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DerSüddeuWeLinzelhandMagMmpreisabbau

Der Süddeutsche Einzelhandels­tag. dem die Landesverbände des Einzelhan­dels von Baden, Bayern. Hessen, Pfalz und Württemberg angehören, hat in seiner am 19. November in Karlsruhe abgehaltenen voll besuchten Mitgliederversammlung zum Preis­abbau Stellung genommen und folgende Be­schlüsse gefaßt:

I.

Der gesamte Einzelhandel begrüßt jede or­ganische und den wirtschaftlichen Verhältnissen angepaßte wirkliche Preissenkung auf allen Gebieten der Warenerzeugung und -Ver­teilung, da hierdurch die Möglichkeit gegeben ist, die Kaufkraft der Bevölkerung zu steigern und wesentlich verstärkte Hrnsätze herbeizu­führen.

II.

Der Süddeutsche Einzelhandelstag hebt wieder­holt und nachdrücklichst hervor, daß der Einfluß des Einzelhandels auf die Preisbildung verhält­nismäßig gering und keinesfalls maßgeblich ist. Aus dem vorliegenden Material geht absolut einwandfrei hervor, daß der Einzelhandel schon bisher freiwillig allen Preisrück­gängen bei den Vorstufen in denkbar mög­lichem Umfange gefolgt ist, ja daß er darüber hinaus ohne solchen Anlaß lediglich unter dem Drucke der ganzen wirtschaftlichen Verhältnisse vielfach einen Preisabbau herbeigeführt hat, der sich mit einer gesunden kaufmännischen Kalkula­tion kaum noch vereinbaren läßt.

Was die landwirtschaftlichen Er­zeugnisse, sowie insbesondere die B r o t - und Fleischverteilung anbelangt, so wird erneut betont, daß der Einzelhandel für die Preisgestaltung in dieser Kategorie Lebens- mittel nicht verantwortlich gemacht wer­den kann, da er weder für den Marktverkehr, noch für die handwerklich betriebenen Geschäfte der Bäcker und Metzger zuständig ist.

III.

Der Süddeutsche Einzelhandelstag vertritt die Auffassung, daß die aufreizende Art der Ver­öffentlichungen, die in Sachen Preisabbau von verantwortlichen und unverantwortlichen Stel­len in Berlin ausgehen und im Lande vielfach aufgegriffen und gegen den Einzelhandel aus­gewertet werden, nicht geeignet sein kann, den seit Jahren tatsächlich bereits im Gange befind­lichen Preisabbau irgendwie zu fördern. Mit Drohungen und billigen Redensarten können wirtschaftliche Gesetze nicht auf den

Kopf gestellt werden: dies haben die Vor­gänge der Iahre 1918 bis 1924 mit ihren Miß­erfolgen zur Genüge bewiesen. Man kann durch solche behördliche Maßnahmen Wohl die Bevöl­kerung beunruhigen und unter Umständen einen Teil des Handels lahinlegen oder ruinieren, wird sich aber daraus niemals eines positiven bauern­den Erfolges erfreuen können.

IV.

Selbst wenn durch den aus der Verzweiflung über die katastrophale eigene Finanzlage hervor- gegangenen Druck von oben in einzelnen Ar­tikeln eine weitere Senkung der Preise erzwun­gen werden sollte, so stellen diese Preissenkungen keinen aus wirtschaftlichen Voraussetzungen er­folgten Preisabbau mehr dar, da anderseits ein« Senkung der auf dem Handel ruhenden öffent­lichen und sonstigen La st en Steuern, sozialen Abgaben, Gehälter, Löhne, Mieten, Frachten, Strom- und Gaspreise, Zinsen usw. bis jetzt leider nirgends in Erscheinung getreten ist.

