Ausgabe 
20.10.1930
 
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Nr. 245 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Montag. 20. Oktober M0

Spaniens ernste Stunde

Don unserem v. Oss.-Derichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Madrid, Oktober 1930.

Die während der siebenjährigen Diktaturperiode von verschiedenen Gruppen so heiß ersehnte so­genannte Freiheit beginnt sich allmählich immer mehr bemerkbar zu machen, und zwar auf eine Weise, die einem die Gänsehaut kommen läßt. Wer diesen freiheitlichen Idealzustand aus der vordiktatorialen Zeit in Spanien kennt und weih, wie er sich ausgewirkt hat, legt keinen Wert dar­auf, noch einmal so eineglückliche" Periode in diesem gesegneten Lande der Sonne mitzumachen. Riernand von denen, die ein bihchen politische Witterung haben, ist sich im unklaren darüber, wohin die Reise geht. Der politische Horizont Spaniens hängt voller schwerer Wolken und das geisterhafte Wetterleuchten nimmt be­denklich zu. Für feine Ohren ist das ferne Rollen des Donners schon bemerkbar, das auis Rordosten der Halbinsel dumpf herüberPngt, in die kastilische Hochebene, und dessen Echo aus dem Süden und Rordwesten ganz bedenklich wider­hallt. Die Kräfte des Unfriedens sam- meln sich, der Zerstörungswille macht mobil und hält Heerschau ab über seine Streitkräfte, wäh­rend idiotische Freiheitstheoretiker einem politisch unmündigen Volke schwülstige Phrasen vor­dreschen und aus ihren Weichen Klubsesseln her­aus Salonrevolutionen konspirieren.

Wenn man sich ein Bild über die politische Zukunftsentwicklung des Landes machen will, muß man sich die Kräfte näher ansehen, die zum Einsatz kommen sollen. Drei große Gruppen sind es vor allem, die in den Kampf treten werden. Zunächst die allbekannten Berufspolitiker der vordiktatorialen Zeit, die man schon lange tot geglaubt und die plötzlich wieder zum Leben erwacht sind. Sie tun so, als ob nie etwas in Spanien passiert wäre, als ob ihr übles Gebaren nicht eine siebenjährige Diktatur heraufbeschworen hätte. Mit einem herzerfreuen­den Zynismus gehen sie erneut an ihre verderb­liche Arbeit, errichten wieder ihre alten Lokal­diktaturen übelsten Angedenkens, nützen ihre wirt­schaftliche Lleberlegenheit über bu> von ihnen ab­hängigen Dorf- und Stadtbewohiier aus, schieben und vergewaltigen, fälschen und erpressen. Er­nennungen von Bürgermeistern, Gemeindesekre­tären und Amtsrichtern, ihre Versetzung oder Absetzung, wenn sie ihnen nicht zu Gesicht stehen, halten diese Herrschaften für die einzig nötige Wahlpropaganda". Haben sie die richtige Be­setzung der obengenannten Stellen erreicht, lassen sie den lieben Gott einen guten Mann sein und sehen beruhigt in die Zukunft, denn unter diesen Umständen muß es ja klappen. Wehe denen, die etwa Widerstand leisten wollten, kein Mit­glied Der Familie fände mehr Arbeit, hungern mühten sie und betteln gehen, wenn sie sich den Luxus einer eigenen Meinung erlauben sollten. Bei dieser abstoßenden Gruppe spielt die eigent­liche politische Richtung keine Rolle, sie setzt sich aus Konservativen (d. h. der sogenannten konser­vativen Partei) und den regierungsfähigen Libe­ralen zusammen, deren Ideal die streng geordnete Ablösung in der Regierung des Landes ist. Charakteristikum dieser Richtung ist das fast völlige Fehlen wirklicher Anhänger im Volk, der rahmenartige Aufbau und die auch heute wieder trotz jener Eigenart oder vielmehr gerade wegen ihrer Eigenart große Aussicht auf Erfolg im sogenannten Wahlkampf. Das Volk und die politischen Gruppen aller Richtungen hassen sie wie die Pest und trotzdem sind sie eine Macht.

