Ausgabe 
20.12.1930
 
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Nr. 298 viertes Blatt

Gießener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Oberhesfen)

Samstag, 20. Dezember |950

Die Wasserversorgung der Stahl Gießen.

Der Wasserbehälter von 5 000 Kubikmeter Inhalt.

Bon Direktor August Steding, Gießen.

Um die Gleichmäßigkeit der Wasserförderung zu sichern und um die Derbrauchsschwankungen in den Tagesstunden auszunehmen oder, kurz gesagt, um den Ausgleich zwischen Wafsersörderung und -verbrauch hcrbeizusühren. ist die Einschaltung von Dorratsräumen zwischen der Förderungsanlage

Doues lnsgesamt 9000 Kubikmeter Be­hält erraum zur Dersugung.

Für einen Behälter dieser Gröhe kann aus finanziellen und auch aus bautechnischcn Grün­den ein Turmbehälter, wie er vor dem 'Delt- kriege in der Bähe derSchönen Aussicht"

Die Fassade des Hochbehälters an der Landstraße GießenGrünberg

und dem Derteilungsrohrncy notwendig. Die Gröhe dieser Dorratsräume. Wasserbehäl- t e r genannt, richtet sich nach dem Wasserzulauf und nach dem Wasserverbrauch des zu versorgen­den Gebietes Der Fassungsraum der Behälter soll bei Wasserwerken mittlerer Gröhe etwa der Hälfte des gröhten Tagesverbrauches entsprechen, bei kleineren Werken soll der Behälter mit Rück­sicht aus ein- Wasserrescrve für Fcuersgefahr den ein- bis zweifachen Tagesbedarf lassen, während bei großen Städten ein Behälterraum von einem Drittel des größten Tagesverbrauches genügt. Die größte tägliche Wasserabgabe in Gießen betrug tn dem niederschlagarmen Sommer 1929 an vielen Tagen rund 13000 Kubikmeter. Es mühten somit, um den Wasserbedarf sicherzustellen, Wasser- Vorratsräume von insgesamt 6500 Kubikmeter vorhanden sein. Der im Jahre 1883 erbaute, 1886 und 1889 erweiterte Wasserbehälter aus dein Lutherberge saht 1000 Kubikmeter, und der 1894 erbaute Behälter an der Grünbcrger Strahe 3000 Kubikmeter, es standen also insgesamt nur 4000 Kubikmeter Dehälterroum Zur Verfügung Die DorratSräume waren somit unzureichend, und es stellten sich im Sommer 1929 in den späten Rachmittagsstunden auch Wasser­schwierigkeiten ein, indem einzelnen Hochliegenden Wohngebäuden der jetzigen Mitteldruckzone zeit­weise kein Wasser bzw Wasser mit ungenügendem Druck zugelührt werden konnte Aus Antrag des Wasserwerks beschloß der Stadtrat am 18. Oktober 1929 einstimmig denBaueinesöOOOKubik- meter fassenden Wasserbehälters. Es stehen somit heute nach Fertigstellung des

geplant war, nicht mehr in Frage kommen. Der neue Behälter muh 35 bis 40 Meter höher als das zu versorgende Gebiet und, um kostspielige Rohrleitungen zu vermeiden, möglichst in der Dähe der Zubringerleitung Queckborn-Gießen und des alten 3000 Kubikmeter fassenden Behäl­ters liegen, mit welchem er in Dcrbindung stehen muß Unter Berücksichtigung dieser Gesichts­punkte ergab sich der Standort des Behälters 1350 Meter oberhalb des alten Wasserbehälters bei Kilometer 6.6 der Provinzialstrahe Gießen Grünberg. Das in Frage kommende Waldgelände stand im Eigentum der Gemeinde Annerod. Ent­gegenkommender Weise überwies der Gemeinde­rat Annerod bald das nötige. 4000 Quadratmeter große Gelände, wofür als Entgelt eine etwas größere Waldfläche aus dem Gießener Stadtwald der Gemeinde Annerod übereignet worden ist Das Städtische Tiefbauamt. das in Verbindung mit dem Städtischen Wasserwerk den Bau zur Durchführung zu bringen hatte, begann alsbald mit den Dorarbeiten, indem es Dersuchsbohrun- gen niederbrachte, um den Baugrund .festzu- stellen Etwa 1 Meter unter der Erdoberfläche wurde Basalt vorgefunden, auf dem die Erstel­lung des großen Bauwerkes erfolgen konnte. Durch das Dorfinden des Basaltes, der von der Geologischen Landesonstalt Darmstadt untersucht und als gut verwendbar bezeichnet worden ist, wurde eine ganz erhebliche Ersparnis an Fuhr- unö Materialkosten erzielt.

