Ictlige Beeinflussung der Schulpflichtigen und die Untergrabung der Autorität der Schule herbeizuführen. 2ln welche besonderen Versuche Außenstehender die bayerische Regierung dabei Wohl denkt, braucht hier nicht erörtert zu werden. Die Schule aber weih ein Lied davon zu singen, wie auch ihre besten Absichten und ihre heißesten Bemühungen, die ihr anvertrauten Kinder zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft zu erziehen, immer wieder von Außenstehenden durchkreuzt werden. Man denke an die politische Beeinflussung der Jugend außerhalb der Schule, die der staatsbürgerlichen Erziehungsarbeit der Schule oft schnurstracks entgegenarbeitet. Man denke an die Herabsetzung nicht nur der Schulautorität, sondern in vielen Fallen jeder menschlichen und göttlichen Autorität, wie die Jugend sie zu lesen, zu hören und zu sehen bekommt. Man denke endlich an wegwerfende Aeuherungen über Schule und Lehrer, die der Schüler oder die Schülerin vielleicht im Elternhaus, um dessen Heranziehung zu gemein» nicht als vorsätzliches Aufhetzen der Kinder gemeint sein mögen, aber doch dazu beitragen, ihre Achtung vor der Schule und den Lehrern zu untergraben. Und damit sind wir zur Urzelle aller Erziehung gelangt, zur Familie, zum Elternhaus, um dessen Heranziehung zu ge-mein- famer Arbeit sich die Schule ernstlich bemüht. Versagt dieses, so können auch alle gesetzgeberischen Maßnahmen zum Schuh der Schule gegen Untergrabung ihrer Autorität das nicht erreichen, was sie erreichen sollen. Hier im Elternhaus lerne das Kind über ihm stehende Autoritäten achten und ehren, lerne gehorchen, lerne arbeiten und lerne entbehren, damit so in der Familie die Grundlagen gelegt werden, auf denen die Schule weiterbauen kann. E.
Aus der Proviuzialhaupistadi.
Gießen, den 19. März 1930.
Preisaufgaben der Landes-Llniversitäi.
L.U. Aus dem Zinsertrag derO sann - Beul- Witz-Stiftung der Universität Gießen werden Reise st ipendien für Studierende und andere wissenschaftlich gebildete Bewerber aller Fakultäten vergeben. Die Bewerber müssen eine von der Pflegschaft ausgeschriebene Aufgabe bearbeitet und dafür den Preis erhalten haben.
Die Preisaufgab en für das Jahr 19 30/31 sind folgende:
I.
Für Studierende, die mindestens im Sommer 1930 und im Winter 1930/31 an der Universität Gießen immatrikuliert sind:
Aus dem Gebiet der Theologischen Fakultät: „Die Bekehrung im Reuen Testament".
Aus dem Gebiet der Juristischen Fakultät: „Die Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles über die Staatsangehörigkeit der Elsaß-Lothringer in ihrer rechtlichen Bedeutung und tatsächlichen Auswirkung".
Aus dem Gebiet der Medizinischen Fakultät: 1. „Die chemische Ratur des Substrates der Hornhautpigmentierung bei der Pseudosklerose soll untersucht werden". 2. „Cs sind Unter- schungen über die funktionelle Ermüdung des gesunden und kranken Gehörorgans anzustellen".
Aus dem Gebiet der Veterinärmedizinischen Fakultät: „Lassen sich auf Grund histologischer und biologischer Untersuchungen typische Unterscheidungsmerkmale zwischen Vakzine, Hühner- und Taubenpocken aufstellen?".
Aus dem Gebiet der Philosophischen Fakultät: 1. „Die Theorie des Lichtdurchgangs durch eben geschichtete Halbleiter ist auf kugelförmig geschichtete Medien zu erweitern". 2. „Ursprung und Typen der dekorativ verwendeten Masken". 3. „Es ist zu untersuchen, in welcher Beziehung die im Gebiet der Lahnmulde vorkommenden Magneteisenerze zu den zusammen
9iegefiei>erle6(01ange.
