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Leichte Besserung der Lage in Spanien.

Llmfangreiche militärische Maßnahmen -er Regierung. Ohne Parlamentseinberufung keine -auern-e Ruhe. Wieder Grenzverkehr

rebeis.

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Ccrmr.ander Eatado

Die ersten Funkbilder von der spanischen Revolution.

Links: Soldaten bewachen den Eingang der Pyrenäenfestung I a c a. nachdem die Revolte niedergeschlagen und das Todesurteil an den beiden Führern des Aufstandes vollstreckt wurde. Rechts: Der Kommandant der Festung Jaca, Estado Mayor (links), der den Aufstand der Besatzung mit Hilfs­streitkräften niederzuschlagen vermochte

.>20000 Mann mobilisiert.

Einberufung der Kammer gefordert

Paris, 17. De). (WTB.) Rach einer Rachrichk des Sonderberichterstatters der ZeitungLa France de Bordeaux" aus hendaye sollen aus Madrid an­gekommene Reisende erklärt haben, daß in der Hauptstadt völlige Ruhe herrsche und der Straßenverkehr normal sei. An den hauptplähen der Stadt ständen Mllitärposten. 3n Santander dauere der Streik an. Die am Montag in Madrid verfügte allgemeine Mo­bilisierung soll 3 2 0 0 0 0 Mann umfaßt haben. Rach den Unruhezentren in der Provinz seien Truppen abgesondl worden mit dem Beseht, die Ruhe um jeden Preis aufrechtzuer­halten. Die spanische Regierung soll die Aus - l i e s e r u n g des spanischen Fliegermajors Franco beantragt haben, mit der Begründung, er habe Militärflugzeuge entwendet und mit diesen fremdes Gebiet, nämlich Portugal, überflogen.

wie havas aus Madrid berichtet, Hal dort eine Besprechung spanischer Führer slattge- funden. Rach dieser Besprechung wurde den Jour­nalisten mitgeteilt, daß die betreffenden Persönlich­keiten hinsichtlich der politischen Lage in Spanien übereinstimmend der Ansicht seien, daß es angesickts der gegenwärtigen Vorkommnisse nicht mehr möglich sei, ohne Einberufung der Sommer die gegenwärtige schwierige politische Lage zu lösen.

Ein Bericht der Regierung.

Paris, 17.Dey (WTB.) havas berichtet aus Madrid: In Barcelona wurde für fünf verdächtige Regimenter das Sriegs- recht proklamiert. Barcelona steht unter dem Kom­mando von fünf Generälen, die der Regierung ergeben sind. Die R e g i e r u n g hat gestern abend eine Mitteilung über die Lage veröffentlicht. Da­nach ist der Generalstreik allgemein in folgenden Provinzen: La Loruna, huelva, Jaen,

Logrono, Raoarra, Santander, Biscaya und Sara­gossa. T e l l st r e i k s herrschen in Cordoba, Gra­nada, Lerida und Sevilla. Die übrigen Provinzen sollen vom Streik verschont sein. 3n mehreren Ge­genden ist es zu Zwischenfällen gekommen. 3n Collosa, Segura (Alicante) und in Elche (Alicante) versuchten Manifestanten, den Straßenverkehr zum Stillstand zu bringen. Zwischen ihnen und der Po­lizei gab es Z u s a m m e n st ö ß e. 3n Gijon ist eine Gedenktafel mit dem Ramen Primo de Rive­ras von einem 3esuitenkloster herabgerissen worden. Die Täter haben die Fenster des Klosters mit Stei­nen eingeworfen Polizei trieb sie auseinander. Einer der Angreifer wurde getötet. Die Rote er­klärt zum Schluß, daß der Regierung aus zahlreichen Gegenden und von vielen Verbänden Zuschriften zugegangen seien, in denen ihr deren Ergebenheit versichert wird. Die Lage beginnt, so heißt es weiter, wieder normal zu werden. Die gleiche Erklärung wurde im Anschluß an einen gestern abend abgehaltenen M i n i st e r r a t von dem Bruder des Ministerpräsidenten abgegeben, der außerdem mitleilte, daß das Bataillon der spani­schen Fremdenlegion angesichts der Besserung der Lage nicht nach Madrid kommen werde.

Aus Segura wird gemeldet, daß in den Orten Segura und Porte Rougerond Plakate mit der Auf- schri't:Rieder die Monarchie, es lebe die Republik!" während der Rächt angeschla­gen worden seien. Zivilqardislen hätten sie wieder entfernt.

Ergänzende Havasmeldunge .

