zwischen Reichs, und preußischem Finanzministerium herbeizusühren.
Lieber eine Kandidatur Höpker-Aschoff ließe sich gewiß reden. S£r preußische Finanz- Minister hat den Qualitätsnachweis erbracht, wenn auch natürlich die Einschränkung hinzuzufügen ist, daß die preußischen Finanzen sehr viel leichter in Ordnung zu bringen und zu halten waren als die Reichsfinanzen. Aber cs scheint doch so, als ob Herr Höpker-Aschoff dem Kanzler sympathisch wäre, nicht so sehr wegen seiner allgemeinen Verdienste, sondern wegen seiner besonderen Einstellung zum Aeichsnot- opfer, wie sie in den bekannten preußischen Abänderungsvorschlägen zum Ausdruck gekommen ist. Preußen hat den Versuch gemacht, wenigstens den Grundgedanken dieses Rotopfers zu retten, indem es Beamte und höhere Angestellte dauernd zu den Kosten der Ang est e l l te n v e r- sicherung heranziehen wollte mit Vertragen in derselben Höhe wie die Versicherten selbst. Rur daß aus dieser Sondersteuer keinerlei Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung entstehen sollte. Also ein unsoziales Ausnahmegesetz gegen Beamte und höhere Angestellte^ das den Versicherungsgedanken durchbricht und sicherlich bei denselben Parteien, die schon den Moldenhauerschen Vorschlag abgelehnt haben, auf Len gleichen Widerstand stoßen würde.
Aber damit nicht genug, scheint Herr Dr. Brüning auch daran zu denken, Herrn Höpker-Aschoff als preußischen Finanzminister mit der Leitung der Reichsfinanzen zu betreuen, gewissermaßen also eine Personalunion hcr- zustellen. Eine sachliche und politische Unmöglichkeit! Wir brauchen nur daran zu erinnern, daß in Preußen die Weimarer Koalition regiert, daß also unter Umständen der Aeichsfinanzmimster Höpker-Aschoff von denselben Sozialdemokraten im Reich gestürzt werden könnte, als deren Vertrauensmann er in Preußen fungiert. So kann man die Dinge nicht behandeln. Und wir möchten auch annehmen, daß sich die Unmöglichkeit einer solchen Konstruktion in der ersten Unterredung zwischen dem Kanzler und Herrn Höpker- Aschoff sehr bald Herausstellen wird. Es hilft eben nichts, Herr Brüning muh in den sauren Apfel beißen und das Deckungsprogramm, jeden- falls den Teil mit dem Rotopfer zurück- ziehen, um mit anderen Vorschlägen hervorzutreten. Rur so ist es möglich, zu einer Lösung zu kommen, die durch rücksichtslose Sparsamkeit die Reichsfinanzen saniert, und gleichzeitig einen politischen Konflikt für den Augenblick vermeidet.
Höpker-Aschoffs Programm.
Gelsenkirchen,21. Iuni. (ERB.) Der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff sprach hier in einer Versammlung der Arbeitsgemeinschaft Industriebezirk der Demokratischen Partei. Der Minister teilte mit, daß ihn der Reichskanzler Dr. D r ü n i n g gebeten habe, morgen nach Berlin zurückzukehren.Diesem Ruf werde er Folgeleisten. In Berlin werde er zweifellos vor die Frage gestellt, ob er Reichsfinanzmini st er werden wolle. Aber er denke nicht daran. Er könne sich nicht vorstellen, in diesem Kabinett fruchtbare Arbeit leisten zu können. Er würde bald auf Schwierigkeiten stoßen und aus der Stellung wieder heraus müssen, was für seine Partei großen Schaden bedeuten würde. Das Zusammenarbeiten mti der SPD. im Kabinett Müller sei wegen der Halsstarrigkeit der SPD. schlechterdings unmöglich gewesen. Das Reich bedürfe zur Gesundung der Lage einer starken, ziel- bewußten R e g i e r un g. Es sei eine politische Rotwendigkeit gewesen, daß die Demokraten in die Regierung Brüning eintraten. Die politische und die wirtschaftliche Lage des Reiches habe das erfordert. —
Der Redner behandelte dann die Möglichkeiten, wie das Deutsche Reich aus der ewigen Finanzkrise herauskommen könne. Die Desoldungsreform aus dem Iahre 1927 sei über unsere Kraft gegangen und jetzt sei es an der Zeit, die damaligen Maßnahmen zu liquidieren. Zum Schluß sprach er sich für die Bildung einer großen staatspolitischen republikanischen Partei der Mitte aus. Die Aussichten dafür seien allerdings augenblicklich schlecht.
