Amtsverkündigungsblatt
für -ie provinzial-irektion Oberheffen und für -as Kreisamt Gießen
Jlr. 85 scheint Dienstag und Freitag. 21. November Dur durch die Post zu beziehen. 1930
Inhalts-Uebersicht: Strahensperre-Aufhebung. - Erlaß einer Polizeiverordnung gegen Verunreinigung der Provinzialstrahen. - Die Einfuhr von Geflügel aus dem Ausland. - Grundsätze für die Einrichtung und den Betrieb von Geflügelmästereien und -fchlächtereien. — Errichtung einer Staufchleufe im Seenbach. - Aenderung der Polizeiverordnung über die Entwässerung der Grundstücke in der Gemeinde Lollar.
Strahensperre-Aufhebung.
Die Strassensperre auf der Prooinzialstrassenstrecke: Giessen—Alsfeld (Adlig. Ortsdurchfahrt Grünberg) wird ab 22. November 1930 aufgehoben.
Giessen, den 15. Novembrr 1930.
Hessische Prooinzjaldirektion Oberhessen.
Entwurf.
Betr.: Erlass»einer Polizeiverordnung gegen Verunreinigung der Pro- oinzialstrahen.
Auf Grund des Artikels 26 Absatz 3 des Gesetzes über das Strassen- wesen in Hessen vom 15. Juli 1926 wird nach Anhörung des Provinzialausschusses und mit Genehmigung des Ministers des Innern vom 31. Oktober 1930, zu Nr. M. d. I. 46335 für die Provinz Oberbessen folgendes verordnet:
§ 1.
Es ist verboten, verunreinigende, ekelerregende oder üblen Geruch verbreitende Gegenstände auf Provinzialstrassen, in deren Gräben, (9offen usw. zu werfen, schütten oder abfliessen zu lassen.
Sollten nach den obwaltenden Verhältnissen Ausnahmen von dieser Regel als notwendig erscheinen, so ist die Provinzialdirektion ermächtigt, dieselben eintreten zu lassen.
§ 2.
Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden, soweit nach den allgemeinen Strafgesetzen keine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafen bis zu 150 RM., im Falle der Uneinbringlichkeit mit entsprechender Haftstrafe geahndet.
I §3.
Diese Verordnung tritt am 15. November 1930 in Kraft.
Giessen, den 11. November 1930.
Hessische Provinzialdirektion Oberhessen.
«Graes.
Betr.: Bekanntmachung, die Einfuhr von Geflügel aus dem Ausland.
An den Herrn Oberbürgermeister zu Giessen, die Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises, das Polizeiamt Giessen und die Gendarmeriestationen des Kreises.
Wir lenken Ihre Aufmerksamkeit auf die nachstehend abgedruckte Bekanntmachung, die Einfuhr von Geflügel aus dem Ausland betr. vom 5. November 1930 und empfehlen Ihnen, entsprechend zu verfahren.
Giessen, den 18. November 1930.
Kreisamt Gießen. I. V.: Schmidt.
Bekanntmachung
die Einfuhr von Geflügel aus dem Ausland betreffend.
Vom 5. November 1930.
Auf Grund des § 7 Abs. 1 des Reichsviehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 (RGBl. 519) und des Art. 1 des Hessischen Gesetzes vom 18. Juni 1926 zur Ausführung des Reichsviehseuchengesetzes (Reg.-Bl. S. 161) wird in Ergänzung der Zister VII meiner Bekanntmachung, Verkehrs beschrankungen hinsichtlich der Ein- und Durchfuhr von lebendem Vieh, tierischen Teilen und Erzeugnissen sowie von giftfangenden Gegenständen betreffend, vom 25. November 1926 (Reg.-Bl. S. 376) hiermit folgendes angeordnet.
A. Allgemeine Bestimmungen für sämtliches Hausgeflügel.
1. Die Genehmigung zur Einfuhr von Hausgeflügel aus dem Ausland ist von Fall zu Fall bei mir zu beantragen. In dem Antrag sind die Art, die Stückzahl, das Hertunftsland, die Grenzeintrittsstelle, über die das Geflügel eingeführt, und der Bestimmungsort sowie die Bestimmungsstation, nach der es befördert werden soll, anzugeben.
