Ausgabe 
21.7.1930
 
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Adelung begrüßt und beginnt dann mit ihm und dem Oberbürgermeister Dr. Külb die

Rundfahrt durch die Stadt.

In seiner Begleitung befinden sich die hessischen M i n i £ c r , die Spitzen der M a i n 3 e r Behö r- den. Seine Magnifizenz, der Rektor der hessischen Landesuniversität Gießen, Professor Dr. Brügge- mann, der auch später an dem Frühstück im Schloß teilnahm, ferner Reichsaußenminister Dr. Curtius, der lyrische Ministerpräsident Dr. Held, der badische Staatspräsident Dr. Schmitt, der Reichskommissar für die ehemalig besetzten Ge­biete Botschafter Freiherr Langwerlh von Simmern, Ministerialdirektor im Ministerium für die besetzten Gebiete, Graf Adelmann, Prälat Dr. Diehl und der Bischof von Mainz Dr. Ludwig Maria Hugo, ferner der ehemalige hessische Staatspräsident Ülrich und der Präsident der Reichsvermögensverwaltung C 0 l l a tz.

Der Festakt in der GtadthaUe

Nach der Rundfahrt begab sich der Reichspräsident dann zum Festakt in die Stadthalle am Rhcinufer, die bis auf den letzten Platz mit geladenen Gästen aus allen Schichten der Bevölkerung gefüllt war. Das städtische Orchester spielte Beethovens Leonoren- ouvertüre, dann betrat der hessische Staatspräsident das Podium.

Staatspräsident Or. Adelung begrüßte den Herrn Reichspräsidenten von Hinden­burg und entbot ihm im Namen der hessischen Staatsregierung und des ganzen Hessenlandes herzlichen Gruß und Willkomm. Ferner

das Volk seine vaterländische Pflicht in der Abwehr, im Leiden und Dulden.

An dieser Kraft zerschlugen sich alle Anstrengun­gen des übermächtigen Gegners, nicht nur in dem Sinne, daß er die Auflockerung des Deut­schen Reiches nicht erreichte, sondern vor allem auch, daß er die deutsche Seele des rheinischen Volkes erkennen muhte.

Das deutsche Volk am Rhein kann nun wieder, und mehr wie je, zu dem zurückkehren, was seiner Natur und Art gemäß ist: In der stolzen Sicherheit seines tief wurzelnden Volkstums Brücken schlagen zu helfen zu anderen Völkern. Möge es dem deut­schen Volke mit der Kraft und mit dem Verständnis für Mcnschheitsfragen, das einer großen Nation innewohnt, gelingen, auf dem friedlichen Wege des Ausgleichs der Interessen der Völker zur vollen Freiheit zu gelangen mit dem Ziele einer dauern­den Befriedung der Welt. Es ist falsch, das Land am Rhein etwa als Grenzmark in dem Sinne zu bezeichnen, daß es durch fremde Einflüsse gefährdet sei und deshalb einer besonderen pfleglichen Behand­lung bedürfe.

Das rheinische Volk ist deutsch und wird es immer bleiben.

Wenn es besonderer Pflege bedarf, und es bedarf solcher, so darum, weil es nicht angeht, die Lasten und Schädigungen der Besatzungsjahre den Schul­tern eines verhältnismäßig kleinen Volksteiles allein aufzubürden, sondern weil die Gesamtheit des deut­schen Volkes sie tragen helfen muß.

Das hessische Besatzungsgebiet und besonders diese alte Stadt Mainz standen in einem Brenn­punkt des großen Ringens um den Rhein. Mein Dank gilt allen t>enen, die unter Leiden und Opfern mithalfen, die Heimat gegen fremde Machthaber und ihre Helfershelfer zu verteidigen. Wärmsten Dank aber auch dem Reiche, dessen Lenker diesen Tag der Befreiung nunmehr her­beigeführt und damit die Vorbedingungen zu glücklichem Aufstieg geschaffen haben. Ver­ehr u n g s v 0 l le r Dank vor allem dem Haupte der deutschen Republik, dem Herrn Reichspräsidenten, in dessen Per­son ich in besonderem Maße den Willen des deutschen Volkes zur Einigkeit, zu Aufstieg und Freiheit verkörpert sehe.

Ich fordere Sie auf, mit mir einzustimmen in den Ruf: Herr Reichspräsident von Hindenburg hoch!

