rechtsanwalt Eduard Lucius, Mainz; Konditormeister Rudolf Grahmann. Darmstadt, und Frau Anna Müller, geb. Körner in Mainz.

Oie Kandidaten des Ehristlich-sozialen Volksdienstes in Hessen.

Die Dertrelerversammlung des Christlich-sozia­len Dolksdienstes (Evangelische Bewegung) i m Wahlkreis 33, Hessen-Darmstadt, hat, wie man uns mitteilt, die Rominierung ihrer Kandidaten vorgenommen. An erster Stelle steht Arbeitersekretär Hartwig (Derlin-Span- dau), der Vorsitzende des Verbandes evangeli­scher Arbeitervereine Deutschlands. Dann folgt an zweiter Stelle Lehrer G r e b (Mainz-Wei­senau), weiterhin Schriftleiter Süß (Darmstadt). Buchhändler Schmitz (Gießen), Landwirt Hauck (Gensingen), Professor Dr. Koch (Gie­ßen) usw.

Aus dem Wahlkampf.

Die Landesorganisationen der Deutschen Volks­partei und der Konservativen Volkspartei in Ostpreußen wollen einegemeinsame Oft* preuhenlist e" für den Reichstag aufstellen. Reichsminister a. D. Dr. Scholz hat, da er auf der Reichsliste der Deutschen Volkspartei als Spitzenkandidat aufgestellt worden ist, gebeten, an seiner Stelle einen Ostpreußen an die Spitze der Liste zu stellen.

An der Spitze der Landvolkliste für die Provinz Ostpreußen stehen: Reichsernäh- rungsmrnister Schiele, Reichslandbundpräsi­dent, Bauerngutsbesitzer Lemke, Vertreter deS Landwirtschaftsverbandes Ostpreußen, Bauern- gutsbesiher M ö n k e, M. d. R., Vorsitzender des preußischen Landgemeindeverbandes. Gemeinde­vorsteher Tie mann. Vorsitzender der Land- Volkpartei Ostpreußen.

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Die Wahlkreisorganisationen der Wirt­schaftspartei haben für Berlin und die Brandenburger Wahlkreise folgende Spitzen­kandidaten aufgestellt: Wahlkreis Berlin: 1. Fa­brikant Mollath, 2. Architekt Colosser. Wahl­kreis Potsdam II: 1. Architekt Colosser, 2. Schorn­steinfegermeister Scholz. Wahlkreis Pots­dam I: Tapezier-Obermeister Hvlzamer, 2. Land­wirt Krüger, Hoppenrade. Wahlkreis Frank­furt (Oder): 1. Siegfried, Vorstandsmitglied des Reichsverbandes der Lichtspieltheater * Besitzer, 2. Duchdruckermeister Leonhardt.

Die Regierungskrisis in Bayern.

3m Kreise.

Die Bayern richten sich, wenn nicht alle Zeichen trügen, auf eine Ministerkrisis von Dauerhaftig­keit ein. Zunächst einmal hat die Bayrische Volkspartei den Sozialdemokraten die Verantwortung für die weitere Entwicklung zugeschoben. Der Landtagspräsident, der dafür zuständig ist, hat das Kabinett Held mit der Weiterführung der Geschäfte beauftragt und gleichzeitig der Sozialdemokratie die Regierungs­bildung angeboten, wobei er klug genug gewesen ist, ihr eine Frist von zehn Tagen zu setzen. Die Sozialdemokratie muh sich bei dem Experiment totlaufen. Cs gibt im bayerischen Landtag nur zwei Mehrheiten, entweder durch Zusammengehen der Sozialdemokraten und der Bayerischen Dolkspartei oder durch Zu­sammengehen der Bayerischen Volkspartei mit der Rechten. Die erste Kombination ist bei der Verärgerung zwischen den beiden Parteien völ­lig aussichtslos, die zweite wenigstens im Augenblick unwahrscheinlich. Bliebe also an sich die Auflösung des Landtags. Die aber ist wiederunmoglich, weil das geltende Wahlrecht vom Staatsgerichtshof als u n g ü l t i g erklärt ist und der Landtag noch keine Zeit ge­funden hat, ein neues Wahlgesetz zu beschlichen. Man wird also vermutlich auf Warten reiten und die Entscheidung bis zum 14. September, also bis nach der Reichstagswahl hinziehen. Dann läht sich übersehen, ob und in welchem Umfange eine Verschiebung der Volksstimmung in Bayern eingetreten ist; dann wird auch viel­leicht der Bauernbund eher wieder bereit sein, eine Verbindung mit der Bayerischen Volks­partei zu suchen. Sonst wird man schließlich doch zur Auflösung kommen, allerdings wohl nur in der Form, daß der Landtag zunächst ein neues Wahlgesetz zustandebringt und dann frei­willigen Selbstmord begeht.