Oer Reichskanzler bleibt fest.
Immer noch die Deckungsvorlage.
Berlin, 21. Juni. (LRV.) Jn der Zentrums- fraktion berichtete Reichskanzler Dr. Brüning über die politische Lage. Er betonte mit aller Energie, daß die Reichsregierung in der Sache fest bleiben werde. Jn der F orm der Lösung könn- ten sich ja unter Umständen andere Möglichkeiten ergeben. Die Regierung ist, wie aus dem Vortrag Dr. Brünings hervorgeht, entschlossen, an ihrer Deckungsvorlage fe st zuhalten und sie nötigenfalls mit allen Konsequenzen durchzuführen. Die Fraktion erklärte sich geschlossen für die Auffassung des Kanzlers. — Die „D.A.Z." erfährt ergänzend zu den Ausführungen des Reichskanzlers, daß unter den möglichen Abänderungen des Deckungsprogramms die Herausnahme der Angestellten aus dem Rotopfer vorgesehen sei. Die „Germania- weist darauf hin, daß das Kabinett durchaus bereit sei, über die ursprünglich vorgesehenen 25 Millionen Mark hinaus weitere Ersparnisse am Etat vorzunehmen. Das Blatt betont aber, daß es eine große Jllusion wäre, zu glauben, die ungeheueren Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf Deutschland ließen sich durch Elatsslriche finanzieren.
Oie Wirtschastspartei fordert 4 Milliarden Ersparnisse.
Berlin, 20. Iuni. (V.D. Z.) Die preußische Landtagsfraktion der Wirtschaftspartei hat ein Sofortprogramm zur Finanzreform von Reich, Ländern und Gemeinden ausgearbeitet, wonach von ungefähr 23 Milliar- ben Gesamtausgaben von Reich, Ländern und Gemeinden 4 Milliarden abzu st reichen sind, damit das Defizit von über 2 Milliarden abgedeckt werde und der Rest von 2 Milliarden zur Realsteuersenkung und Kapitalbelebung der Wirtschaft frei werde. Insbesondere sollen die Ersparnisse d u r ch K ü r- zungen an den Etats um 5 Prozent sowie durch Herausnahmeder Arbeits- losenversicher un g aus dem Etat, durch ein sofortiges. Verbot sämtlicher öf-
Die Zinanzschwiengkeilen der Reichsbahn.