Dieser Gruppe gegenüber, die sich durch ihre Arbeit im Stillen, ihre Konferenzen hinter ver­schlossenen Türen auszeichnet, steht d i e Gruppe der Aktivisten, deren Erschei­nen auf der politischen Bühne Spaniens eine begrüßenswerte Folgeerscheinung der Diktatur ist, bemüht sie sich doch, in die politische Lethar­gie des Landes Schwung und Leben zu bringen. Sie teilt sich in zwei Lager, in das repu-

Oberhessischer Kunstverein.

Eröffnung der Wintersaison 1930/31.

Gestern. Sonntag vormittag, wurde eine neue Ausstellung im Turmhaus am Brandplatz eröffnet, mit welcher der Oberhessische Kun st verein feine winterliche Saison einleitet. Die Ausstellung bringt Arbeiten von R. Sieck, Prien am Chiemsee (Del, Aquarell, Tempera), Gottfried Richter, Offenbach a. M. (Del, Aquarell) und Julius Held, München (Aquarell).

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Sie macht im Gesamtbilde infolge der fast aus­schließlichen Behandlung von Landschaftsmotiven zunächst einen nicht gerade abwechslungsreichen Eindruck und wird eher durch die verschiedenartige Technik und die z. T. wohl generationsmäßig bedingte malerische Haltung der drei Künstler ein wenig variabel gestaltet. Wir haben unter all den Pleinairs und Landschaften nur ein einziges Stil­leben gefunden: es würde die Anziehungskraft, das Interesse des Publikums und die Diskussion über die Veranstaltungen des Kunstvereins u. E. beleben und steigern, wenn die Ausstellungen sofern es sich nicht um eine Kollektivschau oder den Ueberblick über das Gesamtwert eines Einzelnen handelt etwas vielseitiger (im Stil und im Stoff, nicht in der Zahl der vorgeführten Werke und Persönlichkeiten) gestaltet würden.

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Die vordere Hälfte des Raumes beherrschen Oelbilder und Aquarelle von Gottfried Richter (Offenbach): er ist, stilistisch jedenfalls, der Jüngste in diesem kleinen Kreise, der Fortschrittlichste unter den dreien. Er matt Landschaften, wobei er mit Vor­liebe das Weichbild, die Ausläufer und Vororte eines Stadtbezirkes als Kulisse oder Hintergrund einbezieht. Er malt stellenweise recht pastös, mit ge­drungenem Farbauftrag, manchmal aber auch ganz trocken und stumpf. Er gibt die Dinge realistisch, sachlich, oft mit harter Konturbetonung, ist aber allenthalben neben dem Gegenständlichen auch auf koloristische Pikanterien bedacht. In diesem Sinne sind etwa die erst bei angemessener Entfernung des Beschauers das Bildganze pointierenden, kleinen weißen Flecke einer Gruppe von Gänsen ... inner­halb einer an sich gar nicht kleinlich angelegten Freilichtszenerie aufzufassen. Bei dem rechts neben­an hängenden Bild wäre der koloristische Geschmack in der Nuancierung der den Hintergrund adschlie- ßenden Häuserfronten zu beachten. ImVorfrüh-

b l i k a n i s ch e und dos monarchistische. Die erstgenannte Richtung seht sich zusammen aus den republikanischen Liberalen, den verschiedenen alten republikanischen Parteien und aus den Sozialdemokraten. Das unsympathischste Element dabei bilden die sogenannten Intellektuel­len, die in Verbindung mit ein paar Tausend unreifer Studenten durch Straßendemonstra­tionen, blöde Aufhetzerei und Schlagwortakro- batit glauben Politik machen zu können. Eie ge­fährden eine ruhige Evolution, sind der Svzial- demokratte ein Dorn im Auge und werden niemals ihr Ziel, die Errichtung einer Republik in Spanien, erreichen, es sei denn als Helfershelfer der später zu nennenden Syndi­kalisten und Anarchisten. Die Zukunft dieses Lagers hängt davon ab, ob die besonnenen, Elemente, die zielbewuhte, arbeitsfreudige und von Idealen beseelte Richtung die Oberhand über die ebengenannten Schreier gewinnt.