Vornan von Edgar Wallace.
3 Fortsetzung 'Jiadiöru(f verboten
Peter konnte nicht viel neues erfahren und ging etwas bestürzt und ziemlich verärgert zu seinem ^Uveau zurück. Im Vorraum traf er den Rachrichtenredakteur, der nach Hause gehen wollte.
„Es steckt irgend etwas hinter diesen merkwürdigen Karten! sagte Parsons hartnäckig. „Seitdem Sie fortgingen, habe ich darüber nachgedacht. Die gefiederte Schlange hat eine ganz besondere Bedeutung. In der Bibliothek habe ich im Konversationslexikon nachgeschlagen. Sie ist eine der Gottheiten der alten Azteken. An Ihrer Stelle würde ich einmal Mr. Deale aufsuchen."
„Wer ist Mr. Deale?" fragte Peter. Der Redakteur Mummte, denn es war Peters Schwäche, niemand zu kennen außer hervorragenden Verbrechern, die sich in der Vergangenheit oder in der Gegenwart einen Qlamcn gemacht hatten.
„Mr. Gregory Deale ich Archäologe," sagte er dann geduldig. „Außerdem ist er Millionär. Er kehrte foeben von einer Expedition zurück, auf der er die Ruinenstädte der Maya studiert hat. Als er heute abend ankam, habe ich einen Reporter nach Waterloo Station geschickt, um einen Zeitungsbeitrag von ihm zu bekommen. Aber der Esel hat ihn verfehlt. Sie werden seinen Ramen im Telephonbuch finden, er wird Ihnen eine gute Erklärung über die gefieberte Schlange geben können."
Mit einem freundlichen Gutenacht verlieh er das Gebäude. Peter war schon Halbwegs den ersten Treppenlauf in die Höhe gestiegen, als der Redakteur noch einmal zu rück kam und ihn anrief.
„Wenn Sie mit ihm sprechen, können Sie ihn auch gleich fragen, ob die Trockenlegung der sumpfigen Riederungen während seiner Abwesenheit gute Fortschritte gemacht hat. Er war nämlich früher ein Pionier für soziale Reformen."
„Wenn er erst heute zurückgekominen ist —“ begann Peter.
»Oft alles schon in Ordnung," erwiderte Parsons. „Ich würde mich ihm an Ihrer Stelle anbieten, ihn auf einem Gang durch den Osten Londons zu begleiten. Dann können wir einen schönen, interessanten Artikel schreiben von mindestens einer Spalte Länge."
Peter flieg die Treppe weiter hinauf, aber er war gerade nicht in rosigster Stimmung.
3.
London legte keinen Flaggenschmuck an, um die Rückkehr Gregory Deales in zivilisierte Län-
Feuerwehr-Tagung in Gießen.
Der 9. Verbandstag hessischer Freiwil liger Feuerwehren im Kreise Gießen fand am Sonntagnachmittag im Schipkapaß zu Gießen statt.
Rach ‘Begrüßung der Anwesenden, besonders der Herren Branddirektor Braubach und Kreisfeuerwehrinspektor D i ck o r s, letzterer als Vertreter des am Erscheinen verhinderten Ober- regierungsrats Ritzel, erstattete der erste Vorsitzende Fritz Wenzel den
Jahresbericht.