Vertagung der Krisis.

München, 21. Aug. (TTl.) Wie dieTele- graphen-älnion" erfährt, kann mit einer baldigen Lösung der bayerischen Krise nicht gerechnet wer­den. Der kommende Dienstag wird voraussichtlich noch keine entscheidende Stellung­nahme der sozialdemokratischen Landtagsfraktivn bringen. Die sozial­

demokratischen Abgeordneten haben zum großen Teil München bereits verlassen, um an der Wahlagitation für die Reichstagswahlen teilzunehmen, und es dürfte kaum damit zu rech­nen sein, daß die sozialdemokratische Fraktions­sitzung am Dienstag eine so vollzählige Besetzung aufweisen wird, daß eine entscheidende Stellung­nahme erfolgen könnte. 3m übrigen wird in sozialdemokratischen Kreisen die Ansicht laut, daß die Wochen knapp vor der Reichstagswahl überhaupt nicht geeignet seien, Ver­handlungen über eine Regierungsbildung zu füh­ren, und daß diese Bemühungen wohl erst nach dem 14. September durchführbar seien.

DieMünchener Reuesten Rachrich- t e n" schreiben, daß die Bayerische Krise in ihrez Auswrikungen noch gar nicht zu übersehen sei. Eine Koalition aus Sozialdemokraten, Deutscher Volkspartei und Bauernbund sei theoretisch denk­bar. würde aber noch über keine Mehrheit im Landtag verfügen. DerBayerische Ku­rier" betont, daß, da Finanzminister Schmeltzle seinen Rücktritt vor dem Rücktritt des Gesamt­ministeriums ausgesprochen habe, sich die in der Verfassung begründete Pflicht zur Weiterfüh­rung der Geschäfte nur auf die übrigen Minister beziehe. 3n einem Leitartikel schreibt dieM ü n- chener Zeitung": Die ganze 3nitiative sei nun an eine Mehrheit übergegangen, die nicht handlungsfähig sei. Schon der Versuch, Kommunisten, Sozialdemokraten und Rational­sozialisten an einen Verhandlungstisch zu brin­gen, würde sich wie eine Komödie aus­nehmen. Was für Bayern mit dieser Regierung verloren ging, werde dem Lande in der ganzen schweren Bedeutung des Verlustes wohl erst zum Bewußtsein kommen, wenn es merkt, daß im Kampf um das eigene Leben Bayerns die Zu­sammenfassung der Kräfte versagt, weil die Führung fehlt.

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Landtagspräsident Stang hat an Ministerpräsi­dent Dr. Held ein Schreiben übermittelt mit dem Dank des Landtags für die Arbeit im Dienste des bayerischen Heimatstaates. Der Präsident spricht die Hoffnung aus, daß diese verdienstvolle Arbeit gute Früchte zeitigen und daß der große Gedanke eines starken, selbständigen Bayerns im Ge­füge eines starken Deutschen Reiches seine siegende Kraft erweisen werde.

Schwierigkeiten einer deutsch-französischen Verständigung

Die pariser Angstpsychose.

Daladier gegen die Rüstungshetze.

