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absehbarer Zeit dazu übergehen werden, ihre Lore für eine Einwanderung größeren Umfangs wieder zu öffnen. So dünn diese Teile der Erde auch im großen und ganzen erst bevölkert sind, so geben ihnen doch die Fortschritte der modernen Technik noch auf viele Jahre hinaus die Möglichkeit, ihre Nachfrage nach Ar- bcicskraften aus dein natürlichen Bevölkerungs­zuwachs zu befriedigen. . In den Vereinigten Staaten tonnten innerhalb fünf Jahren mehr als drei Millionen Menschen vom Lande in die Städte abwandern, wahrend die landwirtschaftliche Erzeugung auf verminderter Anbaufläche infolge wachsender Inanspruchnahme mechanischer Kräfte noch stieg. Die Mechanisie­rung der Landwirtschaft schreitet aber auch in Kanada, Argentinien und Australien in immer rascherem Tempo fort, und da auch in den In­dustrien noch immer weiter menschliche Arbeits­kräfte durch maschinellefreigesetzt" werden, so ist selbst nach Wiederkehr normaler Verhältnisse nicht so schnell mit einem neuen größeren Be­darf für fremde Arbeitskräfte zu rechnen.

Für dieVölker ohne Raum" ist diese Tendenz zur B'.ldung geschlossener Arbeitsmärkte um so verhängnisvoller, als auch die Zoll­mauern trotz aller auf ihren Abbau gerichteter Bestrebungen noch immer weiter erhöht werden, wobei ebenfalls die führende überseeische Wacht, die nordamerikanische Union, mit schlech­tem Beispiel vorangeht. Deshalb drohen sich auch die Möglichkeiten,Waren statt Menschen auszuführen", weiter zu verringern, um so mehr, als die Industrien in den dichtest bevölkerten Ländern in 'wachsendem Maße auf finanzielle Hilfe aus dünner besiedelten und gerade durch die Verfügungsgewalt über unausgeschöpfte na­türliche Hilfsquellen reicheren Ländern ange­wiesen sind Immer größere Teile der europäisch- amerikanischen Kulturmenschheit drohen infolge­dessen von den zukunftsreichsten Arbeits- wie Absatzmärkten mehr oder weniger auSgescha- t e t zu werden.

Es leuchtet ohne weiteres ein, daß sich aus dem Zusammenwirken von Einwanderungsdrosse­lungen und Erhöhungen der Zollmauern nur neue Kriegsgefahren ergeben können, wenn nicht maßgebende Kreise in allen Ländern durch die Weltwirtschaftskrise, die in Wirklich­keit nur ein Ausdruck für eine allgemeine Krise der Kultur des Abendlandes bedeutet, zu voller Besinnung kommen und sich dazu aufra fen. zu wirklich großzügigen Entschlüssen miteinander Fühlung zu nehmen, aus der gegenwärtigen Weltmißwirtschaft durch eine vernünftige Welt- Wirtschaftsführung ^:rcu d.itommcn Cs mag not­wendig fein, die alte, ungeregelte Auswanderung zu liquidieren, aber es ist nicht minder not­wendig, einer neuen, geregelten Aus­wanderung durch planmäßige Er­schließung unentwickelter Gegenden die Wege zu ebnen. Der ehemalige Reichs­bankpräsident Dr. Schacht hatte vollkommen recht, als er während seines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten auf einen Einwand. Deutsch­land müsse vernünftig werden, schlagfertig ant­wortete. die Welt müsse vernünftig werden. Entweder kommen die derzeitigen Herren der Erde von selbst zu der Einsicht, daß sie die Arbeitslosigkeit in den verschiedenen Ländern, soweit sie auf gemeinsame weltwirtscha tliche Ur­sachen zurückzuführen ist. au neuen Wegen inter­nationaler Arbeitsbefchaf ung, vor allem durch kolonisatorische Unternehmungen größten Stils, die die Voraussetzung für eine neue Maffenauswanderung aus übervölker­ten -Ländern schaf'en würde, überwinden helfen müssen, oder es kommt, wenn auch vielleicht erst nchh neuen kriegerischen Verwicklungen, schließ­lich zu einem so mächtigen Zusammenschluß von Boltern ohne Raum", daß berem Anprall keine chinesischen Mauern standhalten können.

