Erinnerung aus den Händen von Fräulein Arnold entgegennehmen zu wollen."
Für die ihm gewordene Gärung dankte
Herr Kommerzienrat Sch.rmer,
aufs tiefste bewegt, mit folgenden Worten:
»Die ehrenden Worte des Herrn Kollegen Rainspeck und des Herrn Dr. Zeidler haben mich tief gerührt. Sch weih gar nicht, wie ich meinem Danke Ausdruck geben soll.
Als ich vor einem Menschenalter in die damals noch sehr kleine Handelskammer Gießen gewählt wurde, bestand sie nur aus neun Mitgliedern, und wurde von Herrn Kommerzienrat F. C. D. Koch geleitet. Stirn stand ein nebenamtlicher Syndikus zur Seite. Sm darauffolgenden Sahre wurde die Kammer um die Kreise Alsfeld und Lauterbach vergrößert. Die Anzahl der Mitglieder stieg auf 18 — heute sind es zwanzig —, die Arbeit wuchs und es muhte ein hauptamtlicher Syndikus mit der Geschäftsführung betraut werden. Der Entschluß, aus diesem bedeutenden Gremium, dem ich nun seit 32 Sahren angehöre, auszuscheiden, ist mir unendlich schwer geworden: auf dre Gründe, die mich dazu deranlaht haben, brauche ich nicht mehr näher einzugehen, da ich sie Shnen seinerzeit auseinandergesetzt habe.
Sie haben die Kluft, die sich durch mein Ausscheiden zwischen der Kammer und mir geöffnet haben würde, aus die schönste weise durch die Ernennung zum Ehrenpräsidenten überbrückt. Ich bin darüber Uef gerührt und werde von der mir damit gegebenen Berechtigung mit großer Freude Gebrauch machen, sowohl bei den ernsten Sitzungen der Kammer, als auch bei einem etwa nachfolgenden fröhlichen Zusammensein.
Für die mir gemachten wundervollen Geschenke danke ich Shnen herzlichst. Sch hätte das nie erwartet. und es freut und rührt mich tief. Die mit Shnen verlebte Zeit während meiner Mitgliedschaft und Präsidentschaft in der Handelskammer ist schön und interessant gewesen und ich werde mich stets gern an sie erinnern. Für die mir heute dargebrachte Ehrung danke ich Shnen nochmals aus wärmstem Herzen."
Aach der eindrucksvollen Kundgebung in der Kammer scharten sich die Mitglieder, Beamten und Angestellten an festlicher Tafel um den scheidenden Borsitzenden, wobei noch treffliche Worte von den Herren Rohr, Schirmer, Rinn, Ramspeck und Griehbauer gesprochenwurden. Bei dieser Gelegenheit gedachte Herr Kommerzienrat Schirmer in ehrenden Worten auch des Leiters der Steuer- und Duch'ührungsbera- tungsstelle der Kammer, H^rrn Steuersyndikus Will, welcher der Kammer 2 5 Sahre treueste Dienste in uneigennützigster Weis e geleistet habe, worauf der Subilar in bewegten Worten für die ihm gewordene Ehrung dankte.
Zusammenlegung von pädagogischen Akademien?
Wie aus Darmstadt verlautet, beabsichtigt die hessische Regierung die Zusammenlegung der Pädagogischen Akademien in Darmstadt und Mainz, um hierdurch Ersparnisse für den hessischen Staatshaushalt zu erzielen. Es ist geplant, die Pädagogische Akademie von D a r m st a d t nach Mainz zu verlegen und mit dem dortigen Snftitut zu verschmelzen. Künftig soll dann für ganz Hessen nur noch eine Pädagogische Akademie mit dem Sitz in Mainz zum Zwecke der Lehrerausbildung bestehen. Dadurch würde die geplante Errichtung einer Pädagogischen Akademie in Gießen mit
Oer Dreizehnte.
Roman von Anny von panhnys.
Copyright 1929 by Verlag Vechlhold Lraunlchwetg
31 Rortlefiung Nachdruck verboten
„Höre auf, um des gütigen Heilandes willen, höre auf", schnitt ihr Primo Duero das Wort ab. »Sch weiß, aus welche Weise du dich des roten Kostüms entledigtest. Das Kostüm wurde entdeckt, aber bis jetzt blieb verborgen, wer es getragen. Sch habe genug gehört, übergenug. Du bist furchtbar!"
