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19.3.1930
 
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Oer Kall Momm in Potsdam

ictDotöen.

t an der Weltstadt, die ihr

Um einen französisch - italienischen Ausgleich ans der K!oiienkonferenz

Annahme des Republikschuhgesehes im Reichstag

Berlin, IS.Mär;. (ÖIB.) Der Reichstag nahm heule nur die Abstimmungen vor, die in der vorigen Woche und gestern oerlagl worden waren. Das Republikschuhgeseh wurde in der Schlußabslimmung m i t 2 6 5 gegen 150 Stimmen angenommen. Der versuch der veulschnalionalen und Kommunisten, die Aus­setzung des Gesetzes ;u erreichen, scheiterte, da nur 120 Stimmen für die Aussetzung abgegeben wurden, an der Richterreichung des erforderlichen vrillels sämllicher Stimmen. Für das Reichs- rninistergeseh wurden in der namentlichen Schlußabslimmung 340 Stimmen abgegeben, da­gegen 70 Stimmen bei fünf Stimmenthaltungen. Die Zweidrittelmehrheit, die für ver- fafsungsändernde Gesetze erforderlich ist, war somit erreicht.

Oer Kultusetat vor dem Finanzausschuß.

18. OTäüi. Dor Finanz, ausschuß be8 Hessischen Landtages begann heute mit der Beratung des Etats deS M i - nisteriums für KultusundDildungs- wesen bei Kapitel 53 Ministerium für KultuS unö Bildungswesen (Einnahmen 100 Mk Aus- naben persönliche 393 544 ffltt.. sachliche' 17 000 -U(arf), damit verbunden waren Kapitel 54 Stell- vertretungs-und Aushilfskosten (Einnahmen 3900 Mark aus Prüfungsgebühren, Ausgaben 344 000 Calt- Ausgaben».

Jn ihr Aussprache wurden die zahlreichen An- Me der Parteien auf Stellenabbau im Ministerium begründet. Die Regierung wider- weitergehenden Forderungen.

2 C r V 6 V h"tte außerdem gefordert, die sachlichen Ausgaben auf den Stand des Vor­jahres zu beschränken, also 15000 M k a 6 - 3uneben. Die Abstimmung Über die Anträge wurde iedoch zuruckgestellt, da sich die Regie- rungsparteien Über ihre Haltung zu te:i Abbau- Maßnahmen am gesamten Schulwesen noch nickt einig find. w

Kapitel 56, Kirchen, sieht an Au-aaben zu­sammen 747 721 Mk. vor. und zwar 'Beitrag

AU den Kosten der Evangelischen Kirche 322 000 Mark, für die Katholische Kirche 173 872 Mark, für die altkatholische Gemeinde in Offenbach 1849 Mark, und zur Erhöhung der vorgenann­ten Veträge 250 000 Mark. Ein gemeinsamer An­trag der Volkspartei, der VRP., des Land­bundes und der Deutschnationalen, der die Re­gierung ermächtigt, den Kirchen das gleiche Darlehen zu gewähren wie im vergangenen Jahre, fand Annahme, ebenso ein inhaltsgleicher Zentrumsantrag.

Der Ausschuß begann dann noch -die Beratung des Kapitels 57. Volksschulen. Der Etat sieht an Einnahmen 734 000 Mk. Beiträge der Gemeinden (200 Mark für jede Schulstelle) vor. Soweit einzelne Gemeinden über die vorgesehene Dtellenzahl hinaus Schulstellen eingerichtet ha­ben. die bestehen bleiben sollen, sollen die Ge­meinden den durch'chnittlick^n Aufwand für einen Schulrerwalter zahlen. Die Gesamtausgaben betragen 24 107 133 Mark, trotz der vor­gesehenen A b b a u m a ß n a h m e n ein Mehr gegenüber 1 929 von 3 297 563 Mark. Abgeseht sind bei den Schulverwaltern und -Verwalterinnen 205 Stellen. Ein Ver­treter der Regierung gab hierzu ausführliches statistisches Material bekannt. Die Regierung widersprach den Anträgen der Volkspartei und des Landbundes, wie auch öenen der Kommu­nisten. Eine Abstimmung fand aber auch hier noch nicht statt.