vrotestkundqebung des Darmstädter Lehrervereins. WSR. Darmstadt. 19. Dez In Verfolg der Bestrebungen gegen die geplante Verlegung der Pädagogischen Akademie von Darmstadt nach Mainz, die in den letzten Tagen immer stärker hervorgetreten sind, oeranfia tote der Darmstädter Lehrerverein am Donners ag eine Versammlung, um gegen öie Aufhebung des genann­ten Instituts zu protestieren. Die Ver­sammlung an der auch der Oberbürgermeister und Vertreter der 6tabtratS«5raIti">nen teilnahmen, faßte eine Entschließung, in der es u a. heißte Die im überfüllten Saale derKrone" ver­sammelten Lehrer und Lehrerinnen der Stadt Darmstadt und ihrer Umgebung erheben gemein­sam mit dem geschäftsführenden Ausschuß des He fi chen Landcslehrervereins entschieden W der- spruch gegen die geplante Aufhebung des Darm­städter Pädagogischen Instituts und feine Ver­legung nach Mainz. Die Stadt Darmstadt, die bis zum Jahre 19' Drei Lehrerbildungsanstalten be­saß. hat aus wirtschaftlichen und kulturellen Grün­den berechtigten Anspruch auf eine Aus­bildungsstätte für künftige Vllkäschullehrer. Die Aufhebung des Pädagogischen Instituts am Orte der Hochschule hätte mit Sicherheit trotz aller gegenteiligen Versicherungen die Beseitigung Der akademischen Lehrerbildung zur Folge. Die Lehrerschaft würde ihre Ausbildung wieder ab- seits vom allgemeinen Bildungsstrom erhalten Die äußere und sehr rasch auch innere Loslösung von der Hochschule wäre nur eine Folge der Zeit Die Versammlung sieht in der Zusammenlegung der beiden Institute in Mainz die Gefahr einer einseitig weltanschaulichen Beeinflussung der Leh­rerbildung und damit des gesamten Lehrernach­wuchses überhaupt Die Kulturp litik bekäme noch mehr als bisher eine be'limmte F rbi ng und Rich­tung, die von der großen Mehrheit des beJiKben Dolkes abgelehnt wird. Die Versammlung richtet deshalb an die Staatsregierung das brin« gendeErsuchen.dasDarmstädllerPä- dagogi sche Institut nicht aufzuhe­ben, sondern beide Institute bestehen zu lassen. Sollte sie trotzdem entschlossen sein, die Lehrer­bildung in ihrer derzeitigen Form zu opfern, so müßte sich diese Schul- und Kulturpolitik mit Be­stimmtheit bitter rächen.

Eine Erklärung des Staatspräsidenten

WSR. Darmstadt, 19. Dez. Heber die Aus­sprache mit dem Hessischen Evangelischen Landes­kirchenamt, vertreten durch Prälat D. Dr. S i e b I und Oberkirchenrat Dr. Müller, erfahren wir, daß Staatspräsident Dr. Adelung daraus bin» gewiesen hat, daß keinerlei Deeinträch igungen evangelischer Jnteresten erfolgen werden. Das hes­sische Schulgesetz, nach dem etwa zwei Drittel der Lehrerstellen mit evangelischen und ein Drittel

Sie Reichskanzlei in Berlin vollendet.

Der 'Juuoau Oer Uieichsianztei ist uollenöei worOen. Die hintere Front des Neubaues. Lieber dem Eingang der in Bronze gegossene Reichsadler, ein Werk von Professor Gies (Berlin).

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Das neue Gießener Swdeinechavs.

