Nr. 169 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)
Dienstag, 22. Juli 1950
IX. Nationale Zubiläumswettkämpfe der Epielvereinigung 1900.
Ausgezeichneter Sport bei guter Organisation.
o. Mit den IX. Nationalen Wettkämpsen der Spvg. 1900 am Sonntag ist Gießen um ein sportliches Ereignis ersten Ranges reicher geworden. Spannende Kämpfe, hervorragende Leistungen und schnelle reibungslose Abwicklung waren die Hauptkennzeichen der Veranstaltung. Als Iubiläumsaustakt konnten sich die 1900er nichts Besseres wünschen. Das meiste Interesse der etwa 500 Zuschauer — dem Niveau der Veranstaltung entsprechend hätten es einige Hundert mehr sein dürfen — nahmen die Vertreter des deutschen Sportklubs 1878 Hannover in Anspruch. Die Norddeutschen übertrafen die in sie gesetzten Erwartungen, 10,5 Sek. über 100, 21,7 Sek über 200 und 1:59,7 Sek. über 800 Meter sind in die Weltklasse einzureihende Leistungen.
Oie Ergebnisse:
klaffe I.
100-Meter: 1. Jonath, Hannover 78, 10,5 Sek. (!>; 2. Borgmeyer, Hannover 78, 10,6 Sek.: 3. Müller, Weilburger FV., 11 Sek. Nach zwei Fehlstarts kommt das Feld gut ab. Bei 50 Meter macht sich Ionath von (einem Klubkameraden frei und zerreißt in der prächtigen Zeit von 10,5 Sek. das Zielband. Der hessisch-honnoversche Bezirksmeister Müller belegt in seiner bis jetzt besten Zeit von 11 Sekunden einen ehrenvollen dritten Platz.
200-Meter. 1. Borgmeyer, Hannover 78, 21,7 Sek. (!); 2. Voih, Köln-Marienburg, 22,9 Sek.: 3. Zankl, Eintracht Frankfurt, 23,1 Sek. Borgmeyer, eine äußerst kräftige Sprtntergestalt, läuft seinen an sich nicht schlechten Gegnern auf und davon und holt eine sabelhaste Zeit heraus.
800-Meter: 1. Hobus, Hannover 78, 1:59,7 Dlin.; 2. Peters I., 1900 Gießen, 2,03 Dlin.; 3. Bö- seit, Eintracht Frankfurt, 2,08 Min. Der Hannoveraner übernimmt sogleich die Führung und legt ein äußerst scharfes Tempo vor. Leunig, Eintracht Frankfurt, versucht, ihm zu folgen, gibt jedoch nach 500 Meter auf. Dagegen läßt sich Peters nicht entmutigen. Er kommt noch gut aus und holt auch eine ansprechende Zeit heraus.
5 0 0 0 - M e t c r: 1. Gerhardt, 1900 Gießen, 16,39 Min.: 2. Seifert, Eintracht Frankfurt, 17,07 Min.; 3. Raessing, Turnerbund Wiesbaden. Das 5 Mann starke Feld begibt sich unter Führung von Paul, 1900, auf die Reise. Gerhardt, der bekannte Marathon, löst ihn jedoch bald ab und forciert das Tempo. Gerhardts Vorsprung wird immer größer, hingegen Paul aufgeben muß. Die Zeit des Siegers läßt darauf schließen, daß er auch bei den in Kürze statt- findenden deutschen Marathonmeisterschaften die 1900er Farben würdig vertritt.
Stabhochsprung: 1. Rodenkirchen, Köln- Marienburg, 3,20 Meter (Dbergren. i. d. 1 Komp, d. R. 15); 2. Steines, Mtv. Gießen, 3,15 Meter; 3. Jung, 1900 Gießen, 3 Meter. Im Stabhochsprung hat der junge talentierte Kölner knapp vor Steines das bessere Ende für sich. Bezirksmeister H. Jung muß bet 3 Meter Sprunghöhe infolge einer Fuß Verletzung ausscheiden.
Kugelstoßen: 1. Mohl, DsB. Gießen, 12,89 Dieter; 2. Gary, Athl.-Cl Marburg, 12,26 Dieter; 3. Enders, Eintracht Frankfurt, 11,96 Dieter. Mohl, der bereits im Vorkampf mit 12,66 Dieter führte, wartet.in her Entscheidung mit einem 12,89-Dleter- Stoß auf, der ihn außerhalb jeder Gefahr bringt.
