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Das Gießener Mungswesen vor hundertZahren.

Von Dr. (9g. Michel, Dieseck.

lieber das Siebener Bilbungswesen vor hundert Jahren berichten G. W. 3. Wagner in feiner Statistisch topographisch-historischen Beschreibung des Äroßh Helsen", Band 3 und 4 (1830) und I. A. Demian in seinerStatistik und Topo­graphie des Großh. Hessen" (182-5) und 21 F. W. (5 r o m e in seinemHandbuch der Statistik des Großh. Hessen" (1822).

Die Gießener Universität, im Jahre 1607 aus dem Gymnasium illustre heroorgegangen, war vor hundert Jahren im alten Kollcgiengebäube am Brandplast untergebracht. Wegen angeblicher Baufälligkeit hat man im Jahre 1839 dieses stolze Renaissancegebäude niedergelegt und 'dafür das heutige 3nflitutsgebäude am Brandplag aufgeführt, das 5t. Ebel' ob feiner Nüchternheit und Geschmack­losigkeit mit Recht alsZigarrenkiste" bezeichnet. Hier blieb die Universität bis zur Einweihung des heutigen Unioersitätsgebäudes in der Ludwigstraße am Anfang des Sornrnerfemefters 1880.

Der Lehrkörper der Hochschule bestand vor hundert Jahren aus 32 Professoren, und zwar ge- hörten 9 der theologischen, 6 derjuridischen", 7 der medizinischen und 10 der philosophischen Fakullät an; außerdem wirkten noch 18 Prioatdozenten an unserer Hochschule. Die Zahl der Studierenden belief sich im Jahre 1830 auf 509.

Heute beträgt die Zahl der Professoren (ausschl. der emeritierten) 116, die der Privatdozenten 31, und zwar verteilen sich die Dozenten wie folgt:

Professoren Prioatdozenten

Theologische Fakultät 8 4

Juristische Fakultät 6 3

Medizinische und

vet.-med. FakuUät 39 8

Philosophische Fakultät 63 16

Insgesamt hat sich demnach der Lehrkörper der Uni­versität verdreifacht gegenüber dem Jahr 1830. Dem entspricht auch ungefähr die Steigerung der Stu­dentenzahl von 509 auf 1756 im gleichen Zeitraum. Der 2lu9bau des Lehrkörpers kam allein der philo- fophifchen und medizinischen Fakultät zugute, wäh- re»d sich die Professorenzahl der theologischen Fa­kultät durch Abbau der 1830 errichteten katholisch- theologischen Fakultät um einen ermäßigte. Der Schwerpunkt unserer heutigen Gießener Universität liegt also in der philosophischen und der medizini­schen einschl. veterinär-medizinischen Fakultät; das beweist auch die Gliederung der Studierenden nach Fakultäten:

Studierende

Theologische Fakultät 115

Juristische Fakultät 337

Medizinische und vet.-med. Fakultät 435

Philosophische Fakultät 869

Der medizinischen Forschung dienten vor hundert Jahren das 1811 von Professor Balser er­richtete St l i n i f u m , wojährlich 1200 bis 1400 innerliche, äußerliche und Augenkranke behandelt wurden"; es befand fick' in der 1817 bis 1819 er- bauten Staferne (dem heutigen Berufsschulgebäude in der Liebigstraße, die damalsUniversitätsstraße" hieß, nachdem das Regiment wegen vorgefallener Streitigkeiten mit den Studenten nach Worms ver­legt worden war Die Dorläuferin unserer Frauen­klinik war die 1814 eröffneteO e b ä r a n ft a 11", mit der eine Hebammenschule verbunden war. Das Gebäude stand hinter der Zeughauskaserne und bot Raum für 60 Schwangere und 40 Hebammen. Dos anatomische Theater" bestand aus einem Darlesungssaal, zwei großen Sezierzimmern und einer Sammlung anatomischer Präparate; in den vierziger Jahren wurde das heutige Anatomische In- stitut in der Bahnhofstraße erbaut. Die Leichen lieferten das Stockhaus zu Gießen und das Zucht­haus Marienschloß; außerdem wurden die Leiber der Selbstmörder, der Hingerichteten und der Dago- blinden, bereit Herkunft unbekannt war, aus einem Umkreis von acht Stunden herbeigefchafft. Eine reich­haltige Sammlung chirurgischer und geburtshilflicher Instrumente,wie sie von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage erfunden würden", veranschaulichte die Entwicklung der ärztlichen Wissenschaft