Er faßte sich mit beiden Händen an die Schlä» fen. „Sch kann es ja nicht fassen, es sprengt mir den Kopf"
Montserrats Züge waren leidenschaftlich erregt.
„Sch weih, ich habe dir Schreckliches gesagt, ich weih auch, ich bin nun in deiner Gewalt. Ader das wäre nicht das Schlimmste! Diel schlimmer, nein, das Schlimmste auf Erden ist es, daß ich nun, wenn ich nicht for kann, den Wann verlieren muß, den ich liebe. So liebe, wie ich dich niemals hätte lieben können!" Sie schlug sich mit der geballten Faust an die Brust. „Alles ist gegen meine Liebe farblos. Als ich dein Haus verlieh, nahm ich eine Stellung als Gesellschafterin in Valencia an, ich mußte doch zunächst die Rolle der Mittellosen spielen, um nicht auszufallen. Und dort lernte ich ihn kennen. Culaner ist er, und Puppen, Hampelmänner und Wachss.g. r:n sind alle Männer gegen ihn. Wir sanden uns, wir heirateten." Sn ihren dunklen Augen leuchtete es wie Fanatismus auf. „Eine je.'.er wundervollen Abenteurernaturen ist es, di« das ganze Dasein wie ein buntes Spiel nehmen, die zu leben wissen, zu lieben, zu genießen. Und ich zog mit ihm, die glücklichste aller Frauen. Richts von dem kümmerte mich mehr, was hinter mir lag. An nichts dachte ich mehr als an Um. Sn seiner Abwesenheit, in seiner Gegenwart. Mein Geld ging bei unserem Leben mit darauf. Wir lebten im vorigen Sahre im Haag. Einen kleinen, feinen Spielklub hatten wir dort, aber eines Tages klopfte die Rot an unsere Tür. Da fuhr ich hierher, versetzte die Steine, die mein Mann niemals bei mir gesehen hat. Sch veränderte für alle Fälle mein Acuße- res. Wir leben jetzt in Paris, und ich habe die mehrtägige Abwefenheit meines Mannes benützt und bin hergereist, um die Steine zu holen. Setzt haben wir Geld genug. Sch bin in einem kleinen Hotel Im Haag abgestiegen in der alten Vermummung, die ich erst unterwegs im Zug vom Haag hierher anlegte, gekommen. Die Steine wollte ich wiederhaben, well ich fürchtete, wenn sie verfallen würden, könnte sie der Pfandleiher verlaufen, und ich käme in Gefahr, wenn die seltenen Steine erkannt würden."
Primo Duero hatte nur halb hingehört, et
Anlehnung an die Landesuniversitat hinfällig werden. Bekanntlich hat der Gießener Stadtrat im Frühjahr dieses Sahres für die Schaffung eines solchen Snstitutes in Gießen eine finanzielle Beihilfe von 100 000 2HL bewilligt und außerdem ein Gelände im Werte von 30 000 Mk. kostenlos zur Verfügung gestellt. Dabei hat die Gießener kommunale Mrperschaft, neben dem Gesichtspunkt der Förderung kommunaler Snter» essen durch eine solche Einrichtung, vor allem auch die Erwägung geleitet, mitzuhelfen an einer weitgehenden Nutzbarmachung der in Gießen bei der Universität ohnehin schon bestehenden Einrichtungen für die Zwecke der akademischen Lehrerbildung, bei gleichzeitiger wirkscnner Kostenersparnis für den hessischen Staat. Wenn der jetzige Plan der hessischen Regierung, der feine Hauptbefürworter in den Mälzer Kommunalpolitikern, Vertretern der sozialdemokratischen Partei und des Zentrums haben soll, verwirllicht würde, wäre auch das Gießener Projekt als gescheitert und damit die rationelle Ruh- barmachung der Hilfsquellen unserer Universität zum finanziellen Vorteil des Staates als erledigt anzusehen. Die Schaffung eines solchen Zen- tralinstituts in Mainz würde also, infolge mangelnder Ausnutzung der Möglichbriten unserer Universität einerseits und des Aufwandes bedeutender Geldmittel für die Mainzer Einrichtung anderseits, nicht nur keine Ersparnis bedeuten, sondern sogar den Aufwand erhöhter Geldmittel notwendig machen. Gegen eine so unwirtschaftliche Maßnahme der Regierung, bei der nach Verlautbarungen aus Darmstadt vor allem parteipolitische Sntereffen innerhalb der Regierungskoalition unter Ausschluß der Demokraten im Vordergründe stehen sollen, muß auch von Oberhessen und von Gießen aus entschiedener Einspruch erhoben werden. Dabei ist die Forderung aufzustellen, daß die Regierung zum finanziellen Vorteil des Staates unter allen Umständen ihr Gießener Projekt verwirklicht, um dadurch die schon bestehenden Einrichtungen der Universität in weitgehendstem Maße für die Zwecke der akademischen Lehrerbildung in Hessen nutzbar zu machen.