Diskuswerfen: 1. Gary, Athl.-Cl. 88 Mar- bürg,. 37,01 Dieter; 2. Mahl, VfB. Gießen, 34,66 Dieter; 3. Enders, Eintracht Frankfurt, 34,22 Dieter. Diesmal dreht der Marburger Athletikclubmann, der jetzt erst in seine Diskusform zu kommen scheint, den Spieß um.
4 X 100-Die ter-Staffel : 1. SpDg. 1900 Gießen (Hopfenmüller, Schwab, Geist, Guyot), 46,4 Sek.; 2. Weilburger FV., 46,7 Sek.; MSC. Köln distanziert. Der Laus der Marienburger konnte infolge Frühstarts nicht gewertet werden. Dadurch ist 1900s Mannschaft, bei der übrigens ein Wechsel vollkommen fehlging, in den Besitz des Wanderpreises gelangt.
klaffe II.
100 Meter: Zankl, Eintracht Frankfurt, 11,3 Sek.; 2. Kritz, Fuhb-Sporto. Frankfurt, 11,4 Sek.; 3. Guyot, 1900 Gießen, 11,5 Sekunden. Ein äußerst hartnäckiger Kampf, den der talentierte Eintrachtmann im Finifh für sich entscheiden kann.
400 Meter: 1. Leunig, Eintracht Frankfurt, 53,9 Sek.; 2. Franke, Köln-Marienburg, 57,2 Sek. Leunig rehabilitiert sich hier. Wenn der Marienburger mehr Widerstand geleistet hätte, wäre eine bessere Zeit herausgekommen.
1 500 Meter: 1. Kaufmann, Fußballsporto. Frankfurt, 4:26,9 Dlin.; 2. Hollstein, Köln-Marien- bürg, 4 28 Dlin.; 3. Roessing, Turnerbd. Wiesbaden, 4:28,1 Minuten. Der Frankfurter, Kölner und Wies- bahener bleiben fast während des ganzen Rennens zusammen, schließlich gibt doch das größere Stehvermögen Kaufmanns den Ausschlag.
Hochsprung: 1. Capello, VfL. Wetzlar, 1,68 Dieter; 2. Brunninger, Pol. Butzbach, 1,64 Dieter; 3. Malkomesius, Dito. Gießen, 1,52 Dieter. Der VfL -Mann hat schon bessere Leistungen gezeigt. Allerdings darf nicht außer acht gelassen werden, daß die Anlaufbahn durch die Regengüsse der Vor- tage etwas schwer geworden war.
Speerwerfen: 1. Spaar, Offenbach 99, 47,02 Dieter; 2. Hopsenmüller, 1900 Gießen, 46,55 Dieter; 3. Vogt, 1900 Gießen, 46,49 Dieter. Hopfenmüller hätte den Speer flacher herausbringen müssen, um zu gewinnen. Vogt ist auf bestem Wege.
4X800-Meter-Staffel: 1. SpVg. 1900 Gießen (Glagow, Dr. Tönges, Günther, Peters), 8:48,2 Dlin.; 2. Fußb.-Spo. Frankfurt, 8,59 Dlin.; 3. Turnerbund Wiesbaden, 9,11 Minuten. Ein wechselvoller Rennverlauf. Glagow ist schwach und büßt etwa 50 Dieter ein. Dr. Tönges gestaltet nun sein letztes Rennen für die 1900er zu einer ganz hervorragenden Leistung. Er läuft taktisch klug und kommt bis auf beinahe 10 Dieter an den Gegner heran. Günther, lebhaft angefeuert, übertrifft sich nun auch selbst und wechselt auf gleicher Höhe wie die führenden Frankfurter. Als dann Peters den Stab hat, steht 1900s Sieg fest.
klaffe III.
10 0-Dleter: 1. Schlau, VfB. Diez, 11,5 Sek.; 2. Zankl, Eintracht Frankfurt, 11,7 Sek.; 3. Schwab, 1900 Gießen, 11,9 Sek. Die Niederlage Zankls kam unerwartet. Er hatte sich wohl zu sehr auf seinen Spurt verlassen. Dem Diezer gebührt ob seines tapferen Laufs ein Lob. Schwab könnte bei besserem Laufstil viel mehr leisten.