Reichsaußenminister Or. Curtius bedauerte, daß sowohl Reichskanzler Dr. B r ü - ning, wie auch sein Vorgänger Reichskanzler a. D. Müller, die beide bei der heutigen Feier sprechen sollten, am Erscheinen verhindert seien. Die Befreiung des Rheinlandes sei der Politik zu danken, die in dem Ramen des leider zu früh verstorbenen großen Staatsmannes S t r e f e - mann ihre Verkörperung gefunden habe. Mit großem Opfermut habe die Bevölkerung des be­setzt gewesenen Gebietes alle Leiden der Desat- zungszeit getragen. Mit standhafter Einmütigkeit habe das Volk am Rhein in allen seinen Schich­ten, insbesondere auch durch die Arbeiterschaft, allen Loslösungsbestrebungen und allen rechts­widrigen Eingriffen einen entschlossenen Wider­stand mit den Waffen des Rechts und des Frie­dens entgegengesetzt. Das ganze deutsche Volk sage den Rheinländern und all denen, die zu dem großen Erfolg beigetragen haben, aus voll­stem Herzen den aufrichtigen Dank des Vater­landes.

Freuen wir uns, so fuhr der Minister fort, über den Sieg der deutschen Sache nicht nur um Deutsch­land und seiner friedlichen Zukunft willen: freuen wir uns auch um Europas willen.

Ein gesundes, lebensfähiges Europa ist auf die Dauer nur möglich, wenn alle feine Glieder gleichberechtigt und gleich geachtet sind. Die Besetzung, das Symbol der Unfreiheit, das sicht­bare Zeichen des verlorenen Krieges, gehört der Vergangenheit an. Aber ihre Folgen können sich lm Rheinland noch lange auswirken. Das be­freite Gebiet darf davon überzeugt fein, daß die Reichsregierung nach wie vor ihm auch weiter­hin feine wärmste Fürsorge angedeihen lassen wird.

Zum Schluß gedachte der Minister der deutschen Brüder an der Saar, die von der Befreiung noch ausgeschlossen seien, und schloß mit dem Appell, die Wiedergewinnung der Freiheit der rheinischen Lande solle ein Ansporn sein, mutig und entschlossen wei­terzukämpfen, damit Deutschland volle Gleichberech­tigung im Kreise der Völker zuteil werde.

Oer Reichspräsident

Links: Reichsaußenminister Dr. Curtius. Rechts: Staatspräsident Dr. Adelung.

begrüßte er als Vertreter der Reichsregierung Reichsaußenminister Dr. Curtius sowie die Der- treter der Länderregierungen, des Reichsrats, des Hessischen Landtags, der Reichs, und Landesbehör­den, der Beamtenschaft usw. und führte dann u. a. aus: Wir finden uns zusammen in dem Gefühl, das uns die vergangenen schweren Jahre hindurch verbunden hat, in dem Bewußtsein, alle Glieder der großen deutschen Nation zu sein, ein Volk, un­trennbar für alle Zukunst. In solchem Gedenken wird diese Weihestunde erinnerungsreich und wert­voll sein und bleiben für lange Zeit.

Sie sollte auch dazu beitragen, daß in den innenpolitischen Meinungskämp­fen sich Formen bilden, die die Achtung vor der Ueberzeugung des anderen nie verletzen und die dadurch das Ansehen des deutschen Volkes und feine Weltgeltung sichern und festigen.

Das Volk am Rhein, als Träger ältester Kultur, innerlich gefestigt in seinem Deutschtum und aus dieirm Gefühl heraus stark und aufgeschlossen gegen­über den Kulturgütern anderer Völker, dieses Land wuxde nach einem unglückseligen Krieg mit den Truppen fremder Mächte überzogen, von denen eine den Rhein als seine Grenze erstrebte. Dies Streben hatte das schwere Ringen zur Folge, das wir viele Jahre erlebt haben. Die rheinische Be­völkerung, ihrer Art nach geeignet, friedlich aus­zugleichen und Brücken der Verständigung zu schla­gen, sah sich vor die Notwendigkeit gestellt, i h r deutsches Volkstum zu verteidigen. Mit gewaltiger Kraft, die nur aus einem aufs tiefste gefestigten nationalen Gefühl entspringt, tat

