Aba. Dr. EverIing (Dntl.) kitt für bte ' Aufhebung des Stahlhelmverbotes im Westen em. Desgleichen wendet er sich gegen die Verbote des Wehrwolfs und des Bismarckbundes in verschiedenen Gebieten. Die ^lniformver- bote seien mit der Verfassung nicht vereinbar. Es müsse dafür gesorgt werden, daß der nächste Derfassungstag nicht wieder zu einer Gesinnungsknechtung führe. „ .
Abg. Dr. Löwenstein (Soz.) äußert sich über das sozialistische Erziehungs- und Schulprogramm. Die sozialistische Kultur habe tn diesem Staat einen Anspruch auf Geltungsraum. Die Vrechung des Vildungsprivilegs der Besitzenden sei eine Kulturforderung der Arbeiterklasse. Wir achten und schätzen jede Weltanschauung: aber wir verlangen die gleiche Achtung auch vor unserer Weltanschauung.
Abg. Frau Dr. Lüders (Dem.): Die Staatsangehörigkeit müsse endlich durch eine einheitliche Reichsangehörigkeit ersetzt werden. Bei dieser Gelegenheit müsse auch der deutschen Frau das Recht gegeben werden ber der Heirat mit einem Ausländer an ihrer deutschen Staatsangehörigkeit festzuhalten.
Abg. Frau Dr. Matz (D. V.) tritt für Verein- heitlichung des Schulwesens ein, die auch zur Reichsresorm gehöre. Turn- und Sportbewegung bedürften der Förderung des Reiches, aber eine Reichsunfallversicherungspflicht für die ehrenamtlich in Sport- und Turnvereinen tätigen Führer sei untragbar. Rotwendig sei auch eine stärkere Sicherung gegen Hehfilme, die im Ausland neuerdings wiederholt herauskommen und das deutsche Ansehen zu untergraben suchen.
Abg. Frau Weber (Z.): Heute komme aus Volk und Jugend das Streben nach einer neuen Kultur und dabei zeige sich auch das Suchen nach Gemeinsamkeit der Deutschen. Die De- skeben werden gestört, wenn in einzelnen weltlichen Schulen kommuni st ische Hahpro- p a g a n d a getrieben wird. Die maßlose äleberschähung sportlicher Rekordleistungen diene nicht der Pflege wahrer deutscher Kultur. Die Lieberspannung des Berechtigungswesens müsse aufhören. Der Rundfunk dürfe nicht zum Propagandamittel hesümmter Richtungen werden.
Die französischen Rüstungsmil! arden.
Die Opposition verlangt k are Auskunft.
Paris, 18. 3unL (Sil.) Der Konflikt, der wegen der Erklärungen des Finanzministers Reynaud über die Lage des Schatzamtes ausgebrochen ist, nimmt bereits die Form einer ernsten innerpolitischen Krise an. Bekanntlich hatte Renauld gelegentlich einer ilebersicht über die Finanzlage der Regierung zugeben müssen, daß ein großer Teil der unter laufenden Ausgaben gebuchten sieben Milliarden Franken für Befe st igungs ar beiten an der f r a n z ö s i s ch - i t a l ie n i s ch e n Grenze verwendet worden sind. Reynaud hatte jedoch versucht, den Finanzausschuß über die Bedeutung dieser Befestigungsarbeiten hinwegzutäuschen, worauf der Finanzausschuß eine genaue Aufstellung über die Ein- und Ausgänge des Schatzamtes verlangte. Diese Aufstellung hat der r. Finanzminister im Einvernehmen mit Tardieu verweigert, sich aber beceiterklärt, ergän- 'zende Ausführungen zu machen.
Die Oppositionsparteien wollen die Regierung zwingen, einen genauen Bericht über sämtliche Ein- und Ausgänge abzugeben, wobei naturgemäß das Hauptaugenmerk auf die R ü st u n g s- ausgaben, sowie die Derteidigungsarbeiten an der französischen Ost- und Südgrenze gelenkt wird. Der Ausschuß der sozialistischen Kammergruppe hat beschlossen, die ganze Angelegenheit in einer öffentlichen Sitzung vor die Kammer zu bringen. Man nimmt an, daß der Minister sich energisch gegen diesen sozialistischen Angriff verteidigen und unter älmständen die Vertrauensfrage stellen wird.