Inzwischen hatte die Bauleitung, nachdem man sich für die Errichtung eines Eisenbeton- behalters entschieden hatte, die Pläne her­

Ein Blick in das Innere. Seitlich die Tragpfeiler, in der Mitte die Lcitwand

| gestellt, die umfangreichen statischen Bercchnun- gen durchgekührt und die Ausschreibung vorbe- reitet. An der öffentlichen Submission haben sich 20 Firmen beteiligt, der Zuschlag wurde der Gichcner Firma M. A b c r m a n n. Hoch-, Ties- iind Eisenbetonbau G. in. b. H. erteilt unter der Bedingung, mit den Arbeiten am 1. April d. 3. zu beginnen und den Bau so durchzufübren. dah nötigenfalls der 'Behälter am 1 September d. 3. in Benutzung genommen werden könne. Die Ausschachtungsarbeiten wurden sristig be­gonnen und in Doppelschicht mit Zuhilfenahme des laufenden Bandes betrieben, die Erde wurde rings um die Baugrube gelagert, damit sie nach Fertigstellung des Betonbehälters ohne langen Weg wieder auf den Behälter gebracht werden konnte. Der unter der Decklage vorge­fundene Basalt wurde in durchschnittlicher Höhe von 1,20 Meter herausgcschossen. oder mit Preh- luftwerkzeugen bearbeitet.

Der insgesamt 58 Meter lange. 33 Meter breite und 3,90 Meter hohe Behälter ist in drei Kammern geteilt, die durch Rohrleitungen miteinander in Derbindung stehen und je mit vier Ent- und Dclüstungseinrichtungen, sowie mit einer Entleerung und einem Ueberlaus versehen sind. Die Außenwände der Kammern haben eine untere Stärke von 500 Millimeter und verjüngen sich nach oben auf 400 Millimeter, während die Scheidewände der Kammern eine durchgehende Stärke von 400 Millimeter erhalten haben Die Zwischen- oder Leitwände in den Kammern, die einesteils für eine bestimmte Strömungsrichtung des Wassers nötig und andernteils zum Tragen der Decke bestimmt sind, haben eine Stärke von 220 Millimeter. Die Außen- und Scheidewände sind aus Eisenbeton, die Leitwände, die keinen Wasserdruck auszuhalten haben, aus Stamps- beton hergestellt. In den Kammern sind ferner 51 Eisenbetonpfeiler von 350x700 Millimeter Querschnitt angeordnet, die. durch Unterzüge mit­einander verbunden, zum Tragen der Decke die­nen. Dor der M i t t e l k o m m c r, die 1500 Kubikmeter Wasser faßt, und zwischen den Sei­tenkammern von je 1750 Kubikmeter Inhalt ist die S ch i e b e r t a m m e r eingebaut, die zur Ausnahme der 500 Millimeter lichtweiten Ein- und Ausgangsrohrleitungcn, der Absperrvorrich­tungen, der Wassermcsseranlage und des Wasser­standsanzeigers bestimmt ist. Die aus festem Basalt gelagerte Betonsohle ist aus 200 Millimeter star­kem Stampfbeton ausgesührt. in welchem zur Verankerung der Außen-, Scheide- und Leit­wände sowie der Pfeiler Eisen eingelegt ist. Der Bassinboden ist in Gesälle ausgesührt, um das in den Kammern bei einer Entleerung befindliche Wasser restlos ausnuhen zu können. Ebenso ist die in Seitenfeldern 300 Millimeter und in-den Mittelfeldern 245 Millimeter starke und mit den Umfassungs-. Scheide- und Leitwändcn sowie Pfeilern ebenfalls verankerte Eiscnbetondecke nicht waagerecht angeordnet, um Riederschlagswasser leicht zum Abslnß zu bringen. Sämtliche 3nnen- und Außenwände des Behälters sind mit wasser­dichtem Zementputz mit Bieberzusah versehen, die Außenwände und die Decke haben außerdem noch einen Barumitanstrich erhalten.