Das Gießener Studentenhaus ist seiner Bcstimmung übergeben. Der Vorsitzende der Gie­ßener Studentenhiise, Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Eger, gab am Freitagnachmittag den Vertretern Der hiesigen Presse Gelegenheit, das Haus zu besichtigen

Das Studentenhaus in Gießen ist ein Glied in der Kette einer Anzahl solcher Heime, die durch die Studentenhilfen, die in der OrganisationStu­dentenwerk" zusammengeschlossen sind, unter der Mit­hilfe des Staates, der Provinzen, Kreise und Kom­munen errichtet worden sind 14 solcher Heime existieren nunmehr in deutschen Universitätsstädten, und das Gießener Haus ist eines der repräfentabeb [ten, eines der jchu sten, obgleich man in allen Teilen sich der größten Einfachheit und Sparsamkeit befleißigte In glückt cher Vereinigung von Form und Zweck hat man mit vereinten Kräften etwas geschaffen, das Der Stadt zur Zierde gereicht Das Heim Dürfte zugleich für Die Universität und auch für Die Stadt in hohem Maße werbend wirken. In erster Linie ist das Bauwerk bevorzugt durch Den giii ft gen Platz, Den es am Ende der Ludwig- straße gefunden hat Das Studentenhaus soll den Romen

yindenburg.Haus"

fuhren. Es fall eine Stätte der Einigkeit fein. Der Reichspräsident hat bereits feine Zustimmung zu der Benennung gcg.ben

Von einer offiziellen Einweihungsfeier Des Ge­bäudes sah man ab. Vor einigen Wochen wurde es in Anwesenheit des Staatspräsidenten Dr. Ade­lung übernommen. Eigentümer ist der Verein Gießener Studentenhilfe. Gebaut wurde das Heim aus Mitteln, die aus den verschiedensten OueUen flössen Bisher wurden dafür insgesamt 504 500 Mark aufgewandt. Damit konnte allerdings das Haus nicht völlig ausgebaut werden Räume und Einrichtungen, die vorerst noch entbehrt wer­den können, harren noch der Ausstattung Zu der genannten Gesamtsumme gab das Reich 200 000 Mark, die den Grundstock darstellten, 125 000 Mark gab der hessische Staat, 30 000 Mark wurden durch die Vermittlung der hessischen Landeskirche aufge­bracht, die Provinz Oberhessen gab etwas über 7000 Mark, die Kreise 5400 Mark und die einzelnen Ge­meinden insgesamt 1900 Mark. Durch Mitglieder des Lehrkörpers der Universität wurden 21000 Mark aufgebracht, öffentliche Körperschaften steuer­ten 15 000 Mark, die Industrie, Handel und Ge­werbe 5000 Mark bei, außerdem wurden durch Ver­anstaltungen, Sammlungen und den Mitgliedsbei- trägen der Studentenhilfe eine ansehnliche Summe aufgebracht Reben diesen finanziellen Unterstützun­gen wurden der Studentenhilfe noch Zuwendungen an Materialien zuteil. Hier machten sich besonders die Buderusschen Eisenwerke, die AEG., die Iun- kerswerke Dessau u. a. m verdient

Der Entwurf des Studentenhauses stammt von Regierungsbaurat von Der Leyen, Der vor einiger Zeit nach Darmstadt berufen wurde Die weitere Bearbeitung der Pläne und die Bauleitung effolgte durch Architekt Schmidt unter Mitwirkung seines Bauführers Vogel

Als den spiritus rector und eifrigsten Förderer darf man Se. Magnifizenz den Rektor Prof. Dr. Eger ansprechen, der sich von jeher in hohem Maße um die Schaffung des Heims bemühte.

Mit dem Bau bzw. mit der Vorbereitung des Geländes wurde am 15. Dezember 1928 begonnen und der Grundstein am Sonntag, 2. Juni 1929, ge­legt Seit einigen Wochen ist das Haus in Betrieb genommen worden und

birgt bereits 40 Studenten, die dort in Einzel­zimmern Wohnung gefunden hoben.

Die Vorderfront ist auf das einfachste gegliedert! fie erfährt ledoch eine Belebung durch zwei Dckr- bauten, die sehr gut Wicken und das Haus or­ganisch mit der Straße verbinden. Der gesamte Gebäudekompler, der sich um einen Lichthof grup­piert, schließt die Ludwigstraße in großartiger Weise ab Ein durchaus harmonisches Verhältnis lebt in den Fenster- und Mauerflächen Eine breite Freitreppe führt zu dem aufgeteilten Por­tal. Leider fehlt dem Hause noch der Verputz.