dankte dann In längerer Ansprache zunächst für den herzlichen Willkomm in Mainz und im Hessenland und fuhr dann fort: Unser aller Denken und Fühlen ist heute beherrscht von Dankbarkeit. Das, was nach langen Zähren des Leidens heute erreicht worden ist, verdanken wir in erster Linie der Bevölkerung des Rheinlandes selbst. Zn Fesseln der Unfreiheit, lange Zeit hindurch abgeschnürt vom deutschen Wirtschaftsgebiet und ganz auf sich selbst gestellt, fremder Gewalt wie starken Ver­suchungen preisgegeben, haben Männer und Frauen dieses Landes, haben insbesondere die Bürger dieser altehrwürdigen Stadt in ihrem Deutschtum ausgeharrl in vorbild­licher Treue.

Rur innere Stärke und unbeugsamer Wille konnten sich gegen die überlegenen Machtmittel der Gegner durchsetzen, und nur einige Geschlossenheit aller Schichten der Bevölkerung konnte die versuche, durch Loslrennung vom Multerlande Erleichterung des eigenen Schicksals zu erlangen, abwehren. Durch sich s e l b st ist so das Volk am Rhein seines Schicksals Herr geworden.

Ihnen allen im Namen des Vaterlandes hierfür Dank und Anerkennung auszusprechen, ist mir am heutigen Tage Herzenspflicht! In tiefer Trauer senken wir gemeinsam das Haupt in der schmerzvollen Erinnerung an die Opfer, die der Abwehrkampf und die Selbstbe­hauptung gefordert haben. In brüderlichem Mit­empfinden gedenken wir der Unsumme von körper­lichem und seelischem Leid, welche die Besatzungszeit dem Lande hier auferlegt hat, aber auch des hohen Maßes von Heroismus, der hier in der Stille ge­geigt worden ist. In der Geschichte der Nachkriegs, zeit, die leider manche Beweise von Materialismus,

Eigensucht und Zwietracht aufweist, wird diese selbstlose Treue eines ganzen Volksteils ein b e fonöeres Ruhmesblatt Deutschlands fein.

Mit Ihnen allen bedauere auch ich, daß der Mann, mit dessen Ramen sich das Bemühen, unter Opfern und durch Verständigung die Be­freiung rheinischen Gebietes zu erlangen, un­lösbar verknüpft, daß Gustav Strefemann heute nicht mehr unter den Lebenden weilt, die ihm hier den Zoll ihres Dankes entgegengebracht hätten, wir gedenken in dieser Stunde feiner als eines Mannes, der in vaterländischer Pflichterfüllung seiner selbstgestellten Ausgabe der Befreiung der Rheinlande treu bis zum letzten Atemzuge gedient hat und als Opfer diese» Dienstes von uns gegangen ist.

Wenn wir unseren Blick von dem Heute dem Morgen zuwenden, so geht unsere Hoffnung da­hin. daß der Tag der Befreiung von fremder Besatzung ein Fortschritt auf dem Wege zum wahren Frieden und zur vollen Freiheit sein möge. Rach der Beseitigung all der Hemmnisse und Reibungen, die mit fremder Besatzung unabwendbar verbunden sind, wird so hoffen wir der Gedanke der Selbstbestimmung und der Gleich­berechtigung an Geltung gewinnen und da­mit der Geist der Verständigung und des ge­rechten Ausgleichs die Beziehungen zwischen be­nachbarten Völkern stärker beherrschen als bisher. Heute fehlt uns noch manches zu die­ser vollen Gleichberechtigung: noch immer unterliegt das nun geräumte Gebiet Vor­schriften, die seine Selbstbestimmung und Deutsch­lands Hoheitsrechte einschränken. Roch immer stehl das deutscheLand an derSaar, losgelöst vom Mutterlands, unter einer ihm wesensfremden

Verwaltung. Wir wollen hoffen, daß unsere deut­schen Brüder und Schwestern an der Saar, denen wir auch in dieser Stunde die Versicho- rung unseres Dankes für ihre treue Haltung und das Gelöbnis herzlichsten Gedenkens ab­legen, bald wieder mit uns vereinigt sein toen- den, und daß das Land am Rhein und an der Saar bald wieder in vollem Maße frei und gleichberechtigt zu uns gehört. Wenn das erreicht wird, ist dem Frieden Europas und der Versöhnung der Rachbarvölker der beste D i e n st geleistet worden.

