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Goldverieilung und Wirtschastskrisis.

Die Notwendigkeit einer Revision des Reparation«)- und SchuldcnProblcmü.

London, 16. Hob. (WTB.j DerObferver" schreibt u. a. G» scheint, das; da- Problem der Goldverlellung Gegenstand diplomatischer Aktion geworden ist. Der Pounaplan, die DIZ., der bor- läufige Bericht der Golddelegation de- Finanz- au-schrlsse- des Völkerbunds haben Material zur Lösung de« Problems geliefert. Zum ersten Male sei die Forderung nach einer beschleunigten diplomatischen Aktion bon deutschen Politikern er­hoben worden, nämlich bon Dr. Wirth in seiner letzten Aundfunkansprache und hieraus vom Reichs­kanzler Dr. Brüning in der vor dem Reichs- tag abgegebenen Erklärung, in der es hieß, der verhältnismäßige Wert des Goldes und der Wa­ren habe s ich zum R a ch t e i l der Länder mit internationalen Verbindlichkei­ten berändert. Da- Blatt berweist ferner auf die bon Dr. Schacht in Reuyork abgegebene Er­klärung, das; der deutsche Austen handel um 40 bi s 50 Proz. erhöbt werden müsse, um die Voung-Annuitäten bestreiten zu können. ES fährt fort: Die finanziellen Ratgeber der Gläubigerregierungen find gezwungen, mit der Möglichkeit einer Anwendung der Mora- tortumsklauseln des Voungplanes zu rech­nen. Die Frage eine« solchen Moratoriums ist allerdings nur eine Rebensrage des Hauptpro­blem«. Eine wirksame Aktion kann nur aus inter­nationalem Wege erfolgen.

DieDaily Mail" meldet, dast Bankier La­mont bon der Firma Morgan & Go. die An - bäusungenbonGoldin Amerika stark kritisiert habe. Wesentlich offener habe sich Professor Angel bon der Columbia-Universität geäußert. Amerika sei, so erklärte er, die Haupt­ursache für den Druck, der auf dem gesamten europäischen Zahlungssystem laste. Wirksame und dauernde Hilfe könne nur eine Rebision der interalliierten Schulden sowie eine Herabsetzung der Repa ra tl onsver- p f l i ch t u n g e n und der Zollmauern in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern brin­gen. Die Gesa l> reines allgemeinen Zu­sammenbruchs sei grost, wenn nicht die Ver­einigten Staaten bon sich aus freiwillig Schritte ergreifen sollten, um den finanziellen Druck au erleichtern.

Sir Iosuah D t a in p, der britische Ftnanzrnann, erklärte: Wenn die Goldfrage nicht gelöst wird, so werden wir alle in Europa banke­rott gehen. Die Frage hänge hauptsächlich mit der Erhöhung des Goldwertes zusammen, wodurch die Regelung der internationalen Ver- psllchtungcn erschwert werde. Die Lasten seien biel gröster, als Vor einiger Zelt und hierdurch würde die Zahlung der Schulden ganz erheblich beeinflußt. Diese Frage könne nur durch eine energische Zusammenarbeit gelöst werden, Unglücklicherweise seien bleie Staaten noch nicht dazu bereit.

Die Gemeindewahlen in Vaden.

Karlsruhe, 17.Noo. (WTB ) Die Presse- fommentare zum Ausfall der badischen Gemeinde- Wahlen gehen einig In der Feststellung, dast sich durch den ft arten Einbruch der Ratio- nalsozialisten die Mehrheitsverhält­nisse auf den Rathäusern vielerorts völ­lig verschoben haben, so in Karlsruhe, mo die Nationalsozialisten an die Stelle der Sozial­demokraten als stärkste Fraktion getreten sind. Die Kommunisten haben trotz relativen Stimmenzuwachses ihren Besitzstand nicht überall zu behaupten vermocht, dagegen in einigen Städten, a. D. in Mannheim, Karlsruhe und Freiburg, ein vis zwei Stadtvcrordnetenmandate gewinnen kön­nen. Die geringste Wahlbeteiligung halte mit etwa 64 Prozent die badische Landeshauptstadt auszuwei­fen, während aus dem Lande Wohlbetelligungszif- fern bis fast 90 Prozent gemeldet werden. Die Gewinnenden in diesem Wahlkampf sind fast auvschlicstlich die Nationalsozialisten und

Gießener Konzeriverein.

