Ausgabe 
19.2.1930
 
Einzelbild herunterladen

Prof. So in bart, Dr. Springorum, Prof. Triepel, Franz Urbig, Freiherr von Wongenheim- Kleinspiegel.

Oer Einzelhandel fordert energische Einsparungen.

Gegen die Urnsatzsleucrerhöhung.

Berlin, 19. Febr. (Priv.-Tel.) Die Hauptge meinschaft des Deutschen Einzelhandels hat an die Reichstagsabgeordneten ein Schreiben gerichtet, in dem sie 3u den Steuerplänen und Vorschlägen zur Finanzreform, insbesondere zur Frage der Umsatz- steueryöhung Stellung nimmt. Die Hauptgemein­schaft ist der Ansicht, daß die Fundierung der ichwebenden Schuld von Reich, Ländern und Gemeinden, so dringend notwendig sie erscheint, trotz­dem nicht in einer Weise überstürzt wer­den darf, daß dadurch die notwendigen Steuer­senkungen für die Wirtschaft wegfallen. Die .Konsolidierung kann in dem erwünschten Umfange ohne weiteres erfolgen, wenn ein Teil der schwe­benden Schulden durch Ausgabenerspar- nisse abgedeckt wird. Eine Senkung der Aus­gaben um n u r 5 d. 5). gegenüber dem Jahre 1929/30 würde genügen, um sowohl rechtzeitig die notwen­dige Abdeckung der Schulden, als auch die für die Wirtschaft in der Zeit der Depression unerläß­liche Antriebskraft durch Senkung der Steuern herbeizuführen. Rur auf diesem Wege tonn auch das erstrebte Ziel einer E n t l a ft u n g des Geld- und Kapitalmarktes durch die öffentliche Hand erreicht werden.

Mit besonderer Schärfe wendet sich der Ein­zelhandel gegen denVorschlag einerEr- höhung der Umsatzsteuer von 3/< a u f l P r o z e n t . da eine solche Maßnahme das gesamte deutsche Preisniveau aufs unheilvollste beeinflussen würde. 3n allen Stufen der Pro­duktion und der Verteilung würden innerhalb der Volkswirtschaft Preiserhöhungen mit Rotwendigkeit auftreten müssen, die eine wei­tere Verteuerung der Lebenshal­tung in Deutschland unausweichbar nach sich ziehen würden. Nicht nur für den Absatz deut­scher Erzeugnisse im Ausland würden sich da­durch nachteilige Folgen ergeben, besonders auch innerhalb Deutschlands wären alle Verbraucher­schichten durch eine solche Maßnahme mit einer weiteren Senkung ihres Aealein- kommens bedroht. Hinzu kommt, daß durch eine solche Erschütterung des Preisniveaus ver­mittels einer Aenderung der Umsatzsteuer die ge­tarnte Wirtschaft in Unruhe verseht wird. Das kleinere Liebel sieht die Hauptgemeinschaft, wenn schon Steuererhöhungen notwendig sind, in der Erhöhung von Steuern auf den ent­behrlichen Verbrauch. Die angeregte 5- prozentige Senkung der öffentlichen Ausgaben würde eine Einsparung von rund einer Mil­liarde Mark bedeuten, wodurch 300 Millio­nen Ml. dem Reichsetat, 700 Mill. Mk. bei den Ländern und Gemeinden eingespart werden könnten.

Oer innerhessische Kinanz- ausgleich.

Meinungsverschiedenheiten zwischen Staat und Kommunen.

Darmstadt, 18. Febr. (WTB.) Zu der Ent- , schließung des Landgemeindetages und der 'neuerlichen Entschließung des Hessischen Städte- ta g es zum Sparprogramm der Regierung schreibt das hessische Regierungsorgan heute unter anderem: Es braucht nicht besonders ausgeführt zu werden, daß wir in wesentlichen Punkten anderer An­sicht sind. Die Entscheidung über die Sparmaßnah­men wird beim Parlament liegen, dem es un­benommen bleibt, Abänderungsvorschläge zu machen. Allerdings hat die hessische Bevölkerung ein Anrecht darauf, zu fordern, daß die gesamten Einsparungen nicht unter dem von der Regierung

Gießener Gtadttheater.

Shakespeare:Wie cs Euch gefällt."

.....Die ganze Welt ist Vühne, Und alle Fraun und Männer bloße Spieler. Sie treten auf und gehen wieder ab, Sein Leben lang spielt einer manche Rollen, Durch sieben Akte hin ..."

11,7.