Paris, 17. Dez. (WTB.) lieber die Vorgänge in Spanien liegen heute abend mehrere havas- meldungen vor. Danach herrscht in Alicante Generalstreik. Die Loden hatten geschlossen, wurden aber durch Militärpatrouillen ver­anlaßt, wieder zu ö s s n e n. Einige Straßenbahn­wagen, die im Verkehr waren, wurden mit Steinen beworfen, so daß sie wieder in die Depots zurück­kehrten. 3n Barcelona hat die Polizei im Laufe des vormittags mehrere Arbeiter, die ihre Kollegen

zum Streik ausforderten, verhaftet. Das Gas- und Elektrizitätswerk wurde durch Arbeiter der freien Gewerkschaften bedient. 3n Valencia ist heute an Bord des DampfersEspana" ein Trupp spa­nischer Fremdenlegionäre aus Marokko eingetroffen. Die Fremdenlegionäre wurden in Paterna untergebracht.

Besserung an

der sranzösi ch-spanischen Grenze.

Paris 17. Dez. (WTB.) Die Lage an der französisch-spanischen Grenze scheint sich zu bessern. Man kann mit einem ge­wöhnlichen Paß die Grenzepassieren. Auch Waren werden wieder befördert: nur die französischen Zeitungen werden nicht durchgelassen und die Spanier kommen in Scharen auf französi­sches Gebiet, um sich aus der französischen Presse zu informieren. 2lus Figueras wird der Ab­transport eines Regimentes aus San Quintin nach Barcelona gemeldet.

Wiederaufnahme des spanischen Telegrammverkehrs.

Paris, 17. Dez. (WTB.) Wie Havas aus Madrid berichtet, sind die telegraphi­schen Fernverbindungen in ganz Spanien wieder ausgenommen worden.

Gesandter Rauscher 1*.

Berlin, 18. Dez. (WTB. Funkspruch.) Der deutsche Gesandte in Warschau, Ulrich Rauscher, ist heute nacht in St. Blasien, wo er sich zur Heilung seines Leidens aufhielt, im Alter von 46 Jahren gestorben.

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Ulrich Rauscher wurde am 26. Juni 1884 in Stuttgart geboren. Er studierte nach Durchlaufen des Gymnasiums Rechtswissenschaften und wandte sich dann freier schriftstellerischer Betätigung zu. Politisch betätigte er sich erstmals als Korrespondent derFrankfurter Zeitung". Während des Krieges war er zuerst im Kriegspresseamt, dann längere Zeit in einer Zivilstellung am Generalgouvernement in

Brüssel und zuletzt zwei Jahre Armierungssoldat an der Front. Noch der Revolution trat er zur Sozial- demokratie über. In seiner späteren Stellung als Pressechef bei der Reichskanzlei (mit dem Titel Mi­nisterialdirektor) hat er fortlaufend Einfluß auf die politische Entwicklung genommen. Auch die Nach, richtenstelle des Auswärtigen Amts kam später in feine Hand, wie überhaupt die gesamten Pressestellen der einzelnen Aemter unter ihm vereinigt wurden. Anläßlich des Kapp-Putsches war es Rauscher, der den Aufruf zum Generalstreik mit den Unterschriften des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers her- ausgab, der von diesen beiden dann aber nicht ge- deckt wurde. Infolgedessen schied er im April 1920 aus der Reichskanzlei aus.

Bald darauf wurde er als Gesandter für Athen genannt; es erfolgte jedoch seine Ernennung als Ge­sandter in a. o. Mission bei der Sowjetrepublik Georgien. Hier blieb er bis zu seiner Ernennung zum Gesandten in Warschau.

Rede -es Außenministers bei -er Bolivar-Feier.

Berlin, 17. Dez. (WTB.7"I«r Erinnerung an den 100. Todestag des Befreiers Simon Bolivar fand heute aöend in den Festräumen von Kroll eine Feier statt. Unter der Führung des Äuntius Orsenigo hatte sich das gesamte diplomatische Korps eingefunden. Deutscherseits waren in Vertretung des Reichspräsidenten Staatsselretär Dr. Meißner, ferner Reichs­kanzler Dr. Brüning, Reichsauhenminifter Dr. Curtis, Reichstagspräsident Lobe, sowie zahlreiche Vertreter der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden, der Reichswehr, der Reichs­marine, der Wirtschaft, Industrie und des Han­dels. der Wissenschaft, der Kunst und der Presse er chienen.

