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dem Reichskanzler gehabt haben. Der Reichs­kanzler soll dabei zum Ausdruck gebracht haben, daß er mit gewissen Aenderungen der Dotverordnung sich einverstanden erklären könnte, soweit dies den Sinn und das Ziel des Regierungsprogramms nicht beein­trächtige. Die Sozialdemokraten werden vor allem versuchen, die Dürgerabga be (Kopfsteuer) aus dem Programm zu Fall zu bringen. Sollte dies nicht gelingen, so wollen die Sozialdemo- kratyt wenigstens eine Staffelung dieser Ab­gabe gesetzlich verankert haben.

Oer Tiroler Bauernbund und die Heimatwehren.

Lcharfc Stellungnahme gegen den politischen fturd der Heimatwehrcn.

Innsbruck, 18. Rov. (LU.) Großes Auf­sehen erregt eine Mitteilung des Tiroler Bauernbundes über die künftige Stellung­nahme des Bauernbundes zurHeimatwehr. Darin wird erklärt, daß sich der Landesbauern­rat am Montag mit den Ergebnissen der Ra- tionalratSwahlen beschäftigt habe. 3n den Ver­handlungen sei die tiefgehende Mißstim­mung zum Ausdruck gekommen, die sich der bäuerlichen^ Bevölkerung infolge der Kampfes- weise der neuen Partei des Heimatblockes be­mächtigt habe. Um volle Klarheit zu schaffen, Hobe der Landesbauernrat auch hinsichtlich der Person des bisherigen Bauernbundes-Abgeord­neten und Landesführers der Heimatwehren, Dr. S t e i d l e, die notwendigen Folgerungen ge­zogen.

An der Heimatwehr, so wird in der Mll- teilung weiter erklärt, lasse die Bauernschaft nicht rütteln. Aber sie verlange, dah sie z u ihren urspründlichen Zielen zurück- kehre und sich jeder aktiven Einmi­schung in die Tagespolitik und jeder Derbindung mit politischen Parteien enthalte. Zur Sicherung einer solchen, wahrhaft überpartei­lichen Haltung der Tiroler Heimatwehr verlange die Bauernschaft, dah die Leitung der Heimat­wehr dem Bundeshauptmann, also dem gesetzmäßigen Oberhaupt des Landes unterstellt werden solle. Der Landesbauernrat befaßte fich ferner mit den Vorgängen beim Empfang des MajorS P a b st auf dem Brenner nach seiner Rückkehr aus Venedig und verurteilte auf das s ch ä r f st e, dah durch eine solche würdelose Anbiederung an den ita­lienischen Faschismus dem Gefühle des Tiroler Volkes ins Gesicht ge­schlagen werd«. Eine weitere Mitarbeit des MajorS Pabst in der Tiroler Heimatwehr sei dadurch unmöglich geworden. Die Tiroler Dauern, die im Weltkriege Seite an Seite mit den Südtirolern gegen Italien gekämpft hätten, seien nicht gewillt, sich in das Lager des Faschismus und auch nicht in daS der Rational­sozialisten führen zu lassen.

Um Indiens Verfassung.

Die Fürsten fordern in LondonBereinigte Staaten" und Dominion-Status.

London, 18. Rov. (TU.) Die englisch- indische Konserenz setzte am Dienstag die all­gemeine Erörterung über die grundsätzlich« Frage fort, ob die zukünftige Verfafsungsform Indiens der Unitarismus oder der Förderalis- mus sein soll. Mohammed Shafi wies im Ramen der Allindifchen mohammedanischen Liga und der Allindischen Moslemkonferenz darauf hin, dah Indien zwar den Versailler Vortrag unterzeichnet habe und ein Mitglied des Völkorbundes fei, aber trotzdem nicht im englischen Weltreich als gleichbe­rechtigtes Mitglied angesehen werde. Er verlangte den Dominion-Status bei föderalistischer Regierungsform unter gleichzeitiger Sicherung der mohammedani­schen Interessen. Der Maharadscha von Alvar sieht die Vereinigten Staaten von In­dien als die rechtlichste Form der zukünftigen Verfassung an. Der Maharadscha von Rewa, der jüngste unter den anwesenden Fürsten, ver­trat die konservative Richtung unter den Für­sten. Lord Peel warnte als Vertreter der konservativen Lords davor, schon jetzt eine feste Verfafsungsform zu schaffen, die die wei­teren Cntwicklungsmöglichkeiten durch die Inder selbst verhindern könne. Auch er sprach sich für ein f ö d e r a l i st i s ch e s System aus.