Für die Erteilung der Genehmigung wird eine Stempelgebühr erhoben.
Die Genehmigung kann jederzeit entschädigungslos zurückgezogen werden.
Als Hausgeflügel gilt alles Federvieh, insbesondere Gänse, Enten, Haushühner, Perlhühner, Truthühner, Pfauen, Schwäne und Tauben. '
2. Am Grenzeingang ist das Geflügel grenztierärztlich zu untersuchen: dabei ist dem Grenztierarzt die Einfuhrgenehmigung nachzuweisen. Die grenztierärztliche Untersuchung und Abfertigung erfolgt nach den Bestimmungen des Landes des Grenzeingangs.
3. Die Abbeförderung des Geflügels von der Grenze mit der Eisenbahn darf nur in bahnamtlich verschlossenen (plombierten) Eisenbahn wagen ohne Um-, Ent- ober Zuladung nach der in der Einfuhrgenehmigung bezeichneten Bestimmungsstation befördert werden. Die Eisenbahnwagen sind durch Bezettelung mit der Aufschrift „Ausländisches Sperrgeflügel" zu versehen.
4. Die Bahnbeförderung kann ausnahmsweise als Stückgut in Käfigen. Kisten, Steigen oder ähnlichen Behältnissen zugelassen werden, die derartig eingerichtet sein müssen, dass ein Herausfallen von tierischen Abgängen, Futterrestei^ Stroh usw. verhindert wird. In diesen Fällen kann die Plombierung und Bezettelung der Eisenbahnwagen unterbleiben. Dafür sind die Behälter, in welchen das Geflügel untergebracht ist, bahnamtlich mit Plombenverschluß zu versehen und mit Zetteln, welche die Aufschrift „Ausländisä)es Sperrgeflügel" tragen, zu bekleben. Diese Stückgutsendungen dürfen mit Inlandsgeflügel weder gemeinsam in einem Eisenbahnwagen befördert, noch auf Güterböden oder anderen Lagerstellen zusammen aufgestellt werden.
5. Für die Beförderung des Geflügels in Schiffen und Flugzeugen finden die vorstehenden Bestimmungen zu Ziffer 3 und 4 sinngemäss Anwendung.
6. Das zur Einfuhr kommende Geflügel unterliegt an der Bestimmungsstation der amtstierärztlichen Entladeuntersuchung.
Die Plomben dürfen nur im Beisein des zuständigen Veterinärbeamten gelöst werden.
Der Einführende oder der Begleiter des Geflügels hat dem zuständigen beamteten Tierarzt das Eintreffen der Transporte rechtzeitig anzumelden. Im Falle des Ausbleibens eines von der Grenzeingangsstelle gemeldeten Geflügeltransports hat der zuständige beamtete Tierarzt die Ortspolizeibehörde zu benachrichtigen, die Verbleibsermittelungen anzustellen hat.
7. Insoweit die Beförderung des Geflügels in Fahrzeugen, Trag- förben usw. erfolgt, müssen diese so beschaffen sein, dass aus ihnen tierische Abgänge, Futterreste, Streu usw. nicht herausfallen können.
Das Treiben des Geflügels ist allgemein verboten.
B. Besondere Bestimmungen für 2Haff- und Schlachtgeflügel.
1. Lebendes Schlachtgeflügel, das zur Einfuhr in Geflügelmästereien ober Geflügelschlächtereien zugelassen ist, muss der Grenzabfertigung mit kurz gestutzten Schwanzfedern oorgeführt werden. Die Zulassung von Geflügel, bei dem das Stutzen der Schwanzfedern aus zwingenden Gründen vor der Grenzabfertigung nicht möglich war, kann ausnahmsweise gestattet werden unter der Voraussetzung, dass das Stutzen der Schwanzfedern sofort nach dem Eintreffen des Geflügels in der Mästerei oder Schlächterei stattfindet.