Die Feier wurde ein geleitet mit der Rational» Hymne von Venezuela. Hierauf hielt der Ge­sandte der Vereinigten Staaten von Venezuela, Minister Dr. Eduardo 3. Dagnino Penny, die Eröffnungsansprache, in der er ein Bild des großen Menschen Bolivar zeichnete.

Aach der Rede des venezuelanischen Gesandten nahm

Beichsaußenminister Or. EuriiuS

das Wort zu längeren Ausführungen, in denen er zunächst darauf hinwies-, daß er schon kürzlich in Genf Gelegenheit gehabt hätte festzustellen, eines wie hohen Ansehens und wie großer Bewunderung sich der Name Bolivars erfreue. Der Minister erklärte dann u. a.: Heute vor 100 Jahren sank ein Mann ins Grab, der in den sogenannten boliva- rianischen Ländern Südamerikas, Venezuela. Co­lumbien, Granada, Ecuador, Peru und Bolivien, als ein Symbol der Freiheit und Unab­hängigkeit angesehen wird, der, als Feldherr, Staatsmann und Mensch in gleicher Weise verehrt, den Völkern Südamerikas und der ganzen Welt noch heute als leuchtendes Vorbild vorschwebt. Sein Werk gehört der Geschichte an, jener großen Rich­terin, die mit Unbestechlichkeit und Gerechtigkeit die Taten der Menschen beurteilt uyd sie verwirft oder anerkennt. Wenn seine Taten auch in erster Linie seiner Heimat galten, wenn seine Bestrebungen auch darauf gerichtet waren, fein Vaterland einer fre.en und unabhängigen Zukunft entgeaenzuführen, so erhebt sich doch seine Gestalt im Lichte der Geschickte weit über den Kreis jener Länder hinaus, und seine Gedanken, die dem Fortschritt der Menschheit aal­ten, sichern ihm heutigen Tages die Bewunderung der ganzen Welt.

Für uns Deutsche, die wir heute des Todes­tags Bolivars im Gefühl der Gemeinschaft und gei­stigen Verbundenheit mit den Ländern gedenken, denen sein Lebenswerk die Unabhängigkeit, die Freiheit und den Fortschritt gebracht hat, für uns bedeutet dieses Lebenswerk Bolivars auch zugleich den Anfang und den Ausgangspunkt unserer poli­tischen, wirtschaftlichen und geistigen Beziehungen zu jenen Ländern,

Beziehungen, die zum gegenseitigen Ruhen ein immer engeres Band der Freundschaft und des gegenseitigen Verständnisses um unsere Völker zustande brachten.

Gießener Stadttheater.

St. John Crvtne:Tic erste Frau Selby".

Es war ein angenehmer und in jeder Hinsicht er­freulicher Abend. Wobei wir noch gar nicht in An­schlag bringen wollen, daß er erheblich früher als vorgesehen zu Ende war: das ist nämlich nicht nur bei schlechten, sondern auch bei guten Stücken durch­aus ein Vorzug. (Wir machten nicht mißverstanden werden i

Eroine wurde unseres Wissens bisher in Deutsch­land noch nicht vorgestellt; der große Erfolg der Ersten Mrs. Seldy". mit der kürzlich die berühmte Massary auf der Sprechbühne debütierte, hat ihn vorzüglich eingeführt und ihm von Berlin aus die Provinz erobert. Wir bekennen, daß es ein Ver­gnügen und in diesen theatralisch mageren Zeiten sogar ein Gewinn war, die Bekanntschaft des liebenswürdigen Gentlemans zu machen.

Was er da geschrieben Hal, in drei Akten, knüpft an die beste englische Lustspieltradition an. Man könnte an Wilde denken, obschon Eroine sich min­der literarisch gebärdet, obgleich sein Stück nicht ganz so spritzig gemacht ist, nicht soviel Charme und soviel Esprit besitzt, wie ihn der Dichter derSa­lome" und desDorian Gray" über seine Salon­dramen ausgegossen hat.

Eroine sucht nicht und das berührt den mo­dernen Menschen im Theater sehr wohltuend die Pointe und den Aphorismus um jeden Preis ... selbst auf Kosten der Wahrscheinlichkeit und der Psychologie. Wilde sagte selbst (und es ist nicht an­zunehmen, daß er nur die literarischen Kollegen da­mit gemeint hat):Wer unter die Oberfläche schürft, tut es auf eigene Gefahr." Hier darf man. Es schadet nichts.