An weiteren Lehr- und Forschungsinstituten besaß unsere Universität vor hundert Jahren:

1. die 1825 errichtete F o r st l e h r a n st a l t, ver- blinden mit dem Forstgarten, der an den Bota­nischen Garten grenzte, der schon vor 300 Jahren von Prof. Jungermann angelegt worden war;

2. das Chemische Laboratorium im Seitenbau der ehemaligen Kaserne;

3. bic Ster nroarte am Branbplast mit einigen guten Instrumenten von Frauenhofer unb Lieb­herr;

4. bes Philologische Seminar, bas bem Stublum ber Altertumswissenschaft biente und einePflanzschule philologisch gebildeter, brauch­barer Gymnasiallehrer" barstellte;

5. eine Sammlung physikalischer Instrumente:

6. eine Mineraliensammlung;

7. eine zoologische Sammlung.

Die alle Universitätsbibliothek befanb sich in der ehemaligen Kaserne auf dem Seltersberg unb umfaßte vor hunbert Jahren 27 000 Bände. Später würbe sie in bas heutige Jnstitutsgebäube am branbplast verlegt; unb heute birgt sie in ihrem geräumigen Bücherhaus in der Bismarckstrahc über 600 000 Bände.

Die Höheren Schulen waren vor hundert Jahren nur durch das Gymnasium vertreten, bas 1605 von Lubwig V. gestiftet worden war. Es befand sich im Jahre 1830 in den Neuen Bauen, siedelte in den vierziger Jahren in bas heutige Kreis- amt über und bezog 1878 das heutige Gebäude in der Südanlage. Der Lehrkörper bestand vor hundert Jahren aus einem Direktor oder Pädagogiarchen, fünf ordentlichen Lehrern, die in alten Sprachen, Mathematik, Geschichte usw. unterrichteten, und fünf außerordentlichen Lehrern, die den Unterricht im Französischen, Zeichnen, Schönschreiben unb Gesang erteilten. Die Anstalt würbe von durchschnittlich 250 Schülern besucht, die in vier Klassen zusammengefaßt

1 K. Ebel, Alt-Gießen. 1914. Seite 3.

waren. Eine Privatelementarschule bereitete auf den Besuch bes Gymnasiums vor. Heute ist die Schüler­zahl des Gymnasiums auf 181 zurückgegangen.

Eine Realschule bestand in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch nicht. Noch 1822 klagt (Tronic darüber, daß Güßen keine Realschule bcsiste, wie sie Darmstadt hat. Deshalb habe Gießen auch so wenig eigentliche Künsller aufzuweifen; die hiesigen Bürgerssohne könnten sich in der Jugend nicht hinreichend Dorkenntnisie in neueren Spra­chen, Zeichnen, Mathematik, Mechanik, Chemie, Na­turkunde, Fabrik- und Handelswissenschasten an- eignen. 1830 berichtet bann Wagner von einer in­zwischen g.'gründeten Privat-Realschulefür solche Knaben, die einsichtsvolle und erfahrene Hand- werter werden wollen". Sie kann als Dorläuferin der 1837 gegründeten Realschule und heutigen Ober realschule anaesehen werden. Diele Anstalt umfaßt heute einen Lehrkörper von 42 Lehrern und wird von 721 Schülern besucht, die in 25 Klassen ge­teilt sind.

