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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 20. März 1930.

provinzMagung des Verbandes evang.- lirchlicher Araucnvereine in Hessen.

Am Mittwoch fand im Markussaal eine Be­sprechung von Vorsitzenden und Vertreterinnen der Vereine des Verbandes evangelisch-kirchlicher Frauenvereine in Hessen unter Leitung von Frau 3. Heraeus (Offenbach) statt. Hauptgegen­stand der Beratungen war die Arbeit der Hausfrauen abteilungen. Zu den für die Allgemeinheit wichtigen Fragen gehört der Entwurf des Hausgehilfinnengesehes,' die wirt- schäftliche Rot: Konsument und Produzent: es gehört heute Heberzeugung dazu, w i e man für das Vaterland arbeitet: die Beziehungen zwischen Stadt- und Landfrau. Je nach den örtlichen Ver­hältnissen wäre zu sprechen über Verwendung von Gas und Elektrizität, vereinfachtes Kochen, Wäschebehandlung. Geflügelzucht, Obst- und Ge­müseverwertung u. a. m.; die Unterstützung der Landwirtschaftskammer ist dabei gesichert. Für einen Protest gegen die allgemeine Einführung der Hausangestelltensteuer sprach man sich ein­mütig aus. Die Aussprache über die verschie­denen Punkte war sehr rege.

In der nach gemeinsamem Lied von Dekan G u ß m a n n (Kirchberg) eröffneten und von der stellvertretenden Vorsitzenden Frau v. W u st r o w (Darmstadt) begrüßten stark besuchten Rachrnit- tagsversammluna im Cafe Leib hielt Pfarrer Lange (Frankfurt a. M.^ einen Vortrag über Gemeinschaftsbewußtsein und Der- antwortungsgefühl". Beide liegen heute darnieder in unferm deutschen Volke. Von der evangelischen Frau als Gattin und Mutter wird hier viel erwartet: sie hat die Aufgabe, das Heim so zu gestalten, daß der Mann sich darauf freuen kann: sie soll die Arbeit der christlichen Liebe in der Gemeinde tragen helfen: sie muß mehr wissen von der Vot unseres Volkes, so auf dem Gebiet des Alkohols, des Kinos, des Zeitungswesens, des christlichen Dolksdienstes. Eine Reform unseres Christentums ist die Vor­bedingung für eine Besserung: es gilt wieder Zeit haben zur Stille: vor allem Kampf dem Waschteusel, dem Putzteufel! Stille Stunden sind möglich am Rähtisch, beim Kirchgang, beim Spa­ziergang, im Gebetskämmerlein: seine Vernach­lässigung ist Zehrung am Kapital. Vötig ist dienende Liebe zum Mann, zumal der Männer Krankheit der Zorn ist: sie ist der Weg zum rechten Herrschen: vom Mann verlange sie Ritterlichkeit: dem Kinde gegenüber sind die Dämmerstunden die Geburt-stunden des Ver­trauens. Aelter werdende Kinder müssen der Eltern Freunde werden: der Sonntag muß der Tag der Familie sein, auf den sich jedes Glied freut: ..Daheim ist daheim." Auch das Gesinde sollte mit in die Familie genommen werden. Mehr Dank und Zucht, kein Schmutz und fein, Klatsch: Die christliche Frau muß viel sehen und hören, aber auch viel schweigen können: nicht borgen und gerne sich fortbilden. Hier haten die Frauen­abende ihre besondere Aufgabe, zumal die Frau oft zum Bücherlesen zu müde ist. Ein jeder schaffe an seinem Platz das Beste, und der Segen wird sich auswirken an unserem Volk.

Die Ausführungen wurden mit lebhaftem Bei­fall ausgenommen und auf eine Aussprache ver­zichtet.

" Seinen 7 5. Geburtstag begeht heute der Mützenmacher Th. Schmidt, Reuen Bäue 6 wohnhaft.

** Der Kriegerverein Gießen hielt am Montagabend imPostkeller" seine gut besuchte Jahresversammlung ab. Rach dem Jahresbericht ist die Mitg'.iederzahl des Ver­eins trotz neun Sterbefälle und Wegzüge durch Reueintritt auf ihrer alten Höhe geblieben. Die

Me gesiedelte Schlange.