8 00-Meter l.Ploch, Mtv. Gießen, 2,09 Dlin.; 2. Stauß, Eintracht Frankfurt, 2:10,1 Dlin.; 3. Neurath, Fußballspv. Frankfurt, 2:10,2 Dlin. Es sieht zunächst nach einem Sieg des Eintrachtmannes aus, ledoch verfügt der Mtver über einen ausgezeichneten Endspurt und gewinnt klar.
3000-Dleter: 1. Wöll, Spo. 03 Frankfurt- Fechenheim, 9,36 Dlin.; 2. Hornung, Turnerbund Wiesbaden, 9,45 Dlin.; 3. Niedenthal, Borussia Fulda, 9,50 Dlin. Das 15 Mann starke Feld löst sich schon bald in Gruppen auf. Die Spitze nimmt der Favorit Wöll. Er wird von Hornung, Wiesbaden, oft stark bedrängt, macht sich jedoch in den beiden letzten Runden frei und gewinnt in recht guter Zeit.
Weitsprung: 1. Krischel, Fußballspv. Frank- furt, 6,18 Dieter; 2. Brunninger, Polizei Butzbach, 5,95 Dieter; 3. Watermann, Borussia Fulda, 5,94 Dieter. Bei der großen Bewerberzahl wird um jeden Zentimeter gekämpft. Schließlich reißt der gut veranlagte Krischel den Sieg an sich.
Speerwerfen: 1. Bogt, 1900 Gießen, 45,86 Dieter; 2. Spaar, Offenbach 99, 45,10 Dieter; 3. Bachmann, 1900 Gießen, 44,02 Dieter. Bogt wirft konstanter als Spaar, der Sieger der Klasse II. Bachmanns Leistung verdient volle Anerkennung, da er infolge Beinzerrung nicht voll aktionsfähig war.
4X100-Dieter-Staffel: 1. Mtv. Gießen (Rothermel, Ploch, Malkomesius, Becker), 46,7 Sek.; 2. Fußballsportv. Frankfurt 47 Sek. Borussia Fulda (47,5 Sek.) distanziert. Die Männerturner hatten sich
Wirble msLeben!
Vornan von Anna Fink.
Hrheber-RechtSschuh durch Verlag OSkar Meister, Werdau, S.-A.
1. Fortsetzung Nachdruckverboten.
Reginald fuhr aus feinem Träumen auf. .Was willst du tun, Barbara?" fragte er.
.Laß mich nur machen", lautete ihre Antwort, und sie zog ihn mit sich in die Tür. Dem herbeieilenden Wirt sagte sie, er solle etwas Warmes zubereiten, sie wollten sich beide etwas ausruhen.
„Wünschen die Herrschaften hier *u übernachten?" fragte dieser sehr devot. — 3n sein einsames Haus verirrte sich nur selten ein Gast, und er freute sich der guten Aussicht.
„Das wissen wir noch nicht", erklärte Barbara. .Erst das Essen, Herr Wirtl"
„So, mein Lieber, nun muht du aber berichten. Schließlich möchte ich ja auch wissen, wie du zu der originellen 3de« gekommen bist, mich zu Überfällen."
„Hör' mal, Barbara; ist das für dich nicht etwa- gewagt, mit einem fremden Mann in später Abendstunde in einem Gasthof zu essen? Kann das für dich nicht üble Folgen haben? Da du einen Trauring trägst, wirst du wohl auch einen Mann haben, und was der dazu sagt..
„DaS laß nur meine Sorge sein", erwidert- Barbara. „Wenn du keine Sorge trägst, dich hier blicken zu lassen wegen deines Berufs...“
„Olein, nein", sagte er gleichgültig. „Du machst dir immer noch ein verkehrtes Bild von mir. Du kannst versichert fein, dies war mein Debüt. Tlnd gerade dich mußte ich dabei erwischen."
„Erzähle, wie du dazu kamst. Es müssen doch besondere Gründe gewesen sein, die dich dazu gebracht haben. Du siehst so prachtvoll aus."
„Ditte, keine Schmeicheleien!" fuhr er sie so hart an, daß sie betroffen schwieg.
„Oh, die Grunde sind tatsächlich so banal, daß du bestimmt sehr enttäuscht bist. Aber — trenn du's durchaus wissen willst...“ Er brach ab.
Draußen war anscheinend noch ein Wagen vorgefahren, dessen Lenker ein wahres Hupenkonzert vor dem Hause veranstaltete. »Donnerwetter, das
ist unangenehm! Muß in dieses abgelegene Rest gerade heute noch einer hereinschneien!"