Aus der provinzialhauptstadt
Gießen, den 18. Dezember 1930.
Oie Geburisstunde
-es Weihnachisbaums.
Weihnachten ohne Tannrnb.'.um.ift für uns fein Weihnachtssest. Viele werden in diesem Saijr beschenke entbehren müssen. Für die Erwachsenen ist das nicht so schlimm, aber ohne Baum kann keine Feststimmung auflommen. Die Bäume stehen in den Straßen und Höfen. Wenn jetzt die Bäume durch die Straßen getragen werden, beginnt es schon richtig weihnachtlich zu werden.
Für uns ist der Weihnachtsbaum so eng mit dem Christfest verbunden, daß man meint, solange Christen Weihnachten feiern, müßten sie. cs unter l ich le rgeschmücktem Baum getan haben. Aber diese schöne Sitte ist erst viel später entstanden. Die Wohnung in den Weihnachtstagen mit einem Weichselbusch zu schmücken, oder einen im warmen Zimmer zu früher Blüte gebrachten Kirschbaum- zweig auizustellen, gehört schon seit vielen Sahr- hunderten zu den deutschen Weihnachtsbräuchen, an deren Stelle dann — zum ersten Male in der Ueberlieserung erwähnt — zu Weihnachten 1615 in Straßburg ein mit buntem Papier geschmückter Tannenbaum trat. Um die Mitte des 18. Sahr- hunderts wird schon vom mit Zuckerwerk und Aepseln behangenen Christbaum geschrieben. Es
stand noch viel zu stark unter dem Eindruck der entsetzlichen Aeuigkeit. Montserrat war die Mörderin seines Vaters! Alles in ihm bäumte sich gegen die Wahrheit auf. Das Unglaubhafteste auf Erden schien es ihm.
Montserrat alter sprach leidenschaftlich bewegt weiter: „Hier wurde ich festgehalten, der alte Gauner hat anscheinend die Steine schon in den Handel gebracht, und es ist dadurch aufgerührt worden, was so weit hinter mir lag, daß es mich kaum noch berührte. Und nun hielt man mich hier sest und ich muhte doch zurück nach Paris. Mein Mann ist ein paar Tage in London. Aber möglicherweise wird er eher wieder in Paris fein als ich. Und vielleicht reist er dann gänzlich ab und ich weih nicht wohin. Er ist unberechenbar und glaubt sicher, ich hätte ihn verlassen." Sie schrie auf. „Sch ihn verlassen! Sn Tropfen gäbe ich mein Blut für ihn hin." Shr Fuß stampfte den Boden. „Sch Rcirrin! Hätte ich mich doch nicht mehr um die elenden Steine gekümmert, man gab mir ja doch nur buntes Glas dafür, und wcr ich in.Wirklichkeit war, wußte hier niemand. Hätte ich mich doch nicht mehr darum gekümmert, denn nichts auf der Welt ist wichtiger als er, den ich liebe." Shrr Augen flammten und um ihre scharf gezeichneten Lippen zuckte es unaufhörlich nervös. „Vielleicht bin ich eine Frau ohne Gewissen, aber ein Herz habe ich dvch. Ein Hcrz, das meinem Manne gehört. Sft er mir verlorengegangen, dann ist mir alles gleich, dann renne ich mit dem Kops gegen die Wand, bis ich nicht mehr weiß, wie schön jeder Gedanke an den Geliebten ist." Sie schob die Hände gegen Primo Duero. „Was kann dir an meiner Verhaftung liegen! Dein Vatcr ist tot, den kannst du nicht mehr mit einer sogenannten Sühne ins Leben zurückrufen. Und Reue empfinde ich nicht. Gar keine! Rur das Verlangen, noch rechtzeitig nach Paris zu kommen, habe ich, heiße, verzehrende Sehnsucht nach meinem Mann und nach der seligen, unbegrenzten Wette unseres Abenteurerlebens."