Protest des Mittelstandskartells gegen die Rundfunkretlame.

Berlin, 18.März. (ERB.) Der Vorstand des Berliner Kartells des selbständigen Mittelstandes ist heute beim Neichsrundfunkkommissor, Staatssekretär Bredow, vorstellig geworden, um auf den Miß. mut und die allgemeine Entrüstung hin» zuweisen, den die Rundfunkreklame der Warenhäuser Hervorrufe. Der Rundfunk als vom Staat konzessionierte und mit allgemeinen Mit­teln aufgebaute Einrichtung dürfe nicht einzelnen finanzstarken Gruppen zur Verfügung stehen, die ihre Reklamemöglichkeit zur Polemik gegen andere Stände ausnützen. Die dem Rundfunk zur Reklame zur Verfügung stehende sehr kurz be- messene Zeit bedinge einen Preis, dessen Höhe dem gewerblichen Mittelstand die Ausnutzung dieser Re­klame unmöglich mache. Der Mittelstand stehe grund­sätzlich auf dem Standpunkt, daß der Rundfunk nur der Unterhaltung und Volksbildung und nichtder Reklame zur Verfügung stehen dürfe. Für die Reklame stünden jedem d i e T a g e s- Zeitungen ausreichend zur Verfügung.

Oes Diktators Heimkehr nach Spanien.

Madrid, 18. März. (Havas.) 3n einer nach dem gestrigen Ministerrat ausgegebenen Rote wird erklärt: Die Regierung nimmt an der Trauer um das Ableben des Generals Prtmo de Rivera Anteil. Primo de Ri­vera hatte sich dem Dienst am Vaterland ge­weiht. Er hat eine Tatsache verwirklicht, deren Bedeutung nicht verkannt werden kann: Wäh­rend seiner Regierung wurde die Beruhi­gung im spanischen Protektorat von Marokko durchgeführt, und diese Tatsache wird beachtenswerte Folgen in der Geschichte unseres Landes haben. Die Regierung hat beschlossen, dem König vorzuschlagen, daß der sterblichen Hülle des Generals Primo de Rivera die mili­tärischen Ehren eines Kapitän-Ge­nerals erwiesen werden, obwohl er nur den Aang eine- Generalleutnants bekleidete.

Der Zug mit der Leiche des Generals ist in 3run eingetroffen, er wurde mit der fpa - nlfcbcn Flagge bedeckt und in einem Saale deS internationalen Bahnhofes aufgebahrt. Ein Sonderzug führte hierauf die sterbliche Hülle des Generals nach Madrid. Auf sämtlichen Bahnhofen, die der Zug passierte, waren Ab­ordnungen der Patriotischen Vereinigung und der spanischen Behörden erschienen.

Berlin.

Von fünf Menschen, die nötig sind, Berlin auf dem heutigen Stand zu halten, werden nur noch zwei in Berlin selbst geboren, die übrigen drei müssen von auswärts zuwandern! Trotzdem rechnet man bei der ungeheuren Anziehungs­kraft Berlins, das jetzt 4,4 Millionen zählt, für das Jahr 1935 mit 10 Millionen Einwoh­nern! Das sind ein paar Zahlen und Tatsachen über Berlin, das seit 1918 in rapider, mehr als amerikanischer Zunahme zur wahren Weltstadt geworden ist und es in unheimlichem Maße noch weiter wird. Das Problem Berlin, das Pro­blem der Weltstadt, wird für das übrige Land immer ernster und drängender, nämlich die Fol­gen des Wachstums und die Tendenzen Berlins für dieProvinz". Mehr als eine erschütternde Ahnung von der ganzen Furchtbarkeit gibt eine umfangreiche Untersuchung im neuesten Sonder­heft der Süddeutschen Monatshefte (München) Berlin, die neue Weltstadt". Ihr Verfasser. Dr. Richard Korherr. schildert dasjenige Ber­lin, das trotz äußerlichen Glanzes-.und riesen­hafter Zahlen den Verfall verkörpert, ähnlich den Metropolen des Altertums, insbesondere Babel und Rom, nicht jene- Berlin, welches mit verzweifelten Anstrengungen gegen sittlichen, nationalen und kulturellen Verfall kämpft.