Danach bestehen im Kreise Gießen 18 freiwillige Wehren mit 1911 Mitgliedern, gegen 1886 im Vorjahre. Von den neugegründeten drei Wehren hielt nur eine Bestand. Leider finde das Feuerlöschwesen nicht überall Würdigung bei den Gemeinden, wobei allerdings deren mißliche Finanzlage zu berücksichtigen sei. Vom hessischen Landesverband schieden die Herren v. Hahn und Müller wegen Erreichung der Altersgrenze aus den Aemtem, während der Dezernent des Kreises Gießen, Oberregierungsrat Dr. Heß, nach Darmstadt verseht wurde. Die weitere Berichterstattung bezog sich auf den vorjährigen Herbstverbandstag und das 35jährige Bestehen der Freiw. Feuerwehr in Birklar, der einen für die dortige Wehr wie die Einwohnerschaft ehrenden Verlauf nahm, auf die Abgeordnetenversammlung des Landesverbandes in Frankfurt, die an langjährige Mitglieder verliehenen Auszeichnungen, die im Gebiet des Kreisverbandes zu verzeichnenden Brände des vergangenen Jahres und die 50jährige aktive Tätigkeit des Kameraden Jean Arnold, Gießen. Am Schluß seines Berichts wies der Vorsitzende noch auf die bevorstehende Feuerschuhwoche hin, deren Bedeutung sich messen lasse an der Tatsache, daß im vergangenen Jahre im Reiche 1400 Menschen ihr Leben lassen mußten und über 500 Millionen Mark an Vermögen durch Feuer verloren gingen. Fast drei Viertel der zu verzeichnenden Brände seien auf Unaufmerksamkeit und Rachlässigkeit zurückzuführen.
Im Hinblick auf den Volkstrauertag gedachte der Vorsitzende der im Kriege gefallenen und im letzten Jahre verstorbenen Kameraden, deren Andenken die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrt. Mit dem Wunsche weiteren Ausbaues der Wehren und Hebung der Schlagfertigkeit schloß der Vorsitzende den Bericht.
Rach dem hierauf von Kamerad Heinrich, Lollar, erstatteten
Kaffenbericht
gingen an Beiträgen (10 Pf. für das Mitglied) ein 447,24 Mk., welchem Betrag Ausgaben in
Höhe von 431,11 Mk .gegenüberftefjen; an Vermögen find 270,53 Mk. vorhanden.
Kreisfeuerwehrinspektor D i ck o r 6. Gießen, besprach im Hinblick auf die 46 000 innerhalb 10 Jahren im Reich ausgebrochenen Brände über Feuerverhütung und Feuerbekämpfung und empfahl ausgiebige Werbung für die vom 27. April bis 4. Mai d. I. stattfindende
Feuerschutzwoche.
Die tägliche Erfahrung, daß fast die Mehrzahl der Brandschäden durch Kinder herbeigeführt werden, hat Werkmeister S ch m i d t, Krofdorf, zur Herstellung einespatentamtlich geschützten einfachen Apparates geführt, der es mit Feuer spielenden Kindern unmöglich mache, die Feuerungstür an Herden und Oefen zu öffnen. Der vom Erfinder der Versammlung vorgeführte an jede Tür anzubringende Apparat fand wohlverdientes Interesse.
Die weitere Aussprache.
lieber vorliegende Anträge betr. Hebernahme der Herb st verbandstag e, wofür zunächst Alten-Duseck und Rieder-Bessingen in Betracht kommen, wird der Herbstverbandstag in Gießen, der im Rahmen des 75. Jubiläums der Gießener Wehren Ende August oder Anfang September stattfindet, entscheiden. Ein Antrag auf Beschaffung einheitlicher Schilder für die Feuermelde st eilen wurde bis zur Annahme der Landessahungen zurückgestellt.
Die Aufnahme der 45 Mitglieder zählenden Wehr in Allendorf a. d. Lda. in den Verband wurde einstimmig genehmigt.
Die Reuwahl des Vorstandes ergab einstimmige Wiederwahl der bisherigen Ausschußmitglieder: 1. Vorsitzender Wenzel, Gießen, 2. Vorsitzender Seifert, Grünberg, Beisitzer B r e i t h e r, Gießen, Heinrich, Lollar, Schäfer, Lang-Göns. Die Kameraden Braubach und D i ck o r 6, Gießen gehören von Amts wegen dem Ausschuß an.