Draußen ertönten zwei lebhafte Stimmen, die eine- §erm und die einer Dame. Die Tür öffnete sich, und die beiden traten ein.
„Gott steh mir bei! Das ist ja Herr und Frau von dem Berg!" Barbara hatte gerade noch Zeit. Reginald dies zuzuflüstern.
Die Frau hatte Barbara schon entdeckt.
„Meine liebste Frau Much, hier stecken Sie also! Olein, wie froh bin ich. Die so wohlbehalten wiederzusehen. Wir waren vorhin bei Ihrem Gatten. Er war in größter Sorge um Sie. Ihre Ellern hatten ihm telegraphisch Ihre Abfahrtszeit mitgeteilt. Der Berechnung nach mühten Sie schon längst zu Hause sein. Sie sollten wirklich nicht so leichtsinnig sein und so spät allem fahren. Aber diesmal scheinen Sie ja nicht ohne "Begleitung gewesen zu sein."
Ein erstaunter Blick ging zu Reginald hinüber, der aufgestanden war und sich leicht verbeugte.
„3a, denken Sie: 3ch hatte eine ganz schwere Autopanne, mitten im dunklen Wald bei dem abscheulichen Wetter. Dieser Herr kam gerade deS Weges. Er ist 3ngenieur Und hals mir in der liebenswürdigsten ODeife. Darf ich bekanntmachen: Herr Dr. Siegert, Frau von dem Berg, Herr von dem 03erg.“
Die Herren verbeugten sich sehr steif. Man setzte sich um den gleichen Tisch. Reginald fluchte heimlich. Das klang wie ein unterdrückter Hustenanfall.
»Es ist wirklich unverantwortlich, gnädige Frau, den Herrn Gemahl so in Angst zu lassen", schnaufte Herr von dem Berg — ein etwas zu starker Fünfziger mit ein paar männlichen Schmissen auf dem rötlichen Gesicht. Wenn man ihn ansah, hatte man immer Sorge, ein Plötzlicher Schlaganfall könne seinem Leben ein vorzeitiges Ende bereiten. Deine Frau war über» schlank, etwa fünfzehn 3ahre jünger als er, mit ganz blassem Gesicht und etwas zu rot gemalten Lippen.
Barbara zuckte die Achseln. „3ch glaube, daS geht wohl nur mich allein an, verehrter Hern von dem Berg", sagte sie scharf und sah dabei so abweisend aus, daß er nicht wagte, noch etwas zu erwidern.
„Und wir sorgen jetzt dafür, daß die kleine Frau 03arbara heil heimkommt", tagte Stau von
schon im Borkampf gut onaelassen. Im Endlauf geht es bis zum letzten Wechsel hart auf hart. Fuß- ballfportoerein führt. Doch der Mtv.-Schlußmann Becker läuft mit 3 Meter Vorsprung unter Beifall der Anhänger durchs Ziel.
Arbeiter-Turn- und Sportbund.
Bei dem 8. KreiSfest in Darmstadt, über das gestern schon zusammenfassend berichtet wurde, waren auch die Tümer, Sportler und Sportlerinnen deS 3. Bezirks beteiligt E« wurden dabei von einzelnen Teilnehmern folgende O3efilciftungen erzielt:
Turner:
Oberstufe (Siebenkampf): Karl Bettln, Wiefeck, 3. Preis, 240 Punkte.
Mittelstufe (Siebenkampf): 1. Preis Heinrich Koch. Wißmar, 247 Punkte: 2. Preis Karl Wagner. LaunSbach, 241 Punkte; 6. Preis Karl Leib, Launsbach, 235 Punkte: 7. Preis Adolf Kreiling, Wiefeck, 233 Punkte: 11. Preis Alfred Ohwald, Wiefeck. 229 Punkte.
Siebenkampf (16 b i S 1 8 Jahre): 7. Pr. Otto Koch, Wißmar, 224 Punkte.
Leichtathleten:
Sportler (Jugend. Vierkampf): 4. Pr. Karl Dönges, Wißmar, 252 Punkte.
Sportler (14 b i s 15 Jahre, Drei- kamps): 5. Preis Otto Weiß, Watzenborn, 181 Punkte.