Rach Korherr weist Berlin die meisten Merk­male der Metropolen auf, die verhältnismäßig späte Gründung, die Cithbildung, das Massen- wohnungselend, schließlich den Umstand, daß das Hauptwachstum, der größte Glanz, in die Der- fallsperiode des betreffenden Reiches selbst fällt. Das Wesentliche aber ist das Romadentum des Berliner Weltstädters, das vollkommene Ab­getrenntsein vom Boden. Heimatlos sind die Schlafgäste des Obdachlosenasyls, heimatlos die Bewohner des armen Ostens, heimatlos aber auch die reichen Berliner des Westens. Das Haus ist Wohnmaschine und sei es noch so pracht­voll. An Stelle der hohen innerlichen Kultur ist in Berlin der rein äußerliche Betrieb, Tempo, Masse. Ausdehnung getreten. Die Masse tritt an Stelle des Volkes als seelische Einheit in den Vordergrund und mit ihr Rekord. Sensation. Rervenaufpeitschung. Auch beim Berliner Sport, wo der Zuschauer die wichtigste Person ist. Die neuberliner Dame, emanzipiert in jeder Be­ziehung, das Girl, die Junggesellin, die Freun­din, die bessere Dirne, die Ehedirne, die nicht mehr Mutter fein will, leitet über zur modernen Berliner Che, die aufgehört hat, Familien- und Arbeitsgemeinschaft zu fein; auf je sechs Ehen trifft in Berlin eine Scheidung. Hinter der un­geheuren Selbstmordziffer und der noch größe­ren Kinderlosigkeit Berlins steht nach Korherr als ausschlaggebend nicht die wirtschaftliche Rot, sondern die innere Lebensschwäche, der feh­lende Lebenswille des areligiösen Weltstädters. Berlin steht an der Spitze der Geburtenbeschrän­kung nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen

sondern daß sie in einigen Fällen sogar die tatsäch- lich erfolgten Lieferungen bestritten hatte und die Zahlung verweigerte.

Frau Momm hat ihrem Mann und den Kriminal- beamten gestanden, die Diebstähle fingiert zu haben. Die Untersuchungsbehörden haben beschlossen, Frau Momm in einer Heilanstalt auf ihren Geistes- Zustand untersuchen zu lassen, da für Frau Momm auch nicht der geringste Grund vorlag, sich auf der­artige Abenteuer einzulassen. Die Gattin des Regie- rungspräsidenten verfügt über ein selbst heute sehr ansehnliches Vermögen, und der Regierungspräsi­dent, der selbst wohlhabend ist, hatte ein Einkom­men von 36 000 Mark und lebte in vollkommen ge­ordneten Verhältnissen. Bei einer Haussuchung entdeckte Kriminalkommissar Rassow auf dem Bo­den des Hauses einen Teil des Familiensilbers, das bei dem vorletztenEinbruch" öerschwunden war. Das Silber lag, flüchtig verpackt, unter Ge­rümpel in einer Kiste. Wie Frau Momm selbst zu­gegeben hat, ist sie in der Nacht, in welcher sie den Einbruch vorgetäuscht hatte, selbst auf den Haus- boben gegangen und hatdortdasSilberver- ste ckt. Die Angaben Frau Momms, zu welchen Zwecken sie das Geld benötigt habe, find wirr und widerspruchsvoll. Jedoch wird ihre Behaup­tung, daß sie einen Teil religiösen Stiftun­gen iiberwiesen habe, ernst genommen und nachgeprüft, da Frau Momm in Potsdam als fa­natisch religiös bekannt war.

