schenkämpfen aus. Immerhin erzielte Guyot auf der steigenden Strecke 11,5 Sek.
Nachstehend die Disziplinen, in denen die 1900er erfolgreich waren:
5000-Meter-Lauf, Klasse I: l.Habich. Spv. 98 Darinstadt, 16:24,6; 2. P. Gerhardt, 1900 Gießen, 16:32,5; 3. Seifert, Eintracht Frankfurt, 16:49,5. — In der vorletzten Runde geht Habich in Führung und gewinnt durch energischen Endspurt.
800-Meter-Lauf, Klasse I: 1. H. Peters, 1900 Gießen, 2:5,4; 2. v. d. Rüll, Turu Düsseldorf, 2:5,5; 3. Hoffmann, D. f. L. Diersen, 2:5,6. — Nachdem das scharfe Rennen der Olympischen Staffel voraufgcgangen war, gaben alle bekannten Mittelstreckler in diesem Rennen auf, um so beachtenswerter ist der Sieg von Peters, der sehr klug lief.
Olympische Staffel, Klasse l: 1. I. G. Spv. Frankfurt 3:44; 2. Sp. u. Sp. Elberfeld 3:44; 3. Sp. Dgg. 1900 Gießen 3:50. — Als der Starter das starke Feld auf die Reise schickt, setzt sofort ein harter Kampf um die Führung ein, die Blau-Weiß Köln gewinnt. Anunterbrochen wechselt dann die Spitzengruppe, bis Iachert für Elberfeld die Spitze gewinnt und das Tempo weiter verschärft. Nun machen sich Leu- nig, Eintracht, Huch, I. G. und Peters an den Führenden heran, wobei Huch mit seinem Partner am besten wechselt und I. G. Dorsprung gewinnt. 1900 liegt bei den 200-Meter-Leuten mit Elberfeld und I. G. alleine vorne, da alle anderen Mannschaften weit zurückgefallen sind. Guyot und Dölker sind sehr gut und können mit Dogt (400 Meter) den Ab st and weiter verringern, 1900 liegt nur noch wenige Meter hinter I. G., ohne jedoch in den erbitterten Endkampf zwischen den beiden Ersten eingreifen zu können, die im Ziel nur noch Brustbreite trennt. Alle anderen Mannschaften liegen über 100 Meter zurück. Darunter auch der Sieger der beiden letzten Iahre, Spv. Wiesbaden, Eintracht usw. (Mannschaft: Peters, Guyot, Völker. Dogt.)
4 x 1 0 0 - Me t e r ° S t a f f e l für Frauen: 1. K. B. C. Köln 54 Sek.; 2. Sp. Dgg. 1900 58 Sek.; — Wenn die Giehnerinnen auch läuferisch unterlegen sind, so zeigen sie doch eine gute Wechseltechnik und haben ihren Erfolg verdient. I. G. Spv. Frankfurt aufgegeben. (Mannschaft: Richtberg, Hollstein, Knab, Nickel.)
V. f. B. Leichtathletik.
Wie bereits in der Vorschau bemerkt, trafen die V. f. D.cr am vorigen Sonntag bei den Ora- nien-Kampfspielen in Diez auf starke Konkurrenz. Trotzdem errang der V. f. B. einen ersten und einen zweiten Sieg. Die Damen konnten sich nicht durchsetzen, da gerade hier Extraklasse am Start war. Die Konkurrenzen, an denen sich V. f. B. mit Erfolg beteiligte, gingen wie folgt aus:
Kugelstoßen: 1. Debus, Trier, 13,05 Meter. 2. Mohl, B f. D. Gießen, 12,14. 3. Maus, Vonn. Mohl war nicht in guter Form. Seine Arinverlehung hinderte ihn noch etwas. Mohl stößt bekanntlich sonst weiter.
400 Meter : 1. R. Fischer, V. f. D. Gie- ßen, 54 Sekunden. 2. Leimer, Sp.-V. Wiesbaden, 54:6. 3. Schwedhelm, Wiesbaden. Auch hier wie in allen anderen Konkurrenzen Massenselder am Start. Erst durch Siege im Vor- und Zwischenlauf gelangte Fischer in den Endlauf. Fischer war wieder einmal in Form und mit seinen bekannten langen Schritten zog er den anderen Teilnehmern davon und gewann sicher.