Der Süddeutsche Einzelhandelstag ist einmütig der Ansicht, daß Reich, Staat und Gemein­den alle Veranlassung hätten, im Abbau der von ihnen der Industrie, dem Handel und der Allgemein­heit auferlegten Lasten beispielgebend vor­anzugehen und denjenigen Aufwand an Ener­gie, den sie heute auf den Preisabbau beim Einzel­handel verwenden, auf diese außerordentlich wichtige Aufgabe zu konzentrieren. Solange es nicht gelingt, von oben herunter wesentliche Erleichterun­gen herbeizuführen, wird alles Bemühen um den Preisabbau beim Einzelhandel nur einseitiges Stück­werk bleiben können.

V.

Der Süddeutsche Einzelhandelstag wendet sich an die Verbraucherschaft mit der Bitte, der weiteren Entwickelung der Dinge hinsichtlich der Preisbildung mit sachlicher Ruhe und Ver­nunft zu begegnen und sich weder von verant­wortlichen, noch von unverantwortlichen Stellen zu Aeußerungen oder Handlungen der Leidenschaft hinreißen zu lassen. Das persönliche Vertrauens­verhältnis des Kunden zum Kaufmann, das sich erfreulicherweise nach der Kriegs- und Jnflations- zeit wieder wesentlich gestärkt und gefestigt hat, möge trotz der bedauerlichen Verhetzung einzelhan­delsunfreundlicher Stellen auch weiterhin erhalten bleiben, und man darf überzeugt sein, daß es dann gelingt, auch über diese Krise in einer den berech­tigten Interessen der Derbraucherschaft weitgehendst Rechnung tragenden Weise Hinwegzukommen.

emporgehoben über alles Srdenleid zur voll­kommensten Himmelsfreude. Möchten viele Trauernde in dieser Feierstunde Trost und Stär­kung finden. Näheres geht aus der heutigen An­zeige hervor.

Wohltätigkeits-Konzert. Zum Besten der Hinterbliebenen der Opfer der Berg­werks-Unglücke in Alsdorf und Maybach fand am Mittwochabend ein Kirchenkonzert statt. Das Musikkorps unseres Bataillons unter der Leitung von Obermusikmeister L ö b e r und unter Mit­wirkung des Organisten Habicht hatte sich in den Dienst der guten Sache gestellt. Das Pro­gramm wies durchweg ernste Musik auf, die ihren Eindruck auf die Zuhörer nicht verfehlte. Das Präludium für Orgel von I. S. Dach war der geschätzte Auftakt, der Trauermarsch aus Beethovens dritter Symphonie (Eroica"), jenes dustere und doch so überragende Werk schuf eine Stimmung, die gerade in diesem Kirchen­konzert das ungeheuerliche Leid derer, denen aus dem Ertrag dieses Konzertes geholfen werden soll, ahnen ließ. Danach folgte u.a. das Ton- gemäldeKriegers Traum vor der Schlacht". Sehr ansprechend war das Adagio für Violin- cello und Orgel von Bach (Diolincello: Grena­dier S ch u b e r t), das Äbendständchen (Hertel) als Solo für Oboe (Oboe: Obergefreiter Schu- bert) und schließlich einLargo Religioso" als Solo für Waldhorn (Waldhorn: Anterfeldwebel Nickel). Zum Abschluß spielte das Blas­orchester der MilitärkapelleDas Liebesmahl der Apostel" von Richard Wagner, das die ganze Monumentalität Wagners hauptsächlich in den Schlußakkorden offenbar werden ließ. Das Or­chester entledigte sich seiner schönen Aufgabe wieder mit sehr viel Liebe und Sorgfalt, Or­ganist Habicht erwies sich als uneigennütziger, feinsinniger Begleiter bei den Solodarbietungen. Erfreulich war es, in Anbetracht des guten Zweckes, festzustellen, daß das Konzert sehr gut besucht war,

