Nr. 2(9 Drittes Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefjen»
^reitag, (9. September (950
Turnen, Sport und Spiel.
Handball im Gau Hessen (D.T.)
Tie Vcrbandorunvc 1930 31.
Die DT -SomrncrsPiele im Gau Helsen sind Beendet. Der Handball beherrscht wieder das Feld, nachdem am letzten Sonntag, wie schon berichtet, die Derbandsspiele begonnen hoben.
Für die Beteiligung an der Runde liegt ein erfreuliches Meldeergebnis vor. Insgesamt sind 40 Monnlchasten an den Pflichtspielen beteiligt, 15 Mannschaften mehr als im Vorjahre. Richt eingerechnet in diese Zahl ist der Marburger Bezirk, der seine Rundsp'elc für sich austrägt.
In erster Linie wendet sich natürlich das Interesse der
Meisterklasse
zu, in der sich zehn Dereinc um die Gaumeister- schast bewerben. Der vorjährige Gaumeisler, X v. Wetzlar, ist nicht mehr in der Runde, da er sich den Ausstieg in die Kreisklasse erkämpft hat und sich hier auch weiter behaupten wird. Zu den alten Vereinen der Meistcrklasse kommen die fünf "besten Mannschaften der vorjährigen A-Klasse, und zwar T. u Spv. Marburg, T. u. Spv. Butzbach, Tv. Wehlar-Riedergirmes, Tv. Alsfeld, Tv. Lauterbach, hinzu
Um eine rasche und einwandfreie Durchführung der Rundenspiele zu ermöglichen, ist die Meisterklasse in zwei Bezirke eingeteilt. Im ersten Bezirk finden wir Tv. 1 84 6 Gießen, T v Großen-Buseck, T. u. Spv. Marburg, Tv. Lauterbach und Tv. 1860 Bad- Rauheim. Der zweite und wohl stärkste 'ScAirt lieht M t v. Gießen, Tgm. Friedberg. Tv. Wehlar-Riedergirmes, T. u. Spv. Butzbach und Tv. Alsfeld als Gegner. Die Sieger in den beiden Staffeln spielen im Vor- und Rückspiel den Gaumei st er aus. der dann in der Gaugruppe Main-Lahn (Gaue Hessen, Frankfurt. Main-Offenbach-Hanau, Main-Taunus und Kinzig» an den Ausstiegspielen für die Kreisklosfe teilninzmt.
Eine Voraussage, wer für die Spitze der Tabelle in Frage kommt, kann bei der wechselnden Form, die die Vereine im Vorjahre zeigten, nicht gut gegeben werden. Wenn die Mann- schasten ihre jetzige Spielstärke behalten, ist es nicht unwahrscheinlich, daß für den ersten Platz im ersten Bezirk Tv. Großen-Duseck und Tv. 1846 Gießen, im zweiten Bezirk Mtv. Gießen in Frage kommen. — Die
A-ftlaffc ist mit neun Mannschaften besetzt und spielt ebenfalls in zwei Bezirken. Im ersten Bezirk kämpfen die zweiten Mannschaften von T.-u. Spv. Butzbach. Tgm. Friedberg, Tv. Wetzlar, M t v. Gießen und die ersten Mannschaften von Tv. Großen-Linden und Tv. Heuchelheim um den Ausstieg in die Meisterklasse. Favoriten dürsten hier Heuchelheim und Großen- Linden sein: doch werden die Reservemannschaften der Meisterklassenvereine auch ein Wörtchen mitreden. Im zweiten Bezirk stehen sich Tv. Gedern, Tv. Merkenfritz und Tv. Schlitz gegenüber. — Eine starke Besetzung hat die 8-klasse
zu verzeichnen, eine Folge der zahlreichen Reugründungen von Handballabteilungen im Gaugebiet, besonders unter den Landvereinen 16 Mannschaften bewerben sich um die Meisterschaft' der 8-Klasse. Infolge der großen räum
lichen Entfernungen war eine Einteilung in vier Bezirke notwendig. Es spielen: im 1. Bezirk: Tv Aliendorf (Lahn», Tv. Dutenhofen, Tv. Lützellinden. Tv. Wehlar-Riedergirmes II; im 2. Bezirk: Tv. Lich. Tv. Treis a. d. L.. Tv. Großcn-Buseck II, im 3. Bezirk : Tv. Dorheim, Tv. Hirzenhain. Tv. Ortenberg. Tv. Rieder-Mörlen; im 4. Bezirk: Tv. Brauer- schwend, Tv. Maar. Tv. Romrod. Tv. Lauterbach II, Tv. Alsfeld II. Rach der in Freund- schaftslpielen gezeigten Spielstärke könnten Alsfeld Wehlar-Riedergirmes, Dorheim und Lich Gruppenmeifter werden, die dann die Klofsen- Meisterfchaft unter sich austragen Schwach ist nur die Beteiligung in der
Jugendklasse,
in der folgende fünf Mannschaften um den Sieg kämpfen: T.-u. Spv. Butzbach, Mtv. Gießen, Tv. Wetzlar, Tv. Heuchelheim und Tv. Lich. Da die beste Mannschaft des Vorjahres, T- u. Spv. Buhbach, zurückgegangen ist, dürfte die Iugend-Els des Mtv. ziemlich sichere Aussichten auf die Meisterschaft haben.