Arbeiter-Turn- und Sportbund. Leichtathletische Wettkämpfe des 3 Bezirks . in Gietzcn.
Am vergangenen Sonntag trug der dritte Bezirk seine diesjährigen leichtathletischen Wettkämpfe auf dem Sportplatz der Spielvereinigung 1900 in Gießen aus. Vormit
tags fanden die Mehrkämpfe für Sportler, Sportlerinnen und Fußballer — annähernd 300 Teilnehmer traten hierzu an — statt. Anschließend begannen die Einzelkämpfe und Vorläufe in den Stafetten. Nachmittags wurden die Cinzelkämpfe fortgesetzt und die Entscheidungskämpfe in den Stafetten ausgetragen. Die Resultate waren durchweg zufriedenstellend, in einzelnen Kämpfen sehr gut. Nachstehend lassen wir einen Auszug aus der Siegerliste folgen:
Sportlerinnen - Dreikampf (unter 18 Iahren): 1. Frieda Iung (Krofdorf) 227,69 P.; 2. Paula Schmelz (Großen-Linden) 202,62; 3. Liefa Schaum (Krofdorf) 200,67; 4. Karoline Loh (Krofdorf) 185,89; 5. Kätchen Hofmann (Heuchelheim) 180,22 Punkte.
Sportlerinnen - Fünfkampf (über 18 Iahre): 1. Emma Nesseldreher (Heuchelheim) 317,96 Punkte; 2. Alma Euler (Lollar) 299,17; 3. Anna Sock (Heuchelheim) 282,50; 4. Gertrud Weber (Herborn) 272,32; 5. Elise Viehl (Gießen) 266,50 Punkte.
Sportler - Dreikamvf (Iahrgang 1912 13): 1. Hermann Schäfer (Naunheim) 208,16 Punkte; 2. Otto Weih (Watzenborn) 202,56 P.; 3. Ewald Mandler (Kinzenbach) 201,81; 4. Hermann Diehmann (Naunheim) 198,81; 5. Otto Speier (Wißmar) 198 Punkte.
Sportler-Dierkampf (Iahrg. 1914/15):
1. Ernst Dellof, Wieseck, 226,16 P.; 2. Ernst Fei- ling, Naunheim, 224,56 P.; 3. Eugen Schwalb, Gleiberg, 219,03 P.; 4. Wilhelm Forbach, Staufenberg, 216,93 P.; 5. Adolf Schmidt, Wieseck, 212,63 P.
Sportler-Fünfkampf (über 18 Iahre): 1. Heinr. Becker, Krofdorf, 324,41 P.; 2. Wilh. Ziegler, Lollar, 318,82 P.; 3. Willi Schardt Watzenborn, 315,31 P.; 4. Rudolf Engelhardt' Annerod, 311,68 P.; 5. Willy Rühl, Naunheim 311 Punkte.
Sportler-Dreikampf (Altersklasse): 1. Ewald Viehmann, Kinzenbach, 161,44 P.; 2. Alex Tureck, Lollar, 157,51 P.; 3. Karl Pfaff, Kinzenbach, 155,78 P.; 4. Otto Debus, Launsbach, 144,12 Punkte; 5. Wilhelm Schmidt, Krofdorf, 136 88 P
Fußballer-Dreikampf (über 18Iahre): 1. Wilh. Leitner, Großen-Linden, 265,67 P.; 2. Ludw. Walter, Daubringen, 260,17 P.; 3. Karl Rudolf, Daubringen, 242,17 P.; 4. Adolf Kern Naunheim, 240,17 P.; 5. Heinr. Fischer, Großen- Linden, 228,50 P.
Fußballer-Dreikampf, Iugend: 1.
Erich Fink, Staufenberg, 246,33 P.; 2. Reinhold
Heß, Großen-Linden, 225,17 P.; 3. Wilh. Deibel Staufenberg, 217,33 P.; 4. Ernst Rühl, Watzel born, 213,33 P.; 5. Walter Heil, Großen-Linden 204,33 P.
Einzelkämpfe.
Weitsprung (Sportler-Iugend): 1. Ewald Mandler, Kinzenbach, 5,43 Meter; 2. Ernst Dur» ger, Watzenborn, 5 Meter; 3. Richard Wagner, Krofdorf. 4,95 Meter.
Diskus (Sportler-Iugend): 1. Kurt Dönges, Wißmar, 31,97 Meter; 2. Herrn. Viehmann, Naunheim, 30,08 Meter; 3. Otto Speier, Wißmar. 25,28 Meter.