Das Realgymnasium zweigte sich erst 1879 als Realschule 1. Ordnung von ber Realschule 2. Ordnung ab unb führt seit 1884 seine heutige Bezeichnung, es wird heute von 367 Schülern in 15 Klassen besucht, die von einem Direktor und 22 Lehrern unterrichtet werden.

Die Dorläuferin unserer heutigen Studienanstalt unb zugleich der Aliceschule war eine private Töch­terschule, in welcher Unterricht in weiblichen Arbeiten und in französischer Sprache erteilt wurde. Im Jahre 1825 betrug die Zahl ber Schülerinnen 30, bie heutige Studienanstalt verfügt über 29Lehr­kräfte und wird von 553 Schülerinnen in 20 Klassen besucht.

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Bier Volksschulen hatte Gießen vor 100 Jahren; sie waren nach Geschlechtern getrennt und sämtlich einklassig, hatten also nur je einen Leh- rer. Die beiden Stadtknabenschulen hatten 123 bzw. 130 Schüler, die beiden Stadtmädchenschulen 110 bzw. 200 Schülerinnen. Neben diesen Elementar­schulen gab cs noch eine Mi-litärschule, bie *oon 33 Knaben unb 29 Mädchen besucht mürbe, unb eine Armenschule mit 22 Knaben und 21 Mädchen. In der letzteren erhielten die Kinder neben unentgeltlichem Unterricht noch Kleidung und wöchentlich mehrere Pfund Brot, und Waisenkinder bezogen sogarvollständige Alimentation". Heute umfassen bie brei Gießener Stadtschulen 70 Klassen mit insgesamt 3074 Schülern, die von 72 Lehrkräften unterrichtet werden.

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Für die Berufsschulung der Schulentlassenen sorgte vor 100 Jahren eine Privat-Sonn- togsfdjulc für Lehrlinge und Hand- werksburschen. Sie bestand 1822 noch nicht; denn in diesem Jahr klagt Crome noch über das Fehlen einer derartigen Schule unb begrünbet bamit bie Tatsache, daß es ben meisten hiesigen Handwer- kern an Geschicklichkeit und Bildung fehle.So lange ber hier gewöhnliche, bekannte Ausspruch:'s ist lang gaut!" noch gilt, so lange wird sich bies schwer­lich verbessern." Diesen Mängeln rooUt^bic Privat- Sonntagsschule abhelfen; in ihr ist der erste Ansatz für die Entwicklung der heutigen Gewerbe- und Maschinenbauschule (430 Schüler), der Handels­schulen und der Berufsschulen (2077 Schüler) zu er­blicken.

Die Gegenüberstellung ber Gießener Bildungs­anstalten von 1830 unb 1930 zeigt, daß die letzten hundert Jahre für das Gießener Bildungswesen eine Epoche ftärfften Wachstums be- deuten. Besonders die zu praktischen Be­ruf.en binführenden Anstalten erleben einen erstaunlichen Aufschwung; sie befriedigen bas Bil- bungsbebürfnis ber breiten Massen bes Volkes und sind daher in ihrer Entwicklung am unmittelbarsten von dem Wachstum der Gesamtbevölkerung ab­hängig. Gießen hatte 1830 7200 Einwohner, heute über 36 000 (ausschließlich Militär). Damit wird das Anschwellen der Schülerzahl in Volks-'und Berufs- schulen erklärt. Ungeheuerlich muten bie Klas­senstärken der Volksschulen vor hundert Jahren an. Sie sind inzwischen von 141 auf 44 Schüler pro Klasse gesunken; ein deutlicher Beweis dafür, daß sich bie innere Struktur unserer Volksschulen ge­wandelt hat. Die Lehr- unb Arbeitsweise ist eine andere geworden. Kleine Klassen sind bie notwen­dige Voraussetzung für eine Unterrichtsweise, bie den Bedürfnissen des einzelnen Kindes gerecht zu werden unb badurch bie Leistungsfähigkeit des Schülers zu steigern sucht. Körperliche und geistige Leistungsfähigkeit des einzelnen Volksgenossen aber ist der einzige Aktivposten, ben uns Krieg und In­flation gelassen haben und den es im modernen Wirtschaftskampf zu nutzet) gilt. Und wenn uns heute bie Not ber Nachkriegszeit gezwungen hat, bie Klassenstärken wieder hinaufzuletzen, so besteht bie große Gefahr, baß burch solche Maßnahmen, falls sie nicht ganz vorübergehenber Natur finb, bie Leistungsfähigkeit unseres Volkes nachteilig be­einfluß wirb.

