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Nr. 296 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)Donnerstag, 18. Dezember 1930

kräftige

Mit anderen Worten: Weihnachtsgeschenke sind meist zu massiv.

Sie marschieren noch viel zu häufig mit jenem geraden festen Tritt heran, der sich seiner straffen Pflicht bewußt bleibt und eine geschmeidigere Wendung, die sozusagen eine zarte, muntere Syn­kope in den Gleichtakt hineintupft, für eine ver­wegene Vertraulichkeit hält: sie melden sich noch

Wer süddeutsche Gewohnheiten kennt, ist da ziemlich veruiaynt:

Denn nur selten wird es sich ereignen, daß man etwa aus Wien ein Weihnachtspäckchcn erhält, das sich nicht auf eine sehr liebenswerte und ge­wandte Weise darum bemühte, schon durch die Wahl der Hüllen und Verschnürungen anzudeu­ten, daß das Geschenk, das sich dariiinen verbirgt, gewissermaßen aus dem kühlen Bereich des Han­dels gelöst und ins Intime verzaubert ist.

Die weiche Schmiegsamkeit eines seidigen Um- Mags, der ein blankes Grün mit einem flockigen Weiß wechseln heißt, macht aus der Gegenständ­lichkeit eines Schmucks oder eines Buchs nahezu einen graziösen Vorwand: die schmale Goldschnur, die ein paar Blumen oder eine Zigarettenschachtel umwindet, wird gleich dem bei^epackten Tanncn- zweig zum liebenswürdigen Schnörkel...

Aus einer Pflicht ist hier eine zärtliche Ara­beske geworden.

den und 6icrc Stellung unter allseitiger Aner­kennung bis zum Iahre 1924 bekleideten.

2m Iahre 1899 wählte man S.e in die Han­delskammer, der Sic ununterbrochen bis heute angehören. In 1909 wurde Ihnen die Stelle des stellvertretenden Vorsitzenden übertragen, und seit 1920 sind Sie Präsident der Kammer.

Sic hoben die Handelskammer allezeit treulich geführt und wie selten einer mit einer Hingabe und Treue in einer vornehmen Weise da» Amt de» Präsidenten verwaltet, daß es jedem, der zu Ihrer Nachfolge berufen wird, schwer sein wird, sich eine gleiche Vertrauensstellung zu erringen, wie man sie Ihnen vorbehaltlos stet» zuerkannte.

Ihre Vaterstadt Gießen kann stolz sein auf einen solchen Mann, aber auch wir Kammer- Mitglieder sind stolz auf einen solchen Führer, und wir können uns nicht darein fin­den, daß wir uns von unserem Vorsitzenden tren­nen sol.en. Wir können es nicht und wir wollen cs nicht, und deshalb, sehr geehrter Herr Kom­merzienrat, bieten wir Ihnen das Höchste, was wir zu vergeben vermögen, nämlich die Würde des Ehrenpräsidenten, um deren An­nahme ich Sie herzlichst bitte. Die geschäftlichen Arbeiten sollen auf Ihren Amtsnachfolger ab- gcwälzt werden, aber Ihren allezeit geschätzten

zeichnen. Derartige Ertratouren sollten Grund ge­nug sein, die Reichsreform mit dem Ziele des Einheitsstaates energischer als seither zu betrei­ben, denn Erschütterungen ähnlicher Art verträgt der Reichsgedanke nicht, ohne ernstlichen Schaden zu erleiden. Es gibt für die Deutsche Dolkspartei. keine Gründe, die die Erhöhung der Grundsteuer in Hessen irgendwie rechtfertigen.