6 0-Meter-Lauf (Sportler-Igd.): 1. Otto Werh, Watzenborn, 8,1 Sek.; 2. Karl Keusch, Naunheim, 8,1; 3. Hermann Schäfer, Naunheim, 8,2.
Weitsprung (Sportler über 18 Iahre): 1. Heinr. Decker, Krofdorf, 5,61 Meter; 2. Ewald Deppler, Heuchelheim, 5,41 Meter; 3. Georg Kraft, Alsfeld, 5,36 Meter.
Hochsprung (Sportler über 18 Iahre): 1. Albert Forbach, Wißmar, 1,51 Meter; 2. Ad Pfaff, Kinzenbach, 1,44 Meter; 3. Willi Feldmann, Wißmar, 1,39 Meter.
Kugel st oßen (Sportler über 18 Iahre): 1. Wilhelm Schwarz, Annerod, 12,20, 2. Heinrich Opper, Wieseck, 10,45, 3. Albert Forbach, Wißmar, 9,96 Meter.
Diskus: (Sportler über 18 Iahre): 1. Wil- helm Schwarz, Annerod, 30,77, 2. Heinrich Becker,
Krofdorf, 27,86, 3. Rudolf Engelhardt. Annerod, 25,84 Meter.
Schleuderballwerfen (Sportler über 18 Iahre): 1. Wilhelm Schwarz, Annerod, 50,82, 2. Ernst Hahn, Krofdorf, 43,63, 3. Gustav Göb° (er, Gleiberg, 43,13 Meter.
Stabhoch (Sportler über 18 Iahre): 1. Wilhelm Leutner, Burkhardsfelden, 2,90, 2. Reinhold Viehmann, Kinzenbach, 2,80, 3. Wilhelm Hirschhäuser, Odenhausen, 2,75 Meter.
100-Meter-Lauf (Sportler über 18 Iahre): 1. Robert Schaum, Krofdorf, 11,9 Sek., 2. Heinrich Bill, Naunheim, 11,9, 3. Karl Römer, Launsbach, 12.1 Sek.
1000-Meter-Lauf (Sportler-Iugend): 1. Ernst Schmidt, Watzenborn, 2:55,9, 2. Hugo Bender. Krofdorf, 3:02,6, 3. Adolf Kautz, Gießen, 3:07,5 Min.
60-Meter-Lauf (Sportlerinnen über 18 Iahre): 1. Alma Euler, Lollar, 9,0, 2. Elise Viehl, Gießen, 9,4, 3. Anna Viehl, Gießen, 9,6 Sek.
100-Meter-Lauf (Sportlerinnen über 18 Iahre): 1. Alma Euler, Lollar, 14,9, 2. Elise Viehl, Gießen, 15, 3. Anna Viehl, Gießen, 15,4 Sek.
60-Meter-Lauf (Sportlerinnen-Iugend): 1. Frieda Iung, Krofdorf, 8,9, 2. Elise Schaum, Krofdorf 9,1, 3. Paula Schmelz, Großen-Linden, 9,5 Sek.
Kugel st oßen (Sportlerinnen-Iugend): 1. Frieda Iung. Krofdorf, 8,17, 2. Paula Schmelz, Großen-Linden, 6,85, 3. Lina Frey, Wißmar, 6,60 Meter.
Kugelstoßen (Sportlerinnen über 18 Iahre): 1. Iohannette Pfeiffer, Launsbach, 8.35, 2. Emma Nesseldreher, Heuchelheim, 7,63, 3. Alma Euler, Lollar, 7.58 Meter.
W e i t s p r u n g: Sportlerinnen über 18 Iahre: 1. Elise Viehl, Gießen, 3,73, 2. Emma Nessel- dreher, Heuchelheim, 3,66, 3. Iohannette Pfeiffer, Launsbach, 3,66 Meter.
Dallweitwurf: Sportlerinnen unter 18 Iahren: 1. Frieda Iung, Krofdorf, 46,68, 2. Lina Frey, Wißmar, 36,00, 3. Helene Kraft, Wißmar, 34,18 Meter.
Speerwerfen: Sportlerinnen über 18 Iahre: 1. Emma Nesseldreher, Heuchelheim, 20,52, 2. Alma Euler, Lollar, 16,76, 3. Minna Dillendorf, Wißmar, 15,75 Meter.