Dieses Werk, comedy, steht in der nahen Rach­barschaft desSommernachtstraumes" und mit diesem ungefähr in der Mitte zwischen derKo­mödie der Ortungen" und demKaufmann von Venedig", die man etwa weniger zeitlich als wesenhaft als die äußersten Grenzpole in der Reihe der shakespeareschen Lustspiele bezeichnen darf.

Es hat weder die oberflächliche Theatergeste des nur auf wirksame Schwanksituationen und die primitiven Effekte der ewigen Verwechslung aus­gehenden Iugendwerles mit den beiden Zwil­lingspaaren

nod) hat es den bis hart an die Grenze des Tragischen vorstoßenden Ernst im Charakterspiel und Rckssenkamps des venetianischen Shylock, wo das bunte Komödiengewand nur mühsam den sehr bitteren Kern der Handlung zu üoer- decken vermag.

Vielmehr ist es, wie derSommernachtstraum", ein Märchen, aber doch ohne des len ganz illu­sionistische Operngebärde, ohne auch seine über­irdisch schwebende Stimmung und olympisch un­beschwerte Heiterkeit völlig zu erreichen:Wie es Euch gefällt" ist ein ernsthaftes Mär­chen. ein mit sanfter Melancholie und philo­sophischer Grübelei verbrämtes Lustspiel, das ganz allmählich, Schritt um Schritt, aus anfäng­licher Strenge zur gelösten, befreiten, tänzerischen Melodik seines Schlußaktes hinfindet.

Denn der Ausgangspunkt, der erregende An­trieb der Fabel ist in der Tat ein vollkommen ernstes und schwerwiegendes Dramenelement, ein Stoss für Trauerspiel und Staatsaktion: das Mo­tiv der feindlichen Brüder, das hier noch in seiner generationenmähigen Verdoppelung die beiden Herzöge und die beiden Söhne des Frei­herrn Roland de Boys erst recht nachdrücklich gemacht wird.

Auch die shakespeareschen Humore in diesem Drama sind, wie schon angeocutet wurde, von besonderer Art. Der Dichter verzichtet hier eben­so auf die flachen Spässe des Mummenschanzes oder einer unwahrscheinlichen Doppelgängerei, wie

vorgeschlagenen Maße bleiben. Rach einer Hinsicht sind die Aeußerungen der Städte und Landgemeinden aber zu begrüßen: Sie rollen die Frage des innerhessischen F i - nanzausgle ichs auf. Damit wird die agi­tatorische Stellungnahme zu den Sparmaßnah­men der Regierung auf das sachliche Gebiet übergeführt, auf dem sich alle Erörterungen zu bewegen haben. 3n der Denkschrift über den Etat ist bereits gesagt, daß wohl nirgends der Staat den Gemeinden gegenüber so ungün - st i g basteht wie in Hessen. Rach einwandfreien, vom Reich gelieferten statistischen Unterlagen ergibt sich folgendes Bild: Hätte Hessen einen Lastenausgleich nach dem Durchschnitt der An­der, so würden die Städte und Gemein­den acht Millionen weniger Ein - n ah m en haben. Das Land Hessen braucht also gegen eine Aufrollung dieser Frage keinen Ein­wand zu erheben. Die anderen Ansprüche tre­ten demgegenüber völlig in den Hintergrund.

Regierungskrisis in Sachsen.

Rücktritt des Kabinetts Bänger.

Dresden, 18. Febr. (WTB.) Der Landtag nahm nach mehr als vierstündiger Aussprache die Abstimmung über die gegen das Kabinett Dünger eingebrachten Mißtrauensanträge vor. Für den kommunistischen Mißtrauen s- a n t r a g stimmten 45, dagegen 42 Abgeordnete bei neun Stimmenthaltungen. Der Antrag ist damit abgelebt, da die erforderliche Min­

destzahl von 49 nicht erreicht ist. Hieraus wurde die Abstimmung über den nationals ozia- listischen Mißtrauensantrag borge- nommen. Für diesen stimmten 63, dagegen 24 Abgeordnete bei neun Enthaltungen. Landtags­präsident Weckel stellte fest, daß der national­sozialistische Mihtrauensantrag angenom­men und der Regierung Dünger damit das Vertrauen entzogen sei. Ministerpräsi­dent Dr. Dünger erklärte hierauf den Rück­tritt der Gesamtregierung. Das Ka­binett wird bis zur Bildung der neuen Regie­rung die Geschäfte weiterführen. Das seit dem Juli 1929 amtierende Kabinett setzte sich aus Dolkspartei, Wirtschaftspartei, Deutsch- nationalen und Altsozialisten zusammen.