Die folgende Aussprache, an der sich die Kameraden Schäfer, Lang-Göns, Wolf, Rieder-Bessingen, Henkel. Großen-Buseck, sowie der Vorsitzende, der Branddirektor und der Kreisfeuerwehrinspektor u. a. Beteiligten, bezog sich auf verschiedene Vorgänge des verflossenen Jahres, die Vergütung für Drandhilfe, die Fach- und Tagespreise.
Der Vorsitzende schloß die über drei Stunden dauernden Beratungen mit herz'ichem Dank für die rege Mitarbeit an der guten Sache, der die Treue bewahrt bleiben möge.
mit ihnen auftretenden sonstigen Eisenerzen sowie zum Rebengestein stehen, und auf Grund der Beobachtungsergebnisse zu versuchen, die allgemeinen genetischen Bedingungen für die Bildung der Magneteisenerze im genannten Bereich zu klären". 4. „Der Einfluß Rietzsches auf Ludwig Klages".
II.
Für andere wissenschaftlich gebildete Bewerber, und zwar:
1. Dozenten der Universität Gießen, soweit sie nicht Mitglieder des Gesamtsenats sind, die wissenschaftlichen Beamten der Universitäts-Bibliothek, die Assistenten der Universität, soweit sie nicht Studierende sind, die Lektoren und Repetenten.
2. frühere Studierende der Universität Gießen:
Aus dem Gebiet der Theologischen Fakultät: „Die Stellung der praktischen Theologie im System der Wissenschaften".
der zu feiern, obwohl es in vergangenen Zeiten schon geringeren Leuten größere Ehren erwiesen hatte.
Die Zeitungen schrieben gerne Artikel über ihn in jenen Tagen, als seine Lieblingsbeschäftigung noch das Studium der armen Leute war und er unerkannt durch den Osten und die verrufenen Gegenden der Hauptstadt streifte, dort wohnte und schlief, ein etwas verwilderter Harun al Raschid, der ungeheure Summen an Familien verteilte, die einen harten Kampf ums Dasein führen mußten. Riemand kannte diesen Manp mit dem zerzausten Bart und der feuerroten Krawatte als Gregory Deale. Er hatte ein Dutzend anderer Ramen und änderte seine Adresse von Woche zu Woche. Dald wohnte er in Limehouse, bald in Poplar, inan kannte ihn aber auch in Victoria Docks und in East Ham. Aber allmählich wurde ihm die Sorge für die Armen langweilig — es mochte auch sein, daß er schlechte Erfahrungen damit machte — jedenfalls wandte er sich wieder dem Studium der alten mittelamerikanischen Kulturen zu. und eines Tages erfuhr die Gelehrtenwelt Londons, die sich für ihn interessierte, daß er nach Drasilien gegangen war. um dort eine Expedition in den Urwäldern zu leiten. Aber selbst diese wenigen Menschen gähnten und sagten, daß er mit seinem ungeheuren Vermögen besser daran getan hätte, sich vor zwanzig Jahren zu verheiraten. Und dann vergaß man ihn, denn er war ein Mann ohne große Traditionen, ein glühender Sozialdemokrat mit marxistischen Ideen. Rote Krawatten, lange Backenbärte und feurige lieber- Beugungen find vornehmen Herren und Damen sehr unangenehm, die vollständig glücklich in der Heberzeugung sind, daß sich die Erde innerhalb vierundzwanzig Stunden infolge eines feststehenden Gesetzes einmal um sich selbst dreht.
Sechs Jahre, nachdem sein Advokat die Verwaltung seines Vermögens übernommen hatte, fuhr der Exprehzug, der die Passagiere der Heberseedampfer brachte, langsam in Waterloo Station ein. Die vielen Hotelportiers, die den Bahnsteig einsäumten, verteilten sich allmählich und lösten sich schließlich in der Menge auf. die wie ein Ameisenvolk durcheinanderwimmelte.