Berlin, 20. Juni. (WTB.) Im Auftrage des Verwaltungsrates der Deutschen Reichsbahngesellschaft hat der Präsident des Verwaltungsrates, Dr. C. F. v. Siemens, am 18.Juni 1930 an Öen Reichskanzler ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt:
Das neue Reichsbahngesetz hat der Gesellschaft keine finanzielle Erleichterung, eher eine Verschärfung gebracht. Die Verkehrslage hat sich im Jahre 1930 in jedem Monat steigenderweise außer st ungünstig entwickelt. Heute schon läßt sich leider mit Sicherheit feststellen, daß selbst bei einem Wiederansteigen, für das aber keine Anzeichen vorhanden sind, die Betriebsausgaben die Einnahmen um mehrere 100 Millionen über st eigen werden. Dies voraussehend hat der Generaldirektor die sächlichen Ausgaben schon seit längerer Zeit dauernd gedrosselt. Sie sind jetzt aber auf einem Tiefstand angelangt, der wohl kurze Zeit getragen werden kann aber auf mehrere Jahre die Sicherheit des Betriebe s in Mitleidenschaft ziehen muß. Die für die Gesellschaft feststehenden Ausgaben sind in ihrer Gesamtheit seit Gründung der Gesellschaft um über 700 Millionen oder 31 Prozent gestiegen, obgleich das Personal in derselben Zeit um 62 000 Köpfe verringert worden ist. Im Vergleich zu der Vorkriegszeit sind die Einkommen der Beamten im Durchschnitt 80 Prozent (maximal 114 Prozent, minimal 29 Prozent), die Stundenverdienste der Arbeiter um 110 Prozent gestiegen oder auf den Lebenshaltungsindex zur Zeit der Beamtengehäller- erhöhung 1927 umgerechnet im Durchschnitt 22 Prozent (maximal 43 Prozent, minimal 9 Prozent) und bei den Arbeitern um 33 Prozent umgerechnet auf den Stand des Indexes im ersten Halbjahr 1929, der Zeit des letzten Schiedsspruchs. Die Reichsbahngesellschaft ist nicht in der Lage, hierin eine Aenderung aus sich heraus eintreten zu lassen oder oorzuschlagen, da sie nach dem Gesetz ihre Beamten entsprechend den Reichsbeamten entlohnen muß und die Arbeiterlöhne dutch Bestimmung des Reichsarbeitsministers, der den Schiedsspruch vom 24. Mai 1929 für verbindlich erklärt hat, ihre Gültigkeit bis zum 31. Mai 1931 haben. Die Personalkosten nehmen heute 66 Prozent sämtlicher Betriebsausgaben in Anspruch, die Pensionslasten in Höhe von 482 Millionen Mark allein 11 Prozent. Letzteres bedeutet gegenüber der Vorkriegszeit in Höhe von 114 Millionen eine Steigerung um 313 Prozent.
Ich halte mich für verpflichtet, Euer Hochwohlgeboren besonders auf das Steigen und die Höhe der Personalausgaben hinzuweisen, da sie den wesentlichsten Teil der gesamten Ausgaben ausmachen und eine Herabsetzung am Direktesten der Gesellschaft eine finanzielle Entlastung geben würde, aber nicht im Machtbereich der Gesellschaft, sondern nur dem der Reichsregierung liegt. Ich gestatte mir ferner, daraus hinzuweisen, daß der Verkehr in erheblichem Maße durch die Beforderungssteuer verteuert wird. Sie wird von der Gesellschaft nur für d i e Reichsregierung erhoben. Eine Ermäßigung d^vselben könnte zum
Ausgleich von notwendigen Tariferhöhungen benutzt werden. Andere Wege für die Ausgaben- fenkung zur Herstellung des finanziellen Gleichgewichts sind nicht vorhanden. Der Derwal- tungsrat hofft, daß die Reichsregierung einen Weg sehen möge, ihn in seinem Bestreben zu unterstützen, das finanzielle Gleichgewicht zu erzielen, ohne weitere Tariferhöhungen das wirtschaftliche Leben immer mehr erschweren und so die Arbeitslosigkeit vergrößern zu müssen und dadurch in Deutschland die Auswirkungen der Steigerung der Kaufkraft des Geldes, die sich im Grohhandelindex schon durch einen Rückgang um 15,5 Punkte zeigt, im Lebenshaltungsindex aber bisher nur um 9,8 Punkte auf die notwendigen Lebensgüter des Bolkes, zu verhindern.
Echo der presse.
