Abend aber wieder vor das Karlsruher Stadttheater gingen und dort erneut einen Kraftwagen stahlen, mit dem sie sich sodann auf die Reise begaben.
Vor der Ankunft in Gießen hatte das Trio zwei andere Opelautos gestohlen und diese verkauft, um sich Geld zu verschaffen. Als Haupttäter kommt der am 19. Dezember 1901 in Karlsruhe geborene Kaufmann Erich Kitt in Betracht, der einer sehr angesehenen Karlsruher Familie entstammt, nach dem Kriege aber auf die schiefe Ebene geraten ist. Kitt wird von der Karlsruher Staatsanwaltschaft wegen einer Reihe von Autodiebstählen steckbrieflich gesucht. Er nennt sich u. a. Dr. H e l w i g, Dr. Till, Dr. Köhme und Dr. R o l l i tz. Seine beiden Helfer sind bisher noch nicht bekannt. Rach dem Räubertrio wird weiter mit aller Energie gefahndet.
Verein für Luftfahrt in Gießen.
Die Jungfliegergruppe des Vereins für Luftfahrt hielt kürzlich ihre Jahreshauptversammlung ab. Außer den zahlreich erschienenen Jungfliegern hatte sich der Gründer der Gruppe, Geheimrat König, von den Jungfliegern freudig begrüßt, eingebunden. Zunächst wurde der Bericht über die Flugtätigkeit im vergangenen Jahr erstattet. Insgesamt wurden über 100 Starts ausgeführt, in der Mehrzahl auf dem Flugfeld bei Aßlar und einige Anfängerstarts auf der Wiese an der Bergschenke. Es wurden zwei ^-Prüfungen und zwei 6-Prüfungcn geflogen. Von den beiden Segelflugzeugen, die Eigentum des Vereins sind, ging leider eines zu Bruch; es wird aber in den kommenden Wochen in der Werkstätte der Jungflicgcr wieder gebrauchsfertig gemacht. Das andere Flugzeug steht startbereit zu weiteren Schulflügen zur Verfügung. Im Laufe des Sommers sind die von der Stadt Gießen zur Verfügung gestellten Räume in der früheren Zurbuchschen Fabrik als Werkstatt hergerichtet worden. Außer den notwendigen Jn- standsetzungsarbeiten sind im kommenden Winter mehrere Vortragsabende geplant, die das Interesse am Flugsport in weiteren Kreisen der Gießener Bevölkerung lebendig machen sollen. In dem Bewußtsein, ein Jahr erfolgreicher Tätigkeit abgeschlossen zu haben, trennten sich die Jungflieger.
Gießener Wochenmarltpreise.
Es kosteten auf bem heutigen Wochcnmarkt: Kochbutter von 130 an, Butter 150 bis 160, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 8 bis 10, gelbe und rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Untcrkohlrabi 5 bis 5, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 3’/s bis 4, Acpsel 25 bis 40, Dirnen 20 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 100 bis HO, Supvenhühner 100 bis 110, Gänse 90 bis 110, Rüsse 40 bis 60 Pf. das Pfund; Tauben (Stück) 50 bis 70, Eier 16 bis 18, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 6 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück; Radieschen Dd. 15 bis 20 Pf.; Kartoffeln der Zentner 2,20 bis 2,50, Weißkraut 3, Wirsing 4, Rotkraut 5 Mk.
Bornotizcn.
— Tageskalender f ü r Dienstag. Stadttheater: «Das Land des Lächelns". 20 bis 23 Uhr. — Christliche Versammlung Gießen: Bor- trag «Wie werde ich gerettet?", 20.15 Uhr, im Caf6 Leib. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Die Lin^enwirtin" (mit Käthe Dorsch). — Astoria Lichtspiele: «Das wilde Blut" und „Mas- cottchen".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute 20 Uhr auf vielseitigen Wunsch letzte Wiederholung im Abonne- ment der mit so großem Beifall aufgenommenen Operette Lehärs „Das Land des Lächelns" als Gastspiel der Vereinigten Operettentheater Bochum-Hamborn.
— Ein Kirchenkonzert zum Besten der Hinterbliebenen der Opfer der Grubenunfälle zu Alsdorf und Maybach findet am Mittwochabend
Oer Dreizehnte.