Die an erster Stelle stehende Abbildung xeigt die tn einfachen Linien gehaltene, in Muschelkalkvor­satz ausgcsührte Fassade der Schieberkammer, die von der Grunberger Straße aus sichtbar, mit dem Gießener Stadtwappen geschmückt und mit der AusschriftW asserwerk der Stadt Gießen" versehen ist Die weitere Abbildung zeigt die Pfeiler- und Leitwändeanordnung im 3nnern der Behälterkammern.

Bei dem Bau sind geleistet tooröen; 1912 Kubik­meter Crdaushub. 2248 Kubikmeter Basaltaushub, 600 Kubikineter Stampfbeton für die Sohle und Leitwände, 1200 Kubikmeter Eisenbeton für die übrigen Wände und Decke. 7300 Quadratmeter Zementverpuh und 3500 Kubikmeter Erdtransport zum Bedecken des Behälters.

An Materialien sind außer Basaltkleinfchlag der wie schon erwähnt, an Ort und Stelle aus dem gewonnenen Basalt hergestellt wurde, ver­arbeitet 200 Tonnen hochwertiger Zement, 340 Tonnen gewöhnlicher Zement 1400 Tennen Tluß-

sand und 70 Tonnen Rundeisen zur S^crftdhwg des Eisenbetons.

Am Tage der 3nbc:riebfetzung des neuen Be­hälters wird im Stadtgebiet die dritteDruck - Äone eingerichtet um auch die oberen j-?iv der hochgelegenen Kliniken zu jeder Zeit ge­nügend mit Wasser und ausreichendem Druck versorgen zu können Die einzelnen Druckzonen werden wie folgt begrenzt Der von den An­lagen eingefchlosfene innere Stadtteil wird, wie bisher, von dem auf dem Lutberberge lie­genden 1000 Kubikmeter fassenden Riederdruct- behälter gespeist, der Wasser anS den alten Stollenanlagen im Gießener Stadtwald und au» den Stollenanlagen bei Großen-Buseck erhält. Die Mitteid ruckzone wird aus dem 3000 Kubikmeter großen Wasserbehälter bei Annerod versorgt, dem Wasser aus dem im Jahre 1893 94 erbauten Queckdorner Pumpwerk durch den neuen Wasserbehälter zugeleitet wird Diese Zone um­faßt den übrigen Stadtbezirk mit Ausnahme des Klinikgebictes und liefert Wasser an die Ge­meinden Wicseck und Heuchelheim. Die daS Klinilsviertel umsassende Hochdruckzone wird mit dem neuen Wasserbehälter verbunden und wird ferner die augenblicklich im Bau befindliche Wasserversorgungsanlage der Gemeinde Klein- Linden beliefern. Die einzelnen Druckzonen in der Stadt sind an verschiedenen Stellen durch Schieber verbunden, so daß im Bedarfsfälle, z. B. bei Feuersgesahr. die tiefer gelegene Zone unter Wasserdruck der nächst höher gelegenen Zone gesetzt werden kann. Auch die Behälter sind unter sich durch Rohrleitungen in der Weile verbunden, daß der höher liegende Behälter nach dem tiefer liegenden Behälter automatisch Wasser abgibt. wenn dessen Wasserstand unter eine ge­wisse Höhe sinkt.

Der Ausbau deS Wasserwerks der Stadt Gießen ist durch den Bau eines 5000 Kubikmeter fassenden Wasserbehälters wieder ein gutes Stuck vorwärts gekommen. Wenn nun erst noch die in Aussicht genommene Vergrößerung des Pumpwerks Q.ueckborn bzw die Er­bauung eines Hilfswafserwerks zur Durchführung gebracht wird, dann sind die Stadt Gießen und die an ihr Rohrnetz angeschlosfenen Gemeinden auf eine Reihe von 3ahron mit Trink- und Gebrauchswaffer versorgt, das allen chemi­schen. physikalischen und hygienischen Anforderun­gen entspricht

Kreisumlagenerhöhung im Kreise Biedenkopf.