Wir bestreiten, daß der Hinweis auf Preußen die Erhöhung rechtferli t, w i r bestrei­ten, daß bei der seitherigen Höhe der Grund­steuer hier noch eine Steuerreform vorhanden ist: nicht auf die Höhe der einzelnen Steuer kommt cs an, die G e s a m t st e u e r be l a st u n g ist das Entscheidende, und daß diese in Hessen zu einer Steuererhöhung berechtige, das wagt doch wohl niemand zu behaupten. Wir bestreiten die Richtigkeit der Behauptung, daß die Steuer ja nur für ein Iahr erhoben wird. Das ist eine Beruhi­gungspille, über deren wahren Gehalt wohl bei niemand ein Zweifel herrscht. Wir be st reiten aber vor allem dem Finanzminister das Recht, die Steuer deshalb zu erhöhen, weil ab 1. April 1931 von Reichs wegen eine Herabsetzung vorgeschrieben sei und dadurch per Saldo eine erhöhte Steuerleistung nicht in Frage komme. Die reichsrechtlichen Vorschriften wollten eben keine gleichbleibenden Steuern, sondern eine

dem kranken Tier ängstlich aus dem Wege bog. Fifi, das süße Fräulein Rchpinscher aus dem Bäcker­laden, ij.ng lieber auf die Freite: der starke Cäsar endlich, des Dorfschmieds große Dogge, hielt den Verkehr mit dem Invaliden Nero überhaupt unter seiner Würde.

Eines Tages lag Nero hinter dem Haufe im Schatten. Die Kinder waren der lockenden Dreh­orgel gefolgt, deren Lied vom Karussell auf dem Dorfplatz zu ihnen herüberdrang. Die kleine drei- jährige Life hatten sie zurückgelassen, weil sie ihnen lästig war. Sie sollte mit dem Hund spielen, bi» sie wiederkämen, hatten die anderen gemeint und Life war damit einverstanden.

Aber Nero hielt seinen Mittagsschlaf und küm­merte sich nicht um das Kind, bis ein heller Auf­schrei ihn aus seinen Träumen weckte. Die Kleine war hinter ihrem Ball her zum Mühlenteich gehüpft und bei dem Versuch das ins Wasser gerollte Spiel- zeug zu erhaschen, in den Weiher gestürzt. Nero, der sonst bedächtig Fuß vor Fuß setzte, um nirgends anzustoßen, rannte blindlings auf die Stelle zu, von der der Schrei des Kindes gekommen war: er hörte wie etwas im Wasser um sich schlug, sprang hinzu und schnappte die Kleine, die eben untersinken wollte. Dann faßte er den Gürtel des Kleides mit dcn Zähnen und trug das Kind auf fein Lager neben dem Ofen. Hier fanden es später die Ge­schwister.

Die anderen Hunde aus dem Dorfe waren durch Neros Tat aus dem Felde geschlagen.

Ein Jahr später ist das gute Tier gestorben. Sein Name aber strahlte fort wie der Name eines Hel- den, und wenn ich in der Chronik meiner Fugend- etnbrurfe blättere, so steht der tapfere Nero gleich neben Herkules, Wilhelm Tell und Old Shatter- Hand...

ganze Attion wird aber zur Farce herabgewür- digt, wenn Länder und Gemeinden auf letz­tere wirkt daS Beispiel belebend geradezu einen Wettlauf veranstalten, um vor dem 31. Dezember, dem letztmöglichen Termin, Steuererhöhungen durchzudrücken.

Was für die Grundsteuer gilt, das gilt für die in diesem Frühjahr allerdings auf indirektem Wege erfolgte Gewerbe st cuererhöhung um etwa 10 Prozent, das gilt auch Jur die in dem jetzigen Steuerbukett enthaltene Erhö­hung der Sonder st euer für alle Gebäude, deren Friedensmie.wcrt 5 Prozent des Gebäudc- steucrwcrts übersteigt. Aus den ersten Blick eine gerechte Sache. Leider wird aber der Mehr- ertrag von 500 000 Mk. nicht zum Ausgleich von Härten verwandt, sondern ist als Mehreinnahmc dem Staat sehr willkommen. Gerade bei der Sondcrsteuer darf nicht vergessen werden, daß der Grund, der die Erhebung dieser Steuer anfänglich rechtfertigte die ganze oder teil­weise Schuldenfreiheit infolge der In­flation größtenteils wcggefallen ist und daß deshalb die Steuer, die im hessischen Staats­haushalt mit einem Bruttoertrag von etwa 25 Millionen figuriert, schon jetzt außer­ordentlich druckend wirkt und daß jede Er­höhung weitere Härten und weitere Erbitterung im Gefolge haben wird.