Primo Duero erhob sich langsam, und sein Blick war starr.
„Kennst du nicht das Dibelwort: .Wer Blut vergießt, des Blut soll wieder vergossen werden?' Sch halte mich daran, ich will, daß der Mord gesühnt wird."
Sie richtete sich höher auf. >
„Gib dich ja keinen Sllusionen hin. Dein Vater hat mich meist wie ein zugelaufenes armes Tier, wie ein Aschenbrödel behandelt. Dafür gibt es Zeugen, und sein Testament bezeugt es auch. Das spricht zu meinen Gunsten. Deine Küsse kommen dazu, die mich glauben liehen, von dir aus beschämender Abhängigkeit erlöst zu werden. Deines Vaters Tod wird sicher nicht durch mein Blut gesühnt werden. Ein paar Sahre Kerker wäre das Schlimmste, was mir passieren könnte. Für mich allerdings wäre es tausendmal schlimmer als der Tod. Denn wenn ich meinen Mann verlieren mühte, dann hat das Sterben keinen Schrecken mehr für mich. Und wenn du auf di«
sollte nicht lange dauern, bis diese schöne Sitte überall in deutschen Landen ihren Einzua hielt. Kaum fünfzig Sahre vergingen, und schon Anfang des 19. Sairhunderts bildete der Weih..ach.sbaum in vielen deutschen Familien den Mittelpunkt des W^nachtssestes. Von Deutschland trat er dann feinen Siegeszug in die Welt an und findet weit üwt uie deutschen Grenzen hinaus immer mehr Freunde.
Heute strahlen um die Weihnachtszeit nicht nur In vielen deutschen Städten und Dörfern schon tagelang vor dem Fest auf öffentlichen Plätzen brennende Christbäume, heute leuchtet auch mitten im Gewühl der Riesenstadt Reuyork in dem brodelnden Verkehr der Straßen ein Weihnachtsbaum. Rach alter Sitte werden alljährlich auf dem Kopenhagener Rathausplah riesige Tannen- bäume mit Lichtern geschmückt. Seber, d'.r vorübergeht, hat seine Freude daran, in jedem erwachen weihnachtliche Gefühle. Seder sinnt, wie er denen, die ihm lieb sind, eine Freude bereiten kann. Freude zu machen, ist ja der Sinn dieses Festes der Liebe.
Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Einführung des Weihnachtsbaumes als Symbol des Christ- festes durch heidnische Sitten beeinflußt worden ist, wie überhaupt viele unserer Weihnachtsbräuche daher übernommen worden find. Sm alten Rom beging man zwischen dem 17. und 24. Dezember das Fest der Saturnallen iu Ehren des Gottes Saturn und seiner Gattin, der Erzgöttin Hobs. Es war ein Fest der Verbrüderung, ein Fest, zu dem jeder seinen Freunden und Verwandten eine Freude bereitete. Die Sklaven brachten die Geschenke am ersten Festtag In die Häuser. Seder reichte ihnen einen Trunk. Die S'andesunterschiede fielen an diesem Tag. Wer es sich leisten konnte, zahlte als Weihnachtsfreude seinen Freunden sogar die Schulden. Das wäre sicher für viele heute auch ein recht willkommenes Weihnachtsgeschenk! Zu den Geschenken gehörten auch damals schon Wachskerzen, die das Symbol des nach der dunklen Zeit des Sahres wiederkehrenden Lichtes waren.