WER. Biedenkopf. 19 Dez Der Kreis- t o g des Kreises Limburg hat beschlossen. zur Deckung des voraussichtlichen Defizits für das Rech­nungsjahr 1930 die Kreisumlage von 2 3 a u f 35 Prozent zu erhöhen.

Spiclplan der Frankfurter Theater.

Schauspielhaus. Sonntag. 21. Dez 16 bis gegen 18.30 Ubr: Kakadu-Kakada. 20 bis gegen 22.30 Uhr Charleys Tante Montag 22., 20 bis gegen 22 Uhr Sturm im Wasserglas. Dienstag, 23., 20 bis nach 22.30 Uhr Viel Lärm um nichts. Donnerstag 25.. 16 bis gegen 18.30 Uhr- Kakadu-Kakada 20 bis nach 22 30 Uhr: Viel Lärm um nichts. Freitag. 26.. 16 bis.gegcn 18.30 Uhr Kakadu-Kakada 20 bis gegen 22 Uhr: Sturm im Wasserglas. Samstag. 27.. 16 bis gegen 18.30 Uhr. Kakadu-Kakada 20 bis noch 22.30 Uhr: Diel Lärm um nichts

Opernhaus Sonntag. 21 Dez. 15.30 bi« 17.30 Uhr: Hänsel und Gretel. 19 30 bis gegen 23 Uhr Viktoria und ihr Husar. Montag, 22., 15 bis 18 Uhr: Der Tenor der Herzogin 19.30 bis gegen 22.30 Uhr Simone Boccanegra. Dienstag. 23.. 19.30 bis 22 15 Uhr Der flie­gen be Holländer Donnerstag. 25., 17 30 bis gegen 22.45 Uhr Die Meistersinger von Rürnbcrg. Freitag, 26., 15.30 bis 17 30: Hänsel und ©reteL 19 bis gegen 22.30 Uhr: Viktoria und ihr Hn'ar. Samstag. 27.. 19 bis nach 22.45 Uhr Der Rosen­kavalier Sonntag. 28.. 15.30 bis 17.30 Uhr: Hänsel und Gretel. 19 bis gegen 22.30 Uhr: Viktoria und ihr Husar

Felix Klipstein.

3u seinem fünfzigsten Geburtslage

Von A. v. Boeder.

Man kennt ihn vor allem als Graphiker. Don dem schönen Bilderbuch3m Wald und auf der Heide" erzählte der Frankfurter Maler Fried Stern.Holzschnitte, die man nicht von Morgen bis Mittag vergißt" nennt er sie. Jetzt wird Christian Rauchs JahrbuchHessenkunst 1931" eine Reche der ernsthaften und innigen Blätter Klipsteins auch in breitere Kreise tragen Aber in jenem engeren Kreis, der einen Künstler in feiner ganzen Spannweite zu würdigen weiß, hat fein Rome schon lang einen guten Klang. - jenen besonderen der in unserer geldklingelnden Zeit immer seltener wird, den einer ganz echten ganz wahren künstlerischen Persönlichkeit Es ist nicht Zufall, sondern tiefe Ueberzeugung. wenn Klipstein sich fernhält vorn Markt der großen Städte, wenn er allein fein will mit der Erde, die er liebt, ihren Bäumen und Tieren und ein­fachen Menschen so wie er es auch gehalten hat auf seinen weilen Malerreifen in Spanien, Kor^ fika. Italien, Frankreich - es ist, weil er weiß Künstlertum, so wie er es sieht, kann nur leben mitten in seinem Werk. Ungestört durch die Welt mit ihren Ansprüchen, die Zeit mit ihren schwankenden Strömungen, hingegeben dagegen mit unbedingtem Ernst seiner Aufgabe, feiner künstlerischen Sendung. Richt umsonst find der strenge Ingres und der magisch empfindsame Legros feine Vorbilder und Meister. DieserErnst des Handwerks", an den er glaubt, ist sympto­matisch für den Maler und Radierer wie den Holzschnittmckster Klipstein, aber am allermeisten für den Menschen, dessen bedingungs ofe Echt­heit jedes Zugeständnis an außerkünstlerische Zwecke leidenschaftlich verachtet. Rur im unbe­dingten Dienst des Menschen am Werk kann der Künstler das fein, was er sein sollte Träger künstlerischer Lebensgestaltung.