" Kaufmännischer Derufswett- kampf. Am vorigen (Sonntag fand in Gießen der vom Gau Main-Weser des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Derbandes veranstaltete kauf­männische Berufswettkampf statt. Alle Kauf­mannslehrlinge und jungen Kaufmannsgehilfen bis zum vollendeten 21. Lebensjahr, konnten so berichtet man uns, unberücksichtigt ihrer Verbandszugehörigkeit, an den ausgeschriebenen Wettkämpfen in kaufmännischem Rechnen, Si­tuationsaufgaben, Briefwechsel und Kurzschrift teilnehmen. Die große Zahl der Teilnehmer lie­ferte den Beweis, daß die Iungkaufleute das Streben haben, ihre Derufskenntnisse und Fähig­keiten dauernd zu vervollkommnen. Im Mittel­punkt des Wettkampfes standen auch dieses Iahr Situationsaufgaben. Sie behandelten Geschäfts- Vorfälle, zu denen die Prüflinge Stellung zu nehmen hatten. Die nach der Lage des Falles erforderlichen Maßnahmen waren zu schildern, der notwendige Brief oder der Wortlaut eines Telegramms oder Telephongespräches niederzu­schreiben. Rach Beendigung des Wettkampfes wurde unter dem Vorsitz des Diplo-m-Handels- lehrers Dr. Wendel die Prüfung der zahlreich abgelieferten Arbeiten btrrgenommen. Die Ermitt­lung der Preisträger erfolgt nach einheitlichen Richtlinien für das gesamte Gaugebiet durch den Landesprüfungsausschuh in Frankfurt a. M., für den Hniversitätsprofesfvr Dr. W. K a l - ve r am, Frankfurt a. M., den Vorsitz über­nommen hat. Die Sieger im Wettkampf erhalten Ehrenurkunden und Bücher.

** Jagdschutzvortrag in Gießen. Am Sonntagnachmittag veranstalteten der .Hubertus", Verein weidgerechter Jäger, Sitz Gießen, und der Bezirksverein Oberhessen des Allg. Deutschen Jagd- jchutzoereins" mit Unterstützung der Hessischen Mini­sterien des Innern und der Finanzen im Saale des Taf6 Leib einen Vortrag des bekannten Berliner

Oer Dreizehnte.

Vornan von Anny von panhuyö.

Copyright 1929 by Verlag Bechthold, Braunschweig.

8. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Primo hatte schon damit gerechnet, das Ge­schäft sofort zumachen und sich selbst eine Stel­lung suchen zu müssen. Nun aber erfuhr er, daß er im wahren Sinne des Wortes reich war. Er war wirklich kein geldgieriger Mensch, aber jetzt war er doch erregt.

Niemals habe ich geahnt, wie hoch sich meines Vaters Vermögen beläuft, er hat mich darüber stets im unklaren gelassen."

Der Anwalt gestattete sich, die Andeutung eines Lächelns in die sehr feierlichen Amtsfalten seines Gesichtes einzuschieben.

Don Ios6 war allerdings sehr zurückhaltend in dem Punkte. Hm so angenehmer werden Sie nun überrascht sein."

Primo konnte ehrlich versichern:Ich bin froh, jetzt dem Marques gerecht werden zu können, ohne das Geschäft dadurch auch nur im geringsten ins Wanken zu bringen. Ich stellte mir schon so eine Art von großem Zusammenbruch vor."

Vor der Tür des Hauses wartete das Auto und Primo half Montserrat beim Einsteigen. Sie schien das kaum zu bemerken, schien über­haupt nicht zu wissen, was um sie herum vor­ging. Primo unterbrach unterwegs ihr Schwel­gen mit keiner Silbe. Daheim angelangt, bat er, sie möge doch nachher zu ihm kommen. Er mochte allerlei mit ihr besprechen.

Sie atmete schwer, er sah es deutlich.

Ich muh sowieso zu dir kommen, meine Sachen ttad ja noch alle drüben in meiner Stube. Ich habe kaum das Notwendigste mitgenommen."

Er nickte.Also ich erwarte dich."

lX.na$. sie auf die Portera $uL?ri un° klingelte dann an der Korridortür. Der Packer öffnete ihm.