In Belgrader Gefängnissen Isolde Reiter berichtet über mittelalterliche
Tortur durch serbische Poti eiosfizierc.
Belgrad, 18.3uni. (Tel.-Un.) Die deutsche Schriftstellerin 3 s olde Reiter aus Grotz- Deckerek, die aus der Haft des Belgrader Gefängnisses entlassen worden ist, hat gegen mehrere Polizeioffiziere und Polizeiagenten beim Ministerpräsidenten Zivkovitsch Strafanzeige erstattet, daß sie während der Zeit ihrer Inhaftierung schweren Mihhandlungenaus- gesetzt war. Man wollte ihr bei der Polizei das Geständnis erpressen, daß sie im Auftrage des ehemaligen deutschen Abgeordneten Wilhelm Deuner gehandelt habe.
3n der Anzeige wird angeführt, daß sie auf Befehl des Polizeiagenten Kratjow an Händen und Füßen gefesselt wurde, woraus sie der Detektiv zu Boden warf und ihre Arme über die Knie zog. Unter den Knien, über den Armen steckte er einen eisernen Stab durch, so daß sie sich nicht mehr bewegen konnte. 3m Beisein des Polizeiseketärs Srtschkow bearbeitete er sodann ihre entblößten Füße mit einem spanischen Rohr. Diese Tortur dauerte am 15. Mai von 9 Uhr abends mit einigen Unterbrechungen bis Mitternacht. Da sie furchtbar weinte und schrie, so daß sie im ganzen Hause gehört wurde, stopfte man ihr einen Knebel in den Mund und wickelte ihren Kopf in eine dicke Decke. Als sie .um Mitternacht von ihren Fesseln befreit wurde, blutete sie heftig und konnte weder gehen noch stehen. Man muhte sie in ihre Zelle tragen und ihr ärztliche Hilfe angedeihen lassen. Infolge der furchtbaren Qualen bejahte sie alle Fragen der Polizei und belastete auch Dr. Reuner, wobei ihr der Polizeibeamte Maksino- Witsch Wort für Wort die Beschuldigungen eingepaukt hatte. Als man sie aus der polizeilichen Haft nach vier Wochen entlieh, zwang sie Maksinowitsch unter Bedrohung, dah er sich furchtbar rächen werde, für die Unterschrift eines Protokolls, in dem sie bestätigte, dah sie nicht mißhandelt worden sei.
Wie 3solde Reiter weiter erklärt, habe der Redaktionsbeamte U r s o einen Selbstmordversuch begangen. Sein Geist sei seitdem fast völlig umnachtet. 3n einem lichten Moment hätte auch er vor Zeugen erklärt, wie er von dem Polizeiagenten 3ankowitsch schwer m i h h a n - d e l t wurde.
Erregte Etatdebatte im Hessischen Landtag.
persönliche Zuspitzung -es politischen Kampfes. - Die volksparteiliche Fraktion protestiert gegen persönliche Verunglimpfungen ihres Vorsihen-en.
Darmstadt, 17.3uni. (WHP.) Vizepräsident Blank eröffnet die Sitzung zur Fortsetzung der Beratung des
Schuletats.
Abg. Sri. Birnbaum (DV.) wünscht bei Kapitel Studienanstalten und Frauenschulen Gleichstellung der Lehrerinnen auch in leitenden Stellen, und wendet sich gegen die ablehnenden Ausführungen des sozialdemokratischen Abgeordneten und Schulrates Storck in einer Rede, die er im Mai hielt. . __ .
Abg. Kaul (Soz.) erkennt als Meinung der Mehrheit seiner Fraktion die stärkere Heranziehung der weiblichen Kräfte bei den Frauenschulen an. Die Bürgerschulen lehne seine Fraktion ab. _ ,
Abg. Haury (DV.) wünscht zu Kapitel „Gewerbliche und kaufmännische Fortbildungsanstalten" die Wiedereinstellung der abgebauten nebenamtlichen Fachlehrer, deren Arbeit an der Fortbildungsschule angesichts des gesunkenen Dil- dungsstandes der Schulentlassenen notwendig sei.
Abg. Reuter (Soz.) setzt sich bei Kapitel „3ugendpflege" für stärkere Beachtung der Ferienwanderungen ein.
Abg. Wesp (Z.) verlangt Dekeuung auch der katholischen 3ugendverbände durch den Staat. Weiter dankt er Schulrat Hassinger ür seine Dolksbildungsarbeit.