Dieses Stück verzichtet auf Feuerwerk und benga­lische Beleuchtung. Es bleibt sozusagen immer mit beiden Beinen auf dem soliden und zuverlässigen Boden der englischen Wirklichkeit. Dabei ist es gar nicht langweilig, sondern sehr amüsant. Es hat eine gewisse Trockenheit und Nüchternheit, die ganz zeit­gemäß wirkt. Dabei hat es durchaus auch Herz, denn es handest sich hier um eine Ehe- und Schei­dungsgeschichte und also (oder trotzdem?) um Dinge des Gefühls. Dieses Stuck endlich ist ein Salon- Stück; es hat nichts von Wallace und auch gar nichts Reißerisches an sich. Dennoch ist es bis zuletzt spannend. Es bezieht nur seine Span­

nungselemente aus andern Quellen, als man es bei modernen Dramen gewohnt ist.

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Aus dem Titel geht schon hervor, daß es auch eine zweite Frau Selby geben muß. Zwischen beiden: Herr Selby. Wenn man noch hinzufügt, daß er, nachdem er von der ersten geschieden wurde, sich nun von der zweiten, mit Hilfe der ersten, ebenfalls- scheiden läßt, um zur ersten zurückzukehren, dann ist zwar die Fabel dieser drei Akte bereits erzählt, aber im Grunde auch nur das Allernötigste über dieses Stück ausgesagt. Man soll es sich aber nicht erzählen lassen, sondern man soll es sich ansehen.

Es kommt hier nicht so sehr auf die Tatbestände an: die kann manim Leben" einfacher, banaler, weniger kultiviert und weniger romantisch haben. Sondern es kommt darauf an, wie das gemacht ist und wie das gesagt wird, mit allem Beiwerk, mit allen Pointen und all den kleinen Ueberraschungen, Enttäuschungen und Humoren, die sehr geschickt und ganz unaufdringlich aus dem Alltag und der (nicht nur englischen) Wirklichkeit in die drei Akte hinein­komponiert sind. Wir werden uns hüten, das alles auszukramen.

Dazu ist ja eben das Theater da. Sonst könnte man die Stücke, statt sie zu spielen, bequemer le­sen oder sich vorlesen lassen. Der Spielleiter Wal­ter B ä u e r l e hat die Aufgabe des Theaters in diesenr besonderen Falle durchaus mit Ver­ständnis, Takt und einem gerade hier unentbehr­lichen Sinn für Humor gelöst und eine sehr hüb­sche, wohltemperierte und gepflegte Aufführung zustande gebracht, die man mit Vergnügen an sich vorübergehen läßt. (Aur sollte auf eine kor­rekte englische Aussprache geachtet werden.)

Die Massary-Rolle, die diesem Stück den Weg bereitet hat, spielte Maria Koch: so gescheit, so reserviert und so kultiviert, wie man das bei ihr gewohnt ist; dies war die gegebene Partie für sie: Salondame... und doch auch ein wenig mehr als nur Salondame im konventionellen Sinne; daß sie auch dies kleine Mehr empfunden und zum Ausdruck gebracht hat, ist ihr großes Verdienst.

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Wenn wir oben einen Einwand gegen daö Stück vergessen haben, wäre es dieser: es hat rein theatralisch angesehen - mehrere sehr gute... und zwei minder dankbare Rollen. Zu den guten gehört James Selby. Den besorgt Herr

Bäuerle; knapp, pointiert; tadellose Konver­sation. Zwei reizende Burschen sind die noch nicht völlig erwachsenen Sohne Delbys aus erster Ehe: Wesener und Schelcher machten das mit erfrischender Natürlichkeit.

Die zweite Frau Selby, die vorsichtigerweise im Personenverzeichnis nur als Elsie vorgestellt wird, ist eine unglaublich unsympathische Person; Frl. 3ahn hatte indessen hier Gelegenheit, in einer größeren, ernsthaft angelegten Lustspvel- rolle aus sich herauszugehen und entsprach dieser Aufgabe mit wünschenswertem Temperament. Aus der nicht sehr ergiebigen Charge des Philip holte Herr Hauer mit guter Laune ba8 Beste heraus

Wer einen angeregten Abend verleben will, dem seigrau Selby" freundlich empfohlen. hth.

Oer verdrehte Büchmann.