Sportler (Klasse C. Fünfkampf): 3. Preis Heinrich Becker, Krofdorf, 198 Punkte; 5. Preis Heinrich Bill, Raunheim. 192 Punkte; 9. Preis Georg Kraft, AlSfeld, 189 Punkte.
Sportler (Klaffe C. Fünfkampf): 2. Preis Willi Rühl, Raunheim, 306 Punkte; 3. Pr. Rudolf Engelhardt, Annerod, 299 Punkte.
Sportler (Klasse B, Dreikampf): 3. Preis Ewald Beppler. Heuchelheim, 195'/. Punkte; 4. Preis Robert Schaum, Krofdorf. 195 Punkte.
Sportler (AlterSkasfe, über 45 3 a 6 r e, Drcikamps): 3. Preis Wilhelm Wolf, Gießen, 146 Punkte.
Einzelkämpfe.
1 0 0-011 etcr-Üauf (14 bis 15 3ahre): 2. Stelle Otto Weiß. Watzenborn, 12,9 Sek.
100-0Rctcr-Öauf (Klaffe B): 2. Stelle Ewald Beppler, Heuchelheim, 12,5 Sek.
4x1 00- OHe te r-0 t a f e t te (Sportler): 3. Stelle Krofdorf/ 50 Sek.
3X1 OOO-OHctcr-0taf ette (Klaffe ä): 3. Stelle Gießen, 9:27,9.
Kugelstoßen (Klaffe A): 1.Stelle Wilh. Schwarz, Annerod.
Diskuswerfen (Klaffe C): 3. Stelle Rud. Engelhardt, Annerod, 25,62 Meter.
Feuepwehriagung in Oieburg.
WDR. Dieburg, 21. 3uli. Am Samstag, Sonntag und Montag hielt hier der Landesverband der hessischen Freiwilligen Feuerwehren seinen 2 6. LandeS- seuerwehrtag ab. Rach internen Sitzungen deS Landesausschusses am SamStag fand am Sonntag die Festsitzung statt. Für den verhinderten 3nnenminister überbrachte Oberregt etungÄ- rat Dornschauer die Grüße und Wünsche der hessischen Staatsregierung. Die Vertreter der umliegenden Kreisämter Darmstadt, Dieburg, Erbach, DenSheim, sowie der Kreisämter Alsfeld und Schotten, ferner Vertreter benachbarter Feuerwehrverbände überbrachten der Okrfamm- lung die Wünsche ihrer Dehörden bzw. Organisationen. Wie der Vorsitzende mitteilte, wurde zum erstenmal das Fcuerwehr-Ehren- kreuz für besondere Verdienste verliehen. und zwar an Regierungsrat Walter, Dieburg, Dürgermeister M e n g c I, Schotten, Branddirektor Heberte, Heidelberg. Bürgermeister Möller, Wöllstein. Branddirektor Braubach, Gießen, Branddirektor Hofmann. Worms, an den Landesverbandsvorsihenden K n a u p, Rimbach, ferner an Feuerwehrkommandant Schweikert, Rieder-3ngelheim, Kommandant P i r o t h, Klein-Steinheim, Brandinspektor Wenzel, Gießen und Feuerwehrkommandant Hosen, Darmstadt, außerdem wur
den mit dem .40-3abreS-Ehrenkreuz" ausgezeichnet die OHitglicber De chtdoid, Schotten, und DickorH, Gießen. Wie der Vorsitzende mit* teilte, zählt der Verband jetzt insgesamt 435 Wehren. Rach längeren Beratungen wurden daS Grundgesetz, sowie die Satzungen der Provin* zial- und Kreisverbände genehmigt. Der nächste LandeS-Feuerwehrlag 1933 findet in Schotten statt.
Oberheffen.
Bezirkssparkasse Grünberg.