Beim Wachstum unserer höheren Schulen spielt neben der Volkszunahme auch das Volks- Wachstum in der näheren unb weiteren Umgebung ber Stadt eine Rolle, besuchen doch eine große Zahl auswärtiger Schüler unsere Gießener Schulen (an der Oberrealschule 56 Proz.). Auch im höheren Schulwesen macht sich der Zug von abstrakter Ge- lehrtenwissenschaft zu Lebensnähe und praktischer Verwertbarkeit des ßemgutes geltend, wie das un- terschiedliche Wachstum der verschiedenen Anstalten beweist.

Unsere Hochschule brauchte vor hundert Jahren wie auch heute einen Vergleich mit den Nachbar- Universitäten nicht zu scheuen; besonders die medi­zinischen Institute, die sich aus bescheidenen An­fängen zu einer stattlichen Kolonie auf dem Sei- tersberg entwickelt haben, zeugen von ber kulturellen Spannkraft, bie unserem Staat und unserer Stadt innewohnt. Wenn andererseits heute mit Recht .Klage geführt wird über den allzu großen Andrang unserer Jugend zu den Hoch- schulen und die dadurch bedingte Vermehrung

des akademischen Proletariats, so wollen wir uns trösten mit unfern Altvordern, die vor hundert Jahren schon über dieselben Mißstände klagen:Die übertriebene Sucht zu studieren, besteht nur darin, ein paar Jahre lang auf der Universität gewesen zu fein, um hernach einen Staatsdienst in Anspruch nehmen zu können, sie wird sich von selbst dadurch vermindern, daß die Fakultätsexamina noch schär- ' > r gehalten werden als bisher, unb daß der Staat die große Anzahl von Candidaten bei weitem nicht mehr alle versorgt, sondern nur die geschickten Subjekte anstellt. Dann werden mehrere junge Leute von Bildung sich den mechanischen Künsten und Gewerben widmen; sie werden sich gehörig bo^u vorbereiten, um etwas Vorzügliches barm zu leisten, und dadurch wird bann der bedeutende unb höchst gemeinnützige Stand der Handwerker sowie der Fabrikanten unb Kaufleute mehr ernporgehoben, auch mit Recht für ehrenvoller geachtet werden als dies bisher bei uns der Fall ist."

Bundes fest

des Lumdatal-GängerbundeS.

5 Nor^Seck, 17. Juni. Am vorigen Sonntag herrschte tn unserem schön gelegenen Orte reges Leben. Der Lumdatalsängerbund, Mit­glied deS Hessischen und des Deutschen Sänger­bundes, feierte hier sein diesjähriges Bund e s - f e st. Mit diesem war herkömmlicher Weise ein W e r t u n g s s i n g e n der Bundesver- e i n e verbunden, da« in einer eigens zu die­sem Zwecke errichteten Sängerhalle stattfand. Als Kritiker war Oberreallehrer Blaß aus Gießen tätig.

Ilm 10.30 Uhr begann, nachdem der Bundes- Vorsitzende, Berufsschullehrer Eberle aus Lol­lar, das Fest mit Worten der Begrüßung er­öffnet hatte, das

Wertungssingen.