Im monarchistischen Lager ist die Schar der aktiven Kräfte noch klein aber zielbewuht und außerordentlich rührig. Ihr Hauptkontingent bil­den die Vertreter der Ideen Primo de Riveras, die Union monarquica nacional. Ihre Mitglieder sind keineswegs als Diktaturanhän­ger anzusehen, sie bilden vielmehr die Vertre­tung eines aktiven nationalen Geistes, dem Ar­beit und positiver Fortschritt mehr bedeuteten als hohle Phrasendrescherei. Sie erkennen die Ge­fahren, in die sich die Monarchie durch ihr Paktieren mit der Gruppe der Berufspolitiker begibt, sie weih, wie der monarchische Gedanke verliert, wenn er nicht durch positive Geltun­gen, durch Vorwärtsstoßen der im Lande schlum­mernden Kräfte seine Heberlegenheit beweist. An der Spitze dieser Monarchisten steht der G r a f Guadalhorce, Verkehrsminister unter Primo de Rivera, der fähigste Kopf, den Spanien seit langer Zeit besessen hat. Unantastbar, von lau­

terster Gesinnung und ohne jeden Flecken auf seiner politischen Hemdbrust, tritt er in den Kampf ein zur Rettung der Monarchie, zur Rettung Spaniens. Unbeeinflußte Wahlen, die ja leider nie zustande kommen werden, bräch­ten ohne Zweifel eine überraschende Zahl von Anhängern für seine Idee.

Die dritte Gruppe auf der politischen Bühne Spaniens bilden die Syndikalisten und A n a r ch i st e n , jene Geister der Verneinung, deren Ideal die Zerstörung um jeden Preis, das Zerschlagen des Staatsgefüges und die Herrschaft des Proletariats ist. Sie haben ihren Hauptsitz in Katalonien und eine nicht geringe Anhängerschaft im Horben Spaniens, mit an­deren Worten in den Industriebezirken des Landes. Ansehnliche Verstärkung erhalten sie aus dem Äontingen* der Landarbeiter Andalusiens, wo eine irrsinnige Aus- nühungspolitik die Entmündigten der Revolution in die Arme treibt. Cs ist geradezu lächerlich, daß die Regierung die Gefahren ableugnen will, die aus dieser Grupve dem Lande drohen, Wenn nicht bald eine wesentliche Verschärfung des Autoritätsprinzips in Kraft tritt, dann kann man sich auf die übelsten Überraschungen ge­faßt machen. Die nun feit Monaten immer wie­der aufflackernden Streiks in allen Teilen des Landes stellen weiter nichts dar als eine Heer­schau der staatsfeindlichen Elemente. Ihre Or­ganisation ist ausgezeichnet und die Mobil­machungen haben gerade wieder in den letzten Wochen hervorragend funktioniert. Wenn nicht bald der Wille zur Autorität sich bemerkbar macht und Maßnahmen zur Sicherung der öffent­lichen Ordnung getroffen werden, dann wird niemand mehr für die Zukunft Spaniens garan­tieren können, die durch republikanisches Sprüche­reißen und durch das Wiedererwachen des Syndikalismus gefährdeter ist als man glaubt.

SJixfpoii

Fußball in Hessen-Hannover.

Jaoorlfenfiege. Ueberraschung in Fulda.