Unsere Vorfahren, die alten Germanen, begingen um die Weihnachtszeit das Sulfcft. das Fest der Wintersonnenwende. Auf den Bergen entzündeten sie Holzstöße. Ueberall spielte das Licht eine große Rolle. Darum geht man sicher nicht fehl in der Annahme, daß die leuchtenden Kerzen unseres Weihnachtsbaums ihren Ursprung in heidnischen Bräuchen haben, die für die Sdeo- logie des Christentums umgestaltet worden sind.
Reben dem Weihnachtsbaum gibt es eine ganze Reihe von Weihnachtsbräuchen, die wir getreulich bewahren. Da sind die Krippenspiele, die wieder neu aufgelebt sind. Da sind all' die vielen Gerichte und Leckereien, die unverbrüchlich mit dem Weihnachtsfest verbunden sind. Was wäre Weihnachten ohne Pfefferkuchen, Marzipan, Aepsel und Rüsse? — Alljährlich freut uns all' das aufs neue, alljährlich erklingen die alten schönen Lieber und lassen die Herzen höher schlagen.
Schiedsspruch
für das deutsche Buchdruckgewerbe.
Sn Lohnverhandlungen des deutschen Buchdruckgewerbes hat gestern daö zuständige tarifliche Zentralschlichtungsamt einen Schiedsspruch gefällt, der den bestehenden Lohntarif bis zum 13. Februar 19 31 mit der Maßgabe verlängert, daß zur Fortsetzung der Beratungen und zur Fällung eines weiteren Schiedsspruchs die Schlichterkammer am 2. Februar 1931 von neuem zusammentritt.
Gictzcner Wochcnmarltpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 160, Kochbutter von 130 an, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140,
Sühne bestehst, dann bedenke auch vorher, mein Mädchenname ist der gleiche wie dein Name. Sch bin auch eine Duero, und es würde fortan wie Schande auf den 21 am en liegen." Sie sah ihn scharf an. ..Sch weiß, dein Vater war sehr stolz auf die Reinheit seines Ramens, und dir wird es sicher auch keine Freude bereiten, wenn ber Rame für die Zukunft identisch ist mit dem einer Mörderin. Laß mich gehen, Primo, denn glaube mir, eine wirkliche Genugtuung wirst du doch nicht darüber empfinden, wenn Du mich in irgendeinem Zuchthaus weißt. Mein Mann ist ein Spieler, ein Aventurero (Abenteurer) großen Stils, und ich passe zu ihm. Setzt besteht noch di« Möglichkeit, wenn sie auch gering ist, vor-ihm in unserer Pariser Wohnung einzu- treifen, laß mich die Möglichkett benützen. Sch habe immer den Hang gehabt, frei durch die Welt zu ziehen, nach meinen eigenen Gesehen zu letten. Mein Mann empsindet ebenso. Wir passen zueinander, als wenn uns das Schicksal von je füreinander bestimmt hat. Sch lüge und betrüge für ihn und mit ihm, zusammen aber lachen wir über die Philister. Wir sind wir, sind vor uns groß, sind selbstherrlich von eigenen Gnaden. Wir leöen, ihr vegetiert nur, wir genießen, ihr wagt kaum zu kosten, wir stehen über dem Schicksal, ihr fürchtet es." Shre Stimme schwankte. „Das heißt, jetzt fürchte ich es auch, weil meine Liebe in Gefahr ist. Laß mich laufen, Primo, und wenn es dich beruhigt, dann denke, eine Ratur wie die meine, die keinen Unterschied zwischen Recht und Unrecht macht, die daraus loslebt mit einem Genossen ihrer Art, dcr es gleich ist, wohin ihr Lebensschifflein steuer- los treibt, die wird schon eines Tages von irgendeinem Sturm über Bord gespielt werden."
Primo Duero empfand nicht die mindeste Weichheit, nicht das mindeste Mitleid. Shm war es, als umlagere ihn eine schwere bedrückende Wolke von Verachtung und Ekel, durch die er nicht hindurchschauen konnte.