Oer deutsch-polnische Roggenexpori- Vertrag unterzeichnet.

Warschau, 18. Febr. (WTB.) Heute wurde in Warschau der deutsch-polnische Roqgenerport- vertrag unterzeichnet, der die Teilung der Exportquoten für Roggen im Verhält­nis 40 (Polen) zu 60 (Deutschland) vorsieht. Die Derkaufstransaktio nen werden von einem gemeinsamen Derkaufsbureau durchgeführt. Der Vertrag läuft bis zum 1. Juli 1931. Beide Regierungen haben sich gemein­sam verpflichtet, die Ausfuhr von Roggen außer­halb der vom gemeinsamen Bureau durchgeführ­ten Transaktionen durch Prämien nicht zu unterstützen. Der Qkrtrag sott in den nächsten Tagen in Kraft treten.

' ie Einigung über die Deckung des DMs im Reichshaushalt.

Berlin, 19. Febr. (Priv.-Tel.) Wie dieNa­tionalliberale Korrespondenz" mitteilt, dauern die Verhandlungen des Reichsfinanzministers Dr. Mol­denhauer über den Etat 1930 und seine Deckung un­vermindert fort. In der Sitzung des Reick>skabinetts vom 17. Februar, die sich bis in die späten Nacht­stunden erstreckt hat, haben die Beratungen über die Ausgaben immerhin in den wesentlich st en Punkten zu einer Einigung geführt. Der Reichs­finanzminister hat dabei die Zustimmung des Kabi­netts für Ressortabstrich-Vorschläge ge­funden, die eine Ersparung von über 80 Millionen Mark bringen sollen. Das Kabinett hat bei diesen Verhandlungen die Deckungsfrage noch nicht erörtert. Diese soll nach wie vor zunächst mit den Parteien geklärt werden, allerdings auf der nun etwas festeren Basis, die die Beschlüsse des Kabinetts über den Ausgabenetat gebracht haben.

In den Besprechungen Dr. Moldenhauers mit den Finanzministern der Länder hat sich bereits die eine Tatsache herausgestellt, daß

die geplante Erhöhung der Umsatzsteuer um 0,25 o. H. kaum noch durchführbar erscheint. Di«Ä wird vor allem deutlich an der Haltung der Parteien selbst, in denen der Wider­stand gegen die Erhöhung der Umsatzsteuer fort­gesetzt steigt. Die Sozialdemokratie sieht in der Umsatzsteuer eine einseitige Belastung der Derbrauchermassen und hat bereits wiederholt durch ihre Presse erttären lassen, daß eine solche Reubelastung der Konsumentenschaft für sie untragbar fei. Der Ausgleich müsse in an­derer Weise gefunden werden. Es ist deshalb von dieser Seite der Vorschlag gemacht worden der auch in einzelnen Zentrumskreisen einen ge­wissen Anklang gefunden hat

durch ein auf der Einkommensteuer ausgebautes und auf ein Iahr befristetes Rotopfer

die erforderliche Deckung zu finden. Dieser Plan muß jedoch völlig abwegig erscheinen. Schon bei der Begründung seiner Deckungsvorschläge hat sich Dr. Moldenhauer immer entschieden

gegen jede Erhöhung der Einkom­mens- und Vermögensbefteuerung erklärt. An dieser Stellung des Reichsfinanz­ministers hat sich nicht das Allergeringste ge­ändert. Es ist auch absolut falsch, daß, wie ein Berliner Mittagblatt berichtet, der Reichsfinanz­minister sogar schon vom Kabinett ermächtigt worden sei, durch ein solches Rotopser den noch zu deckenden Fehlbetrag für die Ar- be itslvsenversicherung auszubrin­gen. Daran ist auch nicht ein einziges Wort wahr. Die ganze Deckungsfrage ist tm Kabi­nett überhaupt noch nicht verhandelt worden.

Die an der Regierung beteiligten bürgerlichen Parteien, vor allem aber die Deutsche Dolks­partei, muhten auch schon einem solchen Vor­schlag ihre Zustimmung schon unbedingt deshalb versagen, weil er die von der Reichsregierung seit langem gegebenen Zusicherungen auf Um­gestaltung der Steuerpolitik zugunsten einer wirksamen Sapllalbilduug und eines allge­meinen Lastenabbaues bet Wirtschaft und damit der Produktion völlig außeracht läßt, ihnen vielmehr direkt entgegenwirkt.