Ein paar Tage haben wir jedenfalls noch Zett...

Ävar wird nicht jeder den Sinn solcher Ara­besken begreifen ebenso wie nicht jeder be­greift, daß cs das Reizvolle und Beglückende allen Spielens ist, daß es sein Genüge in sich selber findet und keinerlei Ansporn aus der Welt der Tüchtigkeiten zu seiner Entfaltung braucht.

älnd vielleicht ist es ganz gut, daß es nur toe- mge begreifen.

2lber gewiß wird jeher, der es begreift, es nie besser als kurz vor Weihnachten begreifen denn schließlich hat die Attualität nicht umsonst die Ge­pflogenheit, anregend zu sein und ein bißchen er­stehend zu wirken.

(Vielleicht werden eS unsere Weihnachts­geschenke bestätigen.)

Hohe Ehrung des scheidenden Handels- kammerpräsidenien.

Ein bedeutsamer Wendepunkt bei der Industrie- und Handelskammer Siehen.

Wie es scheint, ist diese Kultur noch nicht recht entwickelt.

Wenn schon ein natürliches Gefühl dem Sch:n- kcnden zu raten pflegt, was er für jeden wählt, und obgleich ein erzogener Takt kein Mißver­hältnis in der Gröhe des jeweiligen Angebots aufkommen lasten wird die Art, mit der man Vertreter des Weihnachtsmann Symbols »u beschäftigen bemüht, zeigt öfter den verstän­digen Willen als ein selbstverständliches Geschick.

Denn wenn es nicht so wäre: es wäre mit nichts zu erklären, daß Weihnachtsgeschenke so leicht auf den Reiz des Persönlichen verzichten, der die Gabe erst aus der täglichen Ebene eines nützlichen Güteraustauschs heraushebt und sie in die Bezirke rückt, wo die sachlichen Ordnungen spielend gelockert und lediglich von einer heiteren Herzlichkeit bestimmt sind.

Doch nur selten wird diese sanfte Schwerelosig­keit erreicht.

Kultur des Schenkens.

$on Harry schreck.

Vichts ist reizender als ein charmantes Weih­nachtsgeschenk

Der Beschenkte, den es zur gelegenen Zeit über­rascht, betrachtet es mit den freundlichen und an­genehmen Empfindungen, die eine graziöse Ab­sicht, ein liebenswürdiger Zufall und eine ver­bindliche Aufmerksamkeit zu wecken vermag: und gern wird der Mensch, dem es als das Zeugnis einer geneigten Gesinnung begegnet, die anmutige Aeußerung eines klugen Herzens schätzen.

Er wird sie um so mehr zu schätzen wissen, wenn das Geschenk, mit dem sich der ilebcrfenber unvermutet vor stellt, die zwanglosen Zeichen einer Stimmung trägt, die aus dem Augenblick erwuchs und deshalb nichts von jener zwectbcwußten Bei­mischung verrät, die ihrem Angebinde wider den eignen Willen eine unglücklich: Färbung gibt, in­dem sie es als einen Wert überreicht.

Weihnachtsgeschenke verlangen somit eine beson­dere Kultur...!