Vornan von Anny von panhuys
Copyright 1929 by Verlag Bechthold, Braunschweig.
5. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
3m Hintergrund des Hausganges fand sie die Kollegen schon vollzählig versammelt. Sie war die letzte und es war noch nicht ein halb neun. So überpünktlich waren die meisten sonst nie. Aber fast alle hatten schon etwas von der furchtbaren Neuigkeit gehört, teilweise sogar schon gestern abend.
Zwei fremde Herren fielen Eva auf. 3hre Kollegin, die kleine lebhafte Paquita Casanovas, flüsterte ihr zu: „Das sind Kriminalbeamte. Wir werden alle nachher mit müssen zum Untersuchungsrichter. Wir haben nur auf Sie gewartet. So ein Unfug", entfuhr es ihr lauter, „der Pr .no, der gute Primo soll ein Mörder sein! Dabei ist er den ganzen Nachmittag bei uns aus dem Wagen gewesen und in der Bar, und mit uns zurückgefahren. Die Polizei vertrödelt die Zeit und derweil entweicht der wirkliche Mörder."
Der eine der fremden Herren sagte leicht belustigt: „Da kann sich ja der Derhaftete freuen, das ist ja ein vollstäichiger Freispruch vor der Verhandlung."
Die bildhübsche Paquita gefiel dem schnauzbärtigen Kriminalbeamten. Die ältliche Portera hätte er wohl gebeten, ihre Meinung über die Polizei für sich zu behalten.
Und dann war es soweit. In zwei Autos fuhr man fort und fand sich, ehe man sich recht besann, in einem kühl anmutenden, langgestreckten Zimmer, wurde nacheinander in ein anderes Zimmer geführt. Vor den Kriminalkonnnissar und den Untersuchungsrichter, die beide den aufsehenerregenden Raubmord bearbeiteten. Raubmord war angenommen worden, weil die zwei blauen Brillanten im Werte von einer Viertelmillion vermißt wurden, und eine Summe von fünsund- siebzigtausend Peseten dazu, die Jose Duero am Mordtage morgens in bar erhalten Hütte. Es war ausgeliehenes Geld gewesen, das ihm ein Geschäftsfreund zurückge^ahlt und das am nächsten Tage auf die Dank gebracht werden sollte, wie Primo Duero ausgesagt.
Primo Duero war gestern spät abends noch mit vielen Hin- und Herfragereien gequält worden, bis er apathisch nur noch Ja oder Rein geantwortet. Fast willkürlich: Einmal: 3a! und das nächstemal: Nein!
in der 3vhanneskirche statt. Die Musikkapelle des I.Datls. 15.3nf.-Regts. unter der Leitung von Obermusikmcister L ö b e r und Organist Habicht haben ihre Mitwirkung zugesagt. Das Programm bringt xl a. Werke von 3ohann Sebastian Dach und von Deethoven.
"Sitzungen des Provinzialausschusses. Am Donnerstag, 20. November, finden ösfcn.liche Sitzungen les Pxovinzialciulschusfts wie folgt statt: 1. 3m Rathaus zu Dutzbach, vormittags 10.15 Uhr, in Sachen: Antrag der Stadt Butzbach auf Enteignung von Straßengelände an der Ecke Weiseler- und Bahnhofstraße in Butzbach, 2. in der Gastwirtschaft Huber in Wölfersheim, Bahnhofstraße, 13 116r, in der Sache: Antrag des Braunkohlenschwelkraftwerks Hessen-Frankfurt AG. (Hefragi in Wölfersheim auf Grundstücksabtretungen in der Gemarkung Wölfersheim Flur III und IV.
•* Zu Handelsrichtern ernannt. Ernannt wurden Kommerzienrat Adolf Kling- s p o r in Gießen, Kaufmann 3osef Sauer in Gießen, Bankdirektor Ludwig Grieß bauer in Gießen, Fabrikbirektor Peter T h o m £ in Gießen, Kaufmann Louis Hirsch in Friedberg. Direktor Karl Wieland in Butzbach zu Handelsrichtern; Fabrikant Georg Schuchardt in Gießen, Kaufmann Leopold Mayer in Gießen, Kaufmann Karl Fr. L. H i n k e l in Vilbel zu Ergänzungsrichtern bei der Kammer für Handelssachen des Landgerichts der Provinz Oberhessen für die Zeit vom 1. 3anuar 1931 bis 31. Dezember 1933.