Meine Damen und Herren! Zn den vergange­nen Zähren der Rot hat hier am Rhein in allen Ständen und Parteien ein gemeinschaft­licher Wille geherrscht. Rur dieses Be­wußtsein, eine Gemeinschaft zu sein und zu leben in unlösbarer Verbundenheit mit den deutschen Volksgenossen, jenseits des Rheins, hat es ver­mocht,

alle Anschläge auf deutschen Boden zuschanden zu machen. Möge in der Zukunft allen Deutschen dieser Geist der Einigkeit gegeben sein. Möge flch zur Freiheit am Rhein im ganzen deutschen vaterlande endlich auch die Einigkett gefellenk Dann, aber auch nur bann werden wir btr ftraft haben, die uns trotz allem, was noch auf dem deutschen Volke lastet, vorwärts und aufwärts bringt. 3n dieser Hoffnung lassen Sie uns gemeinsam unsere Liebe und Treue zum Lande unserer Väter bekennen, indem wir rufen:

Deutschland, unser geliebtes Vaterland, es lebe hoch!

Rach dem Hoch des Reichspräsidenten fang die Menge gemeinsam begeistert das Deutschland­lied. Richt endenwollende minutenlange Bei­fallsstürme folgten der Rede. Der Reichspräsi­dent folgte dann einer Einladung des Staats-* Präsidenten Dr. Adelung und des Oberbürger­meisters Dr. Külb zu einem Frühstück im kurfürstlichen Schloß. Um 15 Uhr er­schien das LuftschiffGraf Zeppelin- über der Stadt, um dem Reichspräsidenten seine Huldigung darzubringen.

Begeisterter Empfang in Wiesbaden.

Im Kurhaus. - Aus dem Festplatz unter den Eichend

Der Besuch des Reichspräsidenten von Hin­denburg bedeutete für Wiesbaden, das gewiß schon aus Tradition glanzvolle Feste zu feiern versteht, einen unübertrefflichen Glanz-und Höhe­punkt seiner Defreiungsseierlichkeiten. Der herz­liche Zubel, der den Reichspräsidenten auch hier aus unzähligen Kehlen empfing, wird ihn über­zeugt haben, wie dankbar Wiesbaden, für das alsBaddieRot derBesatzung beson-

Die^Fahrt des Reichspräsidenten, die am 19. Juli in Speyer begann und am 23. Juli in Aachen endet.

Speyer 19 7.

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Kreuznach

Von der deutschen Akademie in Rom.

Don Or. Gustav W. Eberlein,

Wer heute nochauf den Spuren Goethes in Rom wandeln" will, muh einen großen Koffer voll Bescheidenheit milbringen. Wieder einmal hat sich eine Kultucfchicht, sie riecht nach Benzin, auf die anderen Schichten gelegt und nichts übrig gelaßen von der alten Romantik. Rur ab und zu stößt man auf eine Lücke, eine Art Lichtfchacht, durch den man du der versunkenen Herrlichkeit hinunterfchauen kann' auf eine jener alten Dillen, die einst die Seele Roms, das Entzücken des nordischen Wanderers waren. In Frascati draußen schläft eine an der Schulter der anderen, kaum mehr aufgefuchteSehenswürdig­keiten des Reisehandbuches, denn auch unser Ge­schmack hat sich gewandelt. Wenn uns heute der italienische Staat das Märchen der Villa Falconieri zurückgeben würde, dieses Tuskulum der deutschen Künstler des Kaiserreichs, wir ständen betreten da und würden in den Taschen fingern, ob noch ein paar Pfennige für die Unterhaltung aufgebracht werden konnten...

. 2" brausenden Hauptstadt selber verschlingt der Moloch Verkehr tagtäglich eine von diesen seligen Träumereien, Rom reckt die Arme, die Pinienhaine fallen und Mietskasernen blühen, wenn die Hyperbel erlaubt ist, aus dem böcklinschen Gestern. Der stille Platz vor öct Porta Pia wurde zu einem Tramzirkus und einer Autobuszentrale, durch die Via Nomen- tana öu» ernst von den schönsten der schönen Villen gebildet wurde, wölkt der Atem des Maschinen- säkulums, der Staub.