Abg. Reuter (Soz.) verlangt Erhöhung des Zuschusses für das Hessische Künstlertheater um 5000 Mark.
3n der Abstimmung werden die Kapitel Höhere Lehranstalten, Aufbauschulen, Studienanstalten, Höhere Bürgerschulen, Fortbildungsschulen, 3u- gendpflege, Volksbildung und Förderung der Kunst verabschiedet.
Mit 26 gegen 22 Stimmen der Volkspartei, des Landbundes, der Deutschnationalen, der Volksrechtpartei, der Kommunisten und zwei Stimmen der Demokraten wird der volksparteiliche Antrag, über die Schulgelderhöhung gesondert abzustimmen, abgelehnt. Alle Aenderungs- onträge verfallen der Ablehnung.
Kirchen.
Abg. Axt (VRP.) kitt für die Annahme des Kapitels ein und wünscht, dah die noch bestehenden Differenzen mit dem Staat bald endgültig und in loyaler Weise geregelt werden.
Landesuniversität und Technische Hockschu e.
Zu Kapitel „Universität Gießen und Technische Hochschule" erklärt Abg. Dr. Leuch t - gens (Ldbd.), daß die Personalkosten außerordentlich hoch seien. 3n den Kreisen der Professorenschaft herrsche eine erstaunliche Weltfremdheit angesichts der Finanznot des Landes und der allgemeinen Vblksnot. Der Redner verlangt eine Einsparung von 10 Prozent und hält an den ins einzelne gehenden Landbundankägen fest. Die Ueberhonorare sollten zu 25 Prozent und die Kollegiengelder zur Hälfte in die Staatskasse fliehen. Berufungen von ordentlichen Professoren sollten künftig auf Grund eines öffentlichen Ausschreibens erfolgen.
Abg. Dr. Werner (Ratsoz.) stellt fest, daß er im Prinzip mit den Ausführungen des Vorredners weitgehend einverstanden sei.
Abg. Frl. B i r n b a u m (DV.) lehnt die Ausschreibung von Lehrstühlen ab. Mit dem Landbund b er trat sie die Auffassung, dah einzelne Universitätsteile nicht dem Abbau verfallen dürften. Die Stadt Giehen unterstützte die Universität in den 3ahren 1924 bis 1929 mit 679 656 Mark durch Schenkungen und Stiftungen. Grundsätzlich fordern wir die weitere Gewährleistung der freien Entfaltung der Geistesentwicklung, der Freiheit aller wissenschaftlichen Forschung.
Abg. Kaul (Soz.) unterstreicht, dah die der Regierung überwiesenen Landbundanträge bis zum nächsten Etat einer gründlichen Nachprüfung bedürften. Aehnlich wie Krankenhausdirektoren usw. könnten sich auch Gelehrte um einen Professorenstuhl bewerben. Die Frage der Ueberhonorare bedürfe einer Reuregeluna. Rur ein Zusammengehen der Länder in diesen Fragen könne zu Erfolgen führen. Entsprechend der allgemeinen Entwicklung drängen auch in Deutschland die Hochschulen immer mehr zu Spezialhochschulen. Aehnlich der Ausbildung der katholischen Theologen durch die Katholische Kirche könne auch die Evangelische Landeskirche Predigerseminare für ihre Zwecke einrichten. Es gehe nicht länger an, dah die staatsverneinenden Studentengruppen das schwarze Brett und die Universitätsräume für ihre parteipolitischen Ziele benutzen könnten.
Abg. Dona t (Dem.) hält die längere Aufrechterhaltung der jetzigen Universitätsverteilung nicht mehr für möglich. 3nstitute. an denen ein oder zwei Studenten Vorlesungen Horen, sollten aufgehoben werden. Die vielen Zwischenprüfungen könnten verringert werden. Der Rektor könne mit seinem Hausrecht den politischen Auswüchsen begegnen.
Abg. Fenchel (Ldbd.) forderte intensivere Vortragstätigkeit über Genossenschaftsfragen. Der untere Hardthof werde als Versuchsgut Versuch bleiben. Landwirtschaft und Landtag verlangten, dah endlich die Tier- und Pflanzenzuchtversuche der verschiedenen Institute nach einheitlichem Plan erfolgten.
Abg. Axt (VRP.) lehnte die geforderte Aufhebung der Evangelischen Fakultät ab.