Zmn Fall Momm in Potsdam wird von zu­ständiger Stelle mitgetei't: Es ist nicht der geringste Anhaltspunkt dafür vorhanden, daß Regierungspräsident Momm etwas von dem Tun feiner Frau gewußt hat. Rach- dem der psychisch kranke Zu st and der Frau Momm aufgefallcn war, find die Ange­hörigen und der Hausarzt darüber gehört wor­den, und es ist beabsichtigt, zwei Kapazitäten, darunter einen Rervenarzt der Eharit 6. mit der Untersuchung der Frau Momm zu be­auftragen. Eine Verhaftung ist nicht vorgesehen, da weder Fluchtverdacht noch Ver­dunkelungsgefahr vorliegt.

London, 19. Märst. (WTB. Funkspruch.) Der Daily Telegraph" meldet: Der Meinungsaustausch, der gegenwärtig zwischen Grandi und Macdonald, sowie Stimson im Gange ist, wird mit größter Auf­merksamkeit verfolgt. Entgegen allen Dementis wird angenommen, daß Tardieu sich .....

Sontag bereit zeigte, eine Verminderung der Stärke der französischen Flotte in Erwägung zu ziehen, falls Italien seine Forderung auf Parität zurück nähme, und falls zwischen der französischen und italienischen Flotte ein ausreichender Ab st and gewahrt werde. Französische Sachverständige waren am Sonntagabend der Meinung, daß es sich bei dieser Verminderung um 83 000 Sonnen handeln werde, was der französischen Flotte im Jahre 1936 eine Stärke von etwa 630 000 Tonnen geben würde. DerDaily Telegraph" bemerkt dazu, die 83 000 Tonnen, um die der französische Ministerpräsident angeblich das französische Bauprogramm vermin dern wolle, deckten sich ungefähr mit den 85 000 Tonnen, um die England seine Flottentonnage

Das Geheimnis der Inseln im nördlichen Eismeer.

Wie aus Oslo gemeldet wird, ist es dem augen­blicklich im nördlichen Eismeer befindlichen Ex­peditionsschiffRorvegia" gelungen, das Ge- yelmnis der Inseln aufzudecken, die bei ver­schiedenen Gelegenheiten in der Arktis entdeckt, trotz genauer Ortsangabe aber nie wieder- gefunden werden konnten. Zu diesen geheim- nisvollen Inseln gehört auch die T h o m p s o n - ^rnsel, die ebenfalls nicht wiedergesundcn tocr- konnte. Als im Vorjahre die Douvet- Insel entdeckt wurde, kam die Vermutung auf, Daß es sich hierbei um die Thoinpson-Inseln handele. Die norwegische Expedition selbst hatte im vorigen Jahre ein Insel entdeckt, ohne sie in diesem Winter wiederfinden zu können. Dagegen wurden mehrere Inseln in Gegenden entdeckt, wo im vorigen Jahre nur freies Meer war. Daraufhin von der Expedition Dorgenommene Untersuchungen ergaben, daß die Inseln nicht- anderes als ungeheure, mit Erde be - d e ck t e Eisberge sind. Bei einer späteren Expedition sollen genauere Rachforschungen in dieser Richtung angestellt werden.

Aus aller Welt.

Schlffskalaslrophe auf dem Magdalenenstrom.

Info'ge eines Brandes auf dem Dampfer Bucaramanga". der im Magdalenenstrom in Columbien vor Anker lag, haben mindestens 20 Fahrgäste und mehrere Mann der Besatzung den Tod gefunden. Der Dampfer hatte Petroleum geladen. Das Feuer brach nachts aus. was die Panik unter den Fahrgästen noch vergröberte. Ein Teil von ihnen wurde nieder­getrampelt, andere sprangen in den Fluß, wo sie ertranken oder in dem auf dem Wasser brennenden Petro'eum verbrannten Der Kapitän sand den Tod in den Flammen des brennenden Schiffes.

Wendung im Dielingen-Prozeh.