Berlin, 21. Iuni. (TU.) Zu dem Brief, den der Präsident des Verwaltungsrates der Reichsbahngesellschaft Dr. v. Siemens an den Reichskanzler geschrieben hat, nehmen vorläufig nur wenige Blätter ausführlich Stellung. Die, „D A Z." schreibt, der Fall der Reichsbahn sei nur ein Ausschnitt aus der allgemeinen Lage. Aber da bei ihr die sachlichen Ausgaben längst radikal gestopft seien, ständen die Aufwendungen im besonders engen Zusammenhang mit den reinen Personalausgaben in sichtbarerer Verbin- bindung als beim Reich, bei den Ländern und bei den Kommunen. Vielleicht hätte die Reichsbahn schon eher diesen Vorstoß machen sollen, denn wie spät diese Stunde bereits sei, gehe schon daraus hervor, daß die Reichsbahn nicht einmal in der Lage sei, die Forderung der Besoldungssenkung mit dem Angebot einer Tarifsenkung zu verbinden. Der „£ a g" erfährt von unterrichteter Seite zu dem Schreiben, man denke an eine Kürzung der Löhne und Gehälter in Höhe von 1 v. H. Das würde einschließlich des Rotopsers eine Gesamtkürzung der Beamtenbezüge von 11 v. H. crusmachen. Die „Dörsen- zeitung" weist darauf hin, daß die letzte Lohnerhöhung bei der Reichsbahn in einem Zeitpunkt erfolgt sei, in dem sich die Konjunktur bereits abzuschwächen begonnen habe und eine Steigerung der Lebenshaltungskosten gar nicht mehr in Frage gekommen sei. Der Derwaltungs- rat der Reichsbahngesellschaft richte deshalb mit Recht an die Regierung die Aufforderung, Maßnahmen zur Herabsetzung dieser Lasten zu ergreifen, die der Reichsbahn gegen ihren Willen durch regierungsseitigen Eingriff aufgebürdet worden seien. Die „Deutsche Zeitung" betont, daß auch hier wieder die Arbeitnehmer die Segnungen des Boungplanes aufs Empfindlichste zu spüren bekommen. Der „Vorwärts" schreibt, der Angriff der Unternehmer auf das Lohnniveau erhalte durch den Vorstoß des Der- waltungsrates der Reichsbahn eine mächtige Unterstützung. Das sei nicht Wirtschaftspolitik zur Lieberwindung der Konjunktur, sondern Klassenpolitik, um den Kreis der künstlichen Verlängerung und Derschärkung der Krise.
fentlichen Bauten, durch Vereinfachung des Steuer sh stems und durch Einstellung der Reubautätigkeit aus öffentlichen Mitteln erzieA werde.
Wo steckt die Reichsreform?
Die Ausschutzarbeit der Länderkonferenz.
Berlin, 20. Iuni. ERB. Die beiden Unter- ausschüsse des Ausschusses der Länderkonferenz für Derfassungs- und Derwaltungsreform traten unter dem Vorsitz des Reichsinnenministers Dr. Wirth zusammen. Zur Beratung stehen die Abschnitte über die Organisation der unmittelbaren Reichsverwaltung in den Ländern und die Organisation der Auftragsverwaltung des Reiches, Dr. Wirth erklärte u. a.: Die jetzige Organisation des Reichs und seiner Länder, die Verteilung der Zuständigkeiten gewährleisten nicht die volle Auswirkung aller im Reiche vereinigten Kräfte und ihre zweckmäßigste Einsetzung, wie sie unsere Rotzeit doppelt erfordert. Die Reichsregierung hat Anfang 1928 das Verfassungsrechtsgrundproblem einer Länderkonferenz unterbreitet. Diese hat einen Ausschuß mit der Vorbereitung beauftragt, der zu gleichen Teilen von der Reichsregierung und den Länderregierungen beseht ist. Der eine Unter- ausschuß der Länderkonferenz hat die Frage der Organisation und die Zuständigkeit zugewiesen erhalten. Dem zweiten Unteraus- schuh sind die Fragen der Gliederung sowie die territorialen Fragen zugewiesen worden. Er kann erst gedeihliche Arbeit leisten, wenn man die Linie der Entwicklung auf dem Gebiete der Organisation und bei der zukünftigen Zuständigkeitsverteilung sieht. Es ist deshalb beabsichtigt, den Gesamtausschuh, den die Länderkonferenz eingesetzt hat, unmittelbar nach Abschluß unserer Verhandlungen zusammentreten zu lassen, um seine Stellungnahme herbeizuführen. Es wird alsdann Sache der politischen Entscheidung sein, wie die Ergebnisse der zu einem gewissen Abschluß gekommenen Verhandlungen ausgewertet werden sollen. Der Llnterausschuß hat die Vorschläge des sogenannten Gemeinschaftsreferates der Gutachter Ministerialdirektor Dr. D r e ch t, Ministerialdirektor Dr. Poehsch-Heffter, Staatspräsident Dr. Bolz und Bürgermeister Dr.Petersen mit unwesentlichen Aenderungen dem morgen unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning tagenden Verfassungsausschuß empfohlen.