Jeder Dundesverein trug zunächst den Pflichtchor .Die schöne Schäferin" von Spangenberg und hierauf einen selbstgewählten Ehor vor. Bemer­kenswert ist, daß dte meisten Vereine auch hier­für ein Volkslied gewählt hatten; ferner waren größere, schwierigere und klassisch? Ehöre zu hö­ren. Auch ein gemischter Chor, der Bundesmit­glied ist, nahm an dem Wertungssingen teil. Nach Schluß des Singens traten Dirigenten und Vorsitzende der Vereine zur Kritik zusam­men. Herr Blaß besprach die Leistungen der einzelnen Vereine eingehend. Er konnte feststel­len, daß öieje fast durchgängig als sehr gut angesprochcn werden müssen und gröbere Ver­stöße in einer oder der anderen Richtung über­haupt nicht mehr zu bemerken sind. Eine schrift­liche Kritik geht jedem Verein zu.

War so her Vormittag ernster Arbeit gewid­met, so trat nachmittags die Gemütlichkeit in ihre Rechte.

Das Dundessest

war verbunden mit dem Stiftungsfest des hiefigen Gesangvereins .Teutonia" und mit dem .K i r s ch e n t ä n z ch e n", einem alten Ror - decker Volksfest. Aus dem schön gelegenen Festplah begrüßte als Vertreter des hiesigen Vereins Sangesbruder Stern den Bund und seine Gäste. Mit einem Hoch auf da- Vaterland, in dessen Dienst auch die Sänger stehen, schloß er, worauf die Versammlung die erste Strophe des Deutschlandliedes fang. Der ganze Bund trug hierauf unter Leitung des Dirigenten des festgebenden Vereins, Ehormeister S ch o m b e r aus Beuern, .Die schöne Schäferin" als Massen­chor vor, der von ausgezeichneter Wirkung war. Sodann ergriff der Bundesvorsihende Eberle das Wort zu einer Ansprache. Er ermahnte u. a. die Sänger zur Treue zur Sängersache und gab dabei der Hoffnung Ausdruck, daß es recht bald gelingen möge, die augenblicklich noch in unserer Gegend bestehende Zersplitterung inner­halb der Sängerschaft im richtig erkannten In­teresse der Sache und des großen Ganzen, des hessischen unb des deutschen Sängerbundes, zu beseitigen. Aus der Ansprache ist ferner noch die Mitteilung hervorzuheben, daß der Bund im letzten Jahre durch den Beitritt des Gesang­vereins .Liederkranz" in Odenhausen a. d. L. ge­wachsen ist. Redner begrüßte den Verein, der am Sonntag zum ersten Male an einem Bundes- fefte als Mitglied teilnahm. An die Rede schloß sich die Ehrung zweier Veteranen des Bundes, der Sangesbrüder Lehrer Ludwig Ziegler aus Kesselbach und Etationsmeister Heinr. Weber aus Odenhausen a. d. Lda , an. Beide Sänger haben den .Lumdatalsängerbund" einst gründen helfen und gehörten ihm seitdem als Vorstands­mitglieder an, bis sie wegen vorgerückten Alters ihre Aemter niederlegten. Herr Ziegler war lange Jahre erster Vorsitzender und Herr Weber erster Schriftführer des Bundes. In dankbarer Anerkennung ihrer Verdienste um den Bund hat sie dieser zu seinem .Ehrenvorsitzenden" bzw. .Ehrenschriftführer" ernannt und ließ ihnen durch feinen Vorsitzenden mit ehrenden Worten, die ihre Verdienste würdigten, Ehrenurkunden überreichen. Die Geehrten dankten in bewegten Worten und versprachen, auch fernerhin dem Bunde die Treue zu halten. Sie wünschten dem Bunde eine weitere gedeihliche Entwicklung und unserem Volke bessere Zeiten. Eie schloffen mit einem Hoch auf das deutsche Lied und das Vater­land, in das die Versammlung begeistert ein- ftimmte. Anschließend erklang der Massenchor .Deutschland, dir mein Vaterland" von Heinrichs.