3n dem Prozeß gegen den Knecht v. Dielingen erklärte der Zeuge Henseler, daß das Ge­ständnis des Angeklagten v. Dielin­gen, das dieser in der ersten Schwurgerichtsver­handlung im Jahre 1926 abgelegt hatte, ihm von seinem Mitgefangenen Meyer und dem Zeu- gen Henseler e i n g e i m p f t worden sei. Meyer & X c i * nfl£nt b,c Anklageschrift vorgelesen unö sich dann dahin geäußert, daß v. Dielingen

2! o rdeS überführt würde, wenn er nicht gestehe. Im Affekt gehandelt zu haben. Außerdem wurden fein Vater und s e m e Brüder In den Verdacht geraten, die Tat begangen zu haben. Meyer habe Dielingen geraten, was er sagen sollte. Dielmgen sei völlig

würde erhöben müssen, falls die in der franzö­sischen Denkschrift geforderte Tonnage beibehalten würde.

Giornale d'Jtalia" dementiert die Meldung, daß Italien eine französische Ueberlegenheit für die Klas­sen der starken Kreuzer und Zerstörer anerkenne und dafür die Parität in der Klasse der leichten Kreuzer zuerkannt erhalte. Alle diese Behauptungen, so er­klärt das römische Blatt, sind einfach lächerlich. Was Grandi vorgeschlagen hat, ist das, was Tar­dieu ablehnte, nämlich bis 1936 im Bau von Kriegs­schiffen eine Pause eintreten zu lassen und den Status q u o beizubehalten, so daß Frankreich eine reine Ueberlegenheit gewährt worden wäre, da Ita­lien nur vier große Schiffseinheiten gegenüber neun französischen besitzt. Dieser gerechte und billige Vor­schlag wurde von Tardieu abgelehnt, ob­wohl er Frankreich eine UeberlegenhcHt von mehr als 1 00000 Tonnen sicherslellte. Dies beweist klar und deutlich, daß Italien keine agressioen Absichten gegenüber Frankreich hat.

Großes Aufsehen erregte in der Oeffentlichkeit die Aufklärung von geheimnisvollen Silberdiebstählen im Hause des Potsdamer, früher Wiesbadener Re­gierungspräsidenten Dr. M o m in, der fein A b - schiedsgesuch cingereicht hat, nachdem feine Frau in den Verdacht gekommen ist, die Dieb­stähle fingiert zu haben, um von der Aachen- Münchener Feuerversicherung Ersatzleistungen zu erhalten. Regierungspräsident Momm hatte bei der genannten Versicherung seine Einrichtung gegen Einbruch, Feuer- und Wasserschäden versichert. Im März 1927 benachrichtigte Frau Regierungspräsi­dent Momm selbst durch einen eingeschriebenen Brief die Versicherung, daß in ihrer Abwesenheit Einbrecher eingedrungen seien und für 198 Mark Wäsche g e ft o I) I c n hätten. Da die Schadenssumme geringfügig war zahlte die Ver- fidjeiung, ohne die Angaben nacyprüsen zu lassen, den Betrag aus. 1929 erfolgte wiederum eine Be­nachrichtigung durch Frau Momm, weil mied e r- um durch Einbruch Wäsche und Klei de r im Werte von 499 Mark entwendet roor- d"n seien. Auch diesmal rd)ö|)fte die Gesellschaft keinen Verdacht. Dann kam der dritte Einbruch im Dezember 1929, bei dem Gold- und Silber- fachen im Werte von 4 7 0 0 Mark gestoh- l c n worden waren. Der Aersicherungsgesellfchast fiel es auf, daß immer wieder in dem an sich gut geschützten Hause Einbrüche verübt mürber., und sie wandte sich nun an die Potsdamer Kriminalpolizei. Auch diesmal hatte Frau Momm die Meldung von dem Diebstahl gemacht, aber die Versicherung wandte sich nun an den Regierungspräsidenten selbst, der felsenfest davon überzeugt mar, daß fein Haus von Einbrechern heimgesucht worden war und sich sofort damit einverstanden erklärt, daß erst nach den abgeschlossenen amtlichen Ermittlungen ihm die Schadenersatzsumme gezahlt werden füllte. Dann kam der letzteE im b r u ch" a m 10.März, bei dem eine Stafette mit 2000 Mark Wohlfahrtsgeldern g e st o h l e n ein sollte. Die Versicherungsgesellschaft stellte in Potsdam durch ihre eigenen Leute Erhebungen an, hie feststellten, daß Frau Momm nicht nur bei ver- chiedenen Lieferanten Schulden gemacht hatte, ,