Inwieweit in pieser Frage eine Klärung der Gegen­sätze zu erreichen ist, steht dahin.

Im Zusammenhang damit gewinnt eine andere Frage an Bedeutung, nämlich die Frage, ob sich die Mchrhett des Reichstags darauf beschränken will, für den Etat 1930 nur die sogenanntekleine Deckung" durchzuführen. Für diesen Fall müßte das Defizit des Jahres 1928, das zunächst feine Deckung im Etat 1930 finden sollte, in den Etat 19 31 hinübergenommen' werden. Die in­zwischen erfolgten Besprechungen mit dem Reichs- bonkpräsidenten Schacht haben bereits ergeben, daß van dieser Seite gegen ein solches Vor^hen keine Bedenken erhoben werden. Die Ansichten über die Zweckmäßiakeit einergroßen" oderklei­nen" Deckung sind schwer gegeneinander abzuwägen,

auf die handgreifliche und barocke Derbheit der Handwerkerharlekinaden und Rüpelscherze.

Vielmehr: die Heiterkeit des Stückes ist in ihrem Grundakkord so gestimmt, daß man sie am am sinnvollsten mit der rokokohasten Anmut und beseelten Grazie einer Mozartmusik vergleichen kann; die Liebesszenen der Rosalinde, Celia- Aliena und Orlando, und etwa auch der ent­zückend schatthafte Epilog sind ganz erfüllt da­von, und man hat in den repräsentativen Aus­führungen des Lustspiels die Handlung immer gern mit mozartischer Musik durchflochten und melodiös untermalt...

Aber solche Heiterkeit ist wiederum kontrapunk­tiert von den närrischen Weisheiten des Drobstein, der zum Rüpel zu intelligent und zu höfisch ist, und von der philosophisch-melancho­lischen Weltbetrachtung des Monsieur Jaques. Er spricht die Verse, die wir an den Anfang gestellt haben; sein Humor ist hintergründig und tiefsinnig. Er mag blasiert sein und ist in der Tat von etlichen Auslegern ein Snob geheißen worden; aber er spricht vielleicht auch manch­mal, Chorführer ohne Chor, Worte des Dich­ters über den Sinn seines Werkes und gibt den märchenhaft-heiteren Geschehnissen die schick­salmäßige Deutung.

Dieser Jaques ist wohl sogar die modernste Gestatt in dem alten Stück. (Vor ungefähr 330 Jahren ist es entstanden.) Unö wenn man Shakespeare mit seinem LustspielWie es euch gefällt als einen Vorläufer des großen Rousseau gepriesen hat, denn hier die Flucht in den Ardennenwald sei wahrhaft wie eine befreiende, von allem liebel und von allen Welt­händeln erlösende Heimkehr zur Ratur durch ihn gestaltet worden,:

so sollte man auch spüren, wie in den Versen des Jaques ein Weltgefühl sich ausspricht, das unserem eigenen Empfinden noch viel greifbarer nahegerückt ist als das berühmte Evangelium des weiland Genfer Apostels Rousseau.

In solchen Versen scheint nicht nur der auf Welt und Menschen lächelnd heiabschauende, über Bühne und Masten meisterlich herrschende Dich, ter sich gleichnishaft auszusprechen.... sie klingen uns merkwürdig gegenwärtig und vertraut und manchmal wie aus der wienerischen Schule vom Ende des vorigen Jahrhunderts, wie von Schnitz­ler ober von Hofmannsthal, aus demAnatol", aus demJedermann" oder demgroßen Welt- theater".

An einem so sinnfälligen Beispiel erweist sich dem heutigen Leser und Hörer vielleicht am eindringlichsten und klarsten die untoanbefbarc

Zeitlosigkeit und die von den Jahrhunderten un­angerührte Gültigkeit des alten Werkes.

*

Es war einer der feinsten Abende, die uns unser Theater in dieser Spielzeit beschert hat; wir kennen die hervorragende Ausführung, die Darnowsky vor fünf Jahren mit der Dergner herausbrachte, und haben gleichwohl gegen die hiesige, die unter Tanner t s Regie stand, kaum etwas einzuwenden. Es sei denn dies, daß der ernsthafte Unterton, der durch die fünf Akte mit» schwingt, die schwermütige Philosophie, worin die heitere Märchenhaftigkeit der Vorgänge tief- finnig gespiegelt wird, im Ganzen ein wenig zu kurz kam. Run, die äußere Wirkung hat das gewiß nicht geschmälert; alles war auf Helle, sanfte Akkorde gestimmt; die Szenerie war jeder­zeit von Humor umschwebt, von der schwerelosen Stimmung erfüllt und von dem Charme getragen, der das Lustspiel zu einer der liebenswertesten Dichtungen Shakespeares macht. Dabei zeigte die Ausführung eine Menge persönlicher Züge und guter Einfälle, die Tannerts Regiebegabung ins beste Licht stellen.