Am stärksten an den Pflichtspielen sind mit je drei Mannschaften beteiligt: Mtv. Gießen, T.- u. Spv. Butzbach und Tv. Wetzlar (die Wetzlarer erste Els in der Kreisklasse). Die von Gauspielwart Seibert (Wetzlar) und tandballobrnann Mohr (Gießen» getroffene inteilung der Spielfolge läßt einen glatten
Verlauf der diesjährigen Punktspiele erwarten.
Handball im Turnverein 1846 Gießen.
Arn vorigen Sonntag trat die e r st e H a n d - ball mannschasl des Tv. 1 8 4 6 Gießen zu ihrem ersten Verbandsspiel gegen T v. 18 6 0 Dad-Rauheim an. Infolge mehrfachen Ersatzes ging man mit wenig Siegeshoffnungen in den Kampf. Mit um so größerem Eifer wurde jedoch gespielt, und bald zeigte sich eine Ueber- legcnheit der 1846er, die das Holbzeitergebnis 4 1 für sich herstellten Rach Seitenwechsel erhöhten die Gießener das Ergebnis noch um drei Treffer, während 1860 Bad-Rauhcim vergebens versuchte, das Torverhältnis zu ändern.
Während 1860 Bad-Rauheim fast in allen Monnschaftsteilen sehr zersahren spielte, war bei Gießen teilweise recht geschicktes Zuspiel, besonders aber großer Eifer zu beobachten. In ähnlicher Aufstellung dürfte den 1846ern noch mancher Erfolg beschieden fein.
Handball im Mannerturnverem (O.T Y
Am nächsten Sonntag tragen drei Hondball- monnschoften des Gießener Männerturnvereins Verbandsspiele aus. Die erste Mannschaft spielt in Friedberg gegen die Turngemeinde; sie wird sich sehr anstrengen müssen, wenn sie nicht mit einer Riederloge heimkehren will. — Die zweite Mannschaft muß in Heuchelheim gegen die erste Mannschaft des dortigen Turnvereins antreten. Günstigenfalls werden die Gießener ein Unentschieden herausholen können. — Die erste
Iugendmannschaft. empfängt aus eigenem PlWr die gleiche des Turnvereins L i ch Uebcr den Ausgang dieses Spieles ist schwer eine Voraussage zu machen, da die Licher Iugend eine noch ziemlich unbekannte Mannschaft ist.
Handball im T. D. Großen Nuseck.
Am kommenden Sonntag erwartet die erste Mannschaft die gleiche vom Turnverein Bad- Rauheim zum fälligen Pslichtspiel. Betrachtet man die Resultate der Bad-Rauheimer in den letzten Verbandslpielen, so kann man annehmen, daß Bad-Rauheim auch in der diesjährigen Serie einen achtbaren Gegner abgibt
Die 2 Mannlchast hat die 1. Mannschaft deS Turnvereins Lich zum ersten Verbandsspiel. Lich, das in diesem Spiel die körperlich stärkere Mannfchast stellen wird, durfte man daher über die körperlich schwächeren Busecker ein kleine- Plus zusprechen.
Handball im T. V. Großen-Linden.