die gerade am Dienstagabend zu einer weit­gehenden Verständigung der Regie­rungsparteien über die sofort zu ergreifenden, gesetzgeberischen Maßregeln geführt hätten. DieDeutsche Tageszeitung" bedauert die Unterzeichnung durch den Reichspräsidenten und betont, daß es leider Tatsache bleibe, daß die Weimarer Verfassung einen Reichspräsi­denten ohne wirkliche Macht geschaffen habe. Das Blatt begrüßt die Forderung Hindenburgs nach einer grohangelegten finanziellen Hilfs­aktion mit dem Ziele, den gesamten landwirt­schaftlichen Besitz im Osten auf dem Wege der Zinsverbilligung und Umschul­dung da- Verbleiben auf seiner Scholle zu ermöglichen. Die r s e n zei t u n g" stellt fest, daß das Agrarkompromiß der Regierungs­parteien ein für die Landwirtschaft keineswegs erfreuliches Ergebnis darstelle: In ihrer Un« Zulänglichkeit ständen die agrarpolitischen Beschlüsse der Regierungskoalition auch in einem gewissen Gegensatz zu der Kundgebung des Herrn Reichspräsidenten, in der mit begrüßens­wertem Rach druck ein großzügiges Hilfswerk für den deutschen Osten gefordert und als unumgäng­lich notwendig bezeichnet werde. DerLokal­anzeiger" sagt, das Kompromiß über daS Agrar­programm enthalte in ihrer Auswirkung de r- a r t geringfügige Maßnahmen, daß damit nur bei vereinzelten, nach dieser Richtung hin besonders günstig gelagerten landwirtschaft­lichen Betrieben eine kleine Erleichterung, bei keinem eine auch nur annähernde Behebung der ungeheuren Rot zu erreichen sei.

zusammen gebrochen, als er von Meyer hörte, daß fein Vater und seine Brüder in die Sache verwickelt würden, wenn er lein Geständnis ab­lege. Der Verteidiger Dielingen? erllärte nach den Aussagen des Zeugen Henseler: Der Zeuge bekundet hier unter seinem Eid, daß das Ge­ständnis Dielingens von Meyer und ihm er­fand e n sei. -

Sprengstoffexplosion in Berlin.

Der 13jährige Schüler Wolfgang Hübsch in Steglitz fand in später Abendstunde auf der Straß« eine kle.ne Blechbüchse, die, wie sich dann heraus- stellte, offenbar mit Pulver gefüllt war: denn als er versuchte, die Büchse auf dern Bürger- teig aufzuschlagen, erfolgt« eine heftigeExp'lo- Hon, durch die dem bedauernswerten Knaben die r e ch t e H a n d w e g g e r i s s e n wurde. Die Deto- nahon war so stark, daß die Bewohner der umlie- genden Hauser erschreckt auf die Straße stürzten. Die Polizei hat festgestellt, daß es sich um eine soge­nannte Eisenbahnknallkapsel handelt.

Eisenbahnunglück im Staate Illinois.

Sei Arlington Heights ereignete sich ein schweres Eisenbahnunglück, bei dem 5 P e r s o n e n g e t ö t e t und zahlreiche andere erheblich verletzt wurden. Ein Pcisonenzug, der EhikagoNorthwcstern-Eisenbahn, der nach Ehikago fuhr, st t e ß in i t e i n e m B a h n' bauzug zusammen. Der Personenzug streifte die Dampfschaufel des Bauzuges, die auf das Gleis eines dritten von Ehikago kommenden Zuges ge­schleudert wurde. Die Lokomotive und fünf Wagen des »ach Ehikago fahrenden Zuges und die Loko- Motive des von Ehikago kommenden Zuges ent­gleisten.