400-Meter-Lauf: Sportler über 18 Iahre: 1. Willi Schardt, Watzenborn, 57,6, 2. Nr. 205, 60,5, 3. Adolf Pfaff, Kinzenbach, 63 Sek.
800-Meter-Lauf: 1. Willi Schardt, Watzenborn, 2,12, 2. Wilh. Leutner, Burkhardsfelden, 2,19, 3. Wilh. Steiß, Odenhausen, 2,20 Minuten.
200-Meter-Lauf: Sportler über 18 2ahre: 1. Willi Schardt, Watzenborn,' 25,1, 2. Nr. 268 25,7 Sekunden.
60-Meter-Hürdenlauf: 1. Willi Rühl, Naunheim, 11,5, 2. Willi Ianz, Gleiberg, 11,5, 2. Otto Dchleenbecker, 11,6 Sekunden.
5000-Meter-Lauf: 1. Otto Balser, Gießen, 17:42,5, 2. Iohann Will, Sichertshausen, 17,34, 3. Ernst Schmidt, Watzenborn, 17:47,4 Min.
4X 50-Me ter-Stafette: Sportlerinnen: 1. Gießen 30,9, 2. Launsbach 31,5 Sekunden.
4xl00-Meter-Stafette: Sportler: 1. Krofdorf 49,1 (Vorlauf 48,6), 2. Naunheim 50,1, 3. Watzenborn 50,7 Sekunden.
3x200-Meter»Stafette: Sportler: 1. Krofdorf 1,19 Minuten.
3X1000-Meter-Stafette: Sportler: 1. Gießen 9:12,1, 2. Launsbach 9:43,7 Minuten.
Kleinkaliberschießen Im Kreise Gießen-Süb
l_l R o d h e i m a. d. H o r l o f f, 18. Aug. Am gestrigen Sonntag fand auf dem SchiHstcmd des hiesigen Schützenvereins dos Schießen um die Kreismei st erschaft der Kleinkali b e r s ch ü tz e n v e r e i n e des Kreises Gieß en-Süd statt. Der Leiter des hessischen Kleinkaliberschießsportes, General Keller, Kassel, würdigte in einer Ansprache die Be
deutung dieses Sportes, der dank des rafb« losen Wirkens des Kreisschießleiters Momberg e r von hier eine beachtenswerte Stelle im Sportleben unserer Gegend errungen hat. Sowohl im Gruppen-, als auch im Einzelschießen wurden schöne Leistungen geboten.
Das Gruppenschießen brachte folgende Ergebnisse: Klasse 1:1. Obbornhofen 256 Ringe. 2. Rodheim a. d. Horloff 254 R. Klasse ll: 1. Obbornhofen 391 Ringe, 2. Steinbach 1. Gruppe 361 R., 3. Steinbach 2. Gruppe 352 R., 4. Dil- lingen 347 R., 5. Holzheim 318 R.. 6. Rodheim 305 R., und Langd 265 R. Die Kreism e i * sterschaft im Gruppenschießen fiel in Klasse l und II Obbornhofen zu.
Die Kreismeisterschaft im Einzelschiehen erwarben sich in Klasse I: Willi Jakob, Obbornhofen, mit 85 Ringen, in Klasse II: Fritz Kohlheyer, Hungen, mit 88 Ringen (beste Leistung des Tages).
Im Anschluß an das Kreisschießen fand ein Preisschießen statt, bei dem drei wertvolle Preise ausgeschossen wurden. Es erhielten: 1. Preis: Hch. Block, Obbornhofen; 2. Preis: Wilh. Nicklas, Rodheim; 3. Preis: Wilhelm Mülle r, Obbornhofen.
Kirche und Schule.
