Ausgabe 
19.8.1930
 
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Nr. 192 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, 19. August <950

Oberheffen.

Landkreis Wietzen.

00 Klein-Linden, 18. Aua. Am gestrigen Sonntag feierten die Glieder des Kinder- gotte-dienfte- imDurggartcn ihr cd m - mersetz. Mit Blumen geschmückt und mit Äran- Sim Haar marschierten satz 200 Kinder unter hrung ihrer Helferinnen von ber Kirche zum stgorten. Aach Einleitung durch Chorvortrag des hiesigen PofaunenchorS und gemeinsamem Choralgesang der Gemeinde hielt der Ort-geist­liche Pfarrer Bremmer, eine nir»c An­sprache Dann folgte ein längere- Spiel, von Kindern und Mitgliedern der Iugendvereini- flung dargestellt. Spiel, Aeigen und Gesang füll­ten den Aachmittaa au-. Die übliche Brezel­verteilung löste bei den Kleinen viel Freude au-.

Lollar, 18. Aug. Am nächsten Freitag, 22. Aua., begeht der Oberbrief träger i. R. L. Rohrbach tn bester Gesundheit seinen 7 0. Ge - b u r t - t a g. Der alte Herr war längere 3abre im Eisenbohndienst auf der Station Lollar und trat später bei dem hiesigen Postamt in den Post­dienst Dreißig 3ahre lang war er hier tätig, und er erwarb sich in dieser Seit bei der hiesigen Einwohnerschaft größte Beliebtheit.

T 21 ch. 18 Aug Der Herein der Kampf­gen o s f e n. eine neutrale Bereinigung der Kampf­genossen au- dem Feldzug 1870,71 und dem Welt­krieg 1914 18. versammelte sich am Sonntagabend in Der Turnhalle, um der Tage von Gravelotte (18. August 18701 und der Feuertause der hessi­schen Division (22. August 1914) zu gedenken. Aufmerksam lauschten die Bersammelten der Bor­führung eine- Kriegsfilms au- dem Welt­krieg : . Hotel Stadt Lemberg". Eine Familienfeier bei Kamerad HiSgen in der Wirtschaft-Zur Stadt Dietzen" beschlotz den Gedenktag

I Langd. 18. Aug. Sin schwerer Un- alückSfall ereignete sich hier am Gam-tag. Der 62jährige Landwirt W Seum verunglückte bei der Dreschmaschinenarbeit. AIS er mittels einer Leiter den Drefchwagen besteigen wollte, brach die Leiter und der Mann fiel rück­wärts auS beträchtlicher Höhe mit dem Bucken und dem Kopf auf daS Pflaster Der Qlnt stellte erhebliche Verletzungen an der Wirbelfäule fest. Der bedauernswerte Mann liegt in bedenk­lichem Zustand darnieder. Gin weiterer Un­fall ereignete sich, al- der hiesige Krieger- verein, der sich an dem Kriegerfest in Aidda beteiligt hatte, mit einem AutobuS nach Hause suhr. Infolge Bruche- der Borderachse versagte die Steuerung, und der Wagen schleuderte gegen einen Baum Der vordere Teil deS Auto- wurde erheblich beschädigt, so datz der Wagen zur Repa­ratur abgeschleppt werden muhte Bon den mit- sahrenden Personen wurde erfreulicherweise nur ein Mädchen durch DlaSfplitter im Gesicht und an den Armen verletzt. Alle übrigen Personen kamen mit dem Schrecken davon.

Kreis Viidingcn.

WSA. Büdingen, 18. Aug. Bei der gestern vvrgenommenen Wahl eine- Beigeord­neten für die Stadt Büdingen erhielt der Kan­didat der bürgerlichen Parteien. Steuerinspektor Gmil Dieme r. 1009. fein von der SPD. auf- gestellter Gegenkandidat. Metzgermeister Theo­dor O b e r h e i m . 370 Stimmen. Mithin ist Diemer gewählt. Die Wahlbeteiligung dürfte auf 80 Prozent zu schätzen sein

KreiS Schotten.

