ä:t?5 "tniit nj-ph- ?r<*
K-Z
Väschen. " »i-f6 ;b=5«» b>> 2^° °i,i -«ich! ,oib,i
-.LI!?» * Sä n*« b« ZT
9en Döberner 0p, I ntuc 2fi. 8. jt. ^gsburg.Jiütn^. fn Stählen erprob
wirb e n„e ?an"Wti0e 'urzchn Zeit u oder eine Last, kann. 345g
Ihm 1 Ausfühiung lltorstr. 25. Heilbar ’in fdjöneS
nabmcird, In bebet tragen unter (BH7 >/ger erbeten.
ritzttMtz Gicht«.
DMntäg.bea IS, unb Millmoch, den c Srasnuhungm füt fenllich meifttW 34i4l
10 üormiltägi S Uhr -rRobheimerSlrahe, lachlhch, die frühere hiebe ÜBieje an der 1 drei Abteilungen, re holpilalioiele aus Abteilungen unb die jnb Gräben usw. tm
30, oormiitägrS Uhr ber haminslrahe an re Grasnutzung von 'n von der Hamm- ’ bie Bölchungen °n
;elW"nh0r *,S»«9W *5*8.6'*
rS M) die Ä'<S ffiaOun8‘n'f‘S‘<
>l der
**f2* v ■' Kir Eberftrahe iftmder^ > w Grasstücke »n efe Derst°iS°L jfciSff li 1930. rgermei^' ^fznbeS— !SSss HS MS
KM -WZ »u> •>
t«« <**
Montag, 19. Ma! 1950
180. Jahrgang
Nr. »6 Erstes Blatt
GietzenerAMger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfilülr-Vuch. und Steinörudcret R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Seschäftrstelle: Zchulstrahe 7.
anterSammelraimmer2251 Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen. pol|d)t(ffonto:
Frankfurt am Main 11686.
Erscheint tügltch. außer Sonntag» unb Feiertag».
Bellogen:
Vie Illustriert»
Gießener Familienblätter Heimat im Bild Di« Scholle
■onal$>Bejug$prtts:
2.20 Reichsmark unb 30 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerNummern infolge HSHerer Gewalt.
Annahme von Anzeigen für bie lagesnummer bi» zum Nachmittag vorher.
Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, ausroärt» 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr.
Chefredakteur:
Dr. Frieds Ivilh. Lange. DerantwoNlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für ben übrigen Teil Ernst Dlumschein unb für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Dießen.
Vrianos panemoyaischer Fragebogen in Veckin überreichi
Post, kurze Zeil später kamen die die erste Etappe rnitsahren; den sich u. a. der Leibarzt des Dr. Megias und zwei spanische
die 22 Passagiere, unter ihnen befin- spanischen Königs Offiziere, INinisle-
marsch!", und langsam glitt der Lustriese aus der Halle, um sich 17.18 Uhr unter dem Jubel der Zu- schauer in die Luft zu erheben und bald daraus in westlicher Richtung zu verschwinden.
Der Flug ging über Basel, das 19.50 bei starkem Westwind und Regen in zirka 350 Meter in Richtung aus die burgundische Pforte passiert wurde. Um 21.30 Uhr befand sich „Graf Zeppelin" In ruhiger und angenehmer Fahrt gegen starken Gegenwind dicht vor Befan 5 0 n bei schönem Sonnenuntergang. Die erste Abteilung der Passagiere nahm indessen das Abendbrot — Ragout mit Spätzle — ein. Um 2330 Uhr wurde Lyon überflogen und am Montag um 1 Uhr früh (wahrscheinlich Greenwicher Zeit) die Küste westlich der Rhone- Mündung beim Leuchtfeuer Beauduc ü b e r s ch r i t - t e n. Das Wetter ist ruhig, wie der Schlaf der Passagiere. Kurs Mallorca (Balearen), das um 5.15 Uhr überflogen wurde. Das Wetter ist gut, und das Luftschiff fuhr mit einer Geschwindigkeit bis zu 150 Kilometer in der Stunde.