Rat toollen wir nicht entbehren Gebe Gott, daß Sic noch lange gesund und frisch weiterhin mit uns in der Kammer zusammcnarbeiten zum Wohle von Handel und Industrie, und damit auch zum Wohle unseres gequälten, dem Rieder­bruch nahen Vaterlandes, an dessen bessere Zu­kunft zu glauben wir nicht aufgeben, und an der wir gemeinsam mit Ihnen mitwirken wollen, soweit es in unserer Kraft steht. Möge es Ihnen, verehrter Herr Kommerzienrat, der Sie die ganze Trübsal des RiedcrgangcS unseres Vater­landes mit durchleben mußten, gegönnt fein, auch noch die Morgenröte des Wiederaufstiegs mit zu erleben."

Rach Verlesung der Ehren-Adrefsc kam die große Verehrung und hohe Wertschätzung in besonders erhebender Weise zum Ausdruck, als Herr Kommerzienrat R a m s p c ck dem treuen Führer im Ramen der Kammermitglieder mit dcn herzlichsten Worten ein wertvolles Geschenk überreichte und ferner seine Aufmerksamkeit auf fein geschmücktes Bild lenfte. weiches in der Bilderreihe der seitherigen Dorsitzenden der Han­delskammer für die kommenden Gesch.echter zum Gedächtnis Aufnahme gesunden hat.

Hierauf richtete

der Syndikus der Kammer, Herr Or. Zeidler,

die folgenden Worte an Herrn Kommerzienrat Schirmer.

Hochgeehrter Herr Kommerzienrat! In be­redten Worten hat soeben Herr Kommerzienrat R a m s p e ck unter dem Beifall der Versamm­lung Ihrer großen Verdienste gedacht, welche Sic sich während einer 32jährigen Zugehörigkeit zur Kammer um Handel und Industrie deS Be­zirks erworben haben. Wenn ich mir nunmehr erlaube, das Wort zu ergreifen, so geschieht dicS im Ramen der Beamten und Ange­stellten der Kammer. Die Berechtigung zu dieser unserer Kundgebung glaube ich auS der Tatsache herleiten zu dürfen, daß ein ganz besonders cngeS Verhältnis zwischen Ihnen alS dem Präsidenten der Kammer und unS als deren Beamten unt> Angestellten besteht. Ist doch im Lause der vielen Iahre selten ein Tag vergangen, an welchem nicht die Geschäste der Kammer den einen oder anderen von uns mit Ihnen zusam­men geführt haben.

Und da möchte ich doch in dieser feierlichen Abschiedsstunde und vor dieser festlichen Ver­sammlung es laut und freudig bekennen, wie Sie, Herr Präsident, uns bei dieser engen Zu­sammenarbeit stet» ein leuchtende» Vorbild ftruefter und gewissenhaftester Pflichterfüllung gewesen sind, keine Angelegenheit war zu gering­fügig, keine Aufgabe zu groß und zu schwierig, welcher Sie sich nicht mit der gleichen Sorgfalt In nimmermüder Bereitschaft, mit starker Ent­schlußkraft und voller Verantwortungsfreudig­keit gewidmet haben.

Rchmcn Sie deshalb vor Ihrem Scheiden die Versicherung entgegen, daß Ihr Vorbild auch in Zukunft bei Erfüllung der dienstlichen Pflichten uns immer ein starker Ansporn sein wird, daS Beste zu leisten zum Wohle von Handel und In­dustrie des Kammcrbczirks. Tiber auch herz­lichen Dank möchte ich in dieser Stund« sagen für die freundliche und wohlwollende Ge­sinnung, welche Eie uns zu jeder Zeit und in allen Lebenslagen bekundet haben Darum ist cs uns auch ein aufrichtiges Bedürfnis, unseren tiefgefühlten Dank nicht nur in vergängliche Worte, sondern auch in ein sichtbares und dauerndes Gewand zu kleiden, Und so darf ich Sie denn, hochgeehrter Herr Kommerzienrat, bitten, eine bescheidene Gabe als Zeichen unserer Dankbarkeit und mit der Bitte um freundliche

Zeitschriften.