y. Watzenborn, 18. Aug. Am gestrigen Sonntag versammelte sich hier eine mehr als tausendköpfige Menge unter den alten, schönen Linden vor der Kirche, um das diesjährige Dekanatsmissionsfest des evangelischen Dekanates Gießen zu feiern. Da dre Vorbereitungen gut getroffen waren, konnten alle Festbesucher, auch solche von auswärts, einen Sitzplatz finden. Der Festgottesdienst wurde musikalisch bereichert durch gute Vorträge des hiesigen Gemeinschaft-Posaunenchores und des Kirchengesangvereins (Leiter Herr Sommer), die auch bei der Nachversammlung mitwirkten. Festprediger war Pfarrer K a l b h e n n (Großen- Buseck), der in Auseinandersetzung mit modernen zweifelhaften Versuchen auf religiösem Gebiete den einzigen Heilsweg — Christus — zeigte. Dekan G u ß m a n n (Kirchberg) überbrachte im Namen des Dekanates der festgebenden Gemeinde Dank und Gruß. Er berichtete ausführlich über die Missionsarbeit und die Missionsleistungen des Dekanates in 1929, soweit sich solche Arbeit in Zahlen ausdrücken läßt. Sie betrugen rund 8000 Mark, zeigen allerdings* gegen das Vorjahr einen bedeutenden Rückgang auf. An der Spitze der Dekanatsgemeinden stehen wieder die Gemeinden Allendorf (Lumda) und Leihgestern. Nach einer Kaffeepause, wo die Gäste die freundliche Gastfreundschaft der Gemeinde Watzenborn erfahren durften, fand die außerordentlich stark besuchte Nachvers ammlung auf dem gleichen schönen Platze statt. Man lauschte mit Interesse den sachkundigen Mitteilungen, die Missionar L au k (Frankfurt a. M.), früher in China, über die Verhältnisse in China gab. Mit herzlichen, packenden Worten dankte der Ortsgeiftliche, Pfarrer S t a u b a ch, in seinem Schlußworte allen Mitwirkenden, und wünschte, daß von dem Tage ein nachhaltiger, innerer Segen ausgehen möge Die Missionskollekte betrug 2 25 Mark, Missionsschriften wurden für 2 8 Mark verkauft.
T W ald-Girmes, 18. Aug. Unter großer A^ll'ssung fand gestern unser diesjähriges Mlssionsfest statt. Im Hauptgottesdienst predigte Pfarrer Schuhmann (Herborn), während bei der Nachfeier, die im Freien stattfand, außer dem Festredner der Ortsgeistliche, ein Missionsinspektor aus Barmen und Pfarrer H e i d e r aus Dorlar die Besucher durch Ansprachen fesselten. Der hiesige Posaunen- und Gemischte Chor trug wesentlich zur Verschönerung des Festes bei Die reichliche Kollekte fiel der Rheinischen Mis- slon zu.
Wirble ins Leben!
Vornan von Anna Fink.
Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau. S.-A.
25 Fortletzung Nachdruck verboten
Die Baronin schneuzte sich in ihr Taschentuch und tupfte sich ein paar Tränen der Rührung ab.
„Kommt, Kinder, wir wollen heimfahren und noch a bisserl gemütlich beisammensihen", sagte der alte Herr. „Ueber die geschäftliche Seite sprechen wir beiden Männer später unter vier Rügen", fuhr er fort und zwinkerte Reginald ein bißchen gutgelaunt an.
Sie fuhren alle vier nach Hause. Es war dunkel im Auto. Ulla hatte sich auf den Rücksitz neben Reginald gesetzt. Ihr Körper strömte eine so weiche und tierhafte Vitalität aus, daß Reginald ganz warm wurde und es als eine Wohltat empfand.
Sie hielt seine Hand und drückte sie zärtlich.
Reginald kam sich wie ein ganz anderer Mensch vor, aber er fühlte sich eigentlich recht wohl. —
„Gelt, es ist doch was ganz andres, wenn man a Braut hat?" sagte Reinwald, als er Reginald m öer Mittagspause daheim begrüßte. „So einschichtig leben, dabei schnappt ja der vernünftigste Mensch über. Sollst sehn, wenn du sie erst ganz hast, wirst du auch viel ruhiger und net mehr so ablehnend sein. Es hat jed's Ding auch sei Ursach im Körper."
Gr hatte Contius das Du angetragen, und der hatte es ihm nicht abschlagen mögen.
„Er mag ja recht haben", dachte Reginald, „vielleicht ist es das."
Er fühlte sich wirklich seit seiner Verlobung Wohler in den ganzen Verhältnissen.
Seine zukünftigen Schwiegereltern waren denkbar liebenswürdig und freundschaftlich zu ihm.
Es war, als gehöre er schon jetzt ganz und gar zur Familie.
Die Abende verbrachte er immer mit Ulla im Hause ihrer Eltern.
Einmal war sie allein zu Haus, als er kam.
Sie hatte ein Weißes, weites Gewand übergeworfen und sah nähend auf einem Sessel.