Das kleine Häuschen am Laubacher Steinbruch - übrigens hat kein Geringerer als Lc Corbusier es bauen helfen - ist vielen Künstlern und Geistesarbeitern wohlbekannt. Durch die immer offene Tür geht auch das Getier aus und ein und der Künstler ist mit zwei Schritten bei seinen Modellen, seinen Waldbäumen, Hasen, Füchsen. Vögeln: hier, fo recht mitten Jm WUd und auf

ber Heide", entstand dasBilderbuch", der große Holzschnitt vomHeiligen Franziskus mit den Tieren" Blätter von einer altmeisterlichen Gröhe und Zutraulichkeit*), Oelbildnisse von Freunden und Gästen. Der Philosophenkopf Georg Burckhards, Regina Ullmanns aus- drucksvolle Züge findet man neben einem schö­nen Ingres und demDalou" und dem Epheben" von Legros Das kleine Häuschen, ge­baut wie ein Werkhaus für Waldarbeiter, in dem gelebt wird, wie Jäger und Arbeit.r leben, in einer Einfachheit, wie fichs der heutige Kulturmensch" gar nicht vorstellen kann, ist ein Wcrkhäuschen für Kulturwerte.

Das bedachte ich. wie alle, die diese Künstler- Eremiten besuchen, mit einer Art von Erschütte­rung. Aber auch mit einer Frage Mag es fein, daß der Künstler nur allzu recht hat, wenn er sich die Menschheit vom Leibe hält Indessen diese Menschheit, mit einem höheren Ausdruck unsere Zeitgenannt, die so überaus triftige Gründe hätte, vorhandene Werte zu nützen, darf sie das erlauben? Kann sie sich das leisten, auf ihren Anteil an solcher höchstlebendigen Kraft zu verzichten? Ist nicht dieser Klipstein ein viel zu unentbehrlicher Baustein, ein Eckstein zum Ge­bäude unserer Zukunft? Haben wir wirklich wir im Zeitalter der Iugendbildung. der Land­erziehungsheime. der Jugendbewegung solchen Ueberfluß an Bildnern der Persönlichkeit, an Führerbegabungen, die den Ernst, die Sachlichkeit, die männliche Echtheit fo feurig vermitteln kön­nen wie dieser Immerjunge?

Ein Bries des bekannten Architekten Le Cor­busier liegt vor mir, den ich in Übersetzung bei­füge. Felix Klipstein interessiert mich im höchsten Grad Ich bin ihm sehr befreundet Diese Freundschaft gründet sich aus die Hoch­achtung. die ich für seine Eigenschaften habe ebensowohl die menschlichen als die künstlerischen Als Künstler hat er das intensivste Empfinden für das Beste, er versteht Architektur ebensogut wie Malerei, weil er - vor allem ein lebendiger Mensch ist Es gibt nicht viele, von denen man das sagen kann. Ünd die jetzt, in dieser Epoche ungeheurer Umwälzung, nicht das Leben verstehen, sind Egoisten oder Feiglinge, oder Menschen, die sich in d.e Engigkeit ihrer Vor­urteile verkriechen.

*) Geschnitten von dem jungen Karlsruher Holzschneider Ernst Feuerstein.

Wenn je Felix Klipstein sich mit Jugenderzie­hung befassen will, wünsche ich allen Glück, denen seine Gaben zugute kommen

Denn die Erziehung besteht vor allem dann, tn dem Kinde die Lebenskräfte zu wecken, die in ihm sind. Ich war fo glücklich, in meiner Kindheit einen Lehrer zu haben, der diese Eigenschaft be­sah er hat mir Tore aufgetan! Dies ist, in Wahrheit, die herrliche Aufgabe des Erziehers

Felix Klipstein wird gewiß auf diesem Wege wahre 'Befriedigung finden, denn wenn es unter Erwachsenen nicht immer ohne Reibungen abgehen mag bei der Beschäftigung mit der Jugend findet man einen herrlichen Lebens­zweck

Kuriose Warnungsschilder.