rialrat Dr. Ladt (Berlin), Lady Drumond hay, der amerikanische Journalist, Karl von Wiegand und Dr. Gustav Kauder. Die Motoren wurden noch einmal kur; ausgeprobt. Das Luftschiff war gegen 16 Uhr klar zur Abfahrt. Als letzte bestiegen Dr. Eckener und Kapitän Lehmann das Schiff. Um 17.11 Uhr ertönte das Kommando „Luftschiff
rung dieses Planes entweder der ersten Europäischen Konferenz oder dem künftigen „Europäischen Ausschuß" vrzubehalten. Unter diese Fragen fielen die des Bereiches des europäischen Zusammenwirkens, besonders auf den Gebieten der Durchführung der Wirtschaftspolitik des Völkerbundes, der Kontrolle der Politik der Industrieverbände und Kartelle, des Zusammenwirkens der europäischen Staaten bei öffentlichen Arbeiten, der Regelung der Der- kehrswege und des Durchgangsverkehrs, ferner auf dem Gebiet der Unterstützung des Kreditwesens für die Aufschließung der wirtschaftlich mmderentwickel- ten Gegenden Europas sowie auf den Gebieten der Arbeit, der Hygiene und des geistigen Zusammenwirkens
Es komme nicht darauf an, mit einem Schlag« einen Idealbau aufzurichten, der abstrakt allen logi- chen Bedürfnissen eines gewaltigen europäischen Bundesapparates entspräche, sondern sich praktisch mit der Verwirklichung eines er st en Anlaufes zu dauernder Solidarität zwischen den europäischen Regierungen zu befassen. Die Regierung der französischen Republik lege Wert darauf, die Antworten bis zum 15. Juli zu erhalten. Die Regelung der wichtigsten materiellen und moralischen Probleme, die der Krieg gezeitigt habe, werde Europa von der Bürde befreien, die so schwer auf einem Geiste wie aus seiner Wirtschaft gelastet habe.
Einig sein, um zu leben und zu gedeihen,
das sei die gebieterische Notwendigkeit, vor ber ortan die Völker Europas ständen.
Paris, 17.Mai. (WTB.) Die Reparalionskom- I Mission Hal in ihrer heutigen Rachmitlagssihung, an der der Vorsitzende der kriegslaftenkommsifion, Ministerialdirektor Kuppel, teilgenommen hat, die im Haager Abkommen vorgesehene Feststellung, daß alle Vorbedingungen für die Inkraftsetzung des Zoungplanes erfüllt sind, gemacht. Die Reparationskommission' hat hierauf dessen feierliche Verkündigung vollzogen, d. h. die Vertreter der Regierungen von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Belgien und Japan haben um 18 Uhr das Protokoll gezeichnet.
Der im Anhang V des Poungplans vorgesehene Sonderausschuß, aus Vertretern der Reparationskommission, des Generalagenten für die Reparationszahlungen, der Reichsregierung und der Bank für internationale Zahlungen Hal der Internationalen Zahlungsbank die Deutschland betreffenden Befugnisse der Reparationszah- lungsstelle und der entsprechenden in Berlin bestehenden Organismen, die aufgehoben worden sind, übertragen, sowie außerdem die Befugnisse der Rcparalionskommission selbst. Es bleiben also nur die Befugnisse der Organismen erhalten, deren Aufrechterhaltung für den poungplan notwendig ist. Die Vernichtung der deutschen Schuldverschreibungen A, B und C und der Schuldverschreibung der Deutschen Reichsbahngesellschaft ist am Sitze der Repa- rationskommisfion in Anwesenheit von Vertretern des Ausschusses und der interessierten Parteien oor- genommen worden, hiermit tritt der Ponng- P la n in Kraft. Er wird als unter dem 17. Mai in Durchführung begriffen angesehen. Diese Feststellung wird allen Mächten, die die Haager Abkommen unterzeichnet haben, notifiziert werden. Die Be- ziehnngen der Reparationskommisfion zu Deutschland haben mit dieser Inkraftsetzung de» neuen Planes ihr Ende gefunden.
Der französische Außenminister Aristide Briand, der Vater des Paneuropamanifestes.
über die Einrichtung einer Art von Bundesverhältnis zwischen den europäischen Völkern möglich sei. Es wurde anerkannt, daß es nötig sei, etwas Derartiges anzustreben, und Briand wurde damit betraut, in einer an die beteiligten Regierungen zu richtenden Denkschrift die wesenllichen Fragen darzulegen, die zu dem genannten Zweck zu prüfen seien. Briand stellt bann fest,
heutzutage zweifele niemanb mehr baran, bah ber Mangel an Zusammenhalt in ber Gruppierung ber materiellen und moralischen Kräfte Europas das ernsteste Hindernis für die Fort- eutwickluug und die Wirksamkeit aller Einrichtungen darstelle, auf die man die ersten Anfänge einer weltumspannenden Organisation
des Friedens zu gründen suche.