Er saß ihr gegenüber.
„Ich hab dir ein Buch mitgebracht über den Dau des Motors, Ulla", sagte er, „Du sagtest neulich einmal, du wolltest gern etwas tiefer einbringen. Wenn du willst, kann ich dir einiges erklären, was dir noch unklar ist."
Sie zog ein schiefes Mäulchen.
„Ich danke dir recht schön, Reggy. Aber heut abend laß mich aus damit, wo mir so ungestört zusammen sind. Die Eltern kommen so in zwei Stunden wieder."
Sie lieh die Handarbeit in den Schoß sinken und reckte die Arme.
„Noch nicht mal einen Kuh hab ich bekommen", maulte sie so drollig, dah Reginald lachte.
Er sprang auf und trat hinter sie. Gr küßte sie aus die nackte Schulter, von der das Kleid herabgerutscht war.
„Gefall ich dir?" fragte sie mit naiver Koketterie und drückte ihren Oberkörper gegen den seinen.
»Du bist schön, Ulla“, sagte Reginald leise und zog sie vom Sessel empor.
Ihr ganzer Körper schien ihm entgegenzukommen.
Er preßte sie an sich und fühlte mit den Händen ihren jungen Körper.
Sie hielt ganz still.
Nur als er ihr das Kleid von den Schultern herabstreifen wollte, setzte sie ihm einen kleinen Widerstand entgegen.
»Ritte nicht, Reggy", bat sie ganz ängstlich, „erst müssen wir doch verheiratet fein."
Contius war mit einemmal wieder nüchtern.
»Du hast recht", sagte er ruhig. „Ich will gehen — oder wollen wir noch etwas zusammen arbeiten?"
„Nein, nein!" rief sie entsetzt. „Du immer mit deiner Arbeit! Dleib noch bei mir“, bettelte sie, als er sich anschickte, fortzugehen.
Doch Reginald ging.
»Ich muh bald heiraten", dachte er. „So ist das kein Zustand, auch für Ulla nicht.“ —
„Wann werdet ihr denn Hochzeit machen, Ulla?" fragte Annemarie Zöllner, die Freundin.
Sie sahen beide in der Laube im Garten von Griffingers.
„Ich denke bald", klang die hohe Stimme Ullas zurück. „Weiht du, Mieze, ich hab gar feine Lust, noch lange als Braut herumzulaufen.“
„Es macht auch keinen Späh", sagte die Freundin sachverständig.
„Gefällt dir mein Verlobter?" fragte Ulla wieder.
»Ia sehr, er macht eine gute Figur. Ihr werdet großartig zusammen aussehen.“
Ulla lächelte geschmeichelt.
„Weiht du. ich hätte ja auch den Industriellen Schmitz haben können, wenn ich gewollt hätte, und wenn Contius sich nicht mit mir verlobt ßätte, hätte ich ihn ohne weiteres genommen. Roer da hätte ich noch zu lange warten müssen, toeit er eine große Auslandreise vorhatte. Und ich liebe Contius sehr."
Dann fragte sie: „Was macht denn dein Doktor?“
„Och - das geht alles ganz gut. Ich werd ihn wohl nehmen." Es hörte sich an, als verhandelten zwei Hausfrauen über die Anschaffung Von Gardinen.
Die beiden jungen Damen waren so vertieft, dah sie nicht bemerkten, wie der Schatten eines Mannes an der Laube entlangglitt und ein vorsichtiger Schritt zur Hauspforte ging.
»Fch muh schleunigst verreisen, Frau Berger." „Na — was Sie nicht sagen, Herr Contius! Ist was passiert und wohin fahrens denn, mit Verlaub?"
„Rach Deutschland, Frau Berger. Bin bald wieder da, denke ich."
Die rundliche Frau mußte sich wieder einmal wundern.
„Was sagt denn das Fräulein Braut?" erkundigte sie sich angelegentlich.
Contius hob die Schultern und packte.
„Na, 's ist nimmer lang zur Hochzeit hin, gelt? Da hält mers schon amal aus, gelt?“
Reginald drängte: „Bitt' schön, liebe Frau Berger, putzen Sie mir noch die Schuhe, ich brauche sie dringend."
Er jagte die Wirtin hin und her, dah zum Schwatzen keine Zeit mehr blieb.