-$®ffe"lanb" Monatsschrift für LandeS- unb Volkskunde, Kunst und Literatur Hessen« herausgegeben von Dr. E. Hrtzeroth (Verlag, R. G. Eiwert, Marburgs beschließt mit dem 12. Heft Öen ersten Iahrgang nach der Reugestoltung. DaS vc-lr- in erster Linie der altehrwürdigen Lan­desbibliothek in Kassel zu ihrem 350jährigen Iubi- laum gewidmet. Ibr Direktor, Dr. W. Hopf, schil­dert ihren Entwicklungsgang. Dr. W. Grothe be­schreibt die reichhaltige Dibelsammlung der- bliothek. Dr. W. Rkeyer, Darkhau'en, und Pro­fessor Dr. Fr. Wachtsmuth führen die Debatte über das interessante Grundrißprvblem der Elisa- bechkirche in Marburg fort

Rero.

Don Zrih Oroop.

Wenn ich an meine Kindheit denke, so kehrt die Erinnerung besonders gern zu einem Bruder mei- nes Balers zurück, der einen schonen braunen Jagd­hund hatte. Ich weiß nicht, wem meine größere Liebe gehörte, dem Onkel oder dem Tier: denn der Hund war blind und der Onkel pflegte ihn mit rührender Anhänglichkeit.

2ch habe den langhaarigen Nero nur einmal ge­sehen. Es war wahrend der ersten Serienreife, die ich in die Heimat der Eltern machen durste: unsere Vorfahren wohnten am Fuße des Teutoburger Wal­des und meine Phantasie bevölkerte unsere Ahnen- galerie mit allerlei Helden, die es mindestens mit Hermann dem Cherusker aufnehmen konnten. Mit dem Vornamen hatte sich als äußerliches Attribut heldischer Würde der Backenbatt in der Familie vererbt und er wurde mit großer Sorgfalt gepflegt. Auch Nimrod trug bekanntlich einen Bart.

Nero hatte seinen Herrn auf hundert Jagden be« gleitet ^und manche Siegestrophäe heimgebracht. Eines Tages aber war der Hund mit unsicherem (Sang durchs Zimmer gekrochen und der Tierarzt halte in beiden Augen eine starke Trübung des Glaskörpers feftgeftellt, die schon bald daraus zu völliger Erblindung des Hundes führte. In dieser Verfassung lernte ich Nero kennen.

Kinder lieben kranke Tiere noch mehr als kranke Menschen: auch wir Weiteren, fühlten mehr Mitleid mit ihnen, weil wir meinen, sie müßten noch tiefer leiden, weil sie stumm sind und wir nur ahnen können, was sie quält. Kranke Menschen können uns über ihre Schmerzen verständigen, der Hund aber blickt uns mit traurigen Augen an, um Hilfe flehend, weil er uns vertraut. Mancher Tierfreund greift öann wohl aus Mitleid zum befreienden Gift oder zur Schußwaffe, um dem stummen Leid ein Ende zu bereiten.

Nero aber sollte leben, bis der Tod ihn freiwillig holte: er schien sich wie ein weiser Philosoph in das Unabänderliche hineinzufinden, nahm das Schicksal wie eine Fügung unb_ kauerte meist neben dem Ofen, auch wenn der Sommer das Feuer ausge­blasen hatte. Mittags machte er feinen gewohnten Rundgang um das Haus, oder er spazierte nach dem Mühlenteich, der zwanzig Schritte hinter dem Hause lag. Hier traf Nero auch seine Spielkameraden, die Kinder des Nachbarn, die er nach ihren Stimmen unterschied.