Oie Wirtschafisinieressen des Llnterwefergebieis.
Ein Abkommen zwischen Bremen und Preutzen.
Berlin, 20.Juni. (WTB.) In Bremen wird morgen vom preußischen Ministerpräsidenten und dem bremischen Präsidenten des Senates ein umfangreiches Vertragswerk unterzeichnet, das ebenso wie seinerzeit der preußisch-hamburgische Vertrag einen wichtigen Fortschritt in einem Teilproblem der Reichsreform darstellt. In einem Abkommen über kommunale Richtlinien für die Zusammenarbeit der preußischen und bremischen Gemeinden ist ein enges Zusammenarbeiten der Stadtverwaltungen Bremerhaven und Wesermünds auf allen Gebieten der kommunalen Verwaltung vorgesehen. Der Zustand, daß die Polizeibeamten der beiden
Länder bisher die Grenze nicht überschreiten konnten, ist beseitigt. Das Derkehrsabkommen, dem auch das Land Oldenburg beitreten wird, soll dazu dienen, daß die öffentlichen Verkehrsmittel derart einzurichten und durchzuführen sind, wie es das Interesse der Gesamtbevölkerung des Wesergebietes und der Nachbargebiete erfordert. Bremen tritt ferner dem Hochseefischerei- Abkommen zwischen Preußen, Hamburg und der Stadt Altona bei. Damit ist einer planmäßigen Zusammenarbeit der Hochseefischerei-Häfen an der deutschen Nordsee der Boden bereitet. Ein zweiles Abkommen betrifft die einheitliche Handhabung der Wasserpolizei auf der Unterweser. Um einem ungesunden Wettbewerb zwischen den Wirtschaftsgebieten an Weser und Ems vorzubeugen, ist ein Weser-Ems-Abkommen in Aussicht genommen. Es enthält lediglich die Schaffung eines gemeinsamen Ausschusses aus beiden Wirtschaftsgebieten, der nach Bedarf zufammen- tritt, um eine einheitliche Seehäfenpoli- t i k zur Durchführung zu bringen.
Aenderung der llmfahsteuererhebung.
Berlin, 21. Iuni. (Tel.-Un.) Der Reichsfinanzminister hat dem Reichsrat eine Verordnung über Aenderung der Durchführungsbestimmungen über die erhöhte Llmsatzsteuer zugehen lassen. In dieser Verordnung heißt es u. a.: Llmsah im Einzelhandel im Sinne des § 12 Absatz 2 des Gesetzes liegt por, wenn ein Llnternehmen an einen Abnehmer liefert, der die Gegenstände weder zur gewerblichen Weiterveräußerung, sei es in derselben Beschaffenheit, sei es nach vorheriger Bearbeitung oder Verarbeitung, noch zur gewerblichen Herstellung anderer Gegenstände, noch zur Bewirkung gewerblicher oder beruflicher Lei st ungen erwirbt. Als Llm- satz im Einzelhandel sind auch Lieferungen und sonstige Leistungen anzusehen, soweit die Sicherungsvorschriften nicht innegehalten sind. Als Umsatz im Einzelhandel gelten nicht: Lieferungen an das Reich, die Länder oder andere öffentlich- rechtliche Verbände, Lieferungen von Gas, Wasser, Elektrizität oder Wärme.
Die Würde des „Hohen Hauses-.