Da 8äs jüngste Dundesmitglied, Gesangverein Odenhausen (Lahn), Dirig. Lehrer Reinhardt, sich hieran nicht beteiligen konnte, da er im vori­gen Jahre, als das Lied Pflichtchvr war, dem Bunde noch nicht angehörte, brachte er allein zwei Lieder zu gutem Vortrag. Ebenso ließ der fest­gebende Verein noch zwei Lieder erschallen. Hier­mit fand die offizielle Feier ihr Ende. Es folgte bann bei Lieberfang unb Gläferklang ein ge­mütliches Beifammenfein.

Der ausgezeichnete Verlauf des diesjährigen Dundesfestes hat Zeugnis abgelegt von dem schönen, echten Eängergeist. der in dem Bunde herrscht.

Preußen.

Kreistag in

i Wetzlar, 18 Juni. In ber heutigen Sit­zung bis Kreistage», über die wir noch naher berichten werben, würbe nach längerer De­batte ber Xreishaushaltsplan für bas Rechnungsjahr 1930 nicht angenom­men, sondern es würbe Dertagung beschloßen. Die Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft für Stabt unb Land gab im Laufe ber Debatte folgend« Erklärung ab:

Der dein heutigen Kreistag zur Beschtußsaßung seitens der Kreisverwaltung vorgelegte Etat ent­halt, durch die außerordentlich bedauerliche Entwick­lung der allgemeinen Wirtschaftslage oerurfacht, eine ungeheuere «Steigerung der zwangs­läufigen Ausgaben des Kneifes für Wohl­fahrts- unb soziale Zwecke, deren Aufbringung auf ben bisher hiermit beschrittenen Wegen einfach zur Unmöglichkeit wirb. Die Mitglieder der Bürger­lichen Arbeitsgemeinschaft sehen sich daher aus rein sachlichen Gründen nicht in ber Lage, bie Verant­wortung sur biesen Etat mitzuubernehmen unb stellen sich aus den Standpunkt, bah biejenigen Stellen, welche bie Berantworiung für bie Beschluß­fassung der Sozialgefetz« in der auf bie Dauer un- burchsuhrdaren Form tragen, auch verpflichtet finb, die Wege zu zeigen, welche die Durchführung s- m ö g l i ch k e i t dieser Gesetze erlauben. Kreis unb Gemeinden als die letzten Träger dieser Auf- bringungslaften stehen heute vor dem Ruin, wenn nicht schnellstens Mittel unb Wege gefunben wer­den, um die Ausgaben und Einnahmen In ein ver­nünftiges Verhältnis zu bringen. Bei dem heutigen Stand der Gesetzgebung kann nicht mehr von einer Selbstverwaltung der Kreise und (Gemeinden ge­sprochen werden, da der Hauptteil ber Ausgaben als zwangsläufig und durch die Gesetzgebuna ver­ursacht jegliche Einwirkung seitens der Selostver- waltungskörver der Kommunen ausschaltet. Mit dieser Ausschaltung der Selbstoertvaltung wird jedoch zwangsläufig auch die Selb st Verant­wortung der Kommunen ausgeschaltet, da man niemand zumuten kann, baß er etwas verantworten soll, bei dessen Zustandekommen er gänzlich ein­flußlos ist. Wir bedauern diese Entwicklung, müssen cs jedoch der Regierung überlassen, die Derant- wortuna auch für bi« Folgen ihrer Gesetzgebung voll und ganz allein zu tragen unb lehnen des­halb ben Gesamtetat ab. Wir erkennen an, baß seitens der Kreisoerwallung bei allen nicht- zwangsläufigen Posten des Etats versucht worben ist, bie Etatsziffern des Jahres 1929 nicht zu über­schreiten, halten jedoch die vorgesehenen Einsparun- gen in ber heutigen allgemeinen Notzeit noch bei weitem nicht für ausreichenb."

Slrcid Wetzlar.