Reben wirklich witzigen betont luftigen War- nungsschildern gibt es in aller Welt auch un­zählige, die unabsichtlich kurios sind Schon, wie man die Tafeln anbringt, ist oft lächerlich 3m Ostscebaö Brösen ist im Walddickicht eine Warnungstafel hingestellt, die den Leuten ver­bietet. ..hierherzugehen" Man muh natürlich erst in das verbotene Gebiet, um die Warnung überhaupt lesen zu können.

Wanderer, kommst du nach England, da wirst du in Wallis, das sehr viel den Ueberschwem- mungen ausgesetzt ist. an einem Pfahle folgendes lesen, wenn man es nicht schon entfernt Hai ..Wenn diese Aufschrift unter Wasser steht so ist der Weg nicht fahrbar.'" 3n einem irischen Dorfe findet man in der Rähe einer elektrischen Anlage folgenden Anschlag ..Das Berühren der Drähte bedeutet sofortigen Tod. Zuwider- handelnde werden bestraft." ..Das Aus- und Ankleiden ohne Badehutte am Ufer des Sees zwilchen Kilometer 35 und 36 ist verboten'" sagt eine polizeiliche Vorschrift in Seebruck am Chiemsee Aber anstatt diese Worte in ihrer trockenen Sprache auf einer Tafel niederzulegen Haden die Gesetzeshüter chrer Verfügung ein kurioses Mäntelchen umgehängt An der Strahe ist eine Tafel angebracht auf die das Gestade des Chiemsees aufgemalt ist. 3m Wasser tum­melt sich Menschenvolk, am Ufer steht eine Sau von rosiger Haut und großer Korpulenz, die zuschaut. Diese Strophe steht darunter.

.Wer hier gewandlos geht vom Kopf bis zu den Füßen,

Muh diese Sauerei mit harten Talern buhen.

Gewandlos geht das liebe Vieh und auch das Schwein.

Ein solches willst du schließlich doch nicht sein!" Eine Kopie der Tafel wurde übrigens bei dev Berliner Polizeiaisstellung 1928 gezeigt An einer Badeanstalt stand zu lefenDas Betreten des Frauenbades ist den Männern verboten Der Badediener gilt nach § 8 der Badeordnung als Frau Der Badedirektor." Eine immerhin nicht alltägliche Polizeiverordnung wurde 1874 in Deddo erlassen Dort hatten sich in kurzer Zeit mehrere Fälle ereignet, dah kleine Kinder sich Verliesen und ihren Eltern erst nach vieler Muhe wieder zugesuhrt werden konnten. Die praktische Polizei befahl daher dah alle Kinder stets eine Marke mit Rainen und Wohnung tragen sollten.

Wanderer kommst du in das bayerische Hoch- land, da steht oder stand wenigstens eine Säule mit einer Warnungstafel

..Wer hier den Wiefenweg betritt Zahlt auf der Stell' acht Groschen. Und wer das Geld nicht hat dem wird Am Leib es abgedroschen'"

Wanderer, bist du Autofahrer, so wandere mit deinem Auto, und saufe nicht immer, sonst siehst du nichts von der schönen Ratur' In Amerika geht man dazu über, an Kurven ur.ö Wegkreuzungenhumoristische" Warnungstafeln anzubringen. Hier ein paar dieser freundlichen HinweiseKrematorium zweite Strahe links'" - Vollgas nur. wenn Sie Ihr Testament gemacht haben'" -Haden Sie ein ständiges Konto bei Zhrem Arzte?" - Am Eingänge des französi­schen Dorfes Arcillac ist diese Warnungstafel zu findenFahren Sie langsam, so sehen Sie unter Dorf Es ist sehr hübsch Fahren Sie schnell, so sehen Sie unser Gesängnis. Es ist sehr keucht'" In Görlitz wurde 1930 eine Warnungs- tafel erridjtet. die nach amerikanischem Muster zur Vorsicht ermahntDas Leben ist schön ge- sährde es nichtl Langsam einsahren! Rechts halten!" Darüber ein Totenkops mit zwei Knochen.

Aette Derschen ermahnenden Inhaltes werden unterwegs immer gern gelesen und warum auch nicht beherzigt? Auf einem großen Steine in der Märkischen Schweiz steht

Betrachtet diesen wüsten Ortl

Hier warf ein Mensch fein Streichholz fort Und ward durch besten Funken

Fahrlässig zum Halunken!" G. K.