Hochwasser in Mittelfrankreich.

den furchtbaren Lleberschwemmungen in Sudwestfrankreich laufen nunmehr stündlich Rach- richten über das bedrohliche Anwachsen der T/-!?^^onzö fischen Flüsse ein. Die (jlufje !)her, Vienne, Indre und Saone sind u m mehrere Meter gestiegen und teilweise getreten, wodurch zahlreiche Schisfahrtsstraßen unterbrochen wurden. Auch die «r-Crr vach dem Anwachsen einiger Reben-

flusse Hochwasser und hat bei Paris den Stand von drei Meter erreicht. Bei einem Was- serstand von vier Meter ist die Schiffahrt ge­fährdet. In St.Razaire hat eine Spring- f c u t groben Schaden angerichtet und zahlreiche Hauser unter Wasser gesetzt. Die Küstenstraßen Und verwüstet. In den Fischerhäfen in der ^ahe von Brest wurden gleichfalls große Schä­den angerichtet. Mehrere Fischerboote wurden gegen die Küste geworfen und vernichtet.

Bau eines Themse-Tunnels.

Das Unterhaus nahn. mit 246 gegen 111 Stirn- men einen Gesetzentwurf über den Bau eines Tun- nels unter der Themse zwischen Dartforb und Purfleet an. Der Tunnel soll der E n t l a st u n g des Verkehrs durch London dienen und eine neue Verbindung zwischen den Grafschaften Essex und Kent schaffen '

Seit 1919 ,st Berlin zur maßgebenden poli­tischen und wirtschaftlichen Zentrale Deutsch­lands geworden. Es ist der Sih des Geldes. Die Steuerkralt Berlins ist größer als die jedes anderen Finanzbezirks. Aber während Berlin sich immer mehr aufbläht, sterben die Grenz­länder besonders im Osten und Süden mit ihrer Kultur, ihrer Bodenbeständigkeit und ihrem Kinderreichtum immer mehr aus. Berlin ist der Boden für Korruption und Verrottung. Kor^e.r zeigt, wie das geistige Leben Berlins heu e weniger denn je ein Eigenleben, sondern Im­portartikel ist. Auch Kunst und Bildung zen­tralisiert heute Berlin, zum unermeßlichen Scha­den des übrigen Landes, das nicht die holten Gagen und Gehälter für Schauspieler und Alni- versitätsprosessoren zahlen kann. Daneben gc ;t her Zug der Zersetzung durch den Großteil aller Berliner Bühnenstücke, durch Film, Romane und Sensationsprozesse. Der Bolschewismus des Geistes ist bei der geistigen Hefe Berlins b> reits zur Mode g>

Die Provinz stirb!. _.. ..._________ VVfc ,yw

allen Atem nimmt. Rom schien in der Kaiser­zeit ins Unendliche wachsen zu wollen. Zu Be­ginn des 2. Jahrhunderts zählte es wohl 2* '» Millionen. Aber dieses ungeheure Wachstum verdankte es nur dem ständig zuströmenden frischen Blute vom Land und aus den Provin­zen. Als aber das römische Land schließlich gänzlich entvölkert war, verfiel Rom sehr rasch, dn es sich nicht selbst erhalten konnte. Unter Severus hatte es etwa noch 600 000 Ein­wohner, unter Konstantin 2300 000. Paris ist im Abendland dieser Entwicklung am näch­sten.Und Berlin? Hier häufen sich immer wehr die Menfchenmassen, hier will der Zu­strom fast von Tag zu Tag stärker werden. Aber muß man nicht einige Schnellzugstunden nur von der Mammutstadt entfernt, in Pommern, aus Mangel an deutschen Arbeitskräften fremde her­einholen oder zur extensiven Landwirtschaft über­gehen? Entvölkern nicht auch im deutschen Osten chon manche Grenzkreise? Berlin hat noch Blut in Hülle und Fülle aus den deutschen Gauen ju erwarten, die dabei aber langsam ab st er­ben. Aber auch für Berlin wird der Tag kommen, für den das mene mene tekel upharsin des alten Babel gilt. Mit diesen Worten chließt Korherr seine erschütternde Betrachtung über das Regative Berlins, über d i e Welt- stadt des Verfalls, eine Betrachtung, die für Deutschland aber heute viel wichtiger ist als eine solche des positiven Berlins, weil die Ge­fahr, die heute von Berlin ausgeht, alles andere überwiegt und nur von außerhalb Berlins her zu bannen ist.