Oie Geeabrüstung.

Deutschland enthält sich in Genf der Stimme. Attacken der Russen.

Genf, 18. Rov. (TU.» Der Abrüstungsaus- schuh hat heute zur allgemeinen Ueberraschung zum ersten Male einen sowjetrussischen Antrag angenommen. Da der erste Artikel des Vorschlages der fünf Londoner Seen.ächte nur die Begrenzung ter Ec amtkciegsschisfstonnage vorsieht, beantragte Litwinow unter Hinweis auf den Völkerbundsvertrag die Einfügung einer Verpflichtung zur allgemeinen Her­absetzung der 2c ü st u n g e n. Der französi­sche Vertreter lehnte den Sow>tantrag als eine leere Manifestation schroff ab. C.' beglückwünschte hierbei ironisch Litwinow zu der Verteidigung der Grundsätze des Völkerbundspaktcs. Der Sowjet­antrag wurde dann mit elf gegen d.e Stimme Polens bei zwölf Stimmenthaltungen ange­nommen. Graf D e r n st o r f f erklärte, dah er sich bei künftigen Abstimmungen der Stimme enthalten werde, da das gegenwärtige Ab­rüstungsabkommen für Deutschland wertlos und sinnlos sei. Um der durch den Sowjet­antrag herbcigesührten Verschärfung der Bestim­mungen des Artikels I entgegenzutreten, bean­tragte der französische Vertreter eine Fassung, nach der die Heraosetzung der Flottrnrüstungen soweit möglich" erfolgen soll. Obwohl der holländische Vertreter darauf hinwies, dah der Wortlautsoweit möglich" den Mächten die Möglichkeit neuer Aufrüstung offen lassen würde, wurde der französische Antrag mit 14 gegen eine Stimme bei deutscher Enthal­tung angenvmmen. Der Abrüstungsausschuh hat damit eine Herabsetzung der Flottenrüstungen soweit möglich" beschlossen und damit seine ge­samte Einstellung von neuem aufs Gütlichste offenbart.

Der Russe Litwinow hat diese Haltung des Ausschusses mit der mit großer Heiterkeit aufgenommenen Bemerkung treffend charakteri­siert, es sei am besten, dem ganzen Aus­schuß die BezeichnungCommission pr^paratoire du dSsarmement si possible zu geben.

Es kam dann noch zu einem kurzen Zusammen­stoß zwischen dem Präsidenten Loudon und Litwinow, als dieser darauf hinwies, dah einTeil der russischen Flotte fich heute noch inderGefangenschafteinereuro- päischen Großmacht befinde. Der Präsi­dent unterbrach sofort Litwinow mit dem Hin­weis, daß er unter keinen Umständen Erörterun­gen von Fragen zulassen könne, die in keinem Zusammenhang mit den eigentlichen Verhand­lungen stünden. Es handelt sich hierbei um die russischen Schiffe, die nach der russischen Revo­lution von der französischen Regierung zum Transport der Wrangel-Truppen nach Süd- rußland zum Kampf gegen die Moskauer bol­schewistische Regierung verwendet wurden und sich seitdem in einem französischen Ha- f e n befinden.

Aus oller Welt.

Dr. Käthe Schirmacher f.

Dr. Käthe Schirmacher, die bekannte Vor­kämpferin deutscher Volkstumsinteressen und her­vorragende Schriftstellerin, ist in Meran an Herz­schwäche gestorben. Käthe Schirmacher wurde 1865 in Danzig geboren und war zunächst im Schulfach tätig, 1898 wurde sie Dr. phil. und nahm in allen srauenrcchtlichen Fragen eine writragende Füh­rerstellung ein. Ihre sonstigen in deutscher und französischer Sprache veröffentlichten Arbeiten be­zogen sich auf französische Literatur, Rational­ökonomie und allgemeine kulturelle Fragen. In der Rachkriegszcit trat sie besonders als hervor­ragende Vorkämpferin ihrer Heimat Danzig sowie des Deutschtums im Osten für vaterländische Belange ein. Von 1919 bis 1920 gehörte Käthe

Schirmacher als Abgeordnete der Deutschnatio­nalen Fraktion in der Rationalversammlung an.