Kein Freund holte Mr. Gregory Beate ab. niemand bewunderte seine männliche, sehnige Gestalt und sein braungebranntes Gesicht. Seine blauen Augen leuchteten, seine Haare waren in der sechsjährigen Abwesenheit grauer geworden.
Sein Diener John, ein Mann von mittleren Jahren, bahnte sich mit den Ellenbogen einen Weg durch die Menge, um das Gepäck seines Herrn in Empfang zu nehmen. Er war ein zu wohlerzogener Diener, um irgendeine Bemerkung über die Veränderung zu machen, die mit Mr. Beate infolge seiner angestrengten Tätig
Aus dem Gebiet der Juristischen Fakultät: „Die Verantwortung für den eigenen Geschäftskreis".
Aus dem Gebiet der Medizinischen Fakultät: „Die Katalase des Blutes beim Kind".
Aus dem Gebiet der Philosophischen Fakultät: Das Verhältnis der psychologischen Grundanschaüungen Siegmund Freuds und Alfred Adlers soll dargestellt und kritisch gewürdigt werden".
Voraussetzung für die Bewerbung unter II. ist, daß die zu 1. Genannten mindestens im Sommersemester 1930 ober im Wintersemester 1930/31 an der Universität im Amte stehen, für die zu 2. Genannten, daß sie ihre Studien zu einem erheblichen Teil an der Universität Gießen gemacht haben.
Die Pre sarbeiten müssen in deutscher Sprache geschrieben sein und dürfen nur einen Verfasser haben. Die Arbeiten sind nach Wahl der Verfasser entweder unter Rennung des Verfassers, oder in der für die Bewerbung um die
feit für die Wissenschaft borgegangen war. Er hätte auch nur noch eine dunkle Erinnerung daran, wie sein Herr bei seinem Abschied ausgesehen hatte.
„Sind Sie John Eollitt?" fragte Mr. Beale liebenswürdig.
„Jawohl, mein Herr — ich hoffe, daß Sie eine gute Reife hatten."
„Ja. ich hatte eine sehr gute Fahrt."
Die glänzend polierte Tür seines eleganten Autos wurde vor ihm geöffnet.
„Das Gepäck wird von einer Agentur besorgt — ich fahre sofort nach Hause."
Er sank in den weichen, tiefen Sitz zurück und beobachtete interessiert und mit fast kindlicher Freude alle die vielen Bilder Londons, an denen er vor sechs Jahren achtlos vorübergegangen war (ober waren es schon hundert Jahre?). Sogar Brillanten blitzten in dem ungewissen Licht der Straßenlampen auf und verschwanden in dem dunstigen Rebel wieder. Ein Mann zog einen Lastkarren mit rosigen Aepfeln, viele Automobile fuhren die Westminster Bridge Street entlang, die schrillen Stimmen der Zeitungsjungen riefen Extrablätter aus, die große, hellerleuchtete Uhr strahlte auf die Parlamentsgebäude und den grünen Park herab.
Mr. Deale atmete tief, und es überkam ihn ein süßschmerzliches Gefühl. Er war wieder daheim! London, die altehrwürdige Mutter, bewillkomm- nete ihn, obwohl sonst niemand von seiner Gegenwart Rotiz nahm. Die ungeheure Menschenmenge nahm ihn wieder auf wie Sand einen Tropfen Wasser.
Sein Wagen fuhr schnell durch den finsteren Park in die Drompton Road, bog links ein und hielt vor einem großen, schönen Haus, das sich an einer Ecke der breiten Straße erhob. Sofort zeigte sich ein langer, gelblicher Lichtstreifen, als sich die Haustür öffnete, und der untersetzte, kahlköpfige Hausmeister kam hurtig die Treppenstufen herunter.
„Willkommen zu Haufe, Mr. Deale."
Bassehs Stimme klang heiser. War es nur Erregung oder war er so alt geworden? Ober war er nur erkältet? Gregory Deale schaute ihn verwundert an.
„Ich danke Ihnen, Dassey."
