Nr. M Erstes vlatt
180. Jahrgang
Dienstag, 20. Mai |950
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Bnands Paneuropa und die Mächte.
Die französische Politik hat es stets mit großem Geschick, auch in der Wahl der Mittel, verstanden, diejenigen allgemeinen Ideen. die der Zeit und ihrem noch ungeklärten Empfinden entsprechen, auszugreifen und zu einem Teil ihrer Politik zu machen. Sie hat im Weltkrieg um di« Unterstützung anderer Nationen geworben, indem sie vorgab, den Gedanken der Demokratie und der Menschenrechte verteidigen zu müssen. Sie hat dann auch geschickt aus dieser Parole heraus, die der französischen Politik die Verbindung mit Amerika gegeben hatte, den Gedanken des Völkerbundes aufgegriffen, sich zu eigen gemacht und seine praktische Verwirklichung betrieben. Und als dann au- der Erinnerung an die Schrecken des Weltkriege- und aus dem Destrebcn nach allgemeiner Konsolidierung die Idee der garantierten Sicherheit die Völker beschäftigte, war es wiederum Frankreich, das dem Völkerbund das sogenannte Genfer Protokoll vorgelegt hat, jener Friedenspakt, der den Besitzstand der Mächte gegen angeblich« Angrifssabsichten sichern sollte.
die allgemeine Entwicklung des Schieds- und Sicher- heitssyslems. die allmähliche Ausdehnung der in Locarno begonnenen Politik internationaler Garantien auf die ganze europäische Gemeinschaft bis zur Eingliederung der Sonderabkommen in ein allgemeines System umfassen.
Diese Richtlinien sehen einem verschämten Versuch verzweifelt ähnlich. Frankreich aus dem Umwege über die europäische Föderation einen Ersatz für den Sicherheitspakt, der Briand trotz oller Bemühungen infolge des englischen Widerstandes entgangen ist, zu verschaffen und damit Frankreichs Führerstellung auf dem europäischen Kontinent von vornherein und auf lange Zeit zu sichern. Eine der- art aufgefaßte europäische Union würde natürlich in hohem Maße dazu beitragen, die gegenwär- t i g c politische Kräfteverteilung in Skeptische Ausm
Äriands Hintergi
Europa zu stabilisieren und etwaige Abänderungsforderungen der national nicht saturierten Völker, in erster Linie der I t a I i c n c r und der Deutschen, zu unterbinden. Deutschlands Bemühungen müssen also bei aller Bejahung des Briandschen Projektes darauf gerichtet sein, eine weitere B e - s ch n e i d u n g der an sich schon recht dürftigen Mittel, unsere Forderungen auf Revision des vom Versailler Vertrag aufgerichteten europäischen Statuts durchzusetzen, zu verhindern. Italien wird sicherlich nicht versäumen, dem französischen Außenminister klar zu machen, daß eine unerläßliche Vorbedingung für die Durchführung seines Planes die Bereinigung der noch bestehenden italienisch-französischen Differenzen, also mehr oder weniger die Erfüllung der italienischen Expansionsbestrebungen ist.
hme in England,
anken durchschaut.
Der französische Vorstoß mißlang, da England die Annahme des Genfer Protokolls, das ein Sicherheitssystem für die ganze Welt schaffen sollte, verweigert hat. wenn auch die Völkerbundsversomm- lung im Oktober 1924 den Friedenspakt annahm. Run folgt das Briandfche Memorandum über den Zusammenschluß Europas, wieder geboren aus taufend Hoffnungen auf einen friedlichen Kontinent, di« die französische Politik zu verwirk- Uchen sucht. Die allgemeine Linie ist deutlich, sie acht von dem Schlagwort der Demokratie als Kriegsparole über die weitere Idee des Völkerbundes zu dem weitgesteckten Ziel einer international garantierten Sicherheitskonvention und biegt jetzt nach deren Mißlingen wieder auf einen engeren Bereich, auf Europa, zurück. Aus diesen Zusammenhängen ist es verständlich, wenn auch die überzeugtesten Anhänger vom Zusammenschluß Europas. von der Notwendigkeit seines inneren Ausgleiches und dem Abbau feiner internen Zoll- mauern, wenigstens in Deutschland, zunächst mit einiger Vorsicht dem umfangreichen Briandschen Dokument gegenüberstehen. Die Skepsis ist um so mehr verständlich, als die deutsche Dcffcnt» lichkeit de r Programme und Verspre- chungen müde geworden ist und zudem in den letzten Jahren sehr bitterlich hat erleben müssen, wie die anderen großen Fragen der internationalen Politik, vor allem das Problem der A b r ü st u n g , trotz klar formulierter Satzung im Völkerbund verschleppt wurden und u n g e l ö st blieben.