" Aufgehobene Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. V. (A. v. D.) Gießen: Die Sperrung der Straße Gießen — Saubringen vom Abzweig der Straße Gießen—Lollar wird ab 17. November, die Sperrung der Ortsdurchfahrt Grünberg im Zuge der Straße Gießen—Alsfeld ab 22. November aufgehoben.
** E i n leichter Verkehrs Unfall ereignete sich gestern gegen 21 Uhr an der Ecke Bahnhofstraße und Westanlage, indem sich von dem Anhänger eines Lastkraftwagens ein Rad löste. Da die Straße um diese Zeit ziemlich menschenleer war, kamen Personen zum Glück nicht zu Schaden.
" Oberhessischer Ge s ch i ch t sv e re i n. Die Veranstaltungen dieses Winters wurden durch einen Vortrag von Geh. Rat Krüger eingeleitet. Vorher fand die diesjährige Mitglieder- Hauptversaimnlung statt, in der der Vorsitzende, Dibliothelsdirektor Prof. Dr. Ebel, über das vergangene 3ahr berichtete, wobei er dem verstorbenen Rechner Oberstabsarzt Dr. K l e w i tz einen ehrenden Nachruf widmete; dem stellvertretenden Rechner Prokurist Frech wurde Entlastung erteilt. Zum Schluß richtete Prof. Ebel einen Appell an die zahlreiche Versammlung, fcem Verein, der doch wahrlich bedeutsame Leistungen für die Provinz aufzuweisen hat, die Treue zu halten und darüber hinaus neue Mitglieder zu werben. Sodann ergriff Geh. Rat Prof. O.Krüge r das Wort zu seinem Vortrag und führte etwa folgendes aus: 3n den 3ahren 1795 bis 1798 erschien eine Zeitschrift' unter dem Titel: „Eudämo- nia oder deutsches Volksglück, ein 3ournal für Freunde von Wahrheit und Recht", deren nicht genannte Herausgeber und Mitarbeiter von ihren Gegnern als „Cudämonisten" bezeichnet wurden. Ziel der Zeitschrift war, dem Einfluß des französischen 3akobinertums in Deutschland entgegen- xutreten, der seit 1793 im sogenannten „Mainzer Club" greisbare Gestalt genommen hatte, und dem die deutschen Aufklärer, besonders im 3IIu- minatenorden, Vorschub zu leisten schienen. Ein im Staatsarchiv zu Darmstadt aufbewahrter in- tüncr Briefwechsel aus dem Herbst 1794 zwischen Ludwig Adolf Christian von Grolman, damals Konfistorial- und Regierungsdirektor'in Gießen, und 3ohann Georg von Zimmermann, Leibarzt des englischen Königs in Hannover, einem sehr bekannten Literaten, gibt über die Vorgeschichte des 3ournals genaue Kunde und ermöglicht es, eine interessante Episode im publizistischen Kampf dieser Zeit lückenlos aufzuklären. 3m Vorder-
Cr hatte sich schließlich so dumpf und stumpf gefühlt, daß fein gemarterter Kopf nichts mehr faßte.
Heute morgen, nach einer Nacht, die ihm wenigstens ein paar Stunden Schlaf gegönnt, fühlte er sich wieder frischer und kräftiger. So entsetzlich die W.rttichkeit war, sagte er sich doch, seine Verhaftung könne nicht aufrechterhalten bleiben. Zuviele vermochten zu bezeugen, daß er gestern nachmittag um die böse Stunde nicht in der Calle Fernando gewesen fein konnte.
ilnö während er darauf wartete, zu neuem Verhör gerufen zu werden, defilierten alle Angestellten der Firma Duero an dem Kriminalkommissar und dem Untersuchungsrichter vorbei. Und 'mit derselben Sicherheit wiederholten alle dasselbe. Sie hatten alle Primo Duero während des ganzen Nachmittags gesehen. 3n der Dar war man um ein halb nach vier gewesen, bezeugte der Chauffeur, er hätte zufällig dort auf die große Saragossauhr geschaut, die über dem Schanktisch angebracht wäre.