Zweites Konzert: Rosö'Qnartett.

Fast gleichzeitig mit dem Beginn seines sympho- ntfchen Schaffens wendet sich Beethoven mit seinem Opus 18 dem Streichquartett zu. Bon Den sechs Quartetten in Obus 18 gilt das dritte in D Dur als das zuerst vollendete: ihm folgte dann das F-Dur-QuartetL Die ursprüngliche Fassung die­ses Quartetts (Juni 1799) hatte Beethoven seinem Freunde, dem kurländischen Theologen Karl Ferdi- »and Amenda geschenkt. Aber schon ein Jahr später, als Opus 18 im Druck erschien, schrieb Beethoven an ihn:Dein Quartett gib ja nicht weiter, well Ich es sehr umgeändert habe, Indem Ich erst jetzt recht Quartetten zu schreiben weist, was Du schon sehen wirst, wenn Du sie erhalten wirst." Diese Worte mögen uns die Tatsache beweisen, dast Beelboven in der Zwischenzeit erst zu letzter Klar- hett in der Gestaltung des Streichquartetts gelangt war. Der erste Satz des I.Dur-Quartetts wird von einem sehr markanten STopfmotlo beherrscht, das die in ihm ruhenden Möglichkeiten durch den Verlauf des Satzes erschllestt. Dav folgende Adagio affet- tnoso cd appassionato weist in feiner geistigen Hal­tung weit vor In die Zukunft. Es Ist einer von jenen langsamen Moll-Sätzen, die über die Freude an musikalischer Gestaltung hinaus dem menschlichen Erleben In tiefer Vergeistigung Ausdruck gewähren. Eine Ucbcrlleferunfl, die ebenfalls auf den oben­erwähnten Amenda zurückgeführt wird, mag diesen Satz besonders charakterisieren:Als Beethoven sein bekanntes Streichquartett in F-Dur komponiert hatte, spielte er dem Freunde das herrllrt)e Adagio vor und fragte ihn Darauf, was er flch gedacht hcwe. Es hat mir, war die Antwort, den Abschied zweier Liebender geschildert. Wohl, entgegnete Beethoven, Ich habe nur Dabei Die Szene Im Grabgewölbe aus Romeo unD Julia geDacht " Aus Dem Versinken In Der Welt Des Adagios führt das Scherzo hin zur Lebensbejahung; das Finale nimmt durch feine sprudelnde Lebhaftigkeit gefangen.

Al« ein LebenSbekenntniS kann Schuberts Düstere« O-Moll-Quartett gelten, Da« In feinen hier Lätzen Da« Moll-Geschlecht nicht ver­läßt. D« ist ein überau« tressendes Deispiek für Den Stretchquartettstil Franz Schubert«, von einem ungeheuer starken dämonischen Impuls erfüllt und erhebt sich zu starker bramatifcher Kraft. Der zweite Satz knüpft an Schubert« Lied:Der Tod und ha« Mädchen" an, vielmehr er legt Den Ge­sang De« Tode« einer Folge von Variationen zu- grunhe, Die Da« Thema In seiner schaurigen 11 n- erbitllichkeit und In leinte friedbollen TröstUchlelt j

der Evangelische V o l k s d i e n st. Im all­gemeinen haben infolge Der geringen Wahlbeteili­gung alle Parteien gegenüber den letzten Reichstags- wählen einen Stimmenverlust zu verzeichnen, der sich am empfindlichsten bei den bürgerlichen Mittel- Parteien und den Deutschnationalen auswirkt. Das Zentrum hat sich gut gehalten und konnte im Oberland an verschiedenen Plätzen seine Sitze in den Bürgerausschüssen erhöhen: ebenso war cs in der Lage, in Mannheim einen Sitz Im Bürgeraus- schust zu gewinnen. Auch die W i r t s ch a f t s v a r - tei hat im allgemeinen nicht ungünstig abgeschnlb ten, mit Ausnahme von Freiburg, wo sich die Zahl ihrer Sitze Im Bürgerauoschust von 14 auf 5 ver­mindert. Schwere Verluste haben zum Teil die Sozialdemokraten zu verzeichnen, so in