„Grützen Sie die Baronetz Griffinger, wenn sie heute kommen sollte, ich schreib ihr selbst", rief er von der Treppe aus zurück und eilte hinunter.
Als er auf dem Bahnhof ankam, schaute er nach den Zügen. Es sollte jetzt gerade ein Zug nach Triest abgehen.
Reginald atmete auf.
Nur heraus aus Oesterreich! Aus der ewigen Liebenswürdigkeit der Griffingerschen Familie, den immer an der Oberfläche haftenden Gesprächen.
Nach Deutschland mochte er auch nicht gleich wieder zurück.
Ihn fror, als habe er die ganze Zeit in Grönland in Schnee und Eis gesessen.
Also schön — her mit der Fahrkarte nach Triest.
Erst als er im Zug sah, fiel ihm ein, daß er wohl einen Pah, aber fein italienisches Visum darin hatte. Daran hatte er bei seiner überstürzten Abreise nicht gedacht.
Er beschloß, bei der nächsten großen Stadt auszusteigen und die Sache zu erledigen.
Reginald hatte es als ein' Omen genommen, daß der erste Zug nach Italien ging.
Es war ihm recht so.
Ein ganz fremdes Land mit einer fremden Sprache, das war gerade das, was er brauchte.
Und Einsamkeit — keine Frauen.
Er dachte daran, was Ulla wohl sagen würde, wenn er verschwunden blieb.
Nun, sie würde bestimmt nicht an gebrochenem Herren sterben.
Sie würde ein paar Tränlein vergießen, wahrscheinlich, und dann würde sie sich nach einem
anderen umsehen, vielltzicht nach dem Herrn Industriellen Schmitz.
Reginald Contius fühlte durchaus keinen Groll gegen den Herrn Schmitz. Er war ihm eigentlich sogar dankbar. Ia, er hätte ihm am liebsten ein paar Dankeszeilen geschrieben, eine Postkarte aus Triest vielleicht. So etwa: „Ich bin Ihnen aufrichtig dankbar, mein Herr, denn durch Sie bin ich zu einer Reise nach Italien gefommen, die wahrscheinlich sehr schön wird. Grüßen Sie Fräulein Ulla und werden Sie recht glücklich miteinander. Sie ist wirklich ein ganz reizendes Mädchen!"
Nach den Ansichten der Menschen hatte er wie ein Narr gehandelt. Nun, Narren sind oft die glücklichsten Leute.
Er gab sich ganz dem Genuß des fahrenden Schnellzuges hin.
Lange hatte er sich nicht so wohlgefühlt. —
3n T. stieg er aus, um auf das italienische Konsulat zu gehen.
Er ging langsam über den Bahnsteig. Fast mit ^mehenscher Freude empfand er den hastenden Dahnhofsbetrieb um sich her.
„Darf ich Ihnen ein wenig den Arm geben? Die Reise greift doch noch etwas an“, hörte er im Dahingehen eine weibliche Stimme fragen.
Die Tonfärbung ließ ihn aufhorchen. Irgendwo hatte er doch diese weiche Stimme mit dem verhaltenen Unterton schon gehört.
Um ihn strömten die Reisenden dem Ausgang nach der Stadt zu. Da entdeckte er, einige Meter entfernt, eine Dame mit etwas üppigen Formen, sehr elegant gekleidet, am Arm eines stattlichen Herrn, der anscheinend etwas angegriffen war; feine Haltung war die eines nicht ganz gefunden Menschen.
Die beiden gingen auf den Zug zu, der nach Innsbruck abgehen sollte.
„Wo hab ich diesen wiegenden, raubtierhasten Gäng der Frau schon einmal gesehen?" grübelte Reginald.
Er fühlte sich getrieben, die beiden noch etwas zu beobachten, und blieb halb hinter der Erfrischungshalle stehen.
Sie stiegen in ein Abteil erster Klasse. Die Dame ließ das Fenster herunter, um eine illustrierte Zeitung zu kaufen.
Beinahe hätte Reginald einen Aus der Ueber- raschung ausgestohen: Das war ja Schwester Irene!
Ietzt war auch der Herr auf gestanden. Er stand halb hinter ihr und blickte mit etwas gelangweilter Miene auf das Getriebe. Reginald erkannte in ihm Bernhard Much.
Reginald blieb unbeweglich stehen. Es lag ihm daran, von den beiden nicht erkannt zu werden.
(Fortsetzung folgt.)