In diesen Fällen ist das Geflügel bei der Beförderung von der Bestimmungsstation zu den betreffenden Betrieben auf Kosten der Empfänger polizeilich zu begleiten und daselbst so lange zu bewachen, bis das Stutzen der Schwanzfedern erfolgt ist.
Wird auf Märkten oder anderswo im freien Verkehr lebendes Ge flügel mit gestutzten Schwanzfedern angetroffen, so ist die Herkunft des Geflügels zu ermitteln.
2. Der Transport des Geflügels von der Grenze nach der Bestimmungsstation darf nur mit der Bahn oder auf dem Schiffswege erfolgen.
3. Die Weiterbeförderung des Geflügels von der Bestimmungsstation zur Mästerei ober Schlächterei barf nur mit Fahrzeugen geschehen. Diese müssen berart eingerichtet sein, bass ein Herausfallen von tierischen Abgängen, Futterresten, Stroh usw. verhindert wird. Die Wagen sind unmittelbar nach ihrer Benutzung zu reinigen und nach § 26 der Anweisung für das Desinfektionsverfahren bei Viehseuchen (Anlage A der Bundesratsvorschriften zum Viehseuchengesetz vom 7. Dezember 1911 — RGBl. 1912 S. 93 —) zu desinfizieren: für die Reinigung und Desinfektion von Kraftwagen gilt die Vorschrift meiner Anordnung vom 22. September 1928 über Reinigung und Desinfektion der zur Beförderung von lebenden Tieren dienenden Kraftwagen.
4. Die Einrichtung und der Betrieb der Mästereien ober Schlächtereien, in bie lebenbes Schlachtgeflügel zur Einfuhr zugelassen wirb, müssen ben in ber Anlage abgebrurften Grunbsätzen genügen.
5. Das Geflügel barf nur in geschlossenen Räumen ober Buchten gehalten werben; ber Zutritt zu fliessenden ober stehenben Gewässern ist verboten.
Die Tiere dürfen aus der Mästerei ober Schlächterei lebend nicht aus- gefllhrt werden. Hühnergeflügel ist innerhalb 8 Tagen, anderes Geflügel innerhalb 35 Tagen nach seiner Einstellung abzuschlachten. Die Frist zur
Wer ist Georges? Wenn ich das in zwei Worten sagen könnte! 3a wenn ich es in vielen Worten sagen könnte. Georges ist ein Mensch, wie er heute vielleicht nur in Frankreich und dort nur in Paris denkbar ist. Er ist ein ganz einfacher Mensch, der nie eine „bessere" Schule besucht hat, sehr früh Geld verdienen mußte, um eine durch den Krieg zur Witwe gewordene Mutter und eine kleine Schwester zu unterstützen, der dann sein Jahr abdiente und zur Polizei überging, da man ihn für diesen Dienst geeignet hielt und ihm ein gutes Dorankommen prophezeite. Als Polizisten habe ich ihn vor Jahren kennengelernt. Durch einen Zufall, den ich heute noch glücklich nenne und immer so nennen werde. Durch eine besondere Empfehlung erhielt er vor etwa einem Jahr eine ausgezeichnete Stellung bei einem Großindustriellen, der ihm — um seiner Anständigkeit und Zuverlässigkeit willen — bei der Verwaltung seiner ausgedehnten Liegenschaften und Häuser einen Vertrauensposten auf Lebensdauer zusicherte. Georges ist also jetzt ein „Homme rangS“ („ein gemachter Mann"), er ist. — was er innerlich immer war — ein „Herr" geworden, ein „vrai monsieur“, dem niemals jemand die einfache Herkunft anmerken würde. Auch nicht etwa beim Sprcxhen: denn Georges spricht ein bezauberndes Französisch mit leicht provenzalischem Akzent. Seine Eltern stammen aus der Gegend von Dimes: und da er selbst seine frühe Kindheit im Süden zugebracht hat, ist in dem Tonfall seiner Sprache etwas von der Musik der Heimatlaute geblieben. Die Nachlässigkeit des Pariser Ausdrucks ist ihm fremd. Aber das hat