.+. Grünberg, 21. Juli. Dieser Tage fand hier im Lparkassengebaude die diesjährige ordentliche DlitglicbcrDcrfammlung der hiesigen B c • zirksi parkaffe statt. Das Kreisamt Gießen als Aufsichtsbehörde war vertreten durch Regierungs- rat Schmidt, der Hessische Sparkassen- und Giro« verband durch den Vorsitzenden Iustizrat Dr. Reh. Außer dem Vorstand und dem Aufsichtsrat waren 39 Gemeindevcrtreter anwefend
Aus dem Geschäftsbericht, welcher von dem Direktor Dekan Schmidt vorgetragcn und erläutert wurde, geht hervor, daß trotz der sehr ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse die Entwicklung der Kasse im Jahre 1929 überaus günstig war. Bei den Spareinlagen war ein Zuwachs von 345 640,— Mark zu verzeichnen. Der Bestand an Spar- und Scheckeinlagen betrug am Jahresende 1 683 000 Mark, ohne die aufgewerteten Spareinlagen, welche sich auf rund 500 000 Mark berechnen. Die Zahl der neuen Sparbücher ist auf 74 v. H. und der Bestand an neuen Spareinlagen auf 53 o. H. des Standes von Ende 1913 angewachsen. Die Raffe verfügte im Laufe des Jahres immer über genügende Mittel, um die nach- aesuchten Darlehen, soweit die satzungsmäßige Sicherheit geleistet wurde, zu gewähren. Ein großer Teil der Darlehen kam dem W o h n u n fl s b a u zugute« Außerdem wurden die Mittel für die im Gang befindlichen Feldbereinigungen in 7 Gemar« hingen zur Verfügung gestellt und auch den Bezirks- gemeinden die nötigen Darlehen gewährt. Am Jahresende waren die Bestände der Kasse wie folgt angelegt: Kasse, Girozentrale, Reichsbank, Postscheckkonto 56 026,33 Mk., Wechsel 5741,95 Ms., Wertpapiere 98 400 Mark, Kontokorrentforderungen 255 144,14 Mark, Schuldscheindarlehen an Private gegen Bürgschaft 115,638,65 Mark, Schuldschein- dariehen an Gemeinden, Kirchen und Gemeindeoerbände 660 123,08 Mk., Darlehen gegen Hypotheken 653 606,30 Mark, Güterkausgelder 22 190,02 Mark, zusammen 1 866 869,87 Mark.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats Kaufmann Ehr. Schweißguth berichtete über die durch den Auf- sichtsrat vorgenommene Prüfung der Äahresrech- nung und Revision, welche, ebenso wie die in der Zeit vom 18. bis 28. Juni Itattgefunbenen Revision durch den Derbandsrevisor Einerlei Beanstandungen ergab. Dem Vorstand und dem Rechner wurde Entlastung erteilt, vorbehältlich der Prüfung der Rechnung durch die Oberrechnungskammer. Der 15 344,— Mark betragende Iahresüberschuß wurde im Hinblick auf die Aufwertungsverpflichtungen der Kaffe in voller Höhe der Rücklage zugeschrieben. Wie im vorigen Jahr, wurde als Beitrag zur Schulbibliothek für diejenigen Schulen, welche bei der Kasse Schulsparkassen unterhalten, 200 Mark zur Verfügung gestellt. Ferner wurde beschlossen, an solche Dienstboten des Sparkassebezirks, welche Weihnachten 1930 fünf Jahre ununterbrochen bei einer Herrschaft gedient und durch Einlagen bei der Kasse ihre Sparsamkeit bekundet haben, Prämien in Höhe von 20 Mark zu gewähren. Bei der Aussichtcrais- wähl wurden die ausscheidenden DHtflfieber: Kaufmann Schweißguth, Fabrikant Allmendinger (Grünberg), Bürgermeister Aff (Lauter) und Bürgermeister Jochim (Stockhausen) wiederund Direktor Traut mann (Grünberg) neu in den Aufsichtsrat gewählt.
Landkreis ließen.
00 Klein-Linden, 21. Juli. Aus der jüngsten öffentlichen G e m e i n d e r a t s s i tz u n g ist u. a. zu berichten: Mit Rücksicht auf die ausgesteuerten bedürftigen Erwerbslosen sott Arbeits- und Ber- dienstmöglichkeit geschossen werden. Es sollen vorerst folgende Arbeiten zur Ausführung gelangen: Verbesserung des Heegweges am Wald, Beschnei-
dem Derg und schlang zärtlich den Arm um Darbaras Schultern.
Die stand mit unterdrückter Heftigkeit auf. „3ch werde meinen Mann anrufen und ihn orientieren", sagte sie kurz und verschwand durch die Gastzimmertür. „Herr Dr. Siegert, würden Sie wohl so liebenswürdig fein und mal nach meinem Wagen sehen?" rief sie zurück.
Reginald erhob sich sofort und ging hinaus.
„Ra, hör mal, das ist allerhand!" sagte Frau von dem Derg zu ihrem Mann. „So etwas hätte ich nie von Darbara Much gedacht."