Mannheim rund 10 000 Stimmen (fast 30 Prozent) und In Karlsruhe etwa 9000 Stimmen (über 40 Prozent) bei einer Verminderung der Stadtverord- nelensitze von 24 auf 18. Bessere Ergebnisse sind aber auf dem Lande festzustellen. Auch die Kom° m u nist en haben in Mannheim einen grasten Verlust zu beklagen (minus 12 000 Stimmen gleich 40 Prozent) und In Freiburg, wo sie fast die Hälfte Ihrer Stimmen elnbüstten, ferner In Karlsruhe, wo sie zwar einen Stimmenverlust von 30 Prozent auf= zuweilen haben, aber zwei Sitze gewinnen konnten. Die Nationalsozialisten kommen in Heidel­berg ast an Die Stimmen bei Der Reichstaaswahl heran, währenD sie in Karlsruhe einen Rückgang um über 4000 Stimmen zu verzeichnen haben (17 Prozent).

Der Kamps um die Erhöhung der Tabaksteuer.

(Lin neuer Vorschlag des Tabalgewerbes.

Der ReichsoerbanD Deutscher Zigarrenhersteller, Bezirksgruppe Hessen-Untersranken E. V., roenbet sich mit einem elngehenDen begrünbclen Vorschlag an Den Reichstag, Der unter Schonung Der ZI gar- renherftellung Der Regierung auf an De re Welse, nämlich Durch Besteuerung ber Mafchlnenlnbustrle im Tabakgewerbe bie beanspruchten Mittel zur Ver­fügung stellen will. Es helstt Darin:

Die Reichsregierung will bewusst Die Zigarren- inDuftrie zugunsten Der nur mit Maschinen arbel- teuben Grost-Kvnzerne ber Zigaretenlnbustrie zer­schlagen, trotzbem Hunberttausenbe von Existenzen in Der Herstellung, Im Handel unD in Den 'lieben- gcroerben hierdurch brotlos werben, lieber 60 v. H. unserer Arbeiterschaft beflnbet sich In Den kleinsten LanDorten unter 2000 Einwohnern. Das heißt, es flobet sich für Hunderttauscnde von Arbeitern, An­gestellten ufro. in ben ärmsten Gegenden fein Ver- Dienst mehr, nadjDem Die Grubenvetrlebe unD Der ec Teil Der übrigen Industrien schon jetzt still- i. Man will also alle die HunDerttausenbe von Menschen wirtschaftlich abwürgen, um Der Maschinen- tnbuftrie Der Zigarette weitere Chancen unD Ge­winne zuzugestehen! Das Ist unter Den jetzigen wirtschaftlichen Verhältnissen ein Irrsinn. Die Regie­rung nzust oas GelD bei Der Maschine holen!

1. Sie must Die Zigarette mehr belasten, 2. ste muh Die Stumpen mehr belasten unb 3. ste must Die Maschlnen-Zigarren mehr belasten!

Verwaltungskosten entstehen hierbei nicht. Für alle MaschlnenproDukte roirD Die Schaffung einer anDerssarblgen BanDerole oorgeschlagen, Die für das Mille Stumpen 4 Mark, für bie Maschinen­zigarren 6 Mark pro Mille mehr kostet. Die Zlga- retten-Banberole wäre so hoch zu erhöhen, baß bie 4-Pfennlg.Prelslaae = 5 Pf. unb bie 5-Pfennig- Prelslage 6 Pst pro Stück kostet. Diese geringe Erhöhung um je nur einen Pfennig würbe vom Zigarettenraucher gern getragen werben. Der Zi­garrenraucher lehnt aber eine Erhöhung ber 10- Pfennlg-Preislage auf 15 Pf. unb 15-Pfennlg- Preislage auf 23 bis 25 Pf. ganz bestimmt ab. Die Regierung bringt nach unserem Vorschläge ganz Kr Die von ihr benötigten Mittel auf. Sie braucht liefern Falle Die Mittel- unb Klelninbustrie unse­rer Zlgarrenherstettung nicht zu ruinieren. Sie spart sich selber Die Kosten für Hunberttausenbe von Er­werbslosen unb bie Entschädigungen für bie ab- gewürgten Zigarrenfabrikanten. Sie erhält bann weiter Arbeit für rund 200 000 Menschen, Die sie sonst Doch unterstützen must.