3uan gebeten, vorläufig nut ihm Die Wohnung zu teilen. Er hatte sich zuerst m einem Hotel einquartieren wollen, um nachts nicht unter dem Dach zu schlafen, wo das furchtbare Verbrecken geschehen, aber er Sotef lästige Neugier. Denn alle Blätter hatten über feine Verhaftung be­richtet. So wohnte er denn mit dem treuherzigen ein bißchen derben Iuan zusammen.

Iuan hatte die Diele erhellt und durch ein paar Blumen ein bißchen Freudigkeit in den Raum zu bringen versucht, in dem sich das Schrecklich« zu- getragen.

Primo Duero beschrieb einen kleinen Bogen um das Stückchen Fußboden, wo fein Vater und neben ihm der getreue Wächter Lobo gelegen. Es wäre ihm unmöglich gewesen, seine Füße auf die Stelle

Kriminalkommissars Busdorf überWilddiebs- bekämpfung und Förstermorde". Den Gruß der Ver­anstalter entbot der 1. Vorsitzende desHubertus", Herr P a s c o e, an die über 400 versammelten Zu­hörer, die sich aus Angehörigen der Verwaltung, Polizei, Gendarmerie, Justiz, Forstverwaltung, des Forstinstituts und der Försterschule sowie der beiden Vereine zusammensetzten, wobei er betonte, daß solche wichtigen Veranstaltungen nur von starken Organisationen ausgehen könnten. Daraus erwachse für jeden, dem es Ernst fei mit dem deutschen Weid­werk, die Pflicht des Anschlusses an eine Jagdoereini- gung. In dreistündigem, von Lichtbildern unterstütz­tem Vortrag besprach der als Spezialist auf dem Gebiete der Wilddiebsbekämpfung bekannte Vor­tragende sodann die verschiedenen Formen der Wil­derei, damit zusammenhängende jagdrechtliche Fra- gen und vor allem das Verhalten des Jägers und Jagdschutzbeamten. Das ganze der Praxis entnom­mene Material war geeignet. Den Wilddieb frei von jener Romantik zu zeigen, wie sie ihm gern an­gedichtet wird, als das, was er ist: eine Gefahr und

zu sehen. Er nahm sich vor, sobald es ihm bif Polizei erlaubte, hier bauliche Veränderungen vorzunehmen. Noch mußte der Raum unberänbert bleiben, falls Lokaltermine nötig sein würden.

Er ging in das Wohnzimmer und der stämmige vierzigjährige Iuan folgte ihm, sagte treuherzig: Nichts für ungut, Don Primo, aber ich halte es nicht aus mit einer Frage: Werden wir kaputt gehen? Ich frage nicht aus Neugier, aber ich bin nun gerade zwanzig Iahre im Gefchäst und es wäre traurig, wenn" Er schluckte verdächtig. Sie täten mir leid und ich auch. Ich habe doch Familie und es laufen genug Arbeitslose umher."

Primo ließ sich in einen Stuhl fallen.

Beruhigen Sie sich, Iuan, es bleibt alles beim alten. Statt bei meinem Vater, arbeiten Sie nun bei mir. Die Firma kann gut und glatt über die Erschütterung fortkommen."

Iuan lachte laut auf, doch im selben Moment fühlte er, wie wenig ein Lachen hier am Platze war, in dieser Wohnung, in Gegenwart des Soh­nes eines Ermordeten.

Er schlug sich auf den Mund.

Verzeihung, Don Primo, ich habe vor Freude gelacht, es überkam mich. Cs war wie eine Be­freiung nach der Angst der letzten Tage. Das Drotloswerden stand vor mir wie efn grauen­haftes Gespenst."

Primo begriff vollkommen. Ihn hatte das Lachen nicht gestört, er hatte es kaum gehört.

Seine Gedanken waren bei Montserrat und er überlegte, was er für sie tun sollte, er war ja nun imstande, ihr reichlich finanzielle Hilfe zu gewähren.

Er sagte:Wenn meine Kusine kommt, führen Sie sie hierher, Iuan."