Laubach, 18. Aug Gestern hielt der hiesige Schutzenoerein sein diesjähriges Haupt- schießen ab. Im Gegensatz zu den lebten Jahren waren diesmal auch viele auswärtige «chützen er­schienen, und zwar von Alsfeld, Gedern, Gießen,

Der Segelflug-Wellbewerb in der Rhön.

Robert K r o n f e l d mit seinem Rekord-Segelflugzeug. Der bekannte Wiener Segelflieger, der im Vor­jahre bei den Rhon-Segelflügen einen Weltrekoro im 150-Kilomcter-Distanzfliegen ausgestellt hat, führte auch dieses Jahr wieder die hervorragende Leistung eines 150-Kilometer.Segelfluges aus. Kronfeld landete In Hof.

Aach tagelangem Warten bei Hebel und Regen lachte am Sonntag endlich auf der Wasser- kuppe die Sonne und gab das Signal zu einer emsigen Tätigkeit der Segelflieger. Bon dem schönen Wetter angelockt, waren die Ausflügler in Scharen herbeigeeilt und erlebten das seltene Schauspiel, bis zu zehn Segelflug­zeuge gleichzeitig in der Luft zu sehen. Die sport­liche Ausbeute des ersten Sonnentage- übertraf bei einem frischen bis zu 14 Bieter starkrn Winde alle Erwartungen. So wurden besonders im ® a u e r f l u g ausgezeichnete Leistungen voll­bracht Hier war der erfolgreichste Flieger van Hussen (Göttingen), der mit feinem Doppel­sitzer .Poppenhausen' 8 Stunden und 37 Min.

in der Lust blieb. An diese glänzende Leistung kam Mayer (Aachen) auf .M. 1" mit 828 dicht heran, nachdem dessen engerer LandSmann Pätz auf dem gleichen Apparat 7:46 geflogen war Muschik (Dresden) hielt fich auf seinem Doppelsitzer .Dau Ar. 9" 6:53, und Starck auf Darmstadt" schaffte 6:17.

Der Fernzielflugpreis dürfte dem Wie­ner K r o n f e l d nach seiner phänomenalen 150- Kilometer-Leistung in der Dorwoche nicht mehr zu nehmen fein. Die restlichen Preise sicherte sich jetzt Günther Groenhoff aus dem Schulter­deckerFasnir" mit einem exakt ausgesührten Fluge von der Wasserkuppe nach dem Kreuzberg und zurück zum Startplatz.

Cid). Nidda, Ortenberg und Schotten. Es wurden fast 5000 Schutze abgegeben. Abends sand im Schützenhof die Preisoerteilung statt, die fal­bes Ergebnis hatte: Tagesehrenscheibe: IG. Schneidt jun., 2 Eduard Göbel II.; 3 Richard Koch (Gießen) Fesifcheibe 1. Krämer (Gietzen); 2. Georg Hill jun (Alsfeld); 3. Friedrich Stotz IV.; Reinhard Diehl (Gedern), 5 Wilhelm Jost, 6. Willy Bette (Gietzen). 7 Karl Rühl (Alsfeld); 8. Heinrich Zubrod (Ortenberg). 9. Textor (Cich). 10 Arnold Enders, 11 Gustav Schneidt jun., 12. Karl Pitz; 13. Willy Hahn (Cid)), 14 Ed. Gondner (Gietzen); 15. Gustav Frey (Gießen)

+ Ober-Schmitten, 18. Aug 3m Früh­jahr d. 3. stiftete der Fürst von Hfenburg- WächterSbach einen wertvollen Wander­preis. der in den Fuhballbezirken Aidda und Wächtersbach ausgefptelt werden sollte. Die Sie­ger in beiden Gruppen, B. s. B. O b e r - S ch m i t- t e n und .Vorwärts" Udenhain, trugen das Entscheidungsspiel gestern in Wächtersbach auS Dabei zeigte der D. f. B. datz er seinem Gegner technisch und taktisch überlegen war. Er konnte da- Spiel mit 5: 2 für sich entscheiden. Der

Erbprinz überreichte den prächtigen Silberpokal, der, innen vergoldet, Wappen und Widmung ausweist. Der Wanderpreis geht in den end­gültigen Besitz des Verein- über, der ihn drei­mal errungen hat.

Starkenburg.