noch einen anderen Grund: Georges hat eine Leidenschaft deren Grad nicht gut noch gesteigert werden kann: er liest von morgens bis nachts in jeder freien Stunde, die ihm bleibt. Er liest alles, was vor ifm kommt. Er liest, wie andre fischen, reiten, Tennis, Fußball oder Dridge spielen. Und seine Sprache ist das Ergebnis dieses wahllosen Lesens. Natürlich hat er in der Auswahl seiner Bücher ganz besondere Vorlieben: er liebt — bis zur I Vergötterung ihrer Schöpfer — gefühlvolle Verse ... und fast ebenso die gefühlvolle Prosa der |
iqjreun ieu>n «proiaiiuae. i»r ersmoei eine jaoei und schmückt sie aus. Er hätte vielleicht vor fünfzig Jahren mit seinem Schreiben in Provinzblättern Erfolg haben können. Er könnte heute Erfolg haben, wenn er alles vergäße, was er je gelesen hat und nichts weiter aufzeichnete als was er über Menschen und Dinge denkt. Aber dazu eben fehlt ihm die Kraft und — die Bildung. Das „Literarische" ist ihm wirkliches Element, Unb das Literarische hat heute keine Geltung, solange es kleinen Formates ist. Das Literarische großen Formates aber ist von den Machern so aufgezogen, daß es nicht mehr als das erkannt wird, was es in Wirklichkeit ist. Aber Georges will ja keinen Duhm. Er schreibt wirklich nur zu seinem Vergnügen: Denn er ist die leibhaftige Verkörperung der Wortfreudigkeit, wie sie nur der Franzose kennt. Da er gerade dreißig Jahre ist, kann man nicht Voraussagen, welche Entwicklung et noch nehmen wird.
Georges glaubt sich sehr pariserisch („trfcs- Parisien“). Das ist das wirklich Provinziale an ihm, das er mit vielen in Paris Eingebürgerten teilt. Er hat oft eine Haltung, wie sie feine junge Leute in veralteten Domänen haben. Er ist berauscht von der Zaubermacht des Begriffes „Salon". Kein heutiger junger Pariser ist noch von Aehnlichem berauscht. Er ist nicht minder angetan von allem, was der „Mann von Welt" („Homme du monde") in den gleichen Domänen für unerläßlich hält... Und ist dennoch ein ganz natürlicher Mensch, an dem ich noch keine falsche Dote entdeckt habe ... Er ist sehr schön. Herausfordernd schön. Hätte er das Zeug dazu, so könnte er mit Leichtigkeit die Karriere des „Bel-Ami" machen, die Maupassant in seinem berühmten Buch verewigt hat. Aber ich tue ihm bitter Unrecht, auch nut in Gedanken einen solchen Vergleich zu ziehen. Georges ist der sauberste aller Menschen. Seine körperliche Vollkommenheit ist kein Gewicht, das er bewußt auf die Waage seines Lebens legt. Er stellt sie nicht in Rechnung. 3ch habe es mehr als einmal erlebt, daß ihm Frauen durch den Kellner Zettel zustecken liehen. Er sagte höflich „Tausend Dank" — und es war nichts geschehen. Als wir einmal über seine
viDcr uaruvec rpntyt mun uuv# »uyu »-x.» tions qu’on a, doivent etre discretes (die Beziehungen, die man hat, müssen doch heimlich bleiben)!"
Georges ist mein Vertrauensmann in Paris. Wenn ich abwesend bin, erledigt er für mich die vielen kleinen Dinge, um deretwillen man nur ungern Briefe schreibt. Er ist von rührender Gewissenhaftigkeit. Wenn ich in Paris bin, gehen wir einmal in der Woche am Abend aus. Meistens in ein Dorstadttheater, wo wir uns halb tot lachen — — dann aufs Geratewohl in „ausgefallene" Lokale. Ich könnte ein Buch über diese Eskapaden in Paris — mit Georges — schreiben. Es würde vielleicht das menschlichste meiner Bücher werden ... und eben deshalb ein sehr pariserisches Buch ...