Bei den Meisterschaftsspielen der Sonderklasse in Hessen Hannover konnte der SC. 03 Kassel mit einem 5:2-(2:2-) ©ieg über Hessen 09 sich seine führende Position in der Rordgruppe er­halten. Der Sieg war allerdings keineswegs überzeugend, zumal die Hessen die ganze zweite Halbzeit mit 10 Mann durchstehen mußten. Kur- hessen Kassel rückt nunmehr an die zweite Stelle vor, während der FC. Großalmerode, der einen knappen aber verdienten 2:1 (l:0)°Sieg über Göt­tingen 05 erringen konnte, den dritten Platz vor Hessen 09 besqht. Die Spielvereinigung Göttingen schlug erwartungsgemäß den FC. Grone sicher 4:2 (2:1). In der Südgruppe übernahm der VsB. Kurhessen-Marburg durch einen 2:1-Sieg über den VfB. Gießen die Führung. Germania Kassel mußte trotz überlegenen Spiels einen Punkt an Hessen Hersfeld abgeben, die Mann­schaften trennten sich 0:0. Eine Ueberraschung leistete sich wieder der Spielverein Kassel, der sich in Fulda von der Germania mit 3:0 (1:0) glatt schlagen ließ.

Fußball der Gießener Mannschaften.

Auf dem Waldspielplah unterlag der VfB. Gießen gegen den großen Gegner und Tabellen­führer ..Kurhessen Marburg" ehrenvoll mit 2:1. Das schmeichelhafte Ergebnis hat die Mannschaft nicht zuletzt dem Torhüter zu verdanken. Die zweite Mannschaft spielte gegen Lollars erste Mannschaft und gewann 5:2 nach einem reichlich körperlichen Spiel.

Die erste Mannschaft der Spielvereinigung 1900 war spielfrei. Die zweite Mannschaft kämpfte in Steinberg gegen Steinbergs Erste und gewann 5:2. Die Dritte spielte gegen die vierte Mannschaft des eigenen Vereins und entschied das Treffen!

erwartungsgemäß mit 3:1 für sich. Die Schüler der Spielvereinigung hatten Rauborns Schüler zum Gegner und kämpften unentschieden 0:0.

Die 1. Handballmannschaft der Spiel­vereinigung hatte auf dem Trieb die Handball­mannschaft des I. Batl. 15. Inf.-Regt. zu Gast und verlor 1:5.

Punktekämpfe in der Gruppe Main.

Eintracht siegt weiter.

Rach acht Spielen hat der Süddeutsche Meister Eintracht Frankfurt in seiner Gruppe bereits einen so sicheren Vorsprung gewonnen, daß als einziger noch gefährlicher Mcisterschaftsrivale nur noch die Offenbacher Kickers in Frage kommen. Und auch diese liegen um drei Punkte hinter der Eintracht zurück. Diesmal besiegte die Eintracht die Union Niederrad auf dem Platze des Gegners mit 3:1 (1:1) Treffern. Die Offenbacher Kickers hatten Mühe, aus Fechenheim mit einem mageren 2:1 (1:1) die Punkte zu holen. Der Fußballsportverein fiel durch eine in Bieber erlittene 1:0 (1 ^-Nieder­lage erneut zurück. Rot-Weiß siegte zuhause gegen die im Sturm sehr schwache Mannschaft des FC. 93 Hanau sicher mit 3:0 (1:0).

ll. FE. Nürnberg

l.$. 6. 35of?rcufHO : 0!

Rach seinem 1:1-Spicl am Vorsonntag gegen Kickers Würzburg zeigte der Altmeister 1. FC. Nürnberg diesmal gegen Len 1. FC. Bayreuth, daß er auch noch ganz anders kann und landete einen eindrucksvollen 10:0°Sieg. Die 2000 Zuschauer, die zu diesem Spiel erschienen waren, sahen den Club in einer ganz ausgezeichneten Form, die man schon lange nicht mehr bei ihm feststellen konnte. Hätte Bayreuth nicht in Lienhardt einen Torhüter von hoher Qualität besessen, dann hätte das Ergebnis noch wesentlich anders gelautet.