In einem Äufsatz zur vcbte der Zitate hat der verstorbene Richard M. Meyer einmal gesagt, daß die meisten und beliebtesten Zitate falsch zitiert würden. So wie das Kunstlied zum Volks- liebzersungen wird, io erfährt ein Lichterwort gar häufig im Volksmund allerlei Umformungen und Veränderungen, bis es dann in einer Prägung allgemeine Verbreitung findet, die sich von dem ur­sprünglichen Text unterscheidet. Man kann also von einemverdrehten Buchmann" sprechen, dessen geflügelte Worte" nicht mehr die Genauigkeit be­sitzen, mit de. sie dieser Vater der Zitatentunst auf- zeichnete, und es würde sich wohl verlohnen, einmal eine größere Zusammenstellung solcher falscher Zitate zu geben. Hier feien nur einige Beispiele angeführt. So lagt man z. B. allgemeinDem Glücklichen schlägt keine Stunde", aber bei Schiller heißt es im dritten Akt derPiccolomini":Die Uhr schlägt keinem Glücklichen." Wir zitieren allgemein:Laß, Vater, genug sein des grausamen Spiels", aber in Schillers Taucher" steht:Das grausame Spiel". Ebenso wird stets jene komische Stelle aus Müllners Schick­salsdramaDie Schuld" fal'ch angeführt. Es heißt nämlich nichtErkläret mir, Graf Orindur.doch diesen Zwiespalt der Aatur",sondern:Und erklärt mir, örinbur, diesen Zwiespalt der Aatur." Bis­weilen ist der Wunsch, einen ursprünglich unrh >lh- milchen Ausipruch rhythmischer zu gestalten, an diesen Veränderungen schulo. Allgemein lagt man:Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, In Schillers Fiesko" aber lautet die Stelle im dritten Alt um­ständlicher:Der Mohr hat seine Arbeit getan.

der Mohr kann gehen." Ebenso ist ein bekanntes Zitat aus dem .Don Carlos" etwas vereinfacht wor­den. Es wird nämlich stets zitiert:Der Knabe Kack fängt an, mir fürchterlich zu werden, während in der 6. Szene des 1.Aktes des Schillerschen Dramas dem spanifchen Hofzeremoniell entsprechendDon Carl steht.

In manchen Fällen verliert eine Äußerung, die aus dem Zusammenhang geristen ist, ihre eigentliche Bedeutung. Bei Goethe lautet imWestöstlichen Divan" die Aufforderung an die Huri, die vor dem Paradies Wache hält:Richt fo vieles Feder­lesen, laß mich immer nur herein; denn ich bin ein Mensch gewesen, und das heißt ein Kämpfe« sein." Heute wird vielfach zitiert:Machet nicht viel Federlesen, schreibt auf meinen Leichen stein u w., wobei die urfprüngliche Situation des Gedichtes vollkommen vergessen ist. Eine ungenaue Anführung ist auch das Zitat aus dem berühmten Monolog Hamlets n der Übersetzung Schlegels:von des Gedankens Blässe angekränkelt." Die Verse heißen richtig:Der angeborenen Farbe der Ent­schließung wird des Gedankens Blässe an­gekränkelt." Sehr zahlreich sind die falschen Zitate aus der Bibel, deren Sprüche ja in so umfassender Weise in den Volksmund ubergegangen und voir ihm verändert worden find. So heißt es bei Iesaias und im ersten Petrusbriete in der üutherschen Über­setzungStein des Anstohens", doch wird all­gemein von einem Stein des Anstoßes" gesprochen. Auch das «Lprichwort:Wer Pech angreift, besudelt sich", heißt ursprünglich im 13. Kapitel von Ie>uS Sirach:Der da Pech angreifet, der besudelt sich damit. Aeben dieser unablichtlichen Entstellung be­kannter Aussprüche gibt es auch bewußte Umfor­mungen, die meistens zu komischen Zwecken vor« genommen werden Wer ahnt z.B. heute noch, iafr das oft verwendete Wort:Wo du nicht bist, netc Organist, da schweigen alle Flöten", aus einem Kir­chenlied stammt, und zwar aus der zweiten Strophe eines Gesanges des Barockdichters Erdmann Aeu- meister:Herr Jesu Christ, wo > u nicht bist, ist nichts, was mirenreulich ist." Da hat derunbeccknnte Weiter­dichter schon recht selbstherrlich gehandelt.und ähnuch ist es mit andern komisch verdrehten Zitaten. Wenn z.B. die bekannten Worte aus Goethes Ballade Der König von Thule" umgest.llt werden und man stattDie Augen gingen ihm Über, so oft ee trank daraus" sagt:So oft trank er daraus", so ist das eine absichtliche Verballhornung des Dich­ters, um eine komische Wirkung zu erzielen. So hat also der Volksmund denBüchmann vielfach ver­dreht, bald aus Gedächtnisschwäche, bald aus Be-> auemltchkeitsgründen und bald um des Witzes willen.

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