Paris, 21. Aug. (TU. Funkspruch.) Der Vor­sitzende der Radikalsozialistischen Partei und ehe­malige Minister Daladier besaßt sich in seinem OrganRepublique" mit der Ausnahme, die das Buch General v. Seeckts über die Landes­verteidigung in der französischen Presse gefunden hat. Er bezeichnet die Aufnahme als geradezu lächerlich. Frankreich wende jährlich 14 Mil­liarden Franken für seine Verteidigung auf, d. h. mehr als die Hälfte der allgemeinen Aus­gaben. Dies fei ein Satz, wie er in keinem an« deren Lande der Welt erreicht werde. Weitere Milliarden feien für den Ausbau der Ost grenzen bestimmt und wieder andere f ü r d i e Auffüllung der Lager mit Muni­tion und fonftigen Heeresausrüstungsgegenftän- den. Das französische Heer verfüge trotz der ein­jährigen Dienstzeit über eine halbe Million Sol­daten, ebenfalls eine Zahl, die in keinem anderen Lande der Welt erreicht werde und dennoch gebe es Maner in Frankreich, die feit einigen Wochen nicht aufhörten, ihrer Beunruhigung über die Schwierig­keiten Ausdruck zu geben. Daladier betont, daß er ein entschiedener Anhänger der deutsch-französischen Verständigung sei, die er als einziges Mittel zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens ansehe. Um so bedauerlicher sei die Polemik, die feit einiger Zeit entwickelt werde, um eine Annäherung zu verhin­dern. Das Buch des Generals von Seeckt fei ein kriegswissenschaftliches Werk und enthalte an keiner Stelle einen Angriff ober eine Drohung gegenüber Frankreich, wie man dies in der französischen Presse glauben machen wolle. Es handele sich um eine Hymne des Berufsheeres, wie man sie in Frankreich vor dem Kriege zur Genüge gehört habe. Es fei direkt Zeitvergeudung, darüber zu sprechen, daß ein Heer von 100 000 Mann, selbst wenn es durch Polizei­

truppen ergänzt werde, in der Lage sei, gegen die französische Militärmacht wirkungsvoll vorzugehen. Nichtsdestoweniger gebe er gern zu, daß die Or­ganisation des französischen Heeres sehr zu wün­schen übrig lasse.

Das andere Gesicht.

Noch immer die bedrohte Sicherheit.

Paris, 21.Aug. (WTB.) Der Vorsitzende des Heeres-Ausfchusies der Kammer, der der Maginot- Gruppe angehörende Abgeordnete Oberst Fabry, beschäftigt sich imSntranfigeant" mit den Erklä- rungen des Kriegsministers Maginot über den Wert des französischen Heeres". Fabry schreibt nach einem Hinweis darauf, daß der Kriegsminifter dem französischen Heer die Eigenschaft zugesprochen habe, feinem Land Schutz und Sicherheit zu verschaffen, am meisten beruhige die Tatsache, daß das französische Land- und Luftheer über aktive Sabres und über Reserven ver­füge, die in der ganzen Welt ohne­gleichen dastünden. Wenn man der französischen Wissenschaft die Mittel gebe, diese Kadres entspre­chend zu unterstützen, bann werde Frankreich auf lange Zeit militärisch das stärkste Volk der Welt bleiben. Die Macht Frankreichs sei allerdings die beste Garantie für den gegenwärtigen Stand der Dinge und für den Frieden in Europa. Die Forderung nach Beseitigung aller Rüstungen zur besseren Ge­währleistung des Friedens fei ungerecht, denn gerade die gefährlichsten und entscheidenden Waffen ließen sich nicht abschaffen: die Gase und das Flugzeug. Außerdem würde nach Entwaffnung aller Völker immer noch das eine stärker fein a15 bas andere, und zwar wegen feiner industriellen- oder wirtschaftlichen Mittel. Dann würde aber nicht mehr Frankreich das stärkste Volk fein, und der Frieden würde dadurch nicht gewinnen.

Die Landeslifte der Deutschen Staats­partei in Sachsen weist folgende Spitzenkan- bibaten auf: Abel (Volksnational), Dr. Külz (Dem.) unb Prof. Dr. Apelt (Dem.).

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Reichslanbbunbpräsibent Bethge ist aus ber Deutschnationalen Volkspartei ausgetreten.