Roman von Edgar Wallace.

4 Fortsetzung 'Jfarbbrurf verboten

Mit beschwingten, leichten Schritten verließ sie das Haus. Sie war froh und heiter gestimmt. Als sie schnell aus der düsteren Rebenstraße in die Hauptstraße einbog, löste sich ein Mann aus dem Dunkel: er hatte sie von dem Augen­blick an beobachtet, als sie das Astoria-Hotel verließ. Geräuschlos überquerte er den Weg und folgte ihr. Seine Gummisohlen verursachten nicht das geringste Geräusch. Sie ahnte nicht, daß sie verfolgt wurde, bis sie sich an einer Ecke umwandte und die dunkle Gestalt undeutlich durch den Rebel sah.

Zuerst wollte sie davonlaufen, dann über­legte sie, daß sie besser innehielt und wartete, bis er vorübergegangen war. Qlber dann be­merkte sie, daß auch die dunkle Gestalt stehen- blieb. Rur einen Augenblick konnte sie den Mann sehen, dann war er im Rebel verschwunden. Bald erkannte sie auch, warum er ihr nicht mehr folgte.

Ein Polizist in Mantel und Helm kam langsam aus sie zu. Die Diener der gefiederten Schlange vermeiden die Berührung mit der Polizei.

4.

Hnsreundliche Leute sagten, daß Mr. Leicester Crewe seinen Ramen einem Fahrplan entnom­men habe. Einige hatten auch noch eine dunkle Erinnerung an jene Tage, in denen es ihm noch nicht gut ging und er sich auf der Effekten­börse hemmtrieo, wo er eigentlich nichts zu suchen halte und der Polizei verdächtig tourte. Da­mals hieß er einiach Billy, ging ausfällig ge­kleidet und hatte nur geringe Geldmittel, aber eine unheimliche Kenntnis in Minenaktien.

Mr. Crewe dachte an diese Zeit, an die engen Rebenstraßen hinter den vornehmen Gebäuden, an ben_ ctoig dauernden Vebelregen, an den gelten Schein der Straßenlampen, der sich nut mühsam durch den dichten Rebel kämpfte, und an die geschäftigen Clerks der großen Firmen, die ohne Hut über die Straßen eilten. Er zuckte bei diesen Gedanken vpr Schmerz zusam­men und sah sich mit einem düsteren Blick in der schönen Bibliothek seines Hauses um, das durch besondere Umstände sein Eigentum geworden war. Wie lange würde er noch über dielen prächtigen Besitz verfügen? Hatte dieses unheimlich narrende Schlangenbild irgendeine un­heilbringende Vorbedeutung?

Es war sechs Uhr abends. Kurz zuvor war Daphne Olroyd von ihrem Besuch bei ihrem neuen Chef zurückgekommen. Mr. Crewe wußte noch nichts von dem bevorstehenden Austritt feiner Sekretärin. Er war früher heimgekehrt.

Dereinskasse weist dank der regen Tätigkeit des verdienten Rechners Waas einen sehr gün­stigen Stand auf und es konnten zahlreiche Hnterstühungen an in Rot befindliche Kame­raden gewährt werden. Die Kleinkaliberschützen­abteilung pflegte den Schießsport derart, daß durch die hervorragenden Schiehleistungen der Kameraden Wilhelm Hainbach, Willi Georg, Georg Sch illing und Heinrich Mooh, die für ihre höchsten Schiehleistungen die Hassianadel verliehen bekamen, . dem Krieger­verein Gießen bei dem ersten vorjährigen Hassia- meisterschaftsschießen in Offenbach der Wander­preis errungen wurde. Das zweite Hassia- meisterschaftsschiehen soll im September 1930 in Gießen stattfinden. Vor Eintritt in die Tages­ordnung hielt Rittmeister a. D. Freiherr von Berlepsch einen interessanten Vortrag über Die wirtschaftliche Mobilmachung des Aus­landes", der zeigte, in welcher Weise auf den verschiedensten Gebieten alle Mächte ringsum zum Kriege rüsten, und in welcher Gefahr da­durch das entwaffnete Deutschland sich befindet. Der 1. Vorsitzende, Landgerichtsrat Tr ürn - p e r t, richtete deshalb ernste Worte der Mah­nung an die Versammlung, daß jeder Deutsche mithelfen möge, daß der Geist, der ein Volk wehrfähig mache, und der uns einst so groß machte, gepflegt werde und nicht verloren gehe. Weiter wurden das reichausgebaute Versiche­rungswesen der Kriegerkameradschaft Hassia und die Heranziehung der Jugend besprochen.