*

Cs muß an dieser Stelle auch gleich der vortrefflichen Helfer gedacht werden: Löffler hatte entzückende Dekorattonen gemalt, mit viel Herz und viel Blumen und ganz in den Stil und die Atmosphäre des Werkes eingefügt. Fritz Cui e dirigierte die geschickt zusammengestellte, verbindende und begleitende Bühnenmusik, die gerade hier ein fast unentbehrlich mitspielendes Element bildet.

Beleuchtung: Keim; schöne Kostüme von Huber.

*

Die Rosalinde ist eine der lieblichsten Frauen­gestalten, die Shakespeare geschaffen hat; mit ihrer Besetzung steht unb fällt jede Ausführung vonWie es Euch gefällt". Hier wird sie von Jngeborg Scherer gegeben; das ist eine Rolle nach ihrem Herzen unb ihren schauspielerischen Gaben, und es ist das Reifste, was wir feit lan­ger Zeit von ihr zu sehen bekamen. Sie gibt hier alles ohne Zwang, was die Gestalt ver­langt: die leise Betrübcheit und die große Der- liebtheit, die Schalkhaftigkeit und die Freude am Doppelspiel unb über allen Szenen, auch da, wo sie eigentlich ein mutiger Mann zu sein hat, die unncrftcTltc Anmut ihres Geschlechts.

Reben Rosalinde steht Celia, von Ganymed unzertrennlich die verwandelle Gefährten im Walde, Aliena. Trude Heß brachte die zärlliche, liebend und schelmisch für sorg ende Äamerabin brillant heraus, am hübschesten gleich zu Anfang im ersten Akt, an Herzog Friedrichs Hofe.

weil heule kaum jemand mit Gewißheit übersehen kann, wie sich die politischen Derhättnisse im näch­sten Jahre und damit auch die Voraussetzungen für ein umfassendes Steuersenkungsprogramm entwickeln werben.

Eine Erleichterung in diesen Auseinandersetzun­gen wird jedenfalls eine Klärung des Streits über die Regelung der Arbeitslosenversichernngs- fragc

bringen können. Doch auch in dieser Frage werden die Verhandlungen noch fortgesetzt. In der am Dienstag stattgesundenen Parteiführerbesprechung sind noch feine abschließenden Ergebnisse erzielt wor­den. Der Finanzminister wird infolgedessen zunächst die Verhandlungen in itdenSozialver- sicherungskörpern zu Ende führen, die ja gegen volle Bürgschafts- und Sicherheitsteistungen des Reichs durch Darlehen über einen Teil des Desi- zits 1930 und 1931 hinweghelfen sollen. Die So­zialdemokratie scheint ihren Widerstand gegen eine solche Regelung aufgeben zu wollen, wenn ihr eine Zusicherung gegeben werden kann, daß das Reich die einmal übernommenen Haftpflichten nicht für die Zeit ab 1932 versagt; es ist aber fraglich, ob sich eine bürgerliche Partei dazu verstehen kann.

* * *

Zu den Ministerien, die sich zu Abstrichen in ihrem Etat bereit erklärt haben, gehört wie alle übrigen Ministerien auch das Reichs- w eh r m i n i ste r i n m. Es ist selbstverständlich Sache des Reichswehrministers selbst, zu ent­scheiden, wo er Ersparnisse machen will. Völlig unrichtig ist es, daß der Reichssinanzminister ein Reto gegen den Bau des Panzerkreu­zers B eingelegt habe. Wenn, auch für den Bau eines solchen Panzerschiffes kein Betrag jetzt in den Etat eingestellt ist, so ist doch spä­testens im nächsten Jahre mit der Vor­lage eines besonderen Programms für den Bau von Panzerschiffen zu rechnen.

Der Kamps um den Sozialetat.