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In München kam es im Anschluß an eine von ber Deutschen Staatspartei veranstaltete Wahlver­sammlung zu einer wüsten Schlägerei zwi­schen Nationalsozialisten unb bem Saalschutz, ber vom Reichsbanner gestellt worden war. Als Waf­fen bienten hauptsächlich Stühle unb Krüge. Es ent- ftanb ein ungeheurer Tumult. Die Versammlungs- besucher verließen zum Teil fluchtartig den Saal. Der Tumult setzte sich auf ber Straße fort. Das Ueberfallkommanbo säuberte langsam bie Straßen unb nahm eine Anzahl von Personen fest.

Die Reichsliste der Sozialdemokra­tischen Partei weist u. a. folgende Ramen auf; Hermann Müller, Wels. Crispien, Hilfer- ding, Marie 3uchacz, Landsberg, Ditimann, 3o- hanna Reihe, Stampfer, Tarnow, Viktor Schiss.

Aus aller Wett.

Erdeinbrüche bei Berchtesgaden.

Oberhalb der neuen Straßenstrecke zum Obersalz­berg bei Berchtesgaden kam es zu Erdeinbrüchen, die fast stündlich weiter um sich greifen. An einer Stelle ist die Deffnung trichterartig und hat einen Durchmesser von etwa 15 Metern. Es erfolgen stän­dig weitere Abbrüche und streckenweise sind auf ber Straße gefährliche breite Quer- und Längsriße fest­

gestellt. Infolge der Gefahren mußte die Straße zum Obersalzberg bereits f ü r den Verkehr gesperrt werden. Irgendwelche Sicherungsmaß­nahmen können nicht getroffen werden, da man erst abwarten muß, bis die Erdbewegungen zum Still­stand kommen. Die gefährdete Stelle wird Tag und Nacht durch Sachverständige kontrolliert. Die Ur­sache der Naturkatastrophe ist noch nicht ermittelt.

Schweres Scgelbootunglück an der englischen Küste

Die 22 Tonnen große Pacht3 s l a n b e r" ist an der Küste von Cornwall mit sämtlichen 3nfassen, dem konservativen älnterhausabgeord- neten und früheren Bergbauminister King und sechs weiteren Personen gesunken. Zuver­lässige Angaiben über die Personenzahl waren bisher nicht zu erlangen, da das konservative Hauptquartier noch nicht einwandfrei feststellen konnte, wieviel Gäste King für seine Kreuzfahr­ten im Kanal mit an Bord genommen hatte. Die3slander" sandte gegen 21 Uhr das erste Rotsignal aus, woraus sofort ein Rettungsboot abgelassen wurde, das die Un- glücksstelle etwa 10 Minuten nach dem Rot- signckl erreichte. 3n der Zwischenzeit wurde aber die Pacht auf eines der an dieser Stelle zahlreichen Felsenriffe geworfen. Der See­gang war so schwer, daß es für das Rettungs­boot unmöglich war, an die Pacht heranzu­kommen. An Bord der Pacht war niemand zu sehen, dagegen wurden Hilferufe aus der Kabine vernommen. Eine von dem Rettungs­boot abgefeuerte Rettungsleine wurde nach einem anderen Bericht aufgefangen, riß sich aber schnell wieder los. Durch Sturzwellen wurde die schon stark beschädigte Pacht erneut gegen ein Felsenriff geworfen. Die inzwischen ent­

sandte Küstenschuhabteilung war glfichfcklA außerstande, in Verbindung mit der Pacht zu kommen. Verschiedene Personen wurden von den Rettungsmannschaften im Wasser auf kürzeste Entfernung treibend gesehen, konnten aber nid) t erreicht werden. Bei dem ersten Anstoß an das Felsenriff wurde die Pacht schwer beschädigt. Rach dem zweiten Anprall ist sie dann schnell gesunken. Die Frau des Steuer­mannes des Rettungsbootes sagte aus, daß sich zwei Personen verzweifelt an die Leine gehängt hätten, die dann aber nach gab und die beiden Personen mit ins Meer riß. Bisher sind zwei Leichen an Land gespült worben.

Dreister Raubüberfall in Wilmersdorf.

