Ausgabe 
21.2.1930
 
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Aus der Vrovinzialbaupistadi

Gießen, den 21. Februar 1930.

Lehrstetteniuche im Handwerk.

Don der Handwerkskammer-Nebenstelle in Gie­ßen wird uns geschrieben:

Diele der an Ostern aus der Schule kommen- den jungen Leute beabsichtigen ein Handwerk »u erlernen und suchen nach einer paßenden Lehrstelle Eltern und Dormünder se.en dabei AUC Vermeidung von Nachteilen daraus hinge­wiesen daß nicht in jedem beliebigen Handwerksbetrieb Lehrlinge ange­leitet werden dürfen, sondern nur dort, wo der Inhaber oder sonst jemand imBetrieb die Meisterprüfung abgelegt hat, oder chm auf Grund der llebergangsbestimmungen zur Abänderung der Gewerceordnung vom 30. Mai 1908 die Anleit wngsbefuynis ausweis­lich einer Urkunde des zuständrgen Kreramts verliehen worden ist. Wo Zweifel herrschen, erkundige man sich bei der Handwerkskammer- Nebenstelle in Gießen. Die hin und toreber auftauchende Ansicht, es genüge wenn der Lehr­herr die Meisterprüfung tm Laufe der Lehrzert ablegt, ist unrichtig.

Weiter dürfen in Handwerksbetrieben nicht beliebig viel Lehrlinge gleichzeitig ge­halten werden; vielmehr sind Höchstfällen vor­geschrieben, und der Lehrherr muß bei Derstöhen die zu viel angenommenen Lehrlinge wieder ent­lassen. Ferner sei auch darauf aufmerksam ge­macht, daß gemäß den Destimmungen der Ge­werbeordnung innerhalb vierWechen nachLehr- bcg'.nn ein Lehrvertrag schriftlich zwi­schen dem Lehrherm einerseits und dem Lehr­ling und besten Dater bzw. Dormund ander­seits abgeschlossen werden muh. Hierzu emp- siehlt es sich, das von der Handwerkskammer herausgegebene Formular zu benützen und drei E-emplare derjenigen Handwe rskammer-Neben- stelle, in deren Bezirk der Lehrmeister seinen Detriebssih hat, spätestens drei Monate nach Lehrbeginn in Dorlage zu bringen. Lehrverträge, zwischen Lehrmeistern, die einer Innung ange­boren, mit ihren Lehrlingen müßen ebenfalls binnen vier Wochen nach Lehrbeginn abgeschlof- sen und In vier Exemplaren der zuständigen Innung zur Eintragung in deren Lehrlings­rolle vorgeleat werden. Lehrvertrage über be- vornnindete Lehrlinge müsen vom Lehrmeister mit dem Vormund abgeschlossen, von diesem dem zuständigen Vormundschaftsgericht zur Ge­nehmigung vorgelegt und nach erfolgter vor- mundschaftsgerichtlicher Genehmigung der Hand­werkskammer-Nebenstelle in Gießen bzw. der zuständigen Innung zur Eintragung in deren LehrlingSrolle in der vorerwähnten Anzahl vor­gelegt werden.

Vielfach besteht die irrige Auffassung, auch in Handwerkerkreisen, daß der Lehrvertrag erst nach Ablauf der vereinbarten Probezeit abgeschlossen werde. Die Vertragschließenden können eine Pro­bezeit bis zur Höchstdauer von 3 Monaten ver­einbaren, während welcher beiden Teilen das

Recht zusteht, jederzeit vom Vertrag zurückzu­treten.

Durch die Vereinbarung einer längeren Probe­zeit als 4 Wochen wird die gesetzliche Verpflich­tung zum Abschluß eines schriftlichen Lehrver­trags binnen 4 Wochen nicht berührt. Die Un- terlassung des Vertragsabschlusses seht beide Par­teien erheblichen Nachteilen aus. Die Vorlage des rechtzeitig abgeschlossenen, schristlichen Lehr­vertrags ist übrigens auch eine der Voraussetzun­gen für die Zulassung zur Gesellenprüsung.