Wir forDcrn, Daß Die Reichsregierung weiter die Ausstellung auslänDischer Maschinen Durch Aus- länDer in unserer JnDustrle verhinDert, Durch welche deut.sche Arbeiter brotlos gemacht werben sollen. (Einen solchen Luxus können mir uns in unserem verarmten Deutschland nicht leisten.

Zweite Lesung des Etats im Reichsrat.

Oie Länder stimmen einer Kürzung der Lleberweisungen zu. Oie Gehalts- lürzung der Beamten beginnt bereits am 1. Februar 1931 und endet auch zwei Monate früher.

Berlin, 17. Rov. (WTB.) Unter Dem Vorsitz des Reichskanzlers verabschiedeten die vereinig­ten Ausschüsse Des Reichsratv in Der heutigen Rachmittagssihung In zweiter Lesung das Reichshaushaltsgesetz unD Den Haushaltsplan 1931. Rach schwierigen Verhandlungen erklärte sich die Reichsregierung elnoerftauDen, Den CänDern für Die Kürzung Der Ueberweisungen um 100 TU l H 1 o n e n Mark, die im Hinblick auf Die Ein­schränkung Des PersonalauswanDes In Der öffent­lichen Verwaltung Der CänDer unD Gemeinden vor­gesehen ist, einen Ausgleich zu gewähren. Jür einen Betrag von 50 Millionen Mark werden ihnen im Reichsbesitz befindliche Reichsbahnvor­zugsaktien Übereignet. Die Tragung Der rest­lichen 50 Millionen Mark soll ihnen DaDurch er­möglicht werden, daß Die für Drei Jahre vorgesehene sechvprozentlge Gehaltskürzung Der Beamten schon mit Dem 1. Februar 19 3 1 beginnen unD DemenlsprechenD mit Dem 31.Januar 1 9 3 4 außer Kraft treten soll. Ab 1. Februar roirD Die Reich » hilfe Der

Beamten auf Die Gehaltskürzung Der Beamten an- gerechnet.

Die Tabak st euernovelle wurde im Reichs­rat In zweiter Lesung angenommen, ofjntf Daß materielle AenDerungen oorgenommen wurden. Die Hauptstreitpunkte, Die hauptsächlich in Der Be­günstigung Der Zigarette gegenüber ber Zigarre bestehen, sinD allerdings Dabei noch wie vor ungeklärt geblieben. Die Tabakssteuernovelle roirD Daher in Den Ausschüssen noch eine Dritte Lesung erfahren, die noch vor Donnerstag ftattfinDen sott. Zur (ErleDigung Der Tabaksteuer­novelle erfahren wir noch, Daß Die von ber Regie­rung vorgeschlagenen Zollsätzeetwas herab­gesetzt worben slnb. Der Finanzminister hat sich mit bleuen Beschlüssen elnoerftqnben erklärt. Strittig ist nur noch eine Frage, bie beshalb für bie brüte Lesung zurückgestellt worben ist. von einigen Länbern wirb im Hinblick auf bie neue starke Be­lastung ber Zigarre noch eine erhöhte Belü­ftung für bie Zigarette für notroenblg ge­halten. lieber blefe Frage sollen bis zur briflen

Lesung noch Verhandlungen ffaftfinben.

Die Reichsralsausschüsse erlebigten ferner die brd Gesetze, bie bie Wohnungswirtschaft be­treffen, ebenfalls in zweiter Lesung.