Der Packer bestätigte, die Uhr habe ein halb über vier gezeigt, und Primo Duero hätte seine Maske aogeseht wie die meisten, und sich sehr lebhaft mit der deutschen Verkäuferin unterhalten.
Eva Hirtberg war die letzte, die vernommen wurde. Sie beschwor, sich fast vom Anfang der Korsofahrt an bis zur Bar ständig mit Primo Ducro unterhalten zu haben. Dann hätten sie zusammen am Bartisch gestanden und hätten beide die Masken abgenommen gehabt, weil es ihnen zu warm darunter geworden. Auch habe sie Primo Duero wieder den Wagen besteigen sehen und ihn während der zweiten Korsofahrt heimlich beobachtet. Er hätte zuletzt auf einem Stuhl gesessen, den einen Arm auf die Wagenwand gestützt. Anscheinend sei ihm der Lärm und das Toben ringsum über gewesen. Seine Natur passe auch ganz und gar nicht in so ein Narrengewand, setzte sie freimütig hinzu.
Dcr Untersuchungsrichter hielt ihr entgegen: „Aber die Portera beschwört, Primo Duero in dem roten Clownsanzug kurz vor fünf Uhr gesehen zu haben, wie er die Korridortür zur Wohnung aufschloß. Wenn er sich aber ungefähr eine halbe Stunde vorher oben in der Seitenstraße des Paseo in einer Dar befand, dort fast eine halbe Stunde vor Zeugen verweilte, kann er unmöglich dcr Clown gewesen fein, den die Portera gesehen. Könnte sich vielleicht einer der andern Angestellten, alle trugen ja dieselbe Maske, heimlich fortgeschlichen haben? Denken Sie einmal darüber nach, Sennorita!"
Eva Hirtberg sah den älteren Herrn mit dem grauen Haar, der sie fragte, eine ganze Weile
gründe steht dabei, außer den Genannten, Johann August Starck, der Darmstädter Oberhofprediger, dessen unheimliche Persönlichkeit der Vortragende zum Schluß mit wenigen Strichen charakterisierte. Lebhafter Beifall dankte dem Redner für seine interessanten Ausführungen; eine Diskussion fand nicht statt.
** Kirchenkonzert. Am Sonntagabend fand, veranstaltet vom Gemeindeverein der Lukas- gemeinde, ein Kirchenkonzert in der 3ohannes° kirche statt, zu dem sich sehr viele Zuhörer eiix- gefunden hatten. Fräulein von der Heydt (Gesang), Organist R e b e l i n g und der Dläser- chor des Vereins für christliche Musik unter der Leitung von Herrn Riebergall hatten sich zur Verfügung gestellt. Ein sorgfältig ausgewähltes Programm kennzeichnete den Abend. Fräulein von derHeydt sang mit ihrem klaren Sopran die Lieder „Wie lieblich ist der Botin Schritt" (Händel), „So ihr mich von ganzem Herzen suchet" (Mendelssohn-Bartholdy), Largo aus „Ierxes", sowie „Danket dem Herrn" und schuf sich durch die Art ihres Vortrages dankbare Zuhörer. Die Bläser gaben unter anderem Chor und Arie aus „Messias" sehr eindrucksvoll wieder. Unter der Leitung von Herrn Riebergall füllte der Posaunenchor mit wuchtigen Klängen den Raum. Von ben Darbietungen für Orgel gestaltete Organist R e b e I i n g besonders das Toc- cato-Adagio und Fuge in C-Dur von 3. S. Dach zu einem bleibenden Erlebnis.
Oberbeffen.