WSA. Darmstadt, 18. Aug. Aachdem die Tätigkeit des nunmehr 67 3ahre alten Ver - schonerungsvereinS, veranlaßt durch äußere Umstande, jahrelang geruht hat, soll seine Arbeit jetzt wieder auf genommen werden. Der Vorstand ist in den letzten Tagen durch GeneralversammlungSbeschluh neu konsti­tuiert worden. Als Vorsitzender wurde der Amts- vorstand deS Forstamts Darmstadt, Oberforst­meister Professor Dr. Baader, gewonnen.

preuhen.

Kreis Wetzlar.

x. p. Odenhausen (Lahn), 17. Aug. Auf dem in Wetzlar abgehaltenen KreiS-Turn- und Sporttag des Kreises Wetzlar

konnte der hiesige Turn- und Sportverein zahlreiche Preise erringen: 3m Aeunkampf errang. 6. Preis Wilhelm Speyer. 156 P.; 17. Wilhelm Äarber. 141 P, 22. Fritz Karber. 132 P 3m Dreikampf f. Manner. 3ahrgang 1911 und älter: 25. Preis Wilhelm Speicr. 253 P. 47. Heinrich RöhrSheim und 211bert Volk, je 207 Punkte. Desgl. 3abrgang 1898 und älter; 11. Preis Heinrich Roth, 206 P. Desai. 3ahrgang 1892 und älter: 5. Preis Ebristian Karber, 285 P. Dreikampf für männliche Jugend. 1912 13 11. Preis Hermann Karber, 277 P., 23. Preis Otto Schneider, 250 P. 27. Preis Albert Simon, 241 P. DeSgl. 1914 16. 27. Preis Hermann RöhrSheim. 246 P. 39. Preis Heinrich Schnei­der. 227 P. 3n der Leichtathletik lief Oven­hausen die 4xl00-Meter-Stafsel in der besten Zeit von 49,6 Sek und errang damit die Ehren- plakette deS Reich-Präsidenten.

)( Hörn-Heim, 19. Aug Am morgigen Miltuwch kiert der OrtSgerichtevorsteher Dorck In geistiger und körperlicher Frische seinen 8 3. Geburtstag. Herr Borck ist ZeldzugSteil- nehmer von 1866 und 1870 71. Außer ihm lebt hier noch der Altveteran David Rosenbaum.

00 Niederkleen, 15. Aug. In der jüngsten Sitzung deS Gemeinderat» wurde der HauS- baltSplan der Gemeinde für 1930 beraten. Zur Bestreitung der laufenden Bedürfnisse der Ge­meinde fall auf die staatliche Steuer vom Grund­vermögen. sowie auf die Dewerbeertrag- und Kapitalsteuer ein Gemeindezuschlag von je 185 Prozent erhoben werden. Gegenüber dem Vor­jahr bedeutet dieS eine Erhöhung um 10 Prozent. Ferner wurde beschlossen, eine neue Kirchenuhr zu beschaffen, jedoch unter der Voraussetzung, daß die Kirchengemeinde den au6 dem Abtrieb deS Kirchenstrauches noch vorhandenen Erlös für die Aeuanfchaffung zur Verfügung ftetlt. Die 3nstandsetzungSarbeiten an der Kirche tollen bis zum nächsten 3ahre zurückgestellt werden, da in diesem 3ahre die Mittel sehlen. Der im Rech­nungsjahr 1929 bei dem Mathildenstift in Butz­bach aufgenommene kurzfristige Kredit von 5000 Mark soll im laufenden Rechnungsjahr zurück- gezahlt werden. Der Haushaltsplan wurde in Einnahme und AuSgabe auf 49 940 Mk. fest- gestellt. Zu dem Antrag des Turnvereins auf Bereitstellung eine« Bauplatzes für den Bau einer Turnhalle, sowie unentgeltliche Liefe­rung deS Bauplatzes fall erst Stellung genommen werden, wenn ein ausführlicher Finanzierungs­plan vorliegt.

Die Geschichte eines verschwundenen Wertbriefes.