fing" kontrastiert die Nüchternheit stumpfer Haus- wände und Mauern mit der Leuchtkraft der Atmosphäre und der Frische des jungen Baum- laubes. Ueberhaupt scheint der hohe, aufgehellte, aber durchdringend farbige Himmel über und hinter den Dingen im Bildausschnitt ein besonderes Merkmal dieser Landschaftsschilderung zu sein. Mehr motivisch als malerisch bilden derBankbote" und dasFuß­ballspiel" mit ihren Kontrastwirkungen Pendants zu den oben besprochenenGänsen". Die Besonderheit liegt hier wie dort in der Titelgebung, die auf das Unscheinbare oder Unwesentliche innerhalb des Gro­ßen und den Eindruck zunächst Beherrschenden den Akzent legt. (Allerdings ist es mit einer derartigen Bildtaufe allein nicht getan, wenn das Bild selbst nicht sofort oder nach einigem Verweilen seinen Nqmen aus eigener Leuchtkraft, Wirkung oder Stim­mung bestätigt und legitimiert.) DasDorf im Spes­sart" und das Stilleben mit den Drangen seien noch mit einer Empfehlung notiert, ebenso eine Reihe von Schwarzweiß-Zeichnungen, die großenteils ähn­liche Motive zum Vorwurf nehmen wie die Male­reien.

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Ziemlich bekannt geworden sind die Arbeiten von Rudolf Sieck in Prien am Chiemsee. Von den hier oorgestellten Landschaften fallen zunächst einige, im Seitenkabinett rechts hängende StückeFebruar­abend",Ruhpolding" undNovember" dadurch auf. daß sie in Farbton und Stimmung an einige sehr charakteristische Landschaften des Romantikers Kaspar David Friedrich erinnern. Im übrigen wäre auch innerhalb dieser Kollektion eine gewisse moti­vische Abwechslung der Belebung, Erweiterung und Abrundung des Gesamteindrucks zugute gekommen. Bemerkenswert scheint die Gegensätzlichkeit der ein­mal ganz klaren, ausgearbeiteten und gewissermaßen in den Vordergrund gerückten, landschaftlichen Motive (Hessische Landschaft",Am Neckar" beispielsweise) neben einer ganz weichen, aufgelösten und auf­lösenden Darstellungsform, die verschwommene und verschleierte Bilder bevorzugt, mit viel ,Luft", Berg­dunst und Nebelschwaden. (Etwa die Chiemsee- Aquarelle, wobei auch freilich die Mattechnik eine nicht unwesentliche Rolle spielt,Gebirgslandschaft", Winterlandschaft",Fichte im Nebel".) Zum Ab­schluß sei auf ein kräftiges, großliniges und massiv aufgeschichtetes Bild hingewiesen, denVorfrühling" von 1926.

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Die Ausstellung wird ergänzt durch sechs Aqua­relle von Julius Held, München, die sauber.

korrekt und etwas akademisch gemalt ebenfalls Landschaften, vornehmlich Gebirgsmotioe, zum Vor­wurf haben.y

Kleistpreis 1930 für Reinhard Goering.

Berlin, 18. Oft. (WTB) Der für dieses Lahr bestellte Vertrauensmann dec Kleist-Stiftung, Dr. Ernst Heilborn, hat den Kleistpreis 1930 in Höhe von 1500 Marl ungeteilt dem Dramatiker Reinhard Goering für sein SchauspielD i e Südpolexpedition des Kapitäns Scott" zuerkannt.

Reinhard Goering, Dr. med., zur Zeit Ver­walter des Heims für GeistesarbeiterGut Für-" steneck" bei Oberkirch in Vaden, ist an 23. Juni 1887 auf Schloß Bieberstein bei Ful)a geboren. Er begann seine literarische Laufbahn mit dem Roman ..Iung Echuk', wurde aber vor allem als Dramatiker bekannt mit den SchauspielenSee­schlacht",Der Erste '.^,Der Zweite",Die Retter" undScapa Flow". Ferner schrieb Goering Ra­vellen und Reiseberichte. Sein sehr umstritle.es letztes Stück,Die Südpolexpedition des Kapitäns Scott", wofür Goering jetzt den Kleistpreis dieses Iahres erhielt, wurde seinerzeit anläßlich der Erstaufführung am Hessischen Landes the ater, Darmstadt, im Feuilleton des Gießener Anzeigers ausführlich gewürdigt.