Vergleicht man die von Driand gegebenen Anregungen mit dem unlängst von dem Grasen Eoudenhove-Kalergi veröffentlichten Projekt der »Vereinigten Staaten von Europa", so fällt die außerordentliche Zurückhaltung des französischen Außenministers hinsichtlich der politischen Organisation des zu gründenden europäischen Staatenbundes aus. Während der Führer der paneuropäischen Bewegung in seinem Plane die Schaffung einer europäischen Staatsangehörigkeit für alle Untertanen der dem Bunde angeschlossenen Länder sowie sämtliche Legislativ- und Exekutivorgane, wie sie zum Beispiel die Bereinigten Staaten von Amerika besitzen, vorsieht, findet sich von all dem nichts in der Briandschen Denkschrift. Als kluger Diplomat weiß Briand nur zu genau, daß sein Projekt von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre, wenn er im gegenwärtigen Stadium der Entwicklung von den für die Mitgliedschaft in Frage kommenden Staaten den Verzicht auf einen noch so kleinen Teil ihrer Souveränität verlangen würde. Darum sucht er die Einigung zwischen den Völkern Europas aus der völligen politischen Unabhängigkeit der einzelnen Länder aufzudauen. Und er verwahrt sich ausdrücklich dagegen, daß innerhalb der Organisation, die sich freiwillig unter die Kontrolle des Völkerbundes stellen werde, an eine politische Beherrschung in irgendeiner Form gedacht werden könne.
Aus diesem Grunde soll dem Zusammenschluß eine möglichst liberale Formel zugrunde gelegt werden. die ganz allgemein die Hauptaufgabe der Vereinigung, nämlich die Signatarmächte auf eine bestimmte. gemeinsame Friedenspolitik zu verpflichten, definieren würde. Der Zukunft soll es überladen bleiben, die europäische Union weiter zu entwickeln und evtl, diesen grundsätzlichen Pakt zu einer Art Bundesverfassung auszugestalten.
Driands Vorschlag geht zunächst dahin, ganz allgemein die Wirtfckaftsprobleme den politischen Problemen unterzuordnen, ein Vorschlag, an dem man an sich wohl wenig auszusetzen hätte, wenn er nicht, allerdings in vorsichtiger Form, mit der nächgerade schon unvermeidlich gewordenen Sicherheitsfrage verknüpft wäre. „Da jede Möglichkeit des Fortschritts auf dem Wege zur wirtschaftlichen Union durch die Sicherheitsfrage bestimmt wird, und da diese Frage selbst eng mit der des auf dem Wege zur politischen Union zu erzielenden Fortschritts verknüpft ist", so heißt es in der Denkschrift, „sollten zunächst die konstruktiven Bemühungen, Europa seine organische Struktur zu geben, auf das politische Gebiet verlegt werden." Und weiter bezeichnet die Denkschrift es als „logisch und normal, daß die der Gesamtheit zu bringenden Wirtschaftsopfer nur in der Entwicklung einer politischen Situation ihre Rechtfertiguna finden können, die das Vertrauen zwischen den Völkern und die wahre Befriedung der Geister gestattet." Eine derartige Auffassung könne
London, 19. Mai. (IcL-Un.) Briands Paneuropavorschlag findet in den Morgenblättern keine übermäßig günstige Ausnahme. Die „Times" weist darauf hin, daß die Einstellung der englischen Oefsentlichkeit und der Domimons, wie die Flottenkonferenz gezeigt habe, gegen jede Verquickung mit den europäischen Schwierigkeiten sei, die irgendeinem Mit- glied des britischen Weltreichs unbestimmte Verantwortlichkeiten auferlegen würde. Der „Daily Telegraph" sagt, wenn dieser Plan praktische Gestalt gewinne, was sehr bezweifelt wer- den müsse, werde er in der Wirkung eine Her- ausforderung Großbritanniens bedeuten. „Daily News" vertritt unter Hinweis darauf, daß die Behandlung der Abrüstungsfrage durch den Völkerbund keine rechten Fortschritte macht, die Auffassung, daß Frankreich, anstatt die Errichtung einer neuen Maschinerie zu planen, seine Energie fester auf die Vervollkommnung bereits bestehender Einrichtungen verwenden würde. „Dailn Expreß" sagt, Großbritannien werde einem solchen Plane kaum zustimmen. Der liberale „Manchester Guardian" sagt: Die tiefere Bedeutung des Planes lieg« darin, daß Briand auf das Genfer Protokoll vom Jahre 1924 zurückzugehen wünsche, daß alle Mitglieder des Völkerbundes zu zwingen suchte, wenn nötig mit Gewalt, das bestehende System des Friedens, wie es durch die Friedensoertäge fest gelegt wurde, aufrechtzuerhalten. Die französische Politik habe sich nicht geändert und das Hauptziel jedes französischen Außenministers seit dem Kriege habe darin bestanden, zusätzliche Garantien für Frankreich herauszuholen. Man könne kaum ernst- lich erwarten, daß die britische oder deutsche Regierung den Plan annehmen und der Garantie der bestehenden Grenzen zustimmen würde. Tatsächlich werde durch den Plan die gan,;e Frage einer R e • vision der F r i e de n s v e r t r ä g« , die früher oder später auftautfren müsse, auf gerollt und es würde die Atmosphäre reinigen, wenn die Regierungen, die an die schließliche Notwendigkeit einer Revision glauben, dies offen ausspre - ch e n würden.