* Lichtbilder-Vortrag. Auf Veran­lassung ter Gießener Schuhmacher-Zwangs­innung fand gestern abend im Caf6 Leib ein Vortrag des Gewerbe-Oberlehrers S a h m über Fußleiden und ihre Behandlung" statt. An Hand von über 100 Lichtbildern zeigte der Vor­tragende den Knochenbau des Fußes sowohl in normalem, wie in krankhaftem Zustande. Cs war für die Zuhörerschaft in ausgiebigem Maße ersichtlich, daß das Fuhleiden in den verschiedensten Formen ein weitverbreitetes Hebel ist. Als Ursachen dieser Erscheinung be­zeichnet der Redner im allgemeinen den Kultur­fortschritt, die Ausartungen der Mode und be­sonders die Herstellung des Echuhwerks ohne Rücksicht auf die Individualität der Träger. Redner empfahl, Serienschuhe nur bei guten Fachleuten zu kaufen. Es müsse auch den Repara­turen, durch die oft die bestsihenden Schuhe zur Ursache von Fuhleiden werden könnten, mehr Beachtung zuteil werden. Daß schließlich die Lederbeschaffenheit einen bedeutenden Einfluß auf die Gesundheit des Fußes habe, sei selbst­verständlich. Der Redner kam nach seinen leicht- verständlichen Ausführungen zu dem Schluß, daß nach individuellen Grundsätzen durch tüchtige Maßschuhmachermeister hergestelltes Schuhwerk und dessen Reparatur den Fuhkrankheiten vor­beuge.

Oberhejsische Oorfkirchenvorsteheriacrung in Londorf.

ch Londorf, 18. März. Gestern fand hier eine Dorfkirchenvor st e Vertagung Cer Ver­einigung oberhessischer Dorfkirchen­freunde statt, zu der sich nach vorsichtiger Schätzung wohl mehr als 350 Kirchenvorsteher, Kirchengemeintevertreter und sonstige Freunde der Dorfkirche eingefunden hatten.

Eine am Sonntagabend veranstaltete Fami­lienfeier bildete den Auftakt ter Tagung. Der Saal einer hiesigen Wirtschaft war bis zum letzten Platz gefüllt. Der Abend bekam ein be­sonderes Gepräge, trat doch dabei zum ersten Male ter von unserem Ortsgeistlichen, Pfarrer Bühler, gegründete und unter seiner Leitung stehende Posaunenchor an die Öffentlichkeit und verschönte durch Vortrag und Begleitung einiger Choräle den Familienatend wesentlich. Auch der Kirchengesangverein, ein gemischter Chor unter Leitung des bewährten Dirigenten Lehrer T r i n k a u s von hier, brachte eine An­

weil er noch eine sehr wichtige Verabredung hatte. Als er daran dachte, öffnete er den Geld- schrank in der Mauer und nahm ein schmutziges Stück Papier daraus hervor, auf dem einige falsch geschriebene Worte in groben Schrift­zügen standen. Er las es, faltete es wieder zu­sammen und steckte es in die Westentasche, als der Diener kam, um Kohlen nachzulegen.

Ist der Mann noch nicht da?"

Rein, mein Herr."

Mr. Crewe zog die Stirn nachdenklich zu­sammen.

Bringen Sie ihn sofort zu mir, wenn er kommt. Ich mochte nicht, daß Sie ihn aus dem Auge lassen, er ist ein entlassener Sträfling ich kannte ihn früher einmal hm bevor er ins Gefängnis kam."

Sehr wohl, mein Herr."