Er brauchte nicht lange auf sie zu warten. Sie kam bald und nahm auf dem Stuhle Platz, den er ihr hinschob.

Er begann:Wir wollen das Thema nicht be­rühren, das uns beide trennen muß, sondern von andern Dingen sprechen, Montserrat. Ich möchte keine Kritik an dem letzten Willen meines Vaters üben, aber da du doch wie eine Tochter hier im Hause gelebt hast, hätte er dir etwas hinterlassen sollen. Ich möchte das gutmachen. Keinesfalls lasse ich dich mittellos."

Sie sah ihn mit Augen an, darin sich Bitternis spiegelte.

Du sagst, ich hätte wie eine Tochter im Hause gelebt? Nein, das stimmt nichtl Nur immer wie eine Stieftochter, wie ein Aschenbrödel. Dann aber kamen ein paar heimliche Küsse von dir und ich träumte von einem Besserwerden. Ich hoffte, nun käme für mich die Zeit des Freiwerdens. Als deine Frau hätte ich Rechte gehabt, bis dahin kannte ich nur Pflichten. Aber als dein Vater mir zum viertenmal einen Freier vorschlug, der mir gleichgültig war und du es nicht wagtest, aufzubegehren und deine wenig brüderlichen Küsse zu bekennen, da war mein Traum zu Ende. Ich will nichts von dir, gar nichts. Die gelegentlichen kleinen Geldsummen, Die mir dein Vater zu Weih­

Geißel für unsere Wildstände und für ihre berufenen Hüter, die durch derartige Vorträge für eine wirk­same Bekämpfung gerüstet werden sollen.

* Deutscher Bankbeamtenverein. Man berichtet uns: Im Restaurant Kobel fand ein Vortrag über das Kreditwesen dec Banken statt. Der Redner schilderte in eindringlicher Weise die verschiedenen Arten der Bankkredite, sowie die gebräuchlichsten Arten der hierzu er­forderlichen Deckungen bzw. Sicherungen. Er streifte dabei auch das Hypothekenwesen, welches Gebiet einem der nächsten Vorträge Vorbehalten sein soll. Der Redner schloß seinen Vortrag in der Hoffnung, daß besonders die jüngeren Herren einen wertvollen Einblick in das für die Banken so wichtige Gebiet des Kreditwesens erhalten haben.

** Dund der Hotel-, Restaurant- und Cafeangestellten. Man berichtet uns: Die Ortsgruppe Gießen des Bundes der Hotel-, Restaurant- und Caföangestellten (Union Gany­med) hielt eine Versammlung ab. in welcher der

| nachten, zum Namenstag und Geburtstag gab, | habe ich zufammengespart, ich will damit mein Heil versuchen. Irgendwo draußen, weit von hier, finde ich vielleicht eine Ecke, die eine Heberflüssige aufnimmt."

Sie hatte fast ruhig gesprochen.

Er machte ein paar Schritte durch das Zimmer.

Du weißt, Montserrat, ich hatte genau wie du Scheu vor Vaters herrischer, befehlshaberischer Art, die keine Auflehnung duldete. Ich gebe ehr­lich zu, mich feige benommen zu haben. Run konnte ich gutmachen, nun könnten wir heiraten, wenn wir die häßliche Szene auszulöschen ver­möchten im Zimmer der Portera nach meiner Freilassung. Aber da das nicht geht"

Sie fiel ihm ins Wort:Laß, laß, suche nicht nach Redewendungen, die dich von aller Schuld mir gegenüber frei machen. Ich habe dich um Ver­gebung gebeten, auf die Knie vor dir fallen kann i ch nicht. Aber selbst wenn du wolltest, ich möchte nicht mehr deine Frau werden. Du hast gegenüber deinem Vater nicht den Mut aufgebracht, dich zu mir zu bekennen. Da war ich schon innerlich mit dir fertig."

Er senkte ein wenig den Kopf.