Die von Preußen zum Wehretal gestellten Aenberungs- unb Kürzungsanlräge finb gegen bie preußischen Stimmen abgelehnt worben.

Die Verhanblungen trugen roieber bas Gepräge eines großen Tages. Auster bem R e I ch s k a n , l e r, bem Reichs wehrmlni st er unb bem Reichs­finanzminister finb bie zustänbigen Minister bzw. Mlnlflerpräfibenten ber meisten £ ä n b e r wie­der persönlich anwesend, u.a. der bayerische Minlsler- piäfibenl Held, ber württembergische Minister B o 13, ber badische Minister S chmibl, ber hes­sische Staalspräsibent Dr.Adelung, ber thüringische Minister B a u m , ber sächsische Minister- präfibenl Schleck unb ber braunsckyveigische Mi­nister üüchenlhal. Man erblickt barin Das Be­streben, Die AusschustverhanDlungen auf jeDen Fall gemäfi dem Wunsch Der Reichsregierung so zu sör- Dern, Daß Die verabschieDung Der Gesetze unb Des Haushalts am Donnerstag erfolgen kann. Die persönliche Anwesenheit ber TRirriflet macht es möglich, strittige Fragen sofort zu bereinigen, für die sonst erst verzögernde Rückfragen erforberlich wären.

Der Preissenkungsausschuß Des Reichskabineiis.

Heranziehung der Städte.

Berlin, 18. Rov. (ERB.) Der PreiSsen- kungsausschuß der Reichsregierung ist gestern nachmittag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers wieder zusammengetreten. Der Ausschuß will eine Lockerung der Kartellbindun- gen erzielen, wenn auch bisher Vorschläge, in; welcher Form dies geschehen konnte, noch nicht vorliegen. Die Durchführung des Gesamtpro- gramms wird noch längere Zeit in Anspruch neh­men. Bei den gestrigen Beratungen war u. a. der Präsident des Deutschen Städtetages Dr. Mulert zugegen. Gr wird auch an den wei­teren Beratungen teilnehmen, weil sich die un­bedingte Rotwendigleit herausgestellt hat, eine direkte Verbindung zu den Gemein­deverwaltungen herzustellen, um di« Be­schlüsse des Preissenkungsbusschusse« auch in der Provinz durchzusehen. Der Deutsche- Städtetag wird einen besonderen PreiS- nachrichtendienst einrichten, um durch schnelle Feststellung jeder Aenderung des Preis­niveaus die Verbraucher ständig auf dem Laufen­den zu halten.

Die Reichsbahn zur Preissenkung

Um eine Ermäßigung der Gütertarife.

Berlin, 17. Rov. (ERB.) Von der Verwal­tung der Deutschen Reichsbahn wird rnitgeteilt: Die Öffentlichkeit fordert mit wachsendem Rach­druck auch eine Ermäßigung der Reichs­bahngütertarife im Rahmen der allge­meinen Preissenkungsaktion der Reichsregierung. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß sich auch die Reichsregierung mit dieser Frage befaßt. Wie erinnerlich, hat der Reichsverkehrsminister bereits in diesem Frühjahr die von der Reichs­bahn wiederholt geforderte Erhöhung der für die Wirtschaft besonders bedeutsamen Wagen­ladungstarife verhindert. Die schon damals schwierige Lage der Reichsbahn hat sich seitdem weiter verfchärft. Die sich aus den Reparationsleistungen, der B e f ö r d e- rungssteuer und der aus der Demobil- machungszeit stammenden gewaltigen Pen- s i o n s l a st ergebenden Gesamtbelastung beträgt 26 Prozent der Bruttoeinnahmen des laufenden Geschäftsjahres: sie geht erheblich über die Summen hinaus, die die deutschen Eisen­bahnen in der Vorkriegszeit je herausgewirt­schaftet haben. Ist die Reichsbahn nicht In der Lage, ihre Reparationsverpflichtungen und die Dividenden für die Vorzugsaktien zu zahlen,

erschließen. Gerade diese Variationen haben die­sem opus eine besondere Volkstümlichkeit gesichert.