Ministerialrat L ö h l e i n stellte gegenüber den Abg. Leuchtgens und Kaul fest, dah bereits sehr beträchtliche Einsparungen vorgenommen wurden und die Verhältnisse in Hessen gleich denen anderer Länder geartet sind, dah also eine ^lusüahmeregelung gegen die hessischen Intern essen verstoßen werde.
Landesiheaier.
Abg. D o n a t (Dem.) erklärte zu Kapitel Landestheater, dah das Landestheater zwar keine Experimentieranstalt zu sein brauche, dah es aber auch dem modernen Schaffen Raum geben müsse. Der Dchauspielplan war verhältnismähig schwach. Kvnzertprogramme und Oper waren sehr erfreulich. Letztere verliere leider die besten Kräfte. Der Tonfilm werde zu tiefgehenden Umstellungen im Theaterbekieb führen. Die hessischen Radiohörer verlangten vom Fränkfur»
ter Sender in verstärktem Maße die Heranziehung der Konzerte und der Erstaufführungen des Landestheaters.
Abg. Frau Hattemer (Z.) verlangt trotz der erreichten Einnahmesteigerung Senkung des Defizites. Die Erhaltung des Landestheaters, das vom früheren Staat übernommen wurde, wäre wohl eine Prestigefrage für die Republik. Wir sehen die Krise des Theaterwesens im Vordringen des Kinos und des Sportes. Dem modernen Literaturschaffen fehlt die Berufung, die Lebensgestaltung des Volkes zu festigen und wertvoll zu machen. Ein Teil der Zentrums- raktion wird dieses Jahr noch einmal dem Etat zustimmen. Eine Zusammenlegung des Landestheaters mit Rachbarbühnen ist einer Prü- ung wert.
Abg. Dr. Keller lD. V.) stellt fest, dah die optimistischen Voranschläge bisher um 60 bis 124 Prozent überstiegen wurden. Jetzt beträgt der Zuschuh 1,62 Millionen, an dem die Stadt Darmstadt mit 900 000 Mk. beteiligt ist. Jedes Hessenkind zählt 70 Pfennig für das Landestheater, jeder Darmstädter 8 Mk. Die Einsparungen können insbesondere beim Bühnendienst verschärft werden. Die Arbeiterschaft lehnt Dekadentes und geschlechtlichen Kitzel auf der Buhne glatt ab. Als Einspruch gegen den Spielplan und gegen die Spielart lehnen wir den Etat ab, ohne Fraktionszwang zu üben.
Abg. Sturmfels (Soz.) erklärt, die volksparteiliche Kritik schiehe angesichts der wenigen Fehlgriffe über das Ziel weit hinaus. Auch moderne Probleme mühten auf der Bühne behandelt werden. •
Abg. Dr. Leuchtgens (Ldbd.) behandelt le» diglich die finanzielle Seite des Theateretats, die zur Ablehnung seiner Fraktion führe.
Abg. Wesp (Z.) bemängelt, dah erste Künstler viel zu wenig beschäftigt werden.
Staatspräsident Adelung erklärt, dah der Voranschlag des Theaters in der Ausgabenseite streng eingehalten werde. Die Einnahmeseite könne jedoch nicht beeinflußt werden. Eine so ungerechte Kritik wie die des Abg. Keller habe er seit 10 Jahren nicht mehr gehört, dabei übe die Volkspartei noch nicht einmal Fraktionszwang. Ein Repertoire, das allen Wünschen entspreche, sei unmöglich. Das Landestheater stehe in Süddeutschland unbestritten mit an erster Stelle.
Abg. H a m m a n n (Komm.) lehnt den Staats- zuschuh ab.
Abg. Ritzel (Soz.) polemisiert in schärfster Weise gegen den Abg. Keller, dem alle Qualifikationen zur Belehrung der Sozialdemokraten fehlten.
Es folgen persönliche Bemerkungen von Staatspräsident Adelung und den Abgg. Dr. Keller, Dr. R i e p o t h und Stork.
Dann ist die Debatte geschlossen, die Beratung wird auf Mittwoch vertagt.
Protest der Volkspariei.