Hundefreundschaften hatte Nero nicht: der dicke Mobs des Tierarztes war ein Hypochonder, der

Allen Einwendungen zum Trotz haben Re­gierung und Koalition ihren Willen durchgcsctzt und der Bevölkerung eine Erhöhung der Stcuer- Iciftung von 4,5 Millionen Mark cufgcbüröct Als Redner meiner Fraktion habe ich vergebens gewarnt und nochmals die Wege gezeigt, die unseres Erachtens allein eine gründliche Sanie­rung verbürgen. Die Mehrheit hatte die Macht und hat sie ausgenützt. Die Zukunft wird zeigen, wer recht hatte: die Koalition, die nicht die Erkenntnis oder den Mut hat. frühere grund­legende Fehler einzugestehcn. oder w i r. die be­haupten, daß ohne grundsätzliche älmkehr eine _ v | wirkliche und dauernde Sanierung nicht mög-

Senkung der Realsteuern. Die I lich ist.

schreibt für Länder und Gemeinden ab 1 April 1931 die Herabsetzung der Grundsteuer um 10 Pro­zent, der Gewerbesteuer um 20 Prozent zwingend vor. Der hessische Finanzminister, dessen Vorgänger noch vor einigen Iahren erklärt batte, die Real steuern seien in Hessen bis zuräuherstenGrenzeangespannt.er- h ö h t die Grundsteuer gleich um 200 Prozent, von 12 Pfennig auf 36 Pfennig. Ich habe im Landtag erklärt, wenn in Preußen im vergangenen Iahr die Grundsteuer verdoppelt wurde und wenn sie jetzt in Hessen verdreifacht wird, so kann man ein solches Vorgehen, das im diametralen Gegensatz zu den Tendenzen der Rcichspolitik steht, nur als eine Sabotage der Reichspolitik be-

Nach der Schlacht.

Don Äürgenneister

Dr. Niepoth, M. b. Schlitz.

Mit dem Reichstag ist auch der Hessische Landtag in die Weihnachtsserien gegangen, nach­dem er in der kurzen Tagung neben allerlei Kleinkram Gesetzesvorlagen von höchster Bedeu­tung verabschiedet hatte, Vorlagen mit dem Ziel, den hessischen Haushalt zu sanieren und die Gemeindesinanzen vor einet sonst zwangs äusigrn Zerrüttung zu bewahren. So einverstanden die Deutsche Dolkspartei mit den Plänen des Fi­nanzministers an und für sich war, hatte sie doch schon seit Iahten mit aller Entschiedenheit einen ausgeglichenen Staatshaushalt allein drin­gendes Erfordernis erflärfc * die Mittel, deren er sich bedienen will, erschienen ihr ver­kehrt und nicht ersolgversptechend. Statt endlich das zu tun, was wir übrigens in voller Mebereinftimmung mit dem Gutachten des Spar- kommissars schon oft, zuletzt in diesem Früh­jahr gefordert hatten, nämlich

1. Dezentralisatton der Verwaltung von oben nach unten,

2. Abstoßung nicht unbedingt notwendiger Aus­gaben,

3. Beschränkung der Zahl der Beamten auf solche, die staatliche Hoheitsaufgaben zu er­füllen haben,

bat man Im Finanzministerium entweder nicht die nötige Einsicht, die Wurzel des Hebels zu erkennen oder nicht die nötige Energie, sich den verschiedensten leicht erklärlichen Wider­ständen gegenüber durchzusetzen. Mag man zu­nächst zur Frage der Besoldung der Be- omtenanwärter stehen, wie man will, nie­mand wird bestreiten können, daß die schemati­schen Maßnahmen der Regierung, die keinerlei Rücksicht auf die außerordentliche ileberalte- rung deS Anwärterstandes nahmen, in diesen das Gefühl erwecken mußten, sie seien Personen min­deren Rechtes. Vor allem aber mußte und muh es tiefe Erbitterung erzeugen, wenn Beam'.enanwär- ter sehen, daß man zwar sie, weil sie wehrlos sind, zum Opfer der Sparsamkei'.spo.ilik macht, sich aber nicht scheute, Personen zu Beamten zu ernennen, deren Befähigungsnachweis lebig* l ich in ihrer Parteizugehörigkeit be­stand und die ohne Rücksicht auf die gebotene Sparsamkeit, die wenn irgendwann hier am Platze gewesen wäre, besoldet werden. Oder muß cs nicht als Hohn wirken, daß man, dem Drängen unserer _ Fraktion nachgebend, die Stellen der StaatSräte in den Ministerien zwar auf den Inhaber setzte, vorher aber noch rasch durch mehrere Rcuemennungen die Maßnahmen größ­tenteils illusorisch machte? Man kann gerade aus diesen psychologischen Gründen heraus die Er­regung verstehen, und die Regierung wird sich nicht wundern dürfen, wenn sie das erntet, was sie gesät hat.