G 38 vom (Europarunbflug nach Dessau zurückgckchrt.

Das Iunkers-Grohflug-eug O 38 ist, von Köln kommend, Dienstag 13.42 Llhr in Dessau glatt gelandet. DaS Flugzeug hat ins­gesamt 9000 Kilometer zurückgelegt. Der Erbauer des Flugzeuges, Prof. Dr. Junkers, begrüßte die Flugzeugführer Zimmermann, Dessau, und Brauer, Berlin, aufs herzlichste. Dr. Böhm schilderte den Länderflug. Auf der 9000 Kilometer langen Flugstrecke durch die verschie­densten Länder hätten 3000 Kilometer über Wasser geführt. Die Stürme Spaniens hätten dem Flugzeug ebensowenig anzuhaben ver­mocht wie die schweren Wetter im Golf von Eorinth und die Rebel von Apulien. Auch die wolkenerfüllten Hochtäler der Pyrenäen hätten die Maschine nicht auS ihrem Kurse brin­gen können. Der Flug habe zur weiteren Stär­kung des deutschen Ansehens unendlich viel bei­getragen.

Die Beschuldigungen gegen den Ozeanflieger Levine.

Zur Verhaftung des Amerikaners Levine unter dem Verdacht der Anfertigung falscher französischer Münzen, meldet die Polizei- korrespondenz, daß Levine vor kurzem einem Gra­veur drei Medaillen brachte und sagte, er wolle zur Herstellung dieser Medaillen Stanzen haben, die die Jahreszahlen 1920 bis 1930 aufwiesen. Auf der Rückseite sollten die Medaillen die Bezeichnung tragen:Chambre de Commerce de Paris" und die WertangabeBon pour 2 Francs",Bon pour 1 Francs" undBon pour 50 Centimes". Derartige Münzen kursierten, wie Levine sagte, als Geld in

Oie Gießener Viehhoffrage.

In einer stark besuchten öffentlichen Qkrfamm» lung, zu der die Deutsche Dolkspartei auf Montagabend in das GasthausHindenburg" eingeladen hatte, sprach wie gestern schon kurz berichtet Obeiweterinärrat Dr. M o n n a r d über die Gießener Diehhoffrage. Zu Beginn der Versammlung betonte der Vorsitzende der Gießener Ortsgruppe der DVP., Stadt­ratsmitglied Oberreallehrer Appel, dah die seit mehreren Jahren im Vordergründe des kom­munalen Interesses stehende Diehhoffrage nunmehr in das entscheidende Sta­dium eingetreten sei. In diesem Augen­blick solle der Vortrag des 2lbends Aufklärung in die Bürgerschaft bringen.

Obepveiennärrat Or. Monnard

legte der zahlreichen Zuhörerschaft zunächst den Unterschied zwischen einem Schlacht viehhos und kHnem Ruh viehhof, wie letzterer bisher als Ruhvieh markt in Gießen betrieben wird, dar und betonte dann, daß die gegenwärtigen 23er- hältnisse auf dem Gießener Viehmarkt außer­ordentlich primitiv seien, und eine Aenderung sowohl zum Schutze der aufgetriebenen Tiere, wie auch der Diehkaufmannschaft dringende Rot- tocnbigteit geworden sei. Rach einem Heberblick über die technische Seite des Marktbetriebes erwähnte der Redner die von allen berufenen Instanzen sorafältigst geprüften drei Pro­jekt e für die Schaffung einer Ruhviehhofanlage. Die Pläne, den Rutzviehhof an der Gelnhäufer Bahnstrecke in der Gegend der Gailschen Tabat- fabrik, oder auf dem Gelände der Margareten- hütte zu schaffen, seien nunmehr endgültig als «erledigt anzusehen, da sich in beiden Fällen allerlei Unzuträglichkeiten, aber auch sehr erheb­liche Schwierigkeiten hinsichtlich des Dahnverkehrs ergeben würden. Runrnehr sei nur noch das dritte Projekt der