D e r l i n, 20. Iuni. (Ddz.) Im Aeltestenrat des Reichstags wurde darauf hingewiesen, daß vor einigen Tagen der kommunistische Abg. Mastowski am Rednerpult im Sports Hemd erschienen sei und daß dieses Beispiel inzwischen mehirfach Rachahmung gefunden habe. Don verschiedenen Seiten wurde erklärt, daß dieses Auftreten der Würde des Reichstags nicht entspreche. Es wurde aber festgestellt, daß die Geschäftsordnung keine Handhabe biete, dagegen einzuschreiten. Es wurde beschlossen, die Fraktionen zu ersuchen, darauf hinzu wirken, daß die Abgeordneten zu den Sitzungen in einem Anzug erscheinen, der mehr der Würde des Hauses entspricht.
Vollstreckung eines Todesurteils.
Berlin, 21. Iuni. (DDZ.) 3m (Straf* rechtsausschuh des Reichstags wurde ein Antrag der Sozialdemokraten, der Demokraten und des Abg. Dr. Kahl (D. V.) mit 15 gegen 10 Stimmen angenommen, wonach die Reichsregierung der württembergischen Staatsregierung nahelegen soll, vor
der gesetzlichen Entscheidung über die Todesstrafe das Todesurteil gegen den wegen Vatermordes verurteilten Landwirt Zell nicht zu vollstrecken. Staatspräsident Dr.Bolz hat die Ablehnung der Begnadigung aufrechterhalten, weil in dem Verfahren keine Instanz in der Lage war, die Begnadigung zu befürworten, und weil das bestehende Recht infolgedessen die Vollziehung der Todesstrafe bedingt. Der zum Tode verurteilte Landwirt Iulius Eell ist infolgedessen Samstag früh 5,30 Llhr im Hofe des Amtsgerichtsgefängnisses zu Ravensburg hingerichtet worden.
Oie Arbeitszeit im Kohlenbergbau.
Der deutsche Vorschlag angenomwen.
Gens, 20. Iuni. (WTB.) Auf der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf kam es im Ausschuß für das Arbeitszeitabkommen im Steinkohlenbergbau zu einer erneuten Abstimmung über den deutschen Vorschlag, die Schichtdauer auf 73/4 Stunden festzulegen und innerhalb von drei Iahren neue Verhandlungen über die weitere Herabsetzung der Arbeitszeit im Kohlenbergbau einzuleiten. Die Arbeitgebergruppe erhob Einwände gegen die Wiederaufnahme einer Frage, die vom Ausschuß gestern bereits abgeschlossen worden sei. Als der Ausschuß sich für die sofortige Abstimmung aussprach, erklärte die Arbeitgebergruppe, daß sie ihre Mitwirkung an den Ausschußarbeiten e i n st e l l e n müsse und verlieh geschlossen die Sitzung. Der deutsche Vorschlag wurde darauf mit 23 gegen 2 Stimmen bei 5 Stimmenthaltungen angenommen. Der Vorsitzende Dr. Brauns stellte fest, daß der Antrag selbst dann ntit 5 Stimmen Mehrheit angenommen worden wäre, wenn die Arbeitgebergruppe geschlossen gegen ihn gestimmt hätte.
Sturm über Finnland.
Front gegen die kommunistische Gefahr.
Wenn nicht alles täuscht, steht Finnland am Vorabend großer politischer Umwälzungen. Lleberall rotten sich die Bauern zusammen, um gegen den Kommunismus Front zu machen. In verschiedenen Teilen des Landes ist es auch schon zu Handgreiflichkeiten und zur Zerstörung kommunistischer Druckereien gekommen. Auch ein antikommuni st ischer Bund ist entstanden, der offenbar schon so stark geworden ist, daß sich die Regierung seiner Forderung, die gesamte kommunistische Presse zu verbieten, gefügt, aber auch gleichzeitig den Reichstag zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen hat, der zu der kommunistenfeindlichen Bewegung im Lande Stellung nehmen soll. Die Situation in Finnland wird nun so dargestellt, daß auch hier mit der Errichtung einer „faschistischen Diktatur zu rechnen sei, die in die Hände des Generals Mannerheirn, der 1918 gemeinsam mit deutschen Truppen an der Befreiung Finnlands vom Bolschewismus mitwirkte, gelegt werden soll.