Beim Betreten der großen Vorhalle peuch­ten dem Besucher gedämpfte und doch warme Far­ben entgegen. Einzigartig ist das Rot der breiten Haupttreppe, die zum ersten Obergeschoß führt. 2m Erdgeschoß, das den Cintretenden nach dem Passieren des Windfanges aufnimmt, be­finden sich zur rechten Hand die Gard^-oben für 500 Personen, Toiletten, Wi.tschastLräume

Im er st en Obergeschoß finvti man einen großen ©aal, der die ganze Südfront des Rück- gcbäudes einnimmt und aus hohen Fenstern viel Licht erhält. Dieser Saal ist in der Hauptsache als Au.enthalts- und Ge el sch ifls.aum gedacht und zu einem Teil an einer Schmalseite bühnen­artig erhöht Der Halle vorgelagert ist eine Ter­rasse, die jedoch noch nicht fertiggestellt ist. Dem großen Saat gegenüber liegt ^er Speise­saal, in dem 250 Personen Platz haben. Aus der einen Seite ist der Speisesaal durch das sog Ruhnzimmer fals Lese- und Spielraum eingerich­tet) mit der Halle indirekt verbunden! auf der an­deren befindet sich die Küche, von der aus beide Säle auf dem kürzesten Wege bedient werden kön­nen Im Speisefaal selbst gibt es kein ei ;ent- liches Bedienungspersonal. die Speisen werden zwar vorgerichtet, aber ieder Student muh sich vom Büfett aus seine Gerichte selbst an seinen Platz bringen

Zur Zeil werden etwa 400 Studenten verköstigt.

In derMensa" kostet das Essen wie in allen ähnlichen Instituten deutscher ilnmerfitäten, 60 Pfennig - Die Küche ist auf das modernste ein­gerichtet.

Jn> zweiten Obergeschoß befinden sich sodann die E i n z e l w o h n z i m m e r für elf Studenten. Außerdem birgt di.ses Stockwerk noch das Zimmer des Vorsitzenden der Studenten­hilfe, ein Zimmer für den Geschäftsführer des Hauses, einen größeren Bureauraum und ein Schreibzimmer, ein Musikzimmer und noch ver­schiedene andere. Ein größerer Raum soll als Tagesraum fürStudentinnen Verwen­dung finden.

Im dritten Obergeschoß ist ebenfalls eine größere Anzahl von Studenten- Ei nzelziw. mern eingerichtet, in denen sich die Studenten Wohlfühlen können Wenn diese Zimmer naturgemäß auch nicht groß sind, so entsprechen sie doch den Anforderungen, um so mehr, da sie mit allem Rotwendigen versehen sind. In dem gleichen Stockwerk sind auch die' Zimmer der Wirtschafts ü^renöen Schwestern untergebracht, während die Zimmer für das Hilfspersonal im Dachgeschoß liegen.

Die Räume sind ohne Unterschied sehr einfach, aber doch freundlich ausgeftaitet

ileberall geschmackvolle Tapeten in gedämpften Farben, überall fließendes Wasser, ein sauberes Bett, ein glatter Schrank, Stühle, ein Tisch, der geschickt konstruiert ist und den Studenten sehr gut als Arbeitstisch Dicnste leistet.

Betrachtet man das Haus in seiner Gesamt­heit, so darf man mit Recht sagen, daß hier etwas geschaffen worden ist, das seinen Zweck voll zu erfüllen vermag.

mit katholischen Lehrern besetzt werden, schließe eine Benach,eiligung einer Konfession in Hessen aus, wo immer die Ausbildung der Lehrer auch erfolgen möge. Beide Institute in Darmstadt und in Mainz wurden bei ihrer Errichtung der Tech­nischen Hochschule angegliedert, und an beiden unterrichten im wesentlichen die gleichen Dozenten. Die Regierung ist willens, die hochschul- mäßige Form der Lehrerausbildung nicht anzutasten, im Gegenteil, auf deren weitere Entwicklung bedacht zu fein. Mit Ent­schiedenheit werde aber die Hereintragung kon­fessioneller Gesichtspunkte in die Zusammen­legungsfrage abgelehnt. Das hessische Volksschul­wesen sei simultan und werde simultan bleiben, wie das im Dolksschulgesetz vorgesehen ist.