(wird fortgesetzt.)
£od)fd)ulnad)rid)ten.
Professor Dr. phil. Dr.-Ing. h, c. Georg De - hio, der Altmeister der deutschen Kunstgeschichte, begeht in Tübingen am 22. November seinen 8 0. Geburtstag. Geboren zu Reval, studierte er Geschichte und habilitierte sich für dieses Fach 1877 in München. Tann wandte er sich nach Reisen in Italien und Frankreich der Kunstgeschichte zu, wurde 1883 a. o., ein Jahr später ord. Professor in Königsberg und kam 1892 in gleicher Eigenschaft nach Straßburg. 1914 wurde Dehio emeritiert. Die Technische Hochschule zu Darmstadt verlieh Dehio, ,bem weitsichtigen bewährten Förderer des Denkmalschuhgedankens und hervorragenden baugeschichtlichen Forscher, dessen Arbeiten für die Entwicklung der Architektur dauernd von größter Bedeutung bleiben werden", die Würde eines Doktor-Ingenieurs ehrenhalber. Das eine Hauptwerk Dehios ist die gemeinsam mit Gustav von Bezold herausgegebene frebenbänbige , Kirchliche Baukunst des Abendlandes". Dann hat Dehio in fünf Bänden das ^Handbuch der deutschen Kunstbenkmaler" geschrieben. Ein weiteres Hauptwerk ist seine ^Geschichte der deutschen Kunst". Ferner sind zu nennen »Die Denkmäler der deutschen Bildhauerkunst" (mit Gustav von Bezold).
8reitag, 2t November (930
Dr. Käthe Schirmacher, )er die deutsche Frauenbewegung unendlich viel verdankt, ist im Alter von 65 Jahren an Herz- schwäche verstorben. Käthe Schirmacher, eine geborene Danzigerin, trat in der Nachkriegszeit besonders als Vorkämpferin für das Deutschtum im Osten ein und gehörte 1919 bis 1920 als )eutschnationale Abgeordnete der Nationalversammlung an.
id. phil.; 1. Kassenwart: Emil Wolf, stud. phil.; Kassenwart: Paul Sonnet, stud. phil.; Beier: Fritz Kratz, stud. jur.; Auslandamt: Kel - r; Vergünstigungsamt: Heinr. Hübher, stud. lil.; Amtsleitung: Kurt Weber, stud. theol; achrichten: Walter Gräf, stud. phil. cl.; Nach- htenblatt: Kurt Weber, stud. theol.; Lesehalle: inz Schäfer, stud. theol.; Amt f. polit. Bild.: nst Haas, stud. med.
*• Dom Wochenmarkt. Der Verkauf von cabschmuck, Kränzen usw. für den Toten- intag findet morgen, Samstag, auf dem 'ochenrnarkt an den Standen am Lanbgraf- -ilipps-Plah statt. Auch in der Senckenberg- aße werden Derkaufsstände der Gärtner aufstellt sein.
•• Vorn Rundfunk. Die Eröffnung deS roßrundfunksenders Mühlacker findet am heulen Freitag um 19.45 Uhr statt. Der neue Größter wird dabei auf der Welle 360 Meter zum stenmal das Abendprogramm des Süddeutschen undfunls übernehmen.