Roch steht hier, umbrandet, die Villa Torlonia die Residenz Mussolinis, und dicht dabei die Villa Massimo - die deutsche Akademie. So wohnen unsere Künstler zwar in einer Oase, geraten aber gleich in den Strudel, nicht mehr in die weinduselige Osteria vor den Toren", sie spüren die machtvolle Änderung seit Paul Heys es und Richard Voß' römischen Schlendertagen, ein zielbewußter, imperialistischer waffenklirrender Staat schaut ihnen über die <5taf- felei. Das alte Italien des übermäßig besungenen Fiaseo, des Modellmarktes an der Spanischen Treppe, des ewigen Karnevals in den Ateliers der Via Mar- gutta, es ist dahin.

Und wenn man die Herren Stipendiaten fragt - sie wollen auch gar nicht mehr in die Castelli Romani, um dort durch fröhlichen Trunk zu ersetzen, was ihnen an Fleiß abgeht, diemalerischen" Wafferfälle in Tivoli, die übrigens inzwischen auch industrialisiert wurden, sagen ihnen nichts mehr, das ist alles roba da ieri, Mode von gestern. Sie schauen mit wißenden Augen in die Großstadt und machen nur noch Aus- fiüge in die Umgebung. Richts liegt ihnen schwerer als der alte Schulstil, der klassische Pinselstrich, wie er noch in der französischen oder spanischen Akademie gezüchtet wird. Sie haben den Krieg noch in den Gliedern oder doch wenigstens Revolution und In­flation, da macht es kein Vergnügen mehr, die Kuh in der Campagna einmal von links her und einmal von rechts her zu malen. Andrerseits verfallen sie nur zu leicht in das andre Extrem, wollen um jeden Preis neu und originell sein, und werden bloß salopp und kindisch. Streift man durch die Ateliers, so sieht man gleich, daß diereinliche Leinewand" mit einer gewißen Scheu umgangen und dafür mit Ungestüm und Kreide über das weniger reservierte Papier her- gesallen wird. Die Ölmalerei verlangt immer eine gewiße Ruhe und Gediegenheit, das heutige Rom aber ist Sturm und Drang.

Und so wären wir schon mitten im Akademischen, als ob das so einfach wäre, wie es sich ausspricht: die deutsche Akademie in Rom. Hier wimmelte es noch vor zwei Zähren von Kriegsverstümmelten und Kriegsblinden. Die Villa Massimo war mit allem anderen deutichen Eigentum beschlagnahmt worden, Mars verschlang das Künstlerheim, als es kaum das Licht der Welt erblickt hatte. Sechs Zahre hatten wir vor dem Dölkerzusammenprall zu arbeiten, bis es zustande kam, und sechs Zahre mußte nachher gebohrt werden, bis es die italienische Regierung endlich dem preußischen Staat zurückgab. Heute kann man sich kaum mehr einen Begriff davon machen, wie es zur Zeit der Übergabe aussah ...

Durch Vertrag ist Preußen auch der anfänglich auferlegten Verpflichtung enthoben worden, die Hälfte der Ateliers italienischen Künstlern die dafür in Deutschland untergebracht werden freizuhalten, und so sind jetzt alle zehn von deutschen Malern und Bildhauern bewohnt- Die Dichter fehlen noch. Be­wahre uns der Himmel vor Dadaisten und Bühnen­stammlern.

Sin Mann, der das Herz auf dem rechten Fleck hat, Herbert Gericke, ist der spiritus rector dieser eigenartigen Gemeinde. Gr versteht etwas von dem.

was man in Rom sonst noch nicht kennt: der Znnen- architektur. Das merkt man gleich, wenn man in jein gastliches Heim kommt. Und seine junge Frau, eine Enkelin jenes Berliner Kunstfreundes Eduard Arn- hold, des Gründers der Accademia ledesca, sorgt sich sogar um den herrlichen Park. Sie möchte, daß dort ein deutscher Rasen entsteht, der nicht im Sommer zu Zunder verbrennt. Heimische Sauberkeit regiert auf allen Wegen.

Leider schießen rings um diese wunderstille, archi­tektonisch so heitere Oase nun Betonkasernen hoch, mit zweihundert Wohnungen, wie die amerikanisch an­gekränkelten Römer mit Stolz verkünden, und eine richtige Kaserne, die der Finanzieri, hat sich breit Dor_ die grandiose Pinienterraffe hingelagert. Der berühmte Ausblick auf die Albaner Berge, auf den klassisch geschwungenen Monte CavO, dem zuliebe in den letzten Tagen der Romantik noch ein fulifien- artiger Söller geschaffen worden war, wird in einigen Monaten völlig verbaut sein.