Aeue Reichsbanknoten.

Die Reichsbank hat einen neuen Typ von Bank­noten geschaffen, als deren erster Wert die 20° Reichsmark-Rote nunmehr dem Verkehr übergeben

wird Die 10-Reichsmark°Rote folgt in wenigen Wochen, 50er. 100er und IQOOer sind in Arbeit Dem Wunsche, in den Reichsbanknoten das Schas- unb Streben des deutschen Volkes zu versinn­bildlichen, wurde durch die Wahl der Bi d lisse entsprochen, die hervorragende Persönlichkeiten aus Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie, Han­del, Wissenschaft und Kunst darstellen. Die jetzt zur Ausgabe gelangende 20-Reichsmark-Rote tragt das Bildnis von Werner v. Siemens, die Rote zu 10 Reichsmark wird das Bildnis von Thaers zeigen. Der jeweiligen Vorderseite ent­spricht auch die Rückseite, deren schmückende Mo­tive mit dem Bild auf der Vorderseite überein* stimmen.

Bei der Herstellung der neuen Roten gelangen alle techni schen Reuerungen 6« letzten 2a&re zur Anwendung. Mit der Anfertigung eines Reliefs für die Rückseite und dann des ganzen Entwurfes wurde der Bildhauer Pro­fessor Langer in Düsseldorf beauftragt. Sein im Zusammenwirken mit dem Reichskunsttvart und

den notentechnischen Sachverständigen hergestekkk« Entwurf bildete die Grundlage für die Arbeiten der Reichsdruckerei, die bei der technischen Aus­führung der Roten ganz neue Wege beschritt. Durch Hinzunahme des Stahldruck verfah­rens zu dem bisher angewandten Buchdruck- verfahren ist sowohl der äußere Eindruck der Rote, wie auch ihre Sicherung legen Fälschungen noch wesentlich ver­bessert worden. Bei dem jetzt verwendete« Papier wurde erstmalig versucht, das gestochene Porträt auf den Geldscheinen auch als Wasser­zeichen erscheinen zu lassen. Die Versuche hatten sich auch auf die Hebung der Qualität des Pa- pieres erstreckt. Das Ergebnis äußert sich in dem gut gelungenen Wasserzeichen und in der wesentlich erhöhten Festigkeit des Papiers, dessen Widerstandsfähigkeit das Doppelte des bisherigen beträgt.

Aus Der provinzialhaupistovi.

Gießen, den 20. Dezember 1930.

Deihnachtswünscher

Don Gg. Heß, Leihgestern.

E hidsch Geschenk fir grüß ean flaa: »Seid Weihnoacht all gesond betnaa* Doas eas, soweit aich mir'sch bedenke, D's Schienst', rooas Ehristteand u's kann schenke. Eas Gesondheit uch befeuere1) Winscht aich alle Soacg' ean Niere'), Däi eam Leawe auch bedrecke.

Kennt'r fot on Nodpol schecke.

Ean als Letztes keem bann eascht Woas de alles soll begeascht. Ioa aich kenn' Däi Winsche all: En Schoackelgaul sir'n klaane Kall, En Säwil un'n Trompetche.' E Boppa winscht sich's Gretche. Woas will bann u's Theresche?" E rosa seiren Hösche." Die Ruth e Dasch met Reißveschluß, Die Hedwig protzt ean voll Verdruß Spielt säi o ihrem Zöpche. Hält gern e Buwiköpche. De Hans, der will e Violin, Ean Photo wünscht sich Fridolin. Woas mancher sich ersehnt eam Draam, Leit endlich inner'm Weihnoachtsboam. Doau) gebt's im die Weihnoachtszeit, Aach viel U'zefrirreheit. Mancher Wunsch wird näit ersellt. Manche Hofsning näit gestellt

Die Verb wollt' Weihnoacht sich vewowe, säi Hot dieZwanzig" schul weit doowe De Hausroutt) Hot se hibsch beinaa, Do läih ihr Leps vir kurzem saa: Die Berd konnt's goar näit faste Es bet em noach näit basse." Aach die Hausfraa, ganz gehroache, Seufzt:Mann, bau hast mir'sch boach vesproache, Dou host D's ganze Iouhr gesaat, Häst zou em Mantel mir gefpaat.