Die Iugend des Turnvereins Großen-Linden folgt am kommenden Sonntag einer Einladung der Iugend des Turnvereins Kirch-GönS. Da über die Spielstärke deS Gastgebers tvenig bekannt ist, muß man den AuSgang deS Treffen- offcnlaffen
Die erste Elf ist spielfrei, da der Turnverein» Wetzlar seine zweite Mannschaft von den Pflichtspielen zurückgezogen hat.
Drei Laufwunder starten in Berlin.
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Links: Lad d u m e g u e , der französische 1500-Meter-Läuscr. — In der Mitte: Dr. P e l tz e r , der deutsche Weltrekordlcr. — Rechts: Nurrni, der große ____________Läufer der Mttcl- und Langstrecken. —Die drei starten am 21.September in Berlin bei deyi internationalen Sportfest des S.C.C.
Helene Chlodwigs Schuld und Sühne.
Vornan von J. Schneider-Foerstl.
Urheber-Rechtschuh durch Verlag Oskar Meister. Werdau i. Sa.
17. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Ihr Gesicht war weiß, während ihre Hände schlaff über die Lehne des Stuhles zur Erde hingen. „Unö deine anderen Kinder?"
„Selene, ich bitte dich! — Run rechtest du mit mir!"
.Ich rechte nicht! Ich frage nur, ob du für die anders fühlst, als für Hubert?"
„3a!"
„Iust! — Du hast mir doch immer gesagt —"
.3a, ich habe gesagt, man muß alle seine Kinder in gleicher Liebe umfassen. Ich tue das ja auch gewiß. Helene. Iedem bin ich der Vater, der liebt, straft, verzeiht und die Hände über fein Leben hält. Du bist so wenig zu Hause, daß eS dir gar nicht so zum Bewußtsein kommt, wie Hubert alles an sich zieht und nicht mehr losläßt, was sich ihm einmal zu eigen gegeben hat. 6r ist kaum sechzehn und ist gereift wie ein Zwanzigjähriger "
-Du hast dich eben am meisten mit ihm beschäftigt", wandte sie ein.
.Das ist nicht richtig, Helene. Er ist aus sich selbst geworden und über mich hinausgewachsen, ohne alles Zutun. Wir werden einen Sohn haben, der unser beider Ramen überdauert."
Frankes Töchter kamen Arm in Arm durch den Garten geschleudert. Blond und blauäugig, wie die Mutter, mit dem feingezeichneten Mund und der klargezogenen Stirne des Vaters. Helenens Augen strahlten auf. Später, wenn sie erst der Schule entwachsen waren, wollte sie dieselben mit auf Reisen nehmen. Sie würden umworben fein, gefeiert, geliebt, sich in glänzende Verhältnisse hinemverheiraten.
'n gellender Rus kam vom Wald herüber.
Franke horchte auf. Das war Klein-Iusts Stimme gewesen. Wahrscheinlich ein Sieges- geschret.
„Vater!"
Eine Gestalt hetzte über die Wiesen.
»Es ift etwas passiert!" Der Doktor schnellte aus, warf die Zigarette ins Gras und lief dem Ausgang zu. Em Dutzend Arme geisterten ihm entgegen. Iusts Helle Stimme gellte auf.
„Hubert ist abgestürzt!"
Eine Sekunde vollkommener Lähmung. Dann durchbrach Franke die Kette der Knaben, die herbeigelaufen waren, und eilte dem Walde zu.
Helene sah es von ihrem Stuhle aus, fühlte
das Erstarren der Füße und wie sich diese Bewegungsunfähigkeit nach den Armen und von dort nach den Hüften erstreckte. Sie saß reglos und hatte den Mund zu einem Hilfeschrei geöffnet, aber die Kehle versagte und vermochte nicht einen Laut zu geben.
Die Geheimrätin kam ahnungslos aus dem Hause, sah nach der Schwiegertochter und war im nächsten Augenblick an deren Seite. „Hat es Zank gegeben, Helene?"
„Hubert!" —
„Was ist mit ihm?"