Der Hausmeister stieg vor ihm die Treppenstufen empor. Es lag etwas Feierliches in seinem ruhigen und stillen Verhalten, als er zur Seite trat und seinen Herrn zuerst durch die Türe gehen ließ.
„Eine junge Dame wartet in dem Studierzimmer. Ich wußte nicht recht, was ich mit ihr anfangen sollte. Sie sagte, daß sie auf eine Annonce hin gekommen fei. Ich erklärte ihr, daß Sie eben erst nach England zurückgekehrt
staatlichen Preisarbeiten üblichen Form vor Bent 1. April 1931 beim Universitäts-Sekretariat einzureichen. Frühere Studierende haben dabei den Rachweis zu liefern, daß die Voraussetzungen der Bewerbung erfüllt sind.
Heber die Zuerkennung der Preise entscheidet die Pflegschaft auf Grund von Gutachten bet Fakultäten. Die Urteile werden bei der Jahresfeier der Universität im Jahre 1931 verkündet. Die eingereichten Arbeiten bleiben Eigentum bet Verfasser.
Die Preise betragen für die Gruppe I je 300 Reichsmark, für die Gruppe II je 600 Reichsmark.
$üf?rerfonfercn$ des Deutschen Bankbeamten-Vereins.
Man berichtet uns: Am vergangenen Sonntag hielt der Gau Südwestdeutschland im Deutschen B a n k b e a m t e n - D e r e in in Frankfurt a. M. eine stark beschickte Füh. rertagung ab. 48 Vertreter, aus 18 südwestdeutschen Bankplähen waren erschienen.
In einem anschaulich gehaltenen Situationsbericht gab zunächst Gauvorsteher Decker einen kurzen Heberblid über die wichtigsten Vor- gänge auf gewerkschaftlichem, organisatorischem und sozialem Gebiet. Seit 1. April 1929 konnten im Gau rund 500 neue Mitglieder gewonnen werben: 85 Prozent aller südwestbeutschen Bankangestellten gehören damit dem Deutschen Bankbeamten-Verein an. In den Betriebsräten von 131 südwestdeutschen Bankbetrieben zählte der D. B. V. Ende 1929 302 Mitglieder uno besetzt damit nahezu sämtliche Sitze in diesen Organen. Heber 170 000 Mk. an Gehaltsnachzah- lyngen, Abfindungen usw. wurden in den letzten 10 Monaten für die Mitglieder erftritten Auch im Bildungswesen zeigen sich starke Fortschritte.
An diesen Bericht, der mit großem Beifall ausgenommen wurde, schloß sich eine längere, sehr anregende und fruchtbringende Aussprache, in welcher insonderheit auch die durch die letzte Grohbanken-Fusion für die Angestell- ten dieses Großbetriebes geschaffene Lage eingehend erörtert wurde. In einer Entschließung wurde der Zentralleitung und dem Gau- Vorstand Dank zuteil, die anläßlich der Großban- ken-Verschmelzung seitens der Organisation getroffenen Maßnahmen gutgeheißen und die Bankangestellten Südwestdeutschlands aufgerufen, sich mit Rachdruck ebenfalls für die Fusion der Hauspensionskasse der Deutschen Bank mit der 'Neutralen Pensionskasse der Bankangestellte» einzusetzen.
•
** Priesterweihe. Aus Würzburg wird uns mitgeteilt, daß am vorigen Sonntag der Diakon Karl Barthels, Sohn des früher längere Jahre in Gießen wohnhaften Ehren- kammerherrn Dr. Barthels, vorn H. H. Bischof die hl. Priesterweihe empfangen hat.