Etz hoste blus Däi woarme SchouhH, Ra dornet mächste mich näit srouh"°). ..Ach Lisbeth", saat ihr Mann ean grinst, . Woas glaabste bann, nur aan Debinst, Die Miet', be Haushalt ean bie Steuer, Es eas haur alles goar zou beucr. Wer näit dankt fir Klaanikeire, Der eas grob ean u'beschsire."

Reamm sich jeder Doas z' Herze, Dout uch Weihnoachl näit oescherze. Zeigt uch dankboar allezeit, Aach fir jede Klaanigkeit.

Hoste viel, bou bich erboarme Gead o Weihnoachl nach be Darme. Wann bou host bäi bäglich Brub, Denk nach A n n e r n ean be Nut, Dann eas Weihnoachl ean beim Herze, Beime Baam voll Weihnoachtskerze Winsch aich eas nach oarm die Zeit, Jedem Mensch Zefrirreheit.

l) beschieben;) Nöten:) Aussteuer;) Schuhe; 5) froh.

Gießen im Lied.

Zwar heißt der Titel des Büchleins, daS Louis Frech vor kurzem veröffentlicht hat, ganz bescheiden nurLieder", aber aus man­cherlei Gründen erscheint die hier gewählte Heber» schrist angebracht. Heber die Persönlichkeit des Verfassers bedarf es keiner langen Worte. Gr ist einalter Gießer" von echtem Schrot und Kom und zahllosen Mitbürgern unserer Stadt seit manchem Jahrzehnt bekannt: wer ihn tennt, schätzt seine offenherzige, gerade Art, sein freund­liches Wesen, sein fröhliches, immer jungeS Gemüt.

Im Geleitwort seines Liederbüchleins deutet Louis Frech an, wie die Lieder entstanden sind.Die Anregung, den Pegasus zu besteigen, gaben mir die vielen feucht-fröhlichen und un­vergeßlichen Stunden, die ich mit Freunden aller Stände und Berufe verlebt habe: aber auch die Liebe zu meiner guten, alten Vaterstadt, ihren Insassen im allgemeinen und ihren lieblichen Töchtern im besonderem" Als Zweck dem Dichter selber aber zur Freude und Genug­tuung - erscheint ihm. wenn die Lieder die Sänger in fröhlichem Kreis und die Leser bei traulichem Lampenschein an die glücklich re Ver­gangenheit erinnern, an die Tage unbeschwert« Jugend.

DieLieder" sind in vier Abteilungen geglie­dert:Gießen",Erinnerungen",Geselllgkeit* undAllerlei". Die weitaus größte und vielleicht auch bedeutendste ist die erste Qlbteilung. Aus jedem einzelnen dieser Lieder spricht des Dichters Liebe zur Vaterstadt. In derGründung von Gießen (11291132)" erzählt erin zierlichen Knüttelverslein" die mehr sagenhafte, als histo- rische Geschichte der Entstehung Gießens und ihres Zusammenhangs mit der. Burg Gleiberg und dem Kloster Schiffenberg. Mit dichterischer Freiheit werden auch noch in weiteren Liedern Szenen aus der Geschichte unserer Stadt, des Schiffenbergs und vor allem des Gleibergs ge­schildert. Mit treffendem Humor und ohne einen deutlichen Ausdruck, wo er am Platz ist, zu scheuen wirdder Lotzekasten" beschrieben, bie einzige Gaststätte ihrer Art in Gießen.

In denErinnerungen" sind die Lieder wie auch in den übrigen Abteilungen, mit stim­mungentsprechenden Melodien zusamm en­gest eilt, die an die Jugend erinnernvoll Seh­nen, Hosfen und Verlangen", an die Zeit, da es auf eine in fröhlichem Kreis verbrachte Rächt