-- Wißmar, 17. Juni. AuS der D e m e i n d e- bcttrclung: Der Schulvorstand wurde um zwei Mitglieder erwecket (L. Drommers­hausen und Ehr. P o u s ch). Die Reu­anlage von K r a s t st e ck e r d o s e n in den OrtS- straßen wurde zurückgestellt und vorherige Ver­handlung mit der Firma Siemens-Schuckert, die einen Kostenvoranschlag von 3015,93 Mk. für 29 Dosen vorgelegt hatte, beschlossen. Der VolksbUdungsausschuß erhielt einen Zuschuß zum Ausbau der seit 1925 bestehenden Volks­bücherei, die im abgelaufcnen Jahre 1639 Bände ausgeliehen hatte. Von elf Bewerbern um den Posten des Zählerablefers und Strom geldkassierers wurde Ludwig Drommershausen gewählt, dessen Forde­rung 5,5 Prozent des einkassierten Geldes beträgt. Zwei Straßen im Reubaugelände erhielten die Ramen; Lollarer Weg und Goethestraße.

# ßaunsbad), 18. Juni. Die hiesige Ge meindeheugrasversteigerung stand im Zeichen einer guten Ernte und brachte gegenüber dem Vorjahre sehr niedrige Preis«. Für die meisten Grundstücke wurde kaum die Hälste deS vorjährigen Erlöses erzielt. In den letzten Tagen herrschte auf dem Badeplahe in der Launsbacher Gemarkung rege Dade- tätigfeit. Am Sonntag war der Besuch so stark, daß man sich nicht entsinnen kann, schon jemals einen solchen Betrieb dort gesehen zu haben. AuS allen umliegenden Orlschasten waren Bade- »gaste erschienen, zum Teil kamen sie mit Rädern. Motorrädern und AuioS.

Maingau.

WSR. Frankfurt a. M?, 18. Juni. Als erste Rechtsanwältin beim Oberlan­desgericht hier wurde Frl. Dr. Hildegard Weißen st ein zugelassen. Die junge Dame, die vor kurzem ihr Asscssorexamen bestand, stu­dierte in Frankfurt, Würzburg und Heidelberg. Frl. Dr. Weihenstein besitzt Franksurt den zwei­ten weiblichen Rechtsanwalt. Gestern morgen gegen/t? Ü6r wurde zwischen den Stationen Louisa und Reu-Isenburg der Strecke Frank­furt-Darmstadt ein junger Mann ohne Papiere mit abgefahrenem Kops« vorgesun- d e n. Rach den polizeilichen Ermittlungen handelt es sich um den am 17. Februar 1902 in Frank­furt a. M. geborenen Hermann Selb, der zuletzt in Herborn wohnhaft war. Selb soll angeblich durch eine Postkarte seinen Pslegeeltern Delbst- mordabsichten mitgeteilt haben.

Hreis Biedenkopf.

O Niederweidbach, 18. Juni. Die Heu­ernte ist hier in vollem Gange, man rechnet mit einer guten Ernte. Das Setzen der Gemüse­pflanzen ist durch die Trockenheit der letzten Tag« unterbrochen. Die bereits gesetzten Pflanzen sind durchweg gut angewachsen. Das Korn steht in Blüte und ist sehr hoch im Halm.

Kein koftivieligeS Experiment sondern fett Jabr-ebrnen bei G cht und Rbenma ärztlich er- vrotn und bewährt: Eine Trinkkur mit Salz- ichlirfer Bonisazins Brunnen (30 Flaschen, täg­lich 1 »HL Erhält!. in allen Avotbeken u. Drogerien.

Niederlagen bei: Wilhelm Michel. Walllorstr.71, Tel. 2479, und Jean Weisel, Tonnenstr. 0, ältestes Mineralwassergei'chäft am Platze. Tel. 3888.

Prospekte über ermäßigte Baufchal-Badekuren vom 1. Mat bis 30. September versendet die Bade­verwaltung Bad Salzschlirf.