Ein verzweifeltes Heben der Arme. Die alte Dame war» zufällig einen Blick nach dem Waldsaum. Da sah sie den Sohn mit einer Last auf den Armen in das Geflimmer des Rachmittags treten. Der Schreck hatte ihr für eine Minute die Bewegungsfreiheit gelähmt, dann übcrwand der Wille, zu helfen, die Betäubung. Iyre Füße waren rasch wie die eines Mädchens, als sie jetzt über die abgemähten Stoppeln ging, den beiden entgegenlief.
Von Frankes Stirn rann der Schweiß in dicken, Hellen Tropfen. Sein Gesicht war so weiß wie das des Knaben, welches reglos gegen feine Schulter lehnte. Die Schramme, welche sich über feine Stirne hinzog, war nicht tief. Demnach mußten die Verletzungen innerer Ratur fein.
„ßt ist abgestürzt!" Die Stimme des Doktors war ohne jeden Klang.
„Iust! Wie war das möglich?"
Die Gcheimrätin hielt umsonst die Arme hoch, denn Franke legte ihr den Sohn nicht hinein.
„Er muh sich über das Geländer des Steges geneigt haben. Cs gab nach und brach mit ihm in die Tiefe. — Telephoniere sofort an Professor Klahn, daß ich um sein Kommen bitten lasse."
Helene schritt unsicheren Ganges nach dem Gartentore, hielt sich am Pfosten fest und sah ibrem Manne entgegen, wie er, unter der Last des Knaben schwankend, auf sie zukam: „Iust!"
Ihre Hände streckten sich nach dem Sohn, fielen herab und hoben sich bann wieder, um sie über das entfärbte Gesicht zu decken.
„Du mußt jetzt stark sein, Helene", mahnte Franke, während sie dem Hause zugingen. „Ich hoffe, daß es nur eine Gehirnerschütterung ist. Irgendein Bruch der Glieder liegt nicht vor. Professor Klahn kann in ein- bis eineinhalb Stunden hier sein. Die Mutter soll es so dringend als möglich machen."
Die Stimme der Geheirnrätiy, die am Apparat stand, war bis in den Garten hinaus zu vernehmen. „Ia, bitte sofort, Herr Professor! Mein Sohn läßt Sie herzlich darum ersuchen. Sein Aeltester ist schwer verunglückt."
Weiter war nichts vernehmlich.
Franke schritt die Treppe hinauf. Er ging trotz der Schwere des jungen Körpers, wie jemand, der jeden harten Schritt vermeidet, eine kostbare Last nicht zu gefährden. Helenes Willenskraft kam zum
Teil zurück. Sie deckte mit fliegenden Händen das Bett ab und war dem Gatten behilflich, den Sohn hineinzulegen.
Franke knöpfte das weihe Lsinenhemd des Knaben auf und horchte an dessen Herz. „Ditte Gott, daß wir ihn nicht verlieren müssen, Helene."
Ihre Füße versagten. Sie sank auf den Hocker neben dem Bett und ließ den Kopf auf das weiße Linnen fallen. Sie sollte Gott bitten, daß er ihr den Sohn ließ. — Den Sohn, dessen Vater sie vor sechzehn Iahren in die gleiche Schlucht gestürzt hatte, die nun auch fein Verhängnis geworden war.
War das Vergeltung?! Ausgleichende Gerechtigkeit? - Ein Mahnen, daß über dem Tun und Wollen der Menschen eine Hand waltet, die, unbeirrt von erdenhaftem Wünschen, den Zeitpunkt der Bestrafung festsehte und die Hämmer niedersaufen ließ, wenn der Schuldige längst feine Tat und Sünde vergessen hatte?
Ihr schien, als liege das „Damals" unermeßlich weit zurück. Lind waren doch erst sechzehn Sommer und Winter darüber hingegangen. Ganz ein- gelullt war sie gewesen in Glück und Freude. Richts hatte in all der langen Zeit gemahnt, daß sie mit einer ungefüllten Schuld neben Gatten und Kindern herging und daß diese Schuld eines Tages werde bezahlt werden müssen.
Franke hatte mit behutsamen Fingern den Sohn zu untersuchen begonnen. Als er das Hemd über der schmalen Knabenbrust wieder zusammenknöpfte, war sein Gesicht in steinernem Schmerz verzogen. „Ich hätte Professor Klahn nicht herausbitten sollen. Wir müssen Hubert in die Klinik bringen. Telephoniere ans Rote Kreuz um den Krankenwagen. — Ich bin für den Moment nicht dazu fähig."