Romantisches, feinnerviges Musikerleben kündet Schum annsStreichauartett op. 41; Rr. 1 (A-QUolI). Sein Quartettstil Ist in seiner Haupt- domäne, der Klavierkomposition, begründet. Die Wesensart seines Schassens ließ ihn nicht zu jener straffen Konzentration im Ausbau gelangen, wie wir fte bet den Klassikern bewundern. Seine The­matik besteht tocnlaer in der sog.durchbrochenen" Arbeit, in einem Aus- und Ihn teerten und Reu- geftalten des motivischen Materials, als vielmehr in der Wiederholung motivischer Gruppen. So getetnnen auch seine Durchführungen eine von der klassischen Art abweichende Struktur. DaS Fluten der Gmpsindungskraft gibt seinen Quartetten den Lebensnerv. Wenngleich seine drei Quartette sei­nem Freunde Felix Mendelssohn-Bartholdy au- flcclgnet sind, so bedeutet da« nicht ein Verlassen^ seiner persönlichen SchafsenSctgenart, sondern diese Quartette geben ein Bild von seiner impulsiven Ursprünglichkeit, die sich dem augenblicklichen mu- tkalischen Erlebnis völlig hingibt und darin auf- teht. Der erste Satz, au dem eine thematisch ge- ugte Einleitung hinführt, zeigt eine besondere, Frische. Eigenartig ist das Scherzo mit seiner hastenden Dämonik. Da« Adagio ist erfüllt von Kantabilität. Da« schwungvolle Presto gewinnt in einem visionären Moderatotetl einen Ruhe­punkt, au« dem die Toda voller Klangsreude sich erhebt.

Aus die hohe K'langkultur de« Rosöquar- t e t t « und aus die ausgeprägte Individualität In der Besetzung der einzelnen Instrumente konnte schon im Vorjahre gebührend hlngewtesen wer­den. Mit Freuden kann e« begrüßt teerben, daß Prof. Buxbaum, der schon so lange Jahre der Vereinigung angehört hatte und bann für einige Zelt au«geschseden war, nun wieder an seinen allen Platz getreten ist: denn in ibm müssen wir einen der allerersten Quartettcellospieler er­kennen.

DaS Beethovenquartett wurde namentlich im Adagio in aller Feinheit de« Ausbaus in seiner hehren Größe erschlossen. Hier tote auch in dem langsamen Satz de« Schumann-Quartetle« erklang die Kantilene in Tonschönhett und edler Musi­kalität. Da« Kopfmottv de« DeethvvenquartettS erschien aber durch eine zu leichte Behandlung der letzten beiden Achtel im ersten Takt nicht markant genug In Anbetracht der führenden Be­deutung, die e« Im Verlauf de« ganzen SatzeS gewinnt: e^nso hätten bie llnlcrftImmen am ^chl"ß de« Scherzo« deutlicher heraustreten tonne,ii,

Für das Schumann-Quartett wäre mehr lieber* sichtllchkeit, Artikuliertheit der melodischen Linhe erwünscht gewesen, denn die Bindebogen be- beuten doch Wohl Abschnitte, die fürs Ohr wahr­nehmbar sein müssen. Das Drängende, das sich in der dynamischen Steigerung in der Scherzo­einleitung ausprägt, kam nicht zur Geltung, weil die Sechzehntelanfätze in gleicher Tonstärke ge­geben wurden, statt sie, wie es Schumann vor- fchrelbt, au« dem Plano herauswachsen zu lassen. Die Sforzando-Septimen-Rufe der Bratsche traten nicht, der ihnen vom Komponisten gegebenen Be­deutung entsprechend, genügend hervor. Es er­gab sich somit das gleiche Bild wie im Vorjahre, daß nicht alle Werke gleichmäßig durchstudiert erschienen.

Denn zu welchen Offenbarungen das Rose- Quartett fähig ist, da« bewies die Durchgestal- tung des Schubert-Quartetts, wo dem Willen des Komponisten bis zur feinsten leisesten Regung gefolgt wurde, wo das Werk in einer Größe und Schönheit erstand, wie man es sich nicht idealer denken könnte, so daß das Haus noch lange unter der Wirkung dieses Eindruckes stand.