Oie Zubiläumswoche des Frankfurter Opernhauses.

Die Gestaltung des Spielplans der vergangenen Woche stand unter dem Zeichen des 50jährigen Jubiläums des Frankfurter Opern­hauses, das am 20. Oktober 1880 in Anwesenheit des alten Kaisers Wilhelm I. mit Mozarts ,/D 0 n Juan" feierlich eröffnet wurde. Auch diesmal wurde als eigentliche Festvorstellung dieses Meister­werk Mozarts in der prachtvollen Inszenierung Dr. Waller st eins aufgesührt. Die musikalische Lei­tung hatte Hans W. Steinberg inne, der der Partitur ein sorgsamer Ausbeuter war. An die Auf­führung schloß sich ein vom Patronatsverein veran- statteter Gesellschaftsabend an, der die Teilnehmer bis zum frühen Morgen in den festlich geschmückten Räumen des Theaters zusammenhiett. Den Auftakt der Festwoche bildete das erste Opernhauskonzert, das unter Hans W. Steinbergs Stabführung

Auch die Sp. Vg. Fürth kam zu einem ziemlich hohen Sieg von 6: 1 gegen den FV. Würzburg, der nach den Chancen gemessen, ebenfalls höher hätte aussallen müssen.

Süd gegen West in Frankfurt.

In der Zwischenrunde um den DFB.-Pokal werden am 11. Januar Süd- und Westdeutsch­land vc raussichtlich in Frankfurt zusammentreffen, während für die zweite Begegnung zwischen Süd- ost- und Mitteldeutschland wahrscheinlich Ben­the n als Austragungsort bestimmt werden wird.

Eine Amnestie des OFB.

Die DJB.-Iagung In Berlin.

Am Samstag und Sonntag tagte in Berlin der geschäftsführende Ausschuß im Vorstand deS Deutschen Fußball-Bundes zusammen mit den Vorsitzenden der einzelnen Landesverbände. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete erwar­tungsgemäß die Frage einer Amnestie für Ver­gehen gegen die Amateur-Bestimmungen. Rach lebhafter Aussprache wurde folgende Ent­schließung gefaßt:

Vereine, bei denen Verstöße gegen die Amateur-Bestimmungen bis zum Tage der Ver­öffentlichung dieser Bekanntmachung vorgekom­men sind, haben diese Verstöße über ihre Landesverbände dem Bundesgericht des Deut­schen Fußball-Bundes bis zum 1. Dezember 1930 zu melden. Die Verstöße sind im einzelnen genau zu bezeichnen. Für diese fristgemäß ge­meldeten Verstöße wird das Bundesgericht die Durchführung der Strafverfahren bei sich und bei den Landesverbänden für die Dauer eines Iahres aussehen. Erfolgen während dieses Jahres bei den in Frage kommenden Vereinen keine neuen Verstöße gegen die Ama­teur-Bestimmungen, so wird das Bundesgericht die Verfahren niederschlagen. Richt fristgemäß gemeldete Verstöße werden unnachsichtlich ver­folgt und bestraft. Die Vereine haben außer­dem die Spieler zu melden, die nicht gewillt sind, sich den neuen Amateur-Bestimmungen des DFB. zu .unterwerfen. Der Bundes­vorstand wird nachprüfen, inwieweit bereits abgeschlossene Verfahren neu aufzunehmen sind." Im weiteren Verlauf seiner Sitzung beschäfttgte sich der Bundesvorstand und der Presseausschuh mit der Riederschrift der Beschlüsse, die auf dem Dresdener Bundestag gefaßt wurden.

Frankfurter Sieg im Kunstturnen.