Wenn in einzelnen Fällen der Lehrherr gegen die vorstehenden Destimmungen verstößt, so setzt er sich der Gesahr einer Bestrafung aus; jedoch sind die u. XL hieraus auch für den Lehrling hervorgehenden Schäden derart, daß die Eltern bzw. Vormünder auch ihrerseits die Deachtung der genannten Vorschriften genau kontrollieren sollten.

Der Lehrmeister kann unter Vorlegung des ord­nungsmäßig abgeschlossenen Lehrver rags beim Vorstand der zuständigen Krankenkasse den Erlaß der Deiträge zur Erwerbslosenversicherung bean­tragen. Falls derartigen Anträgen seitens der Krankenkasse entsprochen wird, ruht die Deitrags- pflicht zur Crwerbslosenversicherung bis zum be­ginn des letzten Jahres der Lehrzeit. Von die­sem Zeitpunkt ab lebt die Deitragspslicht zur Er» werbslosenversicherung wieder auf.

Schließlich seien die Eltern noch darauf hinge- wiesen, daß sie ihre Kinder nur solchen Derusen zuführen sollten, für die sie körperlich u.ld geistig am besten geeignet sind. Falsche Berufswahl hat schon viele Menschen unglücklich gemacht. So­weit als irgend angängig bediene man sich der Einrichtung der Eignungsprüfung. Näheres über solche Prüfungen ist bet den Deruss- bzw. Ar­beitsämtern zu erfahren.

w'aien für Eamsiag 22 Februar

1732: Gecrge Washington, Begründer bcriln- abhängigkeit Nordamerikas, in Westmoreland ge­boren (gestorben 1799); 1788: der Philosoph Arthur Schopenhauer in Danzig geboren (ge­storben 1860); 1840: der Sozialist August Bebel in Köln a. Rh. geboren (gestorben 1913); 1857: der Physiker Heinrich Hertz in Ham­burg geboren (gestorben 1894).

Borrrotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadt­theater:Wie es Euch gefällt", 19.30 bis 22.30 Xlhr. Oeffentlicher Vortrag:Die Welt auf der Waage Gottes" (Redner Prediger Gugel, München), 20 Xlhr, Realgymnasium. Eng­lisches Seminar: Schottische Lieder zur Harse, gelungen von Heloise Russell-Fergusson, 20.30 Xlhr, im Musiksaal des Realgymnasiums. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße:Balalaikanächte" (auf der Bühne wirkt die Don-Kosaken-Gruppe mit). Astoria-Lichtspiele:Der große Diaman- tendiebstahl" undSchatten der Nacht".

Aus dem S tad 11 heater bureau wird uns geschrieben: Die heutige Vorstellung Wie es Euch gefällt!" von Shakespeare beginnt um 19.30 Xlhr. Sonntag, 23. Februar, 18.30 Uhr, FremdenvorstellungDie andere Seite"; er­mäßigte Preise. Dienstag, 25. Februar, zum

letztenmalMusik" von Frank Wedekind. Mittwoch, 26. Februar, zum letztenmalWie es Euch gefällt!" von Shakespeare. Am Sonntag, 2. März (Fastnachtsonntag): Erstaufführung Weekend im Paradies", Schwank in 3 Akten von Arnold und Dach. Spielleitung: Heinrich Hub, der auch die Hauptrolle des dicken Rat Dittchen spielt.

23.2).21. Vortrag von Pfarrer Harth (Wien) überDie Lage in Oesterreich". Näheres ist aus der heutigen 2lnzeige ersichtlich.

Ob st- und Gartenbauverein. Kom­menden Sonntag im Saale des Hotels Hopfeld Hauptversammlung. Näheres siehe heutige Anzeige.

Morgen keine Sitzung des Pro­vinzialausschusses. Die auf den mor­gigen Samstagvormittag einberufene Sitzung des Provinzialausschusses für Oberhessen ist abgesagt worden.