Die Zersplitterung der Kräfte beschränke in Europa nicht minder bedenklich die Möglichkeiten des Wirtschaftsmarktes und die industriellen Absatzmöglichkeiten. Sie werde noch vermehrt durchs die große Ausdehnung der neuen Grenzen mit mehr als 20 000 Kilometer Zollschranken, „Ine man habe schaffen müssen, um den internationalen Bestrebungen Europas Genüge
soll umfassen:
a) die Prüfung der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und anderen Fragen, die die europäische Gemeinschaft besonders angeben und vom Völkerbund noch nicht behandelt worden sind;
b) die besondere Einwirkung auf die europäischen Regierungen, damit sie die Durchführung der allgemeinen Beschlüsse des Völkerbundes be- schleunigen.
An dritter Stelle wird die Notwendigkeit der vor- herigen Festlegung der wesentlichen L e i1 g e b a n • k e n behandelt, die den allgemeinen Begriff des „Europäischen Ausschusses" bestimmen sollen, hier führte Briand aus,
bie wirtschaftlichen Gesichtspunkte mühten all- gemein ben politischen untergeorbnet werben. Ieber Fortschritt auf dem Wege ber wirtschaft- tichen Einigung werbe durch bie Sicherheitssrage bestimmt, während diese Frage selbst eng mit der des erreichbaren Fortschrittes auf dem Wege der politischen Einigung Zusammenhänge. 3n- solgedessen müsse der versuch, Europa eine organische Struktur zu geben, zunächst auf politischem
Gebiete einsehen.
Auf dieser Grundlage müsse auch bie Wirtschaftspolitik Europas in ihren großen Zügen sowie bie Zollpolitik jebes europäischen Staates im betonteren aufgebaut werben. Unter tem Begriff tes politischen europäischen Zusammenwirkens sei ein Bunb auf ter Grundlage tes Gebankens ber Einigung, nicht ber Einheit zu verstehen; b. h. ber Bunb müsse elastisch genug sein, um bie Unabhängigkeit und nationale Souveränität j e - den Staates zu wahren, aber doch allen ten Vorteil kollektiver Solidarität bei ber Regelung politischer Fragen zu gewährleisten. Eine solche Auffassung könnte ten allgemeinen Ausbau be* Schiedsgerichts- und Sicherheitssystems in (Europa, sowie die fortschreitende Ausdehnung ter in Locarno begonnenen Politik ter internationalen Garantie auf die ganze europäische Gemeinschaft bis zur Zusammenfassung der Sonterabkommen in einem allgemeinen System zur Folge haben.
Briand behandelt hier ten Begriff einer wirtschaftlichen Organisation Europas zu tem Endzweck ter gegenseitigen Annäherung ter euro- päischen Volkswirtschaft und schlägt auch hierfür einen Vertrag vor, ter die wirtschaftliche Solidarität als Endziel der Zollpolitik ter europäischen Länder als Ideal bezeichnet. Mit Hilfe einer solchen allgemeinen Einstellung könnte eine Rationalisierung ter Erzeugung und des europäischen Güteraustausches angestrebt werden, und zwar z. B. durch fortschreitende Erleichterung tes Güter-, Kapital- und Personenverkehrs.
An vierter Stelle wird die Zweckmäßigkeit erörtert, die Untersuchung aller Fragen der Durchfütz-
Das jntrafllrefen des poungplans verkündet und die Meinlandräumung angeordnet.
Gras Zeppelin auf dem Südamerikaflug.
Glatter Start unter Eckeners Kommando. — Das Lustschiff befindet sich am Montag früh über den Balearen in Dichtung aus Sevilla.
Offizielle Eröffnung derInier- nationalen Zahlungsbank.
Bafel, 17.Mai. (WTB.) Die offizielle Eröffnung ter Tätigkeit ber Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist heute erfolgt. Da bie haupt- voraussehung für bie Inbetriebnahme ber Bank, bie Unterzeichnung des Trusteevertrages zwischen ten Regierungen unb ter BIZ. in Paris stattfindet, sah man von jeder Zeremonie im Gebäude ter Bank in Basel ab. Am Montag wird auch die Ueb/rweifungsanzeige für 145 Millionen Reichsmark in Bafel eintreffen, die der Reparationsagent Parker Gilbert am Samstag auf Konto ter BIZ. hat überweisen lassen. Da» Geld bleibt aber vorläufig in Berlin zur Abdeckung verschiedener Sachlieserungsoerlräge und anderer noch auf Konto der Reparationen bestehender Verpflichtungen, bie noch zu begleichen sind.