Berlin, 18. Febr. (ERD.) Wie die Spät­ausgabe desVorwärts" mitteilt, ist im Reichs­kabinett über die Ausgabenansätze im Sozial­etat keine Einigung erzielt worden. Durch die Mehrheitsbeschlüsse des Kabinetts dürfte kaum das letzte Wort in dieser Sache gesprochen worden sein. Die Ausgaben für die W ochenhilfe sind von 29 Millionen auf 15 Millionen ermäßigt worden. Von den 40 Millionen, die aus den Zollerträgnissen für die Zwecke der Jnvalidenversorgung alljährlich zur Verfügung gestellt werden, sind 20 Millionen gestrichen worden. Sie sollen in den Etat 1935 (!) gesetzt werden. Bei den Kapitalabfindungen für Kriegs­beschädigte bleibt es bei der unzulänglichen Summe von 63 Millionen. Der Antrag, den früheren Ansatz von 88 Millionen wiederherzu­stellen. wurde abgelehnt. Die Entscheidung über die produktive Erwerbslosenfursorge wurde einstweilen ausgesetzt. Alle diese Entschei­dungen wegen des Etats des Arbeitsministe­riums sind gegen den entschiedenen Widerstand des sozialdemokrati­schen Arbeitsministers Wissell ge­troffen worden, der es auch ausdrücklich ab­gelehnt hat, diese gegen den Widerstand der sozialdemokratischen Kabinetts­mitglieder zustande gekommenen Beschlüsse des Kabinetts zu vertreten. Das schafft eine außerordentlich ernste Situation. Es ist selbst­verständlich, daß die ganze sozialdemokratische Fraktion in diesen Fragen auf der Seite des Ar­beitsministers steht."

Kriegsopferversorgung und Reichs, haushalt.

Zu den bevorstehenden Haushaltungsberatun­gen hat, wie man uns mitteilt, der Zentral­verband deutscher Kriegsbeschädig­ter und Kriegerhinterbliebener E. D. dem Reichstag eine Eingabe zugehen lassen.

Dom plätschernden Wasserfall des Mädchen­duetts wird der schüchterne Liebhaber Orlando ein wenig übertönt; doch gab ihn Arzdorf, ein blonder Troubadour, in guter Haltung und mit ritterlichem Anstand.

*

Den Probstein spielt Linkmann von An­fang an in . Öen Vordergrund der Szene; eine ausgezeichnete Leistung, sicherlich aus dem Zen­trum seiner darstellerischen Kräfte heraus ent­wickelt, obwohl, wie wir früher sahen, der Um­fang seines Könnens mit dieser Rolle nicht fest­gelegt ist. Aber der Rarr ist etwas für ihn, und er gerät ihm in allen Stücken; er trifft den shakespearischen Stil, hält ihn aus der schmalen Mitte zwischen Jaques und den Rüpelkomödian- ten und unterstreicht seine Beredsamkeit durch die tänzerische Eleganz, mit der er jeden seiner Auftritte rhythmisch gliedert und akzentuiert.

*

Als Jaques sieht man Sanncrt Eine heikle Aufgabe, fern vom Bezirk des Bonvivants. Er macht es auf seine Weise; nichts vom galligen Spott und der dämonischen Finsterkeit, mit der ihn Kortner vor Jahren umgab. Tannert spielt ihn als einen blassen, kränklichen Grübler, nicht so sehr als den Melancholiker von Geblüt, mehr die pathologischen Züge heraüskehrend, fast ein wenig auf den Dänenprinzen hin, doch ohne dessen Schärfe und glimmende Leidenschaft; man glaubt diesem Edelmann, daß er dem bekehrten Herzog Friedrich in ein Kloster folgen möchte.

*

Ron den übrigen es stand jeder gut an seinem Platz seien in Kürze genannt: W e - Jener (Le Beau), Hais (Oliver), Zingel und F a s s o 11 (die Herzöge), Jahn, Fuhr­mann. Volck, Dom misch und Heitzig (das Echäservolk im idyllischen Ardennerwaldel.

Es war ein schöner Erfolg. Riemand sollte versäumen, sich diese Aufführung anzusehen: es ist eine der besten, die wir in diesem Winter ge­habt haben. Dr. Th.

Sochschulnackrichten.

Der durch das Ableben des Geheimrats Pros. K. Heinsheimer an der Universität Hei­delberg sreigewordene Lehrstuhl für Bürger­liches und Handelsrecht ist dem ordentlichen Professor an der Handelshochschule Berlin. Dr. Paul G i e s e ck e , angeboten worden. Die Ernennung des o. Professors Dr. Gustav Hü­be n c r von der Universität Basel zum or» deutlichen Professor der englischen Phllologie an der Universität Bonn als Rachfolger von Prof. W. Schirmer ist erfolgt.