Die Ateliers liegen getrennt von dem schlohartigen Hauptgebäude in einer Doppelflucht und sind mit dem größten Luxus ausgestaltet, den der römische Maler kennt oder vielmehr nicht kennt: mit Heizung. So groß und überhoch sie sind, es ist mollig warm dar­innen. Daneben Schlaf- und Wohnzimmer, Küche und Bad - kein Wunder, wenn die Kunstkollegen von der Via Margutta dieAkademiker" anstarren wie Hans im Glück. Und das alles bezahlt der preu­ßische Staat.

_ Man sollte meinen, daß die Herren Staatspreis. träger, die als erste das Anrecht auf einen solchen römischen Freisitz haben, mehr Ehrgeiz darein setzen, ihn zu verdienen, als in dem photogemalten Familien­gruppenbild, das nach der letzten Preisverteilung durch die schaudernden Zeitungen ging, zum Aus­druck kommt.

Zn diesem Sommer konnten die Stipendiaten ihre erste Ausstellung in der Villa Massimo eröffnen, der König selber war, wie in schönsten Friedenszeilen, zugegen. Es wäre übertrieben, wollte man behaupten, alle oder auch nur die meisten Bilder hätten gefallen. Es kam in ihnen die allgemeine Ratlosigkeit, die das deutsche Kunstleben beherrscht, zum Ausdruck. Reben Steinzeichnungen von dürerschem Fleiß sah man em­pörenden Kitsch und es ist wohl nur der sichtenden Hand des Akademieleiters zu verdanken, wenn der deutsche Name nicht so erschreckend bloßgestellt wurde, wie es gegenwärtig auf der Kunstausstellung in Vene­dig der Fall ist.

Aufgabe der deutschen Akademie in Rom ist eS nicht, für eine würdige Vertretung der deutschen Kunst in Italien zu sorgen- Bedauerlich.

Oie Polizei Hilst den Oieben.

Dor einigen Wochen erregte ein seltsamer Fall in St. Louis großes Aussehen. Dort war eine Diebesbande in die Villa eines auf Reisen be­findlichen Generaldirektors eingebrochen. Rach­barn merkten, was los war, trauten sich aber nicht heran und benachrichtigten die Polizei. Diese ließ, um den Generaldirektor vielleicht ver­ständigen zu können, sofort durch Rundfunk ver­breiten, in seiner Villa wären Einbrecher am Werk. Er möge unverzüglich zurückkehren. Run hatten aber auch die Einbrecher den Rundfunk in der Villa angedreht, erfuhren auf diese Weise, daß sie entdeckt seien, und flohen, ehe die Polizei an Ort und Stelle erf^n.

Ein fast ähnlicher Fall hat sich jetzt in Reuyork zugetragen, dort besu,^ ffch em Einbrecher in einer Wohnung, hatte aber das Pech, sich selber einzuschließen, da in dem Wohnzimmer des Haus­herrn während dessen Abwesenheit von innen die Türklinken abgenommen worden waren. Was tun? Der Einbrecher ging ans Telephon, rief das Ueberfallkommando an, stellte sich den Poli­zisten als Hausherr vor, wurde kurz verhört und dann in Ruhe gelassen. Rachdem die Polizei, die ihm liebenswürdigerweise die Tür geöffnet hatte, wieder verschwunden war, konnte auch er gehen und alle Wertgegenstände mitnehmen.

Zauberei.

Federmann sitzt auf dem Ausflugsdampfer. Gin kleiner Zunge läuft da herum unö schmiert den Leuten Schokolade auf die Knie. Jedermann nimmt dem Zungen die Schokolade weg, tut so, als ob er sie ins Wasser würfe. Der kleine Zunge fängt furchtbar an zu schreien.

Wenn du artig sein willst", sagt Jedermann, pfeif ich sie zurück." Und schwups, wie er pfeift, ist die Schokolade wieder da.

Der kleine Zunge staunt. Der kleine Zunge denkt nach. Dann nimmt er, schnell wie der Blitz, Jedermanns Lodenmantel und wirft ihn über Bord.

Onld", Jagt er,Onkel, pfeij doch nochmal.-