Aus dem Alsfelder Stadivorstand.
fr* Alsfeld, 15. Rov. Aus der umfangreichen Tagesordnung der jüngsten Stadtrats- sihung ist vor allem der Geländeerwerb zur Erbauung einer Kläranlage zxx erwähnen. Für die Errichtung der Anlage hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, eine dem Freiherrn von Doernberg gehörige Wiese von 3974 Quadratmeter zu erwerben. Da die Eigentümer den von der Stadt gebotenen Einheitspreis von 20 Pf. für den Quadratmeter, der nach Ansicht landwirtschaftlicher Sachverständiger angemessen ist, als zu niedrig ablehnen, wurde beschlossen, Antrag auf Einleitung des vereinfachten Cnteignungsvcrfahrens zu stellen.
Wiederholt beschäftigte man sich mit den Richtlinien für die Arbeitsbedingungen der Fürsorgearbeiter. Die von dcr Daukommission gemachten Vorschläge zur Abänderung des anrechnungsfähigen Arbeitseinkommens von Familienangehörigen, im Zusammenhang mit der dadurch bedingten Verminderung der Arbeitszeit, wurde von den Rednern der Linken bekämpft. Nach längerer Aussprache wurde die Angelegenheit gegen die Stimmen der Linken an die Daukommission zurückverwiesen, die ermächtigt wurde, etwaige Aenderungen der seitherigen Richtlien selbständig durchzuführen.
Eine Neufestsetzung der Bauflucht- linie in der Rambach nebst dem erforderlichen Geländeausgleich wurde nach den Vorschlägen der Daukommission gutgeheißen; ebenso eine im Feldbereinigungsverfahren erfolgte Wegeregulierung an der Gemarkungsgrenze nach Altenburg.
Unter Mitteilungen wurde von sozialdemokratischer Seite beantragt, die Bürgermeisterei möge atebalb Schritte unternehmen wegen Gewährung einer Winterbeihilfe an die Arbeitslosen, Klein- und Sozialrentner. Der Vorsitzende bemerkte dazu, daß erst die Beschlüsse des Landtags abgewartet werden müßten.
3m Anschluß an die Sitzung begab sich der Stadtrat auf Einladung des Stadtbaumeisters auf den Marktplatz zur Besichtigung und Probe- beleuchtung des Marktplatzes mit moderner Flutlichtbestrahlung, die ein sehr wirkungsvolles Bild ergab und die voraussichtlich zur Einführung kommen wird.
Landkreis Wjenen.
* Klein-Linden, 17. Nov. Durch die Arbeiten für die Wasserleitung ergab sich die Notwendigkeit, die ßinbenbäume, die eine
an, als hätte sie ihn überhaupt nicht verstanden. 3n ihrem Kopfe war bei seiner Frage plötzlich ein strudelndes Durcheinander, das sie betäubte, das ihr die Fassung nahm für Momente.
„Der Dreizehnte!" preßte sie hervor, erschüttert von der Erinnerung an das eigenartige Erlebnis gestern.
Die beiden Herren sahen sich fragend an. Was war nun plötzlich mit der hübschen Deutschen, die bisher so ungewöhnlich klare Antworten auf die ihr gestellten Fragen gegeben?
Dcr Kriminalkommissar sagte ein bißchen frostig: „Was' soll das heißen: Der Dreizehnte? Zum Rätselraten haben wir hier nämlich sehr wenig Zeit."
Eva Hirtberg griff sich mit beiden Händen an die Schläfen, in denen kleine Räder ein spukhaftes Schnurren begonnen hatten, und wiederholte mit abwesendem Blick: „Dcr Dreizehnte!"
Die beiden Herren sahen sich abermals an und dcr Untersuchungsrichter meinte in beruhigendem Tone: „Fassen Sie sich doch, Sennorita, denken Sie daran, es gilt, einen Menschen von dem Verdacht zu reinigen, ein Mörder zu sein, und zugleich den Mordbuben zu fassen. Was meinen Sie damit: Dcr Dreizehnte!?"
Eva Hirtbergs Hände sanken von den Schläfen nieder und ihr Blick fand zurück in die kahle, nüchterne Umgebung, in der sie sich befand. Soeben war es ihr gewesen, als ob sie im roten Clownsanzug, auf dem buntgeschmückten Auto wie gestern, den Korso hinauf und hinunter gefahren wäre und mit Primo Duero die Clowns auf dem Wagen nachgezählt hatte.