Errichtung des Ruhviehhofes etwa 200 Meter südlich des Schlachthofes

vorhanden, und für diese Platzbestimmung hätten sich auch die maßgebenden Instanzen entschieden. Auf diesem Gelände jenseits der Lahn solle kein Prunkbau erstehen, sondern die Anlage solle so einfach wie möglich gestaltet werden. Vorge­sehen sei folgendes' An der Schlachthausstraße, 200 Meter südlich des Schlachthofes, soll ein 180 Meter langer und 90 Meter breiter Hochbau erstehen, der in der Hauptsache eine groß« Halle mit 6 Meter breiter, in der Mitte ge­legener Hauptstraße für den Passanten­verkehr der Viehkaufleute und einer Anzahl Reben st raßen für die Vor­führung des Viehes enthalten, sowie die zum Verkauf aufgetriebenen Tiere in Ständen aufnehmen soll. Die Halle soll durch reichliches Oberlicht beleuchtet werden. Südlich der Halle soll ein großer Platz für die Vorführung der Tiere im Sommer geschaffen werden. Die Heizung der Halle soll durch Dampfleitung vom Schlacht­hof her geschehen, ferner will man in Derbindung mit der Halle die erforderlichen Räume für den Geschäftsverkehr bet Viehhändler (Kasse, Tele­phon, Abrechnung), sowie Kleiderablage, Wasch» gelegenhcit und Zimmer für die Beamten schaffen. Der Viehhof soll durch einen

neuen Brückenbau über die Lahn

die erforderlichen Bahnverbindungen er­halten, es soll dabei am Viehhofsgebäude ein Tlebergabebahnhof mit den erforderlichen Laderampen geschaffen werden, weiter ist vor* gesehen, auf der gegenüberliegenden Seite des Diehhofgebäudes Rampenanlagen für Autotransporte mit Vieh herzurichten und auch einen geräumigen Platz für die Auf­stellung von Last- und Personenautos herzu­richten. Reben dem Viehhof ist eine D e s - insektions- und Waschanstalt für die Vieh-Güterwagen geplant, deren Betrieb die Stadt mit. übernehmen soll, wobei aber die Reichs­bahn eine gewisse finanzielle Haftung eingehen wird, damit dieser Betrieb sich selbst trägt bzw. ein eventueller Fehlbetrag der Stadt ersetzt wird. Zur

Finanzierung des Baues

seien vom hessischen Staat aus dem Programm zur Arbeitsbeschaffung für Erwerbslose 350 000 Mark zur Verfügung gestellt worden, wenn mit der Arbeit alsbald begonnen werde. Der hessische Staat habe weiter ein Darlehen von 350 000 Mk. zu billigem Zinssatz zugesagt, die Reichsbahn als starker Interessent an diesem Vorhaben der Stadt werde voraussichtlich ebenfalls mit einer gewissen Summe die Finanzierung erleichtern. Dre Ge­sa m t k o st e n des Projektes, einschließlich des Baues einer Brücke Ä»er die Lahn und der Bahn­anschlüsse, seien auf 2 bis 2.4 Millionen Mark veranschlagt. Zur Beurteilung de^Ren-

Labilität sei errechnet worden, daß jährlich etwa 182 000 Mark als Einnahmen unb 190 000 Mark als Ausgaben in Betracht kämen. Dabei sei aber von der gegenwärtigen Lage der Dinge, also alle 14 Tage e i n Markt, ausgegangen worden. Rach der Errichtung des Diehhofes könne aber mit einem weiteren Ausbau un­serer Märkte und der Abhaltung der Schweine- und Pferdemärkte in dem neuen Ge­bäude gerechnet werden, so daß sich die Renta­bilität sicherlich noch erheblich günstiger stellen dürfe.

Hinsichtlich der Frequenz und der wirtschaft­lichen Bedeutung der Gießener Viehmärkte brachte Dr. Monnard sehr eindrucksvolles Zahlen­material vor, nach dem

unter allen deutschen Ruhviehmärkten die Gießener Märkte an dritter Stelle

stehen. An der Spitze dieser zahlenmäßigen Auf­stellung erschien Lübeck mit einem Iahres- auftrieb von 32800 Tieren, dann folgte Fried­richsfelde-Berlin mit rund 31 000 Tieren, in beiden Städten bei jährlich 50 Märk- ten. Anschließend steht Gießen mit einem Iahresauftrieb von rund 29 000 Tieren bei nur 25 Märkten jährlich. Dann folgen: Dort­mund mit rund 27 900 Tieren, bei 48 Märkten im Jahre, Leer mit rund 26700, bei ebenfalls 48 Märkten jährlich, zahlenmäßig erheblich weiter zurück folgen dann Osnabrück, Dinslaken, Olden­burg und Bamberg.