WSA. Frankfurt a. M., 16. Aug. Ein an und für sich harmloser, aber doch recht lehr­reicher Borsall beschäftigte dieser Tage die Frankfurter Postkriminalpolizei. Otn In Frank­furt wohnender englischer Student er­hielt, wie wir berichteten,' einen Bries von seinen Angehörigen, der den regelmäßigen Monats- s ch e ck enthalten sollte. Der Scheck fehlte, und da eine flüchtige Nachprüfung des Umschlags er­gab, daß dieser nachträglich geöffnet worden war, schien der Tatbestand einer Berau­bung gegeben. Die Postüberwachung-steile be­handelte den Bries zuerst einmal erkennungS- dienstlich und stellte fest, daß der Bries tat­sächlich noch einmal geöffnet worden war, konnte aber einen anderen Klebstoff, als den zuerst verwendeten Originalklebstoff, nicht feststellen. Der Berdacht gegen einen eventuellen diebischen Post­beamten war dadurch schon einigermaßen ent­kräftet, und eine Anfrage beim Absender in Winchester klärte daSVerbrechen" auch bald aus. Dieser, der Bater deS Studenten, hatte vergessen, den Scheck beizufügen.

Wirble ins Leben!

Vornan von Anna Fink.

Urheber-RechtSschuy durch Verlag OSkar Meister.

Werdau. S -2L

24 ForNetzung Nachdruck verboten

.Horen Sie, mein lieber LontiuS," nahm im Verlauf des Gespräches der Baron da- Wort. .Mein Freund Kunkel singt wahre Hymnen auf Sie, allerdings nur unter uns gesagt, denn Ihnen wird er das wohl nicht auf die Aase hän- aen. Und alles ist entzückt über Ihre Talente, besonders darüber, wie Sie eS verstehen, die Damen tn die Geheimnisse deS Motor- einzu- führen. Ich freue mich herzlich, daß das fo geglückt ist."

Reginald verbeugte sich lächelnd und erwiderte mit warmer Höflichkeit: .Das verdanke ich wirk­lich Ihnen. Herr Baron, denn lvenn Sie sich nicht so tatkräftig für mich eingesetzt hätten, wär S niemals etwas geworden."

.Ich bitt' Sie", schnitt der Baron ihm das Wort ab. .Sie sind ein ganzer Kerl und leisten etwas. Das ist heutzutage selten genug."

LontiuS murmelte etwas Die letzten Worte blieben ihm hartnäckig im Ohr.

.Din ich wirklich ein ganzer Kerl?" fragte es in ihm, und plötzlich mußte er an Barbara Much denken. Irgendeine geheime Gedankenverbindung hatte sich aufgetan. Gr sah grübelnd da. um dem nachzusinnen.

.Run sinniert er schon wieder", klagte die junge Daroneh. .An ihm ist halt Hopfen unb Malz verloren."

Das fiang fo drollig betrübt, daß alle lachen muhten.

.Mach mir den Herrn ContiuS nicht schlecht. Kleine. Du alter Flederwisch könntest gern was von seiner Ernsthaftigkeit annehmen," bro&te der Davon scherzhaft feiner Tochter.

.Dielleicht denkt er halt wieder über seine Erfindung nach," setzte er hinzu.

-®° macht er eine? fragten die beiden Damen wie aus einem Mund und sahen Contius ehrfürchtig an.

Der bekam einen roten Kopf.

-Dars man fragen, was das für eine Erfindung ift?" fuhr die Daroneh heraus.

Der Darvn kam Eontius, der über diese direkte Srage sichtlich in Verlegenheit geriet zu Hilfe.

.Du bist ein kleiner Aaseweih, Ulla. Warte du nur, bis dir Herr Contius selbst einmal davon erzählt, nicht wahr?"

ContiuS nickte.

»Es ist auch nicht in drei Worten abzutun, vor allem nicht bis mir die ganze Geschichte selber klar geworden ift

-Und dann ist's überhaupt ein Geheimnis, das man nicht jedem auf die Aase hängt", sagte der Daran.

.Aber Karl, ich bitte dich!" ermahnte die (Ba­ronin ihren Mann mit leisem Vorwurf.

Sie fand ihn manchesmal etwas reichlich derb.

Das trübte aber im übrigen die Harmonie ihrer Ehe nicht weiter.

.Ich red' halt, wie mir der Schnabel gewachsen ist", erklärte dieser trocken.