Die Paneuropäische Llnön in Berlin.
Berlin, 19. Mai. (WTD) Unter Vorsitz des Präsidenten Graf Loudenhove-Kalergi versammelten sich im Hotel Kaiserhof die Delegierten der Paneuropa-Organisationen aus ganz Europa, um zu dem Briandschen Memorandum Stellung zu nehmen. Aach eingehender Diskussion. bei der u. a. Amery (London), Loucheur (Paris), Dr. Aobert Bosch (Stuttgart), Rin- tschitsch (Belgrad), Lednicki (Warschau), Ken- nintsch (Aiga), Serruys (Paris), und Generaldirektor Dr. Heilner (Stuttgart) sprachen, wurde auf Antrag Eoudenhove folgende Entschließung angenommen: „5>ie Paneuropakonferenz begrüßt das Memorandum Driands als ersten realpolitischen Schritt zur Durchführung ihres Zieles des europäischen ötaatenbun- dcs. Sie ist entschlossen, sich mit ganzer Kraft für die Annahme dieses Vorschlages durch die daran interessierten Mächte einzusetzen."
Auf einer zweiten Kundgebung der Paneuropäischen Union führte der frühere französische Minister Loucheur u. a. aus: Wir haben in Europa einen Ueberfluß an Produk- t i o n, und man zählt mehr a l s fünf Millionen Arbeitslose. Es handelt sich vor allem darum, die Produktion in allen Teilen Europas miteinander in Einklang zu bringen und sich ergänzen zu lassen. Wie kann man das zustandcbringen? Durch ein einziges Mittel: Durch das Mittel internationaler — zuerst intereuropäischer — Vereinbarungen auf allen großen Produktionsgebieten- An die Spitze der Zusammenschluhbewegung müssen sich in gemeinsamer Bemühung Frankreich und Deutschland vereint stellen. Wir beide, Franzosen und Deutsche, haben kein Bedürfnis mehr, uns geenseittg Beweise unserer Tapferkeit und unserer Intelligenz zu geben. Alle übrigen Aationcn Europas haben ihre Augen auf uns gerichtet. Durch unsere gemeinsame Aktion werden wir jede Schwierigkeit überwinden.
Frankreich lädt brüderlich alle Nationen Europas ein, sich zu vereinigen, um gemeinsames Elend und gemeinsame Gefahren zu bekämpfen. So groß die Schwierigkeiten auch sein mögen, wenn Frankreich und Deutschland es wirklich wollen, wenn sie sich in herzlichem Einvernehmen mit England zusammentun, werden sie über alle Schwierigkeiten Sieger bleiben.
Der Nektor der landwirtschaftlichen Hochschule, Geheimrat Prof. Aereboe, Berlin, sprach sodann über Paneuropa als Agrarproblem. Wenn Europa nicht bald selbst e i n großes zusammenhängendes Wirtschaftsgebiet schaffe, werde es von der fortlaufenden Entwicklung an die Wand gedrückt werden. Europa könne sich aus seinen wirtschaftlichen Nöten nur durch Wiedergewinnung der industriellen Konkurrenzfähigkeit gegenüber Amerika, nicht aber durch hohe Zölle retten.