Du hast recht, Montserrat. Aber nun bitte ich dich, nimm von mir etwas an, damit du wenig­stens nicht in Not kommen kannst."

Sie machte eine abweisende Gebärde.

Keinen Centimo, nachdem ich nun durch das Testament weiß, es lag den Absichten deines Vaters völlig fern, mir ein wenig von seinem vielen Geld zu schenken. Ich werde jetzt meine Sachen in meinem Zimmer einvacken und sie nachher mit dem Sohn der Portera holen."

Er dachte, es wird schon Rat werden, ihr auf irgendeine Weise beizustehen.

Er erwiderte:Du bist hier zu Hause, gehe ein und aus nach deinem Belieben."

Sie erhob sich.Ich habe niemals ganz zu Hause mich hier gefühlt, daß ich aber gar nicht zu Hause war, das weih ich erst, feit ich den Passus über mich im Testament deines Vaters kenne."

Sie blickte an ihm vorbei.Ich gehe jetzt in mein Zimmer."

Primo Duero blieb noch ein Weilchen sitzen und erhob sich dann schwerfällig. Er war so müde, so entsetzlich müde von allem und es stand ihm noch so viel Arbeit bevor, für die er einen klaren Kopf brauchte.

Nach ungefähr Stundenfrist klopfte er an Montserrats Zimmer. Es erfolgte keine Antwort, und als er die Klinke niederdrückte und die Tür öffnete, fand er die Stube leer.

Er seufzte. Wie traurig war das alles, wie bittertraurig. Keinen Menschen besah er, der ihm nahestand, keinen, mit dem er hätte von allem sprechen können, was sein Herz belastete.

Wie ein Schatten huschte die blonde Lieblichkeit I Eva Hirtbergs an seinem geistigen Auge vorüber,

Professor Carolus,-- der berühmte Pionier der Fernsehforschuna, erhielt die Goldene Medaille des Heinrich- Hertz-Jnstituts.

stellvertretende Vorsitzende Karl L ü r s s e n, Leip­zig, einen Vortrag über denLohnabbau im Gast­stättengewerbe" hielt. Der Redner führte unge­fähr folgendes aus: Die Wirtschaftskrise wirke sich im Gaststättengewerbe besonders schwer aus, um ft> mehr, als auch der Fremdenverkehr wesentlich eingeschränkt werde, der zum großen Teil für das Hotelgewerbe die Grundlage bedeute. Hinzu komme eine als einseitig empfundene steuerliche Belastung, die die Gasthausangestellten weit hoher belaste, als die Angehörigen anderer Gewerbe. Man sei in den Kreisen der Gasthausangestellten nach Maß­gabe gerechter Verteilung bereit, Lasten tragen zu helfen. Bei einem Lohnabbau, von dem in letzter Zeit so viel gesprochen werde, käme es, so führte der Redner u. a. aus, weniger auf die zahlenmäßige Hohe an, als auf das Verhältnis von Lohnbetrag zur Kaufkraft. Solange der Preisabbau nicht weiter fortgeschritten sei, könne von einem Lohnabbau nicht gesprochen werden. Die Gasthausangestellten konnten sich deshalb mit einem Lohnabbau von 25 bis 40 Prozent, wie er gewünscht werde, nicht einverstanden erklären, da ein Lohnabbau in dieser Hohe nicht gerechtfertigt sei. Der Redner wandte sich weiter gegen di« lange Arbeitszeit, die in den meisten Gaststätten, besonders in Den kleineren Städten und Orten, verlangt werde. Wenn auf diesem Gebiete Wan­del geschaffen werde, könne der Arbeitslosigkeit zu einem Teil entgegengewirkt werden, denn nach den Feststellungen des 'Verbandsnachweises seien 54^276^ Gasthausangestellte ohne Erwerbsmög-

Oberheffen.

Oie engeren Bewerber um den Grünberger Bürgermeisterposten.