Rur eins sah er, ein3 begriff er. Bestand er auf die Sühne, dann kam der Rame Duero an den Pranger, der Rame, den er trug und den nun auch bald sein blondes Lieb mit ihm teilen würde. Vielleicht durfte er eines Tages ein Kindchen im Ann halten: Evas Kind und das seine, und das trug Dann auch den Ramen. Es würde dann später vielleicht hören von der Montserrat Ducro, die in einem Zuchthaus ihre Tage verbrachte.
Er fror bei der Vorstellung.
Klanglos sprach er: „Geh, aber komm niemals in meine Rahe, niemals. Um des Ramens Duero willen will ich unterlassen, was mir Pflicht und Gewissen gebieten. Aber gehe schnell, ehe es mir leid tut, ehe ich es bereue."
Heber Montserrats Züge glitt ein Aufleuchten. „Sch danke Dir, Primo, ich —“
„Geh", gebot er hart, „du hast keinen Grund, dich bei mir zu bedanken, denn auf dich nahm ich bei meiner Entscheidung nicht die geringste Rücksicht, sondern nur auf Den Ramen Duero."
Wirsing 8 biS 10, Weißkraut 5 biS .6, Rottrauk 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Unter-Kohlrabi 5 bis 6, Grünkohl 10 bis 15, Rosenkohl 25 biS 30, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kartoffeln 3Vr bis 4. Aepfel 25 bis 40, Birnen 20 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 83 bis 100, Suppenhühner 80 bis 103, Gänse 90 bis 110. Russe 60 bis 70 Pf. das Pfund: Tauben (Stück) 50 bis 70, Eier 17 bis 18, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 20 bis 25, Endivien 10 bis 15, Ober- Kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück. Kartoffeln der Zentner 2.23 bis 2,50, Weißkraut 3» Wirsing 4, Rotkraut 5 Mk.
Daten für Freitag, 19 Dezember.
Sonnenaufgang 8.10 Uhr, Sonnenuntergang 15.52 Uhr. — Mondaufgang 7.58 Uhr, Mond- Untergang 14.49 Uhr.
1594: Gustav Adolf von Schweden in Stockholm geboren.
Vornotizen. * —
— Tageskalender für Donnerstag. Lichtsvielhaus Bahnhofstraße: „Die Sehnsucht jeder grau7'. — Astoria-Lichtspiele: „Die Rettung" und „Wer gewinnt Den großen Match?".
— Aus Dem Stadttyeaterbureau wird uns geschrieben: Morgen Freitag, 20 Uhr. findet Die erste Wiederholung Der erfolgreichen Gesellschaftskomödie „Die erste Frau Selby" statt unter der Spielleitung von Walter Bäuerle, mit Maria Koch als Frau Selby. — Die nächste Vorstellung des Weihnachtsmärchens „Gold- marie und Pechmarie" findet zu ermäßigten Preisen am Sonntag, 21. Dezember,, 15 Uhn statt.
•
•• Frist ablauf für Rentenantrüge in Der Angestelltenverficherung. Durch Gesetz vom 7. März 1929 ist die Wartezeit in Der Angestelltenversicherung allgemein auf 60 Beitragsmonate herabgesetzt worben. Sind tgeniger als 30 Deitragmonate auf GrunD Der Versicherungspflicht nachgewiesen, so beträgt Die Wartezeit 90 Beitragsmonate. Das Gesetz lst mit Wirkung vom 1. März 1929 in Kraft getreten. Sft ein Leistungsantrag vor Diesem Zeitpunkt rechtskräftig abgewiesen worden, toeil die Wartezeit nicht erfüllt war, so kann, wenn nach dem Gesetz vom 7. März 1929 die Wartezeit erfüllt ist, die Rachprüfung des Rentenantrags beantreyt werden. Der Antrag muh aber bis zum Schluffe des Sahres 1930 gestellt fein.
•• Fremdenvorstellung im Gießener Stadttheater. Aus dem Stadtthcater- bureau wird uns geschrieben: Am Sonntag 21. Dezember, gelangt zum letzten Male das erfolgreiche Lustspiel ..Geschäft mitAmerika" von Frank und Hirschfeld als Fremdenvorstellung zur Aufführung. Die beiden Autoren sind in Gießen bereits bekannt durch ihre Lustspiele „Grand Hotel" (Frank) und „Die Frau, die jeder sucht" (Hirschfeld) Es ist das neueste Werk dieser beiden Autoren. Die Spielleitung hat Karl Dolck. Reben Den Damen Sahn, Leutholf, Schwend, iptb den Herren Bäuerle und Hauer spielt ein kleiner Dackel die Hauptrolle. Beginn der Vorstellung 18,33 Uhr, Ende 20,30 Uhr.
•• Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Sm jüngsten Vortragsabend Der Gesellschaft für ErD- und Völkerkunde berichtete Prof. Dr. G. S ch o 11, Abteilungsvorstand an Der Deutschen Eeewarte zu Hamburg, in fesselnder, leicht- verständlicher Form über seine Reiseeindrücke aus Der chinesischen Provinz Kiang-su, aus Sapan und einem Teil von Aiederländisch-Ostindien. Die Hauptaufgabe Der Reife des Redners, die das
Es schien, als wollte sie noch etwas sagen, er aber gebot ihr herrisch Schweigen.
„Setze die graue Perücke wieder auf, es ist für alle Fälle besser, es erblickt dich hier niemand so, wie Du wirklich aussiehst."
Sie trat vor Den kleinen Spiegel ünD zog die grauen tiefen Scheitel über ihr dunkles, kurzes Haar, umwand den Kopf mit dem Spihenschal und schlüpfte in Den viel zu weiten Mantel.
Primo Duero öffnete die Tür und verließ gemeinsam mit ihr oas Zimmer. Allein würde sie Der riesige Wächter vor Der Tür gar nicht Durchlässen, Dachte er.
Unten im Laden befanden sich Ricolaas Sneek und seine Tochter, beide mit bangen und erwartungsvollen Gesichtern.
Primo Duero fagte zu der Wontirossi: „Die Frau konnte mir einwandfrei beweisen, daß sic die Steine rechtmäßig erworben hat, und eS scheint, ich habe mich in Den Steinen getäuscht, sie ähneln Den anDeren, die ich suche, nur zum Verwechseln."
Ricolaas Sneek trat von einem Fuß auf Den anderen. So angenehm es war, in keine Mord- geschichte verwickelt zu werden, so peinlich würde nun Die Auseinandersetzung zwischen ihm und der grauhaarigen Frau werden. Wenn Der Spanier sich nicht eingemischt hätte, wäre man jetzt wohl schon auf Dem Weg nach Florida. Run begann Der Tanz zwischen ihm und Der Dersetzerin. Aerger unD Unannehmlichkeiten standen ihm sicher in Hülle und Fülle bevor, wenn es ihm nicht gelang, sich mit Der Frau zu einigen. Vielleicht mußte er alles Geld, das So Dafür erhalten, herausrücken, oder gar Die Steine wieder zurück- f (baffen.
Er fluchte innerlich und erwartete Den Angriff Der Frau. Doch die sprach kein Wort, sondern eilte plötzlich auf Die Ladentür zu und verschwand mit größter Schnelligkeit, als müsse sie fliehen.
Ricolaas Sneek sah seine Tochter an, und So fah Primo Duero an.
„Was bedeutet denn das?" fragte sie maßlos erstaunt.
Primo Duero zuckte die Achseln.
„Sie hat anscheinend doch ein schlechtes Gewissen! Sedenfalls ließe sie sonst nicht einen so großen Wert im Stich. Aber Shnen liegt ja nichts Daran, von dieser Frau wegen Unterschlagung belangt zu werden, und ich will jetzt auch keine Rachforschungen mehr anstellen, ich gebe es auf. Sch kann nicht mehr. Also freuen Sie sich über Öen unrechtmäßigen Verkauf Der blauen Brillanten, eS werden Shnen anscheinend daraus keine Schwierigkeiten erwachsen."
Ricolaas Sneeks Mund zog sich bedenklich in Die Breite, so schmunzelte er.
Primo Duero hielt der Montirossi einen Ring entgegen.
„Sch versprach ihn Shnen und Sie erhalten ihn für Shre Bemühungen mit Der Frau. Wenn nun auch alles resultatlos für mich verlief, so können Sie doch nichts Dafür."
(Schluß folgt)