Italien ist gerüstet.
Grotze Truppenparade in Florenz vor Mussolini.
Florenz, 19. Mai. (Agenzia Stefani.) In der Uniform eines kommandierenden Generals der Miliz hielt Mussolini heute auf dem Truppenübungsplatz bei Florenz eine Parade ab, der auch der Kriegsminister, die Minister für Luftfahrt und Marine, der Generalstabschef der Miliz, mehrere Unterstaatssekretär, Sekretäre der Faschistischen Partei sowie zahlreiche Generäle beiwohnten. Ferner sah man mehrere Militärattaches fremder Mächte in Uniform. Während des Vorbeimarsches der Truppenkörper, die aus Abteilungen des Heeres, der Luftfahrt, der Miliz und der technischen Waffengattungen bestanden, zog ein Geschwader von 120 Flugzeugen über dem Parade- Platz eine kunstvolle Schleife. Nach der Parade richtete Mussolini an die Soldaten eine Ansprache. in der er u. a. ausführte: Wenn die Iugend unter den Waffen steht, gehen alle Gedanken zu Seiner Majestät, dem obersten Kriegsherrn, dessen Befehle wir bis xum letzten erfüllen. Rüstet Arme und Herzen. Damit ihr, wenn das Vaterland ruft, bereit seid, es zu verteidigen. Unter den Klängen der Königshymne und der Giovinezza sowie dem Beisallstoben der Zuschauermenge begab sich Mussolini sodann mit seinem Gefolge zu Pferde in die Stadt zurück, wo er von den Dalkonen mit einem wahren Dlumenregen überschüttet wurde.
Mussolini erklärte in einer weiteren Rede: Hin - ter der Grenze seien Gruppen, Parteien und Männer, die sich zu gemeinsamer Ausnutzung der unsterblichen Grundsätze, d. h. zu dem größten und geriebensten Betrug, der heute zum Schaden der Völker vollführt werde, zusammengetan hätten. Sie glaubten, Italien isolieren zu können und seien, obgleich sie „liberal, demokratisch und pazifistisch" seien, nicht abgeneigt, einen Krieg gegen das italienische Volk zu entfesseln. „Wir warten am Grenzübergang und wenn sich derlei an der Grenze abspielen sollte, so werden wir, das Volk, die Schwarzhemden und das Heer, unseren Platz mit einem noch nie gesehenen Schwung ausfüUen. Italien ist jetzt in allen seinen Kräften so organisiert, daß man es nicht ohne Todesgefahr an- greifen kann." Nach einem Bekenntnis zum Faschismus als der politifchen Lebensform des italienischen Volkes und überhaupt der politischen Daseinsform des kommenden Jahrhunderts bekannte sich der Duce zu dem neuen großen BauProgramm der italienischen Flotte. Das italienische Volk werde Opfer bringen, um nicht Gefangener auf dem Meere zu sein, das Rom einmal beherrscht habe. Falls es an den Grenzen losgehe, werde Italien auf dem Posten fein, und zwar mit einer Begeisterung, wie man sie bisher noch nicht gekannt habe. Dann sprach er über die Trup- penschau, und fügte hinzu, daß Worte wohl etwas sehr Schönes seien, aber Gewehre, Maschinengewehre, Schiffe, Flugzeuge und Kanonen feien noch etwas Schöneres. Denn das Recht ohne Macht fei ein leeres Wort und Macchiaoelli habe gesagt, daß Propheten ohne Waffen zugrundegehen. Für ein machtvoll bewaffnetes Italien gebe es nur entweder wertvolle Freundschaft oder sehr bittere Feindschaft.
pariser Echo,
französische Blätter zur '«Hebe Mussolinis.