** Fremdenvorstellung im Stadt- Beater. Aus dem Stadttheaterbureau wirk» s geschrieben. Am Sonntag, 23. November, ranstaltet das Stadttheater wieder eine seiner liebten Fremdenvorstellungen. Zur (Srinne- ng an die Wiederkehr des 125. Todestage- s Dichters Friedrich von Schiller gelangt sein rgerliches Trauerspiel „Äabaleunbßiebe" r Aufführung. Das Trauerspiel kommt in völ- I neuer Inszenierung unter ber Spielleitung von xrregiffeur Walter Bäuerle heraus. Benn ber Vorstellung 18 Uhr, Enbe 20.30 Uhr. ** Eine Feier st unbe am Abenb de S otensonntags veranstaltet der Evan- lische Kirchengesangverein in der Stabtkirche. 2zu schreibt man uns: Der Totensonntag und e Erinnerung an bie, bie von uns geschieden cd, ist für viele nur eine Quelle bittersten hmerzes, und der Gedanke an den eigenen )d will sich wohl wie lauter Dunkel auf alle caft und Lebensfreude legen. Da ist es wie eine fenbarung aus einer ganz anderen Welt deS chtes und der Zuverstcht, wenn man einmal stiller Seele diese wunderbaren Gaben Bach- -er Musik und Bachschen Glaubens aufnimmt, iag In dieser Abendfeier geboten werden soll, igt keineswegs hauptsächlich Trauer, sondern eine brünstige Todesfehnsucht, die freilich dem Un- äubigen unbegreiflich ist. Die Bachsche Kantate Dachet auf, ruft uns die Stimme" bildet den vhepunkt und Abschluß des Abends. Mit dem hlusschor „Gloria sei dir gesungen" werden wir
Die Handvoll Erde.
Don Max Iungnickel.
Als sie wußte, wo das Grab ihre- Jungen gt, fmg sie an zu sparen. Sie mußte hin. Es war, als ob der tote Soldat, ber in einem Erdloch in den Vogesen begraben liegt, immen nach ihr riefe, tief im Grabe nach ihr tiefe. Er war noch nicht siebzehn Jahr, als er von bet Kadettenanstalt ins Feld zog. Ein lachender, glücklicher Junge, der in den Rausch großer Geschichte hineingerissen wurde und nun darin stank» tote ein flackerndes Gestirn. — Sie sieht ihn noch, wie er von ihr ging. Cs war morgens zwei Uhr. Auf einen Sprung, nur so zum Abschied kam ec Su ihr aus der Anstalt. Wie er sich entschuldigte, daß er sie ausgerechnet in der Nacht aus dem Bette holte. Um drei Uhr gehe es los. Ein tiefer Schmerz riß an ihrem Herzen. Sie tonnte rein Wort sagen, vergaß ganz, Licht zu machen. Sie hielt nur seinen Kopf zwischen den Händen und herzte ihn und lachte dabei. Und wenn ihr Mund feinen Mund freigab, hörte sie ihn miy Immer flüstern „Es wird ja doch nicht gefährlich. Mir passiert ja doch nichts!" — Und dann riß er (ich los. Sie stand noch lange im dunkeln Hausflur wie vom Schicksal eingerammt. Als sie fröstelte, merkte sie erst, daß sio im Hemd stand. Dann ging sie wieder hinauf, lag noch lange wach, bis leise Vogelstimmen auf tonten, die noch kein Lieb wurden. Dann schlief sie tief ein, wie vom 2Ib< schiedsschmerz hingerissen. — Er schrieb nur dlN und wieder eine Karte. Immer, wenn das „Schlamassel losging. Nach drei Monaten war er tot, am Hartmannsweilerkopf gefallen. — Aber nun hat sie ihn wirklich besucht, hat eine lange Reise bis an fein Grab gemacht. Als sie aPJr^ca«e«.^an^' griff ihre Hand In die fran- Svnsche Erde, darin er liegt. Griff tief hinein. Und sie nahm eine Handvoll Erde mit nach Hause. Und nun, da sie wieder daheim ist, nun hat sie
G mbfinbung, als ob in den französischen, Erdkrumen noch ber letzte Atem von Ipm lebt, bad letzte Leuchten seines Gesichts, ein Älang feiner fröhlichen Stimme. Und Wurzelfasern sind zwischen der Erde, kleine Grashalme. Sie sink» wohl aus seinem warmen Herzen emporgeschossen? Und nun hat sie wahrhaftig bas Gefühl: als ob er wieder zurückgekommen ist.