.Komm, Ullachen. fing unS noch was!" bat die Mama. »Der Herr ContiuS wird dich sicher gern begleiten."

Contius erklärte sich sofort bereit dazu.

Ihn griff diese Art der Unterhaltung zuweilen geradezu an. Die stet- liebenswürdige, stets leb­hafte und dabei immer an der Oberfläche haftende Konversation konnte ihn fast krank machen.

..Spielen's was von Schubert", bat dieBaro­neß und schlug die Schubertschen Lieder auf dem großen schwarzen Flügel auf.

Reginald hatte lange nicht gespielt. Behut­sam lieh er seine Finger in die Tasten greifen.

..Jetzt kann es losgehen", sagte er bann.

Ulla von Grifsinger fang gut, sehr gut sogar. Sie hatte einen hohen Sopran und etwas von dem mühelosen Gezwitscher eine- Bogels. Aur eine gewisse Wärme fehlte.

..Sie ift noch zu jung dazu", dachte Reginald.

U*b er spendete ihr reichen Beifall.

Das schien sie besonders glücklich zu machen.

.In vierzehn Tagen fang ich mit dem Unter­richt bei Ihnen an, der Papa hat's mir ver­sprechen müssen", plauderte Ulla, al- sie nach dem Musizieren noch ein wenig beisammensahen. »Er schenkt mir zu meinem Geburtstag einen Sport-Zweisitzer. Fein, gelt?"

.Da nehmen s nur den Wildfang ordentlich in die Mache", meinte der Baron. .Wenn meine Tochter nicht recht fahren kann, kriegt fie den Wagen nct. Wir wollen keine Todesangst um fie ausstehen."

.Ich werde mein Möglichstes tun", versprach Reginald und erhob sich, um heimzu gehen.

*

.Wann wirst du dich denn mit der Ulla der­leben? Man erwartet es jetzt allgemein in der ganzen Stadt", fragte Reinwald seinen Freund so gleichmütig, als erkundigte er sich nach dem Aamen eines schonen Pferdes.

Reginald lieh die Kaffeetasse, die er gerade bis zum Mund gebracht hatte, sinken und sah Reinwald ganz verdutzt an.

,3a, bist du denn wirllich so mit Blindheit geschlagen mein Lieber, oder tust du nur fo? platzte Reinwald heraus.Mir brauchst du eh nix weiszumachen ich gönne dir das Glück von Herzen. Ein reizendes Mädel, die Ulla! Und du kommst blendend hier in alles herein, denn der Schwiegeralte läßt sich natürlich bei feinem ein­

zigen Kinde nicht lumpen. Ein hochanständiger Kerl."

Reginald sah noch immer wie verstört da und horte sich den Redeschwall seines Freundes an.

3a, natürlich sicherlich." Das war alles, was er mit Mühe unb Aot einmal dazwischen anbringen konnte.

Reinwald störte das nicht weiter. Er war an die Trockenheit und Wortkargheit Contius' hin­länglich gewohnt und nahm ihm das nicht weiter

Als Reinwald schwieg, sah Reginald da und bemühte sich, seine Gedanken zu sammeln.

So standen also die Dinge.

Wie interessant. Dah Ulla Zuneigung zu ihm hatte, das glaubte er auch zu bemerken.

Und er?

Eigentlich gefiel sie ihm auch recht gut. Wes­halb sollte er sich nicht mit ihr verloben, wenn die alten Herrschaften nichts dagegen hatten und sie selber es gern wollte.

Er konnte ja auch nicht ewig Fahrlehrer bet Kunkel & Co. bleiben Um weiter zu arbeiten, hätte ihm etwas Geld recht gute Dienste getan. Wenn man das noch obendraus bekam, wes­halb nicht?

Diese Erwägungen zogen so blihschriell und nüchtern durch Reginald- Gehirn, dah er sich selbst darüber wunderte.