Zehn Minuten verstrichen, das silberhelle Glockenspiel der kleinen Hhr auf dem Kamin schlug halb. Mr. Crewe sah mechanisch und un­nötigerweise auf seine Taschenuhr. In diesem Augenblick öffnete sich die Tür, und der Diener nötigte den Besucher, einzutreten. Es war ein kah'köpsiger, kleiner Mann in abgerifer.en Klei­dern. Trotzdem waren seine alten Schuhe sauber geputzt. Rach seinem Gesicht hätte er ein alter Cherubim sein können, wenn nicht große Rarben fein unrasiertes Kinn verunziert hätten und der Blick seiner Augen nicht etwas argwöhnisch gewesen wäre.

Hugg, mein Herr Harry Hugg", stellte er sich vor.

Mr. Crewe winkte dem Diener, sich zu ent­fernen.

Vor zwei Monaten erhielt ich von Ihnen einen Brief", sagte er, als sich die Türe ge­schlossen hatte.Ich habe damals nicht darauf geantwortet, weil ich mich nicht auf den Mann besinnen konnte. '2Ibcr seitdem hat sich etwas zugetragen, was dies nötig machte und mich zwang, mich mit Ihnen in Verbindung zu setzen. Ich besinne mich jetzt Lane war es nicht dieser Raine?"

Mr. Hugg nickte. Er ließ seinen Kopf hängen und stand verlassen in der Mitte des Zimmers. Mr Crewe bot ihm keinen Platz an. Für diesen beschmutzten Menschen gab es in seinem Haus keinen Stuhl.

Lane - William Lane kriegte sieben Jahre für Falschmünzerei"

Falschmünzerei?"

Hat Banknoten gefälscht. Sie haben ihn in dem Haus mit der Druckpresse gefangengenom- men. Er bekam sieben Jahre es war oben­drein seine erste Straftat Der alte Battersby verurteilte immer zu sieben Jahren. Leichtere Strafen kannte er überhaupt nicht. Ein ruhiger Mensch, dieser Lane wir beide waren in demselben Flügel in Dartmoor. Merkwürdiger­

zahl stimmungs- und wirkungsvoller Chore zu Gehör. Im Mittelpunkt des Abends stand die Ansprache von Dekan Scriba aus Ridda, der in früheren Jahren einige Zeit hier als Pfarr­vikar gewirkt hatte und der es verstand, in humorvollen Worten die Anwesenden im Geiste in jene Zeit zurückzuversetzen. In anschaulicher Weise schilderte er seine damaligen Erlebnisse in den Ki.chfpielsgemeinten und loste damit manche frohe Stimmung und Erinnerung aus. Musika­lische und gesangliche Darbietungen wechselten einander ab. Pfarrer Bühler, ter Leiter des Abends, ter sich um das Zustandekommen reich­lich bemüht hatte, brachte dem Redner den Dank der Anwesenden zum Ausdruck und schloß die Feier mit einem Aufruf zur recht zahlreichen Beteiligung am kommenden Tag.

Der gestrige Haupttag sah eine stattliche Fest­gemeinde in der Dorfkirche, die zum Haupt- gottesdienst bis zum letzten Platze beseht war. Wiederum hatte sich der gemischte Chor unter Lehrer Trinkaus' Stab in den Dienst der guten Sache gestellt und durch einige Lieder den Gottesdienst verschönt. Der Superintendent für Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner aus Gießen, hielt die Festpredigt, ter er die folgen­den Textworte zugrunde legte:O, Jerusalem, ich will Wächter auf deine Mauern bettelten, die den ganzen Tag und die ganze Rächt nimmer stille schweigen sollen, und die des Herrn ge­denken sollen, auf daß bei euch kein Schweigen sei und ihr von ihm nicht schweiget, bis daß Jeru­salem gefertigt und gesehet werde zum Lobe auf Erden." Seine Ausführungen sollten den Kirchen- Vorstehern und Kirchengemeindevertretern zeigen, daß sie als solche heute mehr denn je dazu be­rufen sind, ihr wichtiges Amt, das sie mit ihrer Verpflichtung am Altäre, übernommen haben, in der richtigen Weise ausführen. Der Prediger forderte von ihnen als denAugen ihres Pfar­rers", daß sie mit ihm das sittliche und religiöse Leben der einzelnen Glieder ter Kirche und Ge­meinte überwachen sollen und also somit ein verantwortungsvollesWächteramt" bekleiden, schließlich frohes Mutes sich gerne und willig in den Dienst der Kirche und damit Gottes stellen. Ohne Kampf wird das Wächteramt nicht immer durchzuführen fein. Kirchenvorsteher und Kirchen­gemeindevertreter müssen unbedingt, wie auch ter Pfarrer selbst, ein Vorbild für ihre Ge° meinteglieter sein und jederzeit mit gutem Bei­spiel durch eine einwandfreie Lebensweise voran­gehen. Die Predigt hinterlieh einen nachhaltigen Eindruck.