" Ehrung eines Gießeners. Herrn Max Wertheim aus Gießen wurde für feine langjährige verdienstvolle Tätigkeit auf dem Ge- biete der Kriegsgräberfürsorge die Ehrenplakette des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Be­zirksoerband Nassau, verliehen.

Straßenbahn - Fahrscheinhefte für Schüler. Wie die Direktion der städtischen Straßenbahn in unserem gestrigen Anzeigenteil bekanntgab, werden auf der Gießener Straßen­bahn mit Wirkung vom 25. Februar ab Fahr­scheinhefte für Schüler unter 14 Jahren aus- gegeben. Die Heftchen enthalten zehn Fahrscheine für alle Teilstrecken und kosten 75 Psennig.

Im Eisenbahnzug verstorben. Ein tragischer Todesfall ereignete sich gestern abend in einem Zuge der Strecke Fulda-Gießen zwi­schen den Stationen Grünberg und Saasen. Wäh­rend der Fahrt des Zuges sank plötzlich der in einem Durchgangswagen sitzende Grubendirektor Gustav L üd decke aus Gießen, Frankfurter Straße 29 wohnhast, in sich zusammen, und nach wenigen Augenblicken war der bedauernswerte Mann verstorben. Der telephonisch zum Zuge in Großen-Duseck bestellte Dahnarzt stellte fest, daß ein Herzschlag dem Leben des 59 Jahre alten Herrn ein rasches Ende bereitet hatte. Der Verstorbene wurde in Gießen zunächst in der Leichenhalle des Dahnhofs untergebracht und von hier aus dem Neuen Friedhof zugeführt.

**AnfechtungeinesAnstellungsver« träges wegen falscher Angaben über die früheren Bezüge? In den von Steuer­syndikus Hermann Will zu Gießen herausge­gebenenAktuellen Steuerfragen", Rundschreiben Nr. 4, lesen wir folgende bedeutsame Entscheidung: Ein Kaufhaus, das einen leitenden Angestellten eines Warenhauses engagiert hatte und ihm ein Gehalt von 20 000 Mark nebst 6000 Mark garan­tierter Umsatzprovision aussetzte, focht den Vertrag wegen arglistiger Täuschung an, da der Angestellte seine früheren Bezüge falsch angegeben habe. Aus diesen wahren Gehaltsbezügen ergebe sich, daß er nicht eine erste Kraft gewesen sei, die sie gesucht habe. Das Reich-gericht (II 474 29) hat die Klage abgewiesen. Die Begründung: Wer einen leitenden

Angestellten sucht, verschafft sich die Kenntnis von seiner Oualifitalion nicht aus seinen eigenen An­gaben, sondern zieht Erkundigungen bei Fachleuten ein oder nimmt ihn, weil er sich durch eigene Lei­stungen empfohlen hat. In vorliegendem Falle sei der Angestellte, wie fcstgcstellt wurde, auf Erkun­digungen bei Fachleuten eingestellt. Die Angaben des Angestellten seien also nicht ursächlich für die Einstellung gewesen.

(Schluß des redakllonellen Teils.)

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Jede Hausfrau weiß, daß Email sehr empfind­lich ift Scheuersand und grobkörnige Putzmittel würden den feinen Schmelz zerkratzen. Man sollte deshalb nur ein Putzmittel nehmen, daS nicht kratzt, dabei doch gut und gründlich säubert und allen Emallsachen einen funkelnden Glanz gibt Vim ist stark seifenhaltig und entfernt im Nu jeden Schmutz. 256v

Rechtsanwalt ti. B.

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Viele Ehekonflikte - sagt er oft - sind nichts weiter als ein Versagen der Nerven. Wieviel froher und glücklicher würden viele Menschen leben, wennj sie stets den unschädlichen Kaffee Hag tränken^' Coffein kann eben nicht jeder vertragen. Ich trinke Hag seit Jahren und möchte ihn auch wegen seines, unübertrefflichen Geschmacks nicht missen."

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