Der Räumungsbefehl.
Paris, 17.Mai. (WTB.) Die französische Regierung veröfsentlicht folgendes offizielle Lom- m u n i qu e: Nachdem bie Reparationskom- Mission in ihrer heutigen Sitzung feffgeffellt hat, daß alle erforderlichen Bedingungen für die Inkraftsetzung des Joung- plan» erfüllt find, unb daß vor allem Deutsch, land ter Internationalen Zahlungsbank das durch bie Haager Abkommen vorgesehene Ge s a m t s ch u l. denzertifikat aasgetjänbigt hat, hat Ministerpräsident T a r d i e u gemäß ben Erklärungen, die die Regierung vor tem Parlament abgegeben hat, den Befehl gegeben, bie III. Rheinland z 0 n e 3 u räumen.
Der «Malin- schreibt: Die französischen MililLv- behörden werden natürlich sich beeilen müssen, um zum 30. Juni die Räumung durchgeführl jn
Friedrichshafen, 18. Mai. (WTB.) Das Luftschiff „Gras Zeppelin" ist heute nachmittag 17.18 Uhr unter der Führung von Dr. Eckener zu seinem Südamerikaflug gestartet. Dem Start tes Luftschiffes wohnten Tausende von Menschen bei. Schon in den Vormittagsstunden hatte der Zustrom von auswärts eingesetzt, in ten Rachmittagsstunden verstärkte er sich mehr und mehr. Kur; nach 16 Uhr wurden die letzten Postsäcke, die das Luftschiff mit- nahm, herangeführt, im ganzen 600 Kilogramm
zu tun“. Das Wirken des Völkerbundes könne in Europa auf ernste Hindernisse stoßen, wenn dieser territorialen Zerstückelung nicht baldigst ein Ausgleich entgegengesetzt werbe
Der europäische Verband solle sich keineswegs gegen andere Volksgruppen richten, die in anderen Erdteilen oder in Europa außerhalb des Völkerbundes beständen. Weiter müsie mit aller Deutlichkeit festgestellt werden, daß die curo- päische Union in feiner Weise eines der souveränen Rechte beeinträchtigen dürfe, die den Mitgliedsstaaten des Völkerbundes zustänten Die Verständigung zwischen den europäischen Staaten müsse auf dem Boden unbedingter Souveränität und völliger politifcher Unabhängigkeit erfolgen.
Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze übermittelt Briand den 27 beteiligten Regierungen eine Aufstellung verschiedener Punkte zur Prüfung, über die er f ie bittet, ihre Ansicht zu äußern
Die erste Gruppe beschäftigt sich mit der Rot- weudigkeit der Aufstellung eines Dertrages, der ten Grundsatz der moralischen Ver- bundenheit Europas aufstellt und eine feier! iche Bekräftigung der zwischen den europäischen Staaten geschaffenen Solidarität bildet Hier sollen sich die Signatarregierungen verpflichten, in periodisch wieterkehrenoen oder in außerordentlichen Tagungen regelmäßig miteinander in Verbindung zu treten, um alle Fragen zu prüfen, die die Gemeinschaft ter europäischen Völker angeben
Sn der zweiten Gruppe seiner Vorschläge te- zeichnet Briand die Einrichtungeiner eu ropäischen Konferenz als notwendig, die aus den Vertretern aller europäischen Mitglieder tes Völkerbundes bestehen soll. Zur Dermei- düng jeden Metergewichtes eines europäischen Staates über den anderen müsse der Vorsitz in der Konferenz jährlich wechseln und der Reih« nach geführt werden Weiter bezeichnet Briand die Schaffung eines Vollzugsorgans in Gestalt eines ständigen Ausschusses für notwendig Der Ausschuß soll in Gens tagen, seine Sitzungen mit denen des Völkerbundes zusam- menfallen Der Vorsitz im Ausschuß soll der Reihe nach geführt werden Zu den Ausgaben tes Ausschusses soll gehören: die Prüfung jedes Verfahrens zur Verwirklichung und Durchführung tes in Aussicht'genommenen Planes sowie die Gesamtaufstellung eines Programms tes eu- ropäischen Zusammenwirkens: dieses Programm
Was tollt Briand?