Zusammenfassend erklärte der Referent, daß angesichts der großen wirtschaftlichen Bedeutung der R u tz v ie h m ä r k t e für unser Gemeinwesen trotz der Schwere der Zeit

die Schaffung des Ruhviehhofes auf der Grund­lage des vorgefchlagenen Projektes dringend zu empfehlen

sei. Unsere Gießener Viehmärkte könnten dann noch erheblich ausgebaut werden unZ> auf die Förderung der Wirtschaftsgesamt­heit unserer Stadt einen sehr starken, günstigen Einfluß ausüben. Als unmittelbarer, greifbarer Gegenwartserfolg komme hinzu, daß reiche Ar­beitsgelegenheit durch diesen Bau ge­schaffen und auch dadurch die Wirtschaftslage in unserem Gemeinwesen günstig beeinflußt werde. Rach alledem befürworte er die Verwirk­lichung des Viehhofprojektes. (Lebhafter Beifall.)

Oie Aussprache

nach dem interessanten und aufschlußreichen Vor- trag war sehr rege. Als Vertreter des Vieh- Handels sprachen der Vorsitzende des Dieh- händlervereins für Gießen und Umgegenb, Herr Sternberg (Reiskirchen), ferner die Herren Dauer (Leihgestern) und Stern (Gießen). Diese Redner sprachen sich mit rückhaltloser Ent­schiedenheit für die Schaffung des Ruhviehhofes in Gießen aus, wobei sie die große Bedeutung der Gießener Diehmärkte hervorhoben unb be­tonten, daß

die Möglichkeit des weiteren Ausbaues unserer Märkte ohne weiteres bestehe, da hier, im Gegensatz zu den Märkten in anderen Städten, llmfahmöglichkeit für jede Gattung Vieh vor­handen sei.

Ferner betonten die Redner übereinstimmend das große Interesse der Diehhändler an der Weiterentwicklung der Gießener Märkte, sie forderten allerdings auch gebüh­rende Rücksichtnahme auf die berechtigten Inter­essen und Wünsche der Diehhändlerschaft.

Weiter sprachen als Vertreter des Stadtteils jenseits der Lahn Polizeiverwaltungsoberassistent Dierlamm, als Mitglieder des Stadtrates die Herren Horn, Schwieder, Leopold Mayer und Appel, die sich allesamt in ent­schiedenster Weise für die baldmöglichste Verwirk­lichung des jetzt vorliegenden Rutzviehhospro- jektes aussprachen. Insbesondere betonte der Vorsitzende der Stadtratsfraktion der Arbeits­gemeinschaft der Mitte, Stadtratsmitglied Horn, baß man nach bem Ergebnis der Rentabilitäts­berechnung bet Sache nähertreten und sie ernstlich in Angriff nehmen könne.

Stadtverwaltung und Stadtrat seien nach ge- ' wissenhafler Prüfung zur Erkenntnis der Rot- Wendigkeit dieses Merkes gekommen, und sie würden sich jetzt entschieden dafür einsehen.

Mit einem kurzen Schlußwort des Referenten, Oberveterinärrats Dr. Monnarb, der zu eini­gen Aeuherungen in der Aussprache Stellung nahm, im übrigen aber sich einer Einheits­front von Dejahern bes Projekts gegenüber sah, schloß die Versammlung. ___

garu Frankreich. Nun erklärte der Graveur, tr müsse sich erst beim Münzamt erkundigen, ob er solche Stanzen Herstellen dürfe. Levine reifte dann nach dem Semmering, wo er dann in dem Augen­blick verhaftet wurde, als er mit dem Expreß­zug nach Italien reisen wollte. Levine stellt jede verbrecherischer Absicht in Abrede und erklärte, daß er die Medaillen nur für feine Freunde bestellen wollte. Daß er Stanzen bestellt und daß er auf die Rückseite die Wertbezcichnungen verlangt habe, stellte er in Abrede. Mit einer Wiener Firma stand er wegen der Lieferung von 100 000 Spieljetons in Verbindung. Levine gab an, er habe sie für einen Prioatklub bestellen wollen. In Begleitung Levine» befand sich Mabel Doll, die Witwe eines reichen Plantagenbesitzers, die in den internationalen Bade­orten wegen ihres Schmuckbesitzes unter dem Namen die Diamantenkönigin" bekannt ist. Ihr ständiger Aufenthalt ist ein Schloß bei Paris.