Während der Mittagspause wurden die aus­wärtigen Tagungsteilnehmer aufs beste von den Einwohnern Londorfs bewirtet und genossen in weitgehendstem Maße die dörfliche Gastfreundlich­keit.

Hm 13.30 Hhr nachmittags begann dann, eben­falls wieder in der geräumigen Kirche, die Rachversammlung, die von dem Vorsitzen­den der oberhessischen Dorfkirchenvereinigung, Pfarrer Mahr aus Gießen, eröffnet wurde und der im voraus schon allen Helfern und Mit­arbeitern dankte, die sich um das Zustande­kommen der Kirchenvorstehertagung in uneigen­nütziger Weise verdient gemacht haben. Darauf hielt der Prälat der hessischen Landeskirche D. Dr. Diehl (Darmstadt) einen Vortrag:W i e kam es im 16. Jahrhundert z u le­bendigen Gemeinden und was kön­nen to i r daraus für d i e Gegenwart lernen? Auf Grund seiner reichen ge­schichtlichen Kenntnisse und wissenschaftlichen For­schungen legte der Redner mit klaren, oft hu­morvollen Worten in tief schürfenden Ausfüh­rungen gewisse Beziehungen zwischen der heu­tigen Zeit und den Rachreformationsjahren im 16. Jahrhundert dar. Wie damals durch das religiöse Leben und Streben der Kirchenglieder, ganz besonders aber ihrer Führer und Streiter, das Volk geradezu zusammengeschweiht wurde, so soll und muh auch unser heutiges Volk, das

weise war er niemals krank oder traurig die ganze Zeit, die er absihen mußte. Ich und er, wir beide tarnen am gleichen Tag ins Gefäng­nis. Ich bekam eine Strafe, weil ich in ein Haus in Wimbledon eingebrochen hatte, und wir tarnen beide zu gleicher Zeit heraus."

Hat er meinen Ramen genannt?"

Hugg schüttelte den Kopf.

Rein, mein Herr, niemals. Wir gingen nach London, ich hatte Verwandte in Reading und lud ihn ein, mit mir zu fommen, denn er hatte fein Zuhause. Als wir mm nach Reading tarnen, fand ich, daß meine Verwandten fort waren. Deshalb wanderten wir auf der Landstraße nach Rewbury. Er starb in Thatcham fiel tot aus der Straße um.

Er framte ein Stück Papier aus seiner Tasche. Mr. Crewe griff hastig danach. Es war ein amtliches Dotument, das den Tod William Lanes mit unbekanntem Wohnsitz bestätigte.

Merkwürdig war es aber kurz bevor er starb, sagte er zu mir, als wir gerade die Straße entlang wanderten: ,Harry, wenn mir etwas zustoßen sollte, dann gehe zu Leicester Crewe und sage ihm, er soll nicht - nun weiß ich den Ausdruck nicht mehr ach so, er soll die gefiederte Schlange nicht vergessen!"'

Die gefieberte Schlange?" Crewe atmete schwer.Sind Sie - auch sicher?"

Harry Hugg nickte.

Das war aber schwer, sich daran zu erinnern wo ich doch kein gelehrter Mann bin."

War das alles, was er sagte? Hat er nicht noch etwas über einen anderen gesagt?"

Rein, mein Herr .sage ihm, er soll die ge­fiederte Schlange nicht vergessen'."