Ob es dazu überhaupt kommen wird, muh abgewartet werden. Vorläufig steht nur fest, daß der Kommunismus in Finnland ungewöhnlich stark an Boden gewonnen hat und daß der überwiegende Teil der Bevölkerung nicht mit Un- recht fürchtet, die zurückgewonnene Freiheit von neuem an Rußland zu verlieren. Es braucht ja nur zu einem kommunistischen Putsch zu kommen, um den Sowjetrussen das Signal zum Einmarsch in das in jeder Beziehung weit unterlegene Finnland zu geben. Diese Gefahr soll beseitigt werden, deswegen wird aus dem Lande heraus auf Regierung und Parlament auch ein starker Druck ausgeübt, mit dem Kommunismus gründlich aufzuräumen.
Deutscher Kreuzerbesuch in Danzig.
Danzig, 20. Iuni. (TU.) Der deutsche Kreuzer „K ö l n“ ist auf der Reede von Reufahrwasser eingetroffen. Im Laufe des Vormittags stattete der Kommandant des Kreuzers, Fre- gatten-Kapitän von Schroeder, mit seinem Adjutanten und begleitet von dem deutschen Generalkonsul dem Präsidenten des Senats, Dr. Sahm, einen Besuch im Regierungsge- bäude ab. Daran schlossen sich Besuche des Kommandanten beim Völkerbundskommissar, Grafen G r a v i n a , dem diplomatischen Vertreter der Republik Polen, Dr. Strasburger, und dem Präsidenten des Danziger Hafenausschusses, de , Loes. Am Rachmittag erwiderte der Präsident des Senats in Begleitung des Senators des Innern, Arczhnski, den Besuch an Bord der „Köln". Als der Präsident das Schiff verlieh, grüßte der Kreuzer die Danziger Flagge mit 21 Schuh. Am Abend gab der Senat im Rathaus einen offiziellen Empfang, an dem auch der Kommissar des Völkerbundes, Graf Gravina, teilnahm.
Oie Augsburger Konfessionsfeier und die evange ische Welt.
An der Feier der deutschen Landeskirchen zum 400jährigen Gedächtnis der Augsburger Konfession (24. und 25. Iuni) werden auch eine große Anzahl ausländischer Kirchen und Kirchenbünde durch besondere Abgesandte teilnehmen. Es haben Vertreter angemeldet u. a. die evangelisch-lutherischen Kirchen von Schweden, Rorwegen, Dänemark, Finnland, Südslawien, -Ungarn, die deutschen Gemeindeverbände in Estland und Lettland, die deutsch-evangelischen Kirchen in Böhmen, Mähren und Schlesien, der evangelische Kirchenbund der tschechoslowakischen Republik, der schweizerische Kirchenbund, die Federation Protestante de France, Eglise Chretienne Missionaire Beige, der Rationalrat der englischen Freikirchen und die Kirche von Schottland, ferner von Liebersee, der etwa 30 Kirchengemeinschaften umschließende amerikanische Kirchenbund (Federal CouncilI ,ünd die presbyterianische Kirche von Australien. Bon bekannten kirchlichen Auslandführern werden zugegen sein: Der Domprobst von Lund (Schweden), Professor D. Dr. Brilioth, der finnische Bischof K a i l a in Wiborg, Bischof Pöl - chau (Riga), Professor D. Keller (Genf) und Professor Handmann (Basel), P. Burpil- lot (Paris), geistlicher Inspekteur der evangelisch-lutherischen Kirche von Frankreich, Kirchenpräsident Wehreupfennig aus Gablonz, Generalinspektor Baron von Radvansktz (Budapest), Rev. R a m s a h D. l).-London u. a.