Zauberkünstler Dellachini in Marburg f.

In Marburg ist kurz vor Vollendung seine- 70. Lebensjahres der bekannte Hofzauberkünstler Dellachini an den Folgen eines Schlaganfalle- gestorben. Dellachini bereiste vor dem Kriege säst alle europäischen Länder. Er war mehrfacher Hosrat und Besitzer vieler in- und ausländischer Ehrenzeichen. Seinen Lebensabend hat er ln Marburg verbracht.

Mord und Versicherungsschwindel.

Der kürzlich in Berlin wegen Brand­stiftung verhaftete und nach Darienstein (Ost­preußen) übergeführte Safran hat eingestanden, daß er und sein Geschäftsführer Kipnick einen Mord verübt hätten, um sich in den Besitz Der Leiche zu setzen, die in dem in Brand ge­setzten Hause in den Kleidern SafranS niedergelegt wurde, um vorzutäuschen, dah Safran selbst bei dem Brand den Tob gefunden hätte. Sie seien in der Rächt vom Freitag zum Samstag, 13. September, mit dem Kraftwagen sortgefayren. Auf der Ehaussee StürlackQueben hätten sie bei Luisenhof einen Melker ge­troffen. Kipnick fei ausgestiegen und habe den Melker mit einer Selbstladepistole niederge­schossen. Sie hätten dann die Leiche in einen zu diesem Zweck mitgenommenen Teppich ge­wickelt und in dem Möbelspeicher des Platz in der Artilleriekaserne in Rastenburg verborgen. Am nächsten Abenb hätten sie die Leiche abgeholt, sie mit den Sachen Safrans bekleidet und m i t Benz o l begossen und darauf das Haus angezündet, um die Vers iche- runassummen zu erhalten. Cs bleiot nun festzustellen, ob seitdem ein Melker vermißt wird. Der ebenfalls verhaftete Kipnick ist trotz Gegen­überstellung mit Safran bei seinem Leugnen ge­blieben und will an der Tat nicht beteiligt sei^i.

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Wettervoraussage.

Sehr rasch hat sich die bereits gestern angekün« bigte Störung östlich fortbewegt und lag mit ihrem Kern heute morgen über England. Ihre vorderen Ausläufer sind schon bis auf das Festland vor- gedrungen und haben den hohen Druck nach den Balkanländern hin verdrängt. Ausgleitende feuchte Ozeanluft hat bereits Niederschläge heroorgerufen, die infolge der noch herrschenden tiefen Tempera­turen im Anfang zum Teil als Schnee niedergingen. Ueber den britischen Inseln und Nordfrankreich herrschen verhältnismäßig hohe Morgentemperatu- rcn, was auf das tieranrüden weiterer Warmluft hindeutet. Somit dürfte auch bei uns zunächst etwas milderes und regnerisches Wetter aufkommen. Durch die an der Rückseite nachfolgende Kaltluft wird späterhin die Wolkendecke durchbrochen und wieder Temperaturrückgang eintreten, so daß die Nieder­schläge mehr in Schauern auftreten und stellenweise als Schnee fallen.

Aussichten für Donnerstag: Vielfach bewölkt, zeitweise Rieberschläge, anfänglich etwas wärmer, bann kühler.

Aussichten für Freitag: Wechselnd« wolkig mit Aufklaren, einzelne Regen- ober Schneeschauer.

Lufttemperaturen am 18. November: mittags 2,9 Grad Celsius, abends 0,7 Grad; am 19. November: morgens 0,9 Grad. Maximum 3 Grad, Minimum 1,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. November: abends 1,2 Grad; am 19. November: morgens 1,2 Grad Celsius. Niederschläge 2,1 mm. Sonnenscheindauer 5% Stunden.

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