In der Mittwochs'.hung gibt Abg. Dr. Rie - p o t h (D. Vp.) folt ade Erklärung ab: Am Schluß der gestrigen Sitzung blieb es ausgerechnet dem Abg. Ritzel Vorbehalten, uns.eren Fraktionsführer persönlich auf das schwerste anzugreifen und zu verdächtigen. Die Verdächtigungen sind um so unerhörter, als sie nicht nur rein persönlicher Natur, sondern auch nachweislich unwahr sind. Wenn für uns auch die Person des Abg. Dr. Keller turmhoch über der des Abg. Ritzel steht, der sich in diesen Ehrabschneidereien gefallen hat, so verwahren wir uns doch auf das entschiedenste gegen solche persönliche Kampsesweise und erwarten, dah der H^rr Präsident nach Einsichtnahme in das Protokoll die notwendigen Mahnahmen trifft, um die Würde der Parlamentsverhandlungen zu wahren. — Wegen des Ausdruckes Ehrabschneiderei erhält der Redner eine Rüge.
Abg. Haury (D. Vp.) erllärt, daß er zwar für den Theateretat habe stimmen wollen, aber nach den Rihelschen Angriffen gegen den volksparteilichen Fraktionsführer werde er aus Solidarität gegen den Etat stimmen.
Abg. A x t (VRP.) verliest ebenfalls eine gegen den Abg. Ritzel gerichtete Mihbilligungserklä» rung, die Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten auslöst.
Zustizetat.
Abg. S t u r m s e l s (Soz.) bedauert die noch bestehende Degrisfsspalterei in der Rechtsprechung und die Verzögerung in der Strafrechtsund Eherechtsreform. Zweckmäßig wäre d i e Aebertragungdes Iustizwesens au das Reich. Der Staat »darf gerade in den jetzigen aufgeregten Zeiten nicht wahllos Beamtenanwärter einstellen. Auch der heutige Staat sollte sich um die Korporationszugehörigkeit der „jungen Herrchen" kümmern und daraus die notwendigen Folgerungen ziehen.
Vizepräsident Blank ruft den Abg. Ritzel anhand des unkorrigierten Stenogramms wegen seiner gestrigen Angriffe auf den Abg. Keller zur Ordnung, da ihm gestern in dem allgemeinen Tumult eine sofortige Ahndung der Zwischenrufer unmöglich gewesen sei.
Abg. Schreiber (Dem.) verbreitet sich über die im Spargutachten enthaltenen und vom Landbund geforderten Einsparungen beim Iustizwesen, die weit über das Maß des Erträglichen hin- ausgehen. Eine Neuverteilung innerhalb der Gerichtsbeamten sei zweckmäßig. Ein Teil der Aufgaben könne ohne Bedenken den Gemeinden übertra.gen werden. (Zwischenruf: Dann erhalten die Armen überhaupt kein Recht mehr!) Das politische Rowdytum muh mit allen Mitteln bekämpft werden.
Abstimmungen.
In der Abstimmung wird Kapitel Kirchen bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten angenommen. Kapitel Landesuniversität Gießen und Technische Hochschule D a r m st a d t werden gegen die Stimmen der Kommunisten und des Landbundes genehmigt: die Sparanträge werden der Regierung als Material überwiesen. Kapitel Landesbibliothek, Landesmuseum und Förderung der Landesgeschichte werden genehmigt. Kapitel Landestheater wird in namentlicher Abstimmung mit 34 gegen 25 Stimmen angenommen. Dafür stimmen Sozialdemokraten, Demokaten und neun Zentrumsmitglieder, die wei
teren vier Zentrumsabgeordneten hatten den Saal verlassen. Dagegen stimmten Kommunisten, Landbund, Deutschnationale, Volksrechtpartei und zum ersten Male die Deutsche Dolkspartei.
Abg. Wichmann (Soz.) erwidert auf die Erklärung Dr. Riepoths u. a., dah die von dem Abg. Ritzel aufgestellten Behauptungen den Tat- achen entsprächen und unter Beweis gestellt werden könnten. Persönliche Angriffe gegen den Abg. Ritzel würden von seiner Fraktion zurückgewiesen. (Abg. Keller erhält wegen ^ünes Zwi- chenrufes eine Rüge.)
Abg. Galm (Komm.) kritisiert die Verhältnisse im Gesängniswesen und fordert Aufhebung des § 218 StGB., Reform des Eherechtes und Ausgestaltung des Iugendgerichtsgesehes.