Dieser Ausdruck bedeutete nichts, es war Kau­derwelsch. Riemals vorher hatte Crewe in sei­nem Leben etwas von Schlangen gehört, von gefieberten ober ungefieberten. Sein Herz schlug etwas schneller - denn es bestand eine ge­wisse Gedankenverbindung zwischen dem toten William Lane und dieser phantastischen War­nung ...

Als Sie auf meinen Brief nicht antworteten, dachte ich, der arme, alte Lane müßte wohl ver­rückt gewesen sein", fuhr Hugg fort und drehte feine Kappe mechanisch in den Händen.Ich habe ihn sehr gern gehabt, er hat früher ein­mal mein Leben im Gefängnishospital gerettet. Ich wäre längst tot, wenn er nicht gewesen wäre."

Hnd jetzt ist er tot", unterbrach Mr. Crewe plötzlich das Schweigen.Wissen Sie es auch ganz bestimmt - Sie kannten ihn doch?"

Kannten ihn!" sagte Hugg verächtlich.So gut wie ich meine rechte Hand kenne. Ich war immer bei ihm, bis sie ihn begraben haben."

Hat er irgendwelche Verwandte hinterlassen?" Hugg verneinte.

durch eine furchtbare Zerklüftung immer mehr auch auf religiösem Gebiete auseinandergerifsen worden ist, mit Hilfe ter kirchlichen Organe zusammengeführt werden. In die Rachrefor­mationszeit fällt die Einführung der Konfirma­tion, die als die Mutter der hessischen Volks­schule anzusprechen ist. Im 18. Jahrhundert machte sich allerdings die Abhängigkeit der Kirche vom Staate immer mehr bemerkbar, und heute braucht der Staat wieder die Kirche. Der Vortragende legte den Kirchenvorstehern und Kirchengemeindevertretern besonders ans Herz, daß sie nach Art der früheren Senioren sich ihres verantwortungsvollen Postens volltewuht sein sollen und das Gefühl der Zusammengehö­rigkeit und brüderlichen Liebesdienstes nicht nur zu pflegen, sondern immer mehr vorzuleben hätten. Der Grundton seiner Worte war: Der Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und ein Dienstbarer Knecht aller Dinge an je­dermann! Der außerordentlich fesselnde Vortrag fand reichen und ungeteilten Beifall und rief eine lebhafte Aussprache hervor, an der sich wie­derholt der Redner selbst, sowie Deian G u ß - mann (Kirchberg), Bürgermeister Völfing (Ruppertenrod), Pfarrer Kalbhenn (Groß.- Buseck), Pfarrer Sattler (Wiefeck) beteilig­ten: auch zwei Richtpfarrer gaben Beispiele aus ihren Dörfern, in welcher Weife gerate die Kirchenvorsteher und Kirchengemeindevertreter für ihre Kirche wirken können.

Gegen 16.30 Hhr konnte der Vorsitzende, Pfar­rer Mahr, die angeregte Versammlung mit nochmaligem Danke an alle schließen.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck, 19. März. Der hiesige Rad - fahrerverein, gegr. 1900, kann in diesem Jahre auf sein ZOjähriges B e st e h e n zurückblicken. Der Verein, der schon seit seiner Gründung dem B. D. R. angehört, wird sein 30. Jubiläum festlich be­gehen und gleichzeitig das große ©aufommer^ f e st des B. D. R. (Gau Sieg-Lahn) damit verbinden. Für diese Veranstaltung, die am 5., 6. und 7. Juli stattfindet, läßt die Gemeindevertretung in dankenswerter Weise den neuen Festplatz am Ried fertigftellen; hierdurch erst wird diesem Fest das richtige Gepräge gegeben werden. Durch die gute Pflege speziell des Saalsportes ist der fefb gebende Verein seit den letzten Jahren sehr auf der Höhe, was die zahlreich errungenen Wertpreise bestätigen. Aber auch im ganzen Gau Sieg-Lahn ist der Verein durch die aktive sportliche Betätigung seiner Mitglieder bekannt und geschätzt. Es steht dyher zu erwarten, daß gelegentlich des Gausom. merfeftes die Gaukameraden sich in großer Zahl aus nächster und weiterer Umgebung zum fried­lichen Wettbewerb im Radsport hier einsinden wer­den.'Die Vorarbeiten für dieses große Sportfest sind bereits rege im Gange. Die Mitglieder des Radfahrervereins werden alles aufbieten, um das Fest, das in früheren Jahren nur in größeren Städten abgehalten werten konnte, zu gutem Ge­lingen zu bringen.