4~ Grün berg, 20. Nov. In der gestrigen Gemeinderatssitzung, in der u. a. auch die Wahl eines Berufsbürgermei- sters zur Beratung stand, wurden durch eine vorläufige geheime Abstimmung, bei der jedes Gemeinderatsmitglied einen Stimm­zettel mit sechs ihm geeignet erscheinenden Be­werbern ausfüllte, die für die engere Wahl in _Aussicht kommenden Kandidaten für den Dürgermeisterposten ermittelt. Folgende sechs Bewerber kommen in die engere Wahl: 1. Diplom-Volkswirt Dr. Karl Schmidt, Gie­ßen, 11 Stimmen: 2. Ober-Stadtsekretär Heinrich Scheich. Frankfurt a. M.--Griesheim, 1 Stimmen;

im nächsten Moment entriß ihn Iuan feiner dumpfen Versonnenheit.

Er rief durch die halboffene Tür:Ein Herr ist gekommen und möchte Sie dringend sprechen. Don Primo."

Als der Gerufene sich erhoben hatte und sich in 2uans Nähe befand, wisperte der ihm wichtig zu:

Ich glaube, es ist einer von der Polizei, toemt er auch anders tut."

Primo Duero fand im Bureau einen behäbig und gemütlich aussehenden Herrn, einfach gekleidet wie ein Rentier, der sich ziemlich nach der Deck« strecken muß.

Er wartete, bis Primo Duero die Tür hinter sich geschlossen hatte, dann erst sagte er in ge­dämpftem Tone, als fürchte er Lauscher:Ich bin Kriminalbeamter, mein Name ist Aorba und ich möchte Sie bitten, mir zu sagen, wo die roten Kostüme für den Rosenmontag angefertigt wurden.

Der Gefragte gab Auskunft.

»Alle zwölf wurden bei Andreu in der Call« San Pablo angefertigt. Ich selbst unterhandelte mit Andreu."

Qlorba wiederholte den NamenAndreu" und meinte dann:Cs müssen aber dreizehn Anzüge gemacht worden sein. Daß die offiziellen zwölf vorhanden sind, wissen wir, aber jetzt habe ich. wenn ich mich nicht sehr täusche, den dreizehnten Anzug entdeckt."

Primo Duero blickte den andern gespannt an.

Bitte, sprechen Sie schnell, die Neuigkeit erregt mich furchtbar."

Aorba winkte ab.Langsam und hübsch der Reihe nach will ich erzählen. Aber setzen werd« ich mich nicht mehr, denn wir müssen nachher gleich fortgehen." Er entzündete eine Zigarette und begann nach kurzem, kräftigem Zug:Vorhin schlenderte ich über den Gncantes. Sie wissen wohl, das ist der Trödelmarkt unserer Stadt. Manchmal findet man dort allerlei für unfer­tigen interessante Spuren. Außerdem habe ich dort einen alten Bekannten, den ich gern mal toicber in Nummer Sicher bringen möchte. Beim Bummeln komme ich an einem Stand vorbei, wo tine alte Hexe getragene Damenkleider verkauft.

am. bon Ehansonetten und Tänzerinnen der Slngspielhallen und dergleichen. Hnd dabei befindet sich ein roter Clownanzug. Hübsch und sauber noch, und scheinbar ganz genau von der Machart der zwölf andern Anzüge, die ja alle vorhanden sind. Ich kenne die Althändlerin, fie wich aber nicht. Ihren Kreinpel wird sie meist wieder an Singspielhallensterne niedrigster Quali­tät los. Ich habe mir das Kostüm aufheben luss^N' habe der Alten gesagt, ich wüßte einen Käufer dafür, den ich sofort holen würde. Mit dem Käufer meinte ich Sie. Hnd nun kommen Sie, bitte, mit mir und gucken Sie sich den Anzug genau an. Wir tragen ihn dann zu Andreu, bei dem er also wohl als dreizehnter Anzug ge­arbeitet wurde. Er muß doch sagen können, für wen er ihn machte." (Fortsetzung folgt)