Sie berichtete atemlos, schalt sich dazwischen selbst, wie ihr so etwas Wichtiges nur erst jetzt einfiel, und erzählte, als man an der Bar ausgestiegen, wären es bestimmt dreizehn Clowns gewesen und dort plötzlich nur wieder zwölf. Soviele, wie man gezählt, als man den Wagen um ein halb nach drei Uhr in der Calle Fernando bestiegen.
Eva sprach klar und deutlich, vergaß keine Kleinigkeit zu erwähnen.
„Der Dreizehnte ist der Mörder!" rief sie, hingerissen von der Wichtigkeit ihres Wissens. „Der Dreizehnte, niemand sonst."
Der Dreizehnte! Der Untersuchungsrichter nickte vor sich hin. Der Fall fängt an, sich besonders interessant zu gestalten. Denn mit der Zahl dreizehn verbindet man meist etwas Unheimliches.
Der Dreizehnte? Der Kommissar riß an seinem Schnurrbart. Ein bißchen stark phantastisch klingt Idas alles, aber durchaus glaubhaft. Er sah den Untersuchungsrichter fragend an, der antwortete nur mit einem zustimmenden Blick.
Straßenseite an der Bahnlinie säumen, zu fällen. So sehr diese Maßnahme zu bedauern ist, so sehr wird sie anderseits im Interesse des überaus starken Verkehrs begrüßt werden, denn es ist nunmehr die Gelegenheit gegeben, den Bürgersteig, der bisher kaum seinen Zweck erfüllte, nunmehr starker zu benutzen.
(-,> Holzheim, 17. Nov. Nachdem Bürgermeister Wetz vor kurzem verstarb, steht man vor der Notwendigkeit, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Das Kreisamt hat als Wahltag den ersten Sonntag im Dezember bestimmt. — Am heutigen Montag begannen d> Holzfäller im Dienste der Gemeinoe ihre Arbeit. 24 Erwerbslose werden in drei Rotten 400 Festmeter Holz schlagen. — Bei einer Z reib - jagb der „Jagdgesellschaft Holzheim" wurden etwa 40 Hasen und ein Reh geschossen.
! Aus dem Horlofftal, 17. Nov. Die Landwirte der Umgebung mußten, nachdem die Kartoffeln seit einigen Wochen Im Keller liegen, feststellen, daß ein großer Teil der Kartoffeln von Fäule, haup.tsäck>lich von Trockenfäule, befallen ist, die ein Auslesen der Kartoffelvorräte notwendig macht. '*• —
Kreis Büdingen.
„ ?" N i d d a, 17. Nov. Der Geflügelzuchtverein Nidda veranstaltet in Gemeinschaft mit den Vereinen von Schotten, Laubach, Büdingen, Gedern, Altenstadt, Düdelsheim, Dauern- heim, Hungen und Selters am nächsten Samstag und Sonntag eine Geflügel - und Kaninchenausstellung. Es werden über 400 Tiere in der Turnhalle zur Schau gestellt, darunter Pfauen, Gold- und Silbersasanen, Kanarienvögel, sowie die verschiedensten Wellen-Sittiche (Papageien!), Truthühner, Hühner, Gänse, Enten usw.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 17. Nov. Bei der von xmferem 3agdpächter (Fabrikant Schunk in Gießen) ab- gefwltenen Treibjagd wurden am ersten Tage 80 Hasen, eine Schnepfe und ein Fasan, am zweiten Tage 45 Hasen zur Strecke gebracht. Rehe wurden auf Anordnung des 3agspächters nicht geschossen.
i Sellnrod, 16. Rov. Heute fand im hiesigen Schulsaale eine Sitzung der K irchenge- meindever tretung des Kirchs Piels Sellnrod statt. Zunächst xrstattete der Vorsitzende, Pfcrrer König (Groh-Eichen), den Bericht über den religiös-sittlichen Zustand der Kir- chengemeinde aus den Jahren 1928/29. Alsdann stand der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1931 zur Beratung, der in allen Teilen einstimmig angenommen wurde. Der erste Teil schlißt ab mit einer Summe von 2507,73 Mk. in Einnahme xmd Ausgabe, der zweite Dell mit einer Summe von 1531,88 Mk. in Einnahme und Ausgabe. Die schon seit langem geplante Kirchenheizung für Sellnrod soll möglichst int Fahre 1931 zur Ausführung gelangen. .