'Beuern, 20. März. Der hiesige Frauen- verein, ber im Gemeinbeleben eine beachtens­werte Stellung einnimmt, hatte dieser Tage für biesen Winter seinen letzten Vereinsabenb. Vor kurzem Don unserem Ortspfarrer Schmidt ge­gründet, zählt der Verein, der sich unter dem Vorsitz der Frau Pfarrer Schmidt gut be­festigt hat, 104 Mitglieder. So konnte der Verein auch schon, trotz seines kurzen Bestehens, int Holländischen Hof" einen Hnterhaltungsabenb abhalten, der sehr zahlreich besucht und in allen seinen Teilen wohlgelungen toar Deklamationen, Lieder, zwei kleine lebende Bilder, die großen Beifall fanden, und Chöre des Kirchengesang- vercins, von Lehrer Edelmann geleitet, der in dankenswerter Weise sich zur Verfügung stellte, sorgten dafür, daß es allen sehr gut gefallen hatte.

Ich habe nie etwas davon gehört diese ge­fiederte Schlange hat mich beunruhigt. Aber er war so ernst, als er es mir sagte, gar nicht wie ein Verrückter"

Mr. Crewe ging in dem Zimmer auf und ab. Er hatte den Kops auf die Brust gesenkt. Also diese Karten mit ihren rohen Gummistempeln toa*n keine Scherze! Der Angriff auf Ella hatte einen tiefen und unheimlichen Sinn. An­genommen, Lane wäre noch am Leben gegen wen würde er etwas unternehmen? Doch nur gegen Ella, Pa«la Staines, Joe Farmer und ihn selbst!

Hngeduldig zuckte er die Schultern und sah den srüheren Sträfling mit tiefem Mißtrauen an.

Hat er sonst nichts gesagt? Hat er beim Ihnen unb Ihren Freunben nicht noch eine Menge Lügen über mich norgef[untert? Hören Sie einmal zu, Hugg. Ich will gutes unb schönes Gelb bezahlen, wenn ich die Wahrheit heraus­bekomme. Sagen Sie mir also, was waren das für Geschichten, die er Ihnen in Dartmoor er­zählt hat?"

Aber Huggs Gesicht blieb ausdruckslos. Er schüttelte nur den Kopf.

Sagen Sie mir doch, mein Herr, was konnte er denn auch groß erzählen von einem Gent­leman, wie Sie es sind? Rebenbei war er ein gebildeter Mann, nicht so wie ich und die an­deren Stumpfböcke. Er hätte zu unsereinem nichts gesagt."

Crewe zog seine Brieftasche heraus unb ließ nachlässig eine Menge Banknoten burch bie Finger gleiten.

Wenn Ihnen hundert Psund etwas be­deuten?"

Mr. Hugg lächelte schmerzlich.

Das wäre noch einmal eine Lebensrettung aber ich kann Ihnen wirklich nichts sagen ob­gleich ich wünschte, daß ich es tonnte.

Leicester nahm zwei Roten unb reichte sie dem Mann. Er fühlte, bah er die Wahrheit sagte bah Lane tot war aber was hatte es mit ben gefieberten Schlangen auf sich?

»Hier sinb zwanzig Sie brauchen nicht wieberzukommen."

Der kleine Mann nahm bas Geld gierig an sich.

»Ich habe Ihre Abresse," fuhr Crewe fort, ..wenn Sie verziehen, lassen Sie es mich wissen. Ich werbe ben Totenschein an mich nehmen cs mag fein, bah ich einem unteren Leicester Crewe begegne, den er intereffiert

Die Augen bcs kleinen Mannes leuchteten auf, als er das Gelb nahm. Scheinbar hatte er diesen Erfolg seines Besuches nicht voraus- gesehen. Als Mr. Crewe nach dem Diener läu­tete, trat Hugg einen Schritt vor.

(Fortsetzung folgt.)