Die FrankfurterTurngerncindeEin- tracht veranstaltete am Sonntag im vollbesetzten Schumann-Theater einen Kunsttumwettkampf gegen den Männerturnverein München und die Turngemeinde Bochum. Es gab dabei ganz ausgezeichnet: Leistungen an allen Geräten und auch in den Freiübungen. Erwar­tungsgemäß siegten die Frankfurter mit 1581 Punkten vor München (1545) und Bochum (1455). München war den Frankfurtern nur am Darren und Querpferd unterlegen und lag bei diesen Ge­räten mit 72 Punkten im Rückstand. Bei den Frei­übungen, am Längspserd und am Reck vermin- «derten die Bayern den Vorsprung Frankfurts aber um die Hälfte.

Bester Einzelturner war der Frankfurter Kampfspielsieger Ernst Winter, der bei 240 erreichbaren Punkten auf 233 Punkte kam und auch als einziger Teilnehmer an einem Gerät (Reck) die volle Punktzahl von 60 erreichte. Rach ihm waren sein Vereinskamerad Georg Pfeiffer und der Münchener Christ mit je 217 Punkten die Besten.

Graf 3iolomz/ gewinnt den preis der Republik.

Der Große Preis der Republik, das mit 105 000 Mk. dotierte wertvollste Rennen des deutschen Galoppsports, wurde am Sonntag in Grünewald von Graf Isolani (Rastenberger) vor Gregor (O. Schmidt) gewonnen.

die Erstaufführungen zweier geistlicher Chorwerke brachte: Leo JanaceksFestliche Messe" und VerdisOuattro pezzi sacri". Liegt uns die Art des religiösen Musizierens des tschechischen Alt­meisters ziemlich ferne, so sprach das tiefe Empfin­den Verdis um so mächtiger zu den Herzen der leider nicht sehr zahlreich erschienenen Zuhörerschaft. Aus dem Theaterchor, den Mitgliedern mehrerer Frankfurter Chorvereinigungen und dem Opern­hausorchester hatte Steinberg, dem Curt K r e tz s ch- mar mit der Einstudierung der Chöre vortrefflich zur Hand gegangen war, einen Klangkörper von rund 400 Stimmen zu einer homogenen Masse zu­sammengeschweißt. Während das Haus sich der Festlichen Messe" gegenüber begreiflich reserviert verhielt, fanden dieGeistlichen Stücke" stärksten Beifall. Die sieben Festopern gaben ein Bild von der Entwicklung der deutschen Oper: Mozarts Don Juan" eröffnete den Reigen: es folgte Beet­hovensFidelio", den Egon Pollack von der Hamburger Oper grandios dirigierte. Als Typus der heiteren Oper stand L 0 r tz i n g s3ar und Zimmermann" in der entzückenden Neuinszenierung Dr. H. Grafs auf dem Spielplan. Richard Wag­ner kam mit feinemLohengrin" zu Worte, den Gustav Brecher in des Wortes wahrster Bedeu- tuna zelebrierte. Richard S t r a u ß'Rosenkava- Iierx als führendes Werk der kaum vergangenen Moderne" unterstand der musikalischen Führung Eugen S z e n k a r s vom Kölner Opernhaus. Als Repräsentant der zeitgenössischen Opernproduktion erschien das letzte heißumstrittene Opus der Firma Bert Brecht und Kurt Weill, die Sensations­operAufstieg und Fall der Stadt Mahagonny".

Im Frankfurter Opernhaus kam es am Sonn­tagabend bei der Aufführung der OperA u f - ftiegunö FalrderStadtMahagonny" von Kurt Weill und Bert Brecht zu er­heblichen Störungen. Während der Vorstellung, der auch Prinz Takamatsu von Iapan bei­wohnte, wurden mehrere Stinkbomben ge­worfen, wodurch die Aufführung erheblich ge­stört wurde. Rach Schluß des Stückes muhte das Opernhaus polizeilich geräumt werden. Dor dem Hause kam es dann zu einer großen Ansammlung von Menschen, die die Oper stürmen wollten. Sie wurden schließlich von der Polizei auseinandergetrieben. Auch in den umliegenden Anlagen und Straßen wurden Versuche, Semon- strationszüge zu bilden, von der Polizei unter«« Kunden. Mehrere Sistierungen wurden borge­nommen.