Der alte Herr hat einen großen Assen an Ihnen gefressen. Verzeihen s schon den Ausdruck. Der sagt bestimmt nicht nein. Und die teure Gattin wird zum Schluß auch noch Ja und Amen sagen Woher ich das weiß? 5>ie beste Freun­din von der Ulla ist auch die Freundin meiner Schwester, und die hal s mir erzählt, weil fie weiß, daß Sie und ich so gute Freunde geworden sind. Und sie meinte, ich soll - Ihnen nur sagen, damit Sie keinen Dampf haben, beim Baron um tne Hand seiner Tochter anzuhalten Die wundem sich nächstens schon, dah Sie gar net kommen, wo Sie doch immer mit der Ulla zusammen aus­fahren unb Tennis miteinander spielen."

Der kleine Reinwalb war ganz stolz auf seine kluge und lange Rede, die er Contius gehalten hatte.

Er wollte ihm so gern behilflich fein, denn der arme Kerl war wirkllch schrecklich schwerfällig und stellte fein Licht gar zu sehr unter den Scheffel.

Deginald sagte ganz geistesabweserrd, als sei das noch ein Ausweg aus dem Dilemma:Aber ich bin doch ein Bürgerlicher. Wird das kein Hindernis sein?" Er kam sich selbst bei diesem Einwand geradezu lächerlich vor.

.Aber ich bitt Sie, Contius!" rief der queck­silbrige Reinwalb, wie erlöst, bah Reginalb überhaupt etwas sagte. .Das wollen- benn noch? Die Frau Baronin ist ein 'Bürgermäbel aus den Deinen Kreisen, es hat damals bei seiner Familie einen Heidenstunk gesetzt deshalb.

Und ((ine eigene Mutter och, geh'ns bloh ab damit! Da kommen Sie zehnmal mit!"

.So. meinen Sie also?" sagte Reginald Con- ttu- unb fiel richtig in sich zusammen vor dev Wucht biefer Erkenntnisse.

Also - ich gratulier!"

Servus, servus. ich komme gleich", winkte Reinwald auf einmal zu einem Herrn hinüber, der gerade in das Cafö eintrat und nicht weit von den beiden Platz genommen hatte.

Gelt, Sie entschuldigen mich a bifferl. Ist a geschäftliche Angelegenheit. Alles Gute, und Ohren steif!" Mit einem kräftigen, sehr warmen Händedruck verabschiedete sich Reinwald.

Contius trank seinen Kaffee aus, erhob sich unb ging hinaus.

Er sollte sich verloben. 3a, eigentlich war cr8 schon.

Er konnte keinen rechten Gedanken fassen.

Er sprang auf die vorüberfahr ende Bahn und fuhr bis zur Endstation. Dann flieg er ab und wanderte fo lange, bi- er auf einer einsamen Waldwiese angekommen war.

Er warf sich ins Gras und wollte Nachdenken.

Es ging in feinem Kops alle- durcheinander. Er hatte gerade die letzten Rächte so viel ge­arbeitet, daß er nicht denken konnte. Er schlief sofort ein.

Plötzlich krabbelte ihn etwas an der Aase. Er mußte niesen und erwachte. Es war schon etwas dämmerig geworden. Er sah in ein paar lachende Augen

Sie holen sich hier noch den Rheumatismus, mein Bester", hörte er eine Stimme sagen, die ihm recht bekannt erschien.

Es war Ulla von Orlffinger.

.She Eltern sind schon vorangegangen. Wir sind mit dem großen Wagen ein Stück voraus- gefobren und dann bei dem herrlichen Abend <m Wald herumgestromert."

Er erhob sich.

3hrc Stimme klang warm unb herzlich, habet schwang ein kleiner, sehnsüchtiger Unterton mit

Es nahm sie in die Arme und küßte sie.

Sie schmiegte sich wie ein zierliches Kätzchen an ihn und schlang die Arme um leinen Hals.

Dann wanderten fie zusammen durch den schweigenden Wald, Arm in Arm.

2lach einer Weile trafen fie auf den Baron und die Baronin.

.Papa Mama!" rief Ulla wie ein sorg­loses Kind, .wir haben uns eben verlobt! Oh. ich bin so glücklich!"

Unb sie lief auf beide Eltern zu unZ) küßte sie ab.

Reginald fühlte sich nicht sehr behaglich.

Machen Sie unser Kind glücklich, es ist ein guter Men'ch". sagte der Baron sehr schlicht unb drückte Reginald die Hand.

(Fortsetzung folgt]