*• Der Goethe-Bund hat, wie man unS schreibt, an Stelle des durch Krankheit verhinderten Dichters Hermann Stehr den Dichter Theodor D ä u b l e r zu einem Vortragsabend gewinnen können. D ä u b l e r wird zu Beginn seines Vortragsabends Proben aus seinen Dichtungen geben. Im zweiten Teil des Abends hält er einen Vortrag über „Goethe und die Antike". Mit diesem Vortrag, der als ein Kunstwerk hoben Ranges bezeichnet wurde, hat Däubler kürzlich in der Berliner Presse größte Anerkennung gefunden. Ein literarisch sehr bedeutsamer Abend ist zu erwarten. (Siehe heutige Anzeige.)
** Fünfzigerfeier 1 873/1 923. Man teilt uns mit: Arn vorigen Donnerstag veranstaltete die Altersvereinigung 1873 1923 im Hotel Hindenburg einen Familienabend, der in seinem Verlaus nicht nur einen Loahren freundschaftlichen Charakter hatte, sondern auch ein Kunstgenuß für alle Alterskameraden war. Alterskamerad S i n b r o t> t stellte für den Abend die Kapelle
seien und unmöglich schon eine Anzeige in die Zeitung hätten sehen können."
Gregory Beale schüttelte lächelnd den Kohs.
„Es ist möglich, Annoncen in die Zeitung zu sehen, selbst wenn man am Amazonenstrom weilt. Es stimmt schon, ich habe in der Zeitung inseriert, um eine Sekretärin zu suchen. Bitten Sie die junge Dame, hereinzukommen."
Daphne Olroyd folgte dem Hausmeister. Als sie eintrat, begegnete sie dem freundlich forschenden Blick seiner blauen Augen.
-„Wollen Sie, bitte, Platz nehmen, Fräulein — ?"
„Olroyd", sagte sie und lächelte ihn wieder an. „Ich fürchte, daß ich zu einer ungelegenen Zeit komme, aber ich wußte nicht, daß Sie eben erst aus Amerika zurückkommen."
„Das wissen die meisten nicht. Für diese große Stadt bin ich nicht bedeutend genug, daß man mein Kommen und Gehen allgemein zur Kenntnis nimmt. Sie haben doch ein Telegramm empfangen, das Sie ausforderte, sich vorzustellen. Mein Advokat, Mr. Holden, der während meiner Ai" Wesenheit die Korrespondenz für mich führte, hat es Ihnen gesandt. Anscheinend war das Gehalt, das ich in der Annonce anbot, so hoch, dah ] sich viele Leute um den Posten bewarben."
Bildete sie es sich nur ein, oder klang wirklich \ ein Ton von Enttäuschung in seiner Stimme? Ihr Mut sank bei diesem Gedanken. Sie hatte | das Inserat in der Zeitung unter den seltsam- j sten Hmständen gelesen. Ein unbekannter Freund s hatte es ausgeschnitten und ihr zugeschickt. Ohne | sich große Hoffnungen zu machen, bewarb sie sich 1 um die Stelle, für die ein Gehalt von 750 Pfund jährlich bezahlt wurde. Daraufhin hatte sie dieses * Telegramm erhalten.
„Ich denke, daß ich fast alle Ihre Ansprüche erfüllen kann", sagte sie schnell, um von Dorn* herein jeden seiner Einwände zu entkräften. „Ich kann sehr schnell Maschine schreiben und ftent£ graphieren, und mein Französisch ist, wie ich glaube, vorzüglich —“
Er erhob abwehrend und beruhigend die Hand
„Ich bin sicher, dah Sie das alles können. Do arbeiten Sie jetzt?"
Sie sagte es ihm. Scheinbar machte der Harne Leicester Crewe gar keinen Eindruck auf ihn. »r fragte sie, warum sie die Stellung wechseln wollte. Sie zögerte etwas mit der Antwort.
„Das hohe Gehalt ist wohl ein großer Anreiz, aber — ich möchte von Mr. Crewe fort“
Er nickte nur und war lange schweigsam.
„Es ist gut", sagte er schließlich und fügte zu ihrer nicht geringen Freude hinzu: „Ich fl®1* Ihnen den Posten — wann können Sie anfangen?"
(Fortsetzung folgt)
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