„Was denn?" meinte ihr Mann. „Gin Autounfall ist doch wirklich kein Wunder bei dem Tempo, das sie immer fährt."
„Daran glaubst du? Hast du nicht bemerkt, wie unangenehm ihr unser Erscheinen war? Hnb dieser Dr. Siegert...“
Der Wirt kam herein und schnitt di« liebenswürdigen 'Betrachtungen der Dame durch eine Frage ab.
Regina machte sich am Wagen zu schaffen. „Daß du nicht kneifst", konnte ihm Frau Barbara, die aus der Tür zu ihm hingehuscht war, gerade noch zuflüstern, als auch fefron Herr von dem Bergs massige Gestalt in der Tür erschien.
„Meine liebe gnädige Frau, jetzt müssen Sie sich erst ausruhen. Da- Weitere können Sie dann anordnen", sagte der Besorgte, der sie dann mit fünfter Gewalt ins Haus zurückführte.
Wollte sie nicht Aufsehen erregen, so mußte sie nachgeben. Etwas erschöpft ließ sie sich auf das Sofa fallen. Roch nie hatte sie ihre Un- sreiheit mehr gespürt al- in diesem Augenblick. Und daß die Eltern so offensichtlich mit dem Mann unter einer Decke steckten, sie dauernd von allen Seiten zu kontrollieren suchten — das schüttelte sie geradezu und machte sie vollkommen entschluhunsähig.
Reginald Contius hatte ein feines Gefühl für die Seelenverfassung anderer Menschen. „Arme kleine Bärbel", dachte er. „So ein Prachtfrauenzimmer, in kritischen Situationen, den Kleinlichkeiten und Gemeinheiten anderer Menschen restlos ausgeliefert."
Vor Wut hatte er seinen Revolver gezogen, und nun schoß er dreimal in die Gegend. Die drinnen hatten den scharfen Knall gehört. Herr von dem Berg lief ganz blau an und hätte wirklich beinage einen Schlaganfall bekommen.
Frau von dem Berg hielt sich entsetzt bic*O6reu zu und bekam einen hysterischen Weinkrampf. Rur Frau Barbara gewann ihre Ruhe und Sicherheit sofort zurück.
Der Wirt stürzte aufgeregt anS Telephon und rief den Gendarmerieposten deS nächsten OrteS an.
Reginald Eontius erschien mit vollkommen gleichgültiger Miene im Gastzimmer.
„Hm GotteS willen, waS war daS?" schnaufte Herr von dem Berg und wischte sich ein paar dicke Schweißtropfen von der Glatze.
Reginald sagte sehr ruhig: „DaS waren Pistolenschüsse." ।
„GibtS hier Räuber?" wimmerte Frau von dem Berg und tupfte sich mit ihrem Taschentuch die Tränen ab. Das Schwarz der gemalten Augenbrauen vermischte sich dabei sehr malerisch mit dem Rot der Lippen, so daß sie einer gescheckten Kuh etwas ähnlich sah.
„O ja", entgegnete Reginald sehr ruhig, „erst neulich hat man von einem fürchterlichen lieber* fall auf ein paar wehrlose Automobilisten gehört. Wir liegen hier so abseits und man kann nie wissen."
„Rur fort!“ kreischte Frau von dem Dera. „Schnell, schnell, Euno! Mach schnell! Du mit deiner Pomadigkeit bringst uns noch inS Verderben." Hnd draußen war sie.
Der Vorwurf war ungerecht, denn auch Herr von dem Derg eilte, so sehr es seine Fülle $u* lieh, auf den Wagen zu. Deide verstauten sich, so rasch es ging. Der Motor heulte nur so auf, so heftig gab Herr von dem Derg GaS, und weg waren sie.
Reginald lachte über das ganze Gesicht, wie ein richtiger Laufejunge, dem ein Streich wohl- gelungen ist. „Die wären wir aber schlank losgeworden", sagte er vergnügt und streckte sich vor Dehagen.
„Aber Reginald!" Darbara machte ein vorwurfsvolles Gesicht. „3ch weiß nicht, ob daS recht war. Sie hatten es doch ganz gut gemeint.*
„Liebe Därbel, als ich sah, daß sie mit ihrem Gutmeinen dich ganz umbrachten, lief mir die Galle über."
(Fortsetzung folgt)