SS ist eine für Briand wenig günstige Stunde, die er sich zur Veröffentlichung seines Frage- bogenS über das Vereinigte Europa ausgesucht hat Wer von allen anderen Ländern Vertrauen heischt, darf nicht Mißtrauen zum wesentlichen Element feiner Politik machen Der Fragebogen mühte nicht aus Frankreich stammen, wenn nicht in ihm die Rede wäre von Bürgschaften und Sicherheiten, Dinge, die durch die französische Politik eine ganz bestimmte Bedeutung erlangt haben. Enger als ter Völker- bundSvertrag kann auch ein Europavertrag die Bölter nicht aneinanderketten, um so weniger, als Briand zwar sehr geschickt wieder einmal den zweiten Schritt vor dem ersten tun will.
WaS will Briand? Der französische Außenminister verfolgt mit seinem Fragebogen nicht etwa eine Liebhaberei, sondern nicht mehr und nicht weniger als die Sicherung Frankreichs, so wie es der Versailler Vertrag gestaltet hat. durch die Bürgschaft ganz Europas. Mit dieser Bürgschaft wlll sich offenbar Frankreich begnügen, nachdem es in zehn Jahren nicht gelungen war, bie Union und England als Schuhmächte für Frankreich mit Verträgen von ewiger Dauer zu bestellen. Der Locamo-Dertrag ist nach französischer Auffassung ebenso wenig geeignet, die Grenzen Frankreichs zu sichern, wie ter Kellogg- Pakt ober das Haager Schiedsgericht. Soweit Frankreich feine Sicherheit auf die Spitze ter Bajonette stellen kann, hat es dies so ausgiebig getan, daß jede Abrüstungskonferenz, an der Frankreich teilnimmt, ein Widerspruch in sich ist. GS ist durchaus kein Zufall, daß Briand den Fragebogen just an dem Ta ge dar öffentlichen Meinung Europas vorlegen laßt, an tem der Boung-Plan in Kraft g ese tz t wird. Frankreich fürchtet, daß Deutschland mit äußerster Energie seine wirtschaflliche Produktion steigern werte, nicht etwa um den Tribut zu leisten, sondern um durch Eroberung ter wirtschaftlichen Borherrschaft die politische zurückgewinnen zu können
Um diese Entwicklung zu verhindern, will Frankreich versuchen, zunächst Europa wirtschaftlich so zu organisieren, daß ein Land allein sich nicht würde vordrängen können, ohne auf den Widerstand ter anderen Länder zu stoßen Die Gefahr, die für Deutschland in ten Plänen Frankreichs liegt, ist unverkennbar die, daß das Vereinigte Europa mittelbar oder unmittelbar die Produktionskräfte und Produktionsver» hältnisse f e ft I e g c n soll. Frankreich kann einen solchen Versuch machen, es ist im schlimmsten Fall wirtschaftlich und handelspolitisch nicht auf Europa angewiesen Briand gibt nicht zu erkennen, daß Frankreich heute oder morgen seine Dchuh- zollmauern aboauen würde, um sich mit allen Kolonien den Vereinigten Staaten von Europa einzugliedern. Wohl ater will Frankreich, durch geschickte handelspolitische Querverbindungen scheinbar die Produktivkräfte der Einzelländer, in Wirklichkeit ater ihre politischen Grenzen so gesichert wissen, daß keine Aen- terung denkbar und möglich sein darf. Indessen. Deutschland hat keine Ursache, sich ohne ausreichende Dorfichtsmaßnahmen auf das Glatteis teS Fragebogens zu begeben Es kann bei dieser Gelegenheit eindringlich klarmachen, daß seine Wirtschasts- und Handelspolitik durch den Zwang zur Tributleistung gebunden ist. Wie diese Bindung sich im einzelnen vollzieht, dazu gehört nicht nur ter Hinweis auf den Tribut, sondern auch daraus, daß die Produktionskraft 'Deutschlands durch die Gebietsverluste im Osten so geschwächt worden ist, daß auch alle anderen Länder darunter leiden müssen
Oer Fragebogen
Berlin, 17. Mai. (TU.) Die Denkschrift Briands über die Organisation des Systems eines europäi- chen Staatenbuntes wurde am Samstag der )effentlichkeit übergeben. Die umfangreiche Dent- chrift geht, wie Briand ausführt, zurück auf Be- prechungen, die im September 1929 stattfanten. Seinerzeit wurde geprüft, ob eine Verständigung