Abg. Schül (Z.) polemisiert gegen die Angriffe des sozialdemokratischen Sprechers auf die Justiz, die in Hessen durchaus gut sei. Die Notwendigkeit der Iustizreform könne von feiner Seite mehr bestritten werden. Der Redner verliest dann eine Reihe von Einzelwünschen zur Justiz- und Strafrechtsreform. Die Todesstrafe soll nur auf wenige schwere Verbrechen, wie die eines Kürten, Haarmann usw. beschränkt bleiben und auch vollstreckt werden.
Abg. Dr. Werner (Nat.°Soz.) wirft den Kommunisten ihre Blutschuld bei den zahlreichen ileberfällen auf Nationalsozialisten vor. (Abg. Galm ruft: Sie unverschämter Patron! Er erhält zwei Ordnungsrufe.) Klassenjustiz ist, wenn ein Landtagsabgeordneter unter dem Schuhe der Immunität einem anderen den Sch i del einschlägt und kein Polizeibeamter eingreift und wenn Nationalsozialisten in der jetzigen Weise verfolgt werden.
Abg. Dr. Wolf (VRP.) steht der Reichsjustizreform sympathisch gegenüber und lehnt „Aufblähung der mittleren Beamten" ab. (Heiterkeit.) Die Rechte der Gerichte und Staatsanwaltschaften dürfen nicht nach Berliner Muster von der Landeskriminalstelle verletzt werden. (Es sind gerade noch zwölf Abgeordnete anwesend.)
Abg. Wesp (Zentr.) geihelt das Verhalten einzelner Arbeitgeber, die einbehaltene Arbeitnehmeranteile zu Sozialversicherungen nicht ab- geliefert haben und damit den ‘betroffenen schweren Schaden zufügten.
Abg. Böhm (Dntl.) fordert Entlastung der Gerichte. Ein Abbau von Amtsgerichten wirkt sich schädlich aus.
Ministerialdirektor N e u r o t h erllärt, dah die hessische Justiz mit der heute an ihr geübten Kritik durchaus zufrieden sein könne.
Die Sitzung wird auf Dienstag der kommenden Woche vertagt. Tagesordnung: Etat des Ministerium für Arbeit und Wirtschaft
Oie Wetterlage.
.aytn.
fidst
•SeydisfjorcT
.NordOyt
Thorshavnjgnfs;
ADÄrdeen-
Paris/'*'
Tour:
(lermi
amtüT'O " *
TjfetnPerllrHCM |
O Momentes. <9 neuer. 3 naiD oeaecKt «womia *5"«^
* Schnee & Graupeln . Neoei K Gewuter©wlnd$t.iie.O sc» leichter Ost O massiger Südsüdwest ^stürmischer «ordwesl Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen 5*<itl0n” stehenden Za» ten geben die Temperatur an. Die Linien ,erkunde» Orte mit gleichet* «ul neeresmteau umaerechneten Lultdruct
Wettervoraussage.
Das nordöstliche Hochdruckgebiet schrumpft immer mehr zusammen, wodurch Ausläufer des Islandtiefs an Raum gewinnen. Die Winde werden in Deutschland allmählich über Süden mehr nach Westen hin umdrehen: dabei herrscht vorerst noch meist heiteres und heißes Wetter. Sobald jedoch an der Südseite der sich weiter entwickelnden Islandstörung etwas kühle Ozeanluft nach dem stark erhitzten Festlande gelangt, wird Bewölkung aufkommen und Gewittertätigkeit ein» setzen.
Aussich ten für Freitag: Bei weiterer Erwärmung zunächst noch meist heiter, dann aber aufkommende Gewitterstörung.
Aussichten für Samstag: Wetterlage unsicher.
Lufttemperaturen am 18. Juni: mittags 26,2 Grad Celsius, abends 20,3 Grad: am 19 Juni: morgens 19,1 Grad. — Maximum 29,5 Grad, Minimum 11,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. Juni: abends 27,9 Grad; am 19. Juni: morgens 20,4 Grad. — Sonnenscheindauer 15 Stunden.
Reisewetkerdiensl.
Westerland auf Sylt. 18 Grad, gestern heißer Tag, Südostwind, Witterung heute morgen heiter bis halb bedeckt, seit gestern meist heiter.
Swinemünde. 22 Grad, der Jahreszeit an« gemessene Temperatur, Südwind, heiter bis halb bedeckt, gestern meist heiter.
Borkum. 18 Grad, gestern heißer Tag, Südost« wind, heiter, gestern meist heiter, -