Eichelsdorf, 17. Rvo«. 3n der hiesigen Försterei haben die Holzhauer die Arbeit aufgenommen. Die einzelnen Rotten sehen sich in der Hauptzahl aus den Holzmachern des Vorjahres zusammen. Arbeitslose konnten nur insoweit Verwendung finden, als sie bereits in früheren 3ahren im Holzwald beschäftigt waren. Die Akkordlöhne wurden gegen die des Vorjahres um 20 Proz. gesenkt. Dagegen übersteigt die zu schlagende Holzmenge die durchschnittliche 3ahresfällung um etwa ein Drittel.
f Gedern, 17. Rov. Der hiesige Obst- und Gartenbauverein hielt am Samstag in der „Traube" eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende, Lehrer Häusel, gab zunächst einen Rückblick über die im 3ahre 1930 geleistete Vereinsarbeit. Aus der Mitte der Versammlung wurde angeregt, eine Schädlingsbekämpfung im Laufe dieses Winters wiederum durchzuführen. Viele Fragen über Vaumpflege konnten in anregender Aussprache beantwortet werden. Sodann fand eine Verlosung von 18 erstklassigen Obstbäumen statt.
4.
Dcr Untersuchungsrichter rief dem Polizisten an dcr Tür etwas zu. Der entfernte sich und kehrte bald zurück. Bei ihm befand sich Primo Ducro.
Eva Hirtberg konnte nichts dafür, daß ihr flammende Röte ins Antlitz schoß, daß das Erbarmen über das müde, Der quälte Aussehen des Mannes, für den sie mehr als Sympathie empfand, ihr die Tränen in die Augen drängte.
Sein Blick traf sie und er lächelte ein ganz klein wenig, es war, als wollte er etwas sagen, aber die Stimme des Untersuchungsrichters verhinderte ihn daran.
„Sennor Duero", klang es ausfallend milde an das Ohr des von dem gestrigen scharfen Verhör noch immer etwas Verstörten, „ich drücke 3hnen mein Bedauern aus über 3yre Verhaftung. Die Angelegenheit sprach im ersten Augenblick zu 3hren Ungunsten. Aber 3hr Alibi ist so völlig einwandfrei von beinahe sämtlichen Angestellten des Geschäfts bezeugt worden, daß der Verdacht gegen Sie in sich zusammenfällt."
Primo sah den Richter einen Moment fast erschreckt an. Also war er frei? Brauchte nicht noch einmal immer aufs neue seine Unschuld beteuern und immer auf3 neue wiederholen, daß ihn doch soundso viele Menschen während der fraglichen Zeit gesehen hätten.
Dcr Richter nickte ihm zu. Er beobachtete genau, wie es in dem jungen Mann arbeitete. Eva hätte am liebsten dem grauhaarigen Richter fest die Hand geschüttelt in der ersten stürmischen Freude. Wie gut das war, wie froh sie darüber war, daß der schreckliche Derdacht von Primo Ducro genommen wurde. Sie fuhr sich hastig mit dem Tüchlein über die Augen und blickte scheu hinüber zu dem vor dem Richter Stehenden.
Abcr er sah sie jetzt nicht an.
Dcr Richter sagte freundlich: „Sehen Sie sich. Sennor Duero, und erzählen Sie xms, bitte, was Sie von dem Dreizehnten wissen, der gestern mit 3hnen auf dem Auto fuhr?"
Eva saß, aber Primo hatte noch nicht Platz genommen. Bei dcr Frage des Richters ging es wie ein Ruck durch feinen Körper und er trat mit lebhafter Bewegung einen Schritt näher auf den Frager zu.
3hm ging es, wie es Eva gegangen, der auch erst spät dieser geheimnisvolle dreizehnte Clown eingefallen. Aber sein Gedächtnis hatte noch schlechter gearbeitet. Hätte er nicht schon an diesen Dreizehnten denken müssen, als die Portera unentwegt bet der Behauptung blieb, ihn um die Stunde des Unheils im Hause der Calle Fernando gesehen zu haben?
(Fortsetzung folgt)