Roch unverständlicher als auf dem Gebiete der Beamtenbesoldung sind die Vorschläge des Finanzministers, durch Erhöhung der Grund st euer und der Sonderge­bäude st euer im Gesamtbetrag von 4,5 Mil­lionen dcn Ausgleich deS Haushalts herbeiführen zu wollen

Während man in den verantwortlichen Stellen des Reichs endlich erkannt hat, daß die Höhe der öffentlichen Lasten eine der Hauptursachen un­serer innerwirtschaftlichen Schwierigkeiten ist, geht man in Hessen den ausgetretenen Weg der Steuer­erhöhungen weiter. Der R e i ch s f i n a n z m i - n ist er hat sich überzeugt, daß gerade die Real steuern die als Obcktsteucm auf die persönliche Leistungsfähigleit des einzelnen nur in sehr geringem Umfang Rücksicht nehmen können gesenkt werden müssen. Er hat sich deshalb im Gegensatz zu früheren Gelegenheiten nicht mit Redensarten und haltlosenEmpfehlungen" be­gnügt: die Rotvcrordnung des Reichspräsidenten

Don der Industrie- und Handels­kammer Gießen wird uns berichtet:

Am vorgestrigen Tage berfamm eiten sich die Mitglieder sowie die Beamten und Angestellten der Industrie- und Hanbeiskammer Gießen im ge chmückten S hungs aale zu einer schlichten Ab - schiedsfeier für den seitherigen Do r- fitzenden. Als Herr Kommerzienrat Schir­mer die Stätte seines langjährigen Wirkens be­trat, erhoben sich die Dersainmclten zu seinen Ehren von ihren Plätzen, worauf

der stellvertretende Vorsitzende/ Herr Kommerzienrat JL mspeck, bie folgende Ansprache an ihn richtete:

Sehr geehrter Herr Kommerzienrat! Mir ist die ehrenvvl.c Aufgabe zugefallen, Sie heute rm Ramen der Kammcrmitglicder auf das herz­lichste zu begrüßen und Ihnen Dank zu sagen für al.es, was Sie im Dienste der Kammer in dcr langen Reihe von Iahren getan haben. Ich habe die Aufgabe einesteils gerne über­nommen, anderenteils bereitet sie mir einen tie­fen Schmerz, den alle, welche dcr Kammer an- achören, mit mir teilen, da Sic von uns schei­den wollen. Das Ansehen, welches Sie in wei­testen Kreisen genoßen, und das Vertrauen, welches Ihnen insbesondere die Kaufmannschaft entgegenbringt, war bie Veranlassung, daß Sie im Iahre 1894 als Handelsrichter berufen wur-

DicI zu oft gleichsam zum Dienst: und sic tun das mit einem gediegenen Emst.

Wer sic so cintreffcn sieht, weiß zwar genau, daß sie eine freundschaftliche Botschaft auszurich- ten wünschen: und er weiß ebensogut, daß die äußere Hülle, die sie beim Einkauf im Geschäfts­raum auf den Weg bekommen, wohl sicher mfr et­was Aeußcrlichcs ist. Aber obgleich er das weiß er weiß schließlich auch, daß man eine Kultur dcs Schenkens pflegen sollte.

... eine Kultur, in der das Wie bezeichnender als das Was ist.