Auf bie Bezirkskasse in der Meierotto- Strahe in Berlin-Wilmersdorf würbe mit uner- härter Dreistigkeit ein Raubüberfall ausgeführt. Der 25 Jahre alte ftellungs- und wohnungslose Wil- Helm K r ü ge r hatte festgestellt, baß bie Haupt- gelber im ersten Stockwerk von bem,Kassierer aufbewahrt würben, unb baß bieser bie Ge­pflogenheit hatte, die Kassette dicht neben bas Fenster zu stellen. Er besorgte sich also, um sein Vorhaben auszuführen, eine Leiter, bie er schon nachts an bie Mauer des Gebäudes lehnte. Dann mischte er sich, als ber Betrieb in der-Kgße begann, morgens unter bie Leute, bie bie Kasse aufsuchten unb fchlang eine Kette um bie Türgriffe bes Kassen- raumes, um ein rasches Oeffnen derselben zu oer« hindern. Die Beamten waren gerade dabei, die von ber Reichsbank abgeholten Gelder zurechtzu­legen, als Krüger, der rasch auf der Leiter hoch­geklettert war, durch das Fenster einftieg und blitz­schnell alles an sich raffte, dessen er habhaft wer­den konnte. Dann flüchtete er. Den verdutzten Beamten gelang es schließlich, bie Tür zu öffnen unb bie Verfolgung aufzunehmen, an der sich auch Zivilpersonen sofort beteiligten. Krüger, der auf der Flucht bie Gelbscheine wieber weg­geworfen hatte, wurde nach kurzer Jagd ein­geholt unb der Polizei übergeben. Da sich zue selben Zeit viele Menschen in ber Gegenb befanben, bie bos Herumliegende Gelb einsteckten, ist bis Höhe des fehlenden Betrages noch nicht festzuftellen. Die Ermittlungen haben ergeben, daß bie Tat kaum von bem verhafteten Krüger allein begangen fein kann, fonbern daß er noch Komplicen gehabt haben muß. Nach Aussagen hat an der Straßenecke ein Auto gestanden, in dem sich drei Männer befanden. Dieser Wagen setzte sich sofort, als die Hilferufe ertönten, in Bewegung, unb nach ihm fahndet vor allem noch bie Polizei. Von bem geraubten Gelb finb inzwischen von ehrlichen Fin- bern auf bem Polizeirevier 12 650 Mark abgeliefert worben. Wie hoch ber fehlenbe Rest sich beläuft, müssen erst bie Nachprüfungen ergeben.

Oeslerreichische Gletscherexpedilion in Island.

Wien, 21. Aug. (TTl.) Der österreichische For­scher Dr. 3oses Ke in dl hat den Höfsjo- kull eines der größten Eisfelder 3slands. erstmalig durchquert. Die Durchquerung des Eis­feldes dauerte 31/2 Tage, obwohl sie zettweise durch ungünst ge Witterung sehr erschwert war. Der Hofsjökull hat schätzungsweise eine Fläche von 1200 bis 1300 Quadratkilometer und ist somit so groß wie sämtliche Gletscher Oesterreichs zusammengenommen. Der Höfsjökull liegt im Zentrum 3slands und ist von jeder menschlichen Ansiedlung weit entfernt. Von allen Seiten umgeben ihn un­geheure Moränen selber, die der Gletscher während seiner früheren weitaus größeren Aus­breitung abgelagert hat. Zu den Ergebnissen der mit Unterstützung der österreichisch-deutschen Wissenschaftshilse unternommenen Expedition ge­hört u. a. auch dieEntdeckungneuerVul- t a ne im bisher unbekannten 3nnern 3slands.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Witterungsausfichten fürSamstagr Wolkig mit Aufheiterung, meist trocken, mäßig warm.

Witterungsaussichten fürSonntag: Roch kein beständiges und sommerliches Wetter wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 21. August: mittags 25 Grad Celsius, abends 19,4 Grad; am 22. August: morgens 16,6 Grad. Maximum 25,4 Grad, Minimum 14,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. August: abends 25 Grad; am 22. August: mor­gens 17,4 Grab. Nieberschlag 0,2 nun. Sonnen- scheindauer 8% Stunben.

Reisewetterdienst.

Berchtesgaden. 18 Grad, Windstille, heiter bis halb bedeckt.

Baden-Baden. 16 Grad, Südwestwind, wolkig.

Westerland (Sylt). 18 Grad, Südwestwlnd^ schwacher Regen.