Dr. H.

Mexikanisches HeldengeDichi.

Von Hans Meban. \

In Mexiko scherzt man nicht. In Mexiko macht man nicht gute Miene zum bösen Spiel. In Mexiko sitzt das Messer locker, und der Browning guckt au« der Hosentasche.

Ich kann heute abend nicht zu dir kommen", sagte Alberte,ich habe was Besonderes vor."

Das trifft sich ausgezeichnet", lachte Cäsa^, ich habe auch etwa« Besonderes vor. Ich gehe zu meiner Braut."

Tch", hob Alberte den Kopf,du bist verlobt?"

Richt gerade verlobt", murmelte Cäsar,aber so ungefähr."

Ein merkwürdiges Zusammentreffen", sagte Alberte,auch ich gehe heute abend nicht zu meiner Braut, aber so ungefähr..."

Sie trennten sich. Abends um acht Uhr prall­ten sie auf der Straße zusammen.

Ich gebe zur Plaza Mayor", sagte Alberte.

Ich gehe auch zur Plaza Mayor", zog Cäsar die Augenbrauen hoch.

Dann gehen wir zusammen."

Sie gingen zusammen.

Bor dem Hause Plaza Mayor Rr. 7 blieb G-äJar stehew »Hier ist to", jagte er blickte

auf eine kleine Porzellantafel.Pellegrini" stand da.

Auch ich will in dieses Haus", keuchte Al­berte, und seine Fäuste ballten sich.

Cäsar griff in die Tasche.Sie ist blond, klein und hat graue Augen."

Ganz recht", flüsterte Alberte, unb seine Stimme klang wie zitternder Stahl.Sie ist blond, klein unb hat graue Augen."

Dann knallten fast gleichzeitig die beiden Schüsse.

Am nächsten Tag im Spital saß Lu- krezia Pellegrini, blond, klein und mit grauen Augen, auf einem Stuhl neben einem Bett, und wenige Meter von ihr entfernt saß ein Mädchen, auch auf einem Stuhl, auch neben einem Bett, gerade so klein, blond unb mit grauen Augen. Das war Isabella, ihre Schwester.

Konsul OlafsonsOienft am Volkes

In einem Wiener Tonfilmatelier kam man während der Aufnahme zu einem Schteedenfilm in größte Verlegenheit: in einer Szene, die die Verhaftung eines ausländischen Schmuggler« durch einen schwedischen Polizeibeamten bringt, mußte der Vertreter der Staatsgewalt einige Worte auf schwedisch sagen. Die Suche nach einem schwedisch sprechenden Schauspieler im Studio blieb ergebnislos: man fand keinen ein­zigen Rordländer. Da wandte sich der Auf­nahmeleiter an das schwedische Konsulat unb bat um Ramhaftmachung eines womöglich ar­beitslosen Schweden, dem die paar Schillinge auf die Beine geholfen hätten, nachdem er selbst der Szene auf die Beine geholfen ... Diesmal war das Konsulat ratlos: man höre und staune, in ganz Wien trieb sich kein Arbeitsloser schwedi- cher Rationalität herum! Zum Glück sind aber >ie Schweden hundertprozentige Filmfreunde, unb o ließ ber Konsul Olafson bie Direktion wissen, baf) er die Rolle persönlich übernehmen würde. Gr erschien auch prompt im Atelier und brachte so­gar (als Reserveoffizier) einen schmucken Waffen­rock mit. Im Handumdrehen war die kleine Rolle ungeschrieben: kein Polizist, sondern ein richtiger" Offizier der Grenzwache hatte den Schmuggler zu ertappen.Im Ramen des König­reichs!", ertönte die Stimme des opferfreudigen Diplomaten in einwandfreiem Befehlstone--

bie Aufnahme toat in Bild und Ton ausgezeichnet gelungen. Man kann gespannt sein, ob Exzellenz Olafson einen Orden für seinen gewiß nicht alUäglichenDienst gm Vaterlands" belommt