Pari«. 19. Mai. (WTD.) Pariser Blätter ziehen einen Vergleich zwischen der Rede, die Ministerpräsident Tardieu gestern vor den ehemaligen Frontkämpfern in Lyon gehalten hat, und der Rede Mussolinis in Florenz. Dee „Aveni r' hebt aus TardieuS Ausführungen als bedeutsam den Hinweis auf den französischen Aationsehler hervor, den individuellen Stolz, der in einer und derselben Generation Uneinigkeit schaffe, fährt dann aber fort: „Lassen wir uns nicht durch trübe Gedanken beeinflussen. Vergleichen toir, um uns darüber zu freuen, Franzosen zu sein, den erhabenen Ton der Rede TardieuS vor seinen ehemaligen Waffenbrüdern mit der, die unter ähnlichen llmständen Mussolini gehalten hat. Europäer, sagt, wo sind die Menschen guten Wille nS? Ihr werdet antworten, daß Mussolini selbst eine Erklärung für seine Nervosität gegeben hat: „Wir können uns nicht sehenl". nun wohl, dann soll er sich legen!" — „2a Republique " schreibt: Noch niemals hat ein Regierungschef sich zu derartigen offiziellen Erklärungen gegen die Grundsätze der Gerechtigkeit und der Freiheit hinreißen lassen. Mussolini wendet sich gegen jedes Ideal. Er will von seinem Volke alles trennen, was nicht ausgesprochen egoistisch ist. Er schüttelt die Faust und richtet an die Welt eine Herausforderung. Müßte er sich nicht fürchten, das schöne lächelnde Gesicht Italiens, das doch seinen wahren Ruhm ausmacht, unter einer kriegerischen Maske zu verstecken?, und Italien ist Mitglied des Völkerbünde-. Wird der Völkerbund, der doch die Sprache deS Frieden- reden muß, antworten, wenn man dis Sprache de- Krieges spricht?
Tardieu bestätigt den Räumungsbefehl.
Am 30. Juni soll die vollzogene Räumung offiziell notifiz crt werden.
Paris, 19. Mal. (2BIB.) Ministerpräsident Tardieu empfing um 12 Uhr den deutschen Bo(- schaster von hoesch, Außenminister Briand. den sranzösischen Delegierten bei der Rheinlandkorn- mission Tirard und General Gu illau mal. den Oberbefehlshaber des Besahungsheeres. Der französische Ministerpräsident bestätigte dem deutschen Bosschafter, daß, nachdem der tzoungplan am Samstag in Kraft getreten ist, die französische Negierung gemäß ihren Erklärungen vor dem Parlament den Befehl erteilt hat, die dritte Rheinlandzone zu räumen. Die Bertreter Frankreichs und Deutschlands haben außerdem ihr Einverständnis über die verschiedenen die Räumung betreffenden Linzelfragen, die gemäß dem von der Rheinlandkommission und den französischen Militärbehörden ausgestellten Programm durchgeführt werden, gegeben. 3n Ausführung dieses Programms werden alle französischen Truppen d i e dritte Besahungszone am 30.3 u n 1 verlassen haben, und das Ende der Besetzung wird an diesem Tage offiziell notifiziert werden.
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Wie wir aus gut unterrichteter Duelle erfahren, zählt die B e s a tz u n g s a r m e e , die bis zum 36. Juni abtransportiert sein muß, jetzt noch etwa 35 000 Mann. Die letzte amtliche Zählung von französischer Seite hat den 15. Dezember 1929 zum Stichtag, damals wurden ebenfalls 35 000 Mann iezählt, und es ist anzunehmen, daß wesentliche Der- chiebungen seit diesem Zeitpunkt nicht eingetreten ind. Man hat zwar Abtransports vorgenommen, aber dafür sind neue Kontingente, vor allem Rekruten, in das besetzte Gebiet gebracht worden. Die Besatzungsarmee hat dagegen in den letzten Mo- Noten ihre Materiallager im besetzten Gebiet gelichtet und vor allem Munition nach Frankreich zurücktransportiert, was immerhin eine gewisse Erleichterung für die nun beginnend eigentliche Räumung bedeutet. Mit dem Abtransport der reinen Truppe ist die Roumungsaufgabe aber nicht gelost, da einmal mit der Befotzungs- armes ein ziemlich ausgedehnter Verwaltungsapparat wie Intendanturen usw. verbunden ist, und das Ofizierskorps auch seinen Familien- an Hang mit in das besetzte Gebiet gebracht hat. Man schätzt, daß die Gesamtzahl der auf Grund der Besetzung im Rheinland weilenden ausländischen Truppenteile einschließlich Anhang heute rund 50 000 Menschen beträgt.
Die erhöhte Umsatzsteuer derKousum- genossenschafien und Warenhäuser.
Berlin, 19. Mai. (Vdz.) Die Zentrumsfraktion des Reichstags ersucht in einem Antrag die Reichsregierung, bis spätestens zum Herbst diese- Iahres einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach die im April im Llmsahsteuer- geleh beschlossene Heranziehung der Konsumgenossenschaften und Warenhäuser zur erhöhten Llmsatzsteuer wieder beseitigt werden soll. Ferner hat