And als Helene, betäubt von dem Gehörten, gegen die Wandung am Fußende des Bettes taumelte, fegte er den Kops gegen ihre Schulter und hielt ihre beiden Achseln umkrampft. „Er wird ein Krüppel fein, Helene!"
Sie schüttelte seinen Arm ab und sah mit ihren verweinten Augen erst nach ihm, dann nach dem Knaben, der mit weitzurückgebeugtem Racken in den Kissen lag.
„Wofür bist du Arzt!" schrie sie auf.
„Helene!" —
..Wofür ruft man euch, wenn ihr so machtlos seid?"
Er wollte aufbrausen, sah wie ihren Körper ein Schüttelfrost gepackt hatte und haltlos hin und herstieß und zwang sich gewaltsam zur Ruhe. „Wenn wir Aerzte allmächtig wären, Helene, wenn alles Leben und aller Tod nur von uns ab- hinge! Keiner würde mehr sterben! Am wenigsten vor allen diejenigen, die unseres Fleisches und Blutes sind."
„Das ist er ja nicht!" wollte sie schreien, aber
ihre Kehle gab keinen Laut mehr. „Telephoniere, daß Averson kommt!"
„Averson?" —
Franke steifte den Rücken gerade und warf einen Blick nach dem Sohn.
„Iust! Ich bitte dich!"
Mit schleppenden Schritten ging er aus dem Zimmer.
* ♦ * *
Die Geschwister umstanden mit hilflosen Gesichtern die geheimrätliche Großmutter, welcher Iust, der Achtjährige, den Hergang der Katastrophe erzählte. „Hubert wollte eben die gefallenen Krieger einsegnen. Wir hatten einen Tannenbuschen an eine Stange gebunden, damit neigte er sich über die Brücke, um den Wedel anzufeuchten. Cs sollte Weihwasser für die Toten sein. In der nächsten Minute krachte es und er stürzte kopfüber in den Wildbach."
Als Franke in das Zimmer trat, machten sich die Kinder ganz schmal. Hella, die Fünfzehnjährige, trug keinen Tropfen Blut im Gesichte, als sie jetzt auf ihn zuging. „Steht es schlimm, Vater?"
Er sah sie kaum an, hob die Achseln und fuhr sich über die Stirne.
Während er am Telephon stand, hingen die Augen der beiden Töchter und des jüngsten Sohnes an ihm. Als er sprach, zuckten die jungen Körper zusammen. Heiser, abgehackt, das Schluchzen gewaltsam verbeißend, sprach seine Stimme in den Apparat: „Meine Frau bittet um Ihr Kommen, Averson! — 3a, um 3hr Kommen! ilnfer Aeltester ist verunglückt!"
Was der Direktor erwiderte, war nicht vernehmbar. Rur Frankes: „3ch danke 3hnen, Averson!" fiel schwer in die Mittagsstille des Raumes.
„Der Herrgott wird ihn uns nicht nehmen. 3ust!" Die Geheimrätin war auf den Sohn zugetreten und legte ihre Hand auf feinen Aermel. Als er nichts sprach und nur das Gesicht abwandte, winkte sie den Kindern zu, das Zimmer zu verlassen.
Man hörte ihre gedämpfte Stimme durch daS geöffnete Fenster, welches den sommerlichen Geruch getrockneten Grases hereinströmen ließ. Von den Wiesen herüber kam das Wehen der Sensen. 3rgendwo gellte ein Pfiff, der einen Geier erschrecken sollte, welcher über dem Gehöfte kreiste.
Mit Hellem Krachen schlug eine halbreife Dirne auf das Dach der Veranda und hopste auf den Rasen, wo sie zerbeult liegenblieb.
.3ch gäbe mein Leben für das seine, wenn es möglich wäre." Frankes Brust wurde von einem trockenen Weinen gestoßen. „3ch kann das nicht sehen: Das Liebste, das ich habe, als Krüppel neben mir herschleichen — zehn, zwanzig, vielleicht dreißig 3ahre lang! — Lieber ein Ende machen! 3etzt gleich! 3hm und